Radfahren

Einmal von Meschede nach Hause

Einmal von Meschede nach Hause, Foto: Martin Hülle

Nach meiner Fahrt über die Radroute Wasserquintett war es an der Zeit, bald darauf ein Ziel in Angriff zu nehmen, das ich schon am Ende meines Beitrags über die Faszination des Gravelbikes erwähnt hatte: Eine Tour von Meschede über Olpe zurück nach Wuppertal. Um mich dieser Herausforderung weiter zu nähern, streute ich ins Training zuerst jedoch noch eine lange 147-Kilometer-Runde vorbei am Kemnader See und Baldeneysee ein, denn es galt, mich weiter an große Distanzen zu gewöhnen. Schließlich würde mein anvisiertes Ziel eine Streckenlänge jenseits der 160 km bedeuten …

Vor einigen Tagen war es dann aber soweit und ich fühlte mich bereit, loszulegen und loszuradeln. Der Wecker klingelte um 5 Uhr, in frischer Morgenluft sauste ich voller Elan zum Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen, wurde dort allerdings prompt ausgebremst. Der Zug nach Schwerte hatte 20 Minuten Verspätung. Mein Zeitplan geriet ins Wanken und ich befürchtete schon, den Anschlusszug ins Sauerland zu verpassen. Doch ich hatte Glück. In Schwerte war gerade noch genügend Zeit, umzusteigen in die Bahn nach Meschede. Also gelangte ich doch noch fahrplanmäßig zum Startpunkt meiner Radtour zurück nach Hause.

Zurechtgelegt hatte ich mir von hier eine Kombination aus drei Radwegen: Zuerst einem Abschnitt des Ruhr-Sieg-Radwegs, dann einem Teil des Bergischen Panorama-Radwegs und zum Ausklang noch einem Stück des Panorama-Radwegs Balkantrasse. So sollte ich – hoffentlich immer gut ausgeschildert – meinen Weg von Meschede heimwärts finden …

Abschnitt 1: Ruhr-Sieg-Radweg

Gegen halb 9 kehrte ich dem Mescheder-Bahnhof den Rücken und machte mich auf, die lange Strecke Stück für Stück und Kilometer für Kilometer unter die Räder zu nehmen. Dabei war es zu Beginn noch immer recht kühl und es dauerte auf der steigungsarmen Strecke eine ganze Weile, bis ich mich warm gefahren hatte. Auf zahlreichen ehemaligen Bahntrassen-Abschnitten kam ich hingegen gut voran und die waldreiche Mittelgebirgslandschaft zog an mir vorüber. Bis ich hinter Kückelheim im 689 m langen Fledermaustunnel verschwand – einem ersten Highlight des Radwegs von der Ruhr zur Sieg. Doch auch danach ging es munter weiter, ich passierte Finnentrop und Attendorn und erreichte kurz darauf das nächste, noch ungleich größere Highlight. Zwar war ich kurz vom rechten Weg abgekommen und nahm einen alternativen Radweg, doch auch so war der Biggesee nicht zu verfehlen.

Hatte ich allerdings gedacht, ich könnte hier ohne nennenswerte Höhenunterschiede entspannt am Ufer dieser zu den größten Stauseen Deutschlands zählenden Talsperre entlangradeln, war das eine schlecht recherchierte Fehleinschätzung. Um vom Nord- zum Südende des Biggesees zu gelangen, musste ich einige Anstiege bewältigen, die mir an diesem Tag zum ersten Mal aufzeigten, dass die Kraft in meinen Beinen nicht endlos reichen würde. Aber immerhin lagen nun auch schon knappe 80 km hinter mir, als ich in Olpe dem Ruhr-Sieg-Radweg Lebewohl sagte und nach kurzer Suche auf den Bergischen Panorama-Radweg wechselte.

Abschnitt 2: Bergischer Panorama-Radweg

Mittlerweile hatte die Temperatur gut zugelegt, weshalb ich in der dritten Pause des Tages nicht nur eine weitere Banane, Möhren, Nüsse und Riegel verdrückte und alles mit ordentlich viel Wasser runterspülte, sondern auch ein Langarmshirt gegen etwas luftigeres tauschen musste. Denn ich hatte an Ort und Stelle erst grob die Hälfte meines Unterfangens absolviert und wollte weiterhin kühlen Kopf bewahren. Doch das klappte hinter Drolshagen bei Pernze nicht allzu gut, wo mich der Rausch der Geschwindigkeit auf einer leicht abfallenden früheren Eisenbahnlinie überkam und ich prompt an einer Abzweigung vorbeibrauste, die ich hätte nehmen müssen. Bis ich mein Missgeschick bemerkte, war ich bereits geschätzte 2,5 Kilometer in die falsche Richtung gefahren. Fix drehte ich um, trat dafür nun in der Steigung, die es zuvor so locker hinabging, umso mehr in die Pedale und wusste dabei nicht, ob ich die insgesamt etwa 5 km Zusatzstrecke nun verfluchen sollte, oder ob sie den Braten auch nicht weiter Fett machen würde.

Denn schlimmer wurde es danach. Hinter Pernze ging es zuerst kurzzeitig ordentlicher bergan, um gleich darauf zur Aggertalsperre wieder hinab zu führen. Hier folgte eine kleine Abwechslung in Form einer ruppigen Gravelpassage, bis ich bald darauf an der Staumauer wieder auf Asphalt stieß. Die 100-Kilometer-Marke hatte ich in der Zwischenzeit passiert, aber der schwerste Brocken lag jetzt noch vor mir. Hinter Lantenbach ging es empor nach Unnenberg, eine steile Rampe, die sich urplötzlich vor mir aufbäumte und bei der ich mich fast mit den Zähnen im Lenker festbiss. Ich keuchte im ersten Gang und ärgerte mich, die Steigung nicht komplett im Wiegetritt zu meistern. Dafür schaffte ich es, einmal oben angekommen, die weite Aussicht von der Höhenlage zu genießen, der in Dannenberg jedoch noch ein weiterer kurzer Anstieg draufgesetzt wurde, um dann wirklich ganz oben zu sein.

Von hier an betrat ich bekanntes Terrain, führt doch auch die Radroute Wasserquintett hier entlang und verläuft eine ganze Weile auf gleicher Route wie der Bergische Panorama-Radweg. Daher wusste ich, dass mich hinter Marienheide eine Zeit lang einfaches Gelände erwarten würde in Form weiterer alter Bahnstrecken, die mittlerweile fein asphaltiert jedes Radfahrerherz höher schlagen lassen. Und so konnte ich mich auf dem folgenden Abschnitt über Wipperfürth, Hückeswagen und gar hinauf bis Bergisch Born wieder ein wenig erholen, oder besser gesagt, Körner sparen für den Endspurt.

Abschnitt 3: Panorama-Radweg Balkantrasse

In meiner ursprünglichen Idee für diese Radtour war Teil des Plans, bei Bergisch Born weiter dem Bergischen Panorama-Radweg in einem großen Bogen über Schloss Burg und Solingen bis nach Wuppertal zu folgen und auf dieser Route nach Hause zu gelangen. Doch da der Kilometerzähler jetzt bereits deutlich über 140 km anzeigte (und ich es aktuell nicht auf Teufel komm raus übertreiben wollte), hatte ich diesen verwegenen Gedanken, den Bergischen Panorama-Radweg weiter auszufahren, letztlich gestrichen und mich umentschieden dazu, elegant einen dritten Radweg einzustreuen und über den Panorama-Radweg Balkantrasse abzukürzen. Den kannte ich ja von einer früheren Radtour schon gut, wichtiger aber, er würde mir vorerst zahlreiche zusätzliche Kilometer und etliche weitere Höhenmeter ersparen, die ich mir lieber für eine zweite Auflage dieser Ausfahrt aufhebe, bei der ich dann eine Endsumme von sicherlich über 180 km vor der Brust hätte. Für den Moment begnügte ich mich indessen damit, ab Bergisch Born den kürzesten Weg gen Heimat einzuschlagen, was zum Schluss ebenfalls noch gute 20 km Strampelei auf die längst geleistete Arbeit bedeutete.

Und so wartete auch der finale Akt über die Verlängerung der eigentlichen Balkantrasse hinter Remscheid-Lennep noch mit etwas Zick und Zack und Auf und Ab auf, bis ich mich mal wieder das Marscheider Tal hinabstürzen konnte, dem Ziel, dem Endpunkt, der eigenen Haustüre entgegen.

167 Kilometer waren es zu guter Letzt. Dazu über 1.400 Höhenmeter. Bald acht Stunden saß ich dafür im Sattel. Aber mal wieder war es trotz aller Anstrengung herrlich, das gesteckte Ziel erreicht zu haben. Und natürlich hatte ich neben dem „Ursprungs-Plan“ sofort neue, „weitere“ Flausen im Kopf. Denn schließlich möchte ich mal die 200-km-Distanz an einem Stück knacken … Einmal von Meschede nach Hause war da nur ein nächster Schritt!

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