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Kungsleden in der Polarnacht – Die Bilder

- Kungsleden in der Polarnacht – Die Bilder -

Es ist bereits eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich zurück bin aus der Polarnacht. Es war noch im “alten” Jahr, im vergangenen Dezember. Wir kamen aus dem heimeligen Deutschland in Lappland an und erlebten eine Nacht in Laxforsen, in der die Temperatur auf minus 43 Grad fiel. Doch dann, nachdem wir in Abisko losgelaufen waren, brach die Wärme über uns herein mit Plusgraden und Regen. Wir harrten aus in einer Hütte, bis der Frost wieder das Zepter in die Hand genommen hatte und wir weiter ziehen konnten. Jeden Tag brachen wir im Morgengrauen auf, im ersten fahlen Licht. Wir stiegen empor ins Kahlfjäll, erklommen Meter um Meter hinauf zum Tjäktjapasset, dem höchsten Punkt der ganzen Wanderung, wo uns der Schnee ins Gesicht blies. Das Weiß wirbelte über die Bergkämme, ein blauer Himmel wölbte sich und die Sonne, die sich in der Polarnacht hinter dem Horizont verbarg, vermochte nur einen blassen Schein auf die wenigen Wolkenfetzen zu zaubern. Wir nutzten die kostbaren Stunden Helligkeit und marschierten immer weiter. Und erst in der Region um die Kebnekaise Fjällstation gerieten wir noch einmal etwas ins Stocken. Dort lag nur wenig Schnee und wir mussten uns den besten Weg zwischen Steinen hindurch, über Bäche und blankes Eis suchen. Doch am Ende erreichten wir nach zehn Tagen Nikkaluokta, bevor die Dunkelheit am einem frühen Nachmittag wieder heraufzog.

Wir schafften die Strecke von Abisko bis nach Nikkaluokta ohne größere Probleme. Oft bei Bewölkung, teils bei Schneefall und ab und an bei feurig rotem Himmel, der Grund genug war, aufzubrechen in die dunkelste Zeit des Jahres.

Nach der spannenden und so andersartigen Tour dauerte es mal wieder eine ganze Weile, bis ich alle Bilder fertig bearbeitet hatte. Aber jetzt gibt es sie endlich seit ein paar Tagen zu sehen – die komplette Serie vom Kungsleden in der Polarnacht. Auf Flickr. Viel Freude damit!

P.S.
Auch diese Impressionen sind Resultate eines kompletten externen RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film, was den Fotos mal wieder zu etwas analogen Charme verhelfen sollte. In diesem Fall wählte ich den Fuji 160C und drehte noch etwas an der Körnung, um damit die Stimmung vor Ort zu unterstreichen. Die Skitour über den Königspfad habe ich übrigens mit Fujifilms X-E2 fotografiert.

> Bildergalerie Kungsleden in der Polarnacht 2013

Die Fujifilm X-T1 – Erste Eindrücke

- Regen und Bokeh – X-T1, XF23mmF1.4 R, 1/80 Sek, f 1.4, ISO 1600 (Velvia) -

Vor gut einem Monat bekam ich die Fujifilm X-T1 bei einem Besuch in Düsseldorf in die Hände gedrückt. Zusammen mit meinem X-Photographer Kollegen Bernd Ritschel war ich von Fujifilm eingeladen worden, um von unseren Erfahrungen mit dem X-System zu berichten und einigen aus Japan angereisten Entwicklern direktes Feedback zu geben. Es war eine lockere Runde gehaltvollen Austauschs, nach der wir beide eine X-T1 unser Eigen nennen durften und die Kamera seitdem mein neues Arbeitstier ist.

Ich war auf diesen neuen Fotoapparat extrem gespannt und als ich die X-T1 in Fujifilms Europazentrale zum ersten Mal anfassen konnte und durch den Sucher blickte, entfuhr mir ein “Wow”. Kamen alle bisherigen elektronischen Gucklöcher eher einem Mäusekino gleich, öffnet sich hier eine Großbildleinwand! Mittig in der optischen Achse platziert, ist dieser in einem Höcker untergebrachte EVF eines DER Aushängeschilder der Kamera. Die üppige Suchervergrößerung ist im wahrsten Sinne großartig und erlaubt einen perfekten Blick auf das Motiv. Wer braucht da noch einen optischen Sucher? Schwenkt man die Kamera ins Hochformat, verändern auch alle Anzeige-Elemente im Sucher automatisch ihre Position. Dass der EVF dazu enorm reaktionsschnell ist – bisher häufig ein Manko elektronischer Sucher – und die Szenerie “in Echtzeit“ darstellt, begeistert zusätzlich. Ein Triumph der Ingenieurskunst, diesen riesigen Sucher in der äußerlich doch sehr kompakten Kamera unterzubringen, wie uns die Japaner voller Stolz erläuterten. Als Nebeneffekt wird der Messsucher-Look bisheriger X-Modelle aufgegeben und die X-T1 kommt im DSLR-Design daher. Das ist so ein Pro-und-Kontra-Ding – manche werden es begrüßen, weil es sie an eine Spiegelreflex erinnert, andere werden dem Rangefinder-Stil nachtrauern …

Einem ersten Härtetest wollte ich die Kamera Mitte Februar in Schweden unterziehen, wo ich zu zwei Tagen Nordic Iceskating eingeladen war. Im Royal Viking Hotel in Stockholm waren die X-T1 und ich auch noch guter Dinge. Doch auf dem zugefrorenen See Mälaren sahen wir uns bald der Realität ausgesetzt und viel zu schnell war Schluss mit lustig. Das Wetter mies mit Regen und Wind. Ich unbeholfen auf den schmalen Kufen. Zu Fotos kam ich kaum, zu sehr hatte ich mit mir selbst zu tun. Damit, mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Mich der Herausforderung des Schlittschuhlaufens zu stellen, war eine Sache. Zu scheitern, die andere. Nach Stunden auf glattem Grund stürzte ich, schlidderte über das blanke Eis und verdrehte mir ungünstig das Knie. Später schmerzte es – wohl aufgrund einer Überdehnung des Innenbandes. Den Folgetag hängte ich die Skates an den Nagel und schlenderte stattdessen durch Sigtuna, die erste Stadt Schwedens, wo im Café Tant Brun bei leckerem Gebäck und Cappuccino der Frust der “Niederlage” verblasste.

Naja, andere Motive mussten nun her, um mich dem neuesten Fujifilm-Gerät weiter zu nähern …

- Mälaren – X-T1, XF27mmF2.8, 1/50 Sek, f 8, ISO 1600 (Astia) -
- Sigtuna – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/420 Sek, f 4, ISO 200 (PRO Neg. Std) -

:: Schnitt ::

Als ich die X-T1 dann in den letzten Wochen hier Zuhause mit auf Fotopirsch nehme, erfreue ich mich an der Haptik des dank Griffwulst und Daumensporn sehr griffigen Magnesium-Gehäuses. Am Damwildgehege im Nordpark ist es ein Leichtes, zum Anlocken der Tiere eine Schachtel Wildfutter in der linken und die Kamera mit der rechten Hand zu halten. Die Spitzen der Schaufelgeweihe, die durch den Gitterzaun stoßen, machen mir kaum Sorgen – die Kamera wirkt äußerst robust. Ich mache Bild um Bild, will unbedingt das Foto, wie ein Damhirsch mit seiner Zunge nach den Leckereien giert und bin nach vielen Schüssen irgendwann erfolgreich.

Erfreulich auch der erleichterte Zugriff auf den Speicherkarten-Slot, der sich nicht mehr wie bei den bisherigen X-Kameras im Akkufach auf der Unterseite befindet, sondern nun seitlich zugänglich ist. Ich hätte allerdings einen Dual-Slot zudem vorgezogen, um schon in der Kamera ein Backup meiner Fotos erstellen zu können. Doch Fujifilm hat sich für eine Kompatibilität mit den neuen und ultraschnellen SDXC UHS-II Speicherkarten entschieden, die mehr Kontakte haben und ein größeres Bauteil in der Kamera benötigen. So fand nur ein Schlitz im Gehäuse Platz.

- Damwild – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/250 Sek, f 4, ISO 800 (SW + Grün-Filter) -

Als Outdoor-Fotograf, der viel bei schlechtem Wetter und im Winter unterwegs ist, zählt für mich vor allem auch, dass eine Kamera hart im Nehmen ist. Ein windiger, verregneter Abend am Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen bietet da realistische Testbedingungen und ich treibe mich auf Bahnsteigen und zwischen Unterständen umher (siehe Bild oben). Regentropfen prasseln mir um die Ohren, doch der an 80 Stellen abgedichteten X-T1 macht das rein gar nichts aus. Dass sie bis minus zehn Grad kälteresistent sein soll, beruhigt zusätzlich. Einziger Wehrmutstropfen: Manche Tasten, wie das Steuerkreuz auf der Rückseite, sind der wetterfesten Verarbeitung wegen nur fummelig zu bedienen. Einen Tod muss man wohl sterben.

Um dem gegenüber Fujifilms X-E2 nochmals weiterentwickelten Hybrid-Autofokus auf den Zahn zu fühlen, nutze ich Selmas Begeisterung für Spielplätze. Dort düst sie die Rutsche hinab und ich feuere eine 8-Bilder-pro-Sekunde-Salve nach der anderen ab. Obwohl der AF-C-Modus mit einer “Tracking-Funktion” arbeitet und die Schärfe prädiktiv nachführt, ist es in dieser Situation nicht ganz einfach, zu scharfen Bildern zu kommen, wenn sich Selma rasend schnell auf mich zubewegt und ich gleichzeitig die Kamera entlang der Rutsche von oben nach unten mitziehe, um mein Model immer korrekt im Bild zu haben. Dennoch sind die Resultate bei diesem Test sehr vielversprechend und Fujifilms Spiegellose kann auf diesem Gebiet auch DSLRs sicherlich Paroli bieten. Ich muss mich nur selber der Actionfotografie weiter widmen, macht doch Übung auch hier den Meister.

- Rutschpartie – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/2000 Sek, f 4, ISO 400 (PRO Neg. Hi) -

Nach ein paar Wandertouren mag ich die X-T1, deren Bedienung dank fünf Wählrädern auf der Oberseite und sechs frei belegbarer Fn-Tasten sehr intuitiv ist, nicht mehr missen. Darüber hinaus erwische ich mich dabei, dass aufgrund des Klapp-Display – einem Feature, welches ich bisher immer eher belächelt hatte – auch Aufnahmen aus der Frosch- oder Vogelperspektive besonders bequem umzusetzen sind. So gelingen dynamische Perspektiven einer kühnen Wanderin, ohne mich auf dem Boden wälzen zu müssen.

Und die Bilder? Bei all dem Potenzial und der geballten Power der X-T1 bleibt die Betrachtung der Bildqualität beinahe auf der Strecke. Was aber nicht verwundert, werkelt der bewährte 16 Megapixel APS-C X-Trans CMOS II Sensor doch auf einem gleich hohen Niveau, wie es die bisherigen X-Kameras von Fujifilm schon tun. Auch die bereits bekannten und an analoge Fujifilm-Klassiker erinnernden Filmsimulationen sind mit an Bord. Neuerdings lassen sich diese auch in Adobe Camera RAW für Photoshop CS6 und CC auf die RAW-Bilder anwenden und sind dort auswählbar (bisher nur in einer Beta-Version). Wer auf Provia, Astia, Velvia und Co. steht, muss jetzt nicht mehr auf die JPGs vertrauen oder sich die Anmutung selber für die RAW-Bilder zurecht basteln, sondern findet in ACR eine sehr passende Umsetzung. Die hier gezeigten Bilder sind auf dem Wege nachbearbeitet. Für mich ist das aber sicherlich nur eine Übergangslösung, bis VSCO die X-T1 in seinen Film-Kollektionen unterstützt. Deren Look mag ich einfach noch mehr.

Und zu guter Letzt: Dank Wi-Fi ist obendrein eine kabellose Anbindung und Fernsteuerung via Smartphone oder Tablet möglich. So wird die Fujifilm X-T1 vollends zum Tausendsassa.

- Holzweg – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/2900 Sek, f 2.8, ISO 400 (PRO Neg. Std) -

Die Stärken der X-T1

  • Der EVF – Groß, hochauflösend, reaktionsschnell
  • Der Autofokus – Treffsicher und schnell samt einem AF-C, der seinen Namen verdient
  • Das Gehäuse – Wetterfest, robust, solide und mit toller Haptik
  • Die Bedienung – Wählräder und Fn-Tasten mit einfach sauvielen direkten Zugriffen

Die Schwächen der X-T1

  • Die Tasten – Das Steuerkreuz auf der Rückseite ist etwas fummelig

Was Fujifilm durch Firmware-Updates verbessern könnte

  • Die Video-Taste sollte zu einer weiteren Fn-Taste werden
  • Die Fn-Taste auf der Vorderseite sollte bei Bedarf ganz abschaltbar sein oder länger gedrückt werden müssen (2 Sek.), um die gewünschte Funktion zu aktivieren – ich habe sie schon mehrfach versehentlich gedrückt
- Ich und die Fujifilm X-T1 – X-E2, XF35mmF1.4 R, 1/220 Sek, f 2.8, ISO 200 (VSCO Film) -

Vorläufiges Fazit

Fujifilm ist mit der X-T1 ein großer Wurf gelungen und die Kamera ist aktuell der ausgewogenste Spross aus dem X-System. Dank der äußerst gelungenen Symbiose aus “klassischer” Bedienung, robustem und wetterfestem Gehäuse, technischen Finessen und bekannt hoher Bildqualität ist das Modell dafür prädestiniert, dem Markt der spiegellosen Systemkameras weiteren Schwung zu verleihen.

> Fujifilm X-T1

Auskunft: Ja, Fujifilm ist einer meiner Partner. Ich möchte aber klarstellen, dass ich von Fujifilm weder dafür bezahlt werde, über deren Produkte zu schreiben, noch Wünsche geäußert werden, wie diese Berichte inhaltlich ausgerichtet sein sollen. Was bedeutet, dass ich Fujifilm in keinster Weise nach dem Mund rede, sondern ganz allein meine Meinung zu deren Produkten wiedergebe. Fujifilm ist an einer klaren Rückmeldung interessiert – positiv wie negativ. Nur so schließt sich der Kreis und der Austausch ist fruchtbar. Hier greife ich auch gerne Eure Erfahrungen auf, die ich entsprechend weiterleite.

Neu: Foto-Workshops

Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern regelmäßig wandern gegangen. Mit 14 habe ich mir meine erste Spiegelreflexkamera gekauft. Und drei Jahre später fing ich an, die ersten Trekkingtouren allein zu unternehmen. Ein Leben als Fotograf war mein absoluter Traumjob, doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich vor zehn Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. Dabei bin ich völliger Autodidakt – sowohl das Fotografieren als auch meine Outdoor-Kenntnisse habe ich mir selbst erarbeitet.

Seitdem ich mit 17 das erste Mal in Lappland unterwegs war, bin ich mit dem Nordlandvirus infiziert. Meine Touren wurden in den folgenden Jahren extremer, meine Erfahrung wuchs, und auch der Wunsch, die eigenen Grenzen auszuloten. Besonders bin ich von der nordischen Einsamkeit, der urwüchsigen Natur, der Weite und Kargheit fasziniert. Und von der Herausforderung, die Wander- und Skitouren im Norden mit sich bringen. All das versuche ich in Bildern festzuhalten, die eindrücklichsten Momente einzufangen und über die Reisen und Abenteuer Geschichten zu erzählen.

Basierend auf meiner langjährigen Erfahrung als Fotograf, möchte ich Dich mitnehmen in die faszinierende Welt der Bilder und Dir das Wissen an die Hand geben, das sich bei mir im Laufe der Zeit angesammelt hat. Daher habe ich den Workshop “Einführung in die Outdoor-, Natur- und Landschaftsfotografie” ins Leben gerufen, den ich ab Anfang Mai von nun an anbiete. Ein Fotokurs voller Anekdoten, der lebhaft gestaltet alle weiterbringen soll, die sich für die Naturfotografie, Outdoorerlebnisse und das Festhalten des Unterwegsseins interessieren.

Die Zielgruppe dieses Workshops sind sowohl Anfänger und Einsteiger als auch fortgeschrittene Amateure, die im Hinblick auf die Workshop-Themen gerne mehr aus Ihren Bildern herausholen möchten.

Aber genauso seid Ihr herzlich willkommen, wenn Ihr zwar eine Systemkamera habt, bisher aber nur im Automatikmodus fotografiert und einfach einen Schritt weiter kommen möchtet. Euch interessiert, in welchen Situationen welche Kameraeinstellungen sinnvoll sind? Ihr habt Euch schon immer gefragt, wie das mit dieser Unschärfe im Hintergrund funktioniert oder wie man den Bildaufbau spannender gestalten kann? Dann seid Ihr hier genau richtig.

Das Ziel ist es, dass Ihr nach diesem Fotokurs die vielfältigen Möglichkeiten Eurer Kamera bewusster nutzt und dadurch bessere Bilder macht. Aber genauso zu erkennen, dass Technik nicht alles ist, sondern ein Hilfsmittel auf dem Weg zu einem guten Bild.

In diesem Foto-Workshop geht es darum, die Geheimnisse einer Kamera und des Fotografierens mit Blick auf die Outdoor-, Natur- und Landschaftsfotografie zu lüften und die wichtigsten Einstellungen und Herangehensweisen für gelungene Motive herauszuarbeiten. Nützliche Praxistipps und praktische Anwendungen stehen in diesem Kurs an erster Stelle. Ein reiner Frontalunterricht findet nicht statt, stattdessen gilt es, die Theorie gleich in die Praxis umzusetzen. Daher steht das eigene Fotografieren mit im Vordergrund. Dennoch kommen wir um etwas trockene Theorie nicht herum, um die wichtigsten Punkte besser zu verstehen und eine Grundlage für die Praxis zu legen.

Alle Details zum Inhalt, dem Ablauf, dem Ort, was Euch erwartet und was Ihr mitbringen solltet, findet Ihr auf meiner Website.

Es würde mich sehr freuen, Euch in einem Foto-Workshop begrüßen zu dürfen!

> Foto-Workshops

Zurück aus der Polarnacht

- Zum Tjäktjapasset -

Es war an sich der schönste Tag unserer Mittwintertour über den Kungsleden in Lappland. Wenn nur nicht dieser Wind gewesen wäre. Wie jeden Tag brachen wir im Morgengrauen auf, im ersten fahlen Licht und verließen die heimelige Tjäktjastugan, die so schön über dem Allesvagge thront. Der Schnee blies uns um die Hausecken ins Gesicht, fest verzurrten wir unsere Kapuzen bei minus 14 Grad und machten uns auf den Weg, den Tjäktjapasset zu überschreiten hinüber ins Tjäktjavagge. Mit gesenktem Haupt stemmten wir uns dem Sturm entgegen. Erklommen Meter um Meter hinauf zum höchsten Punkt der ganzen Wanderung. Das Weiß wirbelte über die Bergkämme, über denen sich ein blauer Himmel wölbte. Die Sonne, die sich in der Polarnacht hinter dem Horizont verbarg, vermochte nur einen blassen Schein auf die wenigen Wolkenfetzen zu zaubern.

Nach guten anderthalb Stunden standen wir gegen 11 Uhr auf der Passhöhe, schaufelten die Türe der dortigen Rastschutzhütte frei und fanden darin für Momente Schutz vor dem garstigen Wind, der uns die Temperatur noch weitaus unangenehmer empfinden ließ. Doch um nicht zu viel Zeit verstreichen und die kostbaren Stunden Helligkeit ungenutzt zu lassen, machten wir uns bald wieder auf. Jerome bemerkte einen weißen Fleck an meiner Nase, die ich während des Aufstiegs der Kälte ungeschützt entgegengestreckt hatte. Schnell zog ich mir ein Tuch darüber, bekam auf den ersten Schwüngen hinab ins nächste Tal kaum mehr Luft, bis die normale Farbe zurückgekehrt war, auch die Böen nachließen und wir etwas entspannter weiter laufen konnten in Richtung Sälkastugan und der Dunkelheit, die bereits am frühen Nachmittag wieder heraufzog.

Soweit ein erster Fetzen unserer Erlebnisse in der Polarnacht. Wir schafften die Strecke von Abisko bis nach Nikkaluokta ohne größere Probleme. Oft bei Bewölkung, teils bei Schneefall und ab und an bei feurig rotem Himmel, der Grund genug war, aufzubrechen in die dunkelste Zeit des Jahres. Seid gespannt – im neuen Jahr folgen weitere Impressionen!

> Bildergalerie Kungsleden in der Polarnacht 2013

Am Anfang war der Kungsleden

- Durch die Polarnacht -

Vor über 20 Jahren – im Sommer 1991 – war der Kungsleden in Lappland meine erste Nordlandtour. Ein Jahr später war ich erneut in den Tälern westlich und östlich der bekannten Strecke unterwegs. Dann lockte der Winter und ich machte mich im März 1993 auf, um den Königspfad von Abisko bis Nikkaluokta mit Ski zu laufen. Ich war in diesem Metier ein absolutes Greenhorn, hatte bis dahin noch nie auf den langen Latten gestanden und mir für die Tour alte Tourenski beim Alpenverein ausgeliehen. Mit meinen steigeisenfesten Sommerbergschuhen konnte ich sie nutzen. Auch meine restliche Ausrüstung war nur notdürftig an Schnee, Eis und Kälte angepasst. Lange Unterhosen und ein Flanellhemd sollten es richten. Immerhin besaß ich dicke Fäustlinge.

Weit kam ich nicht. Als ich mir nach anderthalb Tagen in der Abiskojaurestugorna die Schuhe auszog, blickte ich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf blutdurchtränkte Socken. An beiden Fersen hatte ich mir riesige Blasen gelaufen. Am Abend saß ich mitten in der Hütte auf einem Schemel – und eine Schwedin, die wohl eigentlich Krankenschwester war und nun auch mit Ski unterwegs, verband mir die Füße. Ringsum hatten sich alle anderen Übernachtungsgäste in einem Halbkreis versammelt und schauten zu. Dabei lachten sie sich wohl ins Fäustchen und insgeheim den Deutschen ein wenig aus, der mit seinen ollen Alpinski glaubte, hier durch die Weite gleiten zu können.

Als am nächsten Morgen alle weiterzogen, blieb ich allein zurück. Zerknirscht entwickelte ich einen kühnen Plan: Ich überlegte, die Ski zu einer Art Schlitten zusammenzubinden, darauf meinen Rucksack zu schnallen und einfach zu Fuß weiterzulaufen. So könnte ich den Druck von den Fersen nehmen und auf den festgefahrenen Scooterspuren müsste es klappen. Aber was würde passieren, wenn Neuschnee aufkommt? Ich würde steckenbleiben und wohlmöglich nie am Ziel ankommen …

Zwei harte Tage verbrachte ich in der Abiskojaurestugorna, verwarf die Schnapsidee und erlebte, wie mein Traum in Weiß blutig rot zerplatzte. Es gab keine Alternative. Als ein Fotograf mit seinem Motorschlitten vorbeikam, nahm ich sein Angebot an und ließ mich mitnehmen zurück nach Abisko. Ich war kläglich gescheitert.

Auf ein Neues

Ein Jahr später kam ich zurück. Besser gerüstet dank Back-Country-Ski, Daunenweste und der Erfahrung des Scheiterns. Nur nahm ich mir nicht erneut den Kungsleden vor, um dort weiter Wissen zu erlangen. Nein, den hatte ich erstmal abgehakt. Dieses Mal ging es in den Sarek – dorthin, wo niemand ist. Keine Hütten, kaum jemand, der helfen könnte. Wennschon, dennschon, dachte ich mir. Und mit mehr Glück als Verstand kam ich durch. Schaffte die Strecke von Kvikkjokk bis Ritsem. Geht doch!

Mit allen Eiswassern gewaschen

Bis heute war ich in all den folgenden Jahren immer wieder im Winter im Norden mit Ski und Pulka-Schlitten auf Tour. Habe so viel erlebt, dass mittlerweile doch eher der Verstand über das Glück regiert – was in kritischen Situationen nichts schlechtes ist. Auch war ich nochmal in der Kungsleden Ecke, aber die klassische Strecke von Abisko nach Nikkaluokta habe ich nie ein weiteres Mal probiert. Das soll sich jetzt ändern, wenn ich am Sonntag zusammen mit Jerome Blösser nach Nord-Schweden fliege, um von Abisko den Kungsleden nun bis nach Nikkaluokta zu laufen. Um der Sache aber einen besonderen Reiz zu verleihen, haben wir uns die Polarnacht ausgesucht. Die Zeit, in der die Sonne gar nicht mehr aufgeht und am Tage nur für wenige Stunden eine Art Dämmerlicht die Landschaft spärlich erhellt.

Weil wir nicht wissen, wie wir bei den vorherrschenden Bedingungen vorankommen werden, haben wir üppig geplant und zehn Tage Zeit für die Strecke. Übernachten wollen wir in den Noträumen der Hütten, die am Weg liegen – ein Zelt kommt nur zur Sicherheit mit ins Gepäck. Polarlichter könnten uns die Dunkelheit versüßen. Zum Ende der Tour auch der Vollmond. Aber im Moment sieht die Wettervorhersage mäßig aus. Relativ milde Temperaturen sind angekündigt, dazu ordentlich Neuschnee, wenn nicht gar etwas Regen. Ohnehin liegt in diesem Dezember wohl mehr Schnee denn je zu dieser Jahreszeit. Dafür solen die Eisverhältnisse schlecht sein. Da heißt es aufzupassen, um nicht auf trügerischen Schneebrücken in Gewässer einzubrechen.

Wir sind gespannt und rüsten uns für alles. Vor allem stecken wir viele Batterien und Kerzen ein, damit uns unterwegs nicht das Licht ausgeht.

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