Stockholm

Nordischer Stadtbummel – Stadtansichten der schwedischen Metropole

Text und Fotos: Martin Hülle

“Venedig des Nordens” wird Stockholm oft genannt. Die Lage zwischen dem See Mälaren und der Ostsee, eingebettet in das märchenhafte Inselparadies der Schären, verleiht der Stadt ihren besonderen Charme. Auch im Winter lohnt ein Streifzug zwischen Schlössern, Kirchen und malerischen Gassen.

Stockholm ist eine farbenfrohe Stadt: Der Himmel und die Gewässer, welche den Stadsholmen mit der Altstadt Gamla Stan sowie die Stadtteile Södermalm und Kungsholmen umspülen, funkeln in der niedrig stehenden Sonne tiefblau. Dagegen heben sich die gelben und rötlichen Pastelltöne der Fassaden der Bürgerhäuser ab, die gemeinsam mit dem Hellgrün der Kupferdächer und Kirchturmspitzen die Farbskala vervollständigen.

Venedig des Nordens

Die beste Aussicht auf Schwedens Metropole eröffnet sich vom Nordrand des auf einem Hügel liegenden einstigen Arbeiterviertels Södermalm. Vom Stadshuset am Norr Mälarstrand, über die gotische Riddarholmskyrka auf Riddarholmen und die Tyska Kyrka, die deutsche Kirche inmitten von Gamla Stan, bis hin nach Slussen, breitet sich Stockholm vor mir aus. Die mit gut 750.000 Einwohnern größte Stadt Schwedens liegt an der Schnittstelle zweier gewaltiger Wassersysteme, des Mälarsees, drittgrößter Binnensee des Landes, und der Ostsee. Vom offenen Wasser trennen einen jedoch unzählige Inseln, die Schären; um die 24.000 sollen es sein.

Vorbei an der Schleusenanlage Slussen, wo sich das Wasser des Mälarsees über eine Stromschnelle in die Ausläufer der Ostsee ergießt, laufe ich Richtung Skeppsholmen. Weiße Schiffe, die am Skeppsbrokajen und Strömkajen vertäut im Wasser liegen, schimmern in einem gelblichen Glanz. Doch das malerische Licht schwindet abrupt, als ich die Schattenseite von Skeppsholmen erreiche. Die Insel war bis 1969 Flottenstützpunkt, heute beherbergen die historischen Marine-Gebäude das Arkitektur- sowie das Östasiatiskamuseet.

Anderntags verschlägt es mich nach Långholmen, einer kleinen Insel im Schatten der mächtigen Brücke Västerbron. Trotz ihrer zentralen Lage ist die grüne Insel nur spärlich besiedelt. Das mag an ihrer düsteren Vergangenheit liegen, diente sie doch ab Mitte des 18. Jahrhunderts als Gefängnisinsel. Mittlerweile ist der ehemalige Gefängniskomplex jedoch zu einem Hotel, einer Jugendherberge und einem Museum umfunktioniert worden. An vielen Stellen Långholmens liegen kleinere Boote winterfest und mit Planen geschützt an Land. Normalerweise hat sich auf den Gewässern zu dieser Jahreszeit schon eine Eisdecke gebildet, aber die lässt noch auf sich warten. Auch im hohen Norden ist der Winter nicht mehr das, was er mal war. Über die Västerbron-Brücke fegt jedoch ein eisiger Wind, welcher mich zur Flucht in den Stadtteil Kungsholmen und zum Karlbergs Slott treibt. Entlang eines Kanals finde ich von dort zurück zum Stadshuset. Ein paar Wolken verschleiern die Sonne und die Stimmung wird trist.

Stockholmer Freizeitvergnügen

Gegen Abend beginnt es zu schneien, winterliches Flair erobert die Stadt. Am Kungsträdgården, wo im Mittelalter das Gemüse für den König angebaut wurde, befindet sich nun zur Winterzeit eine Eisbahn. Für ein paar schwedische Kronen lassen sich Schlittschuhe leihen und einige Runden drehen. Doch weit mehr ist in den Einkaufsstraßen des Stockholmer Stadtteils Norrmalm los. Im traditionsreichen Warenhaus NK, von weither erkennbar durch die große Uhr auf dem Dach, oder am Sergels Torg, dem zentralen Platz Norrmalms, unter dem sich sämtliche Tunnelbana-Linien kreuzen.

Als ich am nächsten Morgen am Östermalmstorg der Tunnelbana entsteige, ist der Winterspuk schon wieder vorbei. Mich empfängt Sonnenschein und strahlend blauer Himmel. Über den Prachtboulevard Strandvägen im Nobelviertel Östermalm laufe ich nach Djurgården. Vorbei am Königlich Dramatischen Theater, kurz Dramaten, auf der einen Seite und alten Segelbooten auf der anderen, folge ich der Uferpromenade bis zur Djurgårdsbron, der Brücke, die zu Stockholms großer grüner Freizeitinsel führt. Auf Djurgården tummeln sich zahlreiche Museen und Sehenswürdigkeiten. Zum Nordiska Museet mit Sammlungen zur nordischen Volkskunde gesellt sich Junibacken, wo man in die Welt Astrid Lindgrens eintauchen kann. Oder Skansen, das älteste Freilichtmuseum der Welt, welches 1891 eröffnet wurde, und das nur unweit von Gröna Lund, Stockholms Vergnügungspark Tivoli liegt. Aber auch das Estoniamonumentet, eine Gedenkstätte für die Opfer der Estonia-Katastrophe, ist auf Djurgården angebracht.

Das Viertel deutscher Kaufleute

Unweit des Kungliga Slottet, des königlichen Palasts, liegt die verwinkelte Altstadt Gamla Stan, in der kaum ein Gebäude jünger als 200 Jahre ist. Ursprünglich das Viertel deutscher Kaufleute, zeugen noch heute neben der Tyska Kyrka auch viele Straßennamen von der Blütezeit der Hanse und des deutschen Einflusses. In den schmalen Gassen finden sich in alten Gemäuern viele kleine Läden, Cafés und Restaurants. Abseits des bunten Treibens auf der Västerlånggatan scheint in den gepflasterten Sträßchen die Zeit still zu stehen.

Den Tag beschließe ich in einem Café am Stureplan in der Nähe des Humlegården, Stockholms größtem Innenstadtpark. Die kurzen Wintertage vergehen rasch. Dabei ist im “Venedig des Nordens” so vieles zu entdecken, was sich in unscheinbaren Ecken, abseits prachtvoller Fassaden versteckt. Zwischen Södermalm im Süden und Norrmalm im Norden stoße ich auf Elche, kleine Boxer und alte Volvos. Wohl dem, der mit Spürsinn und offenen Augen in eine der nördlichsten Hauptstädte der Welt eintaucht.

Stockholm

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