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Meine neuen Fujifilm-Kameras – die X-E4 und die X-S10

Die Fujifilm X-E4 und die X-S10, Foto: Martin Hülle

Gute fünf Jahre habe ich mittlerweile mit der X-Pro2 von Fujifilm fotografiert. Seit ich im November 2015 ein Vorserienmodell der Kamera in die Hände gedrückt bekam, war dieses Modell mein Arbeitstier. Ich habe damit mein Projekt Mein Norden abgeschlossen und fast mein komplettes Projekt Another Time, Another Place abgelichtet. Bei letzterem kam nur noch die X-T2 einmal kurz als Backup zum Einsatz, bevor ich auf zwei X-Pro2-Kameras umgestiegen bin. Zudem probierte ich bei einer Reise eine GFX 50R aus. Ansonsten war die X-Pro2 mein unangefochtener Liebling. Selbst deren Nachfolgerin, die X-Pro3, konnte mich nicht davon abbringen. Das ulkige Klappdisplay der Dreier überzeugte mich überhaupt nicht – da fotografierte ich mein Reise- und Fotoprojekt lieber noch mit der (veralteten) Zweier zu Ende, mit der ich es auch begonnen hatte.

Aber mittlerweile ist das Projekt abgeschlossen – worüber im Mai übrigens mein nächstes Fotobuch erscheinen wird – und daher ist jetzt Zeit für etwas Neues. Also habe ich kurzerhand zugeschlagen und ersetze meine beiden X-Pro2-Kameras durch eine X-E4 (wer weiß, vielleicht kommt mal noch eine zweite hinzu) und ergänze sie durch eine X-S10.

Gewagte Schritte, unverständlich oder logisch? Der Versuch einer Einordnung und Begründung:

Die Fujifilm X-E4

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich ein Verfechter des Messsucherstils bin. Diesen Rangefinderlook der X-Pro-Reihe habe ich dem DSLR-Design der X-T-Reihe daher klar den Vorzug gegeben. Aber wie ich schon sagte, endete die Pro-Serie für mich mit der X-Pro2, da mich die X-Pro3 nicht überzeugte. Also wartete ich auf die X-E4, hatte ich früher mit einer X-E1 und X-E2 doch schon gute Erfahrungen gemacht (eine X-E3 hatte ich alledings nie). Als Fujifilm die X-E4 dann schließlich vorstellte und erste Bilder der Kamera im Netz auftauchten, war ich allerdings zuerst ernüchtert. Einige Tasten waren weggefallen, der Fokushebel recht weit nach unten gerutscht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese Kamera praktisch in der Handhabung sein würde. Aber gleichzeitig sprachen mich ihr Minimalismus und das klare Design auf Anhieb sehr an. Also griff ich einfach zu und bestellte mir eine X-E4 im Set mit Handgriff und Daumenauflage.

In der vorigen Woche kam die Kamera bei mir an und ich war dann aber doch sofort sehr angetan. Sie liegt mit den Erweiterungen sehr gut in der Hand und ist dabei wunderbar kompakt. Und auch die Frage, ob ich sie meinen Bedürfnissen entsprechend konfigurieren könnte, konnte ich rasch positiv beantworten. Hatte ich an der X-Pro2 gar nicht alle zur Verfügung stehenden Fn-Tasten wirklich gebraucht, sieht es so aus, als hätte auch die X-E4 für mich genug davon. Dank der vier Fn-Wischtasten auf dem Touchscreen kann ich die für mich wichtigsten Einstellungen für eine praktische Nutzung positionieren. Auch der viel beklagte Wegfall des MCS-Schalters fällt für mich vorerst nicht ins Gewicht. Ich wechsel ohnehin nur selten zwischen den Fokus-Modi und daher scheint es okay, diese nun mit einem Wisch auf dem Display aufrufen zu können (dabei war ich bisher nie ein Freund von Touchscreens …).

Also, nach einem erstem Beschnuppern macht die X-E4 große Freude. Aber natürlich muss sie sich jetzt im fotografischen Alltag erst noch so richtig beweisen. Ich bin jedoch guter Dinge, dass ich hier eine neue kleine Freundin gefunden habe. Schließlich zog ich zuletzt immer parallel mit zwei X-Pro2-Kameras los, was im wahrsten Sinne des Wortes schwer ins Gewicht fiel. Und da ich mittlerweile ja auch am liebsten mit den kleinen „Fujinon“-Linsen fotografiere, ist die schnuckelige X-E4 einfach äußerst naheliegend …

Die Fujifilm X-S10

Im Gegensatz zur Rangefinder-X-E4 hätte ich allerdings nie gedacht, dass eine Kamera wie die X-S10 einmal in mein Beuteschema passen würde. DSLR-Style, PSAM-Dial – nicht das, was mich einst zu Fujifilm geführt hat. Aber diese Kamera soll mich in andere Ausdruckssparten führen, wozu sie aktuell genau richtig wirkt. Nachdem ich mich bislang rein auf die Fotografie konzentriert habe, möchte ich von nun an auch erste Filmschritte wagen. Und für die Videografie ist die X-S10 aus meiner Sicht ein ideales Einstiegsmodell.

Fujifilm sei Dank konnte ich zwei Wochen mit einem Leihgerät spielen, bevor ich mir die X-S10 zusammen mit dem 18-55er-Zoom zugelegt habe (ich hatte ja nur noch Festbrennweiten). Das scheint mir eine gleichzeitig herrlich kompakte aber ebenso leistungsstarke Kombi zu sein, um mich in diesem Feld auszuprobieren. Die Kamera bietet mir wohl erstmal alles, was ich dazu brauche. Die nötige Technik samt tollem Bildstabilisator in einem handlichen Gehäuse. Und auch hier konnte ich mir die Bedienelemente der X-S10 – wie schon die der X-E4 – schnell und gut auf meine Bedürfnisse anpassen. Bei der X-S10 ging das sogar noch etwas einfacher, da sie über mehr Fn-Tasten verfügt (aktuell brauche ich noch nicht einmal alle „Wischtasten“ auf dem Touchscreen).

Ich bin auf jeden Fall äußerst gespannt darauf, mit der X-S10 ein neues Kapitel aufzuschlagen und mich als Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann, Darsteller und Tontechniker zu versuchen. Ganz zu schweigen von Filmschnitt, Color Grading und Vertonung, was da ja auch noch mit dranhängt …

Fazit

Nun, eher Schlussbemerkung als Fazit, dafür müssen sich die beiden Kameras ja erst noch im längeren Praxiseinsatz bewähren. Aber natürlich sei schon an dieser Stelle bemerkt: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Beide Kameras sind nicht wettergeschützt, was ich dort, wo ich mich häufg tummele, natürlich sehr schätze. Oder beide Modelle haben jeweils nur einen Kartenslot – da fand ich die zwei Slots der X-Pro2 zur Backuperstellung natürlich schon beruhigend. Aber wie es meistens so ist, sind Kompromisse nötig.

Mich reizt es jedenfalls sehr, mit beiden Kameramodellen in neue Abenteuer aufzubrechen und auszuloten, wie weit ich mit ihnen komme!

Habt Ihr Fragen oder Anmerkungen zu dem einen oder anderen Kameramodell? Dann meldet Euch in den Kommentaren!

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12 Kommentare Neuen Kommentar hinzufügen

  1. Dominik sagt:

    Hey Martin, das klingt spannend. Ich warte noch auf meine vorbestellte X-E4. War eine X100(F/V) auch mal ein Thema für Dich in Deinen Überlegungen?

    1. Hallo Dominik,

      ja, ich hatte vor langer Zeit mal eine X100S mit auf einer Tour mit dabei. Die Kamera gefiel mir auch richtig gut und obwohl deren 23er-Objektiv zudem meine Lieblingsbrennweite ist, mag ich dennoch etwas mehr Variabilität und ziehe deswegen ja meist immer mit drei Brennweiten los. Daher blieb es bei dem einmaligen X100-Ausflug …

      Beste Grüße
      Martin

  2. Sandro Grundmann sagt:

    Keine einzige mit WR?! Oder war die X-T4 schon da?

    Zu den neuen, die X-E4 wäre mir zu minimalistisch, und beide haben leider immer noch den kleinen Sucher, den ich schon bei X-E3/X-T30 als Brillenträger suboptimal fand.

    1. Hallo Sandro,

      den Minimalismus finde ich ja gerade reizvoll … Und mit dem Sucher komme ich zurecht (keine Brille, Nutzung des rechten Auges). Und apropos Sucher: Auch an der X-Pro2 habe ich ja immer nur den EVF benutzt – ich vermisse also auch den optischen Sucher nicht …

      Aber was meinst Du mit „Keine einzige mit WR?! Oder war die X-T4 schon da?“ ???

      Bei der X-T-Reihe war für mich bei der X-T2 Schluss (und die habe ich ja auch kaum benutzt, sondern dann nur noch zwei X-Pro2). Und ja, jetzt hätte ich dann keine Kamera mehr mit WR. Das ist schade, aber nicht unmöglich. Mit X-Pro1, X-E1 und X-E2 hatte ich schließlich auch nie Probleme im feuchten und kalten Norden …

      Beste Grüße
      Martin

  3. Hallo Martin,

    die X-E4 finde ich aus den gleichen Gründen wie Du interessant. Was mich besonders interessiert, ist, ob der „heruntergerutschte“ Joystick trotzdem weiter intuitiv und praktisch benutzbar ist. Ich nutze den an X-T2, X-T3 und X-Pro3 sehr viel und frage mich, ob die geänderte Position ein Problem darstellen könnte – wobei ich mich noch als sehr lernfähig betrachte und nicht als „alten Gaul“, der sich nicht mehr anpassen kann. :-)

    Viele Grüße, Christian

    1. Hallo Christian,

      die Frage bezüglich der Position des Fokushebels hatte ich mir im Vorfeld ja auch gestellt – schließlich beutze ich den auch regelmäßig. Zuerst sei gesagt, dass er so tief sitzen muss, denn sonst wäre er im Weg, wenn der Daumen einfach ruhig an der Kamera liegt. Sicherlich wäre etwas höher für die Benutzung des Joystick angenehmer, aber ich finde dennoch nicht, dass er nun nach einer „Verrenkung“ verlangt. Ich muss den Daumen nur etwas mehr anwinkeln (als z. B. an der X-Pro2), aber z. B. nicht die gesamte Handposition für die Benutzung verändern …

      Beste Grüße
      Martin

  4. Andrees Lehmann sagt:

    Hallo Martin,

    erfrischend offen Dein kurzer Bericht. Habe meine X-E4 auch seit letzter Woche und es geht mir sehr ähnlich wie Dir. Allerdings ist der Griff für mich keine Option, habe mir nur noch die Daumenauflage bestellt.

    Die X-Pro2 hatte ich auch fast fünf Jahre und habe sie geliebt, die beste X seither. Da ich parallel auch eine X-T3 nutze, musste wieder etwas kompakteres her, die X-Pro2 blieb doch zu oft liegen und mit der X100F bin ich nie wirklich warm geworden, auch mir fehlte die Flexibilität.

    Was den Fokusstick und seine Position angeht, nutze ich gerade immer häufiger die Verschiebung des Fokusfeldes auf dem Display. Das geht eigentlich bei Kamera am Auge sehr bequem, wenn man dann die Touchfläche auf den oberen rechten Quadranten beschränkt. Für mich eigentlich die beste Touchfunktionalität. Damit bleibt der Stick nur noch für Gesichtsauswahl (selten erforderlich) und Drücken für Fokusfeldgröße.

    Für Videos möchte ich die X-E4 auch nutzen und habe mir dafür einen recht kompakten Gimbal bestellt, erste Versuche sind schon recht vielversprechend, am Wochenende geht’s mal nach draußen, Hundevideo drehen.

    1. Hallo Andrees,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Einen Griff hatte ich auch schon an meinen beiden X-Pro2-Kameras – selbst die lagen damit besser in der Ha nd. Und ein Stativanschluss ist so auch direkt dran …

      Mit den Möglichkeiten des Touchscreen muss ich mich sicherlich noch weiter beschäftigen – hatte ja vorher keine Kamera damit. Mal sehen.

      Und die X-E4 mit Gimbal ist dann sicherlich auch eine gute Option für Video!

  5. Klaus Moll sagt:

    Guten Tag Martin,

    vor einigen Tagen telefonierten wir über mein Luxusproblem. Ersatz für X100V durch X-T4 oder X-Pro3. Kurz danach hatte ich beide Gehäuse auf der Ladentheke vor mir. X-T4 ist zu sehr Spiegelreflex ähnlich. Die Entscheidung fiel schnell für eine X-Pro3 in Dura Black. Leider ist die Beschichtung tatsächlich sehr empfindlich. Nach Einstellung des Menüs ist die Schönheit dahin.

    Die X100V vermisse ich schon, war leichte Kavallerie. Deswegen tausche ich die Objektive 10-24 und 18-55 gegen 14, 35 und 50. Hoffentlich komme ich damit dem Gefühl der X100V wieder näher.

    Herzliche Grüße Klaus

    1. Hallo Klaus,

      ja, ich mag die „Rangefinder“-Kameras ja auch lieber als die „Spiegelreflex“-Modelle! Und zur X-Pro3 passen Festbrennweiten natürlich auch besser als Zoomobjektive ;-)

      Ich wünsche viel Freude mit der neuen Kamera!

      Beste Grüße
      Martin

  6. Nico sagt:

    Beste Grüße Martin,

    ich gratuliere zu diesen beiden neuen Kameras. Die X-S10 war die Kamera, die mich auch in das X-Boot geholt hat und ich bin von ihr absolut begeistert. Auch, oder vielleicht sogar gerade, in der Kombination mit dem 18-55 2.8-4 Objektiv macht sie sehr viel Spaß. Was mich auch gleich zu meiner Frage überleitet: Aus Zeitgründen habe ich es leider noch nicht geschafft, all Deine Blog-Einträge zu lesen, aber einen Teil und Deine Website habe ich schon im Großen und Ganzen durchstöbert. Wobei ich gleich mal sagen muss, wow, wirklich beeindruckende Arbeiten, die Du oben im Norden mit nach Hause genommen hast.

    Aus Deinem Blog mit den drei für Dich wichtigen Festbrennweiten erwähnst Du, dass Du gerne mit weniger unterwegs bist, Du aber trotzdem nicht auf Deine drei Linsen verzichten möchtest. Sind ja auch alles super Objektive. Aber warum nicht nur auf das oben angesprochene Objektiv reduzieren? Beim Ansehen Deiner Bilder ist mir aufgefallen, dass Du nicht so oft die Offenblende nutzt, die eine Festbrennweite bietet. Warum auch, Du bist schließlich Landschaftsfotograf und brauchst nicht zwingend eine Offenblende von 1.4. Gut, ja, Polarlichter, Nacht und Astro usw., aber das beinhaltet ja nicht die tägliche Arbeit. Und selbst da sollte das Kit-Objektiv durchaus punkten können. Natürlich sehr häufig in Verbindung mit einem Stativ, aber es sollte möglich sein.

    Mach es doch einfach für Dich und für uns als Deine Leser mal zur Challenge und nimm auf einer Deiner nächsten Reisen nur die beiden Kameras mit dem 18-55er mit oder auch nur eine von den beiden. Wenn vielleicht sogar eher die X-S10, da sich die X-E1 und X-E2 bereits schon bewiesen haben.

    Versteh mich bitte nicht falsch, auch ich nutze natürlich sehr gerne Festbrennweiten und mag Ihre Vorteile gegenüber eines Zooms, aber dieses Kit-Objektiv ist dennoch ein wirklich feines Stück Glas und Kompromisse muss man ohnehin immer irgendwo eingehen.

    1. Hallo Nico,

      erstmal vielen Dank für Deinen Kommentar! Und schön zu hören, dass Dir meine Arbeiten gefallen :-)

      Aber zu den Objektiven:
      Hätte ich mir nicht die X-S10 für Video zugelegt, hätte ich mir auch kein neues 18-55er angeschafft, denn das hatte ich früher schon mal. Und ich war damit auch sehr zufrieden und habe manche Reise/Tour allein damit fotografiert (z. B. diese: https://www.martin-huelle.de/blog/von-brigdi/). Daher kenne ich das, was Du mir als Challenge vorschlägst ;-)

      Ich habe mich ja auch nicht von Zooms verabschiedet, weil ich Festbrennweiten von der optischen Qualität besser finde, sondern weil ich mit FBs bewusster und einfach lieber fotografiere.

      Für die nächste größere Unternehmung möchte ich mir noch eine zweite X-E4 zulegen (zuvor hatte ich ja auch parallel mit zwei X-Pro2 fotografiert). An Objektiven würde ich dann wahrscheinlich mal ein Trio aus 16-27-50-Millimeter probieren. Und dazu die X-S10 mit dem Zoom, aber die Kombi nur für Videoaufnahmen.

      Es hat sich für mich bewährt, mit zwei identischen Kameras zu fotografieren – eine bestückt mit dem 23er (oder eben mal mit dem 27er), die andere mit dem 50er. Und dazu das 16er, welches ich selten einsetze, noch in der Tasche.

      Ich hatte auch mal das 16-55er, was mir aber gar keine Freude gemacht hat …

      Einige Zeit hatte ich auch überlegt, mit den FBs an der X-S10 zu filmen. Ich wollte da aber nicht so oft die Objektive wechseln müssen und bin daher beim Zoom gelandet. Das ist für Video sicherlich praktischer und hat noch den zusätzlichen OIS.

      PS:
      Und ja, Offenblende kommt bei mir nicht so oft vor, trotzdem ist es schön, zumindest eine F2- oder F2.8-Anfangsöffnung an den kleinen „Fujicrons“ zu haben … (die noch lichtstärkeren Glasklötze setze ich ja immer seltener ein).

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