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Packliste für meine Herbstwanderung auf dem Kungsleden

– Im Fjäll –

Nachdem ich kürzlich bereits meine Top 10 Trekkingausrüstung 2020 vorgestellt hatte, möchte ich nun so richtig ins Detail gehen und präsentiere die Packliste meiner Herbstwanderung auf dem Kungsleden, auf dem ich von Ende September bis Anfang Oktober zehn Tage von Adolfström bis nach Hemavan unterwegs war. Zu dieser späten Jahreszeit hatten die STF-Hütten entlang des Königspfad bereits geschlossen – nur ein Notraum ist dann noch offen – und kurz bevor der Winter über das Land herfällt, ist ständig mit frostigen Temperaturen, reichlich Niederschlag und starken Winden zu rechnen. Entsprechend war die Ausrüstung zusammengestellt, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Ausreichende Erfahrungen hatte ich in der Vergangenheit auf unzähligen Touren bereits gesammelt, damit ich auch am Ende einer Saison mit dem richtigen Equipment sicher im schwedischen Fjäll unterwegs sein konnte, wenn es kaum mehr Wanderer in die Bergwelt zieht.

Die detaillierte Packliste mit allen Gewichten könnt Ihr mit folgendem Link in einem separaten Browserfenster öffnen und dort bei Bedarf auch herunterladen. Anmerkungen zu den einzelnen Produktgruppen gebe ich weiter unten und berichte darüber, was sich bewährt hat und was nicht. Aber stöbert doch erstmal durch die Liste!

> Packliste Kungsleden-Wanderung Herbst 2020 PDF

Bekleidung

Im Großen und Ganzen war die Auswahl der mitgenommenen Bekleidung perfekt. Da ich riesiges Glück mit dem Wetter hatte, kamen Regenjacke und -hose kein einziges Mal zum Einsatz, weswegen es sich mal wieder als richtig herausgestellt hatte, hier mit leichtem Material unterwegs zu sein (denn häufig trägt man die Regenklamotten ohnehin die meiste Zeit im Rucksack mit sich herum). Viel wichtiger waren mal wieder die Wind- und die Thermojacke von Patagonia, die für mich unverzichtbar sind. Die extra dicken Faserpelz-Socken und auch die dünnen Thinny Gloves – beides fürs Zeltleben bei sehr kalten Temperaturen mit dabei – habe ich hingegen auch gar nicht gebraucht. Aber das konnte ich im Vorfeld ja nicht wissen. Genauso wenig bekamen die wasserdichten Sealskinz-Handschuhe, das Stirnband und das Buff-Tuch Einsatzminuten. Es war aber gut, all das für den Notfall im Gepäck zu wissen (bei einer zu erwartenden „wärmeren“ Tour wäre ich hier aber wohl abgespeckter unterwegs). Die recht schweren Wanderschuhe waren dem zu erwartenden Schnee und viel matschig-nassem Geläuf geschuldet. Da dies auch alles eintrat, war die Entscheidung für die klobigen Stiefel richtig. Vom Laufkomfort hätte ich allerdings lieber erneut zu den La Sportiva TX Guide gegriffen, einem leichten Zustiegsschuh, der mir im Sommer bei Wanderungen in Norwegen so viel Freude bereitet hatte.

Wohnen und Schlafen

Auch die Wahl des Zeltes war mit dem Blick auf mögliche Herbststürme und Schneefälle getroffen. Dass es die meiste Zeit nahezu windstill sein sollte und mich nur einmal erstes Weiß erwischte, war nicht abzusehen. So hätte zwar auch das komfortablere Hilleberg Niak gut funktioniert, doch ich musste im Vorfeld mit den schlimmsten Bedingungen rechnen, weshalb das kleinere, aber mit bestem Wetterschutz gesegnete, Akto die richtige Wahl war.

Im Zelt hatte ich aufgrund der vorherrschenden Bedingungen allerdings sehr oft mit sehr viel Kondensation zu kämpfen. Darunter litt der leichte Schlafsack von Western Mountaineering, dessen Extremelite-Außenmaterial nur begrenzten Nässeschutz bietet. Besser wäre hier sicherlich ein Modell aus der Microfiber Series des amerikanischen Herstellers gewesen. Gut funktioniert hat zu meiner Freude dafür die Kombination der beiden unkaputtbaren Isomatten.

Gepäck

Volumen und Trageeigenschaften des Osprey Xenith waren ideal. Nur das Eigengewicht des Rucksacks ist etwas hoch. Hier suche ich weiterhin nach einer leichteren Alternative mit gleich gutem Komfort bei entsprechend zu tragenden Lasten. Vielleicht könnte ein Aether Pro 70 von Osprey stattdessen mal etwas sein – unter den klassischen UL-Modellen auf dem Markt spricht mich bisher keiner überzeugend an … Ziemlich unnötig war während meiner Wanderung natürlich die Mitnahme des Transportsacks, in den ich bei der An- und Rückreise mit dem Flugzeug meinen Rucksack verstaut hatte. Leider konnte ich den Sack nirgends deponieren und musste ihn mitschleppen. Immerhin hat er mir unterwegs noch einmal gute Dienste geleistet, als ich mit ihm im Zelt ein paar Kuhlen unter den Isomatten auspolstern konnte.

Küche

Zu allerletzt hatte ich noch den Windschutz für den Optimus-Kocher aus der Packliste gestrichen. Gut so, denn ich habe unterwegs sowieso nur windgeschützt in der Apside des Zeltes gekocht. Allerdings wäre ich mit zwei Gaskartuschen ausgekommen. Eine dritte hatte ich aber auch nur im Gepäck, weil ich eine Wärmflasche dabei hatte (dazu weiter unten mehr) und entsprechenden Gasverbrauch einkalkulieren musste. Nur fürs Kochen hätte ich wohl von vornherein nur zwei Kartsuchen eingepackt. Nicht benutzt habe ich zudem mein an sich geliebtes Eldris-Messer von Morakniv. Da Mann aber ein Schneidwerkzeug dabei haben muss, werde ich mich hier nach einem deutlich leichteren umsehen.

Hygiene und Kosmetik

Hier gibt es nicht viel zu meckern. Einzig das Fit-Flip-Handtuch ist zu schwer, weswegen ich stattdessen bei Zeiten zu einem Airlite Towel von Sea to Summit greifen werde, das bei vergleichbarer Größe weniger als die Hälfte wiegt.

Medikamente und Gesundheit

Sachen, die man dabei hat, in der Hoffnung, sie nicht zu brauchen. Da ich mir jedoch schon am ersten Wandertag eine Blase an der Ferse gelaufen hatte, kamen zumindest mehrere Pflaster, ein Compeed-Blasenpflaster und Klebeband zum Einsatz. Aufgrund eines aktuten Darmproblems und einiger Vitaminmängel musste ich einiges an Medikamenten mitschleppen, was normalerweise so nicht der Fall wäre (bis auf die Epilepsie-Pillen, die ich bekanntlich immer nehmen muss). Und da ich bei einigen Touren im Sommer mit argen Rückenschmerzen zu kämpfen hatte, die sich am besten mit Wärme lindern ließen, hatte ich für den Kungsleden extra bereits erwähnte Wärmflasche mitgenommen (plus zusätzliches Gas), was mir sinniger erschien als diverse Einweg-Wärmepflaster. Nur hatte ich auf dieser Tour dann zum Glück keinerlei Probleme mit dem Rücken und schleppte Wärmflasche wie Gas umsonst mit mir rum. Aber da ich in der Woche vor dem Start noch nicht frei von Beschwerden war, war es richtig, hier auf Nummer sicher zu gehen, damit ich nicht im Notfall schmerzgekrümt, allein und ohne Linderungsmöglichkeit in der Einsamkeit stehen würde.

Reparatur und Ersatzteile

Aus diesem kleinen Sortiment, das im Grunde nur das Nötigste beinhaltet, brauchte ich nur etwas Klebeband, um damit die Pflaster am Fuß zu fixieren.

Navigation und Kommunikation

Weil ich sie schon seit Urzeiten habe, nahm ich einfach die beiden alten Fjällkarten mit. Mit einer neueren Karte von Calazo, von denen es eine Ausgabe gibt, die den von mir gelaufenen Abschnitt des Kungsleden komplett auf einem Kartenblatt zeigt, wäre ich zwar leichter unterwegs gewesen, aber ich wollte hier nicht unnötig Geld für den einmaligen Einsatz investieren.

Technik

Die Stirnlampe benötigte ich weniger als gedacht. Daher hätte ich mir zumindest einen Satz AAA-Reservebatterien sparen können.

Sonstiges

Notiz an mich: Auch wenn ich die Packtasche von Lowe Alpine nahezu seit meinen Anfangsoutdoortagen nutze und sie daher internen Kultstatus besitzt, ließe sich hier bestimmt noch Gewicht durch ein leichteres Täschchen reduzieren.

Fotografie

Wie auf diversen vorangegangenen Reisen habe ich mal wieder parallel mit zwei Fujifilm-Kameras fotografiert, für die ich auf dem Kungsleden nur die kleinen und leichten Objektive dabei hatte. Auf ein relativ schweres und stabiles Stativ, welches ich durchaus häufiger mitnehme, habe ich dieses Mal verzichtet, da ich z. B. nicht auf Langzeitbelichtungen aus war. Für sporadische Selbstportraits war ein sehr kompaktes und kaum ins Gewicht fallende Gorillapod vollkommen ausreichend, das ich an Bäumen, Steinen oder dem abgestellten Rucksack befestigen konnte. Was mich aktuell jedoch am meisten stört, ist das hohe Leergewicht der Fototasche mit fast einem Kilo. Bislang habe ich aber keinerlei Tasche gefunden, die von den Trageeigentschaften und den Features für mich so gut funktioniert wie die alten Inverse-Modelle von Lowepro.

Verpflegung

Bei der Verpflegung habe ich im Vergleich zu früheren Touren etwas abgespeckt, um Gewicht zu sparen. Immerhin ist dieser Bereich der, der die größte Last mit sich bringt. Dieses Mal hatte ich im Schnitt ca. 680 Gramm Essen pro Tag dabei. Und damit bin ich sehr gut ausgekommen. Aufgrund der Kürze der Wanderung von nur zehn Tagen und den durchaus moderaten Tagesetappen von maximal 20 Kilometern, wäre ich sicherlich auch mit etwas weniger ausgekommen ohne Hunger zu leiden und hätte bei Nüssen und Schokolade noch ein paar Gramm einsparen können. Für längere und/oder anstrengendere Abenteuer hat sich diese Verpflegungszusammenstellung aber als ausgewogen bewiesen.

Gewichte final

Kommen wir schließlich zu dem, was an Gewichten zusammenkam. Irrelevant ist im Grunde das komplette Gesamtgewicht von über 28 Kilo, ist es ja nicht das, was ich auch tatsächlich geschleppt habe.

Interessant ist hingegen das eigentliche Tragegewicht bestehend aus dem Rucksack und der Fototasche ohne der am Körper getragenen Bekleidung, der Trekkingstöcke und der Armbanduhr. Hier kam ich auf gute 25,5 Kilogramm – allerdings ein grober Wert, hatte ich doch schon vor dem ersten Wandertag ein Abendessen und ein Frühstück verputzt, kam jeden Morgen ein Liter Getränk hinzu und trug ich seltenst nur die minimale und als am Körper getragen ausgewiesene Bekleidung (meist hatte ich zudem noch die Windjacke an, ab und an sogar noch den Fleece-Pullover oder gar noch die lange Unterhose und ein paar Handschuhe). Dieses Gewicht aus Rucksack und Fototasche ist also mit etwas Plus/Minus zu betrachten.

Entsprechend ist auch das Gewicht des Rucksacks allein nicht ganz genau. Die ca. 22,5 Kilo sind aber ein spannender Vergleichswert zu anderen Wanderern, die wohlmöglich nicht zusätzlich auch noch eine recht schwere Fototasche mit sich rumschleppen. Und dieses Gewicht – ohne die bereits erwähntan Variablen – konnte ich vom Start weg durchaus gut tragen. Dafür, dass ich für zehn Tage die komplette Verpflegung und den zur Zubereitung nötigen Brennstoff dabei hatte, finde ich das Gewicht sogar relativ niedrig und ich war hier schon schwerer unterwegs. Das zeigt mir, dass ich vergleichbare Touren mit ähnlicher Ausrüstung auch noch ein paar Tage länger durchführen könnte, ohne dann unter  einem zu schweren Rucksack zu sehr zu leiden. Denn mir schien noch etwas Luft nach oben zu sein – ein paar Kilo mehr Verpflegung im Rucksack müsste ich noch tragen können.

Bleibt zuletzt noch ein Blick auf das Basisgewicht. Also die komplette Ausrüstung ohne der am Körper getragenen Bekleidung, der Trekkingstöcke, der Armbanduhr, der gesamtem Fotoausrüstung und ohne aller Verbrauchsgüter wie Verpflegung, Brennstoff und Medikamente. Trotz einigen „Unsinns“, den ich dabei hatte (wie den Transportsack, die Wärmflasche und die Medikamente), komme ich hier nur auf knappe 13 Kilogramm. Das ist für mich ein guter Ausgangswert, den ich auf zukünftigen Unternehmungen versuchen werde, noch etwas zu drücken. Unter elf Kilo finde ich da als Ziel ganz nett …

Fazit

Nach langer, langer Zeit hatte ich mir mal wieder die Mühe gemacht, eine solch detaillierte Packliste für eine Trekkingtour zu erstellen. Und es hat sich gelohnt. Denn so kamen die versteckten Pfunde zu Tage und ich konnte genau sehen, was ich schon vor dem Start am besten weglasse und wo ich nach der Tour mit Blick auf kommende Wanderungen nochmals Hand anlegen muss. Ich hatte versucht, so leicht es mir möglich ist, unterwegs zu sein, ohne Einbußen in der Sicherheit zu machen. Denn das nordische Wetter kann tückisch sein, besonders im Spätherbst, wenn jederzeit ein noch sommerlicher Luftzug in einen winterlichen Sturm umschlagen kann.

Alles in allem hat sich die mitgenomme Ausrüstung bestens bewährt und sie war auch ein Garant für eine wundervolle Zeit auf einem der abwechslungsreichsten Abschnitte des Königspfads.

Habt Ihr Anmerkungen oder Fragen? Braucht Ihr Hilfe bei der Zusammenstellung einer eigenen Packliste? Meldet Euch gerne in den Kommentaren!

Meine Top 10 Trekkingausrüstung 2020

– Am Kungsleden –

Inspiriert durch die Beiträge von Magnus Lindbom habe ich einmal meine Top 10 Trekkingausrüstung aufgelistet. Durchaus eine Momentaufnahme, die sich aber vor allem auf den bei den letzten Touren gesammelten Erfahrungen so herauskristallisiert hat. Die Rangfolge ist etwas willkürlich und daher keine Wertung – jedes Teil hat seine eigene Wichtigkeit!

1. La Sportiva TX Guide

Meine Entdeckung des Jahres! War ich bisher auf Trekkingtouren mit schwerem Rucksack nahezu ausnahmslos mit klobigen Wanderstiefeln unterwegs, wagte ich es diesen Sommer in Norwegen erstmals mit leichtem Schuhwerk. Doch anstelle von Trailrunnern, die viele als leichte Alternative nutzen, fiel meine Wahl auf den La Sportiva TX Guide, einen Zustiegsschuh, der sehr lauforientiert konzipiert ist und an meinen schmalen Füßen optimal sitzt. Bei Wanderungen durch das Dovrefjell und durch Reinheimen boten die Schuhe selbst mit 25 kg Gepäck auf dem Rücken in jeglichem Gelände immer besten Halt. Egal ob auf Geröll- oder Schneefeldern, Wurzelpfaden oder bei steilen Auf- und Abstiegen.

2. Hilleberg Akto, Niak und Nallo 4 GT

Allein unterwegs nutze ich bereits seit längerer Zeit das Hilleberg Akto. Seine exzellente Mischung aus Robustheit, Wetterschutz und Raumangebot bei gleichzeitig geringem Gewicht und Packmaß machen es sicherlich zu einem DER Einpersonenzelte auf dem Markt. Auch unter schwierigsten Bedingungen ist es schnell und einfach aufzubauen. Von der Geräumigkeit im Innenzelt ist mir zwar das Hilleberg Niak lieber, welches ich 2018 auf dem Cape Wrath Trail in Schottland mit dabei hatte, doch in sehr windigen Gefilden hat es nicht die Stabilität des Akto, das auch starken Stürmen die Stirn bietet, und daher ist das Niak eher ein „Schönwetterzelt“ als eine absolut zuverlässige Behausung für das ganze Jahr. Daneben hat sich auf unseren Familientouren das Hilleberg Nallo 4 GT als perfekter Unterschlupf bewährt!

3. Osprey Xenith 88 und Xenith 75

Wie passende Schuhe ist ein gut sitzender Rucksack Gold wert. Anfang letzten Jahres war ich in Patagonien erstmals mit dem Osprey Xenith 88 unterwegs. In keinster Weise ein Leichtgewicht, aber mit ihm lassen sich auch Lasten jenseits der 20-Kilo-Marke solide und bequem tragen und eine sehr umfangreiche Ausrüstung darin gut und übersichtlich verstauen. Auf dem Kungsleden in Schweden war kürzlich das Volumen des kleineren Osprey Xenith 75 bei einer Wanderung über zehn Tage ausreichend.

Der Rucksack ist übrigens das letzte Ausrüstungsteil, wo ich ultraleicht an erste Stelle setzen würde, daher sind die beiden Xenith-Modelle von Osprey aktuell für mich noch erste Wahl …

4. Patagonia Houdini Air Jacket

Eine leichte und kleinst verpackbare Windjacke ist ein unerlässliches Bekleidungsstück auf jeder Tour. So habe ich z. B. während meiner Zeit auf dem schwedischen Königspfad kein einziges Mal die Regenjacke benötigt, einen Schutz vor auskühlendem Wind jedoch schon. Dann allerdings eine vergleichsweise schlecht atmende Hardshell-Jacke anzuziehen, wäre Blödsinn. Da streife ich mir doch lieber das federleichte Patagonia Houdini Air Jacket über und erfreue mich an einer äußerst komfortablen zweiten Haut mit ausreichend Abschirmung vor den Elementen. Im Gegensatz zum Ur-Houdini hat das Houdini Air Jacket einen verbesserten Schnitt und einen angenehmeren Tragekomfort aufgrund seines Materials mit texturierter Innenseite. Das klassische Houdini bietet hingegen noch etwas mehr Wetterschutz. Hier muss man abwägen. Auf jeden Fall sollte eine Windjacke über eine gut geschnittene Kapuze verfügen! Ich hatte auch bereits Modelle ohne Kapuze – was für ein Quatsch.

5. Patagonia R1 Pullover Hoody

Der Patagonia R1 Pullover Hoody ist eine Ikone unter den Midlayern. Ich mag ihn besonders wegen seiner Vielseitigkeit. Ob als alleinige Isolation im Zelt bei moderaten Bedingungen, an kalten Tagen als zusätzliche Schicht unter der Windjacke oder in frostigen Nächten als Ergänzung im Schlafsack. Die körperbetonte Passform macht alles möglich, der Pullover-Schnitt trägt unter einem Rucksackhüftgurt nicht auf und die Balaklava-Kapuze hält den Kopf zur Not auch ohne Mütze warm.

6. Patagonia DAS Light Hoody

Selbst im Sommer kann es nicht nur im Norden erfrischend kühl werden. Ganz zu schweigen von den anderen Jahreszeiten. Ein Fleece allein reicht da als Isolation nicht aus. Daher gehört für mich eine Thermojacke mit ins Gepäck. Gegenüber einem Modell mit Daunenfüllung bevorzuge ich hier Kunstfasern, denen Nässe weniger ausmachen. Im neuen Patagonia DAS Light Hoody habe ich zudem eine Jacke gefunden, deren synthetische PlumaFill-Fasern daunenähnlich weich und anschmiegsam sind. Und deren beschichtestes Außenmaterial zudem den Wetterschutz weiter steigert. Kondensfeuchtigkeit im Zelt? Etwas Regen im Camp oder in den Pausen? Alles kein Problem. Und das bei einem unglaublich geringen Gewicht. Tipptopp.

7. Western Mountaineering UltraLite

Erholsamer Schlaf ist essenziell. Deshalb ist ein ausreichend isolierender, bequemer und komfortabler Schlafsack sehr wichtig. Beste Erfahrungen habe ich mit den langlebigen Daunenschlafsäcken von Western Mountaineering gemacht, von denen ich aktuell den UltraLite aus der Extremlite Series nutze. Der äußerst leichte und extrem gut komprimierbare Dreijahreszeiten-Schlafsack hat Reserven bis in den Minusbereich. Allerdings bietet das Extremelite-Außenmaterial nur begrenzten Nässeschutz. Als Allroundmodell würde ich daher eher zu einem Schlafsack aus der Microfiber Series raten wie z. B. dem Western Mountaineering Apache MF, vom dem ich auch noch ein mittlerweile fast 25 Jahre altes Exemplar besitze.

Ein guter Schlafsack allein reicht aber nicht aus. Eine entsprechende Isomatte gehört dazu. Nachdem ich mit diversen aufblasbaren Luftmatten, die zwar tollen Liegekomfort bieten aber auch sehr anfällig sind, wiederholt Schiffbruch erlitten habe (Therm-a-Rest NeoAir XLite und Exped AirMat HL), bin ich auf der letzten Tour ganz zurück zum reinen Schaumstoff gewechselt. Zuunterst eine einfache Evazote-Matte von Globetrotter (190x58x0,5 cm), die ich auch schon als Backup und Unterlage unter den Luftmatten genutzt hatte, und darüber eine Exped FlexMat Plus, dem momentan dicksten Eierkarton auf dem Markt. Eine durchaus ziemlich sperrige Kombi, die dafür aber nicht nur ebenfalls ausreichend bequem ist, sondern vor allem auch unkaputtbar!

8. Optimus Crux Lite und Vega

Abgesehen von Unternehmungen im Winter schwöre ich auf Gaskocher. Bin ich allein unterwegs, greife ich zum Optimus Crux Lite. Ein minimalistischer Kocher, der zusammen mit einem Optimus Terra Weekend HE Topfset eine leistungsstarke und effiziente Küche darstellt. Bei unseren Familienabenteuern kommt hingegen der Optimus Vega mit. Durch seinen tieferen Schwerpunkt bietet er einen stabileren Stand auch für größere Töpf, seine Flamme lässt sich sehr präzise regulieren und falls es doch mal winterlich werden sollte, kann man den 4-Saison-Modus nutzen und die Gaskartusche auf den Kopf und die integrierten Standfüsse stellen, um das Flüssiggas durch die Schlauch-Leitung zu schicken.

9. Trek’n Eat „Trekking-Mahlzeiten“

Trek’n Eat ist nahrhaft, wiegt nicht viel und ist einfach zuzubereiten. Seit langer, langer Zeit sind deren „Trekking-Mahlzeiten“ mein Hauptgericht eines jeden Wandertages. Und mein aktulles Lieblingsmenü: Chicken Tikka Masala!

10. Black Diamond Trail Pro

Vor allem auf Touren mit schwerem Gepäck sind Trekkingstöcke eine Große Hilfe. Neben einer Entlastung der Gelenke führen sie auch zu mehr Sicherheit in schwierigem Terrain oder bei Flussquerungen. Die Black Diamond Trail Pro sind bewährte Begleiter auf allen Wegen. Die Verstellbarkeit ist durch den FlickLock Pro-Mechanismus leichtgängig aber gleichzeitig festsitzend. Dazu das schnelle Handling der SmashLock-Technologie beim Auseinander- und Zusammenschieben. Der gummierte Griff und die Handschlaufe sind sehr bequeum, die Konstruktion aus Aluminium strapazierfähig. Was will man mehr.

Habt Ihr Anmerkungen oder Fragen? Oder was sind Eure Favoriten? Eure Meinung gerne in den Kommentaren!

Werbehinweis: Ich werde von Hilleberg The Tentmaker und Katadyn (Optimus und Trek’n Eat) materiell unterstützt. Es sei aber erwähnt, dass ich nur solche Produkte empfehle, egal ob selbst gekauft oder nicht, von denen ich wirklich überzeugt bin!

Langzeitbelichtungen – Ja oder Nein?

– Bøsdalafossur – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 27 Sek, f 8, ISO 200 –

Ich war noch nie ein Stativfreund. Die meisten meiner Bilder fotografiere ich aus der Hand. Zwar habe ich fast immer ein Dreibein mit dabei, aber ich nutze es nur für sporadische Selbstportraits und meine seltenen Langzeitbelichtungen. Überhaupt, warum finden so viele Fotointeressierte Gefallen an Fotos aufgenommen mit langen Belichtungszeiten? Irgendwie bin ich selber kein großer Freund davon. Vielleicht, weil diese Art der Fotografie nicht allzu sehr zu meinem Stil der Landschaftsreportage passt? So haben es auch nur zwei Langzeitbelichtungen in mein erstes Fotobuch Mein Norden geschafft – der Wasserfall Fossá auf den Färöer-Inseln und der Fluss Skógá auf Island. Nach Meinung meines Kurators während des damaligen Entstehungsprozesses des Bildbands fügten sich diese beiden Aufnahmen durchaus gut ins Gesamtbild ein, weil der Gesamtcharakater erhalten blieb und beide Fotos nicht zu sehr davon abwichen. Aber es waren Ausnahmen, weswegen ich Stativ und Filter weiterhin meist links liegen lasse.

Trotzdem komme ich nicht umhin, mich immer mal wieder mit Langzeitbelichtungen zu beschäftigen. Denn vor allem auf den Fotoreisen, die ich zusammen mit Michael Schaake veranstalte, ist der Einsatz von Graufiltern und die Fotografie vom Stativ ein großes Thema. So auch bei der letztjährigen Nordische Momente – Färöer Masterclass, bei der auch ich dann ab und an mal wieder mein Rollei-Stativ aufgebaut, einen Filter aufs Objektiv geschraubt und Fotos mit samtigen Wasser- und Wolkenverläufen gemacht habe. Nachträglich mag ich zwar das Bild des Bøsdalafossur sehr, aber das Foto aus Saksun und jenes vom vielfotografierten Múlafossur in Gásadalur sprechen mich selber kaum an. Deshalb hat es nur die erste Aufnahme in eine Bildauswahl der Färöer-Reise geschafft. Weil es in meinen Augen auch hier so ist, dass der ins Meer stürzende Wasserfall gut zum Rest der Serie passt, die beiden anderen Langzeitbelichtungen vom Gesamteindruck aber etwas abweichen. Gefällt mir z. B. am Foto des Bøsdalafossur der triste Himmel und die recht monochrome Farbgebung des Bildes, sind mir hingegen bei der in Saksun gemachten Aufnahme die ziehenden Wolken nicht ganz geheuer ;-) Das erste Bild vermittelt mir trotz des weichen Wassers noch einen recht realen Eindruck, das zweite Foto driftet mir allerdings schon zu sehr in „künstlerische Manipulation“ ab.

Da meine Art der Fotografie darauf basiert, eher spontane Momente im Hier und Jetzt einzufangen, werden Langzeitbelichtungen wohl immer Ausnahmen bleiben, egal wie beliebt sie auch sein mögen. Sie passen einfach nur sehr selten zu meinem Bildstil und oftmals scheint mir der erzielte Effekt über dem Motiv und dem eigentlichen Bildinhalt zu stehen. Daher werden es in mein nächstes Fotobuch sicherlich wiederum nur ganz wenige Fotos schaffen, die aufgenommem vom Stativ und mit langen Belichtungszeiten entstanden sind …

Zum Einsatz kam bei allen Aufnahmen ein B+W 110 ND 3,0 1000x Graufilter

– Saksun – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 10 Sek, f 11, ISO 200 –
– Múlafossur – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 14 Sek, f 8, ISO 200 –

Und wie steht Ihr zu Langzeitbelichtungen? Eure Meinung gerne in den Kommentaren!

Rund um Hattingen – dank Leukoplast schnurstracks ins Ziel

– Geschafft –

Um 14:15 Uhr machte ich die nächste Pause. Fünf Minuten früher als geplant. Doch die Bank am Wegesrand kam in diesem Moment gerade recht. Meine Füße zwickten mehr und mehr und riefen immer lauter danach, beachtet zu werden. Über sieben Stunden war ich zu dem Zeitpunkt bereits unterwegs, nachdem ich am letzten Freitag früh am Morgen auf dem Hackenberg in der Nähe von Herzkamp meinen Marsch über den Hattinger Rundweg angetreten hatte.

Um mit meinen Kräften hauszuhalten, wollte ich einem strikten Rhythmus folgen: 80 Minuten Gehen, dann 10 Minuten Pause. So hielt ich es auch mehr oder weniger durch und kam in meinen Augen gut voran. Startschuss um 07:00 Uhr. 08:20 Uhr die erste planmäßige Rast im Deilbachtal unweit von Schmahl am Schmalen. Von dort hinauf auf den Höhenweg, wo mir ein Mann mit Hund begegnete. Mein zügiger Schritt wurde bemerkt und ich gefragt, wie viele Kilometer es heute wohl werden sollen. Ich erwiderte, dass wohl einige zusammenkommen würden und verschwieg die anvisierten 62 km, da ich weder für verrückt erklärt werden wollte noch auf ungläubige Blicke aus war. Ich wollte einfach schnellstens weiter, um spätestens nach drei Stunden das Felderbachtal zu erreichen, was mir auch gerade eben so gelang. Gegen Zehn wurde es da langsam richtig warm.

Über den nächsten Höhenrücken war ich von dort rasch im Wodantal und weiter hinauf und hinab an der Nierenhofer Straße und am Isenberg, hinter dem die dritte Pause folgte und ich nicht nur einen weiteren Riegel verspeiste und einige Schluck Wasser trank, sondern auch Sonnencreme auftrug, denn schließlich war für die Mittagsstunden vor erhöhter UV-Strahlung gewarnt worden. Alles lief bis dahin wie geschmiert und ich gelangte an Niederbonsfeld und Niederwenigern vorbei zur Ruhr. Ein Schwimmer mühte sich gegen den Strom und Gänse führten ihre Jungen aus. Ich folgte ein Stück dem Fluss und wechselte an der nächsten Brücke die Uferseite.

Hinter einem Spielplatz setzte die Wegmarkierung kurz aus und ich verschwendete ein paar Momente darauf, tunlichst nicht von der Route abzukommen und das nächste Wanderzeichen zu suchen. Kurz darauf war es dann ein Kletterfelsen im Wald, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Zu gerne hätte ich kurz Hand an den Stein gelegt, doch ich musste ja weiter, hatte ich doch ein zeitliches Ziel im Kopf. Also marschierte ich in einem fort, bis ich zur nächsten Ruhrbrücke kam und wieder auf die südliche Seite des Gewässers zurückkehrte.

Nach sieben Laufstunden wollte ich die Burg Blankenstein erreicht haben, doch während sich das Folgestück über den Leinpfad entlang der Ruhr etwas zäh gestaltete, schwand meine Zuversicht zusehends. Und zu allem Übel endete an einem kleinen Campingplatz hinter der L705 der Weg. Wo es offensichtlich hätte weitergehen müssen, war die Strecke gesperrt. Ich lief hin und her und suchte nach einer neuen Ausschilderung, doch ich fand keine. Also kramte ich mein Mobiltelefon hervor und schaute auf die Onlinekarte des Rundwegs. Mmh, was tun? Mir blieb nichts anderes übrig, als ein paar hundert Meter den Gleisen der stillgelegten Ruhrtalbahn zu folgen, unter der es später ohnehin hindurch gegangen wäre. Also stolperte ich über die Bohlen, kletterte etwas genervt wieder hinab auf den rechten Weg und verspürte nun immer stärker werdend dieses Zwicken unter den Fußballen, das nie etwas Gutes verheißt.

Um Viertel nach Zwei daher der nächste Stopp, der nun nicht nur dem Essen und Trinken galt, sondern vor allem auch meiner Füße. Zwar hatte ich mittlerweile einen großen Teil von Rund um Hattingen geschafft, aber viele Stunden würden noch vor mir liegen. Wieder kramte ich die Onlinekarte hervor und zoomte hinein und wieder hinaus, versuchte die verbleibende Distanz und Laufzeit zu überschlagen. Würde ich meinem bisherigen Tempo treu bleiben, liefe es bestimmt auf eine Gesamtzeit von zwölf Stunden hinaus. Zu langsam, ich wollte schneller sein. Also musste ich nicht nur einen Gang höher schalten, sondern am besten auch meinen liebgewonnenen Pausenrhythmus aufgeben. Aber bevor ich durchstartete und zum langen Endspurt blies, klebte ich meine Füße einfach großzügig mit Leukoplast ab, in der Hoffnung, es würde die Reibung minimieren und mir das schnelle Gehen wieder angenehmer machen. Und siehe da, es klappte!

Vorbei an den Gemäuern der im 13. Jahrhundert durch den Grafen Adolf I. von der Mark erbauten Burg Blankenstein, stürmte ich mit frischem Elan hinein in den Nachmittag. Es purzelten die Kilometer, obwohl es nach dem Flackstück entlang der Ruhr nun erneut ständig Auf und Ab ging, schließlich sind insgesamt über 2.000 Höhenmeter zu bewältigen. Aber mit einem zunehmenden Tunnelblick verschwomm alles links und rechts und mich schreckte nichts mehr. Bald war ich an der Bredenscheider Straße und durch Felder und über Wiesen am Hotel Zum Hackstück. Immer wieder schielte ich auf die Uhr. Nun könnte es doch noch eine gute Zeit werden.

Als ich das Naturschutzgebiet Wald am oberen Paasbach erreichte, war ich mir siegessicher. Die Füße würden halten und vielleicht käme ich sogar nah an meine frühere Bestzeit von 10 Stunden und 35 Minuten auf dieser Strecke heran. In einer letzten kurzen Pause drückte ich mir ein Energie-Gel in den Mund und kippte etwas Wasser hinterher. Jetzt nicht mehr lange ruhen, umso schwerer kommt man danach wieder in die Gänge. Weiter, immer weiter war die Devise. Über die Nockenbergstraße und runter ins Tal zur Fahrentrappe. Schließlich der letzte Anstieg, der sich in Bögen durch den Wald am Steinert zog. Dann die finalen Meter, noch ein kurzes Steilstück. Ich pumpte und pustete. Und war zurück am Startpunkt.

18:10 Uhr. 11 Stunden und 10 Minuten. Juchhu, das war gut! Unterwegs hatte ich eine Weile gar nicht mehr daran geglaubt, eine so gute Zeit erreichen zu können. Und hätte ich nicht an einer weiteren markierungslosen Stelle unterwegs noch Sekunden verloren oder beim Versuch, ein Selbstportrait in einem Spiegel am Wegesrand zu machen – das natürlich auch in zig Versuchen nichts wurde – Minuten verstreichen lassen, hätte sich der Kreis sicherlich in unter elf Stunden geschlossen.

Zum guten Schlus machte ich dann im Ziel noch ein Bild von mir. Geschafft und erschöpft. Dann schlurfte ich ausgelaugt zurück Richtung Herzkamp. Langsam wich das Adrenalin aus meinem Körper und die Füße fingen wieder an zu Schmerzen. Aber was soll’s? Das ist ein Teil des Spiels. Einkalkulierte Schinderei, die einhergeht mit dem Gefühl von Lebendigkeit. Nach dem Wappenweg rund um Ennepetal war es die zweite lange Runde in diesem Jahr. Und die nächste, den Röntgenweg rund um Remscheid, habe ich auch schon im Kopf. Ich kann es einfach nicht lassen …

#StayAtHome – oder laufe 54 Kilometer

– Wappenweg rund um Ennepetal –

#WirBleibenZuhause ist das Motto dieser Tage. Doch in den vergangenen drei Wochen, die seit geraumer Zeit geprägt sind von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten, waren wir mehr denn je in der Natur unterwegs. Meine Tochter, 4. Klasse, hatte „schulfrei“ und meine Frau, Lehrerin, war auch daheim. Gut, beide mussten jeden Tag Hausaufgaben erledigen und waren damit immer ein paar Stunden beschäftigt. Aber an den Nachmittagen und Wochenenden zog es uns fast täglich raus in den Wald, wo wir kleinere und größere Runden abspulten, die Ankunft des Frühlings genossen und so das Allerbeste aus der Situation machten. Und jetzt in den Osterferien, in denen alle Schulverpflichtungen wegfallen, kann das nur noch besser werden.

Nachdem mich im Februar eine Grippe mit Fieber lange geärgert hatte und ich deswegen auch eine Skitour in Schweden sausen lassen musste, waren die nun so vielen Stunden an der frischen Luft ideal, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen. Neben unseren gemächlicheren Familienwanderungen streute ich darüber hinaus noch ein paar schnelle Solo-Ausflüge ein und war bald wieder fit und bereit für ein großes Ding – wie zuletzt im Dezember, als ich den Langenberger Rundweg gelaufen war.

Am vorigen Freitag nahm ich mir dafür mal wieder den Wappenweg rund um Ennepetal zur Brust. Meine Lieblingsstrecke, die ich bereits zwölfmal an nur einem Tag absolviert habe und über die auch hier im Blog schon so manche Zeile zu lesen ist, weswegen ich jetzt nicht in aller Kleinigkeit über Stock und Stein berichten möchte. Die Essenz des Tages soll reichen …

Wie eh und je startete ich früh am Morgen am Schloss Martfeld in Schwelm. Ich wollte es ruhig angehen lassen mit vielen Pausen und strebte dieses Mal keine besonders gute Laufzeit an. Doch schnell spürte ich ein gutes Gefühl in den Beinen, der Ehrgeiz erwachte zum Leben und bald brachte ich manche Bergabpassage gar in einem leichten Trab hinter mich. Denn so konnte ich immer wieder „verlorene“ Zeit aufholen, da ich an den häufigen Pausen – etwa einmal pro Stunde – trotzdem weiterhin festhielt. Ich kam in einen Flow, passierte Milspe, huschte an der Hasper Talsperre vorbei und wanderte durchs Tal der Ennepe. Alles schien an diesem Tag perfekt zu sein auf diesem 54 km langen Streifzug. Bis ich zur Heilenbecker Talsperre kam. Hier war der Weg verlegt, da die Passage durch Ebinghausen gesperrt ist.

Kurzerhand folgte ich der neuen Beschilderung, nur um wenig später festzustellen, dass hinter der Häuseransammlung Schiffahrt weitere Markierungen ausblieben oder nicht zu finden waren. Spontan nahm ich den logischsten Weg, bis ich zu einer Wegekreuzung kam und dumm dastand. Wo sollte es weitergehen? Mittlerweile war ich bereits über sieben Stunden unterwegs und wohl schon etwas mitgenommen – auf die Idee, mein Mobiltelefon herauszukramen und nach einer Onlinekarte des Wappenweges zu suchen, kam ich nicht. Eine normale Karte hatte ich nicht dabei und so bog ich in den Waldweg ein, der mir der richtige erschien. Doch er entpuppte sich als die falsche Wahl und bescherte mir einen ordentlichen Umweg samt blöder Latscherei entlang einer Bundesstraße, bis ich bei Schlagbaum wieder auf den richtigen Wappenweg stieß. Fortlaufend überschlug ich die ganze Misere und kam zu dem Schluss, dass ich die Runde, die mancherorts gar mit 56 Kilometern angegeben ist – die alten Schilder am Wegesrand scheinen nicht mehr zu stimmen –, so wahrscheinlich auf mindestens 58 km erweitert hatte. Mist.

Immer wieder blickte ich auf die Uhr. Ich wahr weiterhin angestachelt und wollte entgegen meiner morgendlichen Idee einer „lockeren“ Wanderung nun doch eine schnelle Zeit hinlegen. Zehn Stunden sind für mich auf dieser Strecke der Maßstab. Alles darunter ist gut, alles darüber schlecht. Und das basierend auf den einst nur 54 Kilometern … Ich machte noch eine Pause am Spreeler Bach, bevor ich zum Endspurt blies. Strammen Schrittes marschierte ich durch Wuppertal-Beyenburg, wo die Füße immer stärker anfingen zu zwiscken. Ein letzter langer Aufstieg Richtung Königsfeld, dann das Finalstück zurück nach Schwelm. Am Ende joggte ich nochmal. So gut es ging, versuchte ich alles zu geben. Als ich zurück war am Schloss Martfeld und sich der Kreis geschlossen hatte, waren 9 Stunden und 55 Minuten vergangen. Puh, trotz Wegeverlegung und nochmals selbstverschuldeter zusätzlicher Streckenverlängerung gerade noch eine „akzeptable“ Zeit ;-)

Aber ich wusste sofort: Irgendwann werde ich nochmal ran müssen, um dann mit weniger Pausen und auf dem richtigen Weg eine neue persönliche Bestzeit zu versuchen. Die liegt auf der alten 54 km messenden Strecke bei nur 7 Stunden und 55 Minuten – doch ich denke, dass da noch was gehen könnte …

Lest Euch derweil durch einige meiner weiteren bisherigen Erlebnisse auf dem Rundweg um Ennepetal oder werft einen Blick in ein Fotoalbum eines Microadventures auf dieser immer wieder schönen Wanderroute!

PS:
Es sind verrückte Zeiten. In all der bisherigen Corona-Krise fiel uns auf, dass es so viele Menschen hinaus in die Natur zieht wie nie zuvor. Selbst in der Woche sind momentan mehr Leute im Wald unterwegs als zu normalen Zeiten am Wochenende. Hatte ich bei meiner langen Tagestour zumeist einigermaße Ruhe – es war trüb und nicht allzu warm –, ist bei dem jetzt oft schönstem Wetter vielfach die Hölle los. Insgeheim hoffen wir daher schon wieder auf die Nach-Corona-Zeit, wenn die meisten bestimmt wieder lieber in Geschäfte und Cafés strömen werden und es im Wald erneut so einsam sein wird wie zuvor.