Radfahren

Radroute Wasserquintett

Radroute Wasserquintett, Foto: Martin Hülle

Vor zwei Wochen war ich ja über die Balkantrasse zum Rhein (und zurück) gefahren. Eine herrliche Tour zur Wuppermündung, zu der ich ganz passend schnell ein nächstes Fahrtziel ausgeheckt hatte – und zwar die Radroute Wasserquintett, die mich an der Quelle der Wupper (dort Wipper genannt) vorbeiführen würde. So könnte ich nach dem Ende dann auch zum Anfang meines Heimatflusses radeln.

Gesagt, getan habe ich das Vorhaben gestern verwirklicht und die Runde durchs Bergische Land unter die Räder genommen. Die Streckenlänge wird meistens mit ca. 75 Kilometern angegeben, allerdings kamen bei mir noch der Hin- und Rückweg dazu. Also machte ich mich früh auf den Weg und strampelte um 08:09 Uhr los. Zuerst nach Langerfeld, Beyenburg, Dahlhausen. Dahinter hinauf gen Radevormwald, wo ich nach knapp 21 km auf die Bergerhofer Bahntrasse und die Wasserquintett Radroute stieß. Die morgendliche Kühle war bis dorthin bereits verschwunden und ich musste ein Langarmshirt gegen etwas kurzärmeliges tauschen. Danach konnte es so richtig losgehen …

Wo geht’s lang?

Auf dem folgenden Stück war die Beschilderung mancherorts jedoch mäßig und ich kam des Öfteren aus dem Tritt. Noch in Radevormwald nahm ich eine falsche Abbiegung und radelte auf paralleler Strecke zurück statt weiter voran. Doch bevor ich wieder an meinem Einstiegspunkt in die Tour war, bemerkte ich den Fehler. Von da an hatte ich mein Mobiltelefon samt Karte der Route immer griffbereit, war nämlich noch häufiger ein kurzer Check vonnöten. Am Lenker habe ich nur einen einfacheren Distanz- und Geschwindigkeitsmesser montiert – ein Gerät mit Kartenfunktion hätte mir hier gute Dienste geleistet.

Denn schon kurz darauf auf dem Weg nach Schwenke verpasste ich eine weitere Abzweigung, weil die Wegweiser oft klein, ausgeblichen oder verwirrend waren. Aber auch hier fielen mir die Zusatzmeter zum Glück bald auf, ich fuhr geschwind retour und bog korrekt ab. Von da an lief es besser über die Höhen des Bergischen Landes. Ein stetes Auf und Ab führte mich über Anschlag und Kreuzberg bis nach Rönsahl und Gogarten, bei dem ich meine Blicke von den Hügeln über Täler und Felder schweifen ließ, den Fahrtwind in den Abfahrten genoss und einige Kraft in die Anstiege investieren musste.

Die Fünf-Talsperren-Route

Die Kerspetalsperre hatte ich mittlerweile bereits passiert, nur gehört diese gar nicht zu den namengebenden fünf Talsperren des Wasserquintett. Erst die Bruchertalsperre, auf die ich bald darauf hinter Marienheide einen Blick werfen konnte, ist Teil des Fünfergespanns, zudem darüber hinaus Lingese-, Neye-, Bever- und Wuppertalsperre gehören. Wobei der Radweg allerdings nur an zweien direkt entlang führt. Aber zuerst ging es über Müllenbach hinauf nach Dannenberg, dem mit 460 Metern höchsten Punkt der Themenroute. Doch da es auf jeden Anstieg auch wieder hinab gehen muss, war auch hier die folgende Abfahrt nach Börlinghausen und zur Wipperquelle ein Genuss. Die Quelle des Flusses, der im weiteren Verlauf zur Wupper wird, verbirgt sich hingegen unscheinbar am Dorfrand. Daher hielt ich mich dort nicht lange auf und sah zu, zur Lingesetalsperre zu gelangen. Mit dem Rad ein Katzensprung, dem entlang des Gewässers eine schöne Gravelpassage folgte.

Mittlerweile hatte ich über 70 km in den Beinen und ich war mir nicht sicher, ob die in den Routenbeschreibungen ausgewiesene Streckenlänge überhaupt stimmen würde. Denn abzüglich meiner Anfahrt und der kleineren Verhauer sah mir das ganze mittlerweile doch nach etwas mehr aus. Umso froher war ich, bei Schmitzwipper auf ehemalige Bahntrassen zu gelangen, die mich von da an schneller, und ohne für eine Weile nach dem rechten Weg suchen zu müssen, voranbrachten. Auch am Schnitt konnte ich hier etwas tun, obwohl der Wind natürlich immer aus der falschen Richtung blies und mich ab und an etwas ausbremste. Dennoch spulte ich den Abschnitt über die Hansestadt Wipperfürth bis nach Hückeswagen in ordentlichem Tempo ab und gelangte so zur heimischen Wuppertalsperre, wo nach vielem Asphalt erneut einige Schotterabschnitte für willkommene Abwechslung sorgten.

Endspurt

Das ruppige Terrain links und rechts der Talsperre war eine letzte Herausforderung, bevor ich hinter der Kräwinklerbrücke zurück auf die Bergerhofer Bahntrasse einbog, auf der ich am Morgen auch in die Radroute Wasserquintett eingestiegen war. Und siehe da: Schwups darauf schloss sich der Kreis und ich war zurück am „Start“, mit der Erkenntnis, dass die Tour wohl eher 80 als 75 km lang ist. Aber das war mir vollkommen egal, ich fühlte mich noch immer gut, stürzte mich erstmal in die Abfahrt heimwärts runter nach Dahlhausen, bevor ich am Beyenburger Stausee noch eine spannendere Alternativstrecke bis Kemna einstreute, um auf dem Weg nach Hause nicht nur öde der Hauptstraße zu folgen.

Um kurz vor 16 Uhr war ich schließlich wieder daheim. 125 Kilometer hatte ich insgesamt zurückgelegt, über 1.200 Höhenmeter absolviert und fast sechs Stunden im Sattel verbracht. Ein toller Fahrradtag war mal wieder wie im Flug vergangen. Und das Wasserquintett? Das werde ich bestimmt noch einmal mit dem Gravelbike abfahren. Denn jetzt kenne ich ja jede Abzweigung und könnte ohne all die Navigationszwischenstopps, die den Fahrradfluss mitunter etwas stören, einfach „durchbrausen“ …

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