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Warum die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist

Bei der diesjährigen Ausgabe der Nordische Momente – Lofoten Masterclass hatte ich die Möglichkeit, mit der Fujifilm GFX 50R zu fotografieren und zum ersten Mal einen Ausflug ins Mittelformat zu unternehmen. Dabei erinnere ich mich noch gut daran, wie ich bereits in den Anfangstagen meines fotografischen Werdegangs die Nase an diesem Format platt drückte. Dank eines gut gefüllten Materialschranks meines Vaters hatte ich zwar schon früh Zugriff auf eine Menge Nikon-Ausrüstung, doch über das Kleinbildformat ging es dort nicht hinaus. In der Schule war ich allerdings in der Foto-AG und unser Lehrer besaß eine Hasselblad – einen dieser ikonischen Würfel aus der V-Serie. Doch so sehr ich immer wieder von einer eigenen Hasselblad träumte, blieb ich analog immer nur beim kleineren Format. Daran änderte sich auch in der Digitalzeit nichts, wo ich es ebenfalls nicht über das Vollformat aka Kleinbild hinausschaffte.

Erst als X-Fotograf und aufgrund meiner Zusammenarbeit mit Fujifilm ergab sich die Chance, Mittelformatluft zu schnuppern und zu sehen, ob das, vom dem ich früher so oft geträumt hatte, etwas für mich (und meine aktuelle Arbeitsweise) sein könnte. Bereits im vorigen Jahr hatten wir die GFX 50S mit mehreren Objektiven bei unserer ersten Fotoreise auf die Lofoten mit dabei. Doch damals war sie für die Teilnehmer reserviert, die damit nach Herzenslust fotografieren durften. Mich sprach das recht klobige Gehäuse seinerzeit allerdings gar nicht so an, was sich jedoch beim Schwestermodell 50R sofort änderte, welches Fujifilm auf der letzten photokina präsentierte und das ich dort sofort sehr interessiert befummelte. Schließlich ist die 50R im Rangefinderlook gestaltet (wofür auch das R im Namen steht) und kommt daher meinem Liebling aus dem X System, der X-Pro2, viel näher als die 50S. Voller Spannung machte ich mich daher im letzten März auf in den Norden Norwegens – von Fujifilm für den Fototrip ausgestattet mit der GFX 50R und den beiden Festbrennweiten GF45mmF2.8 R WR und GF63mmF2.8 R WR, den aktuell kleinsten und leichtesten Objektiven aus dem GFX System.

Eine Eingewöhnungsphase hatte ich nicht, war ich doch nur wenige Tage zuvor aus Patagonien zurückgekehrt, wo ich noch mit der X-Pro2 fotografiert hatte. Einmal ausgepackt, konfigurierte ich das Menü der GFX 50R nur fix so, wie auch meine Kameras aus dem X System eingestellt sind (sofern sich das 1:1 übertragen ließ). Dann machte ich mich auf den Weg und sprang ins kalte Wasser. Die ersten Aufnahmen an einem sehr windigen Tag, an dem es kaum möglich war, ruhig zu stehen, wurden auch prompt nix – sie waren verwackelt und unscharf. Ich brauchte doch etwas Zeit, um mich an den „entschleunigten“ Fotografieprozess zu gewöhnen. Ich hatte den Eindruck einer „verzögerten“ Auslösung und musste mich erst herantasten an ein stimmiges Zusammenspiel aus passenden Verschlusszeiten und einem korrekten stillhalten der Kamera, ohne zu früh zu verreißen.

Doch nach diesem Kaltstart wurden wir bald warm miteinander und ich kam mit der 50R nicht nur gut zurecht, es machte vor allem auch sehr viel Freude, mit ihr unterwegs zu sein. Mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten ist die Kamera für ein Mittelformatmodell noch immer recht kompakt. Zudem liegt sie sehr gut in der Hand und besonders der Sucher ist fantastisch. Von der bestechenden Bildqualität ganz zu schweigen – die steht natürlich außer Frage!

So zog ich mit unserer Fotogruppe bei Wind und Wetter über die Inselgruppe der Lofoten, trotzte eisigen Minusgraden und heftigen Schneestürmen. Ich machte Aufnahmen vom Meer, Fischköpfen und einem am Straßenrand abgestellten Tresor. Und fragte mich dabei immer wieder, ob die GFX 50R, deren Leistungsfähigkeit unbestreitbar ist, für mich und meine Fotografie ein nächster Schritt, eine erstrebenswerte Weiterentwicklung sein könnte.

Doch wieder daheim, und nach der Bearbeitung der mitgebrachten Bilder, konnte ich die Kamera ohne Wehmut wieder abgeben. Klar, im ersten Moment, in dem ich mir wieder „APS-C-Bilder“ ansah, dachte ich mir, diese unglaubliche Auflösung des Mittelformats müsse ich nun unbedingt dauerhaft haben, zeichnet das „mickrige“ Format des X Systems doch so viel weniger Details auf. Aber wie sieht das ganze mit etwas Abstand aus? Mit einem Blick auf alle für mich relevanten Aspekte? Und da kam ich zu dem Schluss, dass die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist …

– In Henningsvær – GFX 50R, GF45mmF2.8 R WR, 1/550 Sek, f 4, ISO 100 –
– Am Strand von Flakstad – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 8, ISO 250 –

Dreimal Contra

Das Gewicht und die Größe
Bekanntlich bin ich meist zu Fuß unterwegs und schleppe auf vielen meiner Touren nicht nur den Fotokrämpel, sondern auch alle für das Überleben in der Wildnis notwendige Ausrüstung mit mir rum. Auch deshalb fröhne ich dem Motto der Konzentration auf das Wesentliche. Und selbst wenn ich momentan immer nur mit wenigen Festbrennweiten losziehe, so benötige ich dennoch ein Mindestmaß an Vielfalt – beim X System bewege ich mich da zwischen 16 und 50/56 Millimetern. Zwar erwähnte ich weiter oben bereits, dass die GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten (entsprechend einem 23er und 35er im X System bzw. 35 und 50 mm beim Kleinbildformat) noch recht kompakt ist, aber dieses minimale Setup bringt bereits 1.670 Gramm auf die Waage, hingegen die X-Pro2 sogar mit den drei lichtstarken und verhältnismäßig schweren XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R nur 1.575 Gramm.

Darüber hinaus fehlt im GFX System ein äquivalent zu der von mir im X System geliebten 16-mm-Brennweite (24 Millimeter an Kleinbild). Für das Mittelformat gibt es jenseits des 45ers nur das GF23mmF4 R LM WR (entsprechend 18 mm an KB), das mir nicht nur zu weitwinklig ist, sondern das auch groß und schwer daherkommt. Daneben ist das GF110mmF2 R LM WR zwar eine dem XF56er vergleichbare Brennweite (beide ca. 85 mm KB), aber mit 2,5-fachem Gewicht.

Nicht zu unterschätzen auch der Volumenanstieg der Ausrüstung. Die 50R mit den zwei kleinen FBs nahm in der Fototasche etwa so viel Raum ein wie zwei X-Pro2 mit drei Objektiven. Meine Vorgehensweise, alles, was ich brauche, in einer Tasche griffbereit zu tragen, würde mit dem GFX-Modell nur zusammen mit der rudimentärsten Objektivbestückung funktionieren. Von einer zusätzlichen Backup-Kamera ganz zu schweigen …

Unterm Strich wäre für meine Art der Fotografie das Mittelformat aufgrund des Gewichts und der Größe nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn ich mich bei den Objektiven noch weiter reduzieren könnte, als ich es beim X System ohnehin schon tue. Also auf maximal zwei Festbrennweiten.

Der Preis
Ich sag ja immer: „Die Fotoausrüstung muss bezahlbar sein.“ Und wenn man die Fotografie beruflich betreibt, meine ich damit natürlich auch das Verhältnis zu dem, was man mit seiner Tätigkeit verdient. Durchaus renommierte Magazine zahlen teilweise nur lächerliche 50 Euro pro Seite. Und selbst wenn man darin eine tolle 14-seitige Reportage hat, kann sich jeder ausrechnen, was das für ein mickriges Honorar ergibt.

Allein die bereits genannte Kombi aus der GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten schlägt schon mal mit ca. 7.900 Euro zu Buche (Listenpreis). Die X-Pro2 mit den drei 16-, 23- und 56-mm-Objektiven kostet dafür nur ca. 4.550 Euro (da könnte man sogar eine zweite Backup-Kamera hinzunehmen und läge weiterhin deutlich unter den Kosten für das größere Format). Greift man beim X System gar zu den „Fujicrons“, geht es noch günstiger (und nochmals leichter und kleiner) – dafür müsste man für die schon erwähnten GF23- und GF110-mm-Linsen weitere fast 5.800 Euro zahlen.

Und auch hier ist eine Backup-Kamera (zweites GFX-Modell) oder ein Backup-System (zumindest eine Kamera aus dem X System mit einem Objektiv) noch nicht eingerechnet …

Für mich heißt das, dass eine Anschaffung des GFX Systems finanziell im Grunde nicht zu rechtfertigen wäre, muss ich doch schließlich zuallererst die Reisekosten stemmen, um dann überhaupt erstmal fotografiach aktiv werden zu können.

Die Bildqualität
Ja, die ist fantastisch! Selbst weit hineingezoomt in ein Bild sind so viele Details zu erkennen – einfach toll. Aber brauche ich das wirklich? Momentan nicht. Auch bei meinem aktuellen Projekt – bei dem es mir wie bereits bei Mein Norden nicht um absolute Perfektion geht, sondern darum, Erlebnisse und Emotionen sichtbar zu machen – gleicht mein Stil eher „rotziger Reportage“ anstatt „stylischen Beautyfotos“. Die Bilder aus der GFX 50R waren mir schon fast zu gut, schlägt mein Herz doch viel mehr für schmuddelige Analogaufnahmen als das überreine Digitalzeugs …

Für Magazinveröffentlichungen und Buchpublikationen ist ein kleineres Format sowieso ausreichend. Nur im Hinblick auf wirklich große Prints hat das größere Ausgangsformat natürlich Vorteile.

– Ramberg – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/500 Sek, f 5.6, ISO 250 –
– Brandung – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 5.6, ISO 640 –

Fazit

Eins vorweg: Ich prangerte ein wenig den Preis des GFX Systems an – das gilt jedoch nur aus meinem Blickwinkel. Wer Mittelformat braucht, ist hier bestens aufgehoben und findet in dem System (wie auch im neuen Topmodell GFX 100) eine Ausrüstung mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis!

Für meine Zwecke ist die wunderschöne GFX 50R aktuell aber überdimensioniert. Das gilt für das Projekt, an dem ich gerade noch arbeite, und sicherlich auch für das folgende, das mir bereits im Kopf umherschwirrt und bei dem ich mit dem kompakteren und leichteren X System weiterhin besser bedient sein werde. Aber man soll bekanntlich niemals nie sagen – und wer weiß, vielleicht ist ein GFX-Modell mit ein oder zwei Festbrennweiten irgendwann genau das, was ich brauche …

Bleibt Ihr auch noch beim X System oder seid Ihr schon zum GFX System gewechselt? Berichtet gerne in den Kommentaren!

> Bildergalerie Norwegen, 2019, Nordische Momente – Lofoten Masterclass

SPOT Gen3 Messenger – Ein Erfahrungsbericht

– SPOT Gen3 Messenger in Grönland –

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir Mitte der Neunzigerjahre bei einer Solotour durch den einsamen Sarek-Nationalpark im hohen Norden Schwedens ein Ermüdungsbruch im rechten Fuß urplötzlich das Leben schwer machte. Ein Kontakt zur Außenwelt war nicht möglich, Hilfe weit weg, also lief ich – so gut es eben ging – mit schmerzverzerrtem Gesicht noch 50 Kilometer bis zum Zielort. Und selbst dann dauerte es noch ein paar Tage, bis ich eine ganze Woche nachdem es Knack gemacht hatte, zu Hause beim Arzt aufschlug und einen Gips verpasst bekam. Natürlich wurde ich zuvor gefragt, warum ich mit dem lädierten Knochen denn nicht schon früher gekommen wäre. Nun ja …

Es war eine Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab. Aber selbst auf späteren „Handy-Unternehmungen“ waren diese auf abgeschiedenen Touren in die Wildnis kaum ein adequates Kommunikationsmittel, um im Fall der Fälle Hilfe herbeizuholen, denn oftmals herrscht dort einfach kein Empfang. 2005 war ich dann zum ersten Mal mit einem Satellitentelefon unterwegs, als ich im Winter versuchte, Island allein zu durchqueren und im Sommer solo über den Vatnajökull, Europas größten Gletscher, lief. Jetzt konnte ich zwar von jedem Punkt aus telefonieren, aber eine Rettung einzuleiten, wäre auch damit unter Umständen schwierig gewesen, hätte ich meine Position doch noch per Anruf oder Textnachricht durchgeben müssen. Wer weiß, ob das immer möglich gewesen wäre?

„Meine Wahl fiel dabei schließlich auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.“

In den folgenden Jahren – bei der Grönland Transversale 2006 und der Expedition EISWÜSTE 2008 – hatten wir neben einem Satfon auch noch einen sogenannten PLB (Personal Locator Beacon) im Gepäck. Diese ursprünglich aus der Seefahrt stammenden Notfallsender funktionieren auf der Basis von Notfallfunkfrequenzen aus der Luftfahrt und man kann damit auf Knopfdruck ganz einfach seinen Standort übermitteln und einen Hilferuf entsenden. Nicht mehr und nicht weniger.

Bevor ich vor zwei Jahren erneut nach Grönland aufbrach, um eine Solowanderung durch das Johan Dahl Land zu unternehmen, machte ich mir Gedanken, welches Gerät ich zur Sicherheit nun am besten mitnehmen sollte. Meine Wahl fiel dabei auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.

– SPOT Gen3 Notfallsender in Grönland –

Was bietet der SPOT-Notfallsender?

Zuerst muss der Sender unter findmespot.com registriert werden, danach kann man einen umfangreichen Service nutzen. Dabei gehen die Möglichkeiten des SPOT weit über die simple Notruf-Funktion eines PLBs hinaus, mit denen sich „nur“ eine sofortige Rettung in die Wege leiten lässt.

Mit dem handygroßen und 114 Gramm leichten SPOT-Sender kann im Ernstfall und einer lebensbedrohlichen Situation über eine gesicherte SOS-Taste natürlich ebenfalls ein Notruf abgesetzt werden. Im 5-Minuten-Rhythmus wird daraufhin fortlaufend die aktuelle GPS-Position versendet. SOS-Nachricht und Koordinaten werden von der internationalen GEOS-Notrufzentrale empfangen, die rund um die Uhr weltweit lokale Rettungskräfte alarmiert. Gleichzeitig wird ein GEOS-Mitarbeiter vorab hinterlegte Notrufkontakte über den Stand der Rettung informieren. Diese Kontaktpersonen können den Rettungskräften bei eventuellen Rückfragen zur Verfügung stehen. Auch lassen sich Vorerkrankungen oder der Bedarf an bestimmten Medikamenten bei der Einrichtung des Gerätes in einem Webformular eingeben. Wie die einzelnen Schritte der Rettungskette genau ablaufen, wird hier erklärt.

Neben der SOS-Funktion besteht weiterhin die Option, bei einem nicht-lebensbedrohlichen Notfall eine „Hilfe-Nachricht“ an Freunde, Familie oder andere zu schicken. Quasi eine abgeschwächte Form, die zeigt, dass Unterstützung von außen hilfreich wäre, es aber nicht um Leben und Tod geht. Hier können bis zu 10 Kontakte hinterlegt werden, die durch eine vorgefertigte Nachricht inklusive der momentanen GPS-Koordinaten informiert werden.

„Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht.“

Zudem bietet der SPOT die Möglichkeit – und hier unterscheidet er sich signifikant von einem PLB –, wann immer man möchte und ohne „Notfallgrund“ die aktuelle Position zu übermitteln. Der Sender verfügt dazu über eine OK-Taste. Wird diese gedrückt, schickt das Gerät eine vorab eingerichtete und formulierte Nachricht zusammen mit den GPS-Koordinaten per E-Mail und/oder SMS an eine vorher definierte Personengruppe (auch hier sind bis zu 10 Kontakte möglich). So kann man die Lieben daheim jederzeit wissen lassen, dass es einem gut geht. In Grönland habe ich jeden Abend nach dem Zeltaufbau eine solche „OK-Nachricht“ verschickt – so konnten alle danach ruhig schlafen und auch mein Ansprechpartner vor Ort wusste immer, wo ich mich gerade befand (diese Nachricht kann am Gerät selbst nicht verändert werden und wird ebenfalls über das Webformular vor Tourantritt eingegeben, was wie alle Einstellungen leicht und schnell von der Hand geht). Auch ist es möglich, die Koordinaten samt Textmessage auf Twitter und Facebook sowie einer Webseite zu veröffentlichen. Das ist ganz praktisch, um ein breites Publikum mit auf die eigene Reise zu nehmen und ihnen zu zeigen, wo man gerade so steckt. Allerdings sind ein paar meiner Statusmeldungen auf Twitter und Facebook nicht angezeigt worden … Neben dieser klassischen OK-Meldung lässt sich weiterhin noch eine „Individuelle Nachricht“ auf Knopfdruck verschicken, wodurch etwas Spielraum in der – vorformulierten – Kommunikation besteht .

Schließlich verfügt der Sender über eine Trackingfunktion. Beim SPOT Gen3 können verschiedene Trackingintervalle ausgewählt werden, die je nach Reisegeschwindigkeit – wie Wanderung oder Radtour – sinnvoll sind (2 ½-, 5-, 10-, 30- und 60-minütige Intervalle stehen zur Verfügung). Sobald diese Funktion aktiviert ist, übermittelt der SPOT ganz automatisch die aktuelle Position. Der Reiseverlauf kann so nahezu in Echtzeit über Google Maps verfolgt werden. Auch kann mit einem SPOT-Konto eine öffentlich zugängliche SPOT Shared Page angelegt werden, auf der die GPS-Standorte veröffentlicht werden können. Dieses Tracking war mir allerdings zuviel des Guten und erschien mir bei meiner Wanderung durch das Johan Dahl Land nicht nötig. Also habe ich darauf verzichtet und das Gerät nicht im Dauerbetrieb laufen lassen.

Alle diese vielfältigen Funktionen und Services lassen sich bequem und individuell online über das praktische Webformular ändern und anpassen. Man kann darüber hinaus je nach Tour unterschiedliche Profile anlegen – so werden immer die passenden Leute benachrichtigt.

Zu beachten gibt es beim SPOT Gen3 Messenger eigentlich nur zwei Dinge: Zum einen wird das Gerät mit herkömmlichen AAA 1.5V Lithium-Batterien oder Akkus betrieben. Hier gilt es darauf zu achten, diese vor jeder Tour zu ersetzen oder zumindest zu überprüfen und auch Ersatz mitzunehmen. In einem Notfall die Batterien wechseln zu müssen, sollte auf gar keinen Fall passieren! Die Nutzung der Trackingfunktion und hier besonders die kürzeren Intervalle reduzieren die mögliche Laufzeit des Geräts deutlich. Wer aber nur jeden Tag einmal seine Koordinaten samt OK-Nachricht übermittelt – wie ich es getan habe –, bei dem reicht ein Satz Batterien für eine lange Zeit. Zum anderen funktioniert der SPOT über Satelliten. Diese decken allerdings nicht alle Gebiete auf der Erde zu einhundert Prozent ab. Am Nord- und Südpol, in Zentralafrika oder Feuerland kann es mau aussehen. Wer in „exotische“ Regionen vordringt, sollte sich deshalb vorher die Abdeckungsgebiete genauer ansehen. Auch sollte bei der Nutzung eine möglichst „freie Sicht“ zum Himmel gewährleistet sein – ist diese nicht gegeben, kann es passieren, dass der SPOT eine Position und und im schlimmsten Fall einen Notruf nicht übermitteln kann.

Mein Fazit

Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht. Allein das ist schon viel wert – der Ernstfall muss ja gar nicht eintreten. Daher kann ich allen, die in wilde Einsamkeit aufbrechen wo Hilfe fern ist, nur dazu raten, in einen Notfallsender wie den SPOT zu investieren. Und wem eine dauerhafte Anschaffung zu kostspielig ist, sollte auf jeden Fall über ein Mietgerät nachdenken!

Einzig muss man sich bewusst sein, dass diese vermeintliche Nabelschnur nur in eine Richtung funktioniert. Es besteht keinerlei Möglichkeit, über den SPOT von daheim per E-Mail oder SMS kontaktiert zu werden. Aber das muss ja auch nicht sein – denn wer will schon draußen in der Natur gestört werden?

Werbehinweis: Das Gerät wurde mir kostenlos von WeSPOT für den Zeitraum der Grönland-Reise zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird davon nicht beeinflusst.

Die Fujifilm X-Pro2 – Erste Eindrücke

Jetzt ist sie also Wirklichkeit – die Fujifilm X-Pro2. Lang ersehnt und lang erwartet wurde sie heute offiziell von Fujifilm vorgestellt. Seit Wochen brodelte es bereits in der Gerüchteküche, in der laufend frische Rumors aufgetischt wurden. Alle möglichen Details sickerten schon im Vorfeld durch und es wurde wie eh und je über deren Wahrheitsgehalt wild diskutiert. Mit Interesse schaute auch ich immer wieder hin. Es war lustig zu verfolgen, wie hier ein Produkt „auseinandergenommen“ wurde, das noch gar nicht real war. Mitmischen konnte ich so richtig nicht. Dabei wusste ich, was kommt. Aber ich war zum Schweigen verdonnert.

Bereits im November 2014 war ich nach London zu einem Treffen einiger deutscher und englischer X-Fotografen eingeladen worden, bei dem wir mit Produktentwicklern aus dem Hause Fujifilm über die Nachfolger der X-Pro1 und X-T1 und unsere Wünsche an diese nächste Kamerageneration sprachen. Zugleich wurde uns dort präsentiert, wohin die Reise gehen würde. Aber es gab noch offene Punkte. Möglichkeiten, in diese oder jene Richtung zu entwickeln, und da war es Fujifilm wichtig, Einschätzungen und Meinungen von der Praxisfront einzuholen. Das Meeting war erhellend, weil ich so erfuhr, dass nicht alles immer gleichzeitig geht und vielleicht das eine auf der Strecke bleiben muss, um das andere möglich zu machen. Die Diskussionen waren durchaus kontrovers, aber unterm Strich hatten wir Fotografen doch recht ähnliche Vorstellungen, wie wir die Nachfolgemodelle gerne sehen würden.

Umso gespannter war ich im letzten November, als ich von Fujifilm ein „fertiges“ Vorserienmodell der X-Pro2 in die Hände gedrückt bekam. Ich wollte doch zu gerne wissen, was aus den ganzen damaligen Ideen letztendlich geworden ist und wie dieses und jenes Feature am Ende umgesetzt wurde. Und ob die Kamera schließlich meinen Wünschen entspricht, denn es ist ja durchaus so, dass der eine mit etwas zurechtkommt oder benötigt, was den anderen stört oder völlig schnuppe ist. Gleichwohl war ich stolz zu einer ausgewählten Schar weltweiter Fotografen zu gehören, die dieses neue Fujifilm-Flagschiff bereits vor der Präsentation im Rahmen des fünfjährigen Jubiläums des X Systems nutzen durften.

– Farn – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/480 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Vorbemerkung
Wie gesagt handelt es sich bei meiner X-Pro2 um ein Vorserienmodell, bei der die Firmware noch nicht final ist. Als ich die Kamera bekam, hatte sie noch zahlreiche Bugs. Durch ein „Firmware-Update“ wurden diese in der Zwischenzeit minimiert, aber es ist noch immer nicht die endgültige Version. Daher haben auch die JPGs offiziell noch keine finale Qualität, weswegen ich zur Bildqualität zum aktuellen Zeitpunkt auch noch nichts sagen werde. Die RAW-Dateien hätte ich mit dem RAW FILE CONVERTER EX von SILKYPIX hingegen schon bearbeiten können, aber ich mag das Programm nicht und warte daher ab, bis auch Adobe Camera RAW die X-Pro2 unterstützt und ich die Bilder meinem gewohnten Workflow entsprechend bearbeiten kann. Bislang habe ich deshalb nur den kamerainternen RAW-Konverter benutzt – alle auch hier zu sehenden Fotos sind JPGs OOC.

Auch hatte ich noch nicht die Möglichkeit, die X-Pro2 mit auf eine Reise, Wanderung oder Skitour zu nehmen und unter den Bedingungen zu testen, bei denen ich das X System hauptsächlich einsetze. Das wird dann im März/April in Grönland mit einem Serienmodell geschehen (Anmerkung: es wurde stattdessen erst eine Reise im September …). Mein erster Eindruck ist daher wirklich nur ein vorläufiger, den ich fortlaufend erweitern und überarbeiten werde.

Dabei will ich die Kamera jetzt auch nicht von A-Z erklären – dies ist kein technischer Kameratest, sondern eine persönliche Einschätzung, wie ich die Kamera bislang empfunden habe, vor allem im Vergleich zur X-Pro1 und X-T1.

– Selma – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/125 Sek, f 2, ISO 1250 –

Gehäuse, Haptik, Tasten, Räder, usw.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich den Messsucherlook der X-Pro-Reihe dem DSLR-Design der X-T1 vorziehe. Ich schaue mit dem rechten Auge durch den Sucher, kann die linke Kameraseite dabei bequem aber stabil an der Nase anlegen und muss mich nicht komplett hinter ein Gehäuse klemmen. Daher war ich auch sehr scharf auf einen Nachfolger der X-Pro1. Nur aufgrund der überlegenen Features der X-T1 war ich seit deren Erscheinen bevorzugt damit unterwegs. Für mich ein Kompromiss, zumal ich ein Gehäuse ohnehin lieber etwas größer als kleiner mag, was zudem für die X-Pro spricht (Batterie- und Hochformatgriff an der X-T1 hin oder her …).

Gehäuse
Das Gehäuse der X-Pro2 ist einen Tick größer und auch schwerer als das der X-Pro1. Durch das höhere Gewicht wirkt die Zweier solider und nicht so „luftig“ wie die Einser. Zudem ist die Kamera wie die X-T1 abgedichtet, was mir und meiner Fotografie bei oft miserablem Wetter sehr entgegenkommt. Der Griffwulst vorne und die Daumenablage hinten sind etwas ausgeprägter als bei der X-Pro1, wodurch die X-Pro2 selbst ohne Zusätze besser in der Hand liegt als ihre Vorgängerin. Am grundsätzlichen Design hat Fujifilm nicht viel geändert, was ich sehr begrüße. Viele Fragen sich zwar, warum die Kamera so groß ist, hat sie doch nur einen APS-C Sensor inne. Denen kann ich nur entgegnen, dass sie dadurch handlicher ist. Die deutlich kleinere X-E-Serie empfinde ich beispielsweise lange nicht so ergonomisch.

Monitor und Tasten
Der Monitor ist auf die linke Seite gerückt. Alle Tasten sind jetzt ausschließlich oberhalb und überwiegend rechts davon angeordnet, wodurch sich die Kamera sehr bequem allein mit der rechten Hand bedienen lässt, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen. Zum Glück ist Fujifilm bei der X-Pro2 kein solcher Fauxpas passiert wie einst bei der ersten X-T1-Generation mit ihrem fummeligen Steuerkreuz. Alle Tasten sind hier griffig und mit deutlichem Klick – die besten aller X-Modelle bislang. Sechs der Tasten sind darüber hinaus als Fn-Tasten nutzbar (die vier des Steuerkreuzes, eine auf der Oberseite und eine auf der Vorderseite, die integriert ist in den „Sucherhebel“).

Der Joystick
Wichtigste Neuerung ist allerdings der Fokushebel! Solch einen Steuerknüppel hatte ich mir schon lange gewünscht, mit dem per Daumen rasch und bequem das AF-Messfeld ohne weiteren vorherigen Tastendruck kreuz und quer verschoben werden kann. Und auch durch ein aufgenommes Bild oder durchs Menü lässt sich damit geschwind hin und her wandern.

Zweites Einstellrad und Plus-Minus-Korrektur
Eine weitere Änderung gegenüber der X-Pro1, aber schon von der X-T1 bekannt, ist das zusätzliche Einstellrad auf der Vorderseite. Eine seiner Funktionen habe ich in Ermangelung einer Bedienungsanleitung allerdings eher zufällg gefunden: Wie die vorigen X Kameras hat die X-Pro2 nun auch ein von -3 bis +3 reichendes Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Und für alle, denen diese Werte nicht ausreichen, hat das Rad neu zusätzlich die Position C. Ist diese eingestellt, funktioniert die Plus-Minus-Korrektur über das vordere Einstellrad von -5 bis +5. Ein Druck aufs Rad genügt und es ist aktiviert. Mit einem weiteren Druck kann man eine vorgenomme Korrektur fixieren.

Zwei Kartenslots
Wie bei der X-T1 ist das Speicherkartenfach nun separat vom Batteriefach auf der rechten Seite angebracht. Und wie die Türe zu den HDMI-, USB- und Mic/Remote-Anschlüssen auf der linken Seite, ist der Verschluss zu den Speicherkarten deutlich solider konstruiert als bei der X-T1. Auch hier scheint Fujifilm dazugelernt zu haben und manche Krankheit früherer Modelle gar nicht mehr aufkommen zu lassen.

Und ja, es gibt endlich zwei Kartenslots, die ich mir wie den Fokushebel sehr gewünscht habe. Allein dadurch ist die X-Pro2 für meine langen Wildnisaufenthalte ohne zwischenzeitliche Backup-Möglichkeit von nun an sicherlich erste Wahl. Direkt in der Kamera ein Backup der Fotos erstellen zu können, ist der denkbar einfachste Weg der Datensicherung. Klar, wer im Studio fotografiert und seine Bilder direkt in einen Rechner schießt, braucht das nicht. Für mich ist das aber ein Riesenschritt nach vorne, der mir unterwegs mehr Schlaf garantieren wird. Dabei ist allerdings nur ein Kartenslot UHS-II kompatibel, der andere nur UHS-I – für zwei schnelle war sicherlich kein Platz, was ich verschmerzen kann. Die Kartenfächer lassen sich zudem unterschiedlich konfigurieren – Sequenziell, Sicherung oder RAW/JPG.

ISO-Verstellung
Die ISO-Verstellung ist neuerdings ins Zeitenrad auf der Oberseite integriert. Ganz wie in alten analogen Zeiten und wie ich es von meiner Nikon FM2 kenne. Hier sehe ich aber durchaus Potenzial für kontroverse Meinungen. Sicherlich ist die Lösung all jenen geschuldet, die zwingend nach einem extra ISO-Rad gerufen haben. Die Fotografen, die oft die ISO-Zahl verstellen, hätte eine ISO-Taste in Verbindung mit einem der Einstellräder sicherlich besser geschmeckt. Bislang komme ich mit der „neuen“ Lösung aber ganz gut zurecht, da ich primär AUTO-ISO benutze und das Rad weitestgehend in der A-Stellung belasse und nur in Ausnahmefällen einen bestimmten ISO-Wert direkt einstelle. Positiv in diesem Zusammenhang sind die nun drei programmierbaren AUTO-ISO-Einstellungen, die sich bequem und fix über eine Fn-Taste auswählen lassen. Der ISO-Bereich geht übrigens regulär von 200 bis 12.800 plus erweiterbar auf ISO 100, 25.600 und 51.200 (in Drittelstufen).

Verschluss
Die Verschlusszeiten reichen jetzt mechanisch bis zur 1/8000 Sek und elektronisch bis zu 1/32.000 Sek (kürzeste Blitzsynchronzeit ist 1/250 Sek, zudem wird HSS mit bis zu 1/8000 Sek unterstützt). Der Verschluss hat eine sehr geringe Vibration und ist für 150.000 Auslösungen ausgelegt. Der Auslöser verfügt wie bei der X-Pro1 weiterhin über ein Drahtauslösergewinde!

Akku
Der Akku ist identisch mit denen voriger X Kameras. Kontinuität finde ich hier positiv, auch wenn ich mir mehr Leistung durchaus gewünscht habe. Aber das hätte aktuell einen größeren Akku erfordert, der dann keinen Platz für einen zweiten Kartenslot gelassen hätte. Durch drei Optionen beim POWER MANAGEMENT ist es aber dennoch möglich, die Anzahl machbarer Auslösungen zu erhöhen, da die Effizienz der Kamera gesteigert wurde. So lässt sich die Wiederholungsrate des EVF von 85 FPS auf 54 FPS absenken, wodurch Energie gespart wird (Einstellung STANDARD anstelle HOCHLEISTUNG). Und wer den OVF nutzt, kann durch die ECO-Stellung noch länger fotografieren. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die Kamera zusätzlich um eine Energiesparfunktion erweitert worden!). Daneben ist die Akkustandsanzeige nun auf 1% genau. Und wo wir schon auf der Kameraunterseite sind: Das Stativgewinde befindet sich bei der X-Pro2 in der Objektivachse!

„Kritikpunkt“: Der Monitor ist nicht als Klappdisplay verbaut. Viele hatten sich das gewünscht (bzw. als erstes No-Go bezeichnet) und ich hatte es an der X-T1 auch schätzen gelernt. Ob für den Verzicht allein der Retro-Faktor ausschlaggebend war oder ein Klappdisplay die Kamera z. B. deutlich dicker gemacht hätte, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es kein Gerät geben, das alle Wünsche zu 100% befriedigt.

– Regentropfen – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/250 Sek, f 4, ISO 640 –

Der Hybrid-Sucher

Wie bereits  die X-Pro1 und X100-Serie verfügt die X-Pro2 über einen Hybrid-Sucher bestehend aus einem optischen (OVF) und elektronischen (EVF) Sucher. Je nach Bedarf und Vorliebe kann zwischen beiden Optionen gewechselt werden. Das geht wie eh und je ganz leicht mit einem Finger der rechten Hand über einen Hebel auf der Vorderseite. Und wie schon bei der X100T hat die neue X-Pro nun auch den ERF (elektronischer Messsucher) an Bord. Dieser funktioniert wie der optische Sucher, aber zusätzlich mit einer Live-View-Vorschau, bei der ein Komplettbild zur Kontrolle der Belichtung, Farben und des Bildausschnitts, oder eine in zwei Stufen vergrößerbare Ansicht der aktuellen Fokusposition an der unteren rechten Ecke des Suchers eingeblendet wird (mit den Optionen DIGITALES SCHNITTBILD und FOCUS PEAKING).

Das „Alleinstellungsmerkmal“ Hybrid-Sucher ist für mich aber kein Grund, die X-Pro-Serie den anderen Kameras vorzuziehen. Schon bei der X-Pro1 habe ich frühzeitig fast ausschließlich den EVF benutzt und den OVF als nettes zusätzliches „nice to have“ angesehen. Daher habe ich mich nie sonderlich mit dem optischen Sucher beschäftigt und das in der jetzigen Probezeit der X-Pro2 auch nur rudimentär getan. Im Vergleich zur X-Pro1 scheinen die zur Bildfeldbegrenzung eingeblendeten Leuchtrahmen das Endergebnis „genauer“ darzustellen (92% gegenüber 90%) und bei manueller Fokussierung wandert der Leuchtrahmen zum Parallaxenausgleich mit (wie es bei AF-Nutzung nach Antippen des Auslösers geschieht und der Leuchtrahmen an die korrekte Position springt). Schön ist zudem, dass bei der Verschiebung des Fokusmessfeldes im AF-Betrieb auch im OVF der Bereich mit Phasendetektion erkennbar und gelb eingerahmt ist. Auch ist der OVF nun für Brennweiten von 18mm bis zu satten 140mm ausgelegt. (Hinweis: Mehr zum Leuchtrahmen, Bildbereich und der Parallaxe hatte ich bereits in meinem Erfahrungsbericht zur X-Pro1 geschrieben).

Der EVF ist im Vergleich zur X-T1 natürlich nicht so groß, die dafür aber auch einen Sucherbuckel benötigt, hat aber identische Auflösungswerte. Im Gegensatz zum aktuellen T-Modell punktet der elektronische Sucher der X-Pro2 allerdings mit einer wesentlich höheren Wiederholungsrate (bei der Einstellung HOCHLEISTUNG unter POWER MANAGEMENT) und er wirkt auf mich in dunkler Szenerie deutlicher rauschärmer.

Letztendlich kann ich wie zur X-Pro1 nur sagen, dass es eine wunderbare Sache ist, beide Sucherarten nutzen zu können und die Welt auf optischem oder elektronischem Wege zu betrachten. Aber das ist noch nicht alles: Es gibt jetzt auch eine integrierte Dioptrienkorrektur!

– Gegenlicht – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/500 Sek, f 4, ISO 250 –

Der Autofokus

In der X-Pro2 werkelt ein gegenüber der X-T1 weiterentwickeltes Hybrid-AF-System aus einer Kombination aus Kontrast-Autofokus und Phasendetektions-AF. Bekannt sind die AF-Modi Einzelpunkt, Zone und Weit/Verfolgung, die sich in ihrer grundlegenden Funktion nicht vom T-Modell unterscheiden. Neu sind allerdings zwei Punkte: zum einen ist der Sensorbereich mit Phasendetektions-Pixeln deutlich vergrößert worden, was einen genaueren und schnelleren Autofokus bei schwacher Beleuchtung und schwachem Kontrast über einen größeren Bildbereich ermöglicht (wichtig auch für die „Tracking-Funktion“, bei der die Schärfe prädiktiv nachgeführt wird, die auch von einer um 100% schnelleren Auslesung des Sensors profitiert), zum anderen ist die Anzahl der Fokusmessfelder von 77 auf satte 273 erhöht worden (im Menü kann zwischen 77 Punkten (7×11) und 273 Punkten (13×21) ausgewählt werden). Wichtig: Die 273 Messfelder stehen nur bei Einzelpunkt-AF zur Verfügung, bei Zone und Weit/Verfolgung jedoch nur die 77 Messfelder. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 beträgt die Anzahl der Fokusmessfelder – wie bei der X-T2 – 91 bzw. 325, entsprechend nun 7×13 bzw. 13×25!).

Inwieweit die AF-Geschwindigkeit im Gegensatz zur X-T1 im praktischen Einsatz gesteigert werden konnte, habe ich bei meinen bisherigen Einsätzen noch nicht hinreichend feststellen können, da mir dafür bislang die „Actionmotive“ fehlten. Auf dem Papier hat die X-Pro2 jedenfalls die schnellste Performance aller bisherigen X-Serie-Kameras, denn auch der Kontrast-AF arbeitet nun doppelt so fix. Die wichtigste Verbesserung ist in diesem Zusammenhang in meinen Augen aber ohnehin der Fokushebel, der allein für einen ordentlichen Boost im ganzen AF-Prozedere führt. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die AF-Performance auf das Niveau der X-T2 angehoben!).

Und auch für die Freunde der Gesichtserkennung gibt es eine Neuerung: Zusätzlich ist eine Augenerkennung implementiert, bei der auch gezielt eine Priorität für das linke oder rechte Auge vorgewählt werden kann.

– Ilex – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/3000 Sek, f 2.8, ISO 1600 –

Filmsimulationen und RAW

Bei dem London-Meeting meinte ich einst etwas scherzhaft auf die Frage, welche zusätzlichen Filmsimulationen wir uns wünschen würden, man solle den Kodak Tri-X nehmen. Gut, das geht in einem Fotoapparat von Fujifilm natürlich nicht. Schließlich ist der ACROS hinzugekommen, auch ein schwarzweißer Klassiker (basierend auf dem analogen Neopan ACROS), der alle bisherigen S/W-Modi deutlich überflügeln soll (manche meinen gar, die X-Pro2 käme damit nah an Leicas Monochrom heran). Neben einer sehr guten Durchzeichnung der Schatten und Lichter ist es eine weitere Besonderheit dieser Filmsimulation, dass hier Filmkorn passend zum verwendeten ISO-Wert zugefügt wird (je höher die ISO-Zahl, desto stärker das Korn). Ohnehin ist der Körnungseffekt neu, der in zwei Stufen (SCHWACH und STARK) auch allen anderen in der X-Pro2 vorhandenen „Filmen“ beigefügt werden kann. Diese Körnung verleiht vielen Aufnahmen häufig den extra Kick analogen Charme. Daneben sind die Einstellungen für TON LICHTER, SCHATTIER. TON, FARBE, SCHÄRFE und RAUSCHREDUKTION nun differenzierter (zwischen -2 und +4 für Lichter und Tiefen und -4 und +4 für Farbe, Schärfe und Rauschreduktion), was dem internen RAW-Konverter ebenfalls zugute kommt, wo zudem der Bereich der PUSH/PULL-Verarbeitung nach unten auf -2 erweitert wurde. Wenn das alles primär die JPG-Fotografen interessiert, gibt es aber auch für die RAW-Freunde Neuigkeiten: Neben unkomprimierten RAW-Dateien steht nun alternativ eine absolut verlustfreie Kompression zur Verfügung, die gerade bei den größer gewordenen Bilddateien Sinn macht. Und das mit 14 Bit!

– Seilrutsche – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/100 Sek, f 8, ISO 200 –

Der Sensor und die Bildqualität

Der neue X-Trans CMOS III Sensor von Sony hat nach wie vor APS-C-Größe und vereint darauf 24,3 Megapixel. Die auf 6000×4000 Pixel angestiegene Auflösung heiße ich gerne willkommen, da sie mir mehr Spielraum für große Ausdrucke bietet. Dazu wirkt sich der ebenso neue X Prozessor Pro nicht nur auf jegliche Geschwindigkeit aus – die Kamera läuft in allen Belangen flüssig und reaktionsschnell -, sondern auch auf die Bildqualität, Rauschfreiheit und den Dynamikumfang.

Wie gesagt lasse ich Beurteilungen der Bildqualität für den Moment noch links liegen, da ich bisher nicht mit einem Serienmodell mit finaler Firmware fotografiert habe. Wer will, kann sich aber gerne die hier eingestreuten Bilder näher zu Gemüte führen und mit einem Klick aufs Bild auf Flickr größer ansehen. Was mir jedoch sofort sehr positiv auffiel, war die fantastische Qualität bei hohen ISO-Werten, wo Fujifilm trotz gestiegener Megapixel nochmals eine Schüppe draufgelegt hat!

„Kritikpunkt“: Ach ja, der Sensor ist nicht stabilisiert. Es gibt also kein IBIS (In Body Image Stabilization). Für viele neben dem fehlenden Klappdisplay ein absolutes No-Go (ein weiteres folgt gleich noch), für das es, wie sollte es bei Fujifilm anders sein, sicherlich einen guten Grund gibt. Zum einen ist der OIS in den Objektiven laut Fujifilm leistungsstärker. Zum anderen gibt es bei den X-Trans-Sensoren angeblich Probleme mit der Stabilisierung in der Kamera, wie ich hörte. Genaues weiß ich hier aber nicht. Nur so viel, dass dies kein Grund für mich ist, die X-Pro2 als unbenutzbar einzustufen, wie ich es hier und da schon aufschnappte.

„Kritikpunkt“: Oh, direkt noch einer … Ja, die Kamera kann auch kein 4K. Nur FULL-HD mit bis zu 60P. Wieder so ein No-Go. Mir ist das (noch) wurscht. Wenn ich etwas filme, reicht mir das, was ich von Fujifilm da gerade bekomme. Und der Grund, warum 4K nicht drin ist, soll der sein, dass die Knipskiste dann zu stark erhitzen würde. Um das zu vermeiden, hätte der zweite Kartenslot rausfliegen müssen. Oder so ähnlich. Es geht halt nicht alles gleichzeitig parallel nach vorne, wie uns auch in London erklärt wurde. Nur Schritt für Schritt. So muss man sich auch beim elektronischen Sucher dazwischen entscheiden, entweder die Auflösung hochzuschrauben oder die Wiederholungsrate anzuheben. Beides gleichzeitig auf ein ganz hohes Niveau zu hieven, klappt nicht. Und überhaupt: Die X-Pro2 ist in erster Linie eine Fotokamera und keine Videokamera (was bei einer Knipse im Rangefinderstyle auch naheliegt …). (UPDATE: Seit Firmware-Version 4.00 verfügt die X-Pro2 nun doch auch über 4K-Video!).

(PS: Von einer X-T2 erwarte ich mir dann natürlich wieder ein Klappdisplay. Auch 4K. Aber vielleicht fehlt dort dann weiterhin das zweite Kartenfach. Und ob die IBIS hat, sei auch dahingestellt.)

Dafür gibt es jetzt schon mal PIXEL-MAPPING in der X-Pro2. Wer also mal tote Pixel im Bild findet, kann sich derer leicht entledigen.

Die Menüstruktur

Auch die Menüstruktur und die Sucheranzeigen sind überarbeitet worden. Vor allem das Menü ist nach meinem Geschmack nun klarer strukturiert, um schneller ans Ziel zu kommen. Es ist jetzt nicht mehr nur nach AUFNAHME-MENÜ und HAUPTMENÜ unterteilt, sondern nach den Punkten BILDQUALITÄT, AF/MF, AUFNAHME, BLITZ, FILM und EINRICHTUNG gegliedert. Hinzu kommt noch MY-Menü für eine persönliche Konfiguration. Ich fand mich schnell zurecht.

Rentier, Foto: Martin Hülle
– Rentier – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/45 Sek, f 2, ISO 3200 –

Schlussbemerkung

So, das soll es erstmal gewesen sein. Wie oben geschrieben, werde ich meine Eindrücke fortlaufend ergänzen, sobald ich neue Erkenntnisse gewinne. Vielleicht habe ich auch den einen oder anderen Punkt vergessen. Zu vielfältig sind die Neuerungen und Verbesserungen der X-Pro2. Auch hier werde ich fehlendes nachtragen, wenn es auffällt.

Für ein Fazit ist es noch viel zu früh. Dafür habe ich die Kamera noch nicht in meinem „gewohnten Umfeld“, also unterwegs in wilder Einsamkeit, nutzen können. Doch vieles spricht dafür, dass mich die X-Pro2 bald in Grönland, bei meiner letzten Reise meines Projekts Mein Norden mehr als zufriedenstellen wird. Schließlich bietet sie im Grunde all das, was ich mir bei Fujifilm als wichtigste Verbesserungen gewünscht habe: Ein nahezu unverändertes Gehäuse gegenüber der X-Pro1, allerdings wie die X-T1 jetzt auch wetterfest und kälteresistent, dazu zwei Kartenslots, den AF-Joystick, etwas mehr Auflösung, einen weiter verbesserten Autofokus, gesteigerte Geschwindigkeit und viele weitere Kleinigkeiten, die das Fotografieren angenehmer machen.

Und nicht zuletzt hat auch die X-Pro2 diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-Pro2 Bilder

Tipp: Für noch mehr Hintergrundinformationen und weitere Details zu technischen Feinheiten wie dem Dynamikumfang, ISOlosen Sensor und vielem mehr empfehle ich den First Look von Rico Pfirstinger.

UPDATE:
Wie an einigen Stellen ergänzt, sind seit Einführung der Kamera bereits mehrere Firmware-Updates zur X-Pro2 erschienen, durch die z. B. die AF-Performance verbessert und 4K-Video hinzugefügt wurde!

Die Fujifilm X-T1 – Erste Eindrücke

– Regen und Bokeh – X-T1, XF23mmF1.4 R, 1/80 Sek, f 1.4, ISO 1600 (Velvia) –

Vor gut einem Monat bekam ich die Fujifilm X-T1 bei einem Besuch in Düsseldorf in die Hände gedrückt. Zusammen mit meinem X-Photographer Kollegen Bernd Ritschel war ich von Fujifilm eingeladen worden, um von unseren Erfahrungen mit dem X System zu berichten und einigen aus Japan angereisten Entwicklern direktes Feedback zu geben. Es war eine lockere Runde gehaltvollen Austauschs, nach der wir beide eine X-T1 unser Eigen nennen durften und die Kamera seitdem mein neues Arbeitstier ist.

Ich war auf diesen neuen Fotoapparat extrem gespannt. Und als ich die X-T1 in Fujifilms Europazentrale zum ersten Mal anfassen konnte und durch den Sucher blickte, entfuhr mir ein „Wow“. Kamen alle bisherigen elektronischen Gucklöcher eher einem Mäusekino gleich, öffnet sich hier eine Großbildleinwand! Mittig in der optischen Achse platziert, ist dieser in einem Höcker untergebrachte EVF eines DER Aushängeschilder der Kamera. Die üppige Suchervergrößerung ist im wahrsten Sinne großartig und erlaubt einen perfekten Blick auf das Motiv. Wer braucht da noch einen optischen Sucher? Schwenkt man die Kamera ins Hochformat, verändern auch alle Anzeige-Elemente im Sucher automatisch ihre Position. Dass der EVF dazu enorm reaktionsschnell ist – bisher häufig ein Manko elektronischer Sucher – und die Szenerie „in Echtzeit“ darstellt, begeistert zusätzlich. Ein Triumph der Ingenieurskunst, diesen riesigen Sucher in der äußerlich doch sehr kompakten Kamera unterzubringen, wie uns die Japaner voller Stolz erläuterten. Als Nebeneffekt wird der Messsucherlook bisheriger X-Modelle aufgegeben und die X-T1 kommt im DSLR-Design daher. Das ist so ein Pro-und-Kontra-Ding – manche werden es begrüßen, weil es sie an eine Spiegelreflex erinnert, andere werden dem Rangefinderstil nachtrauern …

Einem ersten Härtetest wollte ich die Kamera Mitte Februar in Schweden unterziehen, wo ich zu zwei Tagen Nordic Iceskating eingeladen war. Im Royal Viking Hotel in Stockholm waren die X-T1 und ich auch noch guter Dinge. Doch auf dem zugefrorenen See Mälaren sahen wir uns bald der Realität ausgesetzt und viel zu schnell war Schluss mit lustig. Das Wetter mies mit Regen und Wind. Ich unbeholfen auf den schmalen Kufen. Zu Fotos kam ich kaum, zu sehr hatte ich mit mir selbst zu tun. Damit, mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Mich der Herausforderung des Schlittschuhlaufens zu stellen, war eine Sache. Zu scheitern, die andere. Nach Stunden auf glattem Grund stürzte ich, schlidderte über das blanke Eis und verdrehte mir ungünstig das Knie. Später schmerzte es – wohl aufgrund einer Überdehnung des Innenbandes. Den Folgetag hängte ich die Skates an den Nagel und schlenderte stattdessen durch Sigtuna, die erste Stadt Schwedens, wo im Café Tant Brun bei leckerem Gebäck und Cappuccino der Frust der „Niederlage“ verblasste.

Naja, andere Motive mussten nun her, um mich dem neuesten Fujifilm-Gerät weiter zu nähern …

– Mälaren – X-T1, XF27mmF2.8, 1/50 Sek, f 8, ISO 1600 (Astia) –
– Sigtuna – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/420 Sek, f 4, ISO 200 (PRO Neg. Std) –

Im Hier und Jetzt

Als ich die X-T1 dann hier zu Hause mit auf Fotopirsch nehme, erfreue ich mich an der Haptik des dank Griffwulst und Daumensporn sehr griffigen Magnesium-Gehäuses. Am Damwildgehege im Nordpark ist es ein Leichtes, zum Anlocken der Tiere eine Schachtel Wildfutter in der linken und die Kamera in der rechten Hand zu halten. Die Spitzen der Schaufelgeweihe, die durch den Gitterzaun stoßen, machen mir kaum Sorgen – die Kamera wirkt äußerst robust. Ich mache Bild um Bild, will unbedingt das Foto, wie ein Damhirsch mit seiner Zunge nach den Leckereien giert und bin nach vielen Auslösungen irgendwann erfolgreich.

Erfreulich auch der erleichterte Zugriff auf den Speicherkarten-Slot, der sich nicht mehr wie bei den bisherigen X-Kameras im Akkufach auf der Unterseite befindet, sondern nun seitlich zugänglich ist. Ich hätte allerdings einen Dual-Slot zudem vorgezogen, um schon in der Kamera ein Backup meiner Fotos erstellen zu können. Doch Fujifilm hat sich für eine Kompatibilität mit den neuen und ultraschnellen SDXC UHS-II Speicherkarten entschieden, die mehr Kontakte haben und ein größeres Bauteil in der Kamera benötigen. So fand nur ein Schlitz im Gehäuse Platz.

– Damwild – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/250 Sek, f 4, ISO 800 (SW + Grün-Filter) –

Als Outdoor-Fotograf, der viel bei schlechtem Wetter und im Winter unterwegs ist, zählt für mich vor allem auch, dass eine Kamera hart im Nehmen ist. Ein windiger, verregneter Abend am Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen bietet da realistische Testbedingungen und ich treibe mich auf Bahnsteigen und zwischen Unterständen umher (siehe Bild oben). Regentropfen prasseln mir um die Ohren, doch der an 80 Stellen abgedichteten X-T1 macht das rein gar nichts aus. Dass sie bis minus zehn Grad kälteresistent sein soll, beruhigt zusätzlich. Einziger Wehrmutstropfen: Manche Tasten, wie das Steuerkreuz auf der Rückseite, sind der wetterfesten Verarbeitung wegen nur fummelig zu bedienen. Einen Tod muss man wohl sterben.

Um dem gegenüber Fujifilms X-E2 nochmals weiterentwickelten Hybrid-Autofokus auf den Zahn zu fühlen, nutze ich Selmas Begeisterung für Spielplätze. Dort düst sie die Rutsche hinab und ich feuere eine 8-Bilder-pro-Sekunde-Salve nach der anderen ab. Obwohl der AF-C-Modus mit einer „Tracking-Funktion“ arbeitet und die Schärfe prädiktiv nachführt, ist es in dieser Situation nicht ganz einfach, zu scharfen Bildern zu kommen, wenn sich Selma rasend schnell auf mich zubewegt und ich gleichzeitig die Kamera entlang der Rutsche von oben nach unten mitziehe, um mein Model immer korrekt im Bild zu haben. Dennoch sind die Resultate bei diesem Test sehr vielversprechend und Fujifilms Spiegellose kann auf diesem Gebiet auch DSLRs sicherlich Paroli bieten. Ich muss mich nur selber der Actionfotografie weiter widmen, macht doch Übung auch hier den Meister.

– Rutschpartie – X-T1, XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, 1/2000 Sek, f 4, ISO 400 (PRO Neg. Hi) –

Nach ein paar Wandertouren mag ich die X-T1, deren Bedienung dank fünf Wählrädern auf der Oberseite und sechs frei belegbarer Fn-Tasten sehr intuitiv ist, nicht mehr missen. Darüber hinaus erwische ich mich dabei, dass aufgrund des Klapp-Display – einem Feature, das ich bisher immer eher belächelt hatte – auch Aufnahmen aus der Frosch- oder Vogelperspektive besonders bequem umzusetzen sind. So gelingen dynamische Perspektiven einer kühnen Wanderin, ohne mich auf dem Boden wälzen zu müssen.

Und die Bilder? Bei all dem Potenzial und der geballten Power der X-T1 bleibt die Betrachtung der Bildqualität beinahe auf der Strecke. Was aber nicht verwundert, werkelt der bewährte 16 Megapixel APS-C X-Trans CMOS II Sensor doch auf einem gleich hohen Niveau, wie es die bisherigen X-Kameras von Fujifilm schon tun. Auch die bereits bekannten und an analoge Fujifilm-Klassiker erinnernden Filmsimulationen sind mit an Bord. Neuerdings lassen sich diese auch in Adobe Camera RAW für Photoshop CS6 und CC auf die RAW-Bilder anwenden und sind dort auswählbar. Wer auf Provia, Astia, Velvia und Co. steht, muss jetzt nicht mehr auf die JPGs vertrauen oder sich die Anmutung selber für die RAW-Bilder zurechtbasteln, sondern findet in ACR eine sehr passende Umsetzung. Die hier gezeigten Bilder sind auf dem Wege nachbearbeitet. Für mich ist das aber sicherlich nur eine Übergangslösung, bis VSCO die X-T1 in seinen Film-Kollektionen unterstützt. Deren Look mag ich einfach noch lieber.

Und zu guter Letzt: Dank Wi-Fi ist obendrein eine kabellose Anbindung und Fernsteuerung via Smartphone oder Tablet möglich. So wird die Fujifilm X-T1 vollends zum Tausendsassa.

– Holzweg – X-T1, XF14mmF2.8 R, 1/2900 Sek, f 2.8, ISO 400 (PRO Neg. Std) –

Die Stärken der X-T1

  • Der EVF – Groß, hochauflösend, reaktionsschnell
  • Der Autofokus – Treffsicher und schnell samt einem AF-C, der seinen Namen verdient
  • Das Gehäuse – Wetterfest, robust, solide und mit toller Haptik
  • Die Bedienung – Wählräder und Fn-Tasten mit einfach sauvielen direkten Zugriffen

Die Schwächen der X-T1

  • Die Tasten – Das Steuerkreuz auf der Rückseite ist etwas fummelig

Was Fujifilm durch Firmware-Updates verbessern könnte

  • Die Video-Taste sollte zu einer weiteren Fn-Taste werden
  • Die Fn-Taste auf der Vorderseite sollte bei Bedarf ganz abschaltbar sein oder länger gedrückt werden müssen (2 Sek.), um die gewünschte Funktion zu aktivieren – ich habe sie schon mehrfach versehentlich gedrückt

Vorläufiges Fazit

Fujifilm ist mit der X-T1 ein großer Wurf gelungen und die Kamera ist aktuell der ausgewogenste Spross aus dem X System. Dank der äußerst gelungenen Symbiose aus „klassischer“ Bedienung, robustem und wetterfestem Gehäuse, technischen Finessen und bekannt hoher Bildqualität ist das Modell dafür prädestiniert, dem Markt der spiegellosen Systemkameras weiteren Schwung zu verleihen.

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-T1 Bilder

UPDATE:
Seit Einführung der Kamera sind bereits mehrere Firmware-Updates zur X-T1 erschienen, die vielfältige Verbesserungen und Erweiterungen beinhalten! Und auch das Steuerkreuz auf der Rückseite wurde überarbeitet!

Die Fujifilm X-Pro1 – Erste Eindrücke und Erfahrungen

Seit Mitte März fotografiere ich mittlerweile mit der Fujifilm X-Pro1. Der Kamera, deren Vorstellung ich so sehr entgegen gefiebert hatte. Dieses Stück Technik im Retrolook erschien mir so verlockend wie kein anderer Fotoapparat. Als ich sie dann als einer der ersten bekam, war es einer der Momente, an dem Weihnachten und Geburtstag zusammenfallen. Seitdem habe ich mich zuerst vor der Haustüre an sie gewöhnt, bin den Wupperweg mit ihr gelaufen und habe sie schließlich einige Tage ins Sauerland entführt. Genug Zeit und Möglichkeit, die Stärken und Schwächen der X-Pro1 kennenzulernen. Und eine gute Basis, einen ersten Erfahrungsbericht zu schreiben. Dabei will ich die Kamera jetzt nicht von A-Z erklären, sondern auch davon erzählen, wie wir uns nach der Liebe auf den ersten Blick rasch näherkamen, uns weiter beschnupperten, erstaunt anblickten, tuschelnd Händchen hielten, auch mal kurz anschnauzten, nicht mehr voneinander lassen konnten und uns nun eine gemeinsame Zukunft am rosafarbenen Himmel ausmalen. Kurz gesagt: wie ich mit ihr zurechtkomme, was mir gefällt und was nicht.

Vorbemerkung
Ich bekam die X-Pro1 samt aller Objektive und einigem Zubehör von Fujifilm im Rahmen einer langfristig angelegten Zusammenarbeit. Nichtsdestotrotz vertrete ich hier allein meine Meinung. Aber so soll’s auch sein. Soweit – los geht’s …

Der erste Eindruck

Zum ersten Mal hielt ich die X-Pro1 Mitte Februar in Kleve bei einem Treffen mit Fujifilm in Händen. Und ja, sie war groß. So groß wie eine Leica M. Genau richtig! Ich mag kleine Kameras nicht. Die sind mir zu unhandlich. Meine X10 ist und bleibt daher nur eine Kompakte – nix zum richtigen Fotografieren. Aber die X-Pro1, ja, das ist was. Und leicht dazu. Viele bemängelten später diese Leichtigkeit und setzten geringes Gewicht mit billig gleich. Das sehe und empfinde ich nicht so. Größe und Gewicht der Kamera bilden mit angeschlossenem Objektiv eine harmonische Einheit. Das passt.

Diese erste Begegnung war allerdings nur von kurzer Dauer, hat aber das Feuer umso mehr entfacht. Bis zum freudigen Wiedersehen vergingen noch ein paar lange Wochen. Doch dann kam es, das große Paket mit all den Leckerbissen, und ich konnte meine X-Pro1 endlich auspacken. Ein Augenblick, in der die Zeit zur Seite trat und die Stunden unbemerkt vergingen …

Haptik und Verarbeitung sind auf einem sehr hohen Niveau. Alles fühlt sich wertig an. Die Bedienelemente und Einstellräder sind zugleich leichtgängig und solide.

– Osterfeuer – XF35mmF1.4 R, ISO 800, 1/680s, Blende 5.6 –

Die Handhabung

Von Anfang an war es das klassische Bedienkonzept der X-Pro1, das mich begeisterte. Der Blendenring am Objektiv, das Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Beides nutze ich intuitiv und kann immer sehen, welche Blende ich eingestellt oder ob ich eine Korrektur gewählt habe. Und das, ohne die Kamera einschalten und aufs Display oder durch den Sucher schauen zu müssen. Herrlich – wie in alten Zeiten! Da ich fast ausschließlich mit der Zeitautomatik fotografiere, kann ich ganz bequem – und schnell – die Blende mit der linken Hand am Objektiv verstellen und mit dem Daumen der rechten Hand eine eventuell nötige Plus- oder Minuskorrektur vornehmen.

Dazu die Q-Taste, das Schnellmenü. Auf einen Tastendruck kann ich alle weiteren wichtigen Einstellungen vornehmen, ohne den Weg über das an sich gut strukturierte Menü. Und das auch bei Verwendung des elektronischen Suchers, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen. Einige Anwender berichten allerdings davon, die Q-Taste unbemerkt zu drücken und unbeabsichtigt etwas zu verstellen. Der Wunsch nach z. B. einem Doppelklick zur Aktivierung des Schnellmenüs wird laut. Ich habe diese Erfahrung bisher jedoch noch nicht gemacht und komme mit der Q-Taste, so wie sie ist, bestens zurecht.

– Volkswagen – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/100s, Blende 8 –

Der Hybrid-Sucher

Schon von der X100 bekannt und für die X-Pro1 weiterentwickelt. Der Hybrid-Sucher bestehend aus einem optischen und elektronischen Sucher. Je nach Bedarf und Vorliebe kann zwischen beiden Optionen gewechselt werden. Das geht ganz leicht mit dem Mittelfinger der rechten Hand über einen Hebel auf der Vorderseite.

Leuchtrahmen/Bildbereich
Für die bisher drei zur Verfügung stehenden Objektive wird automatisch im optischen Sucher (OVF) ein zugehöriger Leuchtrahmen zur Bildfeldbegrenzung eingeblendet. Nachdem ich die ersten Fotos mithilfe des OVF gemacht hatte, war ich etwas verstimmt, da auf den Bildern mehr zu sehen war, als der Leuchtrahmen im Sucher angezeigt hatte. Mmh, das passte mir gar nicht. Warum zeigt er nicht 100% an? Muss ich mir jetzt immer was hinzudenken? Stimmte da was nicht? Doch, es stimmt. In den technischen Daten steht es auch: Der Bildbereich beträgt im OVF ca. 90%. Und das ist typisch für Messsucherkameras und auch kaum genauer zu konstruieren. Auch die Leuchtrahmen der Leica M-Modelle zeigen nur diese etwa 90% an. Auch deshalb, um im Eifer des Fotografiegefechts nicht wichtige Bildinhalte abzuschneiden, denn je nach Entfernungseinstellung entspricht der Leuchtrahmen zudem einem etwas anderen Bildbereich. Da ist man lieber großzügig. Besser zu viel auf dem Foto als zu wenig … Für mich ist das aber sehr ungewohnt und auch ein Grund, weshalb ich häufiger und lieber mit dem elektronischen Sucher (EVF) fotografiere. Er zeigt ca. 100% – genauso, wie ich es auch von meiner DSLR kenne. Ohne Leuchtrahmen und zusätzliches Drumherum (das Sichtfeld ist ja immer größer als der vom Leuchtrahmen angezeigte Bildbereich), dass ich mir zugleich weg und doch auch immer ein Stück hinzu denken muss. Aber das ist Sache der Gewöhnung. Und es mag Situationen geben, wo diese Leuchtrahmen-Messsucher-Technik sehr gut funktioniert. Z. B. um zu beobachten, was neben dem gewählten Bildausschnitt noch so vor sich geht. Ob sich da interessantes tut. Ob gleich jemand ins Bild läuft, oder oder …

Grundsätzlich bedecken die Leuchtrahmen bei der Verwendung des 18er und 35er Objektives einen angenehm großen Teil des Suchers (beim 35er wird automatisch eine zweite Vergrößerungsstufe eingestellt). Beim 60er hingegen ist der Leuchtrahmen mangels einer weiteren Vergrößerungsstufe recht klein – daher kommt bei dieser Brennweite für mich eigentlich sowieso nur noch der EVF in Frage.

– Regentonne – XF60mmF2.4 R Macro, ISO 200, 1/220s, Blende 4 –

Parallaxe
Durch die Positionierung des Suchers links oben neben dem Objektiv, kommt es je nach Fokusentfernung zu mehr oder weniger großen Verschiebungen (Parallaxe) zwischen Sucherbild und Sensorfläche. Auf Unendlich betrachtet zeigen Sucher und Sensor so ziemlich dasselbe. Je näher das Motiv jedoch heranrückt, umso mehr verschiebt sich das spätere Bild entgegen der Ansicht im OVF nach rechts unten, wodurch Sucherdarstellung und aufgenommenes Foto dann nicht mehr übereinstimmen. Beim Antippen des Auslösers bis zum ersten Druckpunkt (Scharfstellung) springt der Leuchtrahmen nach rechts unten und zeigt das spätere Bild an. Jetzt muss die Kamera meist neu ausgerichtet werden, um das gewünschte Bildergebnis sicherzustellen. Entsprechend liegt das AF-Messfeld im Nahbereich oft daneben und kann leicht am Ziel vorbei schießen. Das normale Messfeld zeigt den Scharfstellbereich für eine Fokusentfernung von Unendlich. Hier gibt es die Option, ein „parallaxen-korrigiertes“ zweites AF-Feld einzublenden, das den Scharfstellbereich für eine Fokusentfernung von etwa 80 cm anzeigt. Dadurch lässt sich schon vor dem Druck auf den Auslöser abschätzen, wo die Kamera in etwa Scharfstellen wird. Zwischen Nahbereich und Unendlich liegt die Scharfstellung fließend zwischen beiden Feldern. Je nachdem ist auch hier eine optimierte Ausrichtung der Kamera vorzunehmen, um eine punktgenaue Scharfstellung zu garantieren.

Auch die X-Pro1 bietet die Möglichkeit, sowohl im optischen als auch im elektronischen Sucher ein Raster zur einfacheren Bildgestaltung (Stichwort „Goldener Schnitt“) einzublenden. Leider ist dieses Raster im OVF starr und es passt sich weder der verwendeten Brennweite noch dem nach der Scharfstellung korrigierten Leuchtrahmen an, wie es im EVF natürlich der Fall ist.

Letztendlich kann ich sagen, dass es eine wunderbare Sache ist, beide Sucherarten nutzen zu können und die Welt auf optischem oder elektronischem Wege zu betrachten. Der OVF ist dabei eher für die schnellen Reportagefotos geeignet. Und der EVF immer dann, wenn es um eine ganz genaue Beurteilung des Bildausschnitts und eine absolut verlässliche Positionierung des AF-Messfeldes geht. Denn im elektronischen Sucher spielt die Parallaxe natürlich keine Rolle. Auch steht im EVF eine höhere Anzahl an Fokusmessfeldern zur Verfügung (49 entgegen 25 im OVF), die dort zudem in fünf Größen einstellbar sind. In beiden Suchern lassen sich darüber hinaus alle wichtigen Informationen und Einstellhilfen auf Wunsch ein- oder ausblenden.

Randbemerkung: Um auch im optischen Sucher ein Histogramm zu sehen, muss der Energiesparmodus auf AUS eingestellt sein. Ansonsten wird das Histogramm nicht angezeigt, selbst wenn es für den OVF ausgewählt wurde.

– An der Reling – XF18mmF2 R, ISO 400, 1/1200s, Blende 8 –

Die Bildqualität

Yeah! Woohooo! Der X-Trans Sensor der X-Pro1 überzeugt auf ganzer Linie. Durch einen völlig neuartigen Sensoraufbau konnte auf einen AA-Tiefpassfilter verzichtet werden, der normalerweise zur Unterdrückung von Moiré eingesetzt wird, aber auch die Auflösung mindert. Die Pixelstruktur von Fujifilms Eigenentwicklung soll Bildfehlern allerdings wirkungsvoll entgegen wirken, weshalb auf den Filter verzichtet werden konnte und dadurch mehr Bildschärfe erreicht werden soll. Groß war die Ankündigung, die X-Pro1 würde trotz ihres nur APS-C großen Sensors im Vollformatbereich wildern. Aber was soll ich sagen? Es stimmt! Die Bildqualität allein ist Grund genug, die Kamera zu kaufen und mit ihr zu fotografieren. Das Herz der X-Pro1, ihr Sensor, ist über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur das CHIP FOTO-VIDEO Magazin attestierte der Kamera eine überragenede Bildqualität. Sie ist das Beste, womit ich je fotografiert habe! Klar, neue Besen kehren immer gut …

Schärfeleistung und Auflösung sind bestechend. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, Vergleichsaufnahmen zwischen der X-Pro1 und dem 35er 1.4 und meiner Nikon D700 und dem 50er 1.4 zu machen. Danach war ich gleichermaßen verblüfft und entsetzt. Verblüfft über die Qualität der X-Pro1-Bilder und entsetzt über den „Mist“, den die D700 ablieferte. Dabei hatte ich die kamerainterne Schärfung bei der X-Pro1 sogar auf -1 runtergeregelt (auf einer Skala von -2 bis +2). Und selbst als ich diese bei der Nikon hochgedreht habe (auf 4 bei einer Skala von 0 bis 9), lagen deren Bilder immer noch weit hinter der Fujifilm zurück. Über den gesamten Blendenbereich.

Ähnlich verhielt es sich beim Bildrauschen in hohen ISO-Einstellungen. Auch hier sahen de Bilder der X-Pro1 für meinen Geschmack besser aus. Im Gegensatz zur Nikon war nahezu keinerlei Farbrauschen zu erkennen und das Rauschen sah einfach „schöner“ aus (bei vergleichbaren internen Rauschreduzierungseinstellungen – AUS gegen -2 und NORM gegen 0).

Warum allerdings die beiden höchsten ISO-Stufen, 12.800 und 25.600, bei der X-Pro1 nicht im RAW-Format, sondern nur als JPGs aufgenommen werden können, ist mir ein Rätsel. Unabhängig davon ist die Kamera bis ISO 6400 auf jeden Fall sehr gut einsetzbar (natürlich immer abhängig vom Motiv und dem späteren Verwendungszweck).

Der Automatische Weißabgleich ist dabei auch äußerst treffsicher. Dagegen habe ich den Eindruck, dass die X-Pro1 eher zu einer reichhaltigen Belichtung tendiert und ich recht häufig die Minus-Korrektur bemühen muss.

Zur Erweiterung des Dynamikbereichs gibt es die DR-Funktion (DR100, DR200 und DR400 – je höher der Wert, desto stärker die Anpassung), welche an die ISO-Empfindlichkeit gekoppelt ist. DR200 steht erst ab ISO 400 zur Verfügung, DR400 ab ISO 800. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bei jedem Motiv individuell zu überlegen, welcher DR-Wert passend wäre und unter Umständen die ISO-Empfindlichkeit manuell entsprechend zu erhöhen, oder die Funktion DR-AUTO gekoppelt mit ISO-AUTO auszuwählen – hier dann minimal ISO-AUTO 800 (in diesem Fall kann es passieren, dass die Kamera auch bei hellstem Sonnenschein eine höhere ISO-Einstellung wählt, um einen höheren DR-Wert zu ermöglichen).

Steinmann, Foto: Martin Hülle
– Steinmann – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/2400s, Blende 2.8 –
– Im Fenster – XF35mmF1.4 R, ISO 500, 1/50s, Blende 2.8 –

Die Objektive

Ein noch so guter Sensor nützt natürlich herzlich wenig, wenn man einen Glasbaustein davor schraubt. Zum Glück hat Fujifilm einige Erfahrung im Objektivbau und das zeigt sich auch in den drei bislang erhältlichen Fujinon-Linsen zur X-Pro1. Sie sind allesamt entsprechend der Kamera leicht aber solide gefertigt, verfügen über die in Drittelstufen einstellbaren Blendenringe und werden inkl. Streulichtblenden aus Metall geliefert.

Das XF35mmF1.4 R
Wow! Die X-Pro1 mit dem 35er (entspricht 53 mm an Kleinbild) ist eine unschlagbare Kombi. Das Objektiv ist im Zentrum extrem scharf. Ränder und Ecken liegen da zwar etwas zurück, aber das ist normal für sehr lichtstarke Normalbrennweiten. Das 50er AF-S Nikkor wurde in meinem Vergleichstest in jeder Blendeneinstellung von der Fuji-Optik geschlagen. Wer erstmal mit nur einem Objektiv an der X-Pro1 starten möchte, sollte zu der 35mm-Linse greifen!

Das XF60mmF2.4 R Macro
Das größte Objektiv des Dreigestirns – vor allem mit angesetzter Streulichtblende. Das 60er (entspricht 91 mm an Kleinbild) ist äußerst scharf und von hervorragender optischer Qualität. Einziges Manko ist der etwas langsame Autofokus, besonders im Nahbereich. Aber auf jeden Fall eine Linse, die sich gleichermaßen sehr gut für Landschafts- und Portraitfotos eignet, wie vieles andere mehr.

Das XF18mmF2 R
Das einzige der drei Objektive mit wirklichen Schwächen. Das 18er (entspricht 27 mm an Kleinbild) ist zwar grundsätzlich eine gute Linse – mit dem zügigsten AF von allen -, allerdings gibt es zwei Minuspunkte. An den Rändern und Ecken ist es nicht so knackscharf, wie ein Objektiv, welches sicherlich auch von mir primär in der Landschaftsfotografie eingesetzt wird, sein sollte. Zudem neigt es an harten Kontrastkanten in den Bildecken zu deutlich sichtbaren Farbsäumen (Chromatische Aberration). Teilweise lassen sich diese einfach und gut in der Bildnachbearbeitung entfernen, manchmal sind sie jedoch so ausgeprägt, dass ich sie – zumindest mit den mir zur Verfügung stehenden Programmen – nicht verschwinden lassen kann.

Im Weitwinkelbereich hoffe ich, dass die bereits für 2012/2013 angekündigten 14- und 23-mm-Objektive mit einer besseren optischen Leistung aufwarten und in einer Reihe mit dem 35er und 60er stehen werden.

– Vier gewinnt – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/90s, Blende 8 –
– Kvikk Lunsj – XF60mmF2.4 R Macro, ISO 800, 1/1900s, Blende 5.6 –
– Slåttdalsskrevan – XF18mmF2 R, ISO 800, 1/600s, Blende 2.8 –

Der Autofokus

Die AF-Geschwindigkeit der X-Pro1 erntet vielerorts Kritik. Zum Teil berechtigt, zum Teil aber auch übertrieben. Sicherlich gehört die Kamera in diesem Punkt nicht zu den schnellsten, im Gegenteil. Wer Sport und Action fotografieren möchte, sollte sich nach einem anderen System umschauen. Aber bei guten Lichtverhältnissen lassen sich auch mit der X-Pro1 nicht nur statische Motive ohne Probleme ablichten. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass Fujifilm die AF-Performance, wie bei der X100, über Firmware-Updates weiter verbessern wird. Wirklich langsam, und dann auf der Jagd nach einem Kinderbild auch schnell nervig, ist der Autofokus nur in dunkler Umgebung, wie z. B. schlecht beleuchteten Innenräumen. In diesem Fall hoffe ich sehr, dass Fujifilm für Besserung sorgt. Wenn der AF aber einmal sein Ziel gefunden hat, sitzt er auf jeden Fall sehr zuverlässig! Gut, manchmal will ich einfach schneller ans Ziel, die X-Pro1 hingegen mit mehr Ruhe. So ist es doch zuweilen in jeder Beziehung, oder nicht? (UPDATE: Mit neuer Firmware wurde die AF-Geschwindigkeit mittlerweile deutlich verbessert – s. u.)

– R-2022 – XF35mmF1.4 R, ISO 200, 1/160s, Blende 5.6 –

Dies und Das

Neben den oben aufgeführten zentralen Aspekten, gibt es noch einige Kleinigkeiten, zu denen ich meinen Senf hinzu geben möchte:

Stativgewinde
Das Stativgewinde ist, warum auch immer, nicht in der Objektivachse angebracht, sondern etwas seitlich versetzt. Auch ein Punkt, der manches Aufstöhnen in der Fotowelt hervorrief. Bei meinen bisherigen Stativeinsätzen habe ich das allerdings noch nicht als nachteilig empfunden.

Speicherkartenfach
Wie bei Kompaktkameras sitzen Akku und Speicherkarte in einem Fach. Es ist etwas unhandlich, die Speicherkarte einzusetzen und zu entfernen, da der Kartenschlitz sehr nahe an der Abdeckklappe liegt. Angenehmer – und einer professionellen Kamera angemessener – wäre ein separates Kartenfach auf einer der Kameraseiten (am besten rechts und dafür die USB- und HDMI-Anschlüsse links).

Handgriff HG-XPro1
Der separate Handgriff macht die Kamera tatsächlich etwas handlicher und rückt auch das Stativgewinde in die Objektivachse. Trotzdem nutze ich ihn nicht. Bislang liegt mir die X-Pro1 auch ohne diesen Zusatz gut und griffig in der Hand, zudem verdeckt der angeschraubte Handgriff das Akku- und Speicherkartenfach. Bei jedem Zugriff müsste der Handgriff erst wieder ab- und nachher wieder angeschraubt werden. Nervig. Vor allem dann, wenn man wie ich die Bilder über ein Kartenlesegerät überträgt und dafür die Speicherkarte jedesmal aus der Kamera nehmen muss. Wer die Bilder per USB übermittelt, wird evtl. besser damit zurechtkommen. (UPDATE: Mittlerweile gibt es einen neuen Handgriff, der einen Zugriff auf das Akku- und Speicherkartenfach erlaubt)

Histogramm- und Spitzlichteranzeige
Im Wiedergabe-Modus (Stellung „Information Aus“) fehlt mir ein schneller Zugriff auf eine Histogramm- und Spitzlichteranzeige, wie ich sie von den DSLRs her kenne. Zwar kann ich bei der Bildwiedergabe über die Pfeiltaste-oben durch einige Einstellungsparameter klicken und mir selbst die Position des Fokusmessfeldes anzeigen lassen, aber ein Histogramm und die Spitzlichter bekomme ich dort nicht zu sehen. Dafür muss etwas umständlich über die DISP/BACK-Taste zu den Detailinformationen weitergeschaltet werden. Schon wäre es, wenn diese Infos in allen Wiedergabemodi integriert wären (Firmware-Update?!).

Fokusmessfelder verstellen
Grundsätzlich komme ich mit der Verstellung der Fokusmessfelder gut zurecht. Mit dem Daumen der linken Hand aktiviere ich die AF-Taste links-unten auf der Kamerarückseite. Mit dem Daumen der rechten Hand wähle ich entweder die Messfeldgröße über das Wählrad oder die Position des Messfeldes über die Pfeiltasten. Doch dafür muss ich die linke Hand vom Objektiv nehmen. Wenn man die Funktion der AF-Taste auch auf die FN-Taste legen könnte, ließen sich die Fokusmessfelder noch einfacher und schneller nur mit dem Zeigefinger und Daumen der rechten Hand verstellen. (UPDATE: Dieser Punkt wurde in der Zwischenzeit auch durch ein Firmware-Update optimiert)

Manuelle Scharfeinstellung
Wo wir gerade bei der Fokussierung sind – die manuellen Scharfeinstellmöglichkeiten der X-Pro1 sind auch eines der viel diskuttierten Themen. Nur habe ich mich damit bisher kaum befasst. Es ist eine AF-Kamera und ich nutze daran AF-Objektive. Bislang war ich nicht in der Not, die Fujinon-Objektive manuell scharfstellen zu müssen. Daher kann ich zu dem Spiel mit Entfernungsskala, Schärfentiefebalken und Lupenfunktion nichts aussagekräftiges beisteuern.

AUTO-ISO
In der Funktion AUTO-ISO ist es erstaunlicherweise nicht möglich, selbst zu bestimmen, ab welcher Verschlusszeit die Kamera den nächst höheren ISO-Wert wählt. Ein Fakt, der schnellstmöglich ausgemerzt werden sollte, um diese Funktion wirklich nach eigenen Bedürfnissen sinnvoll nutzbar zu machen. Aktuell wählt die Kamera einen Wert von ca. 1/Brennweite als längste Belichtungszeit. (UPDATE: Dieser Punkt wurde in der Zwischenzeit ebenfalls durch ein Firmware-Update optimiert)

Serienbilder
Meines Wissens gibt es keinen anderen Kamerahersteller, für den Serienbilder etwas Besonderes sind. Doch bei Fujifilm ist das so. Im Wiedergabe-Modus wird daher von einer Serie auch nur das erste Bild angezeigt – die restlichen laufen in einem klein eingeblendeten Feld wiederkehrend durch. Über die Pfeiltaste-unten gelangt man in diesen „Unterordner“ und kann sich dann dort nur diese Bilder ansehen. Über die DISP/BACK-Taste kommt man zurück. Vorsicht: Will man z. B. nur ein Bild aus der Serie löschen, muss man das natürlich im Unterordner tun. Löscht man das erste Bild der Serie im „Hauptordner“, ist die ganze Serie futsch! Hier sollte die Möglichkeit geschaffen werden (Auswahl im Menü), dass Serienbilder auch direkt und komplett in die Standardbildfolge integriert werden – ohne Unterordner. (UPDATE: Durch ein Firmware-Update gehört zudem dieser Punkt mittlerweile der Vergangenheit an)

Drahtauslöser/Fernsteuerung
Die Drahtauslöserbuchse passt zwar ganz schön zum Retro-Look der X-Pro1, aber zusätzlich wäre ein moderner Funk-Fernsteueranschluss durchaus auch eine feine Sache.

„Blendenklackern“
Jaja, auch mich machte das Klackern der Blenden hellhörig, als ich die Kamera zum ersten Mal in Betrieb nahm. Was ist denn das? Sowas hatte ich ja noch nie erlebt. Da schließt und öffnet die Kamera unablässig die Blende. Je nachdem ob es gerade mal wieder heller oder dunkler vor der Linse wird. Gut, das muss sie tun. Um das Bild korrekt im EVF und auf dem Display anzuzeigen. Aber muss das so laut sein? Achje, auch hierüber wird an vielen Stellen hitzig gestritten. Im stillen Kämmerlein mag das auch „störend“ auffallen. Ich stolperte eigentlich nur darüber, weil ich zuerst gar nicht wusste, was da eigentlich vor sich geht. Und in freier Wildbahn nehme ich es kaum mehr war. Das ist kein Punkt, an dem es gilt, sich lange aufzuhalten. (UPDATE: Mit neuer Firmware wurde das Blendenklackern mittlerweile abgestellt – s. u.)

Staub- und Wetterschutz
Die X-Pro1 ist sehr solide und sie macht den Eindruck, einiges aushalten zu können. Trotzdem wünsche ich mir bei einer Kamera dieser Preisklasse – zumal mit dem Pro im Namen -, dass sie über einen Staub- und Wetterschutz verfügt. Selbst wenn es ohne zu keinerlei Problemen kommt, könnte Fujifilm in diesem Punkt bei einem Nachfolgemodell noch nachlegen.

RAW-Bearbeitung
Nach wie vor kann man zur Bearbeitung der X-Pro1-RAW-Bilder fast ausschließlich auf die Software von Silkypix zurückgreifen, wie dem mitgelieferten RAW FILE CONVERTER. Wer anderes gewöhnt ist, wird sich mit diesem etwas umständlichen Programm aber schwer tun, zumal es einigen Aufwand bedarf, bis ein aus einem RAW-Bild entwickeltes Foto so gut aussieht, wie ein direkt in der Kamera erzeugtes JPG. Fujifilm macht auch bei der X-Pro1 seinem guten Ruf alle Ehre, hervorragende JPGs zu produzieren. Bislang habe ich zwar häufig parallel RAWs und JPGs aufgenommen, nachher aber immer nur die JPGs verwendet. Auch wenn diese unglaublich gut daherkommen, wäre es trotzdem eine feine Sache, bald die Möglichkeit zu haben, die RAW-Dateien der X-Pro1 auch mit Lightroom oder Adobe Camera RAW bearbeiten zu können. Aber mal schauen, wie lange wir darauf noch warten müssen … (UPDATE: Diese Warterei hat auch schon lange ein Ende)

– Fässer – XF35mmF1.4 R, ISO 800, 1/400s, Blende 8 –

Schlussbemerkung

Puh, das waren und sind meine ersten Eindrücke und ersten Erfahrungen nach mehreren Wochen Nutzungsdauer. Und ich bin noch immer verliebt! Die X-Pro1 macht nicht nur hervorragende Bilder, sondern einfach auch unglaublich viel Freude! Es ist die schönste Kamera, die ich je hatte. Ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber genauso geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment.

Am Ende bleibt die Frage, ob die Fujifilm X-Pro1 meine Nikon D700 ersetzen kann. Denn mein Wunsch, mit dem X-Pro-System zu fotografieren, war doch geboren aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen. Und es sieht so aus, dass die X-Pro1 diese Alternative auch dauerhaft sein kann. Weil ich mit den – wenigen – Abstrichen, die ich gegenüber einer – eventuell schnelleren und besser ausgestatteten – DSLR machen muss, gut leben kann. Weil sie aufgewogen werden durch andere Vorzüge des kleineren Systems im Messsucherstil. Was schrieb Zack Arias kürzlich zur X-Pro1:

„If you want a travel camera, this is your travel camera. No question about it.“

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

> Meine Fujifilm X-Pro1 Bilder

UPDATE:
Wie an einigen Stellen ergänzt, sind seit Einführung der Kamera bereits mehrere Firmware-Updates zur X-Pro1 und allen drei Objektiven erschienen, durch die das „Blendenklackern“ abgestellt, die AF-Geschwindigkeit verbessert und manches andere optimiert wurde!