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Ein kleiner Ausblick auf ein großes Abenteuer

– Ausguck –

Eigentlich war sie bereits für den vergangenen September geplant: Die letzte Reise meines Fotografieprojekts Mein Norden. Allein wollte ich im grönländischen Johan Dahl Land die Abschlusstour unternehmen. Die Flüge waren gebucht, der Rucksack so gut wie gepackt. Doch dann kam kurzfristig alles anders, als die Fluglinie alle verbleibenden Flüge für den Rest des Jahres absagte und ich vorerst zu Hause bleiben und das Projektende nach hinten schieben musste. Was im Herbst 2012 mit einer Solotour im Norden Schwedens seinen Anfang nahm, werde ich nun erst im kommenden März/April im Süden Grönlands endlich zu Ende bringen. Die Planungen für den dann hoffentlich wirklich finalen Ausflug in den Norden laufen auf Hochtouren …

„Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.“

Wer nach all der Zeit nicht wer weiß, was überhaupt der Auslöser für dieses Projekt war, warum ich immer wieder in den Norden aufbreche und welche große Bedeutung diese Reisen für mich haben, der sollte sich nochmalds meinen Beitrag „We have to dream it all up again“ durchlesen. Da steht alles drin. Die Sache mit der Epilepsie. Das ganze Wieso und Warum.

In den vergangenen Jahren war ich bereits in den Ländern Skandinaviens unterwegs. Auch in Schottland und Island. Dazu auf den Färöer-Inseln und Svalbard. Jetzt fehlt nur noch Grönland. Dann ist alles rund und ich kann das nächste große Abenteuer in Angriff nehmen!

Mein Norden – Der Bildband

Die elf Reisen in den Norden waren nur ein erster Teil des ganzen Projekts. Voller Lichtblicke, fantastischer Momente und tiefer Emotionen. Erlebt und eingefangen in den Regionen, die mir so sehr am Herzen liegen. Aber es war auch eine anstrengende Zeit. Mit Rückschlägen und der ab und an aufkommenden Frage, ob ich es schaffe, das ganze durchzuziehen. Doch jetzt, recht kurz vor dem abschließenden Trip, bin ich schon etwas stolz, es soweit geschafft zu haben. Über einen so langen Zeitraum habe ich mich noch nie so intensiv mit einem Thema beschäftigt. Ständig drehten sich meine Gedanken um dieses Fotoprojekt. Wie alles zusammenpasst. Wie ein Schuh daraus wird. Eine runde Geschichte, die auch andere mitnehmen und entführen soll in meine nordische Welt.

Nach der letzten Reise beginnt der zweite Teil des Projekts. Und das wird sicherlich ein noch größeres Abenteuer. Das Unterwegssein kenne ich seit langer Zeit, doch einen Bildband habe ich bislang noch nicht veröffentlicht. Aber ja, genau, einen Bildband soll es geben. Mein Erstlingswerk. Ohne Verlagsschnickschnack, sondern ganz in eigener Verantwortung. Damit das Buch auch so wird, wie ich es mir vorstelle und wie es das Projekt am besten darstellt und auf den Punkt bringt. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen, ob sich dann alles so realisieren lässt, wie ich mir das gerade bereits vorstelle. Denn im Grunde stecke ich schon mittendrin in der Buchproduktion. Gut, die Bilder sind noch nicht ausgewählt oder Texte geschrieben. Auch am Layout feile ich noch. Aber das angestrebte Format ist beschlossene Sache, der voraussichtliche Umfang steht fest, dazu das Papier, welches ein haptischer Leckerbissen sein soll …

Wie es weitergeht

Mehr Details zu diesem „Hardcover-Coffee-Table-Traum“ werde ich hier im Januar verraten, wenn ich mit der Druckerei noch ein paar offene Fragen geklärt habe. Danach wird frühzeitig die Möglichkeit bestehen, den Bildband über meinen Shop bereits vorab zu bestellen. Denn es wird ihn nur in einer limitierten Auflage geben! So könnt Ihr euch rechtzeitig ein Exemplar sichern – und es zudem etwas günstiger bekommen, als es ab Zeitpunkt des Drucks kosten wird – und mir gleichzeitig etwas unter die Arme greifen. Aber dazu in Kürze mehr.

Wer immer auf dem Laufenden sein möchte, wie es um den Fortgang des Projektes und die Buchproduktion steht, sollte mir auf Facebook folgen, wo ich alles zum Thema aktuell in die Welt posaune …

Soweit dieser kleine Ausblick auf das große Abenteuer. Nach den Reisen ist vor dem Bildband ;-)

Oh Mann, ist das aufregend!

> Zum Shop

UPDATE 1: Aus der Wintertour in Grönland wurde auch nichts – Schneemangel vor Ort vereitelte das Unternehmen. Daher breche ich nun erst im September 2016 ins Johan Dahl Land auf und beende mein Fotoprojekt dort doch mit einer herbstlichen Solotour. Toitoitoi! Allerdings verschiebt sich dadurch der Veröffentlichungstermin des Bildbandes auf März 2017.

UPDATE 2: Ich habe fertig (Teil 1)

UPDATE 3: Ich habe fertig (Teil 2)

Irrwege

– Schnellen Schrittes –

Bei der Einfahrt in den Seyđisfjörđur verspürte ich an Deck der MS Norröna ein Kribbeln im Bauch. Ich war voller gespannter Erwartung und zuversichtlich auf das, was uns in den nächsten vier Wochen bevorstehen würde. Doch einmal an Land erwischte mich Island allzu schnell auf dem falschen Fuß. Die verregneten Ostfjorde waren ein erster Schlag ins Gesicht, die oft bis auf Meereshöhe verhangene Südküste mit ihren überlaufenen Attraktionen ein zweiter hinterher. Ich tat mich schwer, eine Bindung zu der Insel aufzubauen. Stattdessen stand ich oft nur da, während Bus um Bus Touri an Touri ausspuckte, die alle die gleichen Gletscherpanoramen, Wasserfälle und Eisblöcke im miesen Sommerwetter knipsten.

Ein paar Bilder machte ich schon, versuchte mancherorts zu „meinen“ Impressionen zu kommen, doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Kein Feuer entfachte in mir, nur selten blühte ich auf. Aber wie auch? Während wir von Highlight zu Highlight tingelten, prasselte meist der Regen aufs Autodach und löschte jede Regung im Keim. Es fiel uns schwer, eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wir blieben auf Distanz, dabei kannten wir es doch von früheren Reisen nur zu gut, auch bei schlechtem Wetter unterwegs zu sein.

Erst in Arnarstapi auf der Halbinsel Snæfellsnes erlebten wir einen wunderschönen Abend, als die Sonne langsam hinter dem Snæfellsjökull unterging und wir die Gelegenheit gleich nutzten, draußen vor dem Zelt in der Pfanne auf dem Gaskocher Fladenbrote zu backen. Doch dieser Lichtblick war erneut nur von kurzer Dauer. Schon am Berg Kirkjufell, wo ich in eine glitschige Ecke ganz nah am Wasserfall Kirkjufoss krabbelte, war es einfach nur ein weiterer Versuch, dieser vielgerühmten Insel aus Feuer und Eis ein weiteres fantastisches Landschaftsbild abzutrotzen. Verzweiflung und Resignation fingen langsam an, sich zu paaren.

Als uns dann später in den Westfjorden nicht nur aus unerfindlichen Gründen zum zweiten Mal die Autobatterie verreckte – wir so aber zumindest die herzerwärmende Hilfsbereitschaft der Isländer kennenlernen durften -, sondern auch noch ein Reifen auf einer der Schotterpisten zerfledderte, war es bald um uns geschehen. Ein paar entlegene Ecken, die wir gerne noch aufgesucht hätten, ließen wir danach links liegen. Zu unwohl fühlten wir uns jetzt auf diesen rumpeligen Straßen, zu groß war unsere Sorge, irgendwann einfach irgendwo liegenzubleiben. Also sagten wir diesem abgelegensten und am wenigsten besuchten Landesteil mit einem Blick gen Hornstrandir Lebewohl, und machten uns dann auf zurück zur asphaltierten Ringstraße und in den Norden Islands.

Je länger wir unterwegs waren, desto öfter blieb meine Kamera einfach in der Fototasche. Still schaute ich über das Land, versunken in Gedanken. Zurück in Seyđisfjörđur war ich traurig. Darüber, dass alles so schnell vorbei war. Darüber, zu viel im Auto gesessen und zu wenig gewandert zu sein. Darüber, als Fotograf nicht das erreicht zu haben, was ich mir vorher ausgemalt hatte. Der schale Nachgeschmack, es hätte mehr drin sein können, stieß mir lange auf.

Wieder zu Hause mochte ich meine mitgebrachten Fotos lange nicht ansehen. Dabei waren es doch nur so wenige. Ich schob sie beiseite, stürzte mich in andere Dinge. Fing an, die nächste extremere Tour zu planen, machte jede Woche eine Tageswanderung und trainierte so konsequent wie lange nicht mehr. Erst um den Jahreswechsel herum mistete ich die Island-Bilder aus und machte mich anschließend an die Bearbeitung. Um festzustellen, dass einige doch gar nicht so übel geworden sind und es sogar ins Portfolio schafften.

Nach der Reise, die ich noch immer schwer in Worte fassen kann, verlor ich die Fotografie für einige Zeit etwas aus den Augen. Hatten sich die negativen Erfahrung doch tief eingebrannt. Ein Gefühl, wie versagt zu haben. Gescheitert an den eigenen Erwartungen, Vorstellungen und Zielen. Doch mittlerweile entpuppen sich die Aufnahmen als neue Motivation. Sie machen mir Hoffnung.

> Bildergalerie Island Rundreise 2014

Frische Luft

– Trampolin –

Am Samstag war ich mit Selma unterwegs. Mal schob ich sie im Kinderwagen, dann lief sie wieder selbst. Vor allem die kleinen, holprigen Wege zwischen Feldern und durch den Wald gefallen ihr. An Wuppertals Stadtrand schauten wir bei Pferden und Schafen vorbei. Wir zogen weiter bis zum Garten meiner Schwester. Aber da war niemand. Trotzdem schaukelten wir ein wenig, setzten uns auf die Wippe und kletterten aufs Trampolin. Das Sicherheitsnetz lässt sich nicht ganz verschließen, aber ich machte es zu so gut es ging.

Wir hüpften. Mal abwechselnd, dann Hand in Hand. Selma kullerte über die Sprungfläche, lachte übers ganze Gesicht. Wir hatten Spaß. Irgendwann meinte sie, ich solle den Verschluss des Netzes wieder öffnen. Ich fragte, warum. Damit mehr frische Luft reinkommt, war ihre Antwort …

Als ein paar Regentropfen fielen, stellten wir uns an einem Gartenhaus unter. Wir teilten die mitgebrachten Süßigkeiten und freuten uns des Lebens. Dann liefen wir zurück. Wieder vorbei an den Pferden und den Schafen.

Gemeinsame Stunden. Schöne Stunden.

Let’s go!

– Transition #6 –

Puh, meine letzte Schreiberei hier im Blog liegt schon eine Weile zurück und das neue Jahr, das doch gerade erst begonnen hat, ist auch schon wieder gut drei Wochen alt … Naja, dafür sind in der Zwischenzeit einige Dinge passiert, die mich davon abhielten, hier bereits früher wieder aktiv zu werden. Wie angekündigt verbrachte ich den Jahreswechsel mit Frau und Kind an der Nordsee in Ostfriesland, wo wir die frische Luft und manche Meeresbrise genossen. Wir unternahmen Spaziergänge und schlenderten durch die zahlreichen Siels.

Und dabei machte ich vor allem unscharfe Bilder. Für viele vielleicht merkwürdig. Dazu in grobem Schwarz und Weiß. Oft düster obendrein. Transition nannte ich die Serie. Übergang. Es sind nicht nur Impressionen einer Zeit an der See, in der wir von einem Jahr ins nächste übergingen. Silvester und Neujahr und ein paar Tage drumherum. Es sind auch Innenansichten, entrückter Stillstand, der Versuch von Distanz zwischen Gewesenem und Kommendem.

Die vergangenen 12 Monate hielten für mich einige Überraschungen parat, auf die ich auf den ersten Blick sicherlich gerne verzichtet hätte. Geplatzte Träume – Reisen, die nicht stattfanden. Die Epilepsie – eine Erkrankung, die mich von nun an begleitet und erstmal alles auf den Kopf stellte. Aber auf den zweiten Blick auch die Möglichkeit einer Besinnung. Eines Neubeginns, der mich voran bringen soll, statt auf der Stelle zu treten. Dieses “We have to dream it all up again” nahm bereits Fahrt auf und wird in diesem Jahr – allem Unvorhersehbarem zum Trotz – hoffentlich rasant weitergehen.

Dafür steht die Serie Transition, zu der es auf Flickr weitere Bilder zu sehen gibt, in erster Linie. In dieser Zeit in Ostfriesland, in denen ich an das „Alte“ zurückdachte und mich auf das „Neue“ freute, verblasste das Hier und Jetzt. Entrückt und etwas nebulös lag es vor mir. Nicht direkt fassbar. Zwar da, aber kein direkter Teil von mir. Nur ein Übergang.

Gut, soweit zum persönlichen Hintergrund dieser Bilder. Zurück von der Küste musste ich noch ein paar Tage warten, bis ich endlich einen neuen iMac bekam (mein alter hatte im Dezember den Geist aufgegeben). Aber jetzt flutscht die Arbeit wieder und ich bin voller Elan, das Jahr 2013 so richtig in Angriff zu nehmen. Die nächsten Reisen sind auch schon in die Wege geleitet, ich schreibe an Reportagen für Magazine und plane, tüftel und organisiere weiter an meiner Liebeserklärung an den Norden. Und zu allem wird es bald fortlaufend was zu lesen und zu sehen geben.

Let’s go!

– Transition #5 –
– Transition #9 –
– Transition #7 –

> Bildergalerie Transition

„We have to dream it all up again“

Es war der 30. Dezember 1989, als Bono, unzufrieden mit der Stagnation von U2, während der Lovetown Tour in Dublin diese legendären Worte sprach:

„We’ve had a lot of fun, just getting to know the kinda music that we didn’t know so much about. I was explaining to people the other night, but I might have gotten it a bit wrong, that this is just the end of something for U2, and that’s why we’re playing these concerts. We’re throwing a party for ourselves and for you. It’s no big deal, we have to go away and just dream it all up again.“

Niemand wusste, was das zu bedeuten hatte. Viele Fans fürchteten, soeben die letzten Klänge der Band gehört zu haben … Dabei waren U2 „nur“ auf dem Weg, sich nach dem riesigen Erfolg von „The Joshua Tree“ und des umstrittenen Nachfolgealbums „Rattle and Hum“ neu zu erfinden. Als U2 dann 1991 der Musikwelt „Achtung Baby“ schenkten, war diese darauf jedoch nicht vorbereitet und wurde mit industriellen, düsteren und schwermütigen Klängen überrollt. Mit dem, was die Band in den 80ern ausgezeichnet und in den Rock-Olymp gehoben hatte, hatte das nichts mehr zu tun. Die vier Iren, zuvor noch als griesgrämige Gebetsbrüder verspottet, präsentierten sich der Welt nun schrill, bunt, in Frauenkleidern und mit Sonnenbrillen über das ganze Gesicht. In dem Moment ahnte kaum jemand, dass ein Meisterwerk geboren war.

Alles zurück auf Anfang also! Das liegt nun bereits über 20 Jahre zurück und auch meine beiden Krampfanfälle, die mich Anfang Mai von den Beinen holten, sind schon eine Weile her. Im Krankenhaus und der Zeit danach stellte ich die Frage nach dem Sinn. Für irgendwas musste es gut sein … Mit angeknabberter Psyche lag ich körperlich geschwächt am Boden. Zwischen einem Gefangensein im Hier und Jetzt, dem Gefühl von Stillstand und Niederlage. Und der Option auf einen Neuanfang, der oft einer Krise innewohnt. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der in einem Moment alles verloren und im anderen alles möglich erschien. Es galt diese Möglichkeiten zu finden und nicht im Unmöglichen zu erstarren.

Mit der Diagnose Epilepsie in der Tasche erinnerte ich mich an Bono’s Worte. Und während ich die ersten neuen Schritte tat, reiften die Pläne und Ideen für einen Neuanfang. Mehr und mehr kristallisierte sich heraus, wozu dieser Zwangsstopp aufgrund der Krankheit gut sein könnte. Der steinige Weg besserte sich Schritt für Schritt und das Licht am Ende des Tunnels wurde heller und heller. Aber ich wollte nicht einfach mein altes Leben zurück, alles nur so haben, wie es vorher war. Nein, ich wollte diese Zeit des Innehaltens nutzen, mich neu zu fokussieren. Gar Veränderungen ins Auge fassen. Dinge über Bord werfen, Geliebtes neu entdecken.

Im Kopf entstand ein Gerüst für ein Langzeitprojekt raus aus der Krisenzeit. Zunehmend sah ich die Krankheit nur als einen Teil, der zwar vorerst immer noch da ist, der aber nicht bestimmt. Auch wenn sich Chaos und Ungewissheit nur schwer abschütteln ließen. Wie die Frage, ob es trotz der Krankheit möglich wäre, neue Wege zu gehen und weiterzukommen. Oder ob gerade dieses “kranksein”, diese Phase, manches erst ermöglichen würde?

Manchmal war es einfach zum Kotzen

Es war ein Auf und Ab. Zuerst machten sich Schwindel und Müdigkeit breit, hervorgerufen durch die Tabletten. Als die Nebenwirkungen nachließen, kam der Durchfall. Zwei Wochen lang. Doch dann, nach der Scheißerei, schien es endlich aufwärts zu gehen. Bis mir mein geschwächtes Immunsystem noch eine Gürtelrose bescherte. Ein weiteres Hindernis, das es zu überwinden galt. Über zwei Monate diese ständigen Angriffe auf Körper und Psyche. Kaum die Möglichkeit einer “Auszeit”. Immer wieder was Neues. Ein Schritt vor und zwei zurück. Manchmal war es einfach zum Kotzen.

Wir wollten nur noch weg. Nach Schweden und Norwegen – auf unser imaginäres Sofa. Nach all meinen gesundheitlichen Querelen endlich die richtige Erholung finden, Abstand gewinnen, den Stress abschütteln. Und Kraft tanken für den Neuanfang, die Akkus wieder aufladen. Nach letzten Nickligkeiten waren wir dann auch endlich fort. Vier Wochen lang. Zurück aus dem Norden – von Meeresküsten, Waldpfaden und Berggipfeln – brachten wir die ersehnte Erholung mit. So, wie wir es uns gewünscht hatten. Charging Complete sozusagen.

Selma sprach in diesem Urlaub ihren ersten korrekten Satz: “Ich möchte raus!” Drei Worte, die für mich zu einer Art Mantra wurden. Auch ich wollte raus. Wieder raus. Zu den Orten im Norden, an denen meine Passion für diese Landschaften seinen Anfang nahm, die mir im Laufe meines Reiselebens wichtig waren. Aber auch zu neuen Orten, dorthin, wo ich noch nicht war.

Während unserers Unterwegsseins reifte der Plan, das Konzept für das neue und große Projekt weiter. Für das, was ich nach unserer Familienreise beginnen wollte. Nach den Wirren und dem Krankheitsscheiß. Entwickelt aus und durch die Krise. Und mit dem Zurück auf Los stecke ich jetzt schon mitten drin, habe mit der Sarek & Padjelanta Durchquerung den ersten Schritt getan. Diese Tour markiert, nach der schweren Zeit des zurückliegenden Sommers, den Beginn des Neuanfangs. Sie ist die erste Reise der Idee, die mir im Kopf sitzt, seitdem es mich im wahrsten Sinne umgeworfen hatte. Jetzt will ich das beginnen, und fortführen, was all dem dann vielleicht doch einen Sinn verleiht. Das, wozu es gut war.

Eine Liebeserklärung

Mein Norden. Ich will zurückkehren zu meinen Anfängen. Aber gleichermaßen auch aufbrechen zu neuen Abenteuern. Mit kindlicher Entdeckerfreude und voller Emotionen. Das Projekt soll eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins sein. Auch, weil sich wie bei U2 eine Stagnation bei mir eingeschlichen hatte, nach erfolgreichen Expeditionen und all den Reisen seit Beginn der 90er Jahre. Großes Neues wollte in der letzten Zeit nie so recht klappen. Viel verpuffte, wurde zu Nichts. Schließlich die Epilepsie, letztendlich für mich die Besinnung. Der Auslöser, alles nochmal neu zu träumen. Wie es Bono mit seinem „We have to dream it all up again“ ausdrückte.

Über zehn Reisen in den Norden sollen es werden. Nach Schweden, Norwegen und Finnland, nach Schottland und Island, auf die Färöer-Inseln, nach Svalbard und nach Grönland. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen.

Die Solo-Durchquerung der Sarek & Padjelanta Region bot bereits alles, was eine gute Tour ausmacht. Anspruchsvolles Gelände, wechselhaftes Wetter, Unsicherheit, Freude, grandiose Landschaften, miese Stimmungen und ein tiefes Eintauchen in die Zeit vor Ort. Keine Oberflächlichkeit, kein schnelles Abenteuer. Es war eine Unternehmung mit Haut und Haar. Jeder Moment kostbar – egal ob vor Kälte zitternd oder in die Sonne blinzelnd.

Doch ohne das „Herausgerissensein“ in diesem Sommer hätte ich nicht zu diesem Schritt gefunden. Zum gleichsamen zurück in alte Gefilde und voran in neue Gebiete. Es ist auch ein bisschen wie Memory. Eine Karte liegt schon aufgedeckt vor mir, jetzt gilt es die passende dazu zu finden. Von so vielen früheren Reisen kenne ich den Norden und will ihn trotzdem nochmals ganz neu entdecken. Der Weg zurück auf Los, dieser Umweg ans Ziel, soll mich am Ende weiterbringen als vieles zuvor.

Aber nicht nur die Reisen an sich sind von Bedeutung. Die Wiederkehr zu Orten, die mir etwas bedeuten. Der Aufbruch zu Plätzen, von denen ich schon immer geträumt habe. Die Dokumentation ist ebenso wichtig. Und auch hier durchlebe ich den Wunsch, zurück zum Anfang zu wollen. Meine früheren Bilder sind Schall und Rauch. Ich begebe mich jetzt zudem auf die Suche nach neuen Sichtweisen, neuen Bildstilen, anderen Farben und Kontrasten. Das Alte zählt nicht mehr. Es braucht Neues. Um zu den jetzigen Reisen und den damit verbundenen Emotionen zu passen.

Daher ist das gesamte Projekt nicht nur ein Neuanfang im eigentlichen Sinn, sondern zugleich auch eine Weiterentwicklung, an dessen Ende „Veränderung“ auch in den Bildern der Unternehmungen erkennbar sein soll. Ich bin gespannt – und nach wie vor fast so aufgeregt wie vor meiner ersten Reise.

Mein Norden – Eine Liebeserklärung. Kommt mit und begleitet mich.

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