Radfahren

Unsere erste kleine Radreise

Unsere erste kleine Radreise, Niederlande, Foto: Martin Hülle

Ursprünglich hatten wir bereits für die Sommerferien geplant, in der freien Zeit eine dreitägige Radreise in den Niederlanden zu unternehmen. Da wir dort zuvor schon zwei wunderbare Tagestouren rund um Venlo unter die Räder genommen hatten, wollten wir nun den nächsten Schritt tun und in unserem nahen Nachbarland erstmalig etwas länger unterwegs sein. Aber nachdem wir aus dem fernen Kroatien zurück waren, wo wir zu Beginn der Ferien zwei Wochen lang die Seele baumeln gelassen und uns kleinere Wanderungen in die Berge und Wälder verschlagen hatten, mussten wir feststellen, dass die direkte Bahnverbindung von Wuppertal nach Venlo aufgrund von Bauarbeiten vorübergehend außer Betrieb war. Mmh, eine Alternative Zugstrecke mit mehrmaligem Umsteigen schien uns in Zeiten des 9-Euro-Tickets wenig verlockend. Kurz schauten wir stattdessen nach einer Radtour im Münsterland, doch dort waren die Übernachtungsmöglichkeiten ziemlich teuer. Also verschoben wir unser Vorhaben auf die Zeit nach den Ferien, wenn die Eurobahn nach Venlo wieder durchgängig fahren würde, und warteten auf ein passendes Wochenende.

Drei Tage waren uns so natürlich nicht mehr vergönnt, aber immerhin eine zweitägige Fahrt. Und so machten wir uns schließlich vor einer Woche, als weder die Hitze zu groß, noch irgendetwas anderes dem Ziel im Wege stand, mal wieder mit dem Zug nach Venlo auf, um endlich unsere erste Radreise durchzuführen. Darauf hatten wir uns jetzt lange genug gefreut, seitdem wir im Frühjahr dem Radfieber erlegen waren.

Alles, was wir für die beiden Tage und eine Übernachtung brauchten, verstauten wir in einer „Arschrakete“ (wie diese etwas größeren Satteltaschen liebevoll genannt werden) an meinem Rad, in zwei kleineren Gabeltaschen am Gravelbike meiner Frau und in einem kleinen Rucksack, den ich zusätzlich noch trug. Töchterchen Selma hatte nur ihre Trinkflasche am Kinderrad und konnte ansonsten unbeschwert drauflosstrampeln.

Tag 1: Venlo – Geelenhoof

Vom Venloer Bahnhof starteten wir am frühen Samstag-Vormittag in südlicher Richtung und folgten für die meiste Zeit des Tages der Maas-Route. Bei bedecktem Himmel war es anfangs noch recht kühl und wir waren noch gar nicht richtig warm gefahren, als die erste Fährfahrt anstand. Von Steyl ging es hinüber Richtung Baarlo – ein Katzensprung für 90 Cent pro „Fietser“ (Radfahrer), bei dem wir erstaunt waren über den hohen Wasserstand der Maas, die anders als die meisten „ausgetrockneten“ Flüsse in Deutschland gut gefüllt war. In Baarlo selber steuerten wir sofort die nächstbeste Bäckerei an, griffen bei belegten Baguettes zu und nahmen ein Stück weiter auf einer Bank am Straßenrand ein spätes zweites Frühstück ein.

Frisch gestärkt erreichten wir kurz darauf die nächste Fährpassage von Kessel rüber nach Beesel. Umleitungen führten danach um ein paar Baumaßnahmen, die uns aber nicht weiter aufhielten und wir weiterhin Knotenpunkt um Knotenpunkt abspulen konnten. Vor der Tour hatte ich mit Hilfe des Online-Radroutenplaners alle Punkte entlang unserer ausgesuchten Strecke notiert, ausgedruckt und aufs Oberrohr meines Rades geklebt. So hatte ich den Routenverlauf immer im Blick und wir mussten dank der hervorragenden Beschilderung unterwegs kaum einmal anhalten, um nach dem rechten Weg zu suchen.

Hinter Roermond fuhren wir an zahlreichen Gewässern vorbei, über die wir unsere Blicke immer wieder schweifen lassen konnten. Bis wir in Heel noch einen Stopp am Jumbo-Supermarkt einlegten und uns für den Abend und den nächsten Morgen mit so mancher Leckerei eindeckten. Danach stand bald der Endspurt des Tages an, den unsere knurrenden Mägen am Snackpoint in Grathem allerdings kurzzeitig zum Stillstand brachten. Erst nach einer Burger-Stärkung spulten wir die verbliebenen drei Kilometer zu unserem Tagesziel, dem Geelenhoof, auch noch ab.

Auf dem Campingplatz hatten wir eine einfache Blockhütte gemietet, die sich als völlig ausreichend herausstellte. Ein Wasserkocher für einen Instant-Kaffee, ein Bett und ein Dach über dem Kopf, dazu ein Klo in unmittelbarer Nähe, mehr brauchte es nicht nach dem ersten Tag, an dem wir knapp 70 Kilometer unterwegs waren.

Tag 2: Geelenhoof – Venlo

Am Morgen war die Bewölkung des Vortags blauem Himmel und Sonnenschein gewichen. Wir frühstückten vor der Hütte, packten unsere sieben Sachen um machten uns um 10 Uhr wieder auf den Weg. Es war herrlich, bei diesem Wetter an Bauernhöfen vorbei und zwischen Feldern hindurch zu radeln. Nur war mit der wärmenden Sonne auch der Wind gekommen, der uns natürlich meist entgegen blies, egal welche Richtung wir auf unserem Zickzack-Kurs auch einschlugen. So waren mal wieder einige Pausen nötig, wie am Ostrand des Nationalparks De Groote Peel, wo uns Pferde Gurken- und Apfelstücke stibitzen wollten.

Wir fuhren über verkehrsarme Sträßchen, Radwege und ab und an jenseits von Asphalt über Wald- und Wiesenpfade. Abwechslung pur, bis wir nach einem Imbiss-Stopp in Neerkant auf die Schelde-Rheinroute einbogen, die uns von hier an zurück nach Venlo führen sollte.

Aber der Rest der Strecke zog sich und so langsam machten sich bei uns allen die Sitzknochen bemerkbar. Doch wir hielten durch und strampelten in Venlo, wo uns nach all der ländlichen Idylle die Menschenmassen erschreckten, sogar noch schnurstracks am Bahnhof vorbei, konnten wir die Niederlande nicht wieder verlassen, ohne uns zuvor in einem der Albert-Heijn-Supermärkte noch mit den obligatorischen Schokostreuseln in zahlreichen Varianten einzudecken.

Zurück am Bahnhof zeigte der Tacho für den zweiten Tag schließlich gute 78 Kilometer an – etwas mehr, als in der Planung überschlagen, und daher auf jeden Fall genug, um müde und zufrieden in den nächsten Zug zu steigen und nach einem wunderschönen Rad-Wochenende wieder nach Hause zu fahren.

Allerdings ahnten wir in diesem Moment nicht, dass uns das wahre Abenteuer erst noch bevorstand …

Abenteuer Rückreise

Um 18:05 Uhr wollten wir in den Maas-Wupper-Express einsteigen. Dabei war uns klar, dass am letzten Wochenende des 9-Euro-Tickets der Zug sicherlich recht voll sein würde. Allerdings war uns nicht klar, dass die RE 13 nur in halber Länge verkehren würde. Als die wenigen Wagen in den Bahnhof rollten, war schnell offensichtlich, dass nicht alle Fahrgäste, die versuchten, sich in den Zug zu drängen, auch hineinpassen würden. Und es dauerte ebenfalls nicht lange, bis ein Zugbegleiter verkündete, sie würden keine Fahrräder mitnehmen und wir müssten auf den nächsten Zug warten. Also warteten wir – wie auch einige andere Radler, Menschen mit viel Gepäck oder „sperrigen“ Kinderwagen. Dabei bekamen wir vor Abfahrt des Zuges noch den Tipp vom Fahrpersonal, wir könnten ja – sofern noch in der Lage – mit dem Rad einfach nach Viersen fahren, wo es mehr Zugverbindungen geben würde. Nun, zur vorgerückten Stunde, nach einem langen Tag im Sattel und ohne Licht an unseren Fahrrädern wollten wir die geschätzten 30 Kilometer aber nicht auch noch in Angriff nehmen und taten den Vorschlag als das ab, was er war, als Schnapsidee.

Eine Stunde später würde ja ohnehin die nächste Eurobahn kommen, so lange würden wir schon warten können. Aber sie kam nicht. Eine Verspätung wurde angekündigt. Dann die Durchsage, der 19:05er-Zug würde ganz ausfallen. Wie fein, sowas hatten wir hier schon mal erlebt. Also weiter warten auf die Verbindung um 20:05 Uhr. In der Zwischenzeit kamen wir mit allerlei Leuten ins Gespräch – einem Polen, einem Portugiesen, denen allen nichts anderes übrig blieb, als sich ihrem Schicksal zu ergeben. Busse als Alternative fahren Sonntags von Venlo wohl nicht.

Als die Abfahrtszeit um kurz nach Acht bereits verstrichen war, kam die erneute Ankündigung, auch dieser Zug würde sich verspäten. Und bald darauf auch hier die Durchsage, er würde ebenfalls ausfallen. Woohoo! Uns wurde schnell klar, dass selbst dann, wenn der Folgezug tatsächlich fahren würde – was mittlerweile allerdings sehr fraglich war –, wir bei dem mittlerweile herrschenden Andrang auf dem Bahnsteig mit unseren Fahrrädern wohl kaum mitgenommen würden. Da die Dunkelheit nun in großen Schritten näher rückte, war schnelle Handlung gefragt. Fix suchten wir online nach einem günstigen Hotel für die Nacht. Rasch hatten wir eins gefunden, wobei hier günstig sehr relativ zu sehen war … Das Gute, es lag nicht allzu weit vom Bahnhof entfernt. Also schwangen wir uns doch noch einmal auf die Räder und fuhren geschwind dorthin. Als wir ins Foyer traten, war es draußen stockdunkel. Zum Glück konnten wir unsere Räder in einem nicht genutzten Konferenzraum unterstellen – der Fahrradschuppen war bereits voll.

Nach einer zu kurzen Nacht klingelte der Wecker früh am nächsten Morgen. Ohne Frühstück ging es zurück zum Bahnhof. Die RE 13 um 07:05 Uhr fuhr pünktlich ab. Und Platz für unsere Fahrräder gab es auch. Aber natürlich schaffte es die Eurobahn, bis nach Wuppertal gute 20 Minuten Verspätung anzuhäufen. Weichenprobleme, vorgelassene Züge, usw., usw. … Aber da ohnehin klar war, dass meine Frau (Lehrerin) und meine Tochter zu spät zur Schule kommen würden, machte das den Braten auch nicht weiter fett …

Am Ende bewahrheitete sich der alte Spruch: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.“

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