Suche
Suche Menü

Fragmente aus der Zeit des Aufbruchs

Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.

Das Nordlandfieber und der Arktis-Bazillus sind alte Bekannte, die ich sicherlich nie mehr loswerde. Es begann im August 1991, als ich erstmals in Schweden unterwegs war, und sich die nordische Einsamkeit sogleich tief in mir einbrannte. Seitdem bin ich immer wieder zurückgekehrt in die hohen Breiten, wanderte den 800 km langen Nordkalottleden komplett an einem Stück oder unternahm zweimal eine Überquerung des grönländischen Inlandeises von Ost nach West – Meilensteine in meinem Leben als „Polarabenteurer“.

Bis mich im Frühjahr 2012 zwei Krampfanfälle aus heiterem Himmel zu Boden rissen, die Diagnose Epilepsie gestellt wurde und mein Wandererleben aus den Fugen geriet. In den Tagen im Krankenhaus und den Wochen danach, die es brauchte, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen, ließ ich mich allerdings nicht unterkriegen und fasste den Entschluss zu dem Projekt Mein Norden. Erneut wollte ich alles noch einmal träumen und aufbrechen zu den wundervollen Orten, die mir von früher so viel bedeuteten – aber gleichzeitig auch Neuland aufspüren, in dem ich zuvor noch nie war, jedoch schon immer einmal hinwollte.

Elf Reisen tüftelte ich aus, die mich über eine Spanne von vier Jahren hinein ins Abenteuer führten. Ich brach allein dorthin auf, wo meine Passion ihren Anfang genommen hatte, zog mit Freunden durch die dunkle Polarnacht und über eisige Gletscher, oder ging mit meiner Frau und unserer kleinen Tochter auf Wandertour. In all der Zeit trat die Epilepsie völlig in den Hintergrund. Und ich blieb zum Glück anfallsfrei.

Fragmente aus der Zeit des Aufbruchs.

Schweden: Plötzlich bin ich oben, stehe an der Abbruchkante und unter mir geht es 700 Meter senkrecht hinab. Der Blick auf das Delta des Ráhpaädno verschlägt mir den Atem. Tief unten schlängeln sich die verästelten Arme des mächtigen Flusses durch einen grünblauen Teppich aus Seen, Sümpfen und Wäldern. Eingekeilt zwischen den Felsabbrüchen des Skierffe und des gegenüberliegenden Tjahkelij münden die pulsierenden Adern des mit Gletschersedimenten durchsetzten Wassers in den Laitaure.

Island: Wir sind erleichtert, als sich der Panzer des Vatnajökull vor uns ausbreitet und wir unweit des Vonarskarđ, des Passes der Hoffnung, über den Köldukvíslarjökull auf die ausgedehnte Fläche ewigen Eises steigen können. Von hier an laufen wir ohne sonderliche Hürden über den größten Gletscher Europas. Vorbei an der Grímsvötn-Caldera und bis zu seinem südöstlichen Ende, dem Skálafellsjökull, über den wir wieder hinabgleiten in tiefere Lagen, der Küste und dem Meer entgegen.

Schottland: Mit einem mulmigen Gefühl komme ich auf der Isle of Skye an – ich befürchte eine Wasserschlacht. Eine steife Brise tut ihr übriges dazu und treibt das Nass klatschend über die Insel der Inneren Hebriden. Aber was soll’s? So, als könne mich nichts erschüttern, kaufe ich mir erst einmal eine wetterfeste Karte des Weges, bevor ich in Broadford starte, und trotze in der folgenden Zeit stoisch den immer wiederkehrenden Regengüssen, stürmischen Winden und schmatzend feuchten Böden.

Färöer-Inseln: Wie eine Haifischflosse ragt die schroffe unbewohnte Insel aus den Fluten des Fjords Sørvágsfjørđur empor. Sie ist der größte Holm des Archipels und ihr Name Tindhólmur geht auf die zackenförmigen Gipfel Ytsti, Arni, Lítli, Breiđi und Bogdi zurück. Bizarr recken sie diese in den dunkel bewölkten Himmel und sorgen für die dramatische Form.

Schweden: Schnee bläst uns ins Gesicht. Fest verzurren wir die Kapuzen bei minus 14 Grad  und machen uns auf den Weg, den Tjäktjapasset zu überschreiten hinüber ins Tjäktjavagge. Das Weiß wirbelt über die Bergkämme, über denen sich ein fahler blauer Himmel wölbt. Die Sonne, die sich Mitte Dezember in der dunklen Polarnacht hinter dem Horizont verbirgt und nie zum Vorschein kommt, zaubert nur einen blassen Schein auf die wenigen Wolkenfetzen.

Island: Auf der Halbinsel Snæfellsnes biegen ab ins Lavafeld Neshraun und nehmen die holprige Piste zur Landspitze Öndverđarnes in Angriff. In wildem Zickzack fahren wir zwischen den erstarrten Lavagebilden hindurch bis hin zu einer Weggabelung. Rechts ab gelangen wir zu einem im Reiseführer ausgewiesenen Leuchtturm. Doch der entpuppt sich als wenig fotogenes kleines Häuschen. Also zurück. Von dort, wo sich der Weg gabelt, haben wir in die andere Richtung noch einen weiteren Leuchtturm erspäht. Einmal in der Nähe, kurven wir auch da näher ran – nur, um keine Gelegenheit auf ein lohnendes Fotomotiv einfach links liegen zu lassen. Und siehe da! Reizend steht der Leuchtturm Svörtuloft auf einer Anhöhe über dem Saxhólsbjarg.

Finnland: Die baumlosen, gerundeten Bergkuppen thronen düster über dem endlos scheinenden Wäldermeer, in dem sich dichtes Nadelgehölz mit lichten Baumbeständen aus Kiefern und Birken abwechselt. Während der Tage, in denen ich in diese urwüchsige Welt vordringe, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Voller Freude sauge ich alle Eindrücke auf, die sich entlang verwunschener Pfade nach jeder Biegung offenbaren.

Svalbard: Der Schnee ist tief. Die Last der Schlitten schwer. Doch die Szenerie ringsum entschädigt für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hat mich längst in seinen Bann gezogen. Über den Elfenbeinbreen erklimmen wir das Nordmannsfonna. Dort hält uns schlechtes Wetter am Berg Dolken gefangen. Stürmische Böen treiben Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft. Die Sicht schrumpft auf ein Minimum. Wir sitzen fest.

Norwegen: In Jotunheimen unternehmen wir eine Tagestour auf das Bitihorn und genießen die Aussicht über die Weite der Valdresflya auf der einen und die majestätischen Berggiganten der „Heimat der Riesen“ auf der anderen Seite. Beim Abstieg rutscht Selma auf dem Hosenboden die zahlreichen Schneefelder hinab und jauchzt: „Das ist klasse!“ Als Familie die Wildnis zu entdecken, ist das pure Glück!

Norwegen: Die Wolken lösen sich von Tag zu Tag mehr und mehr auf. Strahlend steht die Sonne am blauen Himmel und sendet zum Jahresausklang noch einmal sommerliche Wärme. Wir ergreifen die Chance und gelangen von der Appelsinhytta hinauf auf den Hardangerjøkulen, den sechstgrößten Gletscher des Landes, um diesen nicht nur zu umrunden, sondern auch zu überqueren. Dass uns dieses Schmankerl aufgetischt und dargereicht wird, ist kaum zu glauben. Wir erleben fantastische Stunden auf dem eisigen Plateau und folgen in den nächsten Tagen weiteren kaum begangenen Pfaden.

Grönland: Einen Tag verbringe ich am Hullet, diesem kaum in Worte zu packenden Chaos aus Eisbergen, einer Szenerie, so spektakulär und eindrücklich, wie ich es anderswo noch nie gesehen habe. Umgeben von Ausläufern des Inlandeises zieht mich dieser Ort so sehr in seinen Bann, dass ich mich nur schwer davon lossagen kann. Mystisch ist die Stimmung. Haushoch die auf Grund liegenden Eisgebilde.

Im Juni 2017 erschien das Fotobuch Mein Norden mit Bildern und Texten aller Reisen:

Limitiert auf 333 Exemplare, nummeriert und handsigniert
Format: 30×22 Zentimeter, Hardcover, 176 Seiten

Weitere Buchdetails und Bestellung im Shop.

Agfa, Fuji oder Kodak

Wie in meinem Workflow von A bis Z erleutert, bin ich in der Bildbearbeitung darauf aus, meinen digitalen Fotos filmischen Charme zu verleihen, um den reportagehaften Charakter meiner Bilder zu unterstreichen. Hier nutze ich die Presets von VSCO – Filmsimulation, die in Adobe Camera RAW direkt auf die RAW-Dateien angewendet werden.

„Im ersten Schritt wähle ich nach jeder Reise einen „Film“ aus, den ich für alle Aufnahmen der betreffenden Unternehmung verwende. Hier rufe ich mir Gegebenheiten und Empfindungen vor Ort in Erinnerung und entscheide mich dafür, was am besten passt. Um die Kargheit der arktischen Landschaft Svalbards ideal herauszuarbeiten, entschloss ich mich bei den Bildern der dort unternommenen Skitour beispielsweise für einen „Schwarz-Weiß-Film“ (Agfa Scala) bzw. eine Schwarz-Weiß-Bearbeitung. Einer Bilderserie aus der Polarnacht in Schweden habe ich nachher gröberes Korn verliehen, um die düstere nächtliche Stimmung zu unterstreichen.“

Natürlich habe ich Favoriten, die häufiger zum Einsatz kommen, wie den Fuji 160C oder den Kodak Portra 160. Doch bei meinem Fotoprojekt Mein Norden kamen von Reise zu Reise ganz unterschiedliche Presets nachträglich zum Einsatz. Mal geht es von den Farben knalliger zu, dann sind die Aufnahmen wiederum zurückhaltender.

Nachfolgend lüfte ich das Geheimnis, welche „Filme“ ich jeweils verwendet habe. Häufig griff ich dabei zu den abgeschwächten Minus-Versionen der betreffenden VSCO-Presets.

– Schweden und Norwegen 2012 – Kodak Portra 160 NC (minus) –
– Island 2013 – Fuji Superia 100 –
– Schottland 2013 – Fuji Superia 400 (minus) –
– Färöer-Inseln 2013 – Kodak TRI-X 400 (Farbbilder Fuji 160C) –
– Schweden 2013 – Fuji 160C (gröberes Korn) –
– Island 2014 – Kodak Portra 160 (minus) –
– Finnland 2014 – Fuji 800Z (minus) –
– Svalbard 2015 – Agfa Scala 200 (minus) –
– Norwegen 2015 – Fuji Astia 100F Portrait –
– Norwegen 2015 – Kodak Portra 400 VC (minus) –
– Grönland 2016 – Fuji 160C –

Die unterwegs gemachten „Ausgangsfotos“ sind nur die Rohmasse. Erst nachträglich versuche ich, einen Stil zu finden, der dem Erlebten und den Eindrücken vor Ort nahekommt. Dieser Stil muss die Realität auf keinen Fall eins zu eins wiedergeben, sondern er darf davon abweichen …

Mein Norden – Der Bildband

Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.

Im Juni 2017 erschien das Fotobuch Mein Norden mit Bildern und Texten aller Reisen:

Limitiert auf 333 Exemplare, nummeriert und handsigniert
Format: 30×22 Zentimeter, Hardcover, 176 Seiten

Weitere Buchdetails und Bestellung im Shop.

Habt Ihr auch Favoriten unter den „analogen“ Filmen? Berichtet gerne in den Kommentaren!

Mein Norden – Jetzt bestellen

Vor einer Woche war es soweit und mein Bildband Mein Norden wurde geliefert. Diese Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins!

„Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen.“

Über die Hintergründe meines Fotografieprojekts Mein Norden hatte ich hier schon berichtet. Und auf dieser Seite findet Ihr eine Auflistung aller zugehörigen Reisen. An dieser Stelle reichen daher die simplen Fakten zu diesem „Coffee-Table-Book“, wie Ihr sie auch im Shop findet.

Mein Norden – Der Bildband

Ausstattung
Format: 30×22 cm Querformat
Umfang: 176 Seiten
Abbildungen: 82 Farb- und 13 S/W-Fotos
Verarbeitung: Hardcover, Fadenheftung, Offsetdruck
Papier: LuxoArt Samt, 170 g/m², mit mattem Dispersionslack

Auflage
333 Exemplare, limitiert

Editionen
Standard Edition:
Buch #34 bis #333, nummeriert und handsigniert

Special Edition:
Buch #1 bis #33 mit beigelegtem Fine-Art-Print (ein Motiv aus dem Bildband), beides nummeriert und handsigniert
Print gedruckt auf Hahnemühle FineArt Pearl, Blattformat 29,5×21 cm, Bildformat 25,5×17 cm

Verkaufspreise
Standard Edition: 55 Euro
Special Edition: 99 Euro
(jeweils zzgl. Porto und Verpackung)

Die Special Edition ist bereits ausverkauft, aber die Standard Edition ist weiterhin erhältlich und kann hier bestellt werden.

> Zum Shop

Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Während meines Fotoprojekts Mein Norden kamen von Reise zu Reise unterschiedlichste Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild). Meistens griff ich zu einem Zoom oder zu Kombinationen aus Zooms, die ich ab und an noch mit einer einzelnen Festbrennweite ergänzte. Aber es gab auch Wander- und Skitouren, zu denen ich ausschließlich Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Reisen.

Nach Abschluss aller Unternehmungen war es interessant, zu sehen, welche Brennweiten und Objektivkombinationen am häufigsten zum Einsatz kamen. Die extremen Bereiche – Ultraweitwinkel und stärkeres Tele – habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich zwischen ca. 16/18 und 55 mm ab. Daher ist eigentlich das lichtstarke XF16-55mmF2.8 R LM WR Zoom eine gute Wahl, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einem Objektiv abdeckt. Aber ich mag das dicke Ding nicht so sehr und fotografiere ohnehin lieber mit FBs.

Die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich allerdings auch im Bildstil wieder. Dieser wird also nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Bei einem zukünftigen Fotoprojekt möchte ich mir diese „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Nur welche Festbrennweiten soll ich letztendlich nehmen?

Rückblicke und Erfahrungen

18, 35 und 60 Millimeter
Als ich 2012 zu Fuß und allein in Schweden und Norwegen durch Europas letzte Wildnis lief, hatte ich in den Regionen Sarek und Padjelanta nur das XF18mmF2 R, das XF35mmF1.4 R und das XF60mmF2.4 R Macro dabei – weitere Objektive gab es zu der Zeit für das X System ohnehin noch nicht. Das 35er war mir auf der Tour die liebste und meistgenutzte Linse. Diese Normalbrennweite – entsprechend ca. 50 mm an Kleinbild – passte gut zu den Motiven. Mit dem 18er hingegen wurde ich von Anfang an nie richtig warm, was sowohl am Bildwinkel als auch an der optischen Leistung lag, die mich nicht so richtig überzeugte. Das 60er war dafür ein schönes kürzeres Tele, aber langsam vom Autofokus her.

Als Fujifilm daraufhin die ersten Zooms herausbrachte, legte ich die Festbrennweiten vorerst auf Seite, und das XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS wurde für lange Zeit mein Brot- und Butter-Objektiv. Auf Outdoortouren ist ein Zoom einfach praktisch – lästige Objektivwechsel im Schneesturm oder unter anderen garstigen Bedingungen entfallen, und die wichtigsten Brennweiten sitzen immer an der Kamera. Die 18er-Festbrennweite kam seitdem nicht mehr zum Einsatz, auch nicht das 60er-Macro.

Doch irgendwann wurden mir die Zooms zu bunt. In der Zwischenzeit hatte ich auf einigen Reisen zusätzlich zum Standardzoom vereinzelt auch das XF10-24mmF4 R OIS und das XF55-200mmF3.5-4.8 R LM OIS eingesetzt, die das Fujinon-Sortiment mittlerweile erweiterten. Mir war das aber ein Zuviel an Möglichkeiten geworden, und ich wagte es ein zweites Mal, nur mit Festbrennweiten loszuziehen.

– Im Gleichgewicht – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1100 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Hunau-Turm – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1800 Sek, f 2.8, ISO 200 –

14, 23 und 56 Millimeter
Im Spätherbst 2014 streifte ich in Finnland durch den Urho-Kekkonen-Nationalpark und nahm nur das XF14mmF2.8 R, das XF23mmF1.4 R und das XF56mmF1.2 R mit. Und das war gut so. Müsste ich die Inselfrage beantworten, wäre sicherlich das 23er das Objektiv, das ich auswählen würde, wenn ich mich nur für eine einzige Brennweite entscheiden dürfte. Im Unterschied zum 35er ist es für mich universeller einsetzbar und entspricht in der Landschaftsfotografie eher dem, was ich sehe, wohingegen das Normalobjektiv in meinen Augen eine Szenerie bereits minimal telehaft verdichtet.

Das 14er, das ich auch zuvor schon mehrfach als Ergänzung zum Standard- und zum Telezoom dabei hatte, überzeugte mich aber nicht so recht. Wie schon beim 18er lag es auch hier an der Brennweite und der optischen Leistung. Die Bildqualität fand ich schlechter als beim 10-24er bei gleicher Brennweite. Und überhaupt, der Bildwinkel. Der große deutsche Naturfotograf Fritz Pölking sagte einst, ein Objektiv dieser Brennweite sei schnell geschwätzig, weil es einfach zu viel aufs Bild bringt, oft Unwichtiges. Ein „viel hilft viel“ ist hier häufig wenig zielführend auf dem Weg zu einem guten Bild. Daher habe ich das 14er, wie auch das 10-24er im extremen Brennweitenbereich, nur recht wenig benutzt.

Die 56er-„Porträt-Linse“, wie das 23er extrem lichtstark, war und ist allerdings ein feines Teil. Diesen leichten Telebereich setze ich gerne ein, um beispielsweise Details aus einer Landschaft herauszuarbeiten.

Weil Zooms jedoch, ich sagte es bereits, auf Wanderungen und Skitouren oftmals ihre Vorzüge haben, probierte ich auf zwei folgenden Reisen das lichtstarke 16-55er aus, um zu sehen, ob diese „Eier legende Wollmichsau“ für mich der Heilige Gral sein könnte. Was aber, wie eingangs schon erwähnt, nicht der Fall war. Zwar passt der Brennweitenbereich ziemlich perfekt, auch die Lichtstärke ist meistens ausreichend, aber der Funke sprang nie über. Ich sehnte mich bald erneut nach Festbrennweiten und unternahm einen dritten Versuch.

– Pusteblume – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/500 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Bokehlicious – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/125 Sek, f 2.8, ISO 1000 –

16, 23 und 56 Millimeter
Für meine Wanderungen durch das Johan Dahl Land, Qajuuttap Nunaa und das Mellemlandet auf Grönland im letzten Jahr packte ich dieses Mal neben dem XF23mmF1.4 R und dem XF56mmF1.2 R noch das XF16mmF1.4 R WR ein. 23er und 56er hatten sich ja bereits bewährt und waren auch auf dieser Reise verlässliche Begleiter. Und im ebenso lichtstarken 16er fand ich eine Ergänzung, die mir ideal erscheint, fängt das Objektiv doch diesen Tick weniger ein, den das 14er meist zu viel rumlabert.

Mit diesem Setup hatte ich mein Wunsch-Trio an Festbrennweiten gefunden. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Linsen von nun an loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Eine schöne Abrundung des „Dreigestirns“ ist als viertes Objektiv das XF35mmF2 R WR, das ich dem alten und lichtstärkeren 35er mittlerweile vorziehe. Das neue ist kompakter, leichter, schneller, wettergeschützt und sieht vor allem an der Fujifilm X-Pro2 viel schöner aus ;-) Abgesehen von ein paar Schwächen im Nahbereich und bei Offenblende hat es mich als Allrounder im klassischen Normalbereich, der für mich eher eine Art Option zwischen leichtem Weitwinkel und leichtem Tele darstellt, im vergangenen Herbst auf Texel bereits sehr überzeugt.

Eine Verlockung – die Fujicrons

23, 35 und 50 Millimeter
Ach ja, alles wäre so einfach, wenn es nicht doch noch eine Alternative gäbe. Seit einiger Zeit gibt es neben dem kleinen 35er zwei weitere Objektive mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Auch das XF23mmF2 R WR und das XF50mmF2 R WR sind vor allem im Gegensatz zu den lichtstarken 23er- und 56er-Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Mmh, für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll. Bei verschiedenen kürzeren Ausflügen habe ich sie bereits verwendet, um zu sehen, ob deren optische Leistung ausreichend ist. Für den „Hausgebrauch“ ist sie das allemal, aber wäre sie auch gut genug, um ein großes Fotoprojekt damit zu fotografieren, worüber nachher erneut ein Fotobuch erscheinen soll? Nun ja, ich denke schon. Und daher werde ich bei der nächsten großen Tour wahrscheinlich die drei schnuckeligen „Fujicrons“ – ergänzt allein mit dem lichtstarken 16er – in die Welt hinausführen und mit diesen Linsen alle Erlebnisse einfangen.

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Ich habe fertig (Teil 2)

– Mein Norden Druckabnahme –

Ich kann nichts mehr tun. Nur noch voller Spannung abwarten. Letzte Woche ging mein Bildband Mein Norden bei Seltmann Printart in Lüdenscheid in den Druck. Dabei zu sein und zu sehen, wie die ersten Druckbögen das Licht der Welt erblickten, war ein aufregendes Erlebnis. Nach all den Jahren des Reisens und den vielen Monaten Arbeit am Buch. Nicht mehr lange und ich werde richtig am Ziel sein, wenn das gute Stück auch in andere Hände gelangt. Dabei hatte ich schon Ende September fertig, aber da war ja bloß der erste Teil erledigt, als ich all die Abenteuer hinter mir hatte. Doch die vielfältigen Eindrücke zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, war eine ganz eigene Herausforderung, die dem Unterwegssein in der Wildnis kaum nachstand.

Von den Reisen zum Bildband

„One thing all good photobooks have in common is good photographs and something to say, says Parr. He continues, “You can have the language but nothing to say”.“ (Aus: The Golden Age of the Photobook)

Die Bildauswahl
Am Anfang stand die Bildauswahl. Ein anspruchsvolles Unterfangen, ist man als Fotograf doch oft sehr selbstverliebt in seine eigenen Aufnahmen. Es gilt Distanz zu erlangen, um die wesentlichen Fotos herauszufiltern und von den vermeidbaren zu trennen. Hier ging ich Schrittweise vor. Von jeder Reise gibt es ein Album auf Flickr. Doch darin stecken durchaus auch Bilder, die nicht „druckbar“ sind – zumindest im Kontext des anvisierten Buches. Zuerst bin ich daher all die Alben durchgegangen und habe die Fotos rausgesucht, von denen ich dachte, dass sie in den Bildband passen könnten. Diese Auswahlen habe ich anschließend billig im Format 10 x 15 cm in einem Drogeriemarkt ausdrucken lassen. Denn am Monitor kann man die Bilder für ein Buch nicht zusammenstellen – es braucht greifbares, was sich auf einem Tisch hin und her schieben lässt. Und richtig greifbar wurde es dann bei einem Bildkolloquium zum Thema Auswählen und Präsentieren bei Sebastian H. Schroeder in Köln. Während des zweitägigen Workshops im vorigen November lernte ich enorm viel – wie den Blick auf die eigenen Bilder zu schärfen und die Wichtigkeit der Selektion und richtigen Zusammenstellung der Fotos zu verstehen, genauso Klarheit, Struktur und Erzählweise weiter herauszuarbeiten, und die Bilder, die in ein Familienalbum passen, von den wirklich guten zu trennen ;-) Es wurde die Basis gelegt und die ersten Buchkapitel auch bereits grob zusammengestellt. Es folgte ein OpenTable im Dezember, wo ein weiteres Kapitel auf den Tisch kam und konstruktiv besprochen wurde. Nun hatte ich selbst einiges an Rüstzeug erlangt und machte mich erstmal allein daran, die restlichen Bilder fürs Buch auszuwählen und in eine stimmige Abfolge zu bringen. Aber an manchen Stellen war ich mir noch unsicher – es ist doch ganz schön schwierig, ohne den Input von Außen ans Ziel zu kommen. Doch zum Glück konnte ich Sebastian als Kurator gewinnen und so verbrachte ich Anfang Januar einen ganzen Tag in seinem Fotostudio, wo wir gemeinsam alle Kapitel noch einmal durchgegangen sind, Bilder umgestellt, rausgeworfen, oder doch (wieder) hinzugenommen haben. Am Ende stand nun ein runder, auf den Punkt gebrachter Bilderbogen, der alle Facetten meiner elf Reisen in den Norden widerspiegelt.

Die Texte
Auch wenn Mein Norden in erster Linie ein Bilderbuch ist, ist jedem Kapitel ein Text vorangestellt. Eine Geschichte, eine Anekdote, ein Erlebnis. Reise beschreibendes. Ich tippte und tippte, korrigierte und lektorierte. Der Duden war ständig zur Hand, um Fehler auszumerzen. Ich ließ auch hier andere drüber lesen, wird man doch bald Betriebsblind und erkennt gar nicht mehr, was für einen Quatsch man da vielleicht zusammenschreibt. Und am Ende kann ich gar nicht sagen, was die größere Anstrengung war – die Fotos zu machen, zu bearbeiten und auszuwählen, oder die Texte zu schreiben und auch diese stimmig auszuformulieren. Auf jeden Fall schwirrte mir oft der Kopf und ich hatte öfters das Gefühl, so manche Textpassage auswendig aufsagen zu können …

Die Gestaltung
Schließlich war das Layout und die Gestaltung des Buches der dritte Baustein, der ebensolche Sorgfalt verlangte wie die Auswahl der Bilder und das Schreiben der Texte. Zu meiner Freude waren auch hier Sebastian und sein Assistent Felix Adam mit von der Partie und wir machten uns gemeinsam daran, alles in eine druckbare Form zu bringen. Dabei war die Entscheidung, welche Bildgrößen am besten passend zum Buchformat sind, noch am schnellsten getroffen. Auch die Weißräume, die so wichtig sind fürs Auge und so häufig unterschätzt werden, hatten wir schon während der Phase der Bildzusammenstellung festgelegt. Nur welche der Fotos nun groß und welche klein ins Buch kommen sollen, mussten wir noch entscheiden. Aber auch das war entgegen der Textseiten eine eher offensichtliche und schnell erledigte Arbeit. Hingegen verschlang es ordentlich Zeit, sich mit dem Schrifttyp, der Schriftgröße, der Schriftfarbe, Blocksatz contra Flattersatz, Zeilenabstand und nicht zu vergessen der grundsätzlichen Positionierung der Texte zu beschäftigen. Neben allem anderen, was es da noch zu beachten gilt. Schließlich sollte das Layout der Textseiten zum Layout der Bildseiten passen. Nach einigen Versuchen fanden wir aber auch hier zu einer Lösung, die den Bildband Mein Norden sicherlich in allen Belangen zu einer runden Sache macht.

Und dann kam der Moment, wo nach Jahren, in denen mich die Fotos im RGB-Farbmodus begleitet haben, die Umwandlung in CMYK geschah. Doch auch das verlief ganz gut und die Bilder sahen am Monitor noch immer so aus, wie ich sie haben wollte. Mit einer „finalen“ Druckdatei in der Tasche – die bis zum letzten Tag vor Druckbeginn immer nochmal von kleinsten Fehlern befreit und in Feinheiten optimiert wurde -, konnte ich mich zu guter Letzt aufmachen zur Druckerei meines Vertrauens. Und Vertrauen war dort auch richtig nötig. Wie eingangs erwähnt, war ich zur Druckabnahme vor Ort und sah zu, wie die ersten Druckbögen gedruckt wurden. Mit einem Mal konnte ich verstehen, dass es Fotografen gibt, die den kompletten Druckprozess „überwachen“. Denn hier und da waren bei einzelnen Bildern noch Entscheidungen zu treffen à la etwas weniger Yellow, dafür vielleicht ein Tick mehr Cyan. Auf den allerletzten Metern wird selbst das professionellste Farbmanagement nahezu hinfällig und das Auge des Druckers (oder des Fotografen) entscheidet über das finale Ergebnis. Aufregung pur!

Mittlerweile sollte der Druck allerdings abgeschlossen sein und ich hoffe, dass alles so geworden ist, wie ich mir das vorstelle. Nun werden die unzähligen Druckbögen noch geschnitten und gefalzt und abschließend zu den Büchern gebunden, die ich dann voller Freude an alle verschicken werde, die bereits ein Exemplar bestellt haben oder noch bestellen werden …

Wer immer auf dem Laufenden sein möchte, wie es um den Fortgang der Buchproduktion steht, sollte mir auf Facebook folgen, wo ich alles zum Thema aktuell in die Welt posaune …

> Zum Shop

Seite 112...5...Letzte »