Radfahren

Über die Balkantrasse zum Rhein (und zurück)

Über die Balkantrasse zum Rhein, Foto: Martin Hülle

Nachdem ich hier in der letzten Woche von der Faszination Schotterfahrrad berichtet hatte, habe ich vorigen Samstag an einer RTF teilgenommen. Bei der 34. Ausgabe von „Rund um Hattingen“ wollte ich mal sehen, ob ich mit meinem Gravelbike unter all den Rennrädern mithalten kann. Zu meiner Freude klappte das auf der gut 72 Kilometer langen Runde mit ihren fast 900 Höhenmetern ganz gut – mit einem Schnitt von 26,7 km/h war ich flott dabei, verlor in rasanten Abfahrten zwar ab und an den Anschluss, konnte in Steigungen aber immer wieder gut aufschließen.

Dieses sportliche Asphaltabenteuer war aber eher ein Spaß am Rande, eine seltene Möglichkeit, angetrieben durch die anderen Radlerinnen und Radler, auf Gedeih und Verderb zu versuchen, schnell zu fahren. Macht man so allein ja doch eher nicht. Außerdem gehe ich ja aktuell noch lieber auf Entdeckungstour und erkunde für mich neue Streckenmöglichkeiten, bei denen zwar die gefahrene Distanz interessant ist, die dafür benötigte Zeit aber weniger. Daher nahm ich mir gestern den Panorama-Radweg Balkantrasse zur Brust – einmal aus der Hügellandschaft des Bergischen zur Tiefebene des Rheins. Auch wenn die Trasse des einstigen „Balkanexpress“, wie die ehemalige Bahnlinie im Volksmund genannt wurde, nur zwischen Leverkusen -Opladen und Remscheid-Lennep verläuft, existiert eine „Verlängerung“ bis nach Wupertal-Oberbarmen. Ich kann quasi von der Haustüre losfahren …

Und so machte ich es. Am frühen Vormittag setzte ich mich aufs Rad, folgte zuerst der Schwarzbachtrasse nach Langerfeld, kurvte hinüber nach Laaken und bog dort ab ins Marscheider Tal. Hier stand mir gleich der größte Brocken des ganzen Tages bevor. Doch ich kurbelte den Berg recht locker hinauf, selbst wenn mir der Schweiß dennoch fix auf der Stirn stand. Vielleicht war es die aufkommende Wärme, die mich oben in Lüttringhausen gleich eine Abzweigung verpassen ließ. Aber schnell bemerkte ich meinen Fehler, warf einen Blick auf die Karte auf dem Telefon, drehte um und war rasch wieder auf dem rechten Weg über die Olper Höhe.

Einmal in Lennep und drauf auf der eigentlichen Balkantrasse, lief von da an (erstmal) alles wie geschmiert. Über Bergisch Born, Wermelskirchen und Burscheid strampelte ich im Sausewind bis nach Opladen. Nur um dort an der Abzweigung zur Wuppermündung in den Rhein vorbeizufahren – meinem Tagesziel. Von hier an musste ich mehrmals die Karte bemühen, um auch das letzte Stück erfolgreich hinter mich zu bringen. Ausschilderung und Routenverlauf fand ich in dieser Ecke nicht so ganz eindeutig …

An der Wuppermündung in den Rhein

Nach diesem letzten und etwas zeitfressenden Abschnitt war ich dann aber da an der Mündung der Wupper in den Rhein. Meinen Blick über die Gewässer schweifend, machte ich erstmal eine wohlverdiente Pause, aß einen Riegel, eine Banane und ein paar Nüsse und spülte alles mit viel Wasser hinunter. Die Sonne knallte mittlerweile ganz schön. Davon ließ ich mich aber nicht abhalten, im Anschluss an die Erfrischung meine Fujifilm X-E4 im Gras aufzustellen und per Intervallaufnahme mit Timer einige Bilder von mir samt meinem Focus Atlas zu machen. Es brauchte einige Versuche, bis ich einigermaßen zufrieden war, denn immer wieder fuhren Schiffe störend im Hintergrund den Rhein hinauf oder hinunter, oder eine Frau hielt sich mit ihren zwei Hunden für meinen Geschmack allzu lange in „meinem“ Areal auf. Doch schließlich hatte ich das Zielfoto im Kasten.

Wobei, Ziel? Eher Halbzeit, denn ich wollte ja auch wieder nach Hause radeln, also die komplette Strecke wie gekommen auf gleichem Wege wieder zurück. Zum Glück hatte ich mir das Zickzack von der Trasse hierher, das mich auf dem Herweg etwas ausgebremst hatte, gut gemerkt. Fix war ich deshalb zurück auf der Strecke des Balkanexpress. Nur geriet mein Express von dort an ein wenig ins Stocken. Plötzlich tat mir der Hintern weh, ab und an ein Fuß und zu allem Übel musste ich ja nun aus der Rheinebene wieder empor in höhere Lagen. Das ging zwar bahntypisch sehr milde aufwärts, aber von alleine rollte nun trotzdem nichts mehr. Ich musste ordentlich in die Pedale treten, um zurückzugelangen zum höchsten Punkt.

Durchhalten statt Fotos machen

Eigentlich hatte ich vor, mich auf der Bahntrasse nochmals in Szene zu setzen und ein Foto davon zu machen, wie ich munter auf meinem Gravelbike durch die Natur fahre. Doch zu weiteren Experimenten mit Kamera, Timer und Intervallen – noch dazu mit mir als sich dann bewegendem Objekt – hatte ich keine Muße. Lieber sah ich zu, Strecke zu machen. Ländliches Idyll und städtisches Leben zogen erneut an mir vorbei. So richtig genießen konnte ich das jetzt aber nicht mehr. Ich war froh, als ich zurück war in Lennep und nur noch ein bisschen Auf und Ab folgte, bevor ich mich das Marscheider Tal hinabstürzen konnte. Was am Morgen schweißtreibend daherkam, war jetzt in Gegenrichtung eine belohnende Abfahrt.

Nach knapp fünf Stunden Fahrtzeit war ich schließlich zurück, während derer ich 111 km unter die Räder genommen hatte. Einmal über die Balkantrasse zum Rhein und zurück – eine Ausfahrt, die am Ende allerdings anstrengender daherkam als zuvor gedacht. Aber egal, denn trotz allem war es eine herrliche Tour zur Mündung der Wupper in den Rhein … Und ganz passend dazu habe ich bereits ein nächstes Fahrtziel ausgeheckt – die Radroute Wasserquintett, die mich an der Quelle der Wupper (dort Wipper genannt) vorbeiführen würde. So könnte ich dann nach dem Ende auch zum Anfang meines Heimatflusses radeln. Also, ich mach mich schon mal wieder startklar ;-)

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