Suche
Suche Menü

Die alte Brücke von Sligachan

– Die alte Brücke von Sligachan –

Dieses Bild hatte ich im Kopf. Tagelang. Dabei war die Hoffnung nicht sonderlich groß, es auch so fotografieren zu können. Auf dem Skye Trail regnete es Katzen und Hunde und selbst dann, wenn mir die Nässe erspart blieb, war die Landschaft überwiegend in fahles Licht getaucht. Langweilig und ziemlich unfotogen. So auch, als ich die Cuillins passierte, die schroffsten aller schottischen Berge. In Elgol, wo sich als erstes hinüber über das Wasser des Loch Scavaig dieser Blick auf die markanten Gipfel auftun sollte, der in meiner mitgeführten Beschreibung des Weges vollmundig als „the finest coastel view in the British Isles“ angekündigt wurde, legte sich ein dicker, undurchdringlicher Wolkenteppich über die Zacken und hinab bis aufs Meer. Als sich dieser wieder lüftete, konnte ich zwar bei Sonnenschein den Gipfel des Sgurr na Stri erklimmen und das komplette Rund der Black und Red Cuillins überblicken, was schön anzusehen war, aber doch nur mäßig abzulichten. Zu öde der Himmel, fad die Felsen und dunkel die Lochs zu Füßen.

Tags drauf trudelte ich in Sligachan ein, dieser mickrigen Häuseransammlung an der Straßenkreuzung zwischen Portree, Dunvegan und Broadford. Mal wieder fing es an zu regnen und zu stürmen. Ich verzog mich ins Zelt, andere Wanderer ins Hotel, das den Ort dominiert. Aus der Zeit, in der die Unterkunft erbaut wurde, es soll um 1830 gewesen sein, stammt sicherlich auch die alte Brücke, welche mir so einprägsam im Gedächtnis haftete, hatte ich doch vor meiner Reise schon so viele Aufnahmen dieser Szenerie gesehen. Das steinerne Bauwerk, wie es den River Sligachan überspannt, und dahinter die formvollendeten Berge Sgurr nan Gillean und Am Basteir. Ein Postkartenmotiv wie es klassischer nicht sein könnte. Gut, diese Tourispots, an denen gerne mal auf dem Boden aufgemalte Füße zeigen, wo man am besten zur Kamera greift, sind eigentlich nicht mein Ding. Aber in dieses Bild setzte ich dennoch eine letzte Hoffnung, waren mir zuvor doch wenige Cuillin-Bilder mit Erkenungswert geglückt. Zudem wollte ich diese Berge nicht mit Belanglosem verlassen und hier bot sich die letzte Chance. Daher schritt ich schon im regnerrischen und windigen Moment meiner Ankunft Ort und Stelle ab, auf der Suche nach dem besten Blickwinkel für eine mögliche Aufnahme am nächsten Tag. Ich fand einen guten Standort auf der neuen Brücke, über die heutzutage die Hauptstraße A863 führt und die nur einen Steinwurf entfernt neben ihrem alten Pendant den Verkehr über den Fluss leitet. Aber erstmal hieß es abwarten, eine Nacht schlafen, hoffen auf den nächsten Tag, einen guten Morgen mit brauchbarem Wetter und schöner Aussicht.

Und was soll ich sagen? Als ich früh um 06:30 Uhr aus dem Zelt blickte, stand bereits die Sonne am Himmel. Weggefegt die Tristesse des Vorabends. Aber noch lag der River Sligachan im Schatten. Mir blieb die Zeit, in Ruhe zu frühstücken, dann erst gegen Acht lief ich zur neuen Brücke. Gerade rechtzeitig als die die ersten Strahlen über die Berge kamen, zwischen den Wolken hindurchbrachen und das Motiv in warmes Licht tauchten. Mein Stativ baute ich mit einem Bein hinter der Leitplanke fast auf der Straße und dem Rest auf dem schmalen Gehweg auf. Zum Glück war zu dieser Zeit noch wenig los – sowohl auf der A863 als auch auf der alten Brücke, die an sich zu den meisten Tageszeiten kaum ohne Menschen daherkommt. In der folgenden knappen Stunde machte ich zahlreiche Fotos, immer fix in den Momenten, wo die Wolken für kurze Zeit der Sonne Platz machten und das Licht wohlwollend auf Brücke, Fluss und Berge fiel.

Dabei wunderte ich mich über die recht kurzen Verschlusszeiten von nur wenigen Sekunden selbst bei Blende 16. Mmh, hatte ich doch meinen stärksten Graufilter vors Objektiv geschraubt, um das Wasser schön samtig abzubilden. Eigentlich hätte da die Belichtungszeit viel länger ausfallen müssen, aber irgendwie kam ich nicht darauf, warum es dieses Mal nicht so war, wie es hätte sein sollen. Vielleicht wurde ich in meiner Konzentration zu sehr davon abgelenkt, dass mir die frische Morgenluft in die Glieder fuhr. Ich fröstelte. Hätte ich mal besser ne dickere Jacke angezogen … Und zu allem Überfluss verspürte ich auch einen zunehmenden Drang, pinkeln zu müssen. Tja, dem konnte ich hier auf der Brücke, auf der langsam der Verkehr immer stärker wurde, keinen freien Lauf lassen. Mir blieb nichts anderes übrig, als dem Druck zu widerstehen und auch die Kälte einfach auszublenden.

Nach einer Weile hatte ich für meinen Geschmack genügend Langzeitbelichtungen im Kasten. Nicht nur die kurzen Sonnenmomente gab es abzupassen, mittlerweile auch die Phasen, wo mal keine LKWs über die Brücke rollten und diese in Schwingungen versetzten. Als das Unterfangen immer schwieriger zu realisieren war, packte ich meine sieben Sachen wieder zusammen und lief zurück zum Zelt.

Aufgewärmt und erleichtert fiel es mir kurz darauf wie Schuppen von den Augen, warum die Belichtungszeit nicht so lang war, wie sie hätte sein müssen. Ich hatte die Fujifilm X-Pro1 auf AUTO-ISO stehen lassen und da wählte sie natürlich den höchst möglichen ISO-Wert, in diesem Falle 800 … Grrr, wenn man nicht alle Sinne beisammen hat! Natürlich hätte ich zuvor fix auf ISO 200 stellen müssen … Nun ja, jetzt war es zu spät. Die Sonne nahm fortan einen ungünstigen Verlauf und auch die Touris nahmen die alte Brücke von Sligachan wieder in ihren Besitz. Die morgendliche Ruhe vor dem Sturm war vorbei. Auf dem Kamera-Monitor konnte ich jedoch zum Glück erkennen, dass kein großer Unterschied zwischen Bildern mit gut Dreien oder gar nur einer Sekunde Belichtungszeit zu sein schien. Daher war es fraglich, ob ein vieles Mehr überhaupt zu einem deutlich besseren Ergebnis geführt hätte.

Etwas später am Tag zog ich wieder los. Weiter über den Skye Trail gen Norden. Auf zu weiteren Fotozielen wie dem Old Man of Storr. Aber das ist eine neue Geschichte …

Die kalten Fakten:
Fujifilm X-Pro1, Fujinon XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, B+W 110 ND 3,0 1000x Graufilter, ISO 800, 3,1s, Blende 16, -0,7 LW, Adobe Photoshop CS6 (ACR), VSCO Film 02

> Bildergalerie Schottland 2013, Mein Norden // It’s raining cats and dogs

Mein Abschied vom Vollformat

– Little Croc –

Ende 2009 schrieb ich im Blog von Olaf Bathke über den Vorteil des Halben gegenüber dem Vollen. Es war ein Loblieb auf das Nikon DX-Halbformat. Auf Kameras mit Crop-Faktor, die mir bei der Fotografie von Reisen, Outdoorabenteuern und Expeditionen Vorteile gegenüber dem FX-Vollformat bescherten. Obwohl das größere, in den Profimodellen verbaute Sensorformat, welches dem analogen Kleinbildfilm entspricht, qualitativ besser ist, machte ich mir die „nachteilige“ Ausrüstung zunutze, setzte den durch den kleineren Sensor einhergehenden Verlängerungsfaktor Gewinn bringend ein und war Freund eines Superzooms, das mir häufige Objektivwechsel ersparte. Für mich, der ich meine Bilder oft unter erschwerten Bedingungen mache, war es der goldene Weg. Der Verzicht auf eine bessere Qualität zahlte sich aus. Doch dann, ein Jahr später, wollte ich von meiner einstigen Schönrederei selbst nichts mehr wissen. FX musste her, Vollformat, endlich richtig professionelles Gerät. Das Halbformat war doch nicht mehr zeitgemäß!

Kurz darauf, Anfang 2011, war es schließlich soweit: Ich wechselte zum Vollformat! Der Zeitpunkt war gekommen, wo mir die Qualität des APS-C-Formats nicht mehr ausreichte. Ich wollte mehr haben, um mehr zu erreichen. Doch ich erreichte nichts. Nicht ganz, immerhin wurde alles schwerer und größer. Die Kamera, die Objektive, die ganze Fototasche. Was hatte ich an Fotoausrüstung zu schleppen, als wir im letzten Jahr für fünf Wochen nach Norwegen aufbrachen. Schnell fand ich es nervig – und mein Rücken quittierte es rasch mit Schmerzen. Hinzu kam weder eine wirklich sichtbare Steigerung der Bildqualität gegenüber meiner Zeit mit halben Sachen, noch ging dank dem nun richtig professionellen Gerät ein Motivationsschub einher. Es wurde zu einer Sackgasse, die mir immer deutlicher vor Augen trat. Und ich mir nicht mehr so sicher war, ob der Umstieg vom Halb- zum Vollformat für mich überhaupt so sinnvoll war.

Im Februar erahnte ich daher schon das Ende meiner Nikon-Ehe. Und nach 24 Jahren kommt es nun zur Scheidung – die silberne Hochzeit schaffen wir nicht mehr …

Eine Kehrtwende

Wieder einmal schere ich mich einen Dreck um mein Geschwätz von gestern. Dabei liegt es nicht am Vollformat an sich – das ist im Grunde eine feine Sache und ich würde durchaus weiterhin damit fotografieren, wenn es denn im richtigen Gehäuse stecken, in ein für mich optimales System eingebunden wäre. Ich sehe jetzt alles einfach nicht mehr so eng – komme lieber als „Knipser“ daher und muss nicht auf Teufel komm raus mit fetten Bodies und dicken Linsen aufwarten. Den Profi können andere raushängen lassen. Solange ich mit Gerätschaften unterwegs bin, die mich weiterbringen, ist doch alles in Butter. Nicht nur durch kompaktere Ausmaße und ein geringeres Gewicht, sondern ebenfalls dadurch, dass sie mich auch fotografisch beflügeln und mich spüren lassen, positiven Einfluss auf meine Bildsprache und meine „Herangehensweise“ an die Fotografie zu nehmen.

Seit März nutze ich mittlerweile die Fujifilm X-Pro1, deren Kamerakonzept mir aktuell am meisten in den Kram passt. Obwohl sie nur einen APS-C-Sensor in sich trägt, dem ich doch eigentlich entsagt hatte. Dafür ist sie klein, handlich und dennoch mit hervorragender Bildqualität gesegnet. Sie macht unglaublich viel Freude und ist die schönste Kamera, die ich je hatte. Klar, sie ist nicht perfekt – ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment. Die Frage, ob die X-Pro1 meine Nikon D700 ersetzen kann, ist für mich spätestens seit der gerade zurückliegenden vierwöchigen Rundreise durch Schweden und Norwegen beantwortet. Denn mein Wunsch, mit dem X System zu fotografieren, war doch geboren aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen. Und es ist so, dass die X-Pro1 diese Alternative dauerhaft sein kann. Weil ich mit den (wenigen) Abstrichen, die ich gegenüber einer (eventuell schnelleren und besser ausgestatteten) DSLR machen muss, gut leben kann. Weil sie aufgewogen werden durch andere Vorzüge des kleineren Systems im Messsucherstil.

Es ist nicht das Format der Nikon, von dem ich mich nun verabschiede. Es ist doch völlig egal, ob ein Foto mit einer Crop-, Vollformat-, Mittel- oder gar Großformatkamera aufgenommen wurde. Was allein zählt, ist das Ergebnis. Die Geschichte, die hinter den Aufnahmen steckt. Die Emotionen, die geweckt werden. Hätte Fujifilm die X-Pro1 mit einem anderen Sensor ausgestattet, würde ich jetzt wohl damit Bilder machen. Vielleicht weiterhin im vollen Format. Aber so ist es nicht gekommen. Was interessiert es mich – es ist nicht das, worum es in der Fotografie geht …

Ich verabschiede mich hingegen von einem System, den Spiegelreflexkameras, mit denen ich seit 1988 – analog wie digital – fortlaufend fotografiert habe. Stattdessen wage ich nun ein spiegelloses Abenteuer. Auf der Suche nach neuen Impulsen, einem anderen Blick auf die Dinge und leichterem Gerät zur Aufzeichnung meiner Reisen.

Und was hat der Little Croc damit zu tun, der in einem Örnsköldsviker Schuhgeschäft etwas abseits der eigentlichen Produkte im Fenster stand? Nichts natürlich.

D-Day – Ein Ausflug nach Düsseldorf

– Colorium – XF35mmF1.4 R, ISO 800, 1/1000s, Blende 11 –

Kürzlich habe ich einen kleinen Foto-Ausflug nach Düsseldorf unternommen. Mein Ziel war der Medienhafen und dort vor allem das Colorium, das mit 62 Metern derzeit höchste Gebäude am Platz. Ich verbrachte einige Zeit zu Füßen der aus 2200 farbig bedruckten Glaspaneelen bestehenden Fassade und wartete auf ansprechendes Licht. Mal bei kompletter Bewölkung, dann bei teilweise blauem Himmel machte ich einige Bilder. Aber schon vor Ort ahnte ich beim Blick auf das Kameradisplay, dass die trübe Wolkendecke dem Motiv in diesem Fall besser zu Gesicht stand.

Ein Stück weiter hingegen, beim Roggendorf-Haus, hielt ich mich so lange auf, bis jeglicher Wolkenfetzen davongezogen war, da sich die „Flossis“ vor blauem Himmel einfach besser an der Dachkante abzeichneten.

Auf der anderen Seite des Hafens, am Neuen Zollhof, waren es dann die schiefen und verwinkelten Gehry-Bauten – die angeblich meist fotografierten Architekturobjekte Düsseldorfs -, an denen ich den nächsten Stopp einlegte. Für die „Spiegelfassade“ stand die Sonne allerdings nicht mehr günstig und in manchen Ecken wurde es schon ganz schön schattig.

Zu Hause entschied ich mich für eine monochrome Bildbearbeitung. Irgendwie passte sie besser zu der Stimmung an diesem Tag. Selbst bei dem an sich so farbigen Colorium

Alle Bilder entstanden mit der Fujifilm X-Pro1.

– Old Dutch – XF35mmF1.4 R, ISO200, 1/52s, Blende 8 –
– Die Flossis – XF18mmF2 R, ISO 400, 1/420s, Blende 8 –
– Spiegelfassade – XF18mmF2 R, ISO 800, 1/2400s, Blende 8 –

Die Fujifilm X-Pro1 – Erste Eindrücke und Erfahrungen

Seit Mitte März fotografiere ich mittlerweile mit der Fujifilm X-Pro1. Der Kamera, deren Vorstellung ich so sehr entgegen gefiebert hatte. Dieses Stück Technik im Retrolook erschien mir so verlockend wie kein anderer Fotoapparat. Als ich sie dann als einer der ersten bekam, war es einer der Momente, an dem Weihnachten und Geburtstag zusammenfallen. Seitdem habe ich mich zuerst vor der Haustüre an sie gewöhnt, bin den Wupperweg mit ihr gelaufen und habe sie schließlich einige Tage ins Sauerland entführt. Genug Zeit und Möglichkeit, die Stärken und Schwächen der X-Pro1 kennenzulernen. Und eine gute Basis, einen ersten Erfahrungsbericht zu schreiben. Dabei will ich die Kamera jetzt nicht von A-Z erklären, sondern auch davon erzählen, wie wir uns nach der Liebe auf den ersten Blick rasch näherkamen, uns weiter beschnupperten, erstaunt anblickten, tuschelnd Händchen hielten, auch mal kurz anschnauzten, nicht mehr voneinander lassen konnten und uns nun eine gemeinsame Zukunft am rosafarbenen Himmel ausmalen. Kurz gesagt: wie ich mit ihr zurechtkomme, was mir gefällt und was nicht.

Vorbemerkung
Ich bekam die X-Pro1 samt aller Objektive und einigem Zubehör von Fujifilm im Rahmen einer langfristig angelegten Zusammenarbeit. Nichtsdestotrotz vertrete ich hier allein meine Meinung. Aber so soll’s auch sein. Soweit – los geht’s …

Der erste Eindruck

Zum ersten Mal hielt ich die X-Pro1 Mitte Februar in Kleve bei einem Treffen mit Fujifilm in Händen. Und ja, sie war groß. So groß wie eine Leica M. Genau richtig! Ich mag kleine Kameras nicht. Die sind mir zu unhandlich. Meine X10 ist und bleibt daher nur eine Kompakte – nix zum richtigen Fotografieren. Aber die X-Pro1, ja, das ist was. Und leicht dazu. Viele bemängelten später diese Leichtigkeit und setzten geringes Gewicht mit billig gleich. Das sehe und empfinde ich nicht so. Größe und Gewicht der Kamera bilden mit angeschlossenem Objektiv eine harmonische Einheit. Das passt.

Diese erste Begegnung war allerdings nur von kurzer Dauer, hat aber das Feuer umso mehr entfacht. Bis zum freudigen Wiedersehen vergingen noch ein paar lange Wochen. Doch dann kam es, das große Paket mit all den Leckerbissen, und ich konnte meine X-Pro1 endlich auspacken. Ein Augenblick, in der die Zeit zur Seite trat und die Stunden unbemerkt vergingen …

Haptik und Verarbeitung sind auf einem sehr hohen Niveau. Alles fühlt sich wertig an. Die Bedienelemente und Einstellräder sind zugleich leichtgängig und solide.

– Osterfeuer – XF35mmF1.4 R, ISO 800, 1/680s, Blende 5.6 –

Die Handhabung

Von Anfang an war es das klassische Bedienkonzept der X-Pro1, das mich begeisterte. Der Blendenring am Objektiv, das Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Beides nutze ich intuitiv und kann immer sehen, welche Blende ich eingestellt oder ob ich eine Korrektur gewählt habe. Und das, ohne die Kamera einschalten und aufs Display oder durch den Sucher schauen zu müssen. Herrlich – wie in alten Zeiten! Da ich fast ausschließlich mit der Zeitautomatik fotografiere, kann ich ganz bequem – und schnell – die Blende mit der linken Hand am Objektiv verstellen und mit dem Daumen der rechten Hand eine eventuell nötige Plus- oder Minuskorrektur vornehmen.

Dazu die Q-Taste, das Schnellmenü. Auf einen Tastendruck kann ich alle weiteren wichtigen Einstellungen vornehmen, ohne den Weg über das an sich gut strukturierte Menü. Und das auch bei Verwendung des elektronischen Suchers, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen. Einige Anwender berichten allerdings davon, die Q-Taste unbemerkt zu drücken und unbeabsichtigt etwas zu verstellen. Der Wunsch nach z. B. einem Doppelklick zur Aktivierung des Schnellmenüs wird laut. Ich habe diese Erfahrung bisher jedoch noch nicht gemacht und komme mit der Q-Taste, so wie sie ist, bestens zurecht.

– Volkswagen – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/100s, Blende 8 –

Der Hybrid-Sucher

Schon von der X100 bekannt und für die X-Pro1 weiterentwickelt. Der Hybrid-Sucher bestehend aus einem optischen und elektronischen Sucher. Je nach Bedarf und Vorliebe kann zwischen beiden Optionen gewechselt werden. Das geht ganz leicht mit dem Mittelfinger der rechten Hand über einen Hebel auf der Vorderseite.

Leuchtrahmen/Bildbereich
Für die bisher drei zur Verfügung stehenden Objektive wird automatisch im optischen Sucher (OVF) ein zugehöriger Leuchtrahmen zur Bildfeldbegrenzung eingeblendet. Nachdem ich die ersten Fotos mithilfe des OVF gemacht hatte, war ich etwas verstimmt, da auf den Bildern mehr zu sehen war, als der Leuchtrahmen im Sucher angezeigt hatte. Mmh, das passte mir gar nicht. Warum zeigt er nicht 100% an? Muss ich mir jetzt immer was hinzudenken? Stimmte da was nicht? Doch, es stimmt. In den technischen Daten steht es auch: Der Bildbereich beträgt im OVF ca. 90%. Und das ist typisch für Messsucherkameras und auch kaum genauer zu konstruieren. Auch die Leuchtrahmen der Leica M-Modelle zeigen nur diese etwa 90% an. Auch deshalb, um im Eifer des Fotografiegefechts nicht wichtige Bildinhalte abzuschneiden, denn je nach Entfernungseinstellung entspricht der Leuchtrahmen zudem einem etwas anderen Bildbereich. Da ist man lieber großzügig. Besser zu viel auf dem Foto als zu wenig … Für mich ist das aber sehr ungewohnt und auch ein Grund, weshalb ich häufiger und lieber mit dem elektronischen Sucher (EVF) fotografiere. Er zeigt ca. 100% – genauso, wie ich es auch von meiner DSLR kenne. Ohne Leuchtrahmen und zusätzliches Drumherum (das Sichtfeld ist ja immer größer als der vom Leuchtrahmen angezeigte Bildbereich), dass ich mir zugleich weg und doch auch immer ein Stück hinzu denken muss. Aber das ist Sache der Gewöhnung. Und es mag Situationen geben, wo diese Leuchtrahmen-Messsucher-Technik sehr gut funktioniert. Z. B. um zu beobachten, was neben dem gewählten Bildausschnitt noch so vor sich geht. Ob sich da interessantes tut. Ob gleich jemand ins Bild läuft, oder oder …

Grundsätzlich bedecken die Leuchtrahmen bei der Verwendung des 18er und 35er Objektives einen angenehm großen Teil des Suchers (beim 35er wird automatisch eine zweite Vergrößerungsstufe eingestellt). Beim 60er hingegen ist der Leuchtrahmen mangels einer weiteren Vergrößerungsstufe recht klein – daher kommt bei dieser Brennweite für mich eigentlich sowieso nur noch der EVF in Frage.

– Regentonne – XF60mmF2.4 R Macro, ISO 200, 1/220s, Blende 4 –

Parallaxe
Durch die Positionierung des Suchers links oben neben dem Objektiv, kommt es je nach Fokusentfernung zu mehr oder weniger großen Verschiebungen (Parallaxe) zwischen Sucherbild und Sensorfläche. Auf Unendlich betrachtet zeigen Sucher und Sensor so ziemlich dasselbe. Je näher das Motiv jedoch heranrückt, umso mehr verschiebt sich das spätere Bild entgegen der Ansicht im OVF nach rechts unten, wodurch Sucherdarstellung und aufgenommenes Foto dann nicht mehr übereinstimmen. Beim Antippen des Auslösers bis zum ersten Druckpunkt (Scharfstellung) springt der Leuchtrahmen nach rechts unten und zeigt das spätere Bild an. Jetzt muss die Kamera meist neu ausgerichtet werden, um das gewünschte Bildergebnis sicherzustellen. Entsprechend liegt das AF-Messfeld im Nahbereich oft daneben und kann leicht am Ziel vorbei schießen. Das normale Messfeld zeigt den Scharfstellbereich für eine Fokusentfernung von Unendlich. Hier gibt es die Option, ein „parallaxen-korrigiertes“ zweites AF-Feld einzublenden, das den Scharfstellbereich für eine Fokusentfernung von etwa 80 cm anzeigt. Dadurch lässt sich schon vor dem Druck auf den Auslöser abschätzen, wo die Kamera in etwa Scharfstellen wird. Zwischen Nahbereich und Unendlich liegt die Scharfstellung fließend zwischen beiden Feldern. Je nachdem ist auch hier eine optimierte Ausrichtung der Kamera vorzunehmen, um eine punktgenaue Scharfstellung zu garantieren.

Auch die X-Pro1 bietet die Möglichkeit, sowohl im optischen als auch im elektronischen Sucher ein Raster zur einfacheren Bildgestaltung (Stichwort „Goldener Schnitt“) einzublenden. Leider ist dieses Raster im OVF starr und es passt sich weder der verwendeten Brennweite noch dem nach der Scharfstellung korrigierten Leuchtrahmen an, wie es im EVF natürlich der Fall ist.

Letztendlich kann ich sagen, dass es eine wunderbare Sache ist, beide Sucherarten nutzen zu können und die Welt auf optischem oder elektronischem Wege zu betrachten. Der OVF ist dabei eher für die schnellen Reportagefotos geeignet. Und der EVF immer dann, wenn es um eine ganz genaue Beurteilung des Bildausschnitts und eine absolut verlässliche Positionierung des AF-Messfeldes geht. Denn im elektronischen Sucher spielt die Parallaxe natürlich keine Rolle. Auch steht im EVF eine höhere Anzahl an Fokusmessfeldern zur Verfügung (49 entgegen 25 im OVF), die dort zudem in fünf Größen einstellbar sind. In beiden Suchern lassen sich darüber hinaus alle wichtigen Informationen und Einstellhilfen auf Wunsch ein- oder ausblenden.

Randbemerkung: Um auch im optischen Sucher ein Histogramm zu sehen, muss der Energiesparmodus auf AUS eingestellt sein. Ansonsten wird das Histogramm nicht angezeigt, selbst wenn es für den OVF ausgewählt wurde.

– An der Reling – XF18mmF2 R, ISO 400, 1/1200s, Blende 8 –

Die Bildqualität

Yeah! Woohooo! Der X-Trans Sensor der X-Pro1 überzeugt auf ganzer Linie. Durch einen völlig neuartigen Sensoraufbau konnte auf einen AA-Tiefpassfilter verzichtet werden, der normalerweise zur Unterdrückung von Moiré eingesetzt wird, aber auch die Auflösung mindert. Die Pixelstruktur von Fujifilms Eigenentwicklung soll Bildfehlern allerdings wirkungsvoll entgegen wirken, weshalb auf den Filter verzichtet werden konnte und dadurch mehr Bildschärfe erreicht werden soll. Groß war die Ankündigung, die X-Pro1 würde trotz ihres nur APS-C großen Sensors im Vollformatbereich wildern. Aber was soll ich sagen? Es stimmt! Die Bildqualität allein ist Grund genug, die Kamera zu kaufen und mit ihr zu fotografieren. Das Herz der X-Pro1, ihr Sensor, ist über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur das CHIP FOTO-VIDEO Magazin attestierte der Kamera eine überragenede Bildqualität. Sie ist das Beste, womit ich je fotografiert habe! Klar, neue Besen kehren immer gut …

Schärfeleistung und Auflösung sind bestechend. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, Vergleichsaufnahmen zwischen der X-Pro1 und dem 35er 1.4 und meiner Nikon D700 und dem 50er 1.4 zu machen. Danach war ich gleichermaßen verblüfft und entsetzt. Verblüfft über die Qualität der X-Pro1-Bilder und entsetzt über den „Mist“, den die D700 ablieferte. Dabei hatte ich die kamerainterne Schärfung bei der X-Pro1 sogar auf -1 runtergeregelt (auf einer Skala von -2 bis +2). Und selbst als ich diese bei der Nikon hochgedreht habe (auf 4 bei einer Skala von 0 bis 9), lagen deren Bilder immer noch weit hinter der Fujifilm zurück. Über den gesamten Blendenbereich.

Ähnlich verhielt es sich beim Bildrauschen in hohen ISO-Einstellungen. Auch hier sahen de Bilder der X-Pro1 für meinen Geschmack besser aus. Im Gegensatz zur Nikon war nahezu keinerlei Farbrauschen zu erkennen und das Rauschen sah einfach „schöner“ aus (bei vergleichbaren internen Rauschreduzierungseinstellungen – AUS gegen -2 und NORM gegen 0).

Warum allerdings die beiden höchsten ISO-Stufen, 12.800 und 25.600, bei der X-Pro1 nicht im RAW-Format, sondern nur als JPGs aufgenommen werden können, ist mir ein Rätsel. Unabhängig davon ist die Kamera bis ISO 6400 auf jeden Fall sehr gut einsetzbar (natürlich immer abhängig vom Motiv und dem späteren Verwendungszweck).

Der Automatische Weißabgleich ist dabei auch äußerst treffsicher. Dagegen habe ich den Eindruck, dass die X-Pro1 eher zu einer reichhaltigen Belichtung tendiert und ich recht häufig die Minus-Korrektur bemühen muss.

Zur Erweiterung des Dynamikbereichs gibt es die DR-Funktion (DR100, DR200 und DR400 – je höher der Wert, desto stärker die Anpassung), welche an die ISO-Empfindlichkeit gekoppelt ist. DR200 steht erst ab ISO 400 zur Verfügung, DR400 ab ISO 800. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bei jedem Motiv individuell zu überlegen, welcher DR-Wert passend wäre und unter Umständen die ISO-Empfindlichkeit manuell entsprechend zu erhöhen, oder die Funktion DR-AUTO gekoppelt mit ISO-AUTO auszuwählen – hier dann minimal ISO-AUTO 800 (in diesem Fall kann es passieren, dass die Kamera auch bei hellstem Sonnenschein eine höhere ISO-Einstellung wählt, um einen höheren DR-Wert zu ermöglichen).

Steinmann, Foto: Martin Hülle
– Steinmann – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/2400s, Blende 2.8 –
– Im Fenster – XF35mmF1.4 R, ISO 500, 1/50s, Blende 2.8 –

Die Objektive

Ein noch so guter Sensor nützt natürlich herzlich wenig, wenn man einen Glasbaustein davor schraubt. Zum Glück hat Fujifilm einige Erfahrung im Objektivbau und das zeigt sich auch in den drei bislang erhältlichen Fujinon-Linsen zur X-Pro1. Sie sind allesamt entsprechend der Kamera leicht aber solide gefertigt, verfügen über die in Drittelstufen einstellbaren Blendenringe und werden inkl. Streulichtblenden aus Metall geliefert.

Das XF35mmF1.4 R
Wow! Die X-Pro1 mit dem 35er (entspricht 53 mm an Kleinbild) ist eine unschlagbare Kombi. Das Objektiv ist im Zentrum extrem scharf. Ränder und Ecken liegen da zwar etwas zurück, aber das ist normal für sehr lichtstarke Normalbrennweiten. Das 50er AF-S Nikkor wurde in meinem Vergleichstest in jeder Blendeneinstellung von der Fuji-Optik geschlagen. Wer erstmal mit nur einem Objektiv an der X-Pro1 starten möchte, sollte zu der 35mm-Linse greifen!

Das XF60mmF2.4 R Macro
Das größte Objektiv des Dreigestirns – vor allem mit angesetzter Streulichtblende. Das 60er (entspricht 91 mm an Kleinbild) ist äußerst scharf und von hervorragender optischer Qualität. Einziges Manko ist der etwas langsame Autofokus, besonders im Nahbereich. Aber auf jeden Fall eine Linse, die sich gleichermaßen sehr gut für Landschafts- und Portraitfotos eignet, wie vieles andere mehr.

Das XF18mmF2 R
Das einzige der drei Objektive mit wirklichen Schwächen. Das 18er (entspricht 27 mm an Kleinbild) ist zwar grundsätzlich eine gute Linse – mit dem zügigsten AF von allen -, allerdings gibt es zwei Minuspunkte. An den Rändern und Ecken ist es nicht so knackscharf, wie ein Objektiv, welches sicherlich auch von mir primär in der Landschaftsfotografie eingesetzt wird, sein sollte. Zudem neigt es an harten Kontrastkanten in den Bildecken zu deutlich sichtbaren Farbsäumen (Chromatische Aberration). Teilweise lassen sich diese einfach und gut in der Bildnachbearbeitung entfernen, manchmal sind sie jedoch so ausgeprägt, dass ich sie – zumindest mit den mir zur Verfügung stehenden Programmen – nicht verschwinden lassen kann.

Im Weitwinkelbereich hoffe ich, dass die bereits für 2012/2013 angekündigten 14- und 23-mm-Objektive mit einer besseren optischen Leistung aufwarten und in einer Reihe mit dem 35er und 60er stehen werden.

– Vier gewinnt – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/90s, Blende 8 –
– Kvikk Lunsj – XF60mmF2.4 R Macro, ISO 800, 1/1900s, Blende 5.6 –
– Slåttdalsskrevan – XF18mmF2 R, ISO 800, 1/600s, Blende 2.8 –

Der Autofokus

Die AF-Geschwindigkeit der X-Pro1 erntet vielerorts Kritik. Zum Teil berechtigt, zum Teil aber auch übertrieben. Sicherlich gehört die Kamera in diesem Punkt nicht zu den schnellsten, im Gegenteil. Wer Sport und Action fotografieren möchte, sollte sich nach einem anderen System umschauen. Aber bei guten Lichtverhältnissen lassen sich auch mit der X-Pro1 nicht nur statische Motive ohne Probleme ablichten. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass Fujifilm die AF-Performance, wie bei der X100, über Firmware-Updates weiter verbessern wird. Wirklich langsam, und dann auf der Jagd nach einem Kinderbild auch schnell nervig, ist der Autofokus nur in dunkler Umgebung, wie z. B. schlecht beleuchteten Innenräumen. In diesem Fall hoffe ich sehr, dass Fujifilm für Besserung sorgt. Wenn der AF aber einmal sein Ziel gefunden hat, sitzt er auf jeden Fall sehr zuverlässig! Gut, manchmal will ich einfach schneller ans Ziel, die X-Pro1 hingegen mit mehr Ruhe. So ist es doch zuweilen in jeder Beziehung, oder nicht? (UPDATE: Mit neuer Firmware wurde die AF-Geschwindigkeit mittlerweile deutlich verbessert – s. u.)

– R-2022 – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/160s, Blende 5.6 –

Dies und Das

Neben den oben aufgeführten zentralen Aspekten, gibt es noch einige Kleinigkeiten, zu denen ich meinen Senf hinzu geben möchte:

Stativgewinde
Das Stativgewinde ist, warum auch immer, nicht in der Objektivachse angebracht, sondern etwas seitlich versetzt. Auch ein Punkt, der manches Aufstöhnen in der Fotowelt hervorrief. Bei meinen bisherigen Stativeinsätzen habe ich das allerdings noch nicht als nachteilig empfunden.

Speicherkartenfach
Wie bei Kompaktkameras sitzen Akku und Speicherkarte in einem Fach. Es ist etwas unhandlich, die Speicherkarte einzusetzen und zu entfernen, da der Kartenschlitz sehr nahe an der Abdeckklappe liegt. Angenehmer – und einer professionellen Kamera angemessener – wäre ein separates Kartenfach auf einer der Kameraseiten (am besten rechts und dafür die USB- und HDMI-Anschlüsse links).

Handgriff HG-XPro1
Der separate Handgriff macht die Kamera tatsächlich etwas handlicher und rückt auch das Stativgewinde in die Objektivachse. Trotzdem nutze ich ihn nicht. Bislang liegt mir die X-Pro1 auch ohne diesen Zusatz gut und griffig in der Hand, zudem verdeckt der angeschraubte Handgriff das Akku- und Speicherkartenfach. Bei jedem Zugriff müsste der Handgriff erst wieder ab- und nachher wieder angeschraubt werden. Nervig. Vor allem dann, wenn man wie ich die Bilder über ein Kartenlesegerät überträgt und dafür die Speicherkarte jedesmal aus der Kamera nehmen muss. Wer die Bilder per USB übermittelt, wird evtl. besser damit zurechtkommen. (UPDATE: Mittlerweile gibt es einen neuen Handgriff, der einen Zugriff auf das Akku- und Speicherkartenfach erlaubt)

Histogramm- und Spitzlichteranzeige
Im Wiedergabe-Modus (Stellung „Information Aus“) fehlt mir ein schneller Zugriff auf eine Histogramm- und Spitzlichteranzeige, wie ich sie von den DSLRs her kenne. Zwar kann ich bei der Bildwiedergabe über die Pfeiltaste-oben durch einige Einstellungsparameter klicken und mir selbst die Position des Fokusmessfeldes anzeigen lassen, aber ein Histogramm und die Spitzlichter bekomme ich dort nicht zu sehen. Dafür muss etwas umständlich über die DISP/BACK-Taste zu den Detailinformationen weitergeschaltet werden. Schon wäre es, wenn diese Infos in allen Wiedergabemodi integriert wären (Firmware-Update?!).

Fokusmessfelder verstellen
Grundsätzlich komme ich mit der Verstellung der Fokusmessfelder gut zurecht. Mit dem Daumen der linken Hand aktiviere ich die AF-Taste links-unten auf der Kamerarückseite. Mit dem Daumen der rechten Hand wähle ich entweder die Messfeldgröße über das Wählrad oder die Position des Messfeldes über die Pfeiltasten. Doch dafür muss ich die linke Hand vom Objektiv nehmen. Wenn man die Funktion der AF-Taste auch auf die FN-Taste legen könnte, ließen sich die Fokusmessfelder noch einfacher und schneller nur mit dem Zeigefinger und Daumen der rechten Hand verstellen. (UPDATE: Dieser Punkt wurde in der Zwischenzeit auch durch ein Firmware-Update optimiert)

Manuelle Scharfeinstellung
Wo wir gerade bei der Fokussierung sind – die manuellen Scharfeinstellmöglichkeiten der X-Pro1 sind auch eines der viel diskuttierten Themen. Nur habe ich mich damit bisher kaum befasst. Es ist eine AF-Kamera und ich nutze daran AF-Objektive. Bislang war ich nicht in der Not, die Fujinon-Objektive manuell scharfstellen zu müssen. Daher kann ich zu dem Spiel mit Entfernungsskala, Schärfentiefebalken und Lupenfunktion nichts aussagekräftiges beisteuern.

AUTO-ISO
In der Funktion AUTO-ISO ist es erstaunlicherweise nicht möglich, selbst zu bestimmen, ab welcher Verschlusszeit die Kamera den nächst höheren ISO-Wert wählt. Ein Fakt, der schnellstmöglich ausgemerzt werden sollte, um diese Funktion wirklich nach eigenen Bedürfnissen sinnvoll nutzbar zu machen. Aktuell wählt die Kamera einen Wert von ca. 1/Brennweite als längste Belichtungszeit. (UPDATE: Dieser Punkt wurde in der Zwischenzeit ebenfalls durch ein Firmware-Update optimiert)

Serienbilder
Meines Wissens gibt es keinen anderen Kamerahersteller, für den Serienbilder etwas Besonderes sind. Doch bei Fujifilm ist das so. Im Wiedergabe-Modus wird daher von einer Serie auch nur das erste Bild angezeigt – die restlichen laufen in einem klein eingeblendeten Feld wiederkehrend durch. Über die Pfeiltaste-unten gelangt man in diesen „Unterordner“ und kann sich dann dort nur diese Bilder ansehen. Über die DISP/BACK-Taste kommt man zurück. Vorsicht: Will man z. B. nur ein Bild aus der Serie löschen, muss man das natürlich im Unterordner tun. Löscht man das erste Bild der Serie im „Hauptordner“, ist die ganze Serie futsch! Hier sollte die Möglichkeit geschaffen werden (Auswahl im Menü), dass Serienbilder auch direkt und komplett in die Standardbildfolge integriert werden – ohne Unterordner. (UPDATE: Durch ein Firmware-Update gehört zudem dieser Punkt mittlerweile der Vergangenheit an)

Drahtauslöser/Fernsteuerung
Die Drahtauslöserbuchse passt zwar ganz schön zum Retro-Look der X-Pro1, aber zusätzlich wäre ein moderner Funk-Fernsteueranschluss durchaus auch eine feine Sache.

„Blendenklackern“
Jaja, auch mich machte das Klackern der Blenden hellhörig, als ich die Kamera zum ersten Mal in Betrieb nahm. Was ist denn das? Sowas hatte ich ja noch nie erlebt. Da schließt und öffnet die Kamera unablässig die Blende. Je nachdem ob es gerade mal wieder heller oder dunkler vor der Linse wird. Gut, das muss sie tun. Um das Bild korrekt im EVF und auf dem Display anzuzeigen. Aber muss das so laut sein? Achje, auch hierüber wird an vielen Stellen hitzig gestritten. Im stillen Kämmerlein mag das auch „störend“ auffallen. Ich stolperte eigentlich nur darüber, weil ich zuerst gar nicht wusste, was da eigentlich vor sich geht. Und in freier Wildbahn nehme ich es kaum mehr war. Das ist kein Punkt, an dem es gilt, sich lange aufzuhalten. (UPDATE: Mit neuer Firmware wurde das Blendenklackern mittlerweile abgestellt – s. u.)

Staub- und Wetterschutz
Die X-Pro1 ist sehr solide und sie macht den Eindruck, einiges aushalten zu können. Trotzdem wünsche ich mir bei einer Kamera dieser Preisklasse – zumal mit dem Pro im Namen -, dass sie über einen Staub- und Wetterschutz verfügt. Selbst wenn es ohne zu keinerlei Problemen kommt, könnte Fujifilm in diesem Punkt bei einem Nachfolgemodell noch nachlegen.

RAW-Bearbeitung
Nach wie vor kann man zur Bearbeitung der X-Pro1-RAW-Bilder fast ausschließlich auf die Software von Silkypix zurückgreifen, wie dem mitgelieferten RAW FILE CONVERTER. Wer anderes gewöhnt ist, wird sich mit diesem etwas umständlichen Programm aber schwer tun, zumal es einigen Aufwand bedarf, bis ein aus einem RAW-Bild entwickeltes Foto so gut aussieht, wie ein direkt in der Kamera erzeugtes JPG. Fujifilm macht auch bei der X-Pro1 seinem guten Ruf alle Ehre, hervorragende JPGs zu produzieren. Bislang habe ich zwar häufig parallel RAWs und JPGs aufgenommen, nachher aber immer nur die JPGs verwendet. Auch wenn diese unglaublich gut daherkommen, wäre es trotzdem eine feine Sache, bald die Möglichkeit zu haben, die RAW-Dateien der X-Pro1 auch mit Lightroom oder Adobe Camera RAW bearbeiten zu können. Aber mal schauen, wie lange wir darauf noch warten müssen … (UPDATE: Diese Warterei hat auch schon lange ein Ende)

– Fässer – XF35mmF1.4 R, ISO 800, 1/400s, Blende 8 –

Schlussbemerkung

Puh, das waren und sind meine ersten Eindrücke und ersten Erfahrungen nach mehreren Wochen Nutzungsdauer. Und ich bin noch immer verliebt! Die X-Pro1 macht nicht nur hervorragende Bilder, sondern einfach auch unglaublich viel Freude! Es ist die schönste Kamera, die ich je hatte. Ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber genauso geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment.

Am Ende bleibt die Frage, ob die Fujifilm X-Pro1 meine Nikon D700 ersetzen kann. Denn mein Wunsch, mit dem X-Pro-System zu fotografieren, war doch geboren aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen. Und es sieht so aus, dass die X-Pro1 diese Alternative auch dauerhaft sein kann. Weil ich mit den – wenigen – Abstrichen, die ich gegenüber einer – eventuell schnelleren und besser ausgestatteten – DSLR machen muss, gut leben kann. Weil sie aufgewogen werden durch andere Vorzüge des kleineren Systems im Messsucherstil. Was schrieb Zack Arias kürzlich zur X-Pro1:

„If you want a travel camera, this is your travel camera. No question about it.“

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-Pro1 Bilder

UPDATE:
Wie an einigen Stellen ergänzt, sind seit Einführung der Kamera bereits mehrere Firmware-Updates zur X-Pro1 und allen drei Objektiven erschienen, durch die das „Blendenklackern“ abgestellt, die AF-Geschwindigkeit verbessert und manches andere optimiert wurde!

Eine Runde über den Brezelweg

– Bahnhof-Terrasse –

Es war mal wieder an der Zeit, loszuziehen. Meine Wahl fiel auf den Brezelweg, eine Runde um Schloss Burg, die ich schon mehrere Male gewandert bin. Sie ist kaum mehr als 16 Kilometer lang und daher auch in einem halben Tag gut zu schaffen. Mit der Regionalbahn fuhr ich bis Solingen-Schaberg und lief dort um 12 Uhr an der Müngstener Brücke los. Erst ein Stück oberhalb der Wupper einen Hangweg entlang, bis ich nach einer halben Stunde auf den Brezelweg stieß.

Allerdings sollte man die Runde nicht unterschätzen. Einige knackige Steigungen gilt es zu bewältigen, bei denen über 600 Höhenmeter zusammenkommen. Der Weg ist aber meist gut zu gehen. Aufgrund des vielen Regens in der letzten Zeit, war es an manchen Stellen nur etwas matschig. Doch das war kaum der Rede wert und ich kam zügig voran. Über die schmalen Pfade, durch Dörfer, auf Waldwegen, den kurzen Asphaltpassagen, mit Blick auf Schloss Burg und das Wasser der Sengbach Talsperre.

Entlang des Weges machte ich ein paar Bilder mit meiner X10. Und ganz passend zur Fujifilm bearbeitete ich sie später im Stile eines Fuji Neopan ACROS 100 Schwarz-Weiß-Films.

Nach knapp fünf Stunden war ich zurück am Ausgangspunkt und trat bei einbrechender Dunkelheit die Heimfahrt an.

– Bruchbude –
– Rundballen –
– NRW –
– 8 –