Wandern

Eine Runde ums Tal

Rund um Wuppertal, Foto: Martin Hülle

Vor 15 Jahren bin ich den Rundweg um Wuppertal zum ersten Mal gewandert. An einem Stück. Keine Kleinigkeit – immerhin kommen auf der Strecke um meine Heimatstadt ein paar Kilometer zusammen. Manche sprechen von 104, andere gar von 109 km Länge. 21 Stunden und 15 Minuten war ich damals auf den Beinen.

Um meinem aktuellen Training einen neuen Impuls zu geben und einfach mal eine größere Belastung über einen längeren Zeitraum einzustreuen – ohne tagelange Regenerationszeiten dazwischen –, kam ich auf die Idee, diese Wanderroute nochmals zu laufen. Aber nicht erneut in einem Rutsch – das wäre des Guten zu viel gewesen –, sondern verteilt über drei aufeinanderfolgende Tage. Jeweils etwa ein Drittel des Weges zum Ziel.

Tag 1

Die Etappe vom Mollenkotten bis nach Vohwinkel machte den Anfang. Vor allem die erste Hälfte davon kenne ich sehr gut, da ich einerseits im Hilgenpütt im Vorfeld meiner Grönland-Expeditionen regelmäßig Autoreifen als „Pulka-Training“ hinter mir hergeschleift habe, andererseits die weitere Passage über den Hackenberg, an Dönberg vorbei und bis Grenze Jagdhaus der Abschnitt ist, den ich beim „Staffellauf Rund um Wuppertal“ schön öfters gerannt bin. Viel Neues gab es daher für mich nicht zu entdecken.

So richtig stimmungsvoll wurde es auch erst zum Schluss. Am Schloss Lüntenbeck war ich schon lange vorbei, da legte sich im Tal bei Schöller Abendnebel über die Wiesen. Er ließ mich kurz innehalten, das ruhige Spektakel genießen, bevor ich die Beine wieder in die Hand nahm und fix weiter marschierte, um nicht noch allzu lange durch die aufkommende Dunkelheit laufen zu müssen. Ich war sozusagen voll auf Speed. Trotzdem musste ich noch die Stirnlampe aufsetzen und vorbei an der Justizvollzugsanstalt die letzten Meter bis Vohwinkel absolvieren. Um 18 Uhr war ich dort.

Tag 2

Am Morgen sagte der Wetterbericht für den Nachmittag Regen voraus, also steckte ich kurzerhand noch einen wasserdichten Wetterschutz in den Rucksack. Sicher ist sicher. Mit der Schwebebahn ging es dann zurück nach Vohwinkel. Um 09:30 Uhr stand ich wieder auf dem Rundweg – es konnte weitergehen.

Ein waldreicher Abschnitt durch den Staatsforst Burgholz stand auf dem Programm. Zuvor fix am Klärwerk Buchenhofen vorbei, dahinter rauf in den Wald und oberhalb der Wupper dem Flusslauf folgend durch den spätherbstlichen Baumbestand. Unaufhörlich drang aus der Kohlfurth, von der Landesstraße 74, Autolärm herauf, der bei Sudberg tatsächlich durch Nässe von oben abgelöst wurde. Aber dieser Niesel war es nicht wert, die Regenjacke überzustreifen. Ich lief einfach im Fleece weiter.

Im Morsbachtal eine letzte Pause. Danach der Endspurt für den Tag. Es war noch hell, als ich die Ronsdorfer Talsperre passierte und schließlich die Häuser und eine Bushaltestelle erreichte.

Tag 3

Es war frisch. Ein kühler Wind zog über die Höhen und trieb mich weiter. Zuerst von Ronsdorf bis nach Lüttringhausen, nachfolgend zwischen kahlen Feldern hindurch bis nach Beyenburg. Dort am Stausee entlang, noch ein Schlenker durch ein Waldstück und steil rauf auf den Ehrenberg. Dort oben lief mir bei mittlerweile neun Grad der Schweiß und ich musste erstmal ein paar kräftige Schlucke aus der Wasserflasche nehmen.

Darauf folgte ein Stück durch das Gewerbegebiet Langerfeld und am Gewerbegebiet Nächstebreck vorbei. Nicht gerade schön, aber mein Fokus war jetzt ohnehin nur noch auf das Ziel gerichtet. Und es fehlte auch nicht mehr viel, bis sich der Kreis am Mollenkotten wieder schloss.

Zusammengerechnet brauchte ich 18,5 Stunden für den Wuppertaler Rundweg. Das macht im Schnitt mehr als 5,5 Kilometer pro Stunde – inklusive Pausen. Damit bin ich zufrieden. Es lief alles wie am Schnürrchen, die Beine machten gut mit und die Regeneration zwischen den Tagen war ausreichend. Und schön war es obendrein. Stundenlang draußen zu sein – das Laub zu Füßen und den Wind im Gesicht.

Doch diese Runde ums Tal war nur ein weiterer kleiner Schritt. In ein paar Wochen wartet ein richtiger Leistungstest auf mich. Dann möchte ich sehen, wie ich aktuell wirklich vorankomme … Doch bis dahin zerre ich erstmal wieder Autoreifen durch den Wald und schleppe Wasserflaschen im Rucksack durch die Lande. Denn ohne Schweiß kein Preis. Ach je, Ihr wisst schon …

> Reisen und Touren

Dir gefällt mein Blog oder Du möchtest meine Arbeit unterstützen? Dann spendiere mir einen Kaffee :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert