Rund um Ennepetal – 54 Kilometer in 12 Stunden 30. April 2010
Veröffentlicht von Martin Hülle in : Wandern , 2kommentare
- “Durst” -
Es war warm. Ein Sommertag im Frühling. Genau richtig, um eine lange Tageswanderung zu unternehmen … Oder etwa nicht? Früh brach ich gestern Morgen auf und fuhr mit der S-Bahn nach Schwelm. Mein Ziel für den Tag war mal wieder der Rundweg um Ennepetal, den ich zuvor schon 9x an einem Stück gelaufen bin. Über die Jahre ist der Weg zu meiner Hausstrecke geworden. Ich habe alle Passagen gut im Kopf, kenne die Auf- und Abstiege wie meine Westentasche. Doch weil der Weg so schön ist, in seinem Verlauf selten Straßen und Häuser tangiert, viel mehr die meiste Zeit durch Wälder, über Felder und an Talsperren entlang führt, laufe ich ihn immer wieder gerne. Dabei ist die Strecke anspruchsvoll. Zu den 54 Kilometern Länge, gesellen sich noch 1800 Höhenmeter hinzu, die hinauf und wieder hinunter bewältigt werden wollen. Vor einigen Jahren wollte ich es mal wissen, sehen was geht. Da bin ich den Rundweg nicht nur zügig abgewandert, sondern an manchen Stellen auch gelaufen. 7 Stunden und 55 Minuten betrug die Zeit nach dem Kraftakt. Diesmal wollte ich es gemütlicher angehen und die Runde möglichst locker hinter mich bringen. Die Zeit sollte nicht im Vordergrund stehen, nur ein langer Tag in der Natur. Ich rechnete mit 12 Stunden.
- “Am Weg” -Um 7.55 Uhr startete ich am Schloß Martfeld in Schwelm. Über die Höhen zog am Morgen noch ein frisches Lüftchen, das mich leichten Schrittes zum Bahnhof Ennepetal führte und dahinter in die Wälder eintauchen ließ. Doch im Laufe des Vormittages wurde es schnell wärmer. Bald stand die Luft zwischen den Bäumen, heizte mir die Sonne auf staubigen Feldwegen ein und der Schweiß rann munter an mir hinab. Ich hatte 3 Liter Wasser im Rucksack und in jeder Pause die Angst, ich würde zu große Schlucke nehmen und das kostbare Gut zu früh komplett in mich hinein kippen. An der Hasper Talsperre war daher die Versuchung groß, aus einem Hahn am Wegesrand zu trinken, der munter vor sich hin plätscherte. Doch die Warnung “Kein Trinkwasser” ließ mich im letzten Moment doch noch davon Abstand nehmen und mit zunehmend verstärkt am Gaumen klebender Zunge weiter ziehen.
- “Rast” -Irgendwo im Dunstkreis der Breckerfelder Straße, die ich oberhalb der Talsperre überquerte, lag wohl die Hälfte des Weges hinter mir. Mittlerweile zwickte es am rechten Fuß – eine Blase an der Ferse war im Anmarsch, die mir als neugewonnener Kompagnon auf dieser Wanderrunde noch einige Freude bereiten sollte. Noch trübte sich meine von der sommerlichen Wärme aufgeheizte Stimmung aber nicht allzu sehr und ich lief über Peddenöde, Burg und an Filde vorbei weiter zur Heilenbecker Talsperre. Darüber vergingen die Stunden, doch weitere Kilometer blieben. Langsam wurde es doch noch zu einer zähen Angelegenheit und der Glaube an eine lockere Runde schwand mehr und mehr. Entlang der Spreeler Mühle stieg ich ab zur Wupper und zum Beyenburger Stausee. Viele Kanuten tummelten sich auf dem Wasser, doch ich hatte kaum mehr einen Blick für sie. Nur noch das Ziel vor Augen, nahm ich die letzte Hürde in Angriff. Die Schwelmer Höhe galt es noch zu überwinden, bevor ich um 19:52 Uhr wieder am Schloß Martfeld eintrudelte.
Knapp 12 Stunden hatte ich gebraucht, so wie am Morgen anvisiert, doch es kostete mich mehr Anstrengung als erwartet. Muss an dem warmen Wetter gelegen haben, für das es wohl eine große Freude war, mich auszulaugen. Und weil eine kleine Blase kaum der Erzählung wert ist, entstand am Ende des Tages noch eine zweite unter dem linken Ballen. So nehmen beide Füße etwas mit nach Hause, worauf ich selber gut hätte verzichten können.
Der Jostedalsbreen, die Spalten und die Umkehr 23. April 2010
Veröffentlicht von Martin Hülle in : Reisen , einen kommentar schreiben
- “Småttene, Jostedalsbreen, Norwegen” -
Seit Mittwoch Abend bin ich aus Norwegen zurück, wo ich gemeinsam mit Christian Müller eine Überquerung des Jostedalsbreen unternehmen wollte (siehe auch Blog-Eintrag vom 08. April 2010). Schon der Anfang der Tour gestaltete sich schwierig – nur noch wenig Schnee lag in Pollfoss, unserem Ausgangspunkt. Wir mussten die komplette Ausrüstung – die Ski und das Essen für 10 Tage, einen Pulka-Schlitten, ein Seil und vieles mehr – erst einmal in mehreren Portagen bis nach Framrusteseter schleppen. Ab da lag eine geschlossene Schneedecke und wir erreichten von nun an auf Ski und mit der Pulka im Schlepp am Raudberget vorbei und über den zugefrorenen Raudalsvatnet den Fuß der Gletscherausläufer, von dem es 700 steile Höhenmeter hinauf bis an den Rand des weitläufigen Eisplateaus ging.
Zügig liefen wir von dort über den Sikilbreen und den Sygneskardbreen am Klubben vorbei bis nach Høgda, am Rande der Schlüsselstelle unserer geplanten Route gelegen – oberhalb des Lodalsbreen und gegenüber des Småttene Eisfalls, über den der Aufstieg auf das eigentliche Plateau des Jostedalsbreen führen sollte. Doch hier kam alles anders als gedacht und erwartet. Bei schönstem Wetter – Sonnenschein und angenehmen Temperaturen – standen wir auf dem steilen Gletscherhang Lodalsbrekka, der hinab zum Lodalsbreen führt. Und mussten schnell einsehen, dass der Weiterweg für uns zu riskant sein würde. Der Gletscherhang war durchzogen mit Spalten, die “normalerweise” zu dieser Jahreszeit mit Schnee bedeckt sein müssten und ein recht problemloses Weiterkommen an dieser Stelle ermöglichen sollten. Doch der schneearme Winter in Norwegen machte uns nun einen Strich durch die Rechnung. Der Blick hinüber zum Småttene war noch ernüchternder. Der Eisfall, der im Sommer als nahezu unpassierbar gilt, zeigte sich auch jetzt in weiten Teilen zerrissen und zerfurcht. Ohne die tragende Schneeauflage, die einen Aufstiegsweg zum Jostedalsbreen bilden sollte.
Eine Umkehr an dieser Stelle war unumgänglich. Einen alternativen Übergang zum Jostedalsbreen gibt es hier nicht. Zwar hatten wir ein Seil und Ausrüstung zur Sicherung dabei, doch nur zu zweit erschien uns der Weg mit all dem schweren Gepäck als zu gefährlich. Eventuell in einer Dreier-Seilschaft, nur mit Rucksäcken und ohne Pulka, so hätte man es wagen können auch bei diesen Bedingungen … Aber für uns Zwei war hier Schluss. Zähneknirschend drehten wir um. Und als sich auch ein Abstieg über den nahen Erdalsbreen hinab ins Erdalen vom Gipfel der Stornosa aus betrachtet als wenig gangbar erwies, blieb nur ein langer Rückweg nach Pollfoss.
Zu allem Überfluss änderte sich das Wetter. Aus Gut wurde Schlecht und in der Nähe der Leirvasshøi mussten wir drei Tage im Zelt in einem Schneesturm am Rande der Gletscher ausharren, bis wir wieder hinab steigen konnten aus den Regionen des ewigen Eises, zum Raudalsvatnet und zurück nach Pollfoss …
Bilder der Skitour wird es bald hier und auf meiner Website zu sehen geben. Und im StadtLandFlucht-Magazin wird eine ausführliche Geschichte der missglückten Jostedalsbreen-Überquerung folgen.
Jostedalsbreen – Aufbruch ins Eis 8. April 2010
Veröffentlicht von Martin Hülle in : Expeditionen, Reisen , 4kommentare
- “Høgste Breakulen, Jostedalsbreen, Sommer 2004″ -
Schon zweimal habe ich den Jostedalsbreen in Norwegen überquert. Den größten Gletscher auf dem europäischen Festland. Beide Male im Sommer – von Skei bis ins Stordalen. Heute Abend breche ich erneut in den Norden auf, um eine weitere Skitour über den Jostedalsbreen zu unternehmen. Diesmal jedoch im ausklingenden Winter. Gemeinsam mit Christian Müller werde ich bis nach Pollfoss anreisen, wo unsere Tour beginnen soll. Vorbei an der Skridulaupbu-Hütte wollen wir von dort die Nordausläufer des Gletschers erreichen und schließlich über den Småttene auf das eigentliche Plateau des Jostedalsbreen aufsteigen. Ziel ist die Flatbrehytta – hoch oben über dem Fjærlandsfjord.
Der Wetterbericht sieht für die kommenden Tage ganz gut aus. Sogar einige sonnige Tage und Minusgrade nur in den Nächten sind vorausgesagt. Aber das Wetter kann sich dort sehr schnell ändern und wir sind für alle winterlichen Eventualitäten gerüstet.
Auch das GPS-Gerät ist mit 18 Wegpunkten gefüttert, um uns selbst bei schlechter Sicht über das Dach Norwegens zu leiten. Josten på langs – gute 65 Kilometer über das Eis des Jostedalsbreen und der angrenzenden Gletscher stehen uns bevor. Eine perfekte Vorbereitung für meine dritte Grönland-Expedition in diesem Sommer. Und eine großartige Unternehmung in sich.