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Warum die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist

Bei der diesjährigen Ausgabe der Nordische Momente – Lofoten Masterclass hatte ich die Möglichkeit, mit der Fujifilm GFX 50R zu fotografieren und zum ersten Mal einen Ausflug ins Mittelformat zu unternehmen. Dabei erinnere ich mich noch gut daran, wie ich bereits in den Anfangstagen meines fotografischen Werdegangs die Nase an diesem Format platt drückte. Dank eines gut gefüllten Materialschranks meines Vaters hatte ich zwar schon früh Zugriff auf eine Menge Nikon-Ausrüstung, doch über das Kleinbildformat ging es dort nicht hinaus. In der Schule war ich allerdings in der Foto-AG und unser Lehrer besaß eine Hasselblad – einen dieser ikonischen Würfel aus der V-Serie. Doch so sehr ich immer wieder von einer eigenen Hasselblad träumte, blieb ich analog immer nur beim kleineren Format. Daran änderte sich auch in der Digitalzeit nichts, wo ich es ebenfalls nicht über das Vollformat aka Kleinbild hinausschaffte.

Erst als X-Fotograf und aufgrund meiner Zusammenarbeit mit Fujifilm ergab sich die Chance, Mittelformatluft zu schnuppern und zu sehen, ob das, vom dem ich früher so oft geträumt hatte, etwas für mich (und meine aktuelle Arbeitsweise) sein könnte. Bereits im vorigen Jahr hatten wir die GFX 50S mit mehreren Objektiven bei unserer ersten Fotoreise auf die Lofoten mit dabei. Doch damals war sie für die Teilnehmer reserviert, die damit nach Herzenslust fotografieren durften. Mich sprach das recht klobige Gehäuse seinerzeit allerdings gar nicht so an, was sich jedoch beim Schwestermodell 50R sofort änderte, welches Fujifilm auf der letzten photokina präsentierte und das ich dort sofort sehr interessiert befummelte. Schließlich ist die 50R im Rangefinderlook gestaltet (wofür auch das R im Namen steht) und kommt daher meinem Liebling aus dem X System, der X-Pro2, viel näher als die 50S. Voller Spannung machte ich mich daher im letzten März auf in den Norden Norwegens – von Fujifilm für den Fototrip ausgestattet mit der GFX 50R und den beiden Festbrennweiten GF45mmF2.8 R WR und GF63mmF2.8 R WR, den aktuell kleinsten und leichtesten Objektiven aus dem GFX System.

Eine Eingewöhnungsphase hatte ich nicht, war ich doch nur wenige Tage zuvor aus Patagonien zurückgekehrt, wo ich noch mit der X-Pro2 fotografiert hatte. Einmal ausgepackt, konfigurierte ich das Menü der GFX 50R nur fix so, wie auch meine Kameras aus dem X System eingestellt sind (sofern sich das 1:1 übertragen ließ). Dann machte ich mich auf den Weg und sprang ins kalte Wasser. Die ersten Aufnahmen an einem sehr windigen Tag, an dem es kaum möglich war, ruhig zu stehen, wurden auch prompt nix – sie waren verwackelt und unscharf. Ich brauchte doch etwas Zeit, um mich an den „entschleunigten“ Fotografieprozess zu gewöhnen. Ich hatte den Eindruck einer „verzögerten“ Auslösung und musste mich erst herantasten an ein stimmiges Zusammenspiel aus passenden Verschlusszeiten und einem korrekten stillhalten der Kamera, ohne zu früh zu verreißen.

Doch nach diesem Kaltstart wurden wir bald warm miteinander und ich kam mit der 50R nicht nur gut zurecht, es machte vor allem auch sehr viel Freude, mit ihr unterwegs zu sein. Mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten ist die Kamera für ein Mittelformatmodell noch immer recht kompakt. Zudem liegt sie sehr gut in der Hand und besonders der Sucher ist fantastisch. Von der bestechenden Bildqualität ganz zu schweigen – die steht natürlich außer Frage!

So zog ich mit unserer Fotogruppe bei Wind und Wetter über die Inselgruppe der Lofoten, trotzte eisigen Minusgraden und heftigen Schneestürmen. Ich machte Aufnahmen vom Meer, Fischköpfen und einem am Straßenrand abgestellten Tresor. Und fragte mich dabei immer wieder, ob die GFX 50R, deren Leistungsfähigkeit unbestreitbar ist, für mich und meine Fotografie ein nächster Schritt, eine erstrebenswerte Weiterentwicklung sein könnte.

Doch wieder daheim, und nach der Bearbeitung der mitgebrachten Bilder, konnte ich die Kamera ohne Wehmut wieder abgeben. Klar, im ersten Moment, in dem ich mir wieder „APS-C-Bilder“ ansah, dachte ich mir, diese unglaubliche Auflösung des Mittelformats müsse ich nun unbedingt dauerhaft haben, zeichnet das „mickrige“ Format des X Systems doch so viel weniger Details auf. Aber wie sieht das ganze mit etwas Abstand aus? Mit einem Blick auf alle für mich relevanten Aspekte? Und da kam ich zu dem Schluss, dass die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist …

– In Henningsvær – GFX 50R, GF45mmF2.8 R WR, 1/550 Sek, f 4, ISO 100 –
– Am Strand von Flakstad – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 8, ISO 250 –

Dreimal Contra

Das Gewicht und die Größe
Bekanntlich bin ich meist zu Fuß unterwegs und schleppe auf vielen meiner Touren nicht nur den Fotokrämpel, sondern auch alle für das Überleben in der Wildnis notwendige Ausrüstung mit mir rum. Auch deshalb fröhne ich dem Motto der Konzentration auf das Wesentliche. Und selbst wenn ich momentan immer nur mit wenigen Festbrennweiten losziehe, so benötige ich dennoch ein Mindestmaß an Vielfalt – beim X System bewege ich mich da zwischen 16 und 50/56 Millimetern. Zwar erwähnte ich weiter oben bereits, dass die GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten (entsprechend einem 23er und 35er im X System bzw. 35 und 50 mm beim Kleinbildformat) noch recht kompakt ist, aber dieses minimale Setup bringt bereits 1.670 Gramm auf die Waage, hingegen die X-Pro2 sogar mit den drei lichtstarken und verhältnismäßig schweren XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R nur 1.575 Gramm.

Darüber hinaus fehlt im GFX System ein äquivalent zu der von mir im X System geliebten 16-mm-Brennweite (24 Millimeter an Kleinbild). Für das Mittelformat gibt es jenseits des 45ers nur das GF23mmF4 R LM WR (entsprechend 18 mm an KB), das mir nicht nur zu weitwinklig ist, sondern das auch groß und schwer daherkommt. Daneben ist das GF110mmF2 R LM WR zwar eine dem XF56er vergleichbare Brennweite (beide ca. 85 mm KB), aber mit 2,5-fachem Gewicht.

Nicht zu unterschätzen auch der Volumenanstieg der Ausrüstung. Die 50R mit den zwei kleinen FBs nahm in der Fototasche etwa so viel Raum ein wie zwei X-Pro2 mit drei Objektiven. Meine Vorgehensweise, alles, was ich brauche, in einer Tasche griffbereit zu tragen, würde mit dem GFX-Modell nur zusammen mit der rudimentärsten Objektivbestückung funktionieren. Von einer zusätzlichen Backup-Kamera ganz zu schweigen …

Unterm Strich wäre für meine Art der Fotografie das Mittelformat aufgrund des Gewichts und der Größe nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn ich mich bei den Objektiven noch weiter reduzieren könnte, als ich es beim X System ohnehin schon tue. Also auf maximal zwei Festbrennweiten.

Der Preis
Ich sag ja immer: „Die Fotoausrüstung muss bezahlbar sein.“ Und wenn man die Fotografie beruflich betreibt, meine ich damit natürlich auch das Verhältnis zu dem, was man mit seiner Tätigkeit verdient. Durchaus renommierte Magazine zahlen teilweise nur lächerliche 50 Euro pro Seite. Und selbst wenn man darin eine tolle 14-seitige Reportage hat, kann sich jeder ausrechnen, was das für ein mickriges Honorar ergibt.

Allein die bereits genannte Kombi aus der GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten schlägt schon mal mit ca. 7.900 Euro zu Buche (Listenpreis). Die X-Pro2 mit den drei 16-, 23- und 56-mm-Objektiven kostet dafür nur ca. 4.550 Euro (da könnte man sogar eine zweite Backup-Kamera hinzunehmen und läge weiterhin deutlich unter den Kosten für das größere Format). Greift man beim X System gar zu den „Fujicrons“, geht es noch günstiger (und nochmals leichter und kleiner) – dafür müsste man für die schon erwähnten GF23- und GF110-mm-Linsen weitere fast 5.800 Euro zahlen.

Und auch hier ist eine Backup-Kamera (zweites GFX-Modell) oder ein Backup-System (zumindest eine Kamera aus dem X System mit einem Objektiv) noch nicht eingerechnet …

Für mich heißt das, dass eine Anschaffung des GFX Systems finanziell im Grunde nicht zu rechtfertigen wäre, muss ich doch schließlich zuallererst die Reisekosten stemmen, um dann überhaupt erstmal fotografiach aktiv werden zu können.

Die Bildqualität
Ja, die ist fantastisch! Selbst weit hineingezoomt in ein Bild sind so viele Details zu erkennen – einfach toll. Aber brauche ich das wirklich? Momentan nicht. Auch bei meinem aktuellen Projekt – bei dem es mir wie bereits bei Mein Norden nicht um absolute Perfektion geht, sondern darum, Erlebnisse und Emotionen sichtbar zu machen – gleicht mein Stil eher „rotziger Reportage“ anstatt „stylischen Beautyfotos“. Die Bilder aus der GFX 50R waren mir schon fast zu gut, schlägt mein Herz doch viel mehr für schmuddelige Analogaufnahmen als das überreine Digitalzeugs …

Für Magazinveröffentlichungen und Buchpublikationen ist ein kleineres Format sowieso ausreichend. Nur im Hinblick auf wirklich große Prints hat das größere Ausgangsformat natürlich Vorteile.

– Ramberg – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/500 Sek, f 5.6, ISO 250 –
– Brandung – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 5.6, ISO 640 –

Fazit

Eins vorweg: Ich prangerte ein wenig den Preis des GFX Systems an – das gilt jedoch nur aus meinem Blickwinkel. Wer Mittelformat braucht, ist hier bestens aufgehoben und findet in dem System (wie auch im neuen Topmodell GFX 100) eine Ausrüstung mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis!

Für meine Zwecke ist die wunderschöne GFX 50R aktuell aber überdimensioniert. Das gilt für das Projekt, an dem ich gerade noch arbeite, und sicherlich auch für das folgende, das mir bereits im Kopf umherschwirrt und bei dem ich mit dem kompakteren und leichteren X System weiterhin besser bedient sein werde. Aber man soll bekanntlich niemals nie sagen – und wer weiß, vielleicht ist ein GFX-Modell mit ein oder zwei Festbrennweiten irgendwann genau das, was ich brauche …

Bleibt Ihr auch noch beim X System oder seid Ihr schon zum GFX System gewechselt? Berichtet gerne in den Kommentaren!

> Bildergalerie Norwegen, 2019, Nordische Momente – Lofoten Masterclass

Vollendung

– Qajuuttaq –

Ich quere zwei zerrissene Gletscherzungen und finde fast nicht mehr heraus aus dem Wirrwarr aus Spalten und tiefen Rissen. Wegloses Gelände meistere ich über mehr Stein als Stock und rutsche mit einem Fuß in ein tiefes Loch, aus dem ich mich zum Glück wieder befreien kann. Aber trotz aller Schwierigkeiten geht mein Plan einer Rundtour auf. Von Narsarsuaq, dem Dreh- und Angelpunkt in Südgrönland, wage ich mich in die wilde Welt, in der ich elf Tage lang keine andere Menschenseele treffe. Durch das Blomsterdalen laufe ich zum Gletscher Kuussuup Sermia, über dessen eisige Zunge ich hinein gelange ins Johan Dahl Land. Weiter geht es zum Nordbosø und dem darüber aufragenden Valhaltinde. Meine Idee, diesen Berg bei gutem Wetter zu besteigen, verwerfe ich zugunsten eines Tages, den ich am Hullet verbringe, diesem kaum in Worte zu packenden Chaos aus Eisbergen, einer Szenerie, so spektakulär und eindrücklich, wie ich es anderswo noch nie gesehen habe. Umgeben von Ausläufern des Inlandeises zieht mich dieser Ort so sehr in seinen Bann, dass ich mich nur schwer davon lossagen kann. Doch es folgen weitere Highlights. Nachdem ich auch den Gletscher Kuukuluup Sermia überschritten habe, kann mich aufkommender Hagel nicht davon abhalten, nach einem schönen Zeltplatz zu suchen. Meine Beharrlichkeit wird hoch auf einem Bergrücken belohnt mit einer Panoramaaussicht über den Nordbosø und den darin kalbenden Nordbogletscher. Zurück im Tal des Flusses Qinngua liegt der schwerste Teil hinter mir. Von nun an zeichnen sich zumindest ab und an schmale Pfadspuren ab, denen ich durch dichtes, hartes Gebüsch folge. So erreiche ich auch die Bucht Qajuuttaq am Fjord Eqalorutsit Kangilliit. Nach der schroffen Bergwelt eine willkommene Abwechslung. Ich genieße mein stilles Dasein in der Einsamkeit, bevor ich schließlich am Tasiusaq eintreffe. Es ist ein erhabenes Gefühl, dort auf das im Wasser dümpelnde Eis zu schauen und zu wissen, nach all der langen Zeit so gut wie am Ziel zu sein. Okay, ein paar Kilometer bis zum Endpunkt meiner Wandertour liegen noch vor mir, auch ein Kurztrip ins Mellemlandet steht noch aus, aber die große Runde durch das Johan Dahl Land ist fast beendet. Von Qassiarsuk, wo ich am vierzehnten Tag eintrudele, rufe ich Jacky von Blue Ice Explorer an. Kurz darauf holt er mich mit seinem Boot ab. Fünf Minuten dauert die Überfahrt über den Tunulliarfik, den Eriksfjord, und ich bin zurück in Narsarsuaq. Ein Traum ist Wirklichkeit geworden.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-Pro2 und dem XF16mmF1.4 R WR, dem XF23mmF1.4 R sowie dem XF56mmF1.2 R

– Hullet –
– Hullet und Sydgletscher –
– Tasiusaq –
– Qooqqut –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Grönland, 2016, Mein Norden // Vollendung

Ut på tur, aldri sur

– Rembesdalskåka –

Der skandinavische Herbst ist bereits weit fortgeschritten, als wir eines Abends Mitte Oktober den Bahnhof Finse verlassen. So spät im Jahr rechnen wir mit garstigem Wetter – feuchter Witterung, niedrigen Temperaturen und dem ersten Schnee. Dennoch ist eine Umrundung des Hardangerjøkulen unser Ziel. Im Schein der Stirnlampen tasten wir uns nach hereinbrechen der Nacht in finstrer Dunkelheit zum ersten Lagerplatz – noch in keiner Weise ahnend, dass sich mit Beginn des nächsten Morgen eine Tourenwoche entfaltet, die zu den schönsten gehört, die wir je im Fjell erleben dürfen. Die Wolken, welche die Bergmassive zum Start noch umhüllen, lösen sich von Tag zu Tag mehr und mehr auf. Strahlend steht die Sonne am blauen Himmel und sendet zum Jahresausklang noch einmal sommerliche Wärme. Wir ergreifen die Chance und gelangen von der Appelsinhytta hinauf auf den sechstgrößten Gletscher des Landes, um diesen nicht nur zu umrunden, sondern auch gleich zu überqueren. Dass uns dieses zusätzliche Schmankerl aufgetischt und dargereicht wird, ist kaum zu glauben … Nach fantastischen Stunden auf dem eisigen Plateau folgen wir in den nächsten Tagen kaum begangenen Pfaden zur Demmevasshytta, die wie ein Adlerhorst über einer zerrissenen Gletscherzunge thront. Weiter geht es von dort meist querfeldein zurück Richtung Finse. Das Wetter hält und von all dem, was wir befürchtet haben, fehlt jede Spur. Ein „Regen, Wind, wir lachen drüber!“, bleibt uns erspart. Stattdessen Bilderbuchstimmung par excellence. Also steigen wir zum Ende unserer Rundtour dem Gletscher kurzerhand nochmals aufs Dach. Wir wollen es uns bei diesen traumhaften Bedingungen nicht nehmen lassen, die letzte Übernachtung hoch oben in der Jøkulhytta zu verbringen … Getreu dem norwegischen Sprichwort „Ut på tur, aldri sur“, ist alles gut geworden. Aber selbst wenn es durchgehend gehagelt und gepfiffen hätte – egal was kommt, in der Natur unterwegs zu sein, bringt immer gute Laune.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF10-24mmF4 R OIS sowie dem XF16-55mmF2.8 R LM WR

– Gletscherkante –
– Vestra Leirebottsskåka –
– Rembesdalskåka –
– Jøkulhytta –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Norwegen 2015, Mein Norden // Ut på tur, aldri sur

Das ist klasse!

– Femundsee –

Anfang Juli machen wir uns auf den Weg. Vier Regionen in Norwegen sind unser Ziel, die wir intensiv erleben wollen. Auf Wanderungen in die Bergwelt mit Rucksack, Zelt und allem drum und dran. Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen – es ist eine neue Herausforderung für uns. Tagein tagaus auf Tour sein. In der Pfanne Rührei mit Zwiebeln braten und Trek’n Eat aus Beuteln futtern. Über schmale Pfade laufen und über rauschende Bäche springen. Der Natur noch näher kommen als während unserer Familienreisen in den letzten Jahren … In der Femundsmarka fahren wir bei bestem Wetter mit der Fähre Fæmund II von Elgå nach Røa. Als wir von dort losziehen, plagen uns die Mücken. Selma erwischt es besonders schlimm, und wir haben das Gel gegen Juckreiz im Auto vergessen. Da sind wir froh, als wir aus dem Wald in höhere Lagen vordringen, wo ein steter Wind bläst, der die stechenden Biester vertreibt. Doch oberhalb der Baumgrenze schlägt das Wetter um, und wir sitzen zwei Tage bei Regen und stürmischem Wind im Zelt fest. Zum Glück haben wir einige Spiele dabei – Mensch ärgere Dich nicht, Farm Yatzy und Elfer raus! –, da wird uns nicht langweilig. Im Dovrefjell sehen wir Moschusochsen und schlagen am größtenteils zugefrorenen Istjørni zwischen viel Geröll unser Basislager zu Füßen der Snøhetta auf. Trotz tiefhängender Wolken hat das karge Ambiente seinen Reiz. In Jotunheimen unternehmen wir eine Tagestour auf das Bitihorn und genießen die Aussicht über die Weite der Valdresflya auf der einen und die majestätischen Berggiganten der „Heimat der Riesen“ auf der anderen Seite. Beim Abstieg rutscht Selma auf dem Hosenboden die zahlreichen Schneefelder hinab und jauchzt dabei: „Das ist klasse!“ Danach stapfen wir von der Sognefjellshytta zum Fuß des Fannaråken, erkunden die Gegend um den Fannaråkbreen, und wir klettern auf die vielen großen Felsblöcke, die rund um unser Zelt liegen. Und zu guter Letzt brechen wir auf in die Region Stølsheimen. Ein Glücksgriff. Zwar ist das Gelände anspruchsvoll mit vielem Auf und Ab, dazu pfadlosen Abschnitten samt Felspassagen, aber wir begegnen niemandem und tauchen so richtig ein in die Natur, genauso, wie wir es uns zuvor ausgemalt hatten. Es ist die beste Unternehmung der ganzen Reise … Unser Fazit: Als Familie die Wildnis zu entdecken, ist das Schönste, was wir gemeinsam erleben können!

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF16-55mmF2.8 R LM WR

– Istjørni –
– Bitihorn –
– Kiefer –
– Wegmarkierung –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Norwegen 2015, Mein Norden // Das ist klasse!

I Like to Ski

– Klauvbreen und Moskushornet –

Ende März fliegen wir nach Svalbard, um ein Abenteuer auf Spitzbergen zu erleben. In Longyearbyen empfängt uns ein strammer Wind, bevor wir bei ruhigerem Wetter aufbrechen in die Berg- und Gletscherwelt. Wir laufen weit hinein ins Adventdalen, am Janssonhaugen und der Innerhytta vorbei, bis zum Fuße des Drønbreen. Hinauf geht es von dort über den Gletscher zu einem Pass. Der Schnee ist tief. Die Last der Schlitten schwer. Doch die Szenerie ringsum entschädigt für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hat mich längst in seinen Bann gezogen. Wir marschieren weiter durch das Lundströmdalen, den Såtebreen empor und folgen dem Sveigbreen in einem Bogen ins Agardhdalen. Dann erklimmen wir über den Elfenbeinbreen das Nordmannsfonna. Dort hält uns schlechtes Wetter am Berg Dolken gefangen. Stürmische Böen treiben Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft. Die Sicht schrumpft auf ein Minimum. Wir sitzen fest. Und da ist er dann. Dieser Schmerz. Er kommt aus dem Nichts. Und bleibt. Wohl ein eingeklemmter Nerv!? Vom Nacken ziehen die Schmerzen über die Schulter bis in den linken Oberarm. Aber noch habe ich Hoffnung. Also halten wir erst mal an unserem Plan fest, packen zusammen und wandern weiter. So schaffen wir es bis ins Sabine Land. Doch dann kommt der Tag, an dem wir unterhalb des schroffen Moskushornet über den Klauvbreen steigen. Der Nerv im Arm schreit immer lauter auf, und ich krümme mich immer mehr. Uns weiter von der Zivilisation zu entfernen, ist sinnlos. Auf kürzestem Weg zurückzukehren nach Longyearbyen, ist die letzte Herausforderung der Tour. In zwei langen Tagen eilen wir über den Rabotbreen hinab ins faszinierend weite Sassendalen und durchs Eskerdalen und Adventdalen wieder zum Ausgangspunkt. Das klappt überraschend gut und im Stillen frage ich mich, ob ich zu früh klein beigegeben habe. Doch es ist die richtige Entscheidung – zu Hause diagnostiziert der Orthopäde ein HWS-Syndrom, und es folgen mehrere Wochen Physiotherapie, um die Muskeln zu lockern und die Schmerzen zu lindern.

(I Like to Ski ist ein Song der norwegischen Band Polkabjørn & Kleineheine, deren Mitglied Bjørn Tomren ich einmal im Winter auf der Hardangervidda traf.)

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF10-24mmF4 R OIS sowie dem XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS

– Rabotbreen –
– Såtebreen –
– Elfenbeinbreen –
– Adventdalen –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Svalbard 2015, Mein Norden // I Like to Ski