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Die Fujifilm X-Pro2 – Erste Eindrücke

Jetzt ist sie also Wirklichkeit – die Fujifilm X-Pro2. Lang ersehnt und lang erwartet wurde sie heute offiziell von Fujifilm vorgestellt. Seit Wochen brodelte es bereits in der Gerüchteküche, in der laufend frische Rumors aufgetischt wurden. Alle möglichen Details sickerten schon im Vorfeld durch und es wurde wie eh und je über deren Wahrheitsgehalt wild diskutiert. Mit Interesse schaute auch ich immer wieder hin. Es war lustig zu verfolgen, wie hier ein Produkt „auseinandergenommen“ wurde, das noch gar nicht real war. Mitmischen konnte ich so richtig nicht. Dabei wusste ich, was kommt. Aber ich war zum Schweigen verdonnert.

Bereits im November 2014 war ich nach London zu einem Treffen einiger deutscher und englischer X-Fotografen eingeladen worden, bei dem wir mit Produktentwicklern aus dem Hause Fujifilm über die Nachfolger der X-Pro1 und X-T1 und unsere Wünsche an diese nächste Kamerageneration sprachen. Zugleich wurde uns dort präsentiert, wohin die Reise gehen würde. Aber es gab noch offene Punkte. Möglichkeiten, in diese oder jene Richtung zu entwickeln, und da war es Fujifilm wichtig, Einschätzungen und Meinungen von der Praxisfront einzuholen. Das Meeting war erhellend, weil ich so erfuhr, dass nicht alles immer gleichzeitig geht und vielleicht das eine auf der Strecke bleiben muss, um das andere möglich zu machen. Die Diskussionen waren durchaus kontrovers, aber unterm Strich hatten wir Fotografen doch recht ähnliche Vorstellungen, wie wir die Nachfolgemodelle gerne sehen würden.

Umso gespannter war ich im letzten November, als ich von Fujifilm ein „fertiges“ Vorserienmodell der X-Pro2 in die Hände gedrückt bekam. Ich wollte doch zu gerne wissen, was aus den ganzen damaligen Ideen letztendlich geworden ist und wie dieses und jenes Feature am Ende umgesetzt wurde. Und ob die Kamera schließlich meinen Wünschen entspricht, denn es ist ja durchaus so, dass der eine mit etwas zurechtkommt oder benötigt, was den anderen stört oder völlig schnuppe ist. Gleichwohl war ich stolz zu einer ausgewählten Schar weltweiter Fotografen zu gehören, die dieses neue Fujifilm-Flagschiff bereits vor der Präsentation im Rahmen des fünfjährigen Jubiläums des X Systems nutzen durften.

– Farn – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/480 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Vorbemerkung
Wie gesagt handelt es sich bei meiner X-Pro2 um ein Vorserienmodell, bei der die Firmware noch nicht final ist. Als ich die Kamera bekam, hatte sie noch zahlreiche Bugs. Durch ein „Firmware-Update“ wurden diese in der Zwischenzeit minimiert, aber es ist noch immer nicht die endgültige Version. Daher haben auch die JPGs offiziell noch keine finale Qualität, weswegen ich zur Bildqualität zum aktuellen Zeitpunkt auch noch nichts sagen werde. Die RAW-Dateien hätte ich mit dem RAW FILE CONVERTER EX von SILKYPIX hingegen schon bearbeiten können, aber ich mag das Programm nicht und warte daher ab, bis auch Adobe Camera RAW die X-Pro2 unterstützt und ich die Bilder meinem gewohnten Workflow entsprechend bearbeiten kann. Bislang habe ich deshalb nur den kamerainternen RAW-Konverter benutzt – alle auch hier zu sehenden Fotos sind JPGs OOC.

Auch hatte ich noch nicht die Möglichkeit, die X-Pro2 mit auf eine Reise, Wanderung oder Skitour zu nehmen und unter den Bedingungen zu testen, bei denen ich das X System hauptsächlich einsetze. Das wird dann im März/April in Grönland mit einem Serienmodell geschehen (Anmerkung: es wurde stattdessen erst eine Reise im September …). Mein erster Eindruck ist daher wirklich nur ein vorläufiger, den ich fortlaufend erweitern und überarbeiten werde.

Dabei will ich die Kamera jetzt auch nicht von A-Z erklären – dies ist kein technischer Kameratest, sondern eine persönliche Einschätzung, wie ich die Kamera bislang empfunden habe, vor allem im Vergleich zur X-Pro1 und X-T1.

– Selma – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/125 Sek, f 2, ISO 1250 –

Gehäuse, Haptik, Tasten, Räder, usw.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich den Messsucherlook der X-Pro-Reihe dem DSLR-Design der X-T1 vorziehe. Ich schaue mit dem rechten Auge durch den Sucher, kann die linke Kameraseite dabei bequem aber stabil an der Nase anlegen und muss mich nicht komplett hinter ein Gehäuse klemmen. Daher war ich auch sehr scharf auf einen Nachfolger der X-Pro1. Nur aufgrund der überlegenen Features der X-T1 war ich seit deren Erscheinen bevorzugt damit unterwegs. Für mich ein Kompromiss, zumal ich ein Gehäuse ohnehin lieber etwas größer als kleiner mag, was zudem für die X-Pro spricht (Batterie- und Hochformatgriff an der X-T1 hin oder her …).

Gehäuse
Das Gehäuse der X-Pro2 ist einen Tick größer und auch schwerer als das der X-Pro1. Durch das höhere Gewicht wirkt die Zweier solider und nicht so „luftig“ wie die Einser. Zudem ist die Kamera wie die X-T1 abgedichtet, was mir und meiner Fotografie bei oft miserablem Wetter sehr entgegenkommt. Der Griffwulst vorne und die Daumenablage hinten sind etwas ausgeprägter als bei der X-Pro1, wodurch die X-Pro2 selbst ohne Zusätze besser in der Hand liegt als ihre Vorgängerin. Am grundsätzlichen Design hat Fujifilm nicht viel geändert, was ich sehr begrüße. Viele Fragen sich zwar, warum die Kamera so groß ist, hat sie doch nur einen APS-C Sensor inne. Denen kann ich nur entgegnen, dass sie dadurch handlicher ist. Die deutlich kleinere X-E-Serie empfinde ich beispielsweise lange nicht so ergonomisch.

Monitor und Tasten
Der Monitor ist auf die linke Seite gerückt. Alle Tasten sind jetzt ausschließlich oberhalb und überwiegend rechts davon angeordnet, wodurch sich die Kamera sehr bequem allein mit der rechten Hand bedienen lässt, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen. Zum Glück ist Fujifilm bei der X-Pro2 kein solcher Fauxpas passiert wie einst bei der ersten X-T1-Generation mit ihrem fummeligen Steuerkreuz. Alle Tasten sind hier griffig und mit deutlichem Klick – die besten aller X-Modelle bislang. Sechs der Tasten sind darüber hinaus als Fn-Tasten nutzbar (die vier des Steuerkreuzes, eine auf der Oberseite und eine auf der Vorderseite, die integriert ist in den „Sucherhebel“).

Der Joystick
Wichtigste Neuerung ist allerdings der Fokushebel! Solch einen Steuerknüppel hatte ich mir schon lange gewünscht, mit dem per Daumen rasch und bequem das AF-Messfeld ohne weiteren vorherigen Tastendruck kreuz und quer verschoben werden kann. Und auch durch ein aufgenommes Bild oder durchs Menü lässt sich damit geschwind hin und her wandern.

Zweites Einstellrad und Plus-Minus-Korrektur
Eine weitere Änderung gegenüber der X-Pro1, aber schon von der X-T1 bekannt, ist das zusätzliche Einstellrad auf der Vorderseite. Eine seiner Funktionen habe ich in Ermangelung einer Bedienungsanleitung allerdings eher zufällg gefunden: Wie die vorigen X Kameras hat die X-Pro2 nun auch ein von -3 bis +3 reichendes Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Und für alle, denen diese Werte nicht ausreichen, hat das Rad neu zusätzlich die Position C. Ist diese eingestellt, funktioniert die Plus-Minus-Korrektur über das vordere Einstellrad von -5 bis +5. Ein Druck aufs Rad genügt und es ist aktiviert. Mit einem weiteren Druck kann man eine vorgenomme Korrektur fixieren.

Zwei Kartenslots
Wie bei der X-T1 ist das Speicherkartenfach nun separat vom Batteriefach auf der rechten Seite angebracht. Und wie die Türe zu den HDMI-, USB- und Mic/Remote-Anschlüssen auf der linken Seite, ist der Verschluss zu den Speicherkarten deutlich solider konstruiert als bei der X-T1. Auch hier scheint Fujifilm dazugelernt zu haben und manche Krankheit früherer Modelle gar nicht mehr aufkommen zu lassen.

Und ja, es gibt endlich zwei Kartenslots, die ich mir wie den Fokushebel sehr gewünscht habe. Allein dadurch ist die X-Pro2 für meine langen Wildnisaufenthalte ohne zwischenzeitliche Backup-Möglichkeit von nun an sicherlich erste Wahl. Direkt in der Kamera ein Backup der Fotos erstellen zu können, ist der denkbar einfachste Weg der Datensicherung. Klar, wer im Studio fotografiert und seine Bilder direkt in einen Rechner schießt, braucht das nicht. Für mich ist das aber ein Riesenschritt nach vorne, der mir unterwegs mehr Schlaf garantieren wird. Dabei ist allerdings nur ein Kartenslot UHS-II kompatibel, der andere nur UHS-I – für zwei schnelle war sicherlich kein Platz, was ich verschmerzen kann. Die Kartenfächer lassen sich zudem unterschiedlich konfigurieren – Sequenziell, Sicherung oder RAW/JPG.

ISO-Verstellung
Die ISO-Verstellung ist neuerdings ins Zeitenrad auf der Oberseite integriert. Ganz wie in alten analogen Zeiten und wie ich es von meiner Nikon FM2 kenne. Hier sehe ich aber durchaus Potenzial für kontroverse Meinungen. Sicherlich ist die Lösung all jenen geschuldet, die zwingend nach einem extra ISO-Rad gerufen haben. Die Fotografen, die oft die ISO-Zahl verstellen, hätte eine ISO-Taste in Verbindung mit einem der Einstellräder sicherlich besser geschmeckt. Bislang komme ich mit der „neuen“ Lösung aber ganz gut zurecht, da ich primär AUTO-ISO benutze und das Rad weitestgehend in der A-Stellung belasse und nur in Ausnahmefällen einen bestimmten ISO-Wert direkt einstelle. Positiv in diesem Zusammenhang sind die nun drei programmierbaren AUTO-ISO-Einstellungen, die sich bequem und fix über eine Fn-Taste auswählen lassen. Der ISO-Bereich geht übrigens regulär von 200 bis 12.800 plus erweiterbar auf ISO 100, 25.600 und 51.200 (in Drittelstufen).

Verschluss
Die Verschlusszeiten reichen jetzt mechanisch bis zur 1/8000 Sek und elektronisch bis zu 1/32.000 Sek (kürzeste Blitzsynchronzeit ist 1/250 Sek, zudem wird HSS mit bis zu 1/8000 Sek unterstützt). Der Verschluss hat eine sehr geringe Vibration und ist für 150.000 Auslösungen ausgelegt. Der Auslöser verfügt wie bei der X-Pro1 weiterhin über ein Drahtauslösergewinde!

Akku
Der Akku ist identisch mit denen voriger X Kameras. Kontinuität finde ich hier positiv, auch wenn ich mir mehr Leistung durchaus gewünscht habe. Aber das hätte aktuell einen größeren Akku erfordert, der dann keinen Platz für einen zweiten Kartenslot gelassen hätte. Durch drei Optionen beim POWER MANAGEMENT ist es aber dennoch möglich, die Anzahl machbarer Auslösungen zu erhöhen, da die Effizienz der Kamera gesteigert wurde. So lässt sich die Wiederholungsrate des EVF von 85 FPS auf 54 FPS absenken, wodurch Energie gespart wird (Einstellung STANDARD anstelle HOCHLEISTUNG). Und wer den OVF nutzt, kann durch die ECO-Stellung noch länger fotografieren. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die Kamera zusätzlich um eine Energiesparfunktion erweitert worden!). Daneben ist die Akkustandsanzeige nun auf 1% genau. Und wo wir schon auf der Kameraunterseite sind: Das Stativgewinde befindet sich bei der X-Pro2 in der Objektivachse!

„Kritikpunkt“: Der Monitor ist nicht als Klappdisplay verbaut. Viele hatten sich das gewünscht (bzw. als erstes No-Go bezeichnet) und ich hatte es an der X-T1 auch schätzen gelernt. Ob für den Verzicht allein der Retro-Faktor ausschlaggebend war oder ein Klappdisplay die Kamera z. B. deutlich dicker gemacht hätte, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es kein Gerät geben, das alle Wünsche zu 100% befriedigt.

– Regentropfen – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/250 Sek, f 4, ISO 640 –

Der Hybrid-Sucher

Wie bereits  die X-Pro1 und X100-Serie verfügt die X-Pro2 über einen Hybrid-Sucher bestehend aus einem optischen (OVF) und elektronischen (EVF) Sucher. Je nach Bedarf und Vorliebe kann zwischen beiden Optionen gewechselt werden. Das geht wie eh und je ganz leicht mit einem Finger der rechten Hand über einen Hebel auf der Vorderseite. Und wie schon bei der X100T hat die neue X-Pro nun auch den ERF (elektronischer Messsucher) an Bord. Dieser funktioniert wie der optische Sucher, aber zusätzlich mit einer Live-View-Vorschau, bei der ein Komplettbild zur Kontrolle der Belichtung, Farben und des Bildausschnitts, oder eine in zwei Stufen vergrößerbare Ansicht der aktuellen Fokusposition an der unteren rechten Ecke des Suchers eingeblendet wird (mit den Optionen DIGITALES SCHNITTBILD und FOCUS PEAKING).

Das „Alleinstellungsmerkmal“ Hybrid-Sucher ist für mich aber kein Grund, die X-Pro-Serie den anderen Kameras vorzuziehen. Schon bei der X-Pro1 habe ich frühzeitig fast ausschließlich den EVF benutzt und den OVF als nettes zusätzliches „nice to have“ angesehen. Daher habe ich mich nie sonderlich mit dem optischen Sucher beschäftigt und das in der jetzigen Probezeit der X-Pro2 auch nur rudimentär getan. Im Vergleich zur X-Pro1 scheinen die zur Bildfeldbegrenzung eingeblendeten Leuchtrahmen das Endergebnis „genauer“ darzustellen (92% gegenüber 90%) und bei manueller Fokussierung wandert der Leuchtrahmen zum Parallaxenausgleich mit (wie es bei AF-Nutzung nach Antippen des Auslösers geschieht und der Leuchtrahmen an die korrekte Position springt). Schön ist zudem, dass bei der Verschiebung des Fokusmessfeldes im AF-Betrieb auch im OVF der Bereich mit Phasendetektion erkennbar und gelb eingerahmt ist. Auch ist der OVF nun für Brennweiten von 18mm bis zu satten 140mm ausgelegt. (Hinweis: Mehr zum Leuchtrahmen, Bildbereich und der Parallaxe hatte ich bereits in meinem Erfahrungsbericht zur X-Pro1 geschrieben).

Der EVF ist im Vergleich zur X-T1 natürlich nicht so groß, die dafür aber auch einen Sucherbuckel benötigt, hat aber identische Auflösungswerte. Im Gegensatz zum aktuellen T-Modell punktet der elektronische Sucher der X-Pro2 allerdings mit einer wesentlich höheren Wiederholungsrate (bei der Einstellung HOCHLEISTUNG unter POWER MANAGEMENT) und er wirkt auf mich in dunkler Szenerie deutlicher rauschärmer.

Letztendlich kann ich wie zur X-Pro1 nur sagen, dass es eine wunderbare Sache ist, beide Sucherarten nutzen zu können und die Welt auf optischem oder elektronischem Wege zu betrachten. Aber das ist noch nicht alles: Es gibt jetzt auch eine integrierte Dioptrienkorrektur!

– Gegenlicht – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/500 Sek, f 4, ISO 250 –

Der Autofokus

In der X-Pro2 werkelt ein gegenüber der X-T1 weiterentwickeltes Hybrid-AF-System aus einer Kombination aus Kontrast-Autofokus und Phasendetektions-AF. Bekannt sind die AF-Modi Einzelpunkt, Zone und Weit/Verfolgung, die sich in ihrer grundlegenden Funktion nicht vom T-Modell unterscheiden. Neu sind allerdings zwei Punkte: zum einen ist der Sensorbereich mit Phasendetektions-Pixeln deutlich vergrößert worden, was einen genaueren und schnelleren Autofokus bei schwacher Beleuchtung und schwachem Kontrast über einen größeren Bildbereich ermöglicht (wichtig auch für die „Tracking-Funktion“, bei der die Schärfe prädiktiv nachgeführt wird, die auch von einer um 100% schnelleren Auslesung des Sensors profitiert), zum anderen ist die Anzahl der Fokusmessfelder von 77 auf satte 273 erhöht worden (im Menü kann zwischen 77 Punkten (7×11) und 273 Punkten (13×21) ausgewählt werden). Wichtig: Die 273 Messfelder stehen nur bei Einzelpunkt-AF zur Verfügung, bei Zone und Weit/Verfolgung jedoch nur die 77 Messfelder. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 beträgt die Anzahl der Fokusmessfelder – wie bei der X-T2 – 91 bzw. 325, entsprechend nun 7×13 bzw. 13×25!).

Inwieweit die AF-Geschwindigkeit im Gegensatz zur X-T1 im praktischen Einsatz gesteigert werden konnte, habe ich bei meinen bisherigen Einsätzen noch nicht hinreichend feststellen können, da mir dafür bislang die „Actionmotive“ fehlten. Auf dem Papier hat die X-Pro2 jedenfalls die schnellste Performance aller bisherigen X-Serie-Kameras, denn auch der Kontrast-AF arbeitet nun doppelt so fix. Die wichtigste Verbesserung ist in diesem Zusammenhang in meinen Augen aber ohnehin der Fokushebel, der allein für einen ordentlichen Boost im ganzen AF-Prozedere führt. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die AF-Performance auf das Niveau der X-T2 angehoben!).

Und auch für die Freunde der Gesichtserkennung gibt es eine Neuerung: Zusätzlich ist eine Augenerkennung implementiert, bei der auch gezielt eine Priorität für das linke oder rechte Auge vorgewählt werden kann.

– Ilex – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/3000 Sek, f 2.8, ISO 1600 –

Filmsimulationen und RAW

Bei dem London-Meeting meinte ich einst etwas scherzhaft auf die Frage, welche zusätzlichen Filmsimulationen wir uns wünschen würden, man solle den Kodak Tri-X nehmen. Gut, das geht in einem Fotoapparat von Fujifilm natürlich nicht. Schließlich ist der ACROS hinzugekommen, auch ein schwarzweißer Klassiker (basierend auf dem analogen Neopan ACROS), der alle bisherigen S/W-Modi deutlich überflügeln soll (manche meinen gar, die X-Pro2 käme damit nah an Leicas Monochrom heran). Neben einer sehr guten Durchzeichnung der Schatten und Lichter ist es eine weitere Besonderheit dieser Filmsimulation, dass hier Filmkorn passend zum verwendeten ISO-Wert zugefügt wird (je höher die ISO-Zahl, desto stärker das Korn). Ohnehin ist der Körnungseffekt neu, der in zwei Stufen (SCHWACH und STARK) auch allen anderen in der X-Pro2 vorhandenen „Filmen“ beigefügt werden kann. Diese Körnung verleiht vielen Aufnahmen häufig den extra Kick analogen Charme. Daneben sind die Einstellungen für TON LICHTER, SCHATTIER. TON, FARBE, SCHÄRFE und RAUSCHREDUKTION nun differenzierter (zwischen -2 und +4 für Lichter und Tiefen und -4 und +4 für Farbe, Schärfe und Rauschreduktion), was dem internen RAW-Konverter ebenfalls zugute kommt, wo zudem der Bereich der PUSH/PULL-Verarbeitung nach unten auf -2 erweitert wurde. Wenn das alles primär die JPG-Fotografen interessiert, gibt es aber auch für die RAW-Freunde Neuigkeiten: Neben unkomprimierten RAW-Dateien steht nun alternativ eine absolut verlustfreie Kompression zur Verfügung, die gerade bei den größer gewordenen Bilddateien Sinn macht. Und das mit 14 Bit!

– Seilrutsche – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/100 Sek, f 8, ISO 200 –

Der Sensor und die Bildqualität

Der neue X-Trans CMOS III Sensor von Sony hat nach wie vor APS-C-Größe und vereint darauf 24,3 Megapixel. Die auf 6000×4000 Pixel angestiegene Auflösung heiße ich gerne willkommen, da sie mir mehr Spielraum für große Ausdrucke bietet. Dazu wirkt sich der ebenso neue X Prozessor Pro nicht nur auf jegliche Geschwindigkeit aus – die Kamera läuft in allen Belangen flüssig und reaktionsschnell -, sondern auch auf die Bildqualität, Rauschfreiheit und den Dynamikumfang.

Wie gesagt lasse ich Beurteilungen der Bildqualität für den Moment noch links liegen, da ich bisher nicht mit einem Serienmodell mit finaler Firmware fotografiert habe. Wer will, kann sich aber gerne die hier eingestreuten Bilder näher zu Gemüte führen und mit einem Klick aufs Bild auf Flickr größer ansehen. Was mir jedoch sofort sehr positiv auffiel, war die fantastische Qualität bei hohen ISO-Werten, wo Fujifilm trotz gestiegener Megapixel nochmals eine Schüppe draufgelegt hat!

„Kritikpunkt“: Ach ja, der Sensor ist nicht stabilisiert. Es gibt also kein IBIS (In Body Image Stabilization). Für viele neben dem fehlenden Klappdisplay ein absolutes No-Go (ein weiteres folgt gleich noch), für das es, wie sollte es bei Fujifilm anders sein, sicherlich einen guten Grund gibt. Zum einen ist der OIS in den Objektiven laut Fujifilm leistungsstärker. Zum anderen gibt es bei den X-Trans-Sensoren angeblich Probleme mit der Stabilisierung in der Kamera, wie ich hörte. Genaues weiß ich hier aber nicht. Nur so viel, dass dies kein Grund für mich ist, die X-Pro2 als unbenutzbar einzustufen, wie ich es hier und da schon aufschnappte.

„Kritikpunkt“: Oh, direkt noch einer … Ja, die Kamera kann auch kein 4K. Nur FULL-HD mit bis zu 60P. Wieder so ein No-Go. Mir ist das (noch) wurscht. Wenn ich etwas filme, reicht mir das, was ich von Fujifilm da gerade bekomme. Und der Grund, warum 4K nicht drin ist, soll der sein, dass die Knipskiste dann zu stark erhitzen würde. Um das zu vermeiden, hätte der zweite Kartenslot rausfliegen müssen. Oder so ähnlich. Es geht halt nicht alles gleichzeitig parallel nach vorne, wie uns auch in London erklärt wurde. Nur Schritt für Schritt. So muss man sich auch beim elektronischen Sucher dazwischen entscheiden, entweder die Auflösung hochzuschrauben oder die Wiederholungsrate anzuheben. Beides gleichzeitig auf ein ganz hohes Niveau zu hieven, klappt nicht. Und überhaupt: Die X-Pro2 ist in erster Linie eine Fotokamera und keine Videokamera (was bei einer Knipse im Rangefinderstyle auch naheliegt …). (UPDATE: Seit Firmware-Version 4.00 verfügt die X-Pro2 nun doch auch über 4K-Video!).

(PS: Von einer X-T2 erwarte ich mir dann natürlich wieder ein Klappdisplay. Auch 4K. Aber vielleicht fehlt dort dann weiterhin das zweite Kartenfach. Und ob die IBIS hat, sei auch dahingestellt.)

Dafür gibt es jetzt schon mal PIXEL-MAPPING in der X-Pro2. Wer also mal tote Pixel im Bild findet, kann sich derer leicht entledigen.

Die Menüstruktur

Auch die Menüstruktur und die Sucheranzeigen sind überarbeitet worden. Vor allem das Menü ist nach meinem Geschmack nun klarer strukturiert, um schneller ans Ziel zu kommen. Es ist jetzt nicht mehr nur nach AUFNAHME-MENÜ und HAUPTMENÜ unterteilt, sondern nach den Punkten BILDQUALITÄT, AF/MF, AUFNAHME, BLITZ, FILM und EINRICHTUNG gegliedert. Hinzu kommt noch MY-Menü für eine persönliche Konfiguration. Ich fand mich schnell zurecht.

Rentier, Foto: Martin Hülle
– Rentier – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/45 Sek, f 2, ISO 3200 –

Schlussbemerkung

So, das soll es erstmal gewesen sein. Wie oben geschrieben, werde ich meine Eindrücke fortlaufend ergänzen, sobald ich neue Erkenntnisse gewinne. Vielleicht habe ich auch den einen oder anderen Punkt vergessen. Zu vielfältig sind die Neuerungen und Verbesserungen der X-Pro2. Auch hier werde ich fehlendes nachtragen, wenn es auffällt.

Für ein Fazit ist es noch viel zu früh. Dafür habe ich die Kamera noch nicht in meinem „gewohnten Umfeld“, also unterwegs in wilder Einsamkeit, nutzen können. Doch vieles spricht dafür, dass mich die X-Pro2 bald in Grönland, bei meiner letzten Reise meines Projekts Mein Norden mehr als zufriedenstellen wird. Schließlich bietet sie im Grunde all das, was ich mir bei Fujifilm als wichtigste Verbesserungen gewünscht habe: Ein nahezu unverändertes Gehäuse gegenüber der X-Pro1, allerdings wie die X-T1 jetzt auch wetterfest und kälteresistent, dazu zwei Kartenslots, den AF-Joystick, etwas mehr Auflösung, einen weiter verbesserten Autofokus, gesteigerte Geschwindigkeit und viele weitere Kleinigkeiten, die das Fotografieren angenehmer machen.

Und nicht zuletzt hat auch die X-Pro2 diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-Pro2 Bilder

Tipp: Für noch mehr Hintergrundinformationen und weitere Details zu technischen Feinheiten wie dem Dynamikumfang, ISOlosen Sensor und vielem mehr empfehle ich den First Look von Rico Pfirstinger.

UPDATE:
Wie an einigen Stellen ergänzt, sind seit Einführung der Kamera bereits mehrere Firmware-Updates zur X-Pro2 erschienen, durch die z. B. die AF-Performance verbessert und 4K-Video hinzugefügt wurde!

Ein Microadventure

– 92 851 –

Kaum einen Wanderweg kenne ich so gut wie den Rundweg um Ennepetal. Und wenn ich diese 54 km lange Strecke auch schon so häufig gelaufen bin, lockt sie mich doch immer wieder einmal. Zuletzt Mitte Mai gemeinsam mit Joël Wagner – zwei Tage lang wollten wir nah unserer Heimat ein kleines „Microadventure“ erleben. Hatte ich die Runde in der Vergangenheit oft in schnellem Tempo an einem Stück absolviert, sollte es dieses Mal weniger sportlich und dafür fotografischer zugehen. Joël hatte seine Leica M mit drei Festbrennweiten dabei. Ich Fujifilms X-T1 und das 23er, 56er und 10-24er.

Wir versuchten, Details am Wegesrand einzufangen. Dinge aufzuspüren, an denen ich früher meist einfach vorbeimarschiert war. Wir krochen mit den Kameras im Anschlag gar bis in stacheligen Ilex hinein und waren so vertieft in die Fotografiererei, dass darüber die Zeit wie im Flug verging und wir länger als gedacht durch Wald und Flur, an Talsperren entlang und über manchen Berg zogen. Der Wappenweg ist ohnehin nicht zu unterschätzen – 1800 Höhenmeter wollen hinauf und wieder hinunter bewältigt werden. Aber das schreckte uns nicht. Wir stießen auf einsame Pferde und neugierige Kühe, liefen durch ein Spalier aus Ginsterbüschen und übernachteten im Zelt an einem idyllischen Bach.

An beiden Tagen waren wir jeweils zehn Stunden mit geschulterten Rucksäcken auf den Beinen und mussten schließlich mit jedem weiteren Schritt feststellen, wie sehr unsere Füße ermüdeten und der Griff zur Kamera nachließ. Die Wanderung über Stock und Stein forderte ihren Tribut, den wir aber gerne bereit waren zu zahlen, auch wenn zum Ende hin ein baldiges Ankommen fast wichtiger schien als ein weiteres Foto.

Zurück in Schwelm, dem Start- und Zielpunkt unseres kleinen Abenteuers, waren wir gleichauf zufrieden und erschöpft. Wir waren nah der eigenen Haustüre dem Alltag entflohen und eingetaucht in die Natur. Wir waren auf Entdeckungsreise gegangen. Das sollten wir öfters machen!

– E-ZAUN –
– Licht und Schatten –
– Frei laufender Knorzi –
– Schritt für Schritt –

> Bildergalerie Rund um Ennepetal, Ein Microadventure

Die Fujifilm X-T1 – Erste Eindrücke

– Regen und Bokeh – X-T1, XF23mmF1.4 R, 1/80 Sek, f 1.4, ISO 1600 (Velvia) –

Vor gut einem Monat bekam ich die Fujifilm X-T1 bei einem Besuch in Düsseldorf in die Hände gedrückt. Zusammen mit meinem X-Photographer Kollegen Bernd Ritschel war ich von Fujifilm eingeladen worden, um von unseren Erfahrungen mit dem X System zu berichten und einigen aus Japan angereisten Entwicklern direktes Feedback zu geben. Es war eine lockere Runde gehaltvollen Austauschs, nach der wir beide eine X-T1 unser Eigen nennen durften und die Kamera seitdem mein neues Arbeitstier ist.

Ich war auf diesen neuen Fotoapparat extrem gespannt. Und als ich die X-T1 in Fujifilms Europazentrale zum ersten Mal anfassen konnte und durch den Sucher blickte, entfuhr mir ein „Wow“. Kamen alle bisherigen elektronischen Gucklöcher eher einem Mäusekino gleich, öffnet sich hier eine Großbildleinwand! Mittig in der optischen Achse platziert, ist dieser in einem Höcker untergebrachte EVF eines DER Aushängeschilder der Kamera. Die üppige Suchervergrößerung ist im wahrsten Sinne großartig und erlaubt einen perfekten Blick auf das Motiv. Wer braucht da noch einen optischen Sucher? Schwenkt man die Kamera ins Hochformat, verändern auch alle Anzeige-Elemente im Sucher automatisch ihre Position. Dass der EVF dazu enorm reaktionsschnell ist – bisher häufig ein Manko elektronischer Sucher – und die Szenerie „in Echtzeit“ darstellt, begeistert zusätzlich. Ein Triumph der Ingenieurskunst, diesen riesigen Sucher in der äußerlich doch sehr kompakten Kamera unterzubringen, wie uns die Japaner voller Stolz erläuterten. Als Nebeneffekt wird der Messsucherlook bisheriger X-Modelle aufgegeben und die X-T1 kommt im DSLR-Design daher. Das ist so ein Pro-und-Kontra-Ding – manche werden es begrüßen, weil es sie an eine Spiegelreflex erinnert, andere werden dem Rangefinderstil nachtrauern …

Einem ersten Härtetest wollte ich die Kamera Mitte Februar in Schweden unterziehen, wo ich zu zwei Tagen Nordic Iceskating eingeladen war. Im Royal Viking Hotel in Stockholm waren die X-T1 und ich auch noch guter Dinge. Doch auf dem zugefrorenen See Mälaren sahen wir uns bald der Realität ausgesetzt und viel zu schnell war Schluss mit lustig. Das Wetter mies mit Regen und Wind. Ich unbeholfen auf den schmalen Kufen. Zu Fotos kam ich kaum, zu sehr hatte ich mit mir selbst zu tun. Damit, mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Mich der Herausforderung des Schlittschuhlaufens zu stellen, war eine Sache. Zu scheitern, die andere. Nach Stunden auf glattem Grund stürzte ich, schlidderte über das blanke Eis und verdrehte mir ungünstig das Knie. Später schmerzte es – wohl aufgrund einer Überdehnung des Innenbandes. Den Folgetag hängte ich die Skates an den Nagel und schlenderte stattdessen durch Sigtuna, die erste Stadt Schwedens, wo im Café Tant Brun bei leckerem Gebäck und Cappuccino der Frust der „Niederlage“ verblasste.

Naja, andere Motive mussten nun her, um mich dem neuesten Fujifilm-Gerät weiter zu nähern …

– Mälaren – X-T1, XF27mmF2.8, 1/50 Sek, f 8, ISO 1600 (Astia) –
– Sigtuna – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/420 Sek, f 4, ISO 200 (PRO Neg. Std) –

Im Hier und Jetzt

Als ich die X-T1 dann hier zu Hause mit auf Fotopirsch nehme, erfreue ich mich an der Haptik des dank Griffwulst und Daumensporn sehr griffigen Magnesium-Gehäuses. Am Damwildgehege im Nordpark ist es ein Leichtes, zum Anlocken der Tiere eine Schachtel Wildfutter in der linken und die Kamera in der rechten Hand zu halten. Die Spitzen der Schaufelgeweihe, die durch den Gitterzaun stoßen, machen mir kaum Sorgen – die Kamera wirkt äußerst robust. Ich mache Bild um Bild, will unbedingt das Foto, wie ein Damhirsch mit seiner Zunge nach den Leckereien giert und bin nach vielen Auslösungen irgendwann erfolgreich.

Erfreulich auch der erleichterte Zugriff auf den Speicherkarten-Slot, der sich nicht mehr wie bei den bisherigen X-Kameras im Akkufach auf der Unterseite befindet, sondern nun seitlich zugänglich ist. Ich hätte allerdings einen Dual-Slot zudem vorgezogen, um schon in der Kamera ein Backup meiner Fotos erstellen zu können. Doch Fujifilm hat sich für eine Kompatibilität mit den neuen und ultraschnellen SDXC UHS-II Speicherkarten entschieden, die mehr Kontakte haben und ein größeres Bauteil in der Kamera benötigen. So fand nur ein Schlitz im Gehäuse Platz.

– Damwild – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/250 Sek, f 4, ISO 800 (SW + Grün-Filter) –

Als Outdoor-Fotograf, der viel bei schlechtem Wetter und im Winter unterwegs ist, zählt für mich vor allem auch, dass eine Kamera hart im Nehmen ist. Ein windiger, verregneter Abend am Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen bietet da realistische Testbedingungen und ich treibe mich auf Bahnsteigen und zwischen Unterständen umher (siehe Bild oben). Regentropfen prasseln mir um die Ohren, doch der an 80 Stellen abgedichteten X-T1 macht das rein gar nichts aus. Dass sie bis minus zehn Grad kälteresistent sein soll, beruhigt zusätzlich. Einziger Wehrmutstropfen: Manche Tasten, wie das Steuerkreuz auf der Rückseite, sind der wetterfesten Verarbeitung wegen nur fummelig zu bedienen. Einen Tod muss man wohl sterben.

Um dem gegenüber Fujifilms X-E2 nochmals weiterentwickelten Hybrid-Autofokus auf den Zahn zu fühlen, nutze ich Selmas Begeisterung für Spielplätze. Dort düst sie die Rutsche hinab und ich feuere eine 8-Bilder-pro-Sekunde-Salve nach der anderen ab. Obwohl der AF-C-Modus mit einer „Tracking-Funktion“ arbeitet und die Schärfe prädiktiv nachführt, ist es in dieser Situation nicht ganz einfach, zu scharfen Bildern zu kommen, wenn sich Selma rasend schnell auf mich zubewegt und ich gleichzeitig die Kamera entlang der Rutsche von oben nach unten mitziehe, um mein Model immer korrekt im Bild zu haben. Dennoch sind die Resultate bei diesem Test sehr vielversprechend und Fujifilms Spiegellose kann auf diesem Gebiet auch DSLRs sicherlich Paroli bieten. Ich muss mich nur selber der Actionfotografie weiter widmen, macht doch Übung auch hier den Meister.

– Rutschpartie – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/2000 Sek, f 4, ISO 400 (PRO Neg. Hi) –

Nach ein paar Wandertouren mag ich die X-T1, deren Bedienung dank fünf Wählrädern auf der Oberseite und sechs frei belegbarer Fn-Tasten sehr intuitiv ist, nicht mehr missen. Darüber hinaus erwische ich mich dabei, dass aufgrund des Klapp-Display – einem Feature, das ich bisher immer eher belächelt hatte – auch Aufnahmen aus der Frosch- oder Vogelperspektive besonders bequem umzusetzen sind. So gelingen dynamische Perspektiven einer kühnen Wanderin, ohne mich auf dem Boden wälzen zu müssen.

Und die Bilder? Bei all dem Potenzial und der geballten Power der X-T1 bleibt die Betrachtung der Bildqualität beinahe auf der Strecke. Was aber nicht verwundert, werkelt der bewährte 16 Megapixel APS-C X-Trans CMOS II Sensor doch auf einem gleich hohen Niveau, wie es die bisherigen X-Kameras von Fujifilm schon tun. Auch die bereits bekannten und an analoge Fujifilm-Klassiker erinnernden Filmsimulationen sind mit an Bord. Neuerdings lassen sich diese auch in Adobe Camera RAW für Photoshop CS6 und CC auf die RAW-Bilder anwenden und sind dort auswählbar. Wer auf Provia, Astia, Velvia und Co. steht, muss jetzt nicht mehr auf die JPGs vertrauen oder sich die Anmutung selber für die RAW-Bilder zurechtbasteln, sondern findet in ACR eine sehr passende Umsetzung. Die hier gezeigten Bilder sind auf dem Wege nachbearbeitet. Für mich ist das aber sicherlich nur eine Übergangslösung, bis VSCO die X-T1 in seinen Film-Kollektionen unterstützt. Deren Look mag ich einfach noch lieber.

Und zu guter Letzt: Dank Wi-Fi ist obendrein eine kabellose Anbindung und Fernsteuerung via Smartphone oder Tablet möglich. So wird die Fujifilm X-T1 vollends zum Tausendsassa.

– Holzweg – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/2900 Sek, f 2.8, ISO 400 (PRO Neg. Std) –

Die Stärken der X-T1

  • Der EVF – Groß, hochauflösend, reaktionsschnell
  • Der Autofokus – Treffsicher und schnell samt einem AF-C, der seinen Namen verdient
  • Das Gehäuse – Wetterfest, robust, solide und mit toller Haptik
  • Die Bedienung – Wählräder und Fn-Tasten mit einfach sauvielen direkten Zugriffen

Die Schwächen der X-T1

  • Die Tasten – Das Steuerkreuz auf der Rückseite ist etwas fummelig

Was Fujifilm durch Firmware-Updates verbessern könnte

  • Die Video-Taste sollte zu einer weiteren Fn-Taste werden
  • Die Fn-Taste auf der Vorderseite sollte bei Bedarf ganz abschaltbar sein oder länger gedrückt werden müssen (2 Sek.), um die gewünschte Funktion zu aktivieren – ich habe sie schon mehrfach versehentlich gedrückt

Vorläufiges Fazit

Fujifilm ist mit der X-T1 ein großer Wurf gelungen und die Kamera ist aktuell der ausgewogenste Spross aus dem X System. Dank der äußerst gelungenen Symbiose aus „klassischer“ Bedienung, robustem und wetterfestem Gehäuse, technischen Finessen und bekannt hoher Bildqualität ist das Modell dafür prädestiniert, dem Markt der spiegellosen Systemkameras weiteren Schwung zu verleihen.

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-T1 Bilder

UPDATE:
Seit Einführung der Kamera sind bereits mehrere Firmware-Updates zur X-T1 erschienen, die vielfältige Verbesserungen und Erweiterungen beinhalten! Und auch das Steuerkreuz auf der Rückseite wurde überarbeitet!

Fossá – Der höchste Wasserfall auf den Färöer-Inseln

– Fossá –

Selma war im Auto eingeschlafen, als wir an der Ostseite der Färöer-Insel Streymoy entlang von Tjørnuvík zurück gen Tórshavn fuhren. Zwischen Haldarsvík und Langasandur nutzte ich die Gunst der Stunde, einen weiteren Stopp einzulegen, um oberhalb der Straße den höchsten Wasserfall des Archipels in Ruhe abzulichten. Ich hing mir die Fototasche über die Schulter, holte das Stativ aus dem Kofferraum, kletterte über die Leitplanke und stieg ein kurzes Stück das Fossdalur hinauf. Während Selma weiter im Reich der Träume weilte und Nina sich ein Buch schnappte, hatte ich genügend Ruhe, mich ein paar Langzeitbelichtungen des über zwei Kaskaden insgesamt 140 Meter in die Tiefe stürzenden Fossá hinzugeben.

Zuerst kraxelte ich ganz hoch hinauf bis ran an die überhängenden Felsen, über die sich der untere Fall ergießt. Dabei hielt ich Ausschau nach einem guten Standort, dem besten Winkel. Ich versuchte es an mehreren Stellen, machte Probebilder, baute das Stativ auf und wieder ab. Dann fand ich eine gute Position. Doch die Sonne schien über den Berg – ein Gegenlicht, das die hellsten Stellen des Wassers ausfressen ließ. Zu hässlich diese Spitzlichter. Ich wartete. Darauf, dass sich Wolken vor die  Sonne schoben und sich der Kontrast minderte. Nach einer Weile hatte ich Glück – jetzt passte es. Ich machte ein erstes Bild des Fossá. Dabei war nicht nur der Sonnenschein ein Problem, sondern auch der Wind. Mit dem 14-mm-Weitwinkel stand ich ganz nah dran am Wasserfall und immer wieder wurden feine Tropfen herangeweht, die sich auf der Linse – oder besser gesagt dem aufgeschraubten Graufilter – absetzten. Ein Tuch hatte ich immer zur Hand und versuchte, zwischen all den Auslösungen, das Nass wieder fortzuwischen. So hatte ich schließlich den Wasserfall aus dieser Perspektive im Kasten. Aber das reichte mir noch nicht.

Über Gras und Steine balancierte ich wieder ein Stück hinab. Dicht an den Flusslauf, wo ich auf Steinen im Wasser das Dreibein errichtete. Ich rückte es etwas hierhin, dann dorthin, bis ich auch an dieser Stelle einen guten Aufnahmewinkel gefunden hatte. Bei diesem zweiten Bild des Fossá wollte ich nicht nur eine richtig lange Belichtungszeit anwenden, um das Wasser im Vordergrund ganz samtig darzustellen, sondern auch die Bewegung der Wolken am Himmel sollte sichtbar werden. Um das gewünschte Resultat zu erzielen, griff ich zum stärksten Graufilter. Auch hier machte ich einige Fotos, zwischendurch immer wieder darauf bedacht, die Optik frei von all den umherschwirrenden Tropfen zu halten, was leichter gesagt als getan war. Doch unter all den Aufnahmen war wiederum eine dabei, die meiner Vorstellung nahekam. Dahinschweifende Wolken über dem gleichsam weich fallenden und dahinfließenden Gewässer.

Zufrieden packte ich zusammen und lief zurück zum Auto, in dem Selma noch immer schlief. Dabei war die Zeit wie im Flug vergangen, so vertieft war ich in die Fotografiererei.

Die kalten Fakten:
Fujifilm X-E1, Fujinon XF14mmF2.8 R, B+W 110 ND 3,0 1000x Graufilter, ISO 200, 27s, Blende 16, -2 LW, Adobe Photoshop CS6 (ACR), VSCO Film 01

> Bildergalerie Färöer-Inseln 2013, Mein Norden // The Land of Maybe

The Old Man of Storr

– The Old Man of Storr –

Nachdem ich der alten Brücke von Sligachan den Rücken gekehrt hatte, lief ich über den Skye Trail weiter nach Portree. Das nächste fotografische Highlight sollte der Old Man of Storr sein, diese weithin sichtbare Felsnadel, rund 50 Meter hoch und durch Erdrutsche entstanden. Wieder so ein „Hotspot“ – von Touristen heimgesucht wie kaum ein anderer Fleck auf der Isle of Skye und der Halbinsel Trotternish. Und auch so ein Postkartenmotiv, das an jeder Ecke auftaucht. Egal ob Buchshop, Outdoorladen oder Tankstelle. Der Blick über den Alten Mann und den danebenliegenden Needle Rock, mit den Storr Lochs im Hintergrund, ist ein Klassiker. Dieses Bild hatte ich ebenfalls im Kopf und auf meiner Liste der Must-haves. Obwohl man es unweigerlich allerorts sieht, wollte ich es trotzdem im Kasten haben. Vielleicht auch gerade deshalb – denn ohne geht Skye einfach nicht. Und da der Old Man of Storr sowieso direkt an der Wanderstrecke liegt, sollte auch kein großer Aufwand nötig sein …

Also machte ich mich von Portree über die Küstenvariante des Trails auf zu den Felsen. Vom Parkplatz an der Staffin-Road geht es schließlich das letzte Stück durch den mittlerweile abgeholzten „Storr-Wald“ auf gut ausgebautem Pfad  hinauf in die zerklüftete Bergwelt. Neben den vielen Tagesausflüglern, die teils in Schlappen den matschigen, steinigen Weg in Angriff nahmen, schleppte ich als einziger einen großen vollbepackten Rucksack. Ich wollte direkt am Ort des Geschehens zelten. Während des Aufstiegs goss es mal wieder in Strömen. Langsam stieg ich daher empor, um unter der Regenjacke nicht zu sehr zu schwitzen. Angekommen in der bizarren Felsenlandschaft machte ich mich gleich auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Bäche fand ich keine, nur einen kleinen See, der mir Trinkwasser spenden musste. Allerdings ist die Gegend fast ausnahmslos buckelig. Und an den wenigen, einigermaßen flachen Stellen, triefte der Boden vor Nässe. Ich lief hin und her, prüfte und verwarf. Dann erst fand ich doch noch eine gute Ecke. Gerade groß genug für mein winziges Zelt. Nicht absolut eben, aber dafür schön trocken und durch einen dicken Felsbrocken vor Wind geschützt. Direkt darüber ragte der Old Man of Storr in den Himmel. Würde er umkippen, sähe es nicht gut für mich aus. Was soll’s? Ich dachte mir, der steht schon so lange so da, da wird er auch noch etwas länger so stehenbleiben. Der Regen hörte wieder auf, Wolken zogen durch, verhüllten die Berge. Am Abend drehte ich dann noch eine kleine Runde, machte erste Bilder und genoss den friedlichen Ort, nachdem gegen 20 Uhr endlich Ruhe einkehrte und ich allein zurückblieb, alle anderen wieder abstiegen zu ihren Autos. Ich blickte hinaus aufs Meer, lauschte der Stille, blökenden Schafen und Vogelgezwitscher.

Ich hoffte auf Morgensonne. Doch die kam nicht. Dafür früh die ersten Leute aus dem Tal herauf. Ich wartete ab, frühstückte erstmal. Was tun? Der Weiterweg über die Trotternish Ridge schien wenig sinnvoll. Zu mies das Wetter, oder? Um 11 Uhr fiel eine Entscheidung – für ein paar Stunden ging von da an die Welt unter. Es fing an zu regnen und zu stürmen. Unaufhörlich. Ich saß fest. Mein Zelt wurde durchgerüttelt und es prasselte darauf ein. Langsam vergingen die Stunden – mit Musik, Tee, Keksen. Erst als sich am späten Nachmittag das Wetter beruhigte, machte ich mich fertig und auf den Weg. Holte neues Wasser am See und drehte wieder eine Runde um die Felsen. Ich stieg rauf zum Fuß des Alten Mannes, ließ eine Graupelschauer über mich ergehen und lief noch weiter hoch zu einem kleinen Aussichtshügel, von dem man diesen typischen Blick hat über den Old Man of Storr und den Needle Rock. Sogar die Sonne lugte am Abend noch hervor, nur kommt sie da aus der falschen Richtung. Der frühe Vogel fängt den Wurm, ist das Gebot des Ortes, um die gewünschten Aufnahmen zu bekommen. Nicht das letzte Licht – dennoch konnte ich mich kaum losreißen. Ich sog alles in mich auf. Es wurde spät. Und kalt. Mit klammen Händen und steifen Fingern drückte ich trotzallem immer wieder auf den Auslöser. Nutzte jede Gelegenheit, die sich mir bot.

Tja, so ging ein Tag dahin, ohne dass ich auf dem Skye Trail vorangekommen wäre. Noch an dieser Stelle die gewünschten Bilder hätte machen können. Nun blieb mir als letzte Chance der folgende Morgen – danach würde es heißen: Weiterziehen! Ob mit oder ohne Traumbild in der Tasche …

In der Nacht stürmte es. Und schneite. In der Früh war es etwas Weiß ums Zelt. Aber als die Sonne immer mal wieder zum Vorschein kam, wollte ich nichts verpassen. Rein in die Klamotten und geschwind los mit den Kameras. Rauf zu den guten Stellen, mit Blick über die Felsen und hinaus über den Loch Leathan und den Sound of Raasay. Graupel- und Schneeschauern zogen mal wieder über mich hinweg. Dazu ein Wind, der es mir erschwerte, stillzustehen und die Kamera ruhig zu halten. Abwechselnd machte ich Fotos mal mit der Fujifilm X-Pro1 und dann der X100S. In der großen Hoffnung, dass irgendetwas Gutes dabei sein würde. Ich suchte nochmal einen anderen Standort auf, wollte nichts ungenutzt lassen. Wartete. Auf gutes Licht. Diesen Strahl Sonne, der die vor mir liegende Landschaft genau im richtigen Winkel beleuchtet. Aber so richtig kam er nicht – irgendwas lag immer recht trostlos im Schatten. Als ich sah, wie die ersten Ausflügler wieder heraufkamen zum Old Man of Storr und diesen bald umlagerten, machte ich mich auf den Rückweg zum Zelt. Ich hatte alles versucht, hatte viel Zeit an diesem faszinierenden Ort verbracht. Und was ich nun im Kasten hatte, war Ausdruck des Augenblicks. Wie er war. Mit Wolken, weniger Licht, mehr Schatten und auch etwas Schnee. Nicht ganz das, was in den Läden verkauft wird. Diese fast schon überhöhte Schönheit, die man nur mit äußerst viel Glück zu Gesicht bekommt. Oder enormer Geduld. Beides hatte ich nur in Maßen. Mir blieb allein die Möglichkeit, mit den Bildern meiner Momente zu gehen.

Zurück am Zelt kam der Regen wieder. Ich packte alles zusammen und verließ den Ort. Auch an diesem Tag nicht über die Trotternish Ridge – dafür blieb das Wetter weiterhin zu schlecht. Stattdessen lief ich im Sauseschritt hinab zum Parkplatz und von dort der Straße entlang weiter nordwärts, um später wieder auf den Skye Trail zu schwenken. Vieles lag noch vor mir. Weitere spannende Fotomotive, auf die ich mich ebenso freute. Wie Quiraing. Oder Hunish, die Nordspitze der Insel. Vielleicht nicht so spektakulär wie der Alte Mann und sein Nachbar, der Needle Rock. Aber trotzdem war es lohnend, sich auch noch dorthin aufzumachen.

Die kalten Fakten:
Fujifilm X100S, ISO 800, 1/1500s, Blende 8, Adobe Photoshop CS6 (ACR), VSCO Film 02

> Bildergalerie Schottland 2013, Mein Norden // It’s raining cats and dogs