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Konzentration auf das Wesentliche

Seit März 2012 fotografiere ich mit dem X System von Fujifilm. Mein Einstieg war die X-Pro1 – die Kamera, deren Vorstellung ich so sehr entgegengefiebert hatte. Dieses Stück Technik im Retrolook erschien mir so verlockend wie kein anderer Fotoapparat. Dabei war mein Wunsch, von nun an mit diesem System loszuziehen, am Anfang in erster Linie aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels geboren. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen.

Die X-Pro1 übertraf dann alle meine Erwartungen: Sie machte nicht nur hervorragende Bilder, sondern einfach auch unglaublich viel Freude! Es war bis dahin die schönste Kamera, die ich je hatte. Ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber genauso geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment.

Über die Jahre nutzte ich aber auch weitere Kameramodelle aus dem Fujifilm-Sortiment. Aus der kompakteren X-E-Serie, die ich allerdings als nicht so ergonomisch empfand wie ihre große Schwester, die X-Pro, oder die ausgewogene X-T1, mit der ich die meisten Reisen meines Projekts Mein Norden bestritten habe. Doch schließlich ist es die X-Pro2, die alle Welten für mich vereint. Die Veränderungen und Optimierungen bieten im Grunde all das, was ich mir bei Fujifilm als wichtigste Verbesserungen gegenüber ihrer Vorgängerin gewünscht hatte.

Als dann auch die X-T1 eine Nachfolgerin bekam, wurde mir immer wieder die Frage gestellt, ob man jetzt zur X-Pro2 oder doch lieber zur X-T2 greifen solle? Meine Antwort: Es kommt darauf an. Darauf, welches der beiden Topmodelle einem besser in der Hand liegt, welche Features einem besonders wichtig sind. Darauf, wie und was man fotografiert.

Unterm Strich mag ich die X-Pro2 einfach am liebsten: Nicht zuletzt hat auch sie diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.

Im Buch FUJIFILM X-PHOTOGRAPHERS – Vom Fotografieren mit dem Fujifilm X-System berichte ich auch ausführlich über meinen Liebling. Und nachdem ich eine Zeit lang mit einer X-Pro2 und einer X-T2 als Backup losgezogen bin, habe ich mich mittlerweile vom T-Modell getrennt und eine zweite X-Pro2 angeschafft, um von nun an parallel und einheitlich mit zwei X-Pro-Kameras unterwegs zu sein.

Objektive – Die Qual der Wahl

Kamen während meines Fotoprojekts Mein Norden von Reise zu Reise noch viele verschiedene Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild), möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt eine „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Denn die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich auch im Bildstil wieder. Dieser wird nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Die Frage, welche Festbrennweiten ich nehmen soll, hatte ich ja bereits gestellt. Und auch eine Antwort gefunden in dem lichtstarken Trio aus 16er, 23er und 56er. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Fujinon-Linsen loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Aber da gibt es ja noch die Alternative aus den drei kleinen Objektiven mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Das XF23mmF2 R WR, XF35mmF2 R WR und XF50mmF2 R WR sind im Gegensatz zu den lichtstarken Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll.

Bei einem Versuch, den Vestkyststien in Dänemark zu laufen, hatte ich kürzlich nur diese drei Objektive dabei. Als weiteren Test, ob deren optische Leistung ausreichend ist, um ein großes Projekt damit zu fotografieren. Aber zu vielen Bildern kam ich leider nicht, denn ein strammer Ostwind ließ die ohnehin niedrigen Temperaturen in gefühlt frostige Minusgrade purzeln und wir suchten schnell wieder das Weite, obwohl wir doch eigentlich für alles gerüstet waren – nur nicht für sibirische Kälte …

– Strandläuferin – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1250 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– In der Heide – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1600 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Zwischen Agger und dem Lodbjerg Fyr – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1250 Sek, f 5.6, ISO 200 –

Ein Rückblick

Auf Island im letzten Sommer und in Norwegen im vorigen Februar war ich noch mit dem bewährten Dreigestirn aus XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R unterwegs. Ob Unterwegs am Langisjór zwischen grünen Hügeln und schwarzer Wüste oder bei der Nordische Momente – Lofoten Masterclass waren die Objektive wieder einmal verlässliche Begleiter mit bestechender Leistung.

Wenn sie nur nicht so schwer wären und es diese leichteren Alternativen gäbe …

– Rain Man – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/125 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Himmeltindan – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/1600 Sek, f 4, ISO 200 –

Ein Ausblick

Die Anschaffung einer zweiten X-Pro2 hatte auch den Grund, von nun an beide Kameras mit angesetztem Objektiv griffbereit in der Fototasche zu haben. Bislang habe ich immer nur einen Fotoapparat genutzt und das andere Gehäuse gut verpackt als Sicherung im Rucksack mit mir rumgeschleppt. Die Ersatzkamera konnte dann durchaus ein anderes Modell sein, aber bei einem Paralleleinsatz ist es erheblich sinnvoller, wenn es sich um identische Bodies handelt. Denn der Griff zu dieser oder jenen Kamera ist ja quasi nur ein Objektivwechsel, der ansonsten umständlich vorgenommen werden müsste, was auf meinen Unternehmungen vor allem bei widrigem Wetter sehr lästig sein kann.

In Dänemark hatte ich eine X-Pro2 mit dem kleinen 23er bestückt, die andere mit dem leichten 50er. Das 35er steckte zusätzlich noch in der Fototasche. So war der wichtigste Brennweitenwechsel zwischen Weitwinkel und leichtem Tele schnell durchgeführt, eben allein dadurch, die jeweils andere X-Pro2 in die Hand zu nehmen. Das 35er kam auf dieser Reise übrigens gar nicht zum Einsatz.

Im Mai breche ich nun nach Schottland auf, wo ich den Cape Wrath Trail laufen möchte, eine 370 km lange Wanderstrecke. Dorthin werde ich eine Kombination aus dem „Top-Trio“ und den „Fujicrons“ mitnehmen. Das kleine 23er an der einen X-Pro2 und das leichte 50er an der anderen hat sich auf dem Vestkyststien als sehr praktisch erwiesen. Handlich und immer griffbereit. Und zu diesen schnuckeligen Linsen dann noch das lichtstarke 16er. Mehr braucht es sicherlich nicht, um alle Erlebnisse einzufangen.

Die X-Pro2 mit wenigen Festbrennweiten ist für mich die Konzentration auf das Wesentliche. Und zudem ausreichend, eine Reise nach meinen Wünschen zu dokumentieren, denn weniger ist auch hier meist mehr.

Konzentriert Ihr euch auch auf wenig Fotoausrüstung oder nehmt Ihr immer „alles“ mit? Berichtet gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Während meines Projekts Mein Norden kamen von Reise zu Reise viele verschiedene Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild). Meistens griff ich zu einem Zoom oder zu Kombinationen aus Zooms, die ich ab und an noch mit einer einzelnen Festbrennweite ergänzte. Aber es gab auch Wandertouren, zu denen ich ausschließlich Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

Nach Abschluss aller Unternehmungen war es interessant zu sehen, welche Brennweiten und Objektivkombinationen am häufigsten zum Einsatz kamen. Die extremen Bereiche – Ultraweitwinkel und stärkeres Tele – habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich zwischen ca. 16/18 und 55 mm ab. Daher ist eigentlich das lichtstarke XF16-55mmF2.8 R LM WR Zoom eine gute Wahl, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einem Objektiv abdeckt, und das ich auf zwei Reisen mit dabei hatte. Aber ich mag das dicke Ding nicht so sehr und fotografiere ohnehin lieber mit FBs.

Die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich allerdings auch im Bildstil wieder. Dieser wird also nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Bei einem zukünftigen Fotoprojekt möchte ich mir diese „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Nur welche Linsen soll ich letztendlich nehmen?

Rückblicke und Erfahrungen

18, 35 und 60 Millimeter
Als ich 2012 zu Fuß und allein in Schweden und Norwegen durch Europas letzte Wildnis lief, hatte ich in den Regionen Sarek und Padjelanta nur das XF18mmF2 R, das XF35mmF1.4 R und das XF60mmF2.4 R Macro dabei – weitere Objektive gab es zu der Zeit für das X System ohnehin noch nicht. Das 35er war mir auf der Tour die liebste und meistgenutzte Linse. Diese Normalbrennweite – entsprechend ca. 50 mm an Kleinbild – passte gut zu den Motiven. Mit dem 18er hingegen wurde ich von Anfang an nie richtig warm, was sowohl am Bildwinkel als auch an der optischen Leistung lag, die mich nicht so richtig überzeugte. Das 60er war dafür ein schönes kürzeres Tele, aber langsam vom Autofokus her.

Als Fujifilm daraufhin die ersten Zooms herausbrachte, legte ich die Festbrennweiten vorerst auf Seite, und das XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS wurde für lange Zeit mein Brot- und Butter-Objektiv. Auf Outdoortouren ist ein Zoom einfach praktisch – lästige Objektivwechsel im Schneesturm oder unter anderen garstigen Bedingungen entfallen, und die wichtigsten Brennweiten sitzen immer an der Kamera. Die 18er-Festbrennweite und das 60er-Macro kamen seitdem nicht mehr zum Einsatz.

Doch irgendwann wurden mir die Zooms zu bunt. In der Zwischenzeit hatte ich auf einigen Reisen zusätzlich zum Standardzoom vereinzelt auch das XF10-24mmF4 R OIS und das XF55-200mmF3.5-4.8 R LM OIS eingesetzt, die das Fujinon-Sortiment mittlerweile erweiterten. Mir war das aber ein Zuviel an Möglichkeiten geworden, und ich wagte es ein zweites Mal, nur mit Festbrennweiten loszuziehen.

– Im Gleichgewicht – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1100 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Hunau-Turm – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1800 Sek, f 2.8, ISO 200 –

14, 23 und 56 Millimeter
Im Spätherbst 2014 streifte ich in Finnland durch den Urho-Kekkonen-Nationalpark und nahm nur das XF14mmF2.8 R, das XF23mmF1.4 R und das XF56mmF1.2 R mit. Und das war gut so. Müsste ich die Inselfrage beantworten, wäre sicherlich das 23er das Objektiv, das ich auswählen würde, wenn ich mich nur für eine einzige Brennweite entscheiden dürfte. Im Unterschied zum 35er ist es für mich universeller einsetzbar und entspricht in der Landschaftsfotografie eher dem, was ich sehe, wohingegen das Normalobjektiv in meinen Augen eine Szenerie bereits minimal telehaft verdichtet.

Das 14er, das ich auch zuvor schon mehrfach als Ergänzung zum Standard- und zum Telezoom dabei hatte, überzeugte mich aber nicht so recht. Wie schon beim 18er lag es auch hier an der Brennweite und der optischen Leistung. Die Bildqualität fand ich schlechter als beim 10-24er bei gleicher Brennweite. Und überhaupt, der Bildwinkel. Der große deutsche Naturfotograf Fritz Pölking sagte einst, ein Objektiv dieser Brennweite sei schnell „geschwätzig“, weil es einfach zu viel aufs Bild bringt, oft Unwichtiges. Ein „viel hilft viel“ ist hier häufig wenig zielführend auf dem Weg zu einem guten Bild. Daher habe ich das 14er, wie auch das 10-24er im extremen Brennweitenbereich, nur selten benutzt.

Die 56er-„Porträt-Linse“, wie das 23er extrem lichtstark, war und ist allerdings ein feines Teil. Diesen leichten Telebereich setze ich gerne ein, um beispielsweise Details aus einer Landschaft herauszuarbeiten.

Weil Zooms jedoch, ich sagte es bereits, auf Wanderungen und Skitouren oftmals ihre Vorzüge haben, probierte ich auf zwei folgenden Reisen das lichtstarke 16-55er aus, um zu sehen, ob diese „Eierlegende Wollmichsau“ für mich der Heilige Gral sein könnte. Was aber, wie eingangs schon erwähnt, nicht der Fall war. Zwar passt der Brennweitenbereich ziemlich perfekt, auch die Lichtstärke ist meistens ausreichend, aber der Funke sprang nie über. Ich sehnte mich bald erneut nach Festbrennweiten und unternahm einen dritten Versuch.

– Pusteblume – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/500 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Bokehlicious – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/125 Sek, f 2.8, ISO 1000 –

16, 23 und 56 Millimeter
Für meine Wanderungen durch das Johan Dahl Land, Qajuuttap Nunaa und das Mellemlandet auf Grönland im letzten Jahr packte ich dieses Mal neben dem XF23mmF1.4 R und dem XF56mmF1.2 R noch das XF16mmF1.4 R WR ein. 23er und 56er hatten sich ja bereits bewährt und waren auch auf dieser Reise verlässliche Begleiter. Und im ebenso lichtstarken 16er fand ich eine Ergänzung, die mir ideal erscheint, fängt das Objektiv doch diesen Tick weniger ein, den das 14er meist zu viel rumlabert.

Mit diesem Setup hatte ich mein Wunsch-Trio an Festbrennweiten gefunden. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Linsen von nun an loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Eine schöne Abrundung des „Dreigestirns“ ist als viertes Objektiv das XF35mmF2 R WR, das ich dem alten und lichtstärkeren 35er mittlerweile vorziehe. Das neue ist kompakter, leichter, schneller, wettergeschützt und sieht vor allem an der Fujifilm X-Pro2 viel schöner aus ;-) Abgesehen von ein paar Schwächen im Nahbereich und bei Offenblende hat es mich als Allrounder im klassischen Normalbereich, der für mich eher eine Art Option zwischen leichtem Weitwinkel und leichtem Tele darstellt, im vergangenen Herbst auf Texel bereits sehr überzeugt.

Eine Verlockung – die Fujicrons

23, 35 und 50 Millimeter
Ach ja, alles wäre so einfach, wenn es nicht doch noch eine Alternative gäbe. Seit einiger Zeit gibt es neben dem kleinen 35er zwei weitere Objektive mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Auch das XF23mmF2 R WR und das XF50mmF2 R WR sind vor allem im Gegensatz zu den lichtstarken 23er- und 56er-Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Mmh, für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll. Bei verschiedenen kürzeren Ausflügen habe ich sie bereits verwendet, um zu sehen, ob deren optische Leistung ausreichend ist. Für den „Hausgebrauch“ ist sie das allemal, aber wäre sie auch gut genug, um ein großes Projekt damit zu fotografieren, worüber nachher erneut ein Fotobuch erscheinen soll? Nun, ich denke schon. Und daher werde ich bei einigen der nächsten großen Touren wahrscheinlich die schnuckeligen „Fujicrons“ – ergänzt allein mit dem lichtstarken 16er – in die Welt hinausführen und mit diesen Linsen alle Erlebnisse einfangen.

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Folgeartikel

> Konzentration auf das Wesentliche

Die Fujifilm X-Pro1 – Erste Eindrücke und Erfahrungen

Seit Mitte März fotografiere ich mittlerweile mit der Fujifilm X-Pro1. Der Kamera, deren Vorstellung ich so sehr entgegen gefiebert hatte. Dieses Stück Technik im Retrolook erschien mir so verlockend wie kein anderer Fotoapparat. Als ich sie dann als einer der ersten bekam, war es einer der Momente, an dem Weihnachten und Geburtstag zusammenfallen. Seitdem habe ich mich zuerst vor der Haustüre an sie gewöhnt, bin den Wupperweg mit ihr gelaufen und habe sie schließlich einige Tage ins Sauerland entführt. Genug Zeit und Möglichkeit, die Stärken und Schwächen der X-Pro1 kennenzulernen. Und eine gute Basis, einen ersten Erfahrungsbericht zu schreiben. Dabei will ich die Kamera jetzt nicht von A-Z erklären, sondern auch davon erzählen, wie wir uns nach der Liebe auf den ersten Blick rasch näherkamen, uns weiter beschnupperten, erstaunt anblickten, tuschelnd Händchen hielten, auch mal kurz anschnauzten, nicht mehr voneinander lassen konnten und uns nun eine gemeinsame Zukunft am rosafarbenen Himmel ausmalen. Kurz gesagt: wie ich mit ihr zurechtkomme, was mir gefällt und was nicht.

Vorbemerkung
Ich bekam die X-Pro1 samt aller Objektive und einigem Zubehör von Fujifilm im Rahmen einer langfristig angelegten Zusammenarbeit. Nichtsdestotrotz vertrete ich hier allein meine Meinung. Aber so soll’s auch sein. Soweit – los geht’s …

Der erste Eindruck

Zum ersten Mal hielt ich die X-Pro1 Mitte Februar in Kleve bei einem Treffen mit Fujifilm in Händen. Und ja, sie war groß. So groß wie eine Leica M. Genau richtig! Ich mag kleine Kameras nicht. Die sind mir zu unhandlich. Meine X10 ist und bleibt daher nur eine Kompakte – nix zum richtigen Fotografieren. Aber die X-Pro1, ja, das ist was. Und leicht dazu. Viele bemängelten später diese Leichtigkeit und setzten geringes Gewicht mit billig gleich. Das sehe und empfinde ich nicht so. Größe und Gewicht der Kamera bilden mit angeschlossenem Objektiv eine harmonische Einheit. Das passt.

Diese erste Begegnung war allerdings nur von kurzer Dauer, hat aber das Feuer umso mehr entfacht. Bis zum freudigen Wiedersehen vergingen noch ein paar lange Wochen. Doch dann kam es, das große Paket mit all den Leckerbissen, und ich konnte meine X-Pro1 endlich auspacken. Ein Augenblick, in der die Zeit zur Seite trat und die Stunden unbemerkt vergingen …

Haptik und Verarbeitung sind auf einem sehr hohen Niveau. Alles fühlt sich wertig an. Die Bedienelemente und Einstellräder sind zugleich leichtgängig und solide.

– Osterfeuer – XF35mmF1.4 R, ISO 800, 1/680s, Blende 5.6 –

Die Handhabung

Von Anfang an war es das klassische Bedienkonzept der X-Pro1, das mich begeisterte. Der Blendenring am Objektiv, das Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Beides nutze ich intuitiv und kann immer sehen, welche Blende ich eingestellt oder ob ich eine Korrektur gewählt habe. Und das, ohne die Kamera einschalten und aufs Display oder durch den Sucher schauen zu müssen. Herrlich – wie in alten Zeiten! Da ich fast ausschließlich mit der Zeitautomatik fotografiere, kann ich ganz bequem – und schnell – die Blende mit der linken Hand am Objektiv verstellen und mit dem Daumen der rechten Hand eine eventuell nötige Plus- oder Minuskorrektur vornehmen.

Dazu die Q-Taste, das Schnellmenü. Auf einen Tastendruck kann ich alle weiteren wichtigen Einstellungen vornehmen, ohne den Weg über das an sich gut strukturierte Menü. Und das auch bei Verwendung des elektronischen Suchers, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen. Einige Anwender berichten allerdings davon, die Q-Taste unbemerkt zu drücken und unbeabsichtigt etwas zu verstellen. Der Wunsch nach z. B. einem Doppelklick zur Aktivierung des Schnellmenüs wird laut. Ich habe diese Erfahrung bisher jedoch noch nicht gemacht und komme mit der Q-Taste, so wie sie ist, bestens zurecht.

– Volkswagen – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/100s, Blende 8 –

Der Hybrid-Sucher

Schon von der X100 bekannt und für die X-Pro1 weiterentwickelt. Der Hybrid-Sucher bestehend aus einem optischen und elektronischen Sucher. Je nach Bedarf und Vorliebe kann zwischen beiden Optionen gewechselt werden. Das geht ganz leicht mit dem Mittelfinger der rechten Hand über einen Hebel auf der Vorderseite.

Leuchtrahmen/Bildbereich
Für die bisher drei zur Verfügung stehenden Objektive wird automatisch im optischen Sucher (OVF) ein zugehöriger Leuchtrahmen zur Bildfeldbegrenzung eingeblendet. Nachdem ich die ersten Fotos mithilfe des OVF gemacht hatte, war ich etwas verstimmt, da auf den Bildern mehr zu sehen war, als der Leuchtrahmen im Sucher angezeigt hatte. Mmh, das passte mir gar nicht. Warum zeigt er nicht 100% an? Muss ich mir jetzt immer was hinzudenken? Stimmte da was nicht? Doch, es stimmt. In den technischen Daten steht es auch: Der Bildbereich beträgt im OVF ca. 90%. Und das ist typisch für Messsucherkameras und auch kaum genauer zu konstruieren. Auch die Leuchtrahmen der Leica M-Modelle zeigen nur diese etwa 90% an. Auch deshalb, um im Eifer des Fotografiegefechts nicht wichtige Bildinhalte abzuschneiden, denn je nach Entfernungseinstellung entspricht der Leuchtrahmen zudem einem etwas anderen Bildbereich. Da ist man lieber großzügig. Besser zu viel auf dem Foto als zu wenig … Für mich ist das aber sehr ungewohnt und auch ein Grund, weshalb ich häufiger und lieber mit dem elektronischen Sucher (EVF) fotografiere. Er zeigt ca. 100% – genauso, wie ich es auch von meiner DSLR kenne. Ohne Leuchtrahmen und zusätzliches Drumherum (das Sichtfeld ist ja immer größer als der vom Leuchtrahmen angezeigte Bildbereich), dass ich mir zugleich weg und doch auch immer ein Stück hinzu denken muss. Aber das ist Sache der Gewöhnung. Und es mag Situationen geben, wo diese Leuchtrahmen-Messsucher-Technik sehr gut funktioniert. Z. B. um zu beobachten, was neben dem gewählten Bildausschnitt noch so vor sich geht. Ob sich da interessantes tut. Ob gleich jemand ins Bild läuft, oder oder …

Grundsätzlich bedecken die Leuchtrahmen bei der Verwendung des 18er und 35er Objektives einen angenehm großen Teil des Suchers (beim 35er wird automatisch eine zweite Vergrößerungsstufe eingestellt). Beim 60er hingegen ist der Leuchtrahmen mangels einer weiteren Vergrößerungsstufe recht klein – daher kommt bei dieser Brennweite für mich eigentlich sowieso nur noch der EVF in Frage.

– Regentonne – XF60mmF2.4 R Macro, ISO 200, 1/220s, Blende 4 –

Parallaxe
Durch die Positionierung des Suchers links oben neben dem Objektiv, kommt es je nach Fokusentfernung zu mehr oder weniger großen Verschiebungen (Parallaxe) zwischen Sucherbild und Sensorfläche. Auf Unendlich betrachtet zeigen Sucher und Sensor so ziemlich dasselbe. Je näher das Motiv jedoch heranrückt, umso mehr verschiebt sich das spätere Bild entgegen der Ansicht im OVF nach rechts unten, wodurch Sucherdarstellung und aufgenommenes Foto dann nicht mehr übereinstimmen. Beim Antippen des Auslösers bis zum ersten Druckpunkt (Scharfstellung) springt der Leuchtrahmen nach rechts unten und zeigt das spätere Bild an. Jetzt muss die Kamera meist neu ausgerichtet werden, um das gewünschte Bildergebnis sicherzustellen. Entsprechend liegt das AF-Messfeld im Nahbereich oft daneben und kann leicht am Ziel vorbei schießen. Das normale Messfeld zeigt den Scharfstellbereich für eine Fokusentfernung von Unendlich. Hier gibt es die Option, ein „parallaxen-korrigiertes“ zweites AF-Feld einzublenden, das den Scharfstellbereich für eine Fokusentfernung von etwa 80 cm anzeigt. Dadurch lässt sich schon vor dem Druck auf den Auslöser abschätzen, wo die Kamera in etwa Scharfstellen wird. Zwischen Nahbereich und Unendlich liegt die Scharfstellung fließend zwischen beiden Feldern. Je nachdem ist auch hier eine optimierte Ausrichtung der Kamera vorzunehmen, um eine punktgenaue Scharfstellung zu garantieren.

Auch die X-Pro1 bietet die Möglichkeit, sowohl im optischen als auch im elektronischen Sucher ein Raster zur einfacheren Bildgestaltung (Stichwort „Goldener Schnitt“) einzublenden. Leider ist dieses Raster im OVF starr und es passt sich weder der verwendeten Brennweite noch dem nach der Scharfstellung korrigierten Leuchtrahmen an, wie es im EVF natürlich der Fall ist.

Letztendlich kann ich sagen, dass es eine wunderbare Sache ist, beide Sucherarten nutzen zu können und die Welt auf optischem oder elektronischem Wege zu betrachten. Der OVF ist dabei eher für die schnellen Reportagefotos geeignet. Und der EVF immer dann, wenn es um eine ganz genaue Beurteilung des Bildausschnitts und eine absolut verlässliche Positionierung des AF-Messfeldes geht. Denn im elektronischen Sucher spielt die Parallaxe natürlich keine Rolle. Auch steht im EVF eine höhere Anzahl an Fokusmessfeldern zur Verfügung (49 entgegen 25 im OVF), die dort zudem in fünf Größen einstellbar sind. In beiden Suchern lassen sich darüber hinaus alle wichtigen Informationen und Einstellhilfen auf Wunsch ein- oder ausblenden.

Randbemerkung: Um auch im optischen Sucher ein Histogramm zu sehen, muss der Energiesparmodus auf AUS eingestellt sein. Ansonsten wird das Histogramm nicht angezeigt, selbst wenn es für den OVF ausgewählt wurde.

– An der Reling – XF18mmF2 R, ISO 400, 1/1200s, Blende 8 –

Die Bildqualität

Yeah! Woohooo! Der X-Trans Sensor der X-Pro1 überzeugt auf ganzer Linie. Durch einen völlig neuartigen Sensoraufbau konnte auf einen AA-Tiefpassfilter verzichtet werden, der normalerweise zur Unterdrückung von Moiré eingesetzt wird, aber auch die Auflösung mindert. Die Pixelstruktur von Fujifilms Eigenentwicklung soll Bildfehlern allerdings wirkungsvoll entgegen wirken, weshalb auf den Filter verzichtet werden konnte und dadurch mehr Bildschärfe erreicht werden soll. Groß war die Ankündigung, die X-Pro1 würde trotz ihres nur APS-C großen Sensors im Vollformatbereich wildern. Aber was soll ich sagen? Es stimmt! Die Bildqualität allein ist Grund genug, die Kamera zu kaufen und mit ihr zu fotografieren. Das Herz der X-Pro1, ihr Sensor, ist über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur das CHIP FOTO-VIDEO Magazin attestierte der Kamera eine überragenede Bildqualität. Sie ist das Beste, womit ich je fotografiert habe! Klar, neue Besen kehren immer gut …

Schärfeleistung und Auflösung sind bestechend. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, Vergleichsaufnahmen zwischen der X-Pro1 und dem 35er 1.4 und meiner Nikon D700 und dem 50er 1.4 zu machen. Danach war ich gleichermaßen verblüfft und entsetzt. Verblüfft über die Qualität der X-Pro1-Bilder und entsetzt über den „Mist“, den die D700 ablieferte. Dabei hatte ich die kamerainterne Schärfung bei der X-Pro1 sogar auf -1 runtergeregelt (auf einer Skala von -2 bis +2). Und selbst als ich diese bei der Nikon hochgedreht habe (auf 4 bei einer Skala von 0 bis 9), lagen deren Bilder immer noch weit hinter der Fujifilm zurück. Über den gesamten Blendenbereich.

Ähnlich verhielt es sich beim Bildrauschen in hohen ISO-Einstellungen. Auch hier sahen de Bilder der X-Pro1 für meinen Geschmack besser aus. Im Gegensatz zur Nikon war nahezu keinerlei Farbrauschen zu erkennen und das Rauschen sah einfach „schöner“ aus (bei vergleichbaren internen Rauschreduzierungseinstellungen – AUS gegen -2 und NORM gegen 0).

Warum allerdings die beiden höchsten ISO-Stufen, 12.800 und 25.600, bei der X-Pro1 nicht im RAW-Format, sondern nur als JPGs aufgenommen werden können, ist mir ein Rätsel. Unabhängig davon ist die Kamera bis ISO 6400 auf jeden Fall sehr gut einsetzbar (natürlich immer abhängig vom Motiv und dem späteren Verwendungszweck).

Der Automatische Weißabgleich ist dabei auch äußerst treffsicher. Dagegen habe ich den Eindruck, dass die X-Pro1 eher zu einer reichhaltigen Belichtung tendiert und ich recht häufig die Minus-Korrektur bemühen muss.

Zur Erweiterung des Dynamikbereichs gibt es die DR-Funktion (DR100, DR200 und DR400 – je höher der Wert, desto stärker die Anpassung), welche an die ISO-Empfindlichkeit gekoppelt ist. DR200 steht erst ab ISO 400 zur Verfügung, DR400 ab ISO 800. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bei jedem Motiv individuell zu überlegen, welcher DR-Wert passend wäre und unter Umständen die ISO-Empfindlichkeit manuell entsprechend zu erhöhen, oder die Funktion DR-AUTO gekoppelt mit ISO-AUTO auszuwählen – hier dann minimal ISO-AUTO 800 (in diesem Fall kann es passieren, dass die Kamera auch bei hellstem Sonnenschein eine höhere ISO-Einstellung wählt, um einen höheren DR-Wert zu ermöglichen).

Steinmann, Foto: Martin Hülle
– Steinmann – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/2400s, Blende 2.8 –
– Im Fenster – XF35mmF1.4 R, ISO 500, 1/50s, Blende 2.8 –

Die Objektive

Ein noch so guter Sensor nützt natürlich herzlich wenig, wenn man einen Glasbaustein davor schraubt. Zum Glück hat Fujifilm einige Erfahrung im Objektivbau und das zeigt sich auch in den drei bislang erhältlichen Fujinon-Linsen zur X-Pro1. Sie sind allesamt entsprechend der Kamera leicht aber solide gefertigt, verfügen über die in Drittelstufen einstellbaren Blendenringe und werden inkl. Streulichtblenden aus Metall geliefert.

Das XF35mmF1.4 R
Wow! Die X-Pro1 mit dem 35er (entspricht 53 mm an Kleinbild) ist eine unschlagbare Kombi. Das Objektiv ist im Zentrum extrem scharf. Ränder und Ecken liegen da zwar etwas zurück, aber das ist normal für sehr lichtstarke Normalbrennweiten. Das 50er AF-S Nikkor wurde in meinem Vergleichstest in jeder Blendeneinstellung von der Fuji-Optik geschlagen. Wer erstmal mit nur einem Objektiv an der X-Pro1 starten möchte, sollte zu der 35mm-Linse greifen!

Das XF60mmF2.4 R Macro
Das größte Objektiv des Dreigestirns – vor allem mit angesetzter Streulichtblende. Das 60er (entspricht 91 mm an Kleinbild) ist äußerst scharf und von hervorragender optischer Qualität. Einziges Manko ist der etwas langsame Autofokus, besonders im Nahbereich. Aber auf jeden Fall eine Linse, die sich gleichermaßen sehr gut für Landschafts- und Portraitfotos eignet, wie vieles andere mehr.

Das XF18mmF2 R
Das einzige der drei Objektive mit wirklichen Schwächen. Das 18er (entspricht 27 mm an Kleinbild) ist zwar grundsätzlich eine gute Linse – mit dem zügigsten AF von allen -, allerdings gibt es zwei Minuspunkte. An den Rändern und Ecken ist es nicht so knackscharf, wie ein Objektiv, welches sicherlich auch von mir primär in der Landschaftsfotografie eingesetzt wird, sein sollte. Zudem neigt es an harten Kontrastkanten in den Bildecken zu deutlich sichtbaren Farbsäumen (Chromatische Aberration). Teilweise lassen sich diese einfach und gut in der Bildnachbearbeitung entfernen, manchmal sind sie jedoch so ausgeprägt, dass ich sie – zumindest mit den mir zur Verfügung stehenden Programmen – nicht verschwinden lassen kann.

Im Weitwinkelbereich hoffe ich, dass die bereits für 2012/2013 angekündigten 14- und 23-mm-Objektive mit einer besseren optischen Leistung aufwarten und in einer Reihe mit dem 35er und 60er stehen werden.

– Vier gewinnt – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/90s, Blende 8 –
– Kvikk Lunsj – XF60mmF2.4 R Macro, ISO 800, 1/1900s, Blende 5.6 –
– Slåttdalsskrevan – XF18mmF2 R, ISO 800, 1/600s, Blende 2.8 –

Der Autofokus

Die AF-Geschwindigkeit der X-Pro1 erntet vielerorts Kritik. Zum Teil berechtigt, zum Teil aber auch übertrieben. Sicherlich gehört die Kamera in diesem Punkt nicht zu den schnellsten, im Gegenteil. Wer Sport und Action fotografieren möchte, sollte sich nach einem anderen System umschauen. Aber bei guten Lichtverhältnissen lassen sich auch mit der X-Pro1 nicht nur statische Motive ohne Probleme ablichten. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass Fujifilm die AF-Performance, wie bei der X100, über Firmware-Updates weiter verbessern wird. Wirklich langsam, und dann auf der Jagd nach einem Kinderbild auch schnell nervig, ist der Autofokus nur in dunkler Umgebung, wie z. B. schlecht beleuchteten Innenräumen. In diesem Fall hoffe ich sehr, dass Fujifilm für Besserung sorgt. Wenn der AF aber einmal sein Ziel gefunden hat, sitzt er auf jeden Fall sehr zuverlässig! Gut, manchmal will ich einfach schneller ans Ziel, die X-Pro1 hingegen mit mehr Ruhe. So ist es doch zuweilen in jeder Beziehung, oder nicht? (UPDATE: Mit neuer Firmware wurde die AF-Geschwindigkeit mittlerweile deutlich verbessert – s. u.)

– R-2022 – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/160s, Blende 5.6 –

Dies und Das

Neben den oben aufgeführten zentralen Aspekten, gibt es noch einige Kleinigkeiten, zu denen ich meinen Senf hinzu geben möchte:

Stativgewinde
Das Stativgewinde ist, warum auch immer, nicht in der Objektivachse angebracht, sondern etwas seitlich versetzt. Auch ein Punkt, der manches Aufstöhnen in der Fotowelt hervorrief. Bei meinen bisherigen Stativeinsätzen habe ich das allerdings noch nicht als nachteilig empfunden.

Speicherkartenfach
Wie bei Kompaktkameras sitzen Akku und Speicherkarte in einem Fach. Es ist etwas unhandlich, die Speicherkarte einzusetzen und zu entfernen, da der Kartenschlitz sehr nahe an der Abdeckklappe liegt. Angenehmer – und einer professionellen Kamera angemessener – wäre ein separates Kartenfach auf einer der Kameraseiten (am besten rechts und dafür die USB- und HDMI-Anschlüsse links).

Handgriff HG-XPro1
Der separate Handgriff macht die Kamera tatsächlich etwas handlicher und rückt auch das Stativgewinde in die Objektivachse. Trotzdem nutze ich ihn nicht. Bislang liegt mir die X-Pro1 auch ohne diesen Zusatz gut und griffig in der Hand, zudem verdeckt der angeschraubte Handgriff das Akku- und Speicherkartenfach. Bei jedem Zugriff müsste der Handgriff erst wieder ab- und nachher wieder angeschraubt werden. Nervig. Vor allem dann, wenn man wie ich die Bilder über ein Kartenlesegerät überträgt und dafür die Speicherkarte jedesmal aus der Kamera nehmen muss. Wer die Bilder per USB übermittelt, wird evtl. besser damit zurechtkommen. (UPDATE: Mittlerweile gibt es einen neuen Handgriff, der einen Zugriff auf das Akku- und Speicherkartenfach erlaubt)

Histogramm- und Spitzlichteranzeige
Im Wiedergabe-Modus (Stellung „Information Aus“) fehlt mir ein schneller Zugriff auf eine Histogramm- und Spitzlichteranzeige, wie ich sie von den DSLRs her kenne. Zwar kann ich bei der Bildwiedergabe über die Pfeiltaste-oben durch einige Einstellungsparameter klicken und mir selbst die Position des Fokusmessfeldes anzeigen lassen, aber ein Histogramm und die Spitzlichter bekomme ich dort nicht zu sehen. Dafür muss etwas umständlich über die DISP/BACK-Taste zu den Detailinformationen weitergeschaltet werden. Schon wäre es, wenn diese Infos in allen Wiedergabemodi integriert wären (Firmware-Update?!).

Fokusmessfelder verstellen
Grundsätzlich komme ich mit der Verstellung der Fokusmessfelder gut zurecht. Mit dem Daumen der linken Hand aktiviere ich die AF-Taste links-unten auf der Kamerarückseite. Mit dem Daumen der rechten Hand wähle ich entweder die Messfeldgröße über das Wählrad oder die Position des Messfeldes über die Pfeiltasten. Doch dafür muss ich die linke Hand vom Objektiv nehmen. Wenn man die Funktion der AF-Taste auch auf die FN-Taste legen könnte, ließen sich die Fokusmessfelder noch einfacher und schneller nur mit dem Zeigefinger und Daumen der rechten Hand verstellen. (UPDATE: Dieser Punkt wurde in der Zwischenzeit auch durch ein Firmware-Update optimiert)

Manuelle Scharfeinstellung
Wo wir gerade bei der Fokussierung sind – die manuellen Scharfeinstellmöglichkeiten der X-Pro1 sind auch eines der viel diskuttierten Themen. Nur habe ich mich damit bisher kaum befasst. Es ist eine AF-Kamera und ich nutze daran AF-Objektive. Bislang war ich nicht in der Not, die Fujinon-Objektive manuell scharfstellen zu müssen. Daher kann ich zu dem Spiel mit Entfernungsskala, Schärfentiefebalken und Lupenfunktion nichts aussagekräftiges beisteuern.

AUTO-ISO
In der Funktion AUTO-ISO ist es erstaunlicherweise nicht möglich, selbst zu bestimmen, ab welcher Verschlusszeit die Kamera den nächst höheren ISO-Wert wählt. Ein Fakt, der schnellstmöglich ausgemerzt werden sollte, um diese Funktion wirklich nach eigenen Bedürfnissen sinnvoll nutzbar zu machen. Aktuell wählt die Kamera einen Wert von ca. 1/Brennweite als längste Belichtungszeit. (UPDATE: Dieser Punkt wurde in der Zwischenzeit ebenfalls durch ein Firmware-Update optimiert)

Serienbilder
Meines Wissens gibt es keinen anderen Kamerahersteller, für den Serienbilder etwas Besonderes sind. Doch bei Fujifilm ist das so. Im Wiedergabe-Modus wird daher von einer Serie auch nur das erste Bild angezeigt – die restlichen laufen in einem klein eingeblendeten Feld wiederkehrend durch. Über die Pfeiltaste-unten gelangt man in diesen „Unterordner“ und kann sich dann dort nur diese Bilder ansehen. Über die DISP/BACK-Taste kommt man zurück. Vorsicht: Will man z. B. nur ein Bild aus der Serie löschen, muss man das natürlich im Unterordner tun. Löscht man das erste Bild der Serie im „Hauptordner“, ist die ganze Serie futsch! Hier sollte die Möglichkeit geschaffen werden (Auswahl im Menü), dass Serienbilder auch direkt und komplett in die Standardbildfolge integriert werden – ohne Unterordner. (UPDATE: Durch ein Firmware-Update gehört zudem dieser Punkt mittlerweile der Vergangenheit an)

Drahtauslöser/Fernsteuerung
Die Drahtauslöserbuchse passt zwar ganz schön zum Retro-Look der X-Pro1, aber zusätzlich wäre ein moderner Funk-Fernsteueranschluss durchaus auch eine feine Sache.

„Blendenklackern“
Jaja, auch mich machte das Klackern der Blenden hellhörig, als ich die Kamera zum ersten Mal in Betrieb nahm. Was ist denn das? Sowas hatte ich ja noch nie erlebt. Da schließt und öffnet die Kamera unablässig die Blende. Je nachdem ob es gerade mal wieder heller oder dunkler vor der Linse wird. Gut, das muss sie tun. Um das Bild korrekt im EVF und auf dem Display anzuzeigen. Aber muss das so laut sein? Achje, auch hierüber wird an vielen Stellen hitzig gestritten. Im stillen Kämmerlein mag das auch „störend“ auffallen. Ich stolperte eigentlich nur darüber, weil ich zuerst gar nicht wusste, was da eigentlich vor sich geht. Und in freier Wildbahn nehme ich es kaum mehr war. Das ist kein Punkt, an dem es gilt, sich lange aufzuhalten. (UPDATE: Mit neuer Firmware wurde das Blendenklackern mittlerweile abgestellt – s. u.)

Staub- und Wetterschutz
Die X-Pro1 ist sehr solide und sie macht den Eindruck, einiges aushalten zu können. Trotzdem wünsche ich mir bei einer Kamera dieser Preisklasse – zumal mit dem Pro im Namen -, dass sie über einen Staub- und Wetterschutz verfügt. Selbst wenn es ohne zu keinerlei Problemen kommt, könnte Fujifilm in diesem Punkt bei einem Nachfolgemodell noch nachlegen.

RAW-Bearbeitung
Nach wie vor kann man zur Bearbeitung der X-Pro1-RAW-Bilder fast ausschließlich auf die Software von Silkypix zurückgreifen, wie dem mitgelieferten RAW FILE CONVERTER. Wer anderes gewöhnt ist, wird sich mit diesem etwas umständlichen Programm aber schwer tun, zumal es einigen Aufwand bedarf, bis ein aus einem RAW-Bild entwickeltes Foto so gut aussieht, wie ein direkt in der Kamera erzeugtes JPG. Fujifilm macht auch bei der X-Pro1 seinem guten Ruf alle Ehre, hervorragende JPGs zu produzieren. Bislang habe ich zwar häufig parallel RAWs und JPGs aufgenommen, nachher aber immer nur die JPGs verwendet. Auch wenn diese unglaublich gut daherkommen, wäre es trotzdem eine feine Sache, bald die Möglichkeit zu haben, die RAW-Dateien der X-Pro1 auch mit Lightroom oder Adobe Camera RAW bearbeiten zu können. Aber mal schauen, wie lange wir darauf noch warten müssen … (UPDATE: Diese Warterei hat auch schon lange ein Ende)

– Fässer – XF35mmF1.4 R, ISO 800, 1/400s, Blende 8 –

Schlussbemerkung

Puh, das waren und sind meine ersten Eindrücke und ersten Erfahrungen nach mehreren Wochen Nutzungsdauer. Und ich bin noch immer verliebt! Die X-Pro1 macht nicht nur hervorragende Bilder, sondern einfach auch unglaublich viel Freude! Es ist die schönste Kamera, die ich je hatte. Ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber genauso geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment.

Am Ende bleibt die Frage, ob die Fujifilm X-Pro1 meine Nikon D700 ersetzen kann. Denn mein Wunsch, mit dem X-Pro-System zu fotografieren, war doch geboren aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen. Und es sieht so aus, dass die X-Pro1 diese Alternative auch dauerhaft sein kann. Weil ich mit den – wenigen – Abstrichen, die ich gegenüber einer – eventuell schnelleren und besser ausgestatteten – DSLR machen muss, gut leben kann. Weil sie aufgewogen werden durch andere Vorzüge des kleineren Systems im Messsucherstil. Was schrieb Zack Arias kürzlich zur X-Pro1:

„If you want a travel camera, this is your travel camera. No question about it.“

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-Pro1 Bilder

UPDATE:
Wie an einigen Stellen ergänzt, sind seit Einführung der Kamera bereits mehrere Firmware-Updates zur X-Pro1 und allen drei Objektiven erschienen, durch die das „Blendenklackern“ abgestellt, die AF-Geschwindigkeit verbessert und manches andere optimiert wurde!