Suche
Suche Menü

I Like to Ski

– Klauvbreen und Moskushornet –

Ende März fliegen wir nach Svalbard, um ein Abenteuer auf Spitzbergen zu erleben. In Longyearbyen empfängt uns ein strammer Wind, bevor wir bei ruhigerem Wetter aufbrechen in die Berg- und Gletscherwelt. Wir laufen weit hinein ins Adventdalen, am Janssonhaugen und der Innerhytta vorbei, bis zum Fuße des Drønbreen. Hinauf geht es von dort über den Gletscher zu einem Pass. Der Schnee ist tief. Die Last der Schlitten schwer. Doch die Szenerie ringsum entschädigt für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hat mich längst in seinen Bann gezogen. Wir marschieren weiter durch das Lundströmdalen, den Såtebreen empor und folgen dem Sveigbreen in einem Bogen ins Agardhdalen. Dann erklimmen wir über den Elfenbeinbreen das Nordmannsfonna. Dort hält uns schlechtes Wetter am Berg Dolken gefangen. Stürmische Böen treiben Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft. Die Sicht schrumpft auf ein Minimum. Wir sitzen fest. Und da ist er dann. Dieser Schmerz. Er kommt aus dem Nichts. Und bleibt. Wohl ein eingeklemmter Nerv!? Vom Nacken ziehen die Schmerzen über die Schulter bis in den linken Oberarm. Aber noch habe ich Hoffnung. Also halten wir erst mal an unserem Plan fest, packen zusammen und wandern weiter. So schaffen wir es bis ins Sabine Land. Doch dann kommt der Tag, an dem wir unterhalb des schroffen Moskushornet über den Klauvbreen steigen. Der Nerv im Arm schreit immer lauter auf, und ich krümme mich immer mehr. Uns weiter von der Zivilisation zu entfernen, ist sinnlos. Auf kürzestem Weg zurückzukehren nach Longyearbyen, ist die letzte Herausforderung der Tour. In zwei langen Tagen eilen wir über den Rabotbreen hinab ins faszinierend weite Sassendalen und durchs Eskerdalen und Adventdalen wieder zum Ausgangspunkt. Das klappt überraschend gut und im Stillen frage ich mich, ob ich zu früh klein beigegeben habe. Doch es ist die richtige Entscheidung – zu Hause diagnostiziert der Orthopäde ein HWS-Syndrom, und es folgen mehrere Wochen Physiotherapie, um die Muskeln zu lockern und die Schmerzen zu lindern.

(I Like to Ski ist ein Song der norwegischen Band Polkabjørn & Kleineheine, deren Mitglied Bjørn Tomren ich einmal im Winter auf der Hardangervidda traf.)

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF10-24mmF4 R OIS sowie dem XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS

– Rabotbreen –
– Såtebreen –
– Elfenbeinbreen –
– Adventdalen –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Svalbard 2015, Mein Norden // I Like to Ski

In die Wildnis

– Kiilopää –

An der Grenze zu Russland erstreckt sich die Saariselkä-Wildnis – eingebettet in den Urho-Kekkonen-Nationalpark. Mächtige Fjells, riesige Sümpfe und märchenhafte Waldgebiete zeichnen die Region aus. Eine nordische Natur, deren Lockruf ich nicht widerstehen kann. Als ich Ende September in Kiilopää loslaufe, wo der finnische Ski-Langlauf-Verein Suomen Latu ein Besucherzentrum samt Hotel, Café und kleinem Laden errichtet hat, ist die Zeit der Ruska, die im Herbst im finnischen Norden einsetzende Verfärbung von Bäumen und Sträuchern, schon fast vorbei. Leider, denn zu gerne hätte ich diesen Höhepunkt des Jahres, wenn nach der Zeit der hellen Sommernächte und vor Einbruch der dunklen Polarnacht die Farben der Natur explodieren, in vollen Zügen erlebt. Immerhin zeigen sich versteckt noch ein paar letzte goldgelbe Birkenblätter oder in tiefem Rot erstrahlende Beerensträucher. Aber das meiste ist schon kahl, und zu allem Überfluss deckt ein erster Wintereinbruch ein weißes Mäntelchen über die Landschaft. Unbeeindruckt davon breche ich in südöstliche Richtung auf, lasse den letzten Vorposten der Zivilisation hinter mir zurück und stapfe zum Start durch teils knöcheltiefen Schnee. Doch es wird wieder wärmer, und als ich am Luirojärvi ankomme, tropft das Weiß bald nass von den Bäumen. Mit Blick auf den See richte ich mich in der Rajankämppä-Autiotupa, einer kleinen Hütte für Wanderer, gemütlich ein. Bald darauf ist all der Neuschnee komplett verschwunden und die baumlosen, gerundeten Bergkuppen thronen erneut düster über dem endlos scheinenden Wäldermeer, in dem sich dichtes Nadelgehölz mit lichten Baumbeständen aus Kiefern und Birken abwechselt. Während der noch folgenden Tage, in denen ich weiter in diese urwüchsige Welt vordringe, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Voller Freude sauge ich alle Eindrücke auf, die sich entlang verwunschener Pfade nach jeder Biegung offenbaren.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF23mmF1.4 R sowie dem XF56mmF1.2 R

– Luirojärvi –
– Waldboden –
– Kiefernwald –
– Hattupää –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Finnland 2014, Mein Norden // In die Wildnis

Glücksmoment

– Leuchtturm Svörtuloft –

Bislang steht unsere Islandrundreise unter keinem guten Stern. Gletscherlagunen, Wasserfälle und all die Bergpanoramen sind meist eingehüllt in diesige Wolken. Regengüsse fegen über das Land und ersticken meine Erwartungen, mit denen ich auf die Insel aus Feuer und Eis gereist bin, im Keim. Das Paradies für Fotografen präsentiert sich oft langweilig und wenig spektakulär. Nur selten ringe ich der Landschaft die Motive ab, die ich im Kopf habe. Enttäuschung macht sich breit. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, und so steuern wir auf der Halbinsel Snæfellsnes weitere Ziele an, biegen ab ins Lavafeld Neshraun und nehmen die holprige Piste zur Landspitze Öndverđarnes in Angriff. In wildem Zickzack fahren wir zwischen den erstarrten Lavagebilden hindurch bis hin zu einer Weggabelung. Rechts ab gelangen wir zu einem im Reiseführer ausgewiesenen Leuchtturm. Doch der entpuppt sich als wenig fotogenes kleines Häuschen. Also zurück. Von dort, wo sich der Weg gabelt, haben wir in die andere Richtung noch einen weiteren Leuchtturm erspäht. Einmal in der Nähe, kurven wir auch da näher ran – nur, um keine Gelegenheit auf ein lohnendes Fotomotiv einfach links liegen zu lassen. Und siehe da! Reizend steht der Leuchtturm Svörtuloft auf einer Anhöhe über dem Saxhólsbjarg. Ich zögere nicht lange und schlendere sogleich mit der Kamera im Anschlag durch die schwarze Lava auf der Suche nach einem guten Blickwinkel. Als ich eine Person neben dem orangen Turm erspähe und eine Möwe über das Gebäude hinweg genau auf mich zufliegt, wittere ich meine Chance und drücke hastig ab. Denn im Nu sind Tier und Mensch wieder aus dem Bildfeld entschwunden. Wohlwissend, einen Treffer gelandet zu haben, steige ich mit einem guten Gefühl zurück ins Auto. Es gehört auch mal Glück dazu, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF56mmF1.2 R, dem XF10-24mmF4 R OIS sowie dem XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS

– Skógá –
– Kviárjökull –
– Dynjandi –
– Öræfi –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Island 2014, Mein Norden // Glücksmoment

Sommer im Winter – (B-Seite)

– Unter Sternen –

Unsere Wintertour durch Rondane versprühte einen Hauch von Sommer. Kein Wunder, dass Simon Michalowicz, der im Jahr zuvor ganz allein Norge på langs gelaufen war, bei seiner ersten Skitour dann auch voller Elan ans Werk ging. Das Wetter zeigte sich ihm, seiner Freundin Anna und mir bei unserem kleinen Schneeabenteuer von seiner besten Seite. Kein Sturm, kein White-Out, keine bitteren Minusgrade. All das blieb aus.

Wir hatten uns den ältesten Nationalpark Norwegens ausgesucht und wollten es ohnehin ganz ruhig angehen lassen. Von Hjerkinn einmal durch die Bergwelt bis nach Venabu. Und nun konnten wir gar an vielen Tagen draußen vor dem Zelt sitzen und in morgendlicher Wärme frühstücken. Herrlich. So vergingen die Stunden und die Tage, die wir gemächlich bestritten. Pausenzeiten dehnten sich und wir entflohen jeglicher Hektik. Kaum einmal saß uns schlechtes Wetter im Nacken und trieb zur Eile. Im Gegenteil: Wenn wir abends in die Schlafsäcke krochen, war uns meist schon klar, dass uns am nächsten Tag die Sonne wieder begrüßen würde.

Wir zogen über die Berge zur Grimsdalshytta und ins Grimsdalen, wo wir unter klarem Sternenhimmel biwakierten. Die schroffen Nordwände des Dreigestirns Høgronden, Midtronden und Digerronden waren uns danach einen Ausflug mit leichtem Gepäck wert. Unter dem Rondslottet, den Anna erklomm, blieben wir längere Zeit, um die Gegend zu erkunden. Und auf dem zugefrorenen Rondvatnet lief uns der Schweiß in Strömen Gesicht und Rücken herunter, bevor wir im Vulufjellet der weißen Weite langsam Adieu sagten und schließlich auf der Troll-Løypa unser Ziel Venabu erreichten.

Ab und an kam mir in diesen Tagen der Gedanke, keinem realen skandinavischen Winter ausgesetzt zu sein – der doch meist Entbehrungen verlangt, Anstrengung fordert und ein Zähneklappern ob der Kälte mit sich bringt –, doch diese Überlegungen wischte ich weg und es war vielleicht gerade deshalb eine so vergnügliche Zeit. Norwegisches Friluftsliv in reinster Form. Für Simon gar eine Traumtour, der mögliche Beginn einer schneereichen „zweiten Karriere“ nach seinem strammen Marsch vom Kap Lindesnes im Süden bis ans Nordkap im vorigen Frühjahr, Sommer und Herbst …

Dieses gar nicht so eisige Abenteuer hatte ich seinerzeit auch im Rahmen meines Projekts Mein Norden unternommen, doch die dabei gemachten Aufnahmen haben es nachher nicht ins gleichnamige Fotobuch geschafft. So ist diese Geschichte und Bilderserie nur eine weitere B-Seite meines Bildbands.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-T1 und dem XF14mmF2.8 R, dem XF23mmF1.4 R sowie dem XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS

– Schwarz-Gelb –
– Rondslottet und Storronden –
– Das Loch –
– Conquest –

> Bildergalerie Norwegen 2014, Sommer im Winter – (B-Seite)

Polarnacht

– Tjäktjapasset –

Wie jeden Tag brechen wir im Morgengrauen auf. Unterwegs von Hütte zu Hütte verlassen wir auf unserer Mittwintertour über den Kungsleden in Lappland im ersten fahlen Licht die heimelige Tjäktjastugan. Schnee bläst uns um die Hausecken ins Gesicht. Fest verzurren wir die Kapuzen bei minus 14 Grad und machen uns auf den Weg, den Tjäktjapasset zu überschreiten hinüber ins Tjäktjavagge. Mit gesenktem Haupt stemmen wir uns dem Sturm entgegen. Erklimmen Meter um Meter hinauf zum höchsten Punkt der ganzen Wanderung. Das Weiß wirbelt über die Bergkämme, über denen sich ein blauer Himmel wölbt. Die Sonne, die sich in der Polarnacht hinter dem Horizont verbirgt und nie zum Vorschein kommt, zaubert nur einen blassen Schein auf die wenigen Wolkenfetzen. Nach guten anderthalb Stunden stehen wir gegen 11 Uhr auf der Passhöhe, schaufeln die Türe der dortigen Rastschutzhütte frei und finden darin für Momente Schutz vor dem garstigen Wind, der uns die Temperatur noch weitaus unangenehmer empfinden lässt. Doch um nicht zu viel Zeit verstreichen und die kostbaren Stunden Helligkeit ungenutzt zu lassen, machen wir uns bald wieder auf den Weg. Zuvor bemerkt Jerome einen weißen Fleck auf meiner Nase – das erste Anzeichen einer Erfrierung. Während des Aufstiegs hatte ich mein Gesicht der Kälte zu ungeschützt entgegengestreckt. Schnell ziehe ich jetzt ein Tuch darüber, bekomme dafür auf den ersten Schwüngen hinab ins nächste Tal kaum mehr Luft. Erst als die Böen nachlassen und auch die normale Farbe zurückkehrt, können wir etwas entspannter weiterlaufen in Richtung Sälkastugan und der Dunkelheit, die zu dieser Zeit des Jahres bereits am frühen Nachmittag wieder heraufzieht.

Fotografiert mit der FUJIFILM X-E2 und dem XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS

– Tjäktjapasset –
– Kuopervagge –
– Liddopakte –
– Tjäktjavagge –

Aus dem Projekt und Bildband Mein Norden.

> Bildergalerie Schweden 2013, Mein Norden // Polarnacht