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Ein Fujifilm-Festbrennweiten-Update

– Store Mjølkedalsvatnet – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/210 Sek, f 11, ISO 200 –

Besonders auf Reisen ist es verlockend, nur mit einer kleinen Fotoausrüstung loszuziehen, um unbeschwert unterwegs zu sein. Schon seit ein paar Jahren habe ich mir daher die Not zur Tugend gemacht und fröne einem „Weniger ist mehr“.

Doch bevor ich seinerzeit mein Equipment abgespeckt habe, hatte ich mir nicht nur die Frage gestellt, welche Festbrennweiten von Fujifilm ich nehmen soll, sondern auch einige Gedanken zur Konzentration auf das Wesentliche gemacht. Nun möchte ich meine einstigen Überlegungen nochmals zusammenfassen und meine bisher gewonnenen Erfahrungen schildern.

Mein erster Bildband Mein Norden ist im Juni 2017 erschienen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins. Elf Reisen habe ich dafür in den Norden unternommen. Vier Jahre, in denen ich zu allen Jahreszeiten zu immer neuen Abenteuern aufgebrochen bin. Allein, mit Freunden und mit der Familie. Wanderungen und Skitouren, dokumentiert in Bildern und Texten, die Erlebnisse und Emotionen transportieren. Immer mit dabei: Meine Kamera und diverse Objektive, die viele verschiedene Brennweitenbereiche am APS-C X System von Fujifilm abdeckten – von 10 bis 200 Millimetern. Im Laufe der Zeit habe ich vieles ausprobiert, mal nur ein 18-55-mm-Zoom plus eventuell einer einzelnen Festbrennweite oder auch Kombinationen mehrerer Zooms. Doch während dieser Reisen in nordische Länder merkte ich schnell, dass trotz des breit aufgestellten Equipments die Resultate nicht automatisch besser wurden. Aber es gab auch Unternehmungen, auf die ich ausschließlich ein paar Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

– Trælanípa – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/10500 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Ling Hut – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/280 Sek, f 8, ISO 200 –

Eine Analyse der Bilder

Nach Abschluss dieser Fototouren zu Fuß und auf Skiern machte ich entlang meiner Bilder eine Analyse. Es war interessant zu sehen, welche Brennweiten am häufigsten zum Einsatz kamen: Die extremen Bereiche, also Ultraweitwinkel und stärkeres Tele, habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich bei mir zwischen 16/18 und 55 Millimetern ab. Daher könnte man meinen, ich müsste mit einem guten Zoom als alleiniges Objektiv bestens zurechtkommen – etwa mit dem Fujifilm XF16-55mmF2.8 R LM WR, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einer Optik vereint. Allerdings mag ich dieses dicke Ding nicht und ich habe ja zudem festgestellt, dass ich ohnehin mit Festbrennweiten viel lieber und bewusster fotografiere.

Den eigenen Bildstil fördern

Sich auf wenige Brennweiten zu beschränken, schlägt sich zudem im Bildstil nieder. Dieser wird nämlich nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung, den Auslösemoment und die Bildbearbeitung, sondern darüber hinaus auch in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und die dadurch häufigere und immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten führt auch dazu, dass sich der persönliche Stil stärker ausprägt, was den Wiedererkennungswert steigert.

Eine Handvoll Objektive

Diese „Verdichtung“ möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt zunutze machen und über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, ab und an vielleicht sogar nur zwei Objektiven. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, nur eine Festbrennweite mitzunehmen – ein Mindestmaß gestalterischer Abwechslung ist mir in jedem Fall wichtig. Doch welche Objektive kommen dafür infrage? Die Antwort darauf hatte ich recht schnell gefunden: ein Trio aus den 16-, 23- und 50- bzw. 56-mm-Optiken für das Fujifilm X System – umgerechnet ins Kleinbildformat also Objektive mit 24, 35 und 75 bzw. 85 mm. Vieles sprach dafür, primär mit diesen Linsen loszuziehen und so meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten. Denn ein Ziel meiner Fotografie ist es, meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in Bildern darzustellen und einzufangen. Der menschliche Blick entspricht ja in etwa dem Bildwinkel eines 50- oder 35-mm-Kleinbildobjektivs. Diesen Seheindruck möchte ich nur moderat erweitern und insofern mit allen verwendeten Brennweiten möglichst nahe an einer „natürlichen“ Darstellung bleiben. Also steckte ich den zu verwendenden Brennweitenbereich nach unten mit einem etwas stärkeren Weitwinkel und nach oben einem leichten Tele ab. Den geschwätzigen Aufnahmewinkel eines Ultraweitwinkels finde ich für meine Zwecke ebenso übertrieben und nicht „normal“ wie die sehr starke Verdichtung eines Superteles.

– Cerro Chalten („Der Rauchende“) – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1700 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Sommerbrücke – X-Pro2, XF16mmF2.8 R WR, 1/3200 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Erfahrungen aus bisherigen Reisen

Inzwischen habe ich schon mehrere auf diesen Ansatz gestützte Reisen unternommen. So kamen beispielsweise bei einer Fotoreise auf die Färöer-Inseln überwiegend die bewährten und lichtstarken 16er-, 23er- und 56er-Glasklötze mit Anfangsblenden von F1.4 bzw. F1.2 zum Einsatz. Auf dem Cape Wrath Trail in Schottland oder in den Bergen Patagoniens dagegen die kleineren und leichteren F2er-Alternativen, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Da es bei meinen Unternehmungen auf jedes Gramm Gewicht ankommt, sind diese Objektive natürlich sehr reizvoll. Und während mehrerer Wanderungen durch norwegische Nationalparks machte ich mir eine Kombinationen aus beiden Objektivreihen zunutze.

Nach den vielen gewonnenen Erfahrungen steht für mich allerdings außer Frage: Alle Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben. Daher ist es im Grunde egal, welche Objektive man einsetzt. Ob die schweren, lichtstarken und optisch feinsten Festbrennweiten oder die leichten, kleinen und etwas weniger scharfzeichnenden Modelle. Die Kompromisse, die man eingeht, haben letzten Endes keinen entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche Qualität der Fotos. Für mich bedeutet das, bei meiner Lieblingsbrennweite, dem 23er-Weitwinkel, bevorzugt zur lichtstarken F1.4er-Version zu greifen, da dieses Objektiv gegenüber der F2er-Variante einfach die „schönere“ Bildcharakteristik liefert. Bei den anderen Brennweiten, bei denen die Leistungsunterschiede ähnlich sind, entscheide ich je nach Reise und Unternehmung, wo die jeweiligen Prioritäten liegen – ob bei minimalem Gewicht oder maximaler Bildqualität.

Die Ausrüstung auf wenige Festbrennweiten zu reduzieren, dient vor allem der Konzentration auf das Wesentliche – sprich, die wenigen Objektive zu finden, die den Kern des eigenen Stils ideal befeuern, unterstützen und sichtbar machen. Eine begrenzte Auswahl an Brennweiten engt keineswegs meine Möglichkeiten ein, sondern fördert die Konzentration auf die Motive und reicht aus, um eine Reise zu dokumentieren.

Denn wie sagte schon der großartige Anton Corbijn: „Instead of having four lenses, use one or two … limit yourself and make that work, and you become far more inventive.”

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Oder greift Ihr nur zu Zooms? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?
> Konzentration auf das Wesentliche

Anhang – meine aktuellen Fujifilm-Festbrennweiten

  • XF16mmF1.4 R WR
  • XF23mmF1.4 R
  • XF56mmF1.2 R
  • XF16mmF2.8 R WR
  • XF23mmF2 R WR
  • XF35mmF2 R WR
  • XF50mmF2 R WR
  • XF27mmF2.8

Fotourlaub und Bewegungsdrang

– Allgäuer Alpen –

Es ist mal wieder an der Zeit etwas zu bloggen. Über die Lustlosigkeit zu fotografieren und die Lust sich zu bewegen. Aber der Reihe nach …

Diesen Sommer erlebte ich auf einem Familientrip nach Norwegen eine wunderbare Zeit, wo wir uns abseits aller Touristenströme in die wilde Natur schlugen:

„Morgennebel lag über der Landschaft. Nichts war zu sehen, kein Mucks zu hören. Wir saßen auf einem Stein, schlürften Kaffee und wagten es kaum zu reden. Die Ruhe des Augenblicks war betörend.

Nur ganz langsam schaffte es die Sonne, zu den Bergen und Seen vorzudringen und die Weite in goldenes Licht zu tauchen. Nahe der Krækkjahytta hatten wir unser Zelt für drei Nächte am Drageidfjorden aufgebaut. Von hier schlenderten wir entlang des Wassers, ließen die Seele baumeln und genossen unser Dasein auf der Hardangervidda.

Dabei versuchte ich, die Stille, die überall so gegenwärtig war, mit meiner Kamera einzufangen. Bereits in Jotunheimen, wo wir von Eidsbugarden ein paar Kilometer zum Store Mjølkedalsvatnet gelaufen waren, konnte ich ein Sinnbild der herrschenden Ruhe einfangen. Jeden Tag aufs Neue breitete sich dort der See, über dem die schroffen Berge des „Heims der Riesen“ thronten, spiegelglatt vor uns aus.

Ich legte mich zwischen Wollgras auf den Boden oder kauerte in einem Fluss hinter Steinen, um ganz nah hineinzugelangen in die Natur und sie unmittelbar einzubeziehen in die Bildkompositionen.

Ähnlich erging es uns auch in Skarvheimen, wo wir einen Temperatursturz mit Regen wegstecken mussten, der am Geiteryggvatnet nach einer Umrundung des Sees über uns hereinbrach und uns in die gemütliche Geiterygghytta zu Waffeln mit saurer Sahne und Marmelade trieb.

Wir dachten an all die Tage, in denen wir einfach da waren, an Ort und Stelle, und die uns immer wieder mit dem Gefühl von Freiheit und großer Zufriedenheit beschenkten.“

Wieder zu Hause von dieser Entspannungskur war ich voller Elan. Ich legte mir einen Plan zurecht und unternahm fortan regelmäßig kleinere und größere Tageswanderungen mit steigender Dauer und Intensität. Nicht, dass ich nicht schön früher viel draußen vor der Haustüre unterwegs gewesen wäre, aber jetzt machte mir das Outdoorleben fast noch mehr Freude als je zuvor. Ich konnte kaum genug bekommen, erledigte Schreibtischarbeiten mit einer gehörigen Portion Widerwillen und sehnte mich nach jedem neuen Ausflug in die Natur.

Fotourlaub in den Allgäuer Alpen

Umso willkommener die Herbstferien mit einer Reise in die Allgäuer Alpen. In Kornau am Rande von Oberstdorf hatten wir eine Ferienwohnung gemietet, von der wir jeden Tag aufbrachen in die Bergwelt. Das Wetter war herrlich und bescherte uns fast immerzu warme Temperaturen und Sonnenschein. Unterwegs zwischen Gipfeln und Graten wollte ich natürlich auch Fotos machen. Die Ausrüstung hatte ich abgespeckt – eine Fujifilm X-Pro2 samt 27er Pancake –, damit sie mir nicht im Wege war und ich sie immer griffbereit dabeihaben konnte. Also hängte ich mir die Kamera am ersten Morgen pflichtbewusst um den Hals, an dem wir mit der Gondel zur Bergstation des Nebelhorns fuhren und von dort den Rest zu Fuß über den Südgrat zum Gipfel stiegen. Doch schon hier merkte ich, wie meine fotografischen Ambitionen schwanden und ich die Berge lieber nur mit meinen Sinnen aufsaugen wollte anstatt sie laufend auch noch abzulichten. Immerhin knipste ich noch ein Bild eines stillstehenden Sesselliftes.

An den folgenden Tagen packte ich den Fotoapparat zwar noch jeden Morgen in den Rucksack, holte ihn aber unterwegs gar nicht mehr hervor. Ob der Weg hinauf zum Söllereck und von dort dem grasigen Grat folgend über den Schlappoldkopf und das Fellhorn bis zur Kanzelwand, die Tour am Heuberg entlang und vorbei an der unteren und oberen Walmendinger Alpe auf das Walmendinger Horn oder der Aufstieg auf das Hahnenköpfle mit einem kurzen Abstecher durch die Steilpassage am Hohen Ifen – alles brannte sich nur in meinem Kopf ein, wurde von mir aber nicht auf einen Chip gebannt.

Als ich dann zu einem wunderbar abenteuerlichen Soloausflug von Oberstdorf durch den Faltenbachtobel hinauf aufs Rubihorn aufbrach, nahm ich die Kamera gar nicht mehr mit. Ich wollte diesen Tag einfach nur ganz für mich haben. Und so stieg ich zuerst in weniger als zwei Stunden die über 1.000 Höhenmeter vom Talgrund zum Gipfel des Rubihorn empor, von wo aus ich den langen Kamm hinüber zum Nebelhorn in Angriff nahm. Auf diesem wohl einsamsten Aufstieg hinauf auf den so viel besuchten Aussichtsgipfel sind ein paar kleinere Kletterstellen und exponierte Passagen zu bewältigen, die meine ganze Aufmerksamkeit erforderten. Den höchsten Punkt des felsigen Gaisalphorns erreichte ich mithilfe eines herabhängenden Drahtseiles und einer über einem Abgrund emporstrebenden Leiter. Die Überschreitung des anschließenden Geißfußes war etwas einfacher und brachte kurzzeitige Erholung, bevor am Geißfußsattel der Grat über den Gundkopf auf das Nebelhorn begann. Gelegentlich wurde hier nach Handarbeit verlangt, doch faszinierende Tiefblicke auf die beiden Gaisalpseen entschädigten für alle heiklen Stellen. Ich saugte jeden Schritt, jeden Griff auf und war fast schon traurig, nach wenig mehr als vier Stunden gesamter Aufstiegszeit am Gipfel des Nebelhorns zwischen unzähligen Ausflüglern anzukommen.

Zum Abschluss unserer Herbstferienwoche besuchten wir noch einmal das Walmendinger Horn und liefen von dort zur Ochsenhofer Scharte und wanderten bei ausnahmsweise wolkig-nebligem Wetter über die Kühgund Alpe zur Fiderepasshütte und vorbei an der Inneren Kuhgeren Alpe retour zur Bergstation Kanzelwand.

Die Fotografie in dieser Zeit einmal links liegen zu lassen, war eine Wohltat. Denn kurz nach unserer Rückkehr aus den Bergen hieß es für mich, eine nächste Fotoreise zu leiten, bei der tagein tagaus das Bildermachen wieder absolute Priorität haben würde. Aber auch während der Zeit auf den Färöer-Inseln, in denen wir viele kleinere Ausflüge in Dörfer, an Steilklippen und zu Wasserfällen unternahmen, hätte ich gerne den einen oder anderen Gipfel erklommen, so ungestillt war nach wie vor mein Drang, mich auszutoben.

Flach dahin und hoch hinaus

Zurück von den Schafsinseln nahm ich daher schnell wieder Fahrt auf, drehte Runden durch die heimischen Wälder und fing auch mit Kletterei nach langer Zeit mal wieder etwas ernsthafter an, bis mich eine fiebrige Erkältung kurzerhand ausbremste. Einige Tage musste ich zähneknirschend die Füße stillhalten, erst dann konnte ich weiter meinem Bewegungsdrang frönen und selbst daheim durch Klettersteige kraxeln.

Aber wie macht Ihr das? Habt Ihr die Kamera immer dabei oder macht Ihr auch mal Fotourlaub?

Warum die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist

Bei der diesjährigen Ausgabe der Nordische Momente – Lofoten Masterclass hatte ich die Möglichkeit, mit der Fujifilm GFX 50R zu fotografieren und zum ersten Mal einen Ausflug ins Mittelformat zu unternehmen. Dabei erinnere ich mich noch gut daran, wie ich bereits in den Anfangstagen meines fotografischen Werdegangs die Nase an diesem Format platt drückte. Dank eines gut gefüllten Materialschranks meines Vaters hatte ich zwar schon früh Zugriff auf eine Menge Nikon-Ausrüstung, doch über das Kleinbildformat ging es dort nicht hinaus. In der Schule war ich allerdings in der Foto-AG und unser Lehrer besaß eine Hasselblad – einen dieser ikonischen Würfel aus der V-Serie. Doch so sehr ich immer wieder von einer eigenen Hasselblad träumte, blieb ich analog immer nur beim kleineren Format. Daran änderte sich auch in der Digitalzeit nichts, wo ich es ebenfalls nicht über das Vollformat aka Kleinbild hinausschaffte.

Erst als X-Fotograf und aufgrund meiner Zusammenarbeit mit Fujifilm ergab sich die Chance, Mittelformatluft zu schnuppern und zu sehen, ob das, vom dem ich früher so oft geträumt hatte, etwas für mich (und meine aktuelle Arbeitsweise) sein könnte. Bereits im vorigen Jahr hatten wir die GFX 50S mit mehreren Objektiven bei unserer ersten Fotoreise auf die Lofoten mit dabei. Doch damals war sie für die Teilnehmer reserviert, die damit nach Herzenslust fotografieren durften. Mich sprach das recht klobige Gehäuse seinerzeit allerdings gar nicht so an, was sich jedoch beim Schwestermodell 50R sofort änderte, welches Fujifilm auf der letzten photokina präsentierte und das ich dort sofort sehr interessiert befummelte. Schließlich ist die 50R im Rangefinderlook gestaltet (wofür auch das R im Namen steht) und kommt daher meinem Liebling aus dem X System, der X-Pro2, viel näher als die 50S. Voller Spannung machte ich mich daher im letzten März auf in den Norden Norwegens – von Fujifilm für den Fototrip ausgestattet mit der GFX 50R und den beiden Festbrennweiten GF45mmF2.8 R WR und GF63mmF2.8 R WR, den aktuell kleinsten und leichtesten Objektiven aus dem GFX System.

Eine Eingewöhnungsphase hatte ich nicht, war ich doch nur wenige Tage zuvor aus Patagonien zurückgekehrt, wo ich noch mit der X-Pro2 fotografiert hatte. Einmal ausgepackt, konfigurierte ich das Menü der GFX 50R nur fix so, wie auch meine Kameras aus dem X System eingestellt sind (sofern sich das 1:1 übertragen ließ). Dann machte ich mich auf den Weg und sprang ins kalte Wasser. Die ersten Aufnahmen an einem sehr windigen Tag, an dem es kaum möglich war, ruhig zu stehen, wurden auch prompt nix – sie waren verwackelt und unscharf. Ich brauchte doch etwas Zeit, um mich an den „entschleunigten“ Fotografieprozess zu gewöhnen. Ich hatte den Eindruck einer „verzögerten“ Auslösung und musste mich erst herantasten an ein stimmiges Zusammenspiel aus passenden Verschlusszeiten und einem korrekten stillhalten der Kamera, ohne zu früh zu verreißen.

Doch nach diesem Kaltstart wurden wir bald warm miteinander und ich kam mit der 50R nicht nur gut zurecht, es machte vor allem auch sehr viel Freude, mit ihr unterwegs zu sein. Mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten ist die Kamera für ein Mittelformatmodell noch immer recht kompakt. Zudem liegt sie sehr gut in der Hand und besonders der Sucher ist fantastisch. Von der bestechenden Bildqualität ganz zu schweigen – die steht natürlich außer Frage!

So zog ich mit unserer Fotogruppe bei Wind und Wetter über die Inselgruppe der Lofoten, trotzte eisigen Minusgraden und heftigen Schneestürmen. Ich machte Aufnahmen vom Meer, Fischköpfen und einem am Straßenrand abgestellten Tresor. Und fragte mich dabei immer wieder, ob die GFX 50R, deren Leistungsfähigkeit unbestreitbar ist, für mich und meine Fotografie ein nächster Schritt, eine erstrebenswerte Weiterentwicklung sein könnte.

Doch wieder daheim, und nach der Bearbeitung der mitgebrachten Bilder, konnte ich die Kamera ohne Wehmut wieder abgeben. Klar, im ersten Moment, in dem ich mir wieder „APS-C-Bilder“ ansah, dachte ich mir, diese unglaubliche Auflösung des Mittelformats müsse ich nun unbedingt dauerhaft haben, zeichnet das „mickrige“ Format des X Systems doch so viel weniger Details auf. Aber wie sieht das ganze mit etwas Abstand aus? Mit einem Blick auf alle für mich relevanten Aspekte? Und da kam ich zu dem Schluss, dass die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist …

– In Henningsvær – GFX 50R, GF45mmF2.8 R WR, 1/550 Sek, f 4, ISO 100 –
– Am Strand von Flakstad – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 8, ISO 250 –

Dreimal Contra

Das Gewicht und die Größe
Bekanntlich bin ich meist zu Fuß unterwegs und schleppe auf vielen meiner Touren nicht nur den Fotokrämpel, sondern auch alle für das Überleben in der Wildnis notwendige Ausrüstung mit mir rum. Auch deshalb fröhne ich dem Motto der Konzentration auf das Wesentliche. Und selbst wenn ich momentan immer nur mit wenigen Festbrennweiten losziehe, so benötige ich dennoch ein Mindestmaß an Vielfalt – beim X System bewege ich mich da zwischen 16 und 50/56 Millimetern. Zwar erwähnte ich weiter oben bereits, dass die GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten (entsprechend einem 23er und 35er im X System bzw. 35 und 50 mm beim Kleinbildformat) noch recht kompakt ist, aber dieses minimale Setup bringt bereits 1.670 Gramm auf die Waage, hingegen die X-Pro2 sogar mit den drei lichtstarken und verhältnismäßig schweren XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R nur 1.575 Gramm.

Darüber hinaus fehlt im GFX System ein äquivalent zu der von mir im X System geliebten 16-mm-Brennweite (24 Millimeter an Kleinbild). Für das Mittelformat gibt es jenseits des 45ers nur das GF23mmF4 R LM WR (entsprechend 18 mm an KB), das mir nicht nur zu weitwinklig ist, sondern das auch groß und schwer daherkommt. Daneben ist das GF110mmF2 R LM WR zwar eine dem XF56er vergleichbare Brennweite (beide ca. 85 mm KB), aber mit 2,5-fachem Gewicht.

Nicht zu unterschätzen auch der Volumenanstieg der Ausrüstung. Die 50R mit den zwei kleinen FBs nahm in der Fototasche etwa so viel Raum ein wie zwei X-Pro2 mit drei Objektiven. Meine Vorgehensweise, alles, was ich brauche, in einer Tasche griffbereit zu tragen, würde mit dem GFX-Modell nur zusammen mit der rudimentärsten Objektivbestückung funktionieren. Von einer zusätzlichen Backup-Kamera ganz zu schweigen …

Unterm Strich wäre für meine Art der Fotografie das Mittelformat aufgrund des Gewichts und der Größe nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn ich mich bei den Objektiven noch weiter reduzieren könnte, als ich es beim X System ohnehin schon tue. Also auf maximal zwei Festbrennweiten.

Der Preis
Ich sag ja immer: „Die Fotoausrüstung muss bezahlbar sein.“ Und wenn man die Fotografie beruflich betreibt, meine ich damit natürlich auch das Verhältnis zu dem, was man mit seiner Tätigkeit verdient. Durchaus renommierte Magazine zahlen teilweise nur lächerliche 50 Euro pro Seite. Und selbst wenn man darin eine tolle 14-seitige Reportage hat, kann sich jeder ausrechnen, was das für ein mickriges Honorar ergibt.

Allein die bereits genannte Kombi aus der GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten schlägt schon mal mit ca. 7.900 Euro zu Buche (Listenpreis). Die X-Pro2 mit den drei 16-, 23- und 56-mm-Objektiven kostet dafür nur ca. 4.550 Euro (da könnte man sogar eine zweite Backup-Kamera hinzunehmen und läge weiterhin deutlich unter den Kosten für das größere Format). Greift man beim X System gar zu den „Fujicrons“, geht es noch günstiger (und nochmals leichter und kleiner) – dafür müsste man für die schon erwähnten GF23- und GF110-mm-Linsen weitere fast 5.800 Euro zahlen.

Und auch hier ist eine Backup-Kamera (zweites GFX-Modell) oder ein Backup-System (zumindest eine Kamera aus dem X System mit einem Objektiv) noch nicht eingerechnet …

Für mich heißt das, dass eine Anschaffung des GFX Systems finanziell im Grunde nicht zu rechtfertigen wäre, muss ich doch schließlich zuallererst die Reisekosten stemmen, um dann überhaupt erstmal fotografiach aktiv werden zu können.

Die Bildqualität
Ja, die ist fantastisch! Selbst weit hineingezoomt in ein Bild sind so viele Details zu erkennen – einfach toll. Aber brauche ich das wirklich? Momentan nicht. Auch bei meinem aktuellen Projekt – bei dem es mir wie bereits bei Mein Norden nicht um absolute Perfektion geht, sondern darum, Erlebnisse und Emotionen sichtbar zu machen – gleicht mein Stil eher „rotziger Reportage“ anstatt „stylischen Beautyfotos“. Die Bilder aus der GFX 50R waren mir schon fast zu gut, schlägt mein Herz doch viel mehr für schmuddelige Analogaufnahmen als das überreine Digitalzeugs …

Für Magazinveröffentlichungen und Buchpublikationen ist ein kleineres Format sowieso ausreichend. Nur im Hinblick auf wirklich große Prints hat das größere Ausgangsformat natürlich Vorteile.

– Ramberg – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/500 Sek, f 5.6, ISO 250 –
– Brandung – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 5.6, ISO 640 –

Fazit

Eins vorweg: Ich prangerte ein wenig den Preis des GFX Systems an – das gilt jedoch nur aus meinem Blickwinkel. Wer Mittelformat braucht, ist hier bestens aufgehoben und findet in dem System (wie auch im neuen Topmodell GFX 100) eine Ausrüstung mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis!

Für meine Zwecke ist die wunderschöne GFX 50R aktuell aber überdimensioniert. Das gilt für das Projekt, an dem ich gerade noch arbeite, und sicherlich auch für das folgende, das mir bereits im Kopf umherschwirrt und bei dem ich mit dem kompakteren und leichteren X System weiterhin besser bedient sein werde. Aber man soll bekanntlich niemals nie sagen – und wer weiß, vielleicht ist ein GFX-Modell mit ein oder zwei Festbrennweiten irgendwann genau das, was ich brauche …

Bleibt Ihr auch noch beim X System oder seid Ihr schon zum GFX System gewechselt? Berichtet gerne in den Kommentaren!

> Bildergalerie Norwegen, 2019, Nordische Momente – Lofoten Masterclass

Vollendung

– Qajuuttaq –

Ich quere zwei zerrissene Gletscherzungen und finde fast nicht mehr heraus aus dem Wirrwarr aus Spalten und tiefen Rissen. Wegloses Gelände meistere ich über mehr Stein als Stock und rutsche mit einem Fuß in ein tiefes Loch, aus dem ich mich zum Glück wieder befreien kann. Aber trotz aller Schwierigkeiten geht mein Plan einer Rundtour auf. Von Narsarsuaq, dem Dreh- und Angelpunkt in Südgrönland, wage ich mich in die wilde Welt, in der ich elf Tage lang keine andere Menschenseele treffe. Durch das Blomsterdalen laufe ich zum Gletscher Kuussuup Sermia, über dessen eisige Zunge ich hinein gelange ins Johan Dahl Land. Weiter geht es zum Nordbosø und dem darüber aufragenden Valhaltinde. Meine Idee, diesen Berg bei gutem Wetter zu besteigen, verwerfe ich zugunsten eines Tages, den ich am Hullet verbringe, diesem kaum in Worte zu packenden Chaos aus Eisbergen, einer Szenerie, so spektakulär und eindrücklich, wie ich es anderswo noch nie gesehen habe. Umgeben von Ausläufern des Inlandeises zieht mich dieser Ort so sehr in seinen Bann, dass ich mich nur schwer davon lossagen kann. Doch es folgen weitere Highlights. Nachdem ich auch den Gletscher Kuukuluup Sermia überschritten habe, kann mich aufkommender Hagel nicht davon abhalten, nach einem schönen Zeltplatz zu suchen. Meine Beharrlichkeit wird hoch auf einem Bergrücken belohnt mit einer Panoramaaussicht über den Nordbosø und den darin kalbenden Nordbogletscher. Zurück im Tal des Flusses Qinngua liegt der schwerste Teil hinter mir. Von nun an zeichnen sich zumindest ab und an schmale Pfadspuren ab, denen ich durch dichtes, hartes Gebüsch folge. So erreiche ich auch die Bucht Qajuuttaq am Fjord Eqalorutsit Kangilliit. Nach der schroffen Bergwelt eine willkommene Abwechslung. Ich genieße mein stilles Dasein in der Einsamkeit, bevor ich schließlich am Tasiusaq eintreffe. Es ist ein erhabenes Gefühl, dort auf das im Wasser dümpelnde Eis zu schauen und zu wissen, nach all der langen Zeit so gut wie am Ziel zu sein. Okay, ein paar Kilometer bis zum Endpunkt meiner Wandertour liegen noch vor mir, auch ein Kurztrip ins Mellemlandet steht noch aus, aber die große Runde durch das Johan Dahl Land ist fast beendet. Von Qassiarsuk, wo ich am vierzehnten Tag eintrudele, rufe ich Jacky von Blue Ice Explorer an. Kurz darauf holt er mich mit seinem Boot ab. Fünf Minuten dauert die Überfahrt über den Tunulliarfik, den Eriksfjord, und ich bin zurück in Narsarsuaq. Ein Traum ist Wirklichkeit geworden.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-Pro2 und dem XF16mmF1.4 R WR, dem XF23mmF1.4 R sowie dem XF56mmF1.2 R

– Hullet –
– Hullet und Sydgletscher –
– Tasiusaq –
– Qooqqut –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Grönland, 2016, Mein Norden // Vollendung

Ut på tur, aldri sur

– Rembesdalskåka –

Der skandinavische Herbst ist bereits weit fortgeschritten, als wir eines Abends Mitte Oktober den Bahnhof Finse verlassen. So spät im Jahr rechnen wir mit garstigem Wetter – feuchter Witterung, niedrigen Temperaturen und dem ersten Schnee. Dennoch ist eine Umrundung des Hardangerjøkulen unser Ziel. Im Schein der Stirnlampen tasten wir uns nach hereinbrechen der Nacht in finstrer Dunkelheit zum ersten Lagerplatz – noch in keiner Weise ahnend, dass sich mit Beginn des nächsten Morgen eine Tourenwoche entfaltet, die zu den schönsten gehört, die wir je im Fjell erleben dürfen. Die Wolken, welche die Bergmassive zum Start noch umhüllen, lösen sich von Tag zu Tag mehr und mehr auf. Strahlend steht die Sonne am blauen Himmel und sendet zum Jahresausklang noch einmal sommerliche Wärme. Wir ergreifen die Chance und gelangen von der Appelsinhytta hinauf auf den sechstgrößten Gletscher des Landes, um diesen nicht nur zu umrunden, sondern auch gleich zu überqueren. Dass uns dieses zusätzliche Schmankerl aufgetischt und dargereicht wird, ist kaum zu glauben … Nach fantastischen Stunden auf dem eisigen Plateau folgen wir in den nächsten Tagen kaum begangenen Pfaden zur Demmevasshytta, die wie ein Adlerhorst über einer zerrissenen Gletscherzunge thront. Weiter geht es von dort meist querfeldein zurück Richtung Finse. Das Wetter hält und von all dem, was wir befürchtet haben, fehlt jede Spur. Ein „Regen, Wind, wir lachen drüber!“, bleibt uns erspart. Stattdessen Bilderbuchstimmung par excellence. Also steigen wir zum Ende unserer Rundtour dem Gletscher kurzerhand nochmals aufs Dach. Wir wollen es uns bei diesen traumhaften Bedingungen nicht nehmen lassen, die letzte Übernachtung hoch oben in der Jøkulhytta zu verbringen … Getreu dem norwegischen Sprichwort „Ut på tur, aldri sur“, ist alles gut geworden. Aber selbst wenn es durchgehend gehagelt und gepfiffen hätte – egal was kommt, in der Natur unterwegs zu sein, bringt immer gute Laune.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF10-24mmF4 R OIS sowie dem XF16-55mmF2.8 R LM WR

– Gletscherkante –
– Vestra Leirebottsskåka –
– Rembesdalskåka –
– Jøkulhytta –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Norwegen 2015, Mein Norden // Ut på tur, aldri sur