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Den Anfang macht ein „Misserfolg“

– Schwer bepackt –

Es sollte ein spektakulärer Auftakt meines neuen Fotografieprojekts Zweite Heimat werden. Diese sehr herausfordernde, aber gleichzeitig landschaftlich äußerst abwechslungsreiche Trekkingtour auf der Insel aus Feuer und Eis. Gemeinsam mit Michael Schaake war ich nach Island gereist mit dem Ziel, ausgehend vom Zeltplatz Hólaskjól bis nach Skaftafell zu laufen. Vorbei am See Langisjór zu Ausläufern des Vatnajökull und über die Gletscher Skaftárjökull, Siđujökull und Grænalónsjökull bis zur Gletscherlagune Grænalón. Und von dort über den Skeiđarárjökull und die Berge Skaftafellsfjöll zum Endpunkt der Wanderung. Zwei Wochen Abenteuer pur.

Aber es kam anders: Nachdem wir am ersten Tag noch planmäßig von Hólaskjól entlang der Schlucht Eldgjá bis zur Hütte Skælingar gekommen waren, ging bereits am folgenden Tag fast nichts mehr. Bei Michael hatte sich vermutlich ein Nerv im Hüftbereich verklemmt, was zu starken Schmerzen und Taubheitsgefühlen in einem Bein führte. Damit waren lange und schwierige Passagen, wie über all die Gletscher, abrupt in weite Ferne gerückt und nicht mehr verantwortbar. In gedrosseltem Tempo und mit weniger Kilometerleistung pro Tag zogen wir weiter bis zum wundervollen See Langisjór, einer Perle im Hochland. Hier machten wir Tagesausflüge mit leichtem Gepäck und dachten darüber nach, umzukehren, denn eine Besserung trat nicht mehr ein. Doch nachdem wir den alles überragenden Gipfel des Sveinstindur in stimmungsvollem Abendlicht erklommen hatten und auf die eindrückliche Seen- und Berglandschaft hinabblickten, entschlossen wir uns dazu, trotz aller schmerzhaften Umstände zumindest eine Umrundung des Langisjór zu unternehmen. So machten wir schließlich das Beste aus der Situation, genossen weitere fünf Tage die Zeit in all der Einsamkeit und nahmen auch das Wetter hin, welches oft regnerisch und stürmisch über uns hinwegfegte.

Dieser Erfolg, den wir uns letzten Endes noch mühsam über schmale Pfade erliefen, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es in mir fortlaufend grummelte. Fotografisch gab die Alternativtour, ungeachtet all ihrer gebotenen Herausforderung und Schönheit, nicht das her, womit der ursprüngliche Plan an Vielfalt aufgewartet hätte. Daher wird diese Reise für mein Projekt Zweite Heimat nicht verwertbar sein und ich werde erneut nach Island aufbrechen, um zu den Bildern und Geschichten zu kommen, die mir von dort vorschweben. So ist das zuweilen – selbst bei sorgfältigster Planung läuft nicht immer alles wie geschmiert und erzwingen lässt sich sowieso nichts …

Weitere Impressionen unserer Zeit zwischen den grünen Hügeln und schwarzer Wüste werde ich bald natürlich dennoch zeigen. Ansonsten erfreut Euch weiterhin meines vorigen Projekts Mein Norden und dem gleichnamigen Bildband!

Auf geht’s in die Zweite Heimat

– Kviárjökull –

Bald ist es soweit: In einer Woche werde ich gemeinsam mit Michael Schaake nach Island reisen. Unser Ziel ist eine sehr herausfordernde, aber gleichzeitig spektakuläre wie landschaftlich äußerst abwechslungsreiche Trekkingtour auf der Insel aus Feuer und Eis. Ausgehend vom Zeltplatz Hólaskjól wollen wir am See Langisjór vorbei zu Ausläufern des Vatnajökull gelangen und über die Gletscher Skaftárjökull, Siđujökull und Grænalónsjökull die Gletscherlagune Grænalón erreichen. Von dort soll es weitergehen über den Skeiđarárjökull und die Berge Skaftafellsfjöll bis nach Skaftafell. 14 Tage Abenteuer pur zwischen grünen Hügeln, weißem Eis, schwarzer Wüste und farbigen Bergen.

Für mich bedeutet diese Reise auch den Start meines nächsten großen Fotografieprojekts Zweite Heimat. Zwar liegt die letzte Wandertour meines vorigen Projekts Mein Norden mittlerweile eine ganze Weile zurück, dennoch fühlt es sich so an, als würde ich jetzt nahtlos daran wieder aufbrechen. Schließlich war Mein Norden erst mit der kürzlichen Veröffentlichung des gleichnamigen Bildbandes so richtig abgeschlossen. Und da es auch dieses Mal wieder in den Norden geht, wird der Staffelstab gewissermaßen ohne Pause einfach weitergereicht …

Bis zum Sommer des nächsten Jahres sollen nach der Island-Tour Unternehmungen in Schweden, Norwegen, Dänemark, Schottland und Grönland folgen. Die sechs Reisen, die ich mir für das Fotoprojekt Zweite Heimat überlegt habe, möchte ich deutlich schneller vom Tisch haben als die elf Reisen von Mein Norden, für die ich in einem Zeitraum von vier Jahren immer wieder aufgebrochen bin. Mal sehen, ob das hinhaut!

Aber wenn das alles so klappt, wie ich es mir in den letzten Wochen und Monaten ausgedacht habe, ich auch die Bildideen umsetze, die mir im Kopf vorschweben, dann möchte ich nach dem Unterwegssein all die neuen Erlebnisse wieder zwischen zwei Buchdeckeln präsentieren.

Also, auf geht’s!

Mein Norden – Jetzt bestellen

Vor einer Woche war es soweit und mein Bildband Mein Norden wurde geliefert. Diese Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins!

„Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen.“

Über die Hintergründe meines Fotografieprojekts Mein Norden hatte ich hier schon berichtet. Und auf dieser Seite findet Ihr eine Auflistung aller zugehörigen Reisen. An dieser Stelle reichen daher die simplen Fakten zu diesem „Coffee-Table-Book“, wie Ihr sie auch im Shop findet.

Mein Norden – Der Bildband

Ausstattung
Format: 30×22 cm Querformat
Umfang: 176 Seiten
Abbildungen: 82 Farb- und 13 S/W-Fotos
Verarbeitung: Hardcover, Fadenheftung, Offsetdruck
Papier: LuxoArt Samt, 170 g/m², mit mattem Dispersionslack

Auflage
333 Exemplare, limitiert

Editionen
Standard Edition:
Buch #34 bis #333, nummeriert und handsigniert

Special Edition:
Buch #1 bis #33 mit beigelegtem Fine-Art-Print (ein Motiv aus dem Bildband), beides nummeriert und handsigniert
Print gedruckt auf Hahnemühle FineArt Pearl, Blattformat 29,5×21 cm, Bildformat 25,5×17 cm

Verkaufspreise
Standard Edition: 55 Euro
Special Edition: 99 Euro
(jeweils zzgl. Porto und Verpackung)

Die Special Edition ist bereits ausverkauft, aber die Standard Edition ist weiterhin erhältlich und kann hier bestellt werden.

> Zum Shop

Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Bei meinem letzten Fotoprojekt Mein Norden kamen von Reise zu Reise unterschiedlichste Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die insgesamt einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild). Meistens griff ich zu einem Zoom oder Kombinationen aus Zooms, die ich ab und an noch mit einer einzelnen Festbrennweite ergänzte. Aber dann gab es auch Wandertouren, auf die ich ausschließlich Festbrennweiten mitgenommen habe – und das sind in meiner Erinnerung die fotografisch intensivsten Reisen.

Nach Abschluss des Fotoprojekts war es interessant zu sehen, welche Brennweiten und Objektivkombinationen am häufigsten zum Einsatz kamen. Die extremen Bereiche (Ultraweitwinkel und stärkeres Tele) habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt – das meiste spielte sich zwischen ca. 16/18 und 55 Millimeter ab. Daher ist an sich das lichtstarke XF16-55mmF2.8 R LM WR Zoom eine gute Wahl, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einem Objektiv abdeckt. Aber ich mag das dicke Ding nicht so sehr und ich fotografiere ohnehin lieber mit FBs.

Die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich allerdings auch im Bildstil wieder. Dieser wird also nicht nur geprägt durch Aspekte wie die Motivwahl, den Ausschnitt, die Lichtsetzung, den Moment, die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive kann den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den „Wiedererkennungswert“ steigern.

Für mein nächstes großes Fotoprojekt Zweite Heimat, das erneut mehrere Reisen beinhaltet, möchte ich mir diese „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren. Genauer mit drei, maximal vier Objektiven. Nur welche Festbrennweiten soll ich letztendlich nehmen?

Rückblicke und Erfahrungen

18, 35 und 60 Millimeter
Als ich 2012 zu Fuß und allein in Schweden und Norwegen durch Europas letzte Wildnis lief, hatte ich in den Regionen Sarek & Padjelanta nur das XF18mmF2 R, das XF35mmF1.4 R und das XF60mmF2.4 R Macro dabei (weitere Objektive gab es zu der Zeit für das X System ohnehin noch nicht). Das 35er war mir auf der Tour die liebste und meistgenutzte Linse. Die „Normalbrennweite“ – entsprechend ca. 50 mm an KB – passte mir da auch gut zu den Motiven. Mit dem 18er hingegen wurde ich von Anfang an nie richtig warm – was sowohl am Bildwinkel als auch der optischen Leistung lag, die mich nicht überzeugte. Das 60er war dafür ein schönes kürzeres Tele, nur langsam vom AF.

Als Fujifilm daraufhin die ersten Zooms herausbrachte, legte ich die Festbrennweiten erstmal wieder auf Seite und das XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS wurde für lange Zeit mein Brot- und Butter-Objektiv. Auf Outdoortouren ist ein Zoom einfach praktisch – lästige Objektivwechsel im Schneesturm oder unter anderen garstigen Bedingungen entfallen und die wichtigsten Brennweiten sitzen immer an der Kamera. Die 18er Festbrennweite kam seitdem nicht mehr zum Einsatz, auch nicht das 60er Macro.

Doch irgendwann wurden mir die Zooms zu bunt. In der Zwischenzeit hatte ich auf einigen Reisen zusätzlich zum Standardzoom ab und an auch das XF10-24mmF4 R OIS und das XF55-200mmF3.5-4.8 R LM OIS eingesetzt, die das Fujinon-Sortiment mittlerweile erweiterten. Mir war das aber ein Zuviel an Möglichkeiten geworden und ich wagte es ein zweites Mal, nur mit Festbrennweiten loszuziehen.

– Im Gleichgewicht – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1100 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Hunau-Turm – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1800 Sek, f 2.8, ISO 200 –

14, 23 und 56 Millimeter
Im Spätherbst 2014 streifte ich in Finnland durch den Urho-Kekkonen-Nationalpark und nahm nur das XF14mmF2.8 R, das XF23mmF1.4 R und das XF56mmF1.2 R mit. Und das war gut so. Müsste ich die Inselfrage beantworten, wäre sicherlich das 23er das Objektiv, welches ich auswählen würde, könnte ich mich nur für eine Brennweite entscheiden. Entgegen eines 35ers ist es für mich universeller einsetzbar und es entspricht in der Landschaftsfotografie eher dem, was ich sehe, wohingegen das Normalobjektiv in meinen Augen eine Szenerie bereits minimal telehaft verdichtet.

Das 14er, das ich auch zuvor schon mehrfach als Ergänzung zu Zooms dabei hatte, überzeugte mich aber nicht so recht. Wie schon beim 18er lag es auch hier an der Brennweite und der optischen Leistung. Die Bildqualität fand ich schlechter als beim 10-24er bei gleicher Brennweite. Und überhaupt, der Bildwinkel. Der große deutsche Naturfotograf Fritz Pölking sagte einst, ein Objektiv dieser Brennweite sei schnell geschwätzig, weil es einfach zu viel aufs Bild bringt, oft unwichtiges. Ein „viel hilft viel“, ist hier häufig wenig zielführend auf dem Weg zu einem guten Bild. Daher habe ich das 14er, wie auch das 10-24er im extremen Bereich, nur recht wenig benutzt.

Die 56er „Porträt-Linse“, wie das 23er extrem lichtstark, war und ist allerdings ein feines Teil. Diesen leichten Telebereich setze ich gerne ein, um beispielsweise Details aus einer Landschaft herauszuarbeiten.

Weil Zooms jedoch, ich sagte es bereits, auf Wanderungen und Skitouren oftmals ihre Vorzüge haben, probierte ich auf folgenden Reisen das lichtstarke 16-55er aus, um zu sehen, ob diese „eierlegende Wollmichsau“ für mich der heilige Gral sein könnte. Was aber, wie eingangs schon erwähnt, nicht der Fall war. Zwar passt der Brennweitenbereich ziemlich perfekt, auch die Lichtstärke ist meistens ausreichend, aber der Funke sprang nie über. Ich sehnte mich bald erneut nach Festbrennweiten und machte einen dritten Versuch.

– Pusteblume – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/500 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Bokehlicious – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/125 Sek, f 2.8, ISO 1000 –

16, 23 und 56 Millimeter
Für meine Wanderungen durch das Johan Dahl Land, Qajuuttap Nunaa und das Mellemlandet in Grönland im letzten Jahr packte ich dieses Mal neben dem XF23mmF1.4 R und dem XF56mmF1.2 R noch das XF16mmF1.4 R WR ein. 23er und 56er hatten sich ja bereits bewährt und waren auch auf dieser Reise verlässliche Begleiter. Und im ebenso lichtstarken 16er fand ich eine Ergänzung, die mir ideal erscheint, fängt das Objektiv doch diesen Tick weniger ein, den das 14er meist zu viel rumlabert.

Mit diesem Setup hatte ich mein Wunsch-Trio an Festbrennweiten gefunden. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Linsen das Fotoprojekt „Zweite Heimat“ umzusetzen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Eine schöne Abrundung des „Dreigestirns“ könnte als viertes Objektiv das XF35mmF2 R WR sein, das ich dem alten und lichtstärkeren 35er mittlerweile vorziehe. Das neue ist kompakter, leichter, schneller, wettergeschützt und sieht schöner aus ;-) Bis auf ein paar Schwächen im Nahbereich und bei Offenblende hat es mich als Allrounder im klassischen Normalbereich, der für mich eher eine Art Option zwischen leichtem Weitwinkel und leichtem Tele darstellt, im vergangenen Herbst auf Texel bereits sehr überzeugt.

Eine Verlockung – die Fujicrons

23, 35 und 50 Millimeter
Ach ja, alles wäre so einfach, wenn es nicht doch noch Alternativen gäbe. Seit einiger Zeit gibt es neben dem kleinen 35er zwei weitere Objektive mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Auch das XF23mmF2 R WR und das XF50mmF2 R WR sind vor allem im Gegensatz zu den lichtstarken 23er- und 56er-Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Mmh, für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese schnuckeligen Festbrennweiten äußerst reizvoll. Bei verschiedenen kürzeren Ausflügen habe ich sie bereits verwendet, um zu sehen, ob deren optische Leistung ausreichend ist. Für den „Hausgebrauch“ ist sie das allemal, aber wäre sie auch gut genug, um ein großes Fotoprojekt damit zu fotografieren, worüber nachher erneut ein Bildband erscheinen soll? Nun ja, ich denke schon. Und daher werde ich bei der nächsten großen Tour wahrscheinlich die drei schnuckeligen „Fujicrons“ – ergänzt allein mit dem lichtstarken 16er – in die Welt hinausführen und mit diesen Linsen alle Erlebnisse einfangen.

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Ich habe fertig (Teil 2)

– Mein Norden Druckabnahme –

Ich kann nichts mehr tun. Nur noch voller Spannung abwarten. Letzte Woche ging mein Bildband Mein Norden bei Seltmann Printart in Lüdenscheid in den Druck. Dabei zu sein und zu sehen, wie die ersten Druckbögen das Licht der Welt erblickten, war ein aufregendes Erlebnis. Nach all den Jahren des Reisens und den vielen Monaten Arbeit am Buch. Nicht mehr lange und ich werde richtig am Ziel sein, wenn das gute Stück auch in andere Hände gelangt. Dabei hatte ich schon Ende September fertig, aber da war ja bloß der erste Teil erledigt, als ich all die Abenteuer hinter mir hatte. Doch die vielfältigen Eindrücke zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, war eine ganz eigene Herausforderung, die dem Unterwegssein in der Wildnis kaum nachstand.

Von den Reisen zum Bildband

„One thing all good photobooks have in common is good photographs and something to say, says Parr. He continues, “You can have the language but nothing to say”.“ (Aus: The Golden Age of the Photobook)

Die Bildauswahl
Am Anfang stand die Bildauswahl. Ein anspruchsvolles Unterfangen, ist man als Fotograf doch oft sehr selbstverliebt in seine eigenen Aufnahmen. Es gilt Distanz zu erlangen, um die wesentlichen Fotos herauszufiltern und von den vermeidbaren zu trennen. Hier ging ich Schrittweise vor. Von jeder Reise gibt es ein Album auf Flickr. Doch darin stecken durchaus auch Bilder, die nicht „druckbar“ sind – zumindest im Kontext des anvisierten Buches. Zuerst bin ich daher all die Alben durchgegangen und habe die Fotos rausgesucht, von denen ich dachte, dass sie in den Bildband passen könnten. Diese Auswahlen habe ich anschließend billig im Format 10 x 15 cm in einem Drogeriemarkt ausdrucken lassen. Denn am Monitor kann man die Bilder für ein Buch nicht zusammenstellen – es braucht greifbares, was sich auf einem Tisch hin und her schieben lässt. Und richtig greifbar wurde es dann bei einem Bildkolloquium zum Thema Auswählen und Präsentieren bei Sebastian H. Schroeder in Köln. Während des zweitägigen Workshops im vorigen November lernte ich enorm viel – wie den Blick auf die eigenen Bilder zu schärfen und die Wichtigkeit der Selektion und richtigen Zusammenstellung der Fotos zu verstehen, genauso Klarheit, Struktur und Erzählweise weiter herauszuarbeiten, und die Bilder, die in ein Familienalbum passen, von den wirklich guten zu trennen ;-) Es wurde die Basis gelegt und die ersten Buchkapitel auch bereits grob zusammengestellt. Es folgte ein OpenTable im Dezember, wo ein weiteres Kapitel auf den Tisch kam und konstruktiv besprochen wurde. Nun hatte ich selbst einiges an Rüstzeug erlangt und machte mich erstmal allein daran, die restlichen Bilder fürs Buch auszuwählen und in eine stimmige Abfolge zu bringen. Aber an manchen Stellen war ich mir noch unsicher – es ist doch ganz schön schwierig, ohne den Input von Außen ans Ziel zu kommen. Doch zum Glück konnte ich Sebastian als Kurator gewinnen und so verbrachte ich Anfang Januar einen ganzen Tag in seinem Fotostudio, wo wir gemeinsam alle Kapitel noch einmal durchgegangen sind, Bilder umgestellt, rausgeworfen, oder doch (wieder) hinzugenommen haben. Am Ende stand nun ein runder, auf den Punkt gebrachter Bilderbogen, der alle Facetten meiner elf Reisen in den Norden widerspiegelt.

Die Texte
Auch wenn Mein Norden in erster Linie ein Bilderbuch ist, ist jedem Kapitel ein Text vorangestellt. Eine Geschichte, eine Anekdote, ein Erlebnis. Reise beschreibendes. Ich tippte und tippte, korrigierte und lektorierte. Der Duden war ständig zur Hand, um Fehler auszumerzen. Ich ließ auch hier andere drüber lesen, wird man doch bald Betriebsblind und erkennt gar nicht mehr, was für einen Quatsch man da vielleicht zusammenschreibt. Und am Ende kann ich gar nicht sagen, was die größere Anstrengung war – die Fotos zu machen, zu bearbeiten und auszuwählen, oder die Texte zu schreiben und auch diese stimmig auszuformulieren. Auf jeden Fall schwirrte mir oft der Kopf und ich hatte öfters das Gefühl, so manche Textpassage auswendig aufsagen zu können …

Die Gestaltung
Schließlich war das Layout und die Gestaltung des Buches der dritte Baustein, der ebensolche Sorgfalt verlangte wie die Auswahl der Bilder und das Schreiben der Texte. Zu meiner Freude waren auch hier Sebastian und sein Assistent Felix Adam mit von der Partie und wir machten uns gemeinsam daran, alles in eine druckbare Form zu bringen. Dabei war die Entscheidung, welche Bildgrößen am besten passend zum Buchformat sind, noch am schnellsten getroffen. Auch die Weißräume, die so wichtig sind fürs Auge und so häufig unterschätzt werden, hatten wir schon während der Phase der Bildzusammenstellung festgelegt. Nur welche der Fotos nun groß und welche klein ins Buch kommen sollen, mussten wir noch entscheiden. Aber auch das war entgegen der Textseiten eine eher offensichtliche und schnell erledigte Arbeit. Hingegen verschlang es ordentlich Zeit, sich mit dem Schrifttyp, der Schriftgröße, der Schriftfarbe, Blocksatz contra Flattersatz, Zeilenabstand und nicht zu vergessen der grundsätzlichen Positionierung der Texte zu beschäftigen. Neben allem anderen, was es da noch zu beachten gilt. Schließlich sollte das Layout der Textseiten zum Layout der Bildseiten passen. Nach einigen Versuchen fanden wir aber auch hier zu einer Lösung, die den Bildband Mein Norden sicherlich in allen Belangen zu einer runden Sache macht.

Und dann kam der Moment, wo nach Jahren, in denen mich die Fotos im RGB-Farbmodus begleitet haben, die Umwandlung in CMYK geschah. Doch auch das verlief ganz gut und die Bilder sahen am Monitor noch immer so aus, wie ich sie haben wollte. Mit einer „finalen“ Druckdatei in der Tasche – die bis zum letzten Tag vor Druckbeginn immer nochmal von kleinsten Fehlern befreit und in Feinheiten optimiert wurde -, konnte ich mich zu guter Letzt aufmachen zur Druckerei meines Vertrauens. Und Vertrauen war dort auch richtig nötig. Wie eingangs erwähnt, war ich zur Druckabnahme vor Ort und sah zu, wie die ersten Druckbögen gedruckt wurden. Mit einem Mal konnte ich verstehen, dass es Fotografen gibt, die den kompletten Druckprozess „überwachen“. Denn hier und da waren bei einzelnen Bildern noch Entscheidungen zu treffen à la etwas weniger Yellow, dafür vielleicht ein Tick mehr Cyan. Auf den allerletzten Metern wird selbst das professionellste Farbmanagement nahezu hinfällig und das Auge des Druckers (oder des Fotografen) entscheidet über das finale Ergebnis. Aufregung pur!

Mittlerweile sollte der Druck allerdings abgeschlossen sein und ich hoffe, dass alles so geworden ist, wie ich mir das vorstelle. Nun werden die unzähligen Druckbögen noch geschnitten und gefalzt und abschließend zu den Büchern gebunden, die ich dann voller Freude an alle verschicken werde, die bereits ein Exemplar bestellt haben oder noch bestellen werden …

Wer immer auf dem Laufenden sein möchte, wie es um den Fortgang der Buchproduktion steht, sollte mir auf Facebook folgen, wo ich alles zum Thema aktuell in die Welt posaune …

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