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Ein Fujifilm-Festbrennweiten-Update

– Store Mjølkedalsvatnet – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/210 Sek, f 11, ISO 200 –

Besonders auf Reisen ist es verlockend, nur mit einer kleinen Fotoausrüstung loszuziehen, um unbeschwert unterwegs zu sein. Schon seit ein paar Jahren habe ich mir daher die Not zur Tugend gemacht und fröne einem „Weniger ist mehr“.

Doch bevor ich seinerzeit mein Equipment abgespeckt habe, hatte ich mir nicht nur die Frage gestellt, welche Festbrennweiten von Fujifilm ich nehmen soll, sondern auch einige Gedanken zur Konzentration auf das Wesentliche gemacht. Nun möchte ich meine einstigen Überlegungen nochmals zusammenfassen und meine bisher gewonnenen Erfahrungen schildern.

Mein erster Bildband Mein Norden ist im Juni 2017 erschienen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins. Elf Reisen habe ich dafür in den Norden unternommen. Vier Jahre, in denen ich zu allen Jahreszeiten zu immer neuen Abenteuern aufgebrochen bin. Allein, mit Freunden und mit der Familie. Wanderungen und Skitouren, dokumentiert in Bildern und Texten, die Erlebnisse und Emotionen transportieren. Immer mit dabei: Meine Kamera und diverse Objektive, die viele verschiedene Brennweitenbereiche am APS-C X System von Fujifilm abdeckten – von 10 bis 200 Millimetern. Im Laufe der Zeit habe ich vieles ausprobiert, mal nur ein 18-55-mm-Zoom plus eventuell einer einzelnen Festbrennweite oder auch Kombinationen mehrerer Zooms. Doch während dieser Reisen in nordische Länder merkte ich schnell, dass trotz des breit aufgestellten Equipments die Resultate nicht automatisch besser wurden. Aber es gab auch Unternehmungen, auf die ich ausschließlich ein paar Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

– Trælanípa – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/10500 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Ling Hut – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/280 Sek, f 8, ISO 200 –

Eine Analyse der Bilder

Nach Abschluss dieser Fototouren zu Fuß und auf Skiern machte ich entlang meiner Bilder eine Analyse. Es war interessant zu sehen, welche Brennweiten am häufigsten zum Einsatz kamen: Die extremen Bereiche, also Ultraweitwinkel und stärkeres Tele, habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich bei mir zwischen 16/18 und 55 Millimetern ab. Daher könnte man meinen, ich müsste mit einem guten Zoom als alleiniges Objektiv bestens zurechtkommen – etwa mit dem Fujifilm XF16-55mmF2.8 R LM WR, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einer Optik vereint. Allerdings mag ich dieses dicke Ding nicht und ich habe ja zudem festgestellt, dass ich ohnehin mit Festbrennweiten viel lieber und bewusster fotografiere.

Den eigenen Bildstil fördern

Sich auf wenige Brennweiten zu beschränken, schlägt sich zudem im Bildstil nieder. Dieser wird nämlich nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung, den Auslösemoment und die Bildbearbeitung, sondern darüber hinaus auch in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und die dadurch häufigere und immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten führt auch dazu, dass sich der persönliche Stil stärker ausprägt, was den Wiedererkennungswert steigert.

Eine Handvoll Objektive

Diese „Verdichtung“ möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt zunutze machen und über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, ab und an vielleicht sogar nur zwei Objektiven. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, nur eine Festbrennweite mitzunehmen – ein Mindestmaß gestalterischer Abwechslung ist mir in jedem Fall wichtig. Doch welche Objektive kommen dafür infrage? Die Antwort darauf hatte ich recht schnell gefunden: ein Trio aus den 16-, 23- und 50- bzw. 56-mm-Optiken für das Fujifilm X System – umgerechnet ins Kleinbildformat also Objektive mit 24, 35 und 75 bzw. 85 mm. Vieles sprach dafür, primär mit diesen Linsen loszuziehen und so meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten. Denn ein Ziel meiner Fotografie ist es, meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in Bildern darzustellen und einzufangen. Der menschliche Blick entspricht ja in etwa dem Bildwinkel eines 50- oder 35-mm-Kleinbildobjektivs. Diesen Seheindruck möchte ich nur moderat erweitern und insofern mit allen verwendeten Brennweiten möglichst nahe an einer „natürlichen“ Darstellung bleiben. Also steckte ich den zu verwendenden Brennweitenbereich nach unten mit einem etwas stärkeren Weitwinkel und nach oben einem leichten Tele ab. Den geschwätzigen Aufnahmewinkel eines Ultraweitwinkels finde ich für meine Zwecke ebenso übertrieben und nicht „normal“ wie die sehr starke Verdichtung eines Superteles.

– Cerro Chalten („Der Rauchende“) – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1700 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Sommerbrücke – X-Pro2, XF16mmF2.8 R WR, 1/3200 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Erfahrungen aus bisherigen Reisen

Inzwischen habe ich schon mehrere auf diesen Ansatz gestützte Reisen unternommen. So kamen beispielsweise bei einer Fotoreise auf die Färöer-Inseln überwiegend die bewährten und lichtstarken 16er-, 23er- und 56er-Glasklötze mit Anfangsblenden von F1.4 bzw. F1.2 zum Einsatz. Auf dem Cape Wrath Trail in Schottland oder in den Bergen Patagoniens dagegen die kleineren und leichteren F2er-Alternativen, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Da es bei meinen Unternehmungen auf jedes Gramm Gewicht ankommt, sind diese Objektive natürlich sehr reizvoll. Und während mehrerer Wanderungen durch norwegische Nationalparks machte ich mir eine Kombinationen aus beiden Objektivreihen zunutze.

Nach den vielen gewonnenen Erfahrungen steht für mich allerdings außer Frage: Alle Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben. Daher ist es im Grunde egal, welche Objektive man einsetzt. Ob die schweren, lichtstarken und optisch feinsten Festbrennweiten oder die leichten, kleinen und etwas weniger scharfzeichnenden Modelle. Die Kompromisse, die man eingeht, haben letzten Endes keinen entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche Qualität der Fotos. Für mich bedeutet das, bei meiner Lieblingsbrennweite, dem 23er-Weitwinkel, bevorzugt zur lichtstarken F1.4er-Version zu greifen, da dieses Objektiv gegenüber der F2er-Variante einfach die „schönere“ Bildcharakteristik liefert. Bei den anderen Brennweiten, bei denen die Leistungsunterschiede ähnlich sind, entscheide ich je nach Reise und Unternehmung, wo die jeweiligen Prioritäten liegen – ob bei minimalem Gewicht oder maximaler Bildqualität.

Die Ausrüstung auf wenige Festbrennweiten zu reduzieren, dient vor allem der Konzentration auf das Wesentliche – sprich, die wenigen Objektive zu finden, die den Kern des eigenen Stils ideal befeuern, unterstützen und sichtbar machen. Eine begrenzte Auswahl an Brennweiten engt keineswegs meine Möglichkeiten ein, sondern fördert die Konzentration auf die Motive und reicht aus, um eine Reise zu dokumentieren.

Denn wie sagte schon der großartige Anton Corbijn: „Instead of having four lenses, use one or two … limit yourself and make that work, and you become far more inventive.”

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Oder greift Ihr nur zu Zooms? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?
> Konzentration auf das Wesentliche

Anhang – meine aktuellen Fujifilm-Festbrennweiten

  • XF16mmF1.4 R WR
  • XF23mmF1.4 R
  • XF56mmF1.2 R
  • XF16mmF2.8 R WR
  • XF23mmF2 R WR
  • XF35mmF2 R WR
  • XF50mmF2 R WR
  • XF27mmF2.8

Konzentration auf das Wesentliche

Seit März 2012 fotografiere ich mit dem X System von Fujifilm. Mein Einstieg war die X-Pro1 – die Kamera, deren Vorstellung ich so sehr entgegengefiebert hatte. Dieses Stück Technik im Retrolook erschien mir so verlockend wie kein anderer Fotoapparat. Dabei war mein Wunsch, von nun an mit diesem System loszuziehen, am Anfang in erster Linie aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels geboren. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen.

Die X-Pro1 übertraf dann alle meine Erwartungen: Sie machte nicht nur hervorragende Bilder, sondern einfach auch unglaublich viel Freude! Es war bis dahin die schönste Kamera, die ich je hatte. Ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber genauso geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment.

Über die Jahre nutzte ich aber auch weitere Kameramodelle aus dem Fujifilm-Sortiment. Aus der kompakteren X-E-Serie, die ich allerdings als nicht so ergonomisch empfand wie ihre große Schwester, die X-Pro, oder die ausgewogene X-T1, mit der ich die meisten Reisen meines Projekts Mein Norden bestritten habe. Doch schließlich ist es die X-Pro2, die alle Welten für mich vereint. Die Veränderungen und Optimierungen bieten im Grunde all das, was ich mir bei Fujifilm als wichtigste Verbesserungen gegenüber ihrer Vorgängerin gewünscht hatte.

Als dann auch die X-T1 eine Nachfolgerin bekam, wurde ich immer wieder um meine Einschätzung gebeten, ob man jetzt zur X-Pro2 oder doch lieber zur X-T2 greifen solle? Meine Antwort: Es kommt darauf an. Darauf, welches der beiden Topmodelle einem besser in der Hand liegt, welche Features einem besonders wichtig sind. Darauf, wie und was man fotografiert.

Unterm Strich mag ich die X-Pro2 einfach am liebsten: Nicht zuletzt hat auch sie diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.

Im Buch FUJIFILM X-PHOTOGRAPHERS – Vom Fotografieren mit dem Fujifilm X-System berichte ich auch ausführlich über meinen Liebling. Und nachdem ich eine Zeit lang mit einer X-Pro2 und einer X-T2 als Backup losgezogen bin, habe ich mich mittlerweile vom T-Modell getrennt und eine zweite X-Pro2 angeschafft, um von nun an parallel und einheitlich mit zwei X-Pro-Kameras unterwegs zu sein.

Objektive – Die Qual der Wahl

Kamen während meines Fotoprojekts Mein Norden von Reise zu Reise noch viele verschiedene Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild), möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt eine „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Denn die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich auch im Bildstil wieder. Dieser wird nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Die Frage, welche Festbrennweiten ich nehmen soll, hatte ich ja bereits gestellt. Und auch eine Antwort gefunden in dem lichtstarken Trio aus 16er, 23er und 56er. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Fujinon-Linsen loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Aber da gibt es ja noch die Alternative aus den drei kleinen Objektiven mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Das XF23mmF2 R WR, XF35mmF2 R WR und XF50mmF2 R WR sind im Gegensatz zu den lichtstarken Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll.

Bei einem Versuch, den Vestkyststien in Dänemark zu laufen, hatte ich kürzlich nur diese drei Objektive dabei. Als weiteren Test, ob deren optische Leistung ausreichend ist, um ein großes Projekt damit zu fotografieren. Aber zu vielen Bildern kam ich leider nicht, denn ein strammer Ostwind ließ die ohnehin niedrigen Temperaturen in gefühlt frostige Minusgrade purzeln und wir suchten schnell wieder das Weite, obwohl wir doch eigentlich für alles gerüstet waren – nur nicht für sibirische Kälte …

– Strandläuferin – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1250 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– In der Heide – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1600 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Zwischen Agger und dem Lodbjerg Fyr – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1250 Sek, f 5.6, ISO 200 –

Ein Rückblick

Auf Island im letzten Sommer und in Norwegen im vorigen Februar war ich noch mit dem bewährten Dreigestirn aus XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R unterwegs. Ob Unterwegs am Langisjór zwischen grünen Hügeln und schwarzer Wüste oder bei der Nordische Momente – Lofoten Masterclass waren die Objektive wieder einmal verlässliche Begleiter mit bestechender Leistung.

Wenn sie nur nicht so schwer wären und es diese leichteren Alternativen gäbe …

– Rain Man – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/125 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Himmeltindan – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/1600 Sek, f 4, ISO 200 –

Ein Ausblick

Die Anschaffung einer zweiten X-Pro2 hatte auch den Grund, von nun an beide Kameras mit angesetztem Objektiv griffbereit in der Fototasche zu haben. Bislang habe ich immer nur einen Fotoapparat genutzt und das andere Gehäuse gut verpackt als Sicherung im Rucksack mit mir rumgeschleppt. Die Ersatzkamera konnte dann durchaus ein anderes Modell sein, aber bei einem Paralleleinsatz ist es erheblich sinnvoller, wenn es sich um identische Bodies handelt. Denn der Griff zu dieser oder jenen Kamera ist ja quasi nur ein Objektivwechsel, der ansonsten umständlich vorgenommen werden müsste, was auf meinen Unternehmungen vor allem bei widrigem Wetter sehr lästig sein kann.

In Dänemark hatte ich eine X-Pro2 mit dem kleinen 23er bestückt, die andere mit dem leichten 50er. Das 35er steckte zusätzlich noch in der Fototasche. So war der wichtigste Brennweitenwechsel zwischen Weitwinkel und leichtem Tele schnell durchgeführt, eben allein dadurch, die jeweils andere X-Pro2 in die Hand zu nehmen. Das 35er kam auf dieser Reise übrigens gar nicht zum Einsatz.

Im Mai breche ich nun nach Schottland auf, wo ich den Cape Wrath Trail laufen möchte, eine 370 km lange Wanderstrecke. Dorthin werde ich eine Kombination aus dem „Top-Trio“ und den „Fujicrons“ mitnehmen. Das kleine 23er an der einen X-Pro2 und das leichte 50er an der anderen hat sich auf dem Vestkyststien als sehr praktisch erwiesen. Handlich und immer griffbereit. Und zu diesen schnuckeligen Linsen dann noch das lichtstarke 16er. Mehr braucht es sicherlich nicht, um alle Erlebnisse einzufangen.

Die X-Pro2 mit wenigen Festbrennweiten ist für mich die Konzentration auf das Wesentliche. Und zudem ausreichend, eine Reise nach meinen Wünschen zu dokumentieren, denn weniger ist auch hier meist mehr.

Konzentriert Ihr euch auch auf wenig Fotoausrüstung oder nehmt Ihr immer „alles“ mit? Berichtet gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Folgeartikel

> Ein Fujifilm-Festbrennweiten-Update

Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Während meines Projekts Mein Norden kamen von Reise zu Reise viele verschiedene Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild). Meistens griff ich zu einem Zoom oder zu Kombinationen aus Zooms, die ich ab und an noch mit einer einzelnen Festbrennweite ergänzte. Aber es gab auch Wandertouren, zu denen ich ausschließlich Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

Nach Abschluss aller Unternehmungen war es interessant zu sehen, welche Brennweiten und Objektivkombinationen am häufigsten zum Einsatz kamen. Die extremen Bereiche – Ultraweitwinkel und stärkeres Tele – habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich zwischen ca. 16/18 und 55 mm ab. Daher ist eigentlich das lichtstarke XF16-55mmF2.8 R LM WR Zoom eine gute Wahl, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einem Objektiv abdeckt, und das ich auf zwei Reisen mit dabei hatte. Aber ich mag das dicke Ding nicht so sehr und fotografiere ohnehin lieber mit FBs.

Die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich allerdings auch im Bildstil wieder. Dieser wird also nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Bei einem zukünftigen Fotoprojekt möchte ich mir diese „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Nur welche Linsen soll ich letztendlich nehmen?

Rückblicke und Erfahrungen

18, 35 und 60 Millimeter
Als ich 2012 zu Fuß und allein in Schweden und Norwegen durch Europas letzte Wildnis lief, hatte ich in den Regionen Sarek und Padjelanta nur das XF18mmF2 R, das XF35mmF1.4 R und das XF60mmF2.4 R Macro dabei – weitere Objektive gab es zu der Zeit für das X System ohnehin noch nicht. Das 35er war mir auf der Tour die liebste und meistgenutzte Linse. Diese Normalbrennweite – entsprechend ca. 50 mm an Kleinbild – passte gut zu den Motiven. Mit dem 18er hingegen wurde ich von Anfang an nie richtig warm, was sowohl am Bildwinkel als auch an der optischen Leistung lag, die mich nicht so richtig überzeugte. Das 60er war dafür ein schönes kürzeres Tele, aber langsam vom Autofokus her.

Als Fujifilm daraufhin die ersten Zooms herausbrachte, legte ich die Festbrennweiten vorerst auf Seite, und das XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS wurde für lange Zeit mein Brot- und Butter-Objektiv. Auf Outdoortouren ist ein Zoom einfach praktisch – lästige Objektivwechsel im Schneesturm oder unter anderen garstigen Bedingungen entfallen, und die wichtigsten Brennweiten sitzen immer an der Kamera. Die 18er-Festbrennweite und das 60er-Macro kamen seitdem nicht mehr zum Einsatz.

Doch irgendwann wurden mir die Zooms zu bunt. In der Zwischenzeit hatte ich auf einigen Reisen zusätzlich zum Standardzoom vereinzelt auch das XF10-24mmF4 R OIS und das XF55-200mmF3.5-4.8 R LM OIS eingesetzt, die das Fujinon-Sortiment mittlerweile erweiterten. Mir war das aber ein Zuviel an Möglichkeiten geworden, und ich wagte es ein zweites Mal, nur mit Festbrennweiten loszuziehen.

– Im Gleichgewicht – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1100 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Hunau-Turm – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1800 Sek, f 2.8, ISO 200 –

14, 23 und 56 Millimeter
Im Spätherbst 2014 streifte ich in Finnland durch den Urho-Kekkonen-Nationalpark und nahm nur das XF14mmF2.8 R, das XF23mmF1.4 R und das XF56mmF1.2 R mit. Und das war gut so. Müsste ich die Inselfrage beantworten, wäre sicherlich das 23er das Objektiv, das ich auswählen würde, wenn ich mich nur für eine einzige Brennweite entscheiden dürfte. Im Unterschied zum 35er ist es für mich universeller einsetzbar und entspricht in der Landschaftsfotografie eher dem, was ich sehe, wohingegen das Normalobjektiv in meinen Augen eine Szenerie bereits minimal telehaft verdichtet.

Das 14er, das ich auch zuvor schon mehrfach als Ergänzung zum Standard- und zum Telezoom dabei hatte, überzeugte mich aber nicht so recht. Wie schon beim 18er lag es auch hier an der Brennweite und der optischen Leistung. Die Bildqualität fand ich schlechter als beim 10-24er bei gleicher Brennweite. Und überhaupt, der Bildwinkel. Der große deutsche Naturfotograf Fritz Pölking sagte einst, ein Objektiv dieser Brennweite sei schnell „geschwätzig“, weil es einfach zu viel aufs Bild bringt, oft Unwichtiges. Ein „viel hilft viel“ ist hier häufig wenig zielführend auf dem Weg zu einem guten Bild. Daher habe ich das 14er, wie auch das 10-24er im extremen Brennweitenbereich, nur selten benutzt.

Die 56er-„Porträt-Linse“, wie das 23er extrem lichtstark, war und ist allerdings ein feines Teil. Diesen leichten Telebereich setze ich gerne ein, um beispielsweise Details aus einer Landschaft herauszuarbeiten.

Weil Zooms jedoch, ich sagte es bereits, auf Wanderungen und Skitouren oftmals ihre Vorzüge haben, probierte ich auf zwei folgenden Reisen das lichtstarke 16-55er aus, um zu sehen, ob diese „Eierlegende Wollmichsau“ für mich der Heilige Gral sein könnte. Was aber, wie eingangs schon erwähnt, nicht der Fall war. Zwar passt der Brennweitenbereich ziemlich perfekt, auch die Lichtstärke ist meistens ausreichend, aber der Funke sprang nie über. Ich sehnte mich bald erneut nach Festbrennweiten und unternahm einen dritten Versuch.

– Pusteblume – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/500 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Bokehlicious – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/125 Sek, f 2.8, ISO 1000 –

16, 23 und 56 Millimeter
Für meine Wanderungen durch das Johan Dahl Land, Qajuuttap Nunaa und das Mellemlandet auf Grönland im letzten Jahr packte ich dieses Mal neben dem XF23mmF1.4 R und dem XF56mmF1.2 R noch das XF16mmF1.4 R WR ein. 23er und 56er hatten sich ja bereits bewährt und waren auch auf dieser Reise verlässliche Begleiter. Und im ebenso lichtstarken 16er fand ich eine Ergänzung, die mir ideal erscheint, fängt das Objektiv doch diesen Tick weniger ein, den das 14er meist zu viel rumlabert.

Mit diesem Setup hatte ich mein Wunsch-Trio an Festbrennweiten gefunden. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Linsen von nun an loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Eine schöne Abrundung des „Dreigestirns“ ist als viertes Objektiv das XF35mmF2 R WR, das ich dem alten und lichtstärkeren 35er mittlerweile vorziehe. Das neue ist kompakter, leichter, schneller, wettergeschützt und sieht vor allem an der Fujifilm X-Pro2 viel schöner aus ;-) Abgesehen von ein paar Schwächen im Nahbereich und bei Offenblende hat es mich als Allrounder im klassischen Normalbereich, der für mich eher eine Art Option zwischen leichtem Weitwinkel und leichtem Tele darstellt, im vergangenen Herbst auf Texel bereits sehr überzeugt.

Eine Verlockung – die Fujicrons

23, 35 und 50 Millimeter
Ach ja, alles wäre so einfach, wenn es nicht doch noch eine Alternative gäbe. Seit einiger Zeit gibt es neben dem kleinen 35er zwei weitere Objektive mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Auch das XF23mmF2 R WR und das XF50mmF2 R WR sind vor allem im Gegensatz zu den lichtstarken 23er- und 56er-Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Mmh, für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll. Bei verschiedenen kürzeren Ausflügen habe ich sie bereits verwendet, um zu sehen, ob deren optische Leistung ausreichend ist. Für den „Hausgebrauch“ ist sie das allemal, aber wäre sie auch gut genug, um ein großes Projekt damit zu fotografieren, worüber nachher erneut ein Fotobuch erscheinen soll? Nun, ich denke schon. Und daher werde ich bei einigen der nächsten großen Touren wahrscheinlich die schnuckeligen „Fujicrons“ – ergänzt allein mit dem lichtstarken 16er – in die Welt hinausführen und mit diesen Linsen alle Erlebnisse einfangen.

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

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