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Ich bin ein X-Photographer


Bereits vor einiger Zeit hat Fujifilm die Online Galerie X-Photographers ins Leben gerufen, auf der Bilder der Fotografinnen und Fotografen gezeigt werden, die weltweit mit Kameras des X-System fotografieren und die mit Fujifilm zusammenarbeiten. Darunter z.B. der bekannte amerikanische Fotograf Zack Arias oder der stern-Fotoreporter Harald Schmitt. Abgerundet werden die einzelnen Anwendervorstellungen durch Kommentare zu den Kameras und Kurzportraits der zahlreichen X-Photographers.

Seit Einführung der X-Pro1 im März, arbeite ich ebenfalls mit Fujifilm zusammen und werde mittlerweile auch in der Galerie präsentiert. Als nun “offizieller” X-Photographer sozusagen … Das macht mich schon ein wenig stolz, zumal ich von der Kamera aus freien Stücken völlig überzeugt bin und sie nicht Schönrede, nur weil ich sie von Fujifilm bekommen habe! Sonst wäre wohl auch mein Erfahrungsbericht dazu kaum so kritisch ausgefallen.

Nun gut, den Bildern in der Galerie sollte noch nicht zu viel Beachtung geschenkt werden – sie stammen in erster Linie aus meiner frühen Testphase. Die Wirren des Frühjahrs und Sommers zwangen mich dazu, die X-Pro1 lange Zeit nicht so einsetzen zu können, wie ich es ursprünglich angestrebt hatte. Erst in den letzten Wochen war ich mit der Kamera endlich auf einer längeren Reise in Schweden und Norwegen unterwegs und habe sie ihrer wahren Bestimmung zugeführt.

Das möchte ich zum Anlass nehmen, um kurz auf meine aktuelle Einstellung der X-Pro1 einzugehen. Schon früh hatte ich meine erste Grundeinstellung kundgetan und diese auch eine zeitlang beibehalten. Doch irgendwann fehlte mir bei den so gemachten Fotos ein wenig der Pepp und ich habe für die letzte Reise nach einer anderen Einstellung gesucht, die mir als “Standardeinstellung” jetzt auch besser gefällt. Hier das ganze in einer kurzen Übersicht:

Bildqualität: F + RAW
Filmsimulation: ASTIA (Weich)
ISO: AUTO 800
Dynamikbereich: AUTO
Weißabgleich: AUTO
Ton Lichter: -1
Schattier. Ton: 0
Farbe: 0
Schärfe: -1
Rauschreduktion: -2
Farbraum: Adobe RGB

Je nach Bildsituation läuft man bei der Einstellung 0 für die Schatten allerdings schnell Gefahr, dass diese etwas zulaufen. Mir war das aktuell recht, da es den Bildern mehr Tiefe verleiht. Möchte man das vermeiden, ist es ratsam – zumindest bei der Filmsimulation ASTIA – den Wert dort zumindest auf -1 zu stellen, was die Schatten etwas aufhällt. Die Lichter sind hingegen durch die Kombination -1 und die zusätzlich automatisch einspringende Erweiterung des Dynamikbereichs bis hin zu DR400 gut geschützt und brennen in den seltensten Fällen aus (hier bleibt fast immer Luft nach oben und ich kann nachträglich Feinarbeit leisten).

Ich nutze meistens direkt das JPEG und nehme nur daran noch wenige Anpassungen vor. Bei der gerade zurückliegenden Reise waren mir z.B. die Farben der ASTIA-Grundeinstellung zu gesättigt und ich habe die Sättigung nachträglich in der Bildbearbeitung heruntergedreht. Zu vergleichbaren Ergebnissen wäre ich gekommen, wenn ich schon vor der Aufnahme den Wert für Farbe auf -2 gestellt hätte, wodurch die spätere Schrauberei an den Aufnahmen in diesem Punkt entfallen wäre. Okay, beim nächsten Mal …

Da ich zusätzlich zu den JPEGs auch das RAW-Bild vorliegen habe, kann ich in extremen Fällen, oder wenn die Grundeinstellung mal gar nicht passt, selbst über den kamerainternernen RAW-Konverter leicht größere Änderungen vornehmen.

Was mir an der Fujifilm X-Pro1 sehr gut gefällt, ist gerade diese Möglichkeit, die Bildergebnisse schon durch die Grundeinstellung der Kamera sehr individuell gestalten zu können, wodurch ich die lästige Nachbearbeitung reduzieren kann. Ich möchte mehr Zeit mit Fotografieren verbringen, als diese in Bildbearbeitung stecken zu müssen!

In Zukunft werde ich daher, je nach Reise oder Projekt, sicherlich ganz unterschiedliche Kameraeinstellungen nutzen. Mal sehen.

UPDATE:
Meinen Fujifilm X-Pro1 Workflow habe ich mittlerweile hier ganz im Detail vorgestellt. Vom Anfang bis zum Ende …

> Fujifilm X-Photographers

Charging Complete – Oder: Ich möchte raus

- Der blaue Punkt -

Wir wollten nur noch weg. Nach Schweden und Norwegen – auf unser imaginäres Sofa. Nach all meinen gesundheitlichen Querelen endlich die richtige Erholung finden, Abstand gewinnen, den Stress abschütteln. Und Kraft tanken für einen Neuanfang, die Akkus wieder aufladen. Das war vor gut vier Wochen. Jetzt sind wir zurück aus dem Norden – von Meeresküsten, Waldpfaden und Berggipfeln. Und tatsächlich: Mit dem räumlichen Abstand, dem Ausbruch aus der Umgebung, an die ich zuvor so gefesselt war, konnte ich weitere Schritte nach vorne tun. Nur zu Beginn, in der ersten Woche, da schlich sich noch einmal für einen Tag die Krankheit in mir ein. Mit Kopfschmerzen, Gliederziehen und Kältegefühl wie kurz vor unserer Abreise. Aber dann ging es stetig aufwärts. Und je länger wir unterwegs waren, desto mehr konnten wir abschalten, alles zurücklassen. Uns einfach erfreuen an dem, was sich am Wegesrand auftat.

Schön war’s. Sehr sogar! Und entgegen unserer letztjährigen Rundreise durch Norwegen, bei der uns ein Weltuntergangswetter auf Schritt und Tritt begleitete und wir fast tagein tagaus mit fiesem Regen zu kämpfen hatten, war es in diesem Jahr überwiegend trocken und warm. Herrlich. Wir konnten meistens draußen vor dem Zelt frühstücken und zu Abend essen und mussten uns nicht ständig verkriechen. Das tat der Erholung gut und spornte uns an, immer wieder in die Natur aufzubrechen. An einigen Orten machten wir dafür länger Station und fuhren nicht jeden Tag weiter. So in der Region Höga Kusten im Osten Schwedens, wo wir Wanderungen im Skuleskogen Nationalpark unternahmen. Über Stock und Stein, durch Schluchten und Wälder, an Seen und dem Meer entlang. Oder am Kallsjön in Jämtland. Dort bestiegen wir bei etwas rauerem Wetter den Gipfel des Suljätten und stapften durch sumpfiges Gelände. Und schließlich am Femundsee in Ost-Norwegen. Zwischen Rentieren, Ameisenhügeln und Pilzen kamen wir endgültig zur Ruhe. All das drumherum und zwischendurch – die Großstadt Stockholm, der verlassene Skiort Åre, das beschauliche Røros oder die touristische schwedische Westküste am Ende unserer Reise – war darüber hinaus schmuckes Beiwerk und nette Abwechslung.

Köstlich auch die Burger an den ESSO-Tankstellen, das eine und andere Softeis. Oder die riesige Tüte voller Godis, die wir im Örnsköldsviker Candy Corner erstanden. Wir ließen es uns gut gehen. Meine Epilepsie-Pillen nahm ich nicht mehr so stur zur immergleichen Uhrzeit ein, schlief lieber aus und hatte immer seltener mit Schwindel zu tun. Das Gefühl, krank zu sein, rückte in den Hintergrund. Wenn wir in die Natur eintauchten und ich Selma in der Kindertrage auf dem Rücken trug, konnte ich fast alles abstreifen. Lieber hielten wir Ausschau nach Tieren, Tannenzapfen, Tümpeln und Pfützen …

Zu unserer großen Freude sprach Selma in diesem Urlaub auch ihren ersten korrekten Satz: “Ich möchte raus!” Keinen wurschteligen Sprachfetzen mehr, bei dem das eine oder andere Wort fehlt. Nein, sie sagte es klar heraus. Immer wieder. Jeden morgen. Gut, sie meinte damit im Grunde nur, hinaus aus dem Zelt zu wollen. Wir fassten es etwas weiter, so, als wenn sie damit ausdrücken würde, mit Wanderschuhen an den Füßen und einem kleinen Rucksack auf dem Rücken endlich wieder hinein in die Natur zu können. So sind Eltern eben.

Für mich wurden diese drei Worte gar zu einer Art Mantra. Auch ich möchte raus. Wieder raus. Zu den Orten im Norden, an denen meine Passion für diese Landschaften seinen Anfang nahm, die mir im Laufe meines Reiselebens wichtig waren. Aber auch zu neuen Orten, dorthin, wo ich noch nicht war. Der vielgenannte Neuanfang. Während unserers Unterwegsseins reifte die Idee, der Plan, das Konzept für ein neues und großes Projekt. Etwas, das ich jetzt beginnen möchte. Nach den Wirren und dem Krankheitsscheiß. Entwickelt aus und durch die Krise.

In Kürze mehr zu diesem, meinem weiteren und neuen Weg. Jetzt sind wir erstmal wieder hier. Erholt. Charging Complete sozusagen.

Achja, ich war ja nun zum ersten Mal so richtig mit der X-Pro1 von Fujifilm auf Tour. Und was war das ein tolles Gefühl, nicht mehr die schwere DSLR-Ausrüstung durch die Lande buckeln zu müssen. Es machte riesigen Spaß mit der kleinen Kamera.

> Bildergalerie Schweden & Norwegen Rundreise 2012

Ab aufs Sofa

- Das Sofa -

Endlich. Morgen. Dann geht es los. Nicht bereits am Mittwoch, auch noch nicht heute am Donnerstag. Dafür morgen am Freitag. Endlich. Wir wollen nur noch weg.

Anfang dieser Woche war ich wieder bei meiner Hausärztin. Die Gürtelrose ist soweit im Griff. Zum Glück – die Medikamente hatten rasch angeschlagen, die Pocken sich nicht allzu sehr ausgebreitet und starke Schmerzen bekam ich auch nicht. Puh … Meine Heilpraktikerin, bei der ich dann auch nochmal war, konnte beim Blick in meine Augen zudem erspähen, dass mein komplettes Immunsystem einen Totalabsturz erlitten hatte. Kein Wunder, dass dieser Herpes Zoster da ans Licht wollte. Sie verschrieb mir ein Aufbaumittel, damit mich nicht jede Kleinigkeit sofort wieder aus der Bahn wirft und ich nicht bald – wie die Ärztin schon letzte Woche im Spaß bemerkt hatte – in einem Schutzanzug rumlaufen muss …

Positiv dann auch die Ergebnisse der weiteren Blutuntersuchung. Der Leukozytenwert ist wieder gestiegen und liegt nun bei 4,2. Im Krankenhaus konnte ich mit satten 9,5 aufwarten – danach war er bis auf 3,5 gefallen. Wäre er jetzt noch weiter in den Keller gesackt, hätte mein Neurologe mein Epilepsie-Medikament wechseln wollen, weil es der Auslöser für den Niedergang der Abwehrkräfte sein könnte. Da ich die Pillen aber an sich gut vertrage und kaum mehr mit anderen Nebenwirkungen kämpfe, wäre es äußerst notgedrungen geschehen. Jetzt kann ich erstmal weiterhin Levetiracetam schlucken. Gut so – da weiß ich mittlerweile, was ich habe.

Es kann also endlich losgehen. Endlich die richtige Erholung. Endlich Abstand gewinnen. Den Stress abschütteln und Kraft tanken für den Neuanfang danach. Doch nicht ohne nochmals kurz ausgebremst zu werden. Als wir am Dienstag beim Einwohnermeldeamt noch auf den letzten Drücker einen Kinderreisepass für Selma machen ließen, hatte ich das Gefühl, mir würde der Boden unter den Füßen wegsacken. Vorbote eines neuen epileptischen Anfalls? Nein, zum Glück nicht. Aber ich war erstmal verunsichert. Und später am Tag machte sich ein Ziehen in den Beinen breit, mir wurde kalt und ich bekam in den Abendstunden das Gefühl, Fieber zu haben. In der Nacht schwitzte ich dann stark. Ach herrje – wieder mal was Neues?! Mit Aspirin konnte ich es unterdrücken, aber es führte zur nächsten kleinen Verzögerung, weswegen wir uns jetzt erst morgen auf den Weg machen. Gut Ding will eben Weile haben …

Was werde ich froh sein, wenn die Autotüren geschlossen sind und wir all den Mist der letzten Zeit ein Stück weit hinter uns lassen. Einen Teil davon nehmen wir aber auch mit. In Form der Tabletten, die ich nehmen muss. In Form der Frage, ob alles gut gehen wird. Ich gesund bleibe oder doch wieder irgendwas auftaucht. Es scheint da ja immer wieder neue Nickligkeiten zu geben. Aber ich bin zuversichtlich, mit dem räumlichen Abstand, dem Ausbruch aus der Umgebung, an die ich zuletzt so gefesselt war, auch tatsächlich neue Kraft tanken und kontinuierlich weitere Schritte nach vorne tun zu können.

Über die Vogelfluglinie wollen wir via Dänemark zuerst nach Schweden reisen. Dort dann vorbei am Vätternsee nach Stockholm fahren und weiter entlang der Ostküste nordwärts zur Region Höga Kusten und dem Skuleskogen Nationalpark. Hier werden wir nach Westen schwenken und über Östersund in die Bergwelt Jämtlands aufbrechen. Nach dem Meer und dem Kahlfjäll kehren wir Schweden vorerst den Rücken und wechseln über nach Norwegen. Entgegen unserer letztjährigen Reise, die uns da maßgeblich durch den Westen des Landes und die Fjordregionen geführt hat, wollen wir dieses Mal dem Osten einen Besuch abstatten, wie Røros und dem Femundsee. Schließlich soll es über Oslo wieder hinein nach Schweden gehen und dort die Westküste runter, mit Göteborg am Wegesrand, retour nach Hause. So unser grober Plan. An einigen Orten wollen wir länger verweilen, kleinere Wanderungen unternehmen und möglichst aller Hektik entfliehen.

Natürlich werde ich trotz all dem Fokus auf eine entspannende Urlaubsreise auch viel Fotografieren. Aber ich mache es mir leicht. Statt der schweren Vollformat-DSLR-Ausrüstung, die ich noch im letzten Jahr fünf Wochen durch Norwegen geschleppt habe, werde ich jetzt bloß mit der Fujifilm X-Pro1 losziehen, nur drei kleine Festbrennweiten dabei haben und etwas Zubehör wie Graufilter, Stativ, Blitz und so. Dazu die X10 als Backup. Herrlich, wie leicht und handlich die Fotoausrüstung jetzt daherkommt. Beflügelnd und nicht so niederdrückend wie zuvor …

Über den Tag müssen wir heute noch die letzten Dinge einpacken. Kommt ja doch einiges zusammen – schließlich wollen wir 4,5 Wochen unterwegs sein. Aber mittlerweile haben wir ja schon die Erfahrung, wie es ist mit kleinem Kind auf großer Fahrt.

Also, ab aufs Sofa.

Zwei Monate

- Luftballon -

In der letzten Woche hatte Selma ihren zweiten Geburtstag. Da hing der Luftballon noch prall gefüllt an unserer Wohnungstüre. Doch jetzt ist davon nicht mehr viel übrig, wie auch bei mir die Luft mal wieder ziemlich raus ist. Dabei schien ich am vorigen Freitag mit der Wanderung über den Brezelweg wieder gut Fuß gefasst zu haben. Mmh, zu früh gefreut …

Denn kurz darauf bekam ich eine Gürtelrose – als wenn ich nicht schon genug Ärger am Hals hätte. Naja, zum Glück habe ich den Herpes Zoster dort gerade nicht, sondern unter der Hose versteckt am Oberschenkel und in der Leistengegend. Egal, schön ist es trotzdem nicht. Jetzt muss ich auch gegen diese Viruserkrankung Pillen schlucken. Alle vier Stunden.

Schuld daran ist mein aktuell arg geschwächtes Immunsystem. Das ließ dem “Windpocken-Virus” freie Bahn und warf mich wieder ein Stück zurück. Immerhin hat Selma bereits eine Impfung gegen Varizellen – die Sache ist hoch ansteckend.

Momentan laufe ich zwischen meiner Hausärztin und meinem Neurologen hin und her, lasse mir Blut abzapfen und die Werte bestimmen. Die Leukozyten sind in den Keller gerutscht, meine Abwehrkräfte schwinden. Es könnte an dem Epilepsie-Medikament liegen, welches ich jetzt schon seit fast zwei Monaten nehme. Ja, genau auf den heutigen Tag ist es zwei Monate her, dass ich mich nach den beiden Krampfanfällen in der Notaufnahme des Krankenhauses wiederfand. Seitdem ist es ein ewiges Auf und Ab.

Erst die Diagnose Epilepsie, dann Schwindel und Müdigkeit hervorgerufen durch die Tabletten. Als die Nebenwirkungen nachließen, kam der Durchfall. Zwei Wochen lang. Doch dann, nach der Scheißerei, schien es endlich aufwärts zu gehen. Ich konnte die ersten Schritte tun und später weiter Fuß fassen. Alles schien geebnet für eine Urlaubsreise, die mich mit Nina und Selma ab kommenden Dienstag nach Schweden und Norwegen führen sollte. Endlich richtige Erholung. Endlich Abstand gewinnen. Den Stress abschütteln und Kraft tanken für den Neuanfang danach. Doch stattdessen jetzt noch diese Gürtelrose. Vielleicht muss das Epilepsie-Medikament umgestellt werden. Eine weitere Blutuntersuchung Anfang nächster Woche warten wir noch ab. Dann soll entschieden werden …

Gut, fahren wir halt etwas später los. Am Mittwoch oder spätestens Donnerstag. Trotzdem ist es mal wieder niederschmetternd. Ein weiteres Hindernis, das es zu überwinden gilt. Seit zwei Monaten dieser ständige Angriff auf Körper und Psyche. Kaum die Möglichkeit einer “Auszeit”. Immer wieder was Neues. Ein Schritt vor und zwei zurück. Manchmal ist es einfach zum Kotzen.

Aber ich gebe nicht auf. Wenn’s sein muss, werfe ich eben andere Pillen gegen die Epilepsie ein. Vielleicht stabilisiert sich dadurch wieder mein Immunsystem. Und ich habe Glück und bekomme es dafür mit keinen anderen, neuen Nebenwirkungen zu tun …

An dieser Stelle möchte ich allen einen DANK aussprechen, die mich bisher mit ihrer Anteilnahme und vielen guten Worten auf dem “steinigen Weg durch einen dunklen Tunnel, an dessen Ende ich aber ein Licht erkenne” unterstützt haben!

Irgendwann werde ich wieder im Hellen stehen – es bleibt weiterhin nur eine Frage der Zeit, der Geduld und der inneren Kraft.

Wieder Fuß fassen

- Inmitten von Chaos -

Nach den ersten Schritten vor ein paar Tagen, war ich gestern erneut unterwegs. Dieses Mal zusammen mit Schwippschwager Matthias. Wir hatten uns den Brezelweg rund um Burg ausgesucht, den ich schon häufiger gelaufen bin, zuletzt Ende Januar. Auch jetzt fuhren wir gemeinsam mit der Regionalbahn bis Solingen-Schaberg und liefen von der Müngstener Brücke ein Stück oberhalb der Wupper entlang, bis wir auf den Rundweg stießen. Die etwa 16 Kilometer lange Strecke mit ihren gut 600 Höhenmetern erschien mir für mich genau richtig, um weiter Fuß zu fassen.

Zum Glück war es nicht zu warm und im Wald und zwischen Feldern auch nicht allzu schwül und stickig. Trotzdem war die Luft ab und an drückend. Ich spürte es vor allem an den langen Steigungen – bis ich wieder so richtig fit bin, wird es noch eine Weile dauern. Wir kamen aber ganz gut voran, machten ein paar Pausen, aßen Käse- und Wurstbrötchen. Nur das Gewitter und den Regen hatte ich irgendwie nicht auf dem Plan. Als die ersten Blitze zuckten, das Donnergrollen lauter wurde und es immer stärker vom Himmel tropfte, suchten wir für kurze Zeit Zuflucht in einem Unterstand.

Nach 20 Minuten war das Gröbste vorüber gezogen und wir gingen weiter. Einige Zeit regnete es zwar noch, aber das war auf den Waldwegen, geschützt von den Bäumen und bei den sommerlichen Temperaturen, nicht weiter schlimm. Auch ohne Regenjacke war das bisschen Nässe nicht der Rede wert.

- Wasser und Stein -

Irgendwann kam sogar die Sonne zurück und alles trocknete rasch. Am Hermann Löns Denkmal, wo sich unzählige kleine Pfützen auf einem Gemäuer hoch oben über der Wupper gebildet hatten, machten wir einen letzten Zwischenstopp. Nach 6 Stunden schloss sich der Kreis und wir waren zurück am Ausgangspunkt. Gerade rechtzeitig, bevor erneut dunkle Wolken über uns hinweg zogen und den nächsten Regen brachten.

Meine Beine waren zum Ende hin zwar etwas schwer, aber ich habe das Gefühl, so langsam wieder in Fahrt zu kommen. Und die Krankheit zunehmend nur als einen Teil zu sehen, der zwar vorerst immer da ist, der aber nicht bestimmt.

Noch stecke ich allerdings mitten im Chaos. Um mich herum ist weiterhin so vieles ungewiss. Wie es weitergeht mit der Epilepsie. Wann – oder ob überhaupt – ein nächster Anfall kommt. Ob ich es schaffen kann die Ideen, die mir im Moment im Kopf umherschwirren, tatsächlich umzusetzen. Ob es trotz der Krankheit möglich ist, neue Wege zu gehen und weiterzukommen. Oder ob es gerade dieses “kranksein” ist, diese momentane Phase, die manches erst ermöglichen wird?

Ich gebe mir Zeit. Oder versuche es zumindest. Vielleicht schaffe ich es, zu reifen durch die Situation. Vielleicht ist das alles genau richtig so.

> Bildergalerie Natur

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