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Mein Abschied vom Vollformat

– Little Croc –

Ende 2009 schrieb ich im Blog von Olaf Bathke über den Vorteil des Halben gegenüber dem Vollen. Es war ein Loblieb auf das Nikon DX-Halbformat. Auf Kameras mit Crop-Faktor, die mir bei der Fotografie von Reisen, Outdoorabenteuern und Expeditionen Vorteile gegenüber dem FX-Vollformat bescherten. Obwohl das größere, in den Profimodellen verbaute Sensorformat, welches dem analogen Kleinbildfilm entspricht, qualitativ besser ist, machte ich mir die „nachteilige“ Ausrüstung zunutze, setzte den durch den kleineren Sensor einhergehenden Verlängerungsfaktor Gewinn bringend ein und war Freund eines Superzooms, das mir häufige Objektivwechsel ersparte. Für mich, der ich meine Bilder oft unter erschwerten Bedingungen mache, war es der goldene Weg. Der Verzicht auf eine bessere Qualität zahlte sich aus. Doch dann, ein Jahr später, wollte ich von meiner einstigen Schönrederei selbst nichts mehr wissen. FX musste her, Vollformat, endlich richtig professionelles Gerät. Das Halbformat war doch nicht mehr zeitgemäß!

Kurz darauf, Anfang 2011, war es schließlich soweit: Ich wechselte zum Vollformat! Der Zeitpunkt war gekommen, wo mir die Qualität des APS-C-Formats nicht mehr ausreichte. Ich wollte mehr haben, um mehr zu erreichen. Doch ich erreichte nichts. Nicht ganz, immerhin wurde alles schwerer und größer. Die Kamera, die Objektive, die ganze Fototasche. Was hatte ich an Fotoausrüstung zu schleppen, als wir im letzten Jahr für fünf Wochen nach Norwegen aufbrachen. Schnell fand ich es nervig – und mein Rücken quittierte es rasch mit Schmerzen. Hinzu kam weder eine wirklich sichtbare Steigerung der Bildqualität gegenüber meiner Zeit mit halben Sachen, noch ging dank dem nun richtig professionellen Gerät ein Motivationsschub einher. Es wurde zu einer Sackgasse, die mir immer deutlicher vor Augen trat. Und ich mir nicht mehr so sicher war, ob der Umstieg vom Halb- zum Vollformat für mich überhaupt so sinnvoll war.

Im Februar erahnte ich daher schon das Ende meiner Nikon-Ehe. Und nach 24 Jahren kommt es nun zur Scheidung – die silberne Hochzeit schaffen wir nicht mehr …

Eine Kehrtwende

Wieder einmal schere ich mich einen Dreck um mein Geschwätz von gestern. Dabei liegt es nicht am Vollformat an sich – das ist im Grunde eine feine Sache und ich würde durchaus weiterhin damit fotografieren, wenn es denn im richtigen Gehäuse stecken, in ein für mich optimales System eingebunden wäre. Ich sehe jetzt alles einfach nicht mehr so eng – komme lieber als „Knipser“ daher und muss nicht auf Teufel komm raus mit fetten Bodies und dicken Linsen aufwarten. Den Profi können andere raushängen lassen. Solange ich mit Gerätschaften unterwegs bin, die mich weiterbringen, ist doch alles in Butter. Nicht nur durch kompaktere Ausmaße und ein geringeres Gewicht, sondern ebenfalls dadurch, dass sie mich auch fotografisch beflügeln und mich spüren lassen, positiven Einfluss auf meine Bildsprache und meine „Herangehensweise“ an die Fotografie zu nehmen.

Seit März nutze ich mittlerweile die Fujifilm X-Pro1, deren Kamerakonzept mir aktuell am meisten in den Kram passt. Obwohl sie nur einen APS-C-Sensor in sich trägt, dem ich doch eigentlich entsagt hatte. Dafür ist sie klein, handlich und dennoch mit hervorragender Bildqualität gesegnet. Sie macht unglaublich viel Freude und ist die schönste Kamera, die ich je hatte. Klar, sie ist nicht perfekt – ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment. Die Frage, ob die X-Pro1 meine Nikon D700 ersetzen kann, ist für mich spätestens seit der gerade zurückliegenden vierwöchigen Rundreise durch Schweden und Norwegen beantwortet. Denn mein Wunsch, mit dem X System zu fotografieren, war doch geboren aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen. Und es ist so, dass die X-Pro1 diese Alternative dauerhaft sein kann. Weil ich mit den (wenigen) Abstrichen, die ich gegenüber einer (eventuell schnelleren und besser ausgestatteten) DSLR machen muss, gut leben kann. Weil sie aufgewogen werden durch andere Vorzüge des kleineren Systems im Messsucherstil.

Es ist nicht das Format der Nikon, von dem ich mich nun verabschiede. Es ist doch völlig egal, ob ein Foto mit einer Crop-, Vollformat-, Mittel- oder gar Großformatkamera aufgenommen wurde. Was allein zählt, ist das Ergebnis. Die Geschichte, die hinter den Aufnahmen steckt. Die Emotionen, die geweckt werden. Hätte Fujifilm die X-Pro1 mit einem anderen Sensor ausgestattet, würde ich jetzt wohl damit Bilder machen. Vielleicht weiterhin im vollen Format. Aber so ist es nicht gekommen. Was interessiert es mich – es ist nicht das, worum es in der Fotografie geht …

Ich verabschiede mich hingegen von einem System, den Spiegelreflexkameras, mit denen ich seit 1988 – analog wie digital – fortlaufend fotografiert habe. Stattdessen wage ich nun ein spiegelloses Abenteuer. Auf der Suche nach neuen Impulsen, einem anderen Blick auf die Dinge und leichterem Gerät zur Aufzeichnung meiner Reisen.

Und was hat der Little Croc damit zu tun, der in einem Örnsköldsviker Schuhgeschäft etwas abseits der eigentlichen Produkte im Fenster stand? Nichts natürlich.