Reisen Wandern

Über den Berggrat Romsdalseggen

Über den Berggrat Romsdalseggen, Norwegen, Foto: Martin Hülle

Es war ein fantastischer Tag! Als wir während unserer Sommerreise durch Norwegen im Jahr 2020 im Romsdalen bei Åndalsnes Station machten und unter der mächtigen Trollwand campierten, zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite und ermöglichte uns, über den Berggrat Romsdalseggen zu wandern. Diese berühmt-berüchtigte Tagestour gilt als eine der schönsten des ganzen Landes mit hervorragenden Ausblicken über das gesamte Umland.

Also nahmen wir neben vielen anderen Wagemutigen frühmorgens in Åndalsnes am Norsk Tindesenter den Bus ins Venjedalen, wo nach einer 20-minütigen Fahrt der mit roten „T“s markierte Wanderweg startete. Von der Haltestelle stiegen wir kräftezehrende 970 Höhenmeter hinauf auf den Rücken – zuerst noch moderat über die Anhöhe Hestheia, dann geradewegs empor über Geröll und Blockgelände –, denn ohne Fleiß kein Preis. Doch der wurde uns einmal oben angekommen prompt überreicht, als wir nach all der Anstrengung hoch über dem Romsdalen standen und sich die Tief- und Weitblicke vor uns auftaten. Unter uns der breite Fluss Rauma, über uns der markante Gipfel des Store Venjetinden und dazu der weitere Gratverlauf. Ein Genuss in Worten kaum zu beschreiben …

Weiter ging es über den Kamm, der mal mehr und mal weniger schmal daherkommt, teilweise durchaus exponiert und mit Seilen versichert. Aber das machte Freude und gab der Tour die nötige Würze, die am Mjølvafjellet auf 1216 m Höhe gipfelt. Immer wieder schielte ich zwischendurch hinüber zur legendären Trollwand, Europas höchster Felswand, mit den vielen zerklüfteten Trolltinden-Zacken. Und selbst weiter entfernt, im Nationalpark Reinheimen, waren die bekannten Berge Bispen, Kongen und Dronninga auszumachen, der Bischof, der König und die Königin.

An der kleinen Steinhütte Ottarbu machten wir eine letzte Pause, bevor die gesamt etwa 10,3 km lange Strecke zum Ende mit einem steilen Abstieg hinab nach Åndalsnes aufwartet. Schon etwas müde in den Beinen sind die fast 1200 Höhenmeter hinunter nicht zu verachten, die vorbeiführen an der Aussichtsplattform Rampestreken, einem überlaufenen Selfie-Spot. Aber was soll’s? Wir ließen diesen Tummelplatz links liegen und hatten es nach 8,5 anstrengenden Stunden geschafft und ein unvergessliches Erlebnis erwandert, erkraxelt und erkundet!

Ach ja, in der kleinen Info-Broschüre samt Karte zur Tour wird der Berggrat Romsdalseggen für Kinder nicht empfohlen. Nun, Selma hatte trotzdem ihre Freude und war schließlich die erste zurück im Tal ;-)

Diese Tageswanderung unternahmen wir übrigens zwischen unseren Mehrtagestouren im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark und im Tafjordfjella im Reinheimen-Nationalpark, die Bestandteil meines Projekts und Fotobuchs Another Time, Another Place sind.

Dir gefällt mein Blog oder Du möchtest meine Arbeit unterstützen? Dann spendiere mir einen Kaffee :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.