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Die Fujifilm X-T1 – Erste Eindrücke

– Regen und Bokeh – X-T1, XF23mmF1.4 R, 1/80 Sek, f 1.4, ISO 1600 (Velvia) –

Vor gut einem Monat bekam ich die Fujifilm X-T1 bei einem Besuch in Düsseldorf in die Hände gedrückt. Zusammen mit meinem X-Photographer Kollegen Bernd Ritschel war ich von Fujifilm eingeladen worden, um von unseren Erfahrungen mit dem X System zu berichten und einigen aus Japan angereisten Entwicklern direktes Feedback zu geben. Es war eine lockere Runde gehaltvollen Austauschs, nach der wir beide eine X-T1 unser Eigen nennen durften und die Kamera seitdem mein neues Arbeitstier ist.

Ich war auf diesen neuen Fotoapparat extrem gespannt. Und als ich die X-T1 in Fujifilms Europazentrale zum ersten Mal anfassen konnte und durch den Sucher blickte, entfuhr mir ein „Wow“. Kamen alle bisherigen elektronischen Gucklöcher eher einem Mäusekino gleich, öffnet sich hier eine Großbildleinwand! Mittig in der optischen Achse platziert, ist dieser in einem Höcker untergebrachte EVF eines DER Aushängeschilder der Kamera. Die üppige Suchervergrößerung ist im wahrsten Sinne großartig und erlaubt einen perfekten Blick auf das Motiv. Wer braucht da noch einen optischen Sucher? Schwenkt man die Kamera ins Hochformat, verändern auch alle Anzeige-Elemente im Sucher automatisch ihre Position. Dass der EVF dazu enorm reaktionsschnell ist – bisher häufig ein Manko elektronischer Sucher – und die Szenerie „in Echtzeit“ darstellt, begeistert zusätzlich. Ein Triumph der Ingenieurskunst, diesen riesigen Sucher in der äußerlich doch sehr kompakten Kamera unterzubringen, wie uns die Japaner voller Stolz erläuterten. Als Nebeneffekt wird der Messsucherlook bisheriger X-Modelle aufgegeben und die X-T1 kommt im DSLR-Design daher. Das ist so ein Pro-und-Kontra-Ding – manche werden es begrüßen, weil es sie an eine Spiegelreflex erinnert, andere werden dem Rangefinderstil nachtrauern …

Einem ersten Härtetest wollte ich die Kamera Mitte Februar in Schweden unterziehen, wo ich zu zwei Tagen Nordic Iceskating eingeladen war. Im Royal Viking Hotel in Stockholm waren die X-T1 und ich auch noch guter Dinge. Doch auf dem zugefrorenen See Mälaren sahen wir uns bald der Realität ausgesetzt und viel zu schnell war Schluss mit lustig. Das Wetter mies mit Regen und Wind. Ich unbeholfen auf den schmalen Kufen. Zu Fotos kam ich kaum, zu sehr hatte ich mit mir selbst zu tun. Damit, mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Mich der Herausforderung des Schlittschuhlaufens zu stellen, war eine Sache. Zu scheitern, die andere. Nach Stunden auf glattem Grund stürzte ich, schlidderte über das blanke Eis und verdrehte mir ungünstig das Knie. Später schmerzte es – wohl aufgrund einer Überdehnung des Innenbandes. Den Folgetag hängte ich die Skates an den Nagel und schlenderte stattdessen durch Sigtuna, die erste Stadt Schwedens, wo im Café Tant Brun bei leckerem Gebäck und Cappuccino der Frust der „Niederlage“ verblasste.

Naja, andere Motive mussten nun her, um mich dem neuesten Fujifilm-Gerät weiter zu nähern …

– Mälaren – X-T1, XF27mmF2.8, 1/50 Sek, f 8, ISO 1600 (Astia) –
– Sigtuna – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/420 Sek, f 4, ISO 200 (PRO Neg. Std) –

Im Hier und Jetzt

Als ich die X-T1 dann hier zu Hause mit auf Fotopirsch nehme, erfreue ich mich an der Haptik des dank Griffwulst und Daumensporn sehr griffigen Magnesium-Gehäuses. Am Damwildgehege im Nordpark ist es ein Leichtes, zum Anlocken der Tiere eine Schachtel Wildfutter in der linken und die Kamera in der rechten Hand zu halten. Die Spitzen der Schaufelgeweihe, die durch den Gitterzaun stoßen, machen mir kaum Sorgen – die Kamera wirkt äußerst robust. Ich mache Bild um Bild, will unbedingt das Foto, wie ein Damhirsch mit seiner Zunge nach den Leckereien giert und bin nach vielen Auslösungen irgendwann erfolgreich.

Erfreulich auch der erleichterte Zugriff auf den Speicherkarten-Slot, der sich nicht mehr wie bei den bisherigen X-Kameras im Akkufach auf der Unterseite befindet, sondern nun seitlich zugänglich ist. Ich hätte allerdings einen Dual-Slot zudem vorgezogen, um schon in der Kamera ein Backup meiner Fotos erstellen zu können. Doch Fujifilm hat sich für eine Kompatibilität mit den neuen und ultraschnellen SDXC UHS-II Speicherkarten entschieden, die mehr Kontakte haben und ein größeres Bauteil in der Kamera benötigen. So fand nur ein Schlitz im Gehäuse Platz.

– Damwild – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/250 Sek, f 4, ISO 800 (SW + Grün-Filter) –

Als Outdoor-Fotograf, der viel bei schlechtem Wetter und im Winter unterwegs ist, zählt für mich vor allem auch, dass eine Kamera hart im Nehmen ist. Ein windiger, verregneter Abend am Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen bietet da realistische Testbedingungen und ich treibe mich auf Bahnsteigen und zwischen Unterständen umher (siehe Bild oben). Regentropfen prasseln mir um die Ohren, doch der an 80 Stellen abgedichteten X-T1 macht das rein gar nichts aus. Dass sie bis minus zehn Grad kälteresistent sein soll, beruhigt zusätzlich. Einziger Wehrmutstropfen: Manche Tasten, wie das Steuerkreuz auf der Rückseite, sind der wetterfesten Verarbeitung wegen nur fummelig zu bedienen. Einen Tod muss man wohl sterben.

Um dem gegenüber Fujifilms X-E2 nochmals weiterentwickelten Hybrid-Autofokus auf den Zahn zu fühlen, nutze ich Selmas Begeisterung für Spielplätze. Dort düst sie die Rutsche hinab und ich feuere eine 8-Bilder-pro-Sekunde-Salve nach der anderen ab. Obwohl der AF-C-Modus mit einer „Tracking-Funktion“ arbeitet und die Schärfe prädiktiv nachführt, ist es in dieser Situation nicht ganz einfach, zu scharfen Bildern zu kommen, wenn sich Selma rasend schnell auf mich zubewegt und ich gleichzeitig die Kamera entlang der Rutsche von oben nach unten mitziehe, um mein Model immer korrekt im Bild zu haben. Dennoch sind die Resultate bei diesem Test sehr vielversprechend und Fujifilms Spiegellose kann auf diesem Gebiet auch DSLRs sicherlich Paroli bieten. Ich muss mich nur selber der Actionfotografie weiter widmen, macht doch Übung auch hier den Meister.

– Rutschpartie – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/2000 Sek, f 4, ISO 400 (PRO Neg. Hi) –

Nach ein paar Wandertouren mag ich die X-T1, deren Bedienung dank fünf Wählrädern auf der Oberseite und sechs frei belegbarer Fn-Tasten sehr intuitiv ist, nicht mehr missen. Darüber hinaus erwische ich mich dabei, dass aufgrund des Klapp-Display – einem Feature, das ich bisher immer eher belächelt hatte – auch Aufnahmen aus der Frosch- oder Vogelperspektive besonders bequem umzusetzen sind. So gelingen dynamische Perspektiven einer kühnen Wanderin, ohne mich auf dem Boden wälzen zu müssen.

Und die Bilder? Bei all dem Potenzial und der geballten Power der X-T1 bleibt die Betrachtung der Bildqualität beinahe auf der Strecke. Was aber nicht verwundert, werkelt der bewährte 16 Megapixel APS-C X-Trans CMOS II Sensor doch auf einem gleich hohen Niveau, wie es die bisherigen X-Kameras von Fujifilm schon tun. Auch die bereits bekannten und an analoge Fujifilm-Klassiker erinnernden Filmsimulationen sind mit an Bord. Neuerdings lassen sich diese auch in Adobe Camera RAW für Photoshop CS6 und CC auf die RAW-Bilder anwenden und sind dort auswählbar. Wer auf Provia, Astia, Velvia und Co. steht, muss jetzt nicht mehr auf die JPGs vertrauen oder sich die Anmutung selber für die RAW-Bilder zurechtbasteln, sondern findet in ACR eine sehr passende Umsetzung. Die hier gezeigten Bilder sind auf dem Wege nachbearbeitet. Für mich ist das aber sicherlich nur eine Übergangslösung, bis VSCO die X-T1 in seinen Film-Kollektionen unterstützt. Deren Look mag ich einfach noch lieber.

Und zu guter Letzt: Dank Wi-Fi ist obendrein eine kabellose Anbindung und Fernsteuerung via Smartphone oder Tablet möglich. So wird die Fujifilm X-T1 vollends zum Tausendsassa.

– Holzweg – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/2900 Sek, f 2.8, ISO 400 (PRO Neg. Std) –

Die Stärken der X-T1

  • Der EVF – Groß, hochauflösend, reaktionsschnell
  • Der Autofokus – Treffsicher und schnell samt einem AF-C, der seinen Namen verdient
  • Das Gehäuse – Wetterfest, robust, solide und mit toller Haptik
  • Die Bedienung – Wählräder und Fn-Tasten mit einfach sauvielen direkten Zugriffen

Die Schwächen der X-T1

  • Die Tasten – Das Steuerkreuz auf der Rückseite ist etwas fummelig

Was Fujifilm durch Firmware-Updates verbessern könnte

  • Die Video-Taste sollte zu einer weiteren Fn-Taste werden
  • Die Fn-Taste auf der Vorderseite sollte bei Bedarf ganz abschaltbar sein oder länger gedrückt werden müssen (2 Sek.), um die gewünschte Funktion zu aktivieren – ich habe sie schon mehrfach versehentlich gedrückt

Vorläufiges Fazit

Fujifilm ist mit der X-T1 ein großer Wurf gelungen und die Kamera ist aktuell der ausgewogenste Spross aus dem X System. Dank der äußerst gelungenen Symbiose aus „klassischer“ Bedienung, robustem und wetterfestem Gehäuse, technischen Finessen und bekannt hoher Bildqualität ist das Modell dafür prädestiniert, dem Markt der spiegellosen Systemkameras weiteren Schwung zu verleihen.

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-T1 Bilder

UPDATE:
Seit Einführung der Kamera sind bereits mehrere Firmware-Updates zur X-T1 erschienen, die vielfältige Verbesserungen und Erweiterungen beinhalten! Und auch das Steuerkreuz auf der Rückseite wurde überarbeitet!

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