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Fragmente aus der Zeit des Aufbruchs

Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.

Das Nordlandfieber und der Arktis-Bazillus sind alte Bekannte, die ich sicherlich nie mehr loswerde. Es begann im August 1991, als ich erstmals in Schweden unterwegs war, und sich die nordische Einsamkeit sogleich tief in mir einbrannte. Seitdem bin ich immer wieder zurückgekehrt in die hohen Breiten, wanderte den 800 km langen Nordkalottleden komplett an einem Stück oder unternahm zweimal eine Überquerung des grönländischen Inlandeises von Ost nach West – Meilensteine in meinem Leben als „Polarabenteurer“.

Bis mich im Frühjahr 2012 zwei Krampfanfälle aus heiterem Himmel zu Boden rissen, die Diagnose Epilepsie gestellt wurde und mein Wandererleben aus den Fugen geriet. In den Tagen im Krankenhaus und den Wochen danach, die es brauchte, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen, ließ ich mich allerdings nicht unterkriegen und fasste den Entschluss zu dem Projekt Mein Norden. Erneut wollte ich alles noch einmal träumen und aufbrechen zu den wundervollen Orten, die mir von früher so viel bedeuteten – aber gleichzeitig auch Neuland aufspüren, in dem ich zuvor noch nie war, jedoch schon immer einmal hinwollte.

Elf Reisen tüftelte ich aus, die mich über eine Spanne von vier Jahren hinein ins Abenteuer führten. Ich brach allein dorthin auf, wo meine Passion ihren Anfang genommen hatte, zog mit Freunden durch die dunkle Polarnacht und über eisige Gletscher, oder ging mit meiner Frau und unserer kleinen Tochter auf Wandertour. In all der Zeit trat die Epilepsie völlig in den Hintergrund. Und ich blieb zum Glück anfallsfrei.

Fragmente aus der Zeit des Aufbruchs.

Schweden: Plötzlich bin ich oben, stehe an der Abbruchkante und unter mir geht es 700 Meter senkrecht hinab. Der Blick auf das Delta des Ráhpaädno verschlägt mir den Atem. Tief unten schlängeln sich die verästelten Arme des mächtigen Flusses durch einen grünblauen Teppich aus Seen, Sümpfen und Wäldern. Eingekeilt zwischen den Felsabbrüchen des Skierffe und des gegenüberliegenden Tjahkelij münden die pulsierenden Adern des mit Gletschersedimenten durchsetzten Wassers in den Laitaure.

Island: Wir sind erleichtert, als sich der Panzer des Vatnajökull vor uns ausbreitet und wir unweit des Vonarskarđ, des Passes der Hoffnung, über den Köldukvíslarjökull auf die ausgedehnte Fläche ewigen Eises steigen können. Von hier an laufen wir ohne sonderliche Hürden über den größten Gletscher Europas. Vorbei an der Grímsvötn-Caldera und bis zu seinem südöstlichen Ende, dem Skálafellsjökull, über den wir wieder hinabgleiten in tiefere Lagen, der Küste und dem Meer entgegen.

Schottland: Mit einem mulmigen Gefühl komme ich auf der Isle of Skye an – ich befürchte eine Wasserschlacht. Eine steife Brise tut ihr übriges dazu und treibt das Nass klatschend über die Insel der Inneren Hebriden. Aber was soll’s? So, als könne mich nichts erschüttern, kaufe ich mir erst einmal eine wetterfeste Karte des Weges, bevor ich in Broadford starte, und trotze in der folgenden Zeit stoisch den immer wiederkehrenden Regengüssen, stürmischen Winden und schmatzend feuchten Böden.

Färöer-Inseln: Wie eine Haifischflosse ragt die schroffe unbewohnte Insel aus den Fluten des Fjords Sørvágsfjørđur empor. Sie ist der größte Holm des Archipels und ihr Name Tindhólmur geht auf die zackenförmigen Gipfel Ytsti, Arni, Lítli, Breiđi und Bogdi zurück. Bizarr recken sie diese in den dunkel bewölkten Himmel und sorgen für die dramatische Form.

Schweden: Schnee bläst uns ins Gesicht. Fest verzurren wir die Kapuzen bei minus 14 Grad  und machen uns auf den Weg, den Tjäktjapasset zu überschreiten hinüber ins Tjäktjavagge. Das Weiß wirbelt über die Bergkämme, über denen sich ein fahler blauer Himmel wölbt. Die Sonne, die sich Mitte Dezember in der dunklen Polarnacht hinter dem Horizont verbirgt und nie zum Vorschein kommt, zaubert nur einen blassen Schein auf die wenigen Wolkenfetzen.

Island: Auf der Halbinsel Snæfellsnes biegen ab ins Lavafeld Neshraun und nehmen die holprige Piste zur Landspitze Öndverđarnes in Angriff. In wildem Zickzack fahren wir zwischen den erstarrten Lavagebilden hindurch bis hin zu einer Weggabelung. Rechts ab gelangen wir zu einem im Reiseführer ausgewiesenen Leuchtturm. Doch der entpuppt sich als wenig fotogenes kleines Häuschen. Also zurück. Von dort, wo sich der Weg gabelt, haben wir in die andere Richtung noch einen weiteren Leuchtturm erspäht. Einmal in der Nähe, kurven wir auch da näher ran – nur, um keine Gelegenheit auf ein lohnendes Fotomotiv einfach links liegen zu lassen. Und siehe da! Reizend steht der Leuchtturm Svörtuloft auf einer Anhöhe über dem Saxhólsbjarg.

Finnland: Die baumlosen, gerundeten Bergkuppen thronen düster über dem endlos scheinenden Wäldermeer, in dem sich dichtes Nadelgehölz mit lichten Baumbeständen aus Kiefern und Birken abwechselt. Während der Tage, in denen ich in diese urwüchsige Welt vordringe, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Voller Freude sauge ich alle Eindrücke auf, die sich entlang verwunschener Pfade nach jeder Biegung offenbaren.

Svalbard: Der Schnee ist tief. Die Last der Schlitten schwer. Doch die Szenerie ringsum entschädigt für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hat mich längst in seinen Bann gezogen. Über den Elfenbeinbreen erklimmen wir das Nordmannsfonna. Dort hält uns schlechtes Wetter am Berg Dolken gefangen. Stürmische Böen treiben Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft. Die Sicht schrumpft auf ein Minimum. Wir sitzen fest.

Norwegen: In Jotunheimen unternehmen wir eine Tagestour auf das Bitihorn und genießen die Aussicht über die Weite der Valdresflya auf der einen und die majestätischen Berggiganten der „Heimat der Riesen“ auf der anderen Seite. Beim Abstieg rutscht Selma auf dem Hosenboden die zahlreichen Schneefelder hinab und jauchzt: „Das ist klasse!“ Als Familie die Wildnis zu entdecken, ist das pure Glück!

Norwegen: Die Wolken lösen sich von Tag zu Tag mehr und mehr auf. Strahlend steht die Sonne am blauen Himmel und sendet zum Jahresausklang noch einmal sommerliche Wärme. Wir ergreifen die Chance und gelangen von der Appelsinhytta hinauf auf den Hardangerjøkulen, den sechstgrößten Gletscher des Landes, um diesen nicht nur zu umrunden, sondern auch zu überqueren. Dass uns dieses Schmankerl aufgetischt und dargereicht wird, ist kaum zu glauben. Wir erleben fantastische Stunden auf dem eisigen Plateau und folgen in den nächsten Tagen weiteren kaum begangenen Pfaden.

Grönland: Einen Tag verbringe ich am Hullet, diesem kaum in Worte zu packenden Chaos aus Eisbergen, einer Szenerie, so spektakulär und eindrücklich, wie ich es anderswo noch nie gesehen habe. Umgeben von Ausläufern des Inlandeises zieht mich dieser Ort so sehr in seinen Bann, dass ich mich nur schwer davon lossagen kann. Mystisch ist die Stimmung. Haushoch die auf Grund liegenden Eisgebilde.

Im Juni 2017 erschien das Fotobuch Mein Norden mit Bildern und Texten aller Reisen:

Limitiert auf 333 Exemplare, nummeriert und handsigniert
Format: 30×22 Zentimeter, Hardcover, 176 Seiten

Weitere Buchdetails und Bestellung im Shop.

Agfa, Fuji oder Kodak

Wie in meinem Workflow von A bis Z erleutert, bin ich in der Bildbearbeitung darauf aus, meinen digitalen Fotos filmischen Charme zu verleihen, um den reportagehaften Charakter meiner Bilder zu unterstreichen. Hier nutze ich die Presets von VSCO – Filmsimulation, die in Adobe Camera RAW direkt auf die RAW-Dateien angewendet werden (UPDATE: Die Desktop-Presets wurden von VSCO leider eingestellt und sind nicht mehr erhältlich, aber solange meine Kameras mit den Film-Paketen, die ich habe, noch harmonieren, nutze ich sie weiter).

„Im ersten Schritt wähle ich nach jeder Reise einen „Film“ aus, den ich für alle Aufnahmen der betreffenden Unternehmung verwende. Hier rufe ich mir Gegebenheiten und Empfindungen vor Ort in Erinnerung und entscheide mich dafür, was am besten passt. Um die Kargheit der arktischen Landschaft Svalbards ideal herauszuarbeiten, entschloss ich mich bei den Bildern der dort unternommenen Skitour beispielsweise für einen „Schwarz-Weiß-Film“ (Agfa Scala) bzw. eine Schwarz-Weiß-Bearbeitung. Einer Bilderserie aus der Polarnacht in Schweden habe ich nachher gröberes Korn verliehen, um die düstere nächtliche Stimmung zu unterstreichen.“

Natürlich habe ich Favoriten, die häufiger zum Einsatz kommen, wie den Fuji 160C oder den Kodak Portra 160. Doch bei meinem Projekt Mein Norden kamen von Reise zu Reise ganz unterschiedliche Presets nachträglich zum Einsatz. Mal geht es von den Farben knalliger zu, dann sind die Aufnahmen wiederum zurückhaltender.

Im Folgenden lüfte ich das Geheimnis, welche „Filme“ ich jeweils verwendet habe. Häufig griff ich dabei zu den abgeschwächten Minus-Versionen der betreffenden VSCO-Presets.

– Schweden und Norwegen 2012 – Kodak Portra 160 NC (minus) –
– Island 2013 – Fuji Superia 100 –
– Schottland 2013 – Fuji Superia 400 (minus) –
– Färöer-Inseln 2013 – Kodak TRI-X 400 (Farbbilder Fuji 160C) –
– Schweden 2013 – Fuji 160C (gröberes Korn) –
– Island 2014 – Kodak Portra 160 (minus) –
– Finnland 2014 – Fuji 800Z (minus) –
– Svalbard 2015 – Agfa Scala 200 (minus) –
– Norwegen 2015 – Fuji Astia 100F Portrait –
– Norwegen 2015 – Kodak Portra 400 VC (minus) –
– Grönland 2016 – Fuji 160C –

Die unterwegs gemachten „Ausgangsfotos“ sind nur die Rohmasse. Erst nachträglich versuche ich, einen Stil zu finden, der dem Erlebten und den Eindrücken vor Ort nahekommt. Dieser Stil muss die Realität auf keinen Fall eins zu eins wiedergeben, sondern er darf davon abweichen …

Mein Norden – Der Bildband

Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.

Im Juni 2017 erschien das Fotobuch Mein Norden mit Bildern und Texten aller Reisen:

Limitiert auf 333 Exemplare, nummeriert und handsigniert
Format: 30×22 Zentimeter, Hardcover, 176 Seiten

Weitere Buchdetails und Bestellung im Shop.

Habt Ihr auch Favoriten unter den „analogen“ Filmen? Berichtet gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Mein Fujifilm-Workflow von A bis Z

Mein Fujifilm-Workflow von A bis Z

Für mich beginnt der Workflow bereits vor jeder Reise mit der Grundeinstellung der Kamera. Ich zeichne parallel RAW und JPG auf, die JPGs in der Bildgröße Large und der Bildqualität Fine. Dabei nutze ich später nur die RAW-Dateien – die JPGs sind in erster Linie nur dazu da, mir die größtmögliche Bildvorschau eines gemachten Fotos im elektronischen Sucher oder auf dem Kameramonitor zu ermöglichen. Bei einer reinen RAW-Aufnahme lässt sich bei den Fujifilm-Kameras nicht so weit ins Bild hineinzoomen, weil dann nur ein kleineres Vorschau-JPG erstellt wird. Die RAW-Dateien nehme ich mit verlustfreier Kompression auf.

Die Filmsimulation steht auf PRO Neg. Standard, da diese die „natürlichste“ Bildwiedergabe mit dem größten Kontrastumfang gewährleistet. Um darüber hinaus die maximale Durchzeichnung der dunklen und hellen Bildbereiche zu erlangen und bei der Aufnahme so gut wie möglich einschätzen zu können, ob die Schatten zulaufen oder die Lichter ausfressen, stelle ich die Werte für die Lichter und Schatten jeweils auf −2. Den Farbwert belasse ich auf 0, die Schärfe drehe ich allerdings auf +4 hoch, so kann ich im Sucher oder auf dem Monitor bei der Bildkontrolle besser erkennen, ob ein Foto tatsächlich scharf geworden ist. Der Dynamikbereich steht auf DR100, der Weißabgleich auf Auto und der Farbraum auf sRGB (bei den RAW-Dateien nutze ich später in der Bildbearbeitung hingegen Adobe RGB).

Einmal unterwegs, fotografiere ich nahezu ausschließlich mit der Zeitautomatik. Das heißt, ich wähle die Blende zur bewussten Bildgestaltung vor – für Aufnahmen mit durchgehender Schärfe von vorne bis hinten oder freigestellten Motivteilen mit selektiver Schärfe – und lasse die Kamera die Belichtungszeit automatisch hinzuwählen. Hier kommt zudem die Auto-ISO-Funktion ins Spiel, die verhindert, dass die Belichtungszeit zu lang werden könnte. Da ich meist zu Fuß oder auf Ski mit schwerem Gepäck in rauem Gelände unterwegs bin, geht mir ab und an die Puste aus. Aber nicht bei jedem Foto kann ich abwarten, bis sich wieder ein Ruhepuls eingestellt hat. Daher gilt es für mich darauf zu achten, dass die Belichtungszeiten kurz genug sind, damit es aus der Anstrengung heraus nicht zu Verwacklungen kommt.

Bei allen drei an der Fujifilm X-Pro2 einstellbaren Auto-ISO-Konfigurationen habe ich für ISO Base 200 und für ISO Limit 6400 vorgewählt. Nur die kürzeste Verschlusszeit variiert von 1/125 über 1/250 bis 1/500 Sekunde. Standard ist für mich 1/125. Nehme ich anstelle einer Landschaft aber ein Actionmotiv auf, wähle ich eine Auto-ISO-Einstellung mit einer kürzeren Mindestverschlusszeit aus. Nur bei Langzeitbelichtungen vom Stativ stelle ich manuell einen ISO-Wert von 200 ein.

Als Belichtungsmessmethode nutze ich nur die Mehrfeldmessung. Mögliche Fehlbelichtungen erkenne ich ja schon vor der Aufnahme im elektronischen Sucher und anhand des Histogramms und kann sofort per Plus/Minus-Korrektur eingreifen. Grundsätzlich versuche ich, jedes Foto sauber zu belichten – ich achte also auf ein ausgewogenes Histogramm. Trotzdem kann es passieren, dass auch mal eine Aufnahme unter- oder überbelichtet ist. Aber da lässt sich ja bei einer RAW-Datei später das meiste noch korrigieren (zugelaufene Schatten lassen sich allerdings einfacher aufhellen als ausgefressene Lichter wieder herstellen!).

Bereits auf Tour lösche ich viel. Wenn ich ein Bild gemacht habe, kontrolliere ich es meist sofort auf dem Kameramonitor oder im elektronischen Sucher. Ist es falsch belichtet, unscharf oder das Motiv gefällt mir doch einfach nicht, fliegt das Foto sofort in den Papierkorb, und ich mache die Aufnahme erneut. Diese Prozedur halte ich solange durch, bis ich zufrieden bin. So vermeide ich, dass sich auf der Speicherkarte allzu viel Mist ansammelt, den ich sowieso nicht mehr sehen will. Bei statischen Motiven ist das natürlich einfacher – die laufen nicht weg und können immer wieder neu abgelichtet werden. Bei Actionbildern und Serienaufnahmen klappt das nicht immer ganz so konsequent. Aber auch da lösche ich, nachdem die Fotografiererei für den Moment zu Ende ist, schon in der Kamera das meiste, was mir auf den ersten Blick nicht zusagt.

Workflow am Computer

Wenn die Reise dann einmal vorbei ist und ich wieder zu Hause vor dem Computer sitze, schaue ich mir die Fotos am Bildschirm, wo erst eine richtige Qualitätsbeurteilung möglich ist, eins nach dem anderen an. Auch hier bin ich rigoros und sortiere weiter alles aus, was misslungen ist, mir nicht zusagt oder einfach eine Dopplung eines besseren Bildes desselben Motivs ist. Diesen Bilderdurchgang mache ich insgesamt dreimal. Dann habe ich die Ausbeute einer Reise auf das Nötigste eingedampft.

Für die abschließende Entwicklung der RAW-Dateien nutze ich an einem kalibrierten Apple iMac zur RAW-Konvertierung Adobe Camera RAW. Um den reportagehaften Charakter meiner Bilder zu unterstreichen, bin ich in der Bildbearbeitung darauf aus, meinen digitalen Fotos filmischen Charme zu verleihen. Hier nutze ich die Presets von VSCO – Filmsimulation, die in Adobe Camera RAW direkt auf die RAW-Dateien angewendet werden (UPDATE: Die Desktop-Presets wurden von VSCO leider eingestellt und sind nicht mehr erhältlich, aber solange meine Kameras mit den Film-Paketen, die ich habe, noch harmonieren, nutze ich sie weiter).

Im ersten Schritt wähle ich nach jeder Reise einen „Film“ aus, den ich für alle Aufnahmen der betreffenden Unternehmung verwende. Hier rufe ich mir Gegebenheiten und Empfindungen vor Ort in Erinnerung und entscheide mich dafür, was am besten passt. Um die Kargheit der arktischen Landschaft Svalbards ideal herauszuarbeiten, entschloss ich mich bei den Bildern der dort unternommenen Skitour beispielsweise für einen „Schwarz-Weiß-Film“ (Agfa Scala) bzw. eine Schwarz-Weiß-Bearbeitung. Einer Bilderserie aus der Polarnacht in Schweden habe ich nachher gröberes Korn verliehen, um die düstere nächtliche Stimmung zu unterstreichen.

Natürlich habe ich Favoriten, die häufiger zum Einsatz kommen, wie den Fuji 160C oder den Kodak Portra 160. Die unterwegs gemachten „Ausgangsfotos“ sind demnach nur die Rohmasse. Erst nachträglich versuche ich, einen Stil zu finden, der dem Erlebten und den Eindrücken vor Ort nahekommt. Dieser Stil muss die Realität auf keinen Fall eins zu eins wiedergeben, sondern er darf davon abweichen. Und von Reise zu Reise kann der Stil wie gesagt unterschiedlich sein. Mal geht es von den Farben knalliger zu, dann sind die Aufnahmen wiederum zurückhaltender. Ein übergreifender Wiedererkennungswert muss dabei aber gewahrt werden.

Ist ein Film ausgewählt, ist das gröbste schon erledigt. Jetzt folgt nur noch das Finetuning. Einheitlich für die Serie einer Reise bestimme ich unter den Grundeinstellungen in Adobe Camera RAW zudem die Werte für Klarheit und Dynamik. Bei der Dynamik gehe ich mal etwas runter, mal etwas hoch, bei der Klarheit hingegen immer rauf, aber nicht zu viel, weil ein Foto ansonsten schnell unnatürlich wirkt. Die Sättigung lasse ich unverändert. Der Rest ist von Bild zu Bild individuell und bedarf jeweils einer genaueren Betrachtung. Dazu zählen der Weißabgleich samt Farbtemperatur und Farbton sowie die Belichtung, falls beides von der Aufnahme her noch nicht genau passen sollte. Und daneben sind es dann die Lichter und Tiefen, das Weiß und Schwarz – hier ist Gefühl gefragt, bis ich die hellen und dunklen Bereiche genau nach meinem Geschmack justiert habe. Das war es dann aber auch schon mit der Bearbeitung im RAW-Konverter und ich speichere jedes Bild als 16-Bit-TIFF ab.

In Adobe Photoshop nehme ich sie dann abschließend jedoch nochmals zur Hand, um dort final – wenn denn nötig – all die „Aus“-Aktionen durchzuführen: Ausrichten, Ausschnitt optimieren und natürlich Ausflecken, falls Dreck auf dem Sensor war. Geschärft wird ein Bild von mir allerdings erst, wenn ich es spezifisch für einen Druck aufbereite. An dem RAW bzw. TIFF nehme ich nur eine ganz minimale Vorschärfung mit dem RAW Presharpener aus der Nik Collection vor. Danach kontrolliere ich ein letztes Mal die Schatten-, Lichter- und Mitteltöne anhand des Tonwertkorrektur-Werkzeuges, bevor ich noch ein paar Dateiinformationen hinterlege und das nun endgültig fertige Bild auf 8-Bit umwandle, weil es so erheblich weniger Speicherplatz bedarf. Zusätzlich erstelle ich daraus noch ein JPG auf Qualitätsstufe 10, das sich schneller mal zur Ansicht an z. B. Redaktionen verschicken lässt.

Die ursprünglich parallel zu den RAW-Dateien aufgezeichneten Original-JPGs kommen am Ende aller Bilderbearbeitung in den Papierkorb und werden gelöscht. Voi­là, der Workflow ist abgeschlossen :-)

Iridient X-Transformer

Nach der oben beschriebenen Art und Weise habe ich alle Bilder meines Projekts Mein Norden aufgenommen und bearbeitet. Und das hat auch bestens funktioniert und zu den angestrebten Ergebnissen geführt – wie auch im gleichnamigen Bildband zu sehen.

So gut wie jeder, der Fujifilm X-Kameras nutzt, hat aber sicherlich schon Berichte über die Unterschiede in der Qualität der RAW-Konverter gelesen. Und gerade das wohl am meisten genutzte Programm – Adobe Lightroom bzw. Adobe Camera Raw – kommt darin oftmals sehr schlecht weg. Vor allem fehlt es feinen Strukturen an Details.

Seit einiger Zeit ist der Iridient X-Transformer erhätlich, ein kleines Programm mit einer großen Wirkung: Der X-Transformer übernimmt das Demosaicing der Fujifilm RAW-Dateien und entwickelt daraus ein DNG (Digitales Negativ), welches weiterhin alle Vorzüge der RAW-Entwicklung bietet. Mit dem Unterschied, dass der X-Transformer aus der ursprünglichen RAW-Datei erheblich mehr an Details herauskitzelt, als es Adobe vermag!

Dadurch, dass der Iridient X-Transformer ansonsten sehr wenig an den Dateien verändert, bleiben die weiteren RAW-Verarbeitungsschritte völlig unberührt und können wie gehabt  angepasst werden, genau wie bei einer normalen RAW-Datei.

Mein Fotografen-Kollege Michael Schaake hat das Programm genauer unter die Lupe genommen und beschreibt auch alle Einstellungsoptionen. Nachfolgend im Screenshot hier nur kurz dargestellt, welche Settings bei den RAW Options ich aktuell nutze.

Bei meinen letzten Reisen – Unterwegs am Langisjór zwischen grünen Hügeln und schwarzer Wüste und der Nordische Momente – Lofoten Masterclass – habe ich meinen Workflow bereits um den Iridient X-Transformer erweitert. Nach der oben erklärten Bildauswahl am heimischen Computer, folgt nun als nächster Zwischenschritt die Konvertierung der Fujifilm RAW-Dateien in DNGs, bevor die weitere Entwicklung der Dateien wie gehabt in Adobe Camera Raw erfolgt. Mit dem einzigen Unterschied, auf diesem Weg zu noch detailreicheren Aufnahmen zu gelangen und das Optimum aus den Bildern herauszuholen.

Letztendlich gehen in meinem Workflow so die Kontrolle beim Fotografieren und die Vielfalt in der Bildbearbeitung Hand in Hand.

All jenen, die sich noch ausführlicher für die Fotografie mit dem Fujifilm X System interessieren – oder für den Arbeitsalltag und Werdegang professioneller Fotografen – möchte ich das Buch FUJIFILM X-PHOTOGRAPHERS – Vom Fotografieren mit dem Fujifilm X-System ans Herz legen. Ein Werk, in dem ich gemeinsam mit fünf weiteren Berufsfotografen ganz unterschiedlicher Genres von der Arbeit mit der FUJI erzähle. Jeder berichtet darin über seine Profession, zeigt ausführliche Bildstrecken, gewährt einen Blick über die Schultern und erzählt aus dem praktischen Einsatz der Fujfilm-Technik.

Folgeartikel

> Agfa, Fuji oder Kodak

Konzentration auf das Wesentliche

Seit März 2012 fotografiere ich mit dem X System von Fujifilm. Mein Einstieg war die X-Pro1 – die Kamera, deren Vorstellung ich so sehr entgegengefiebert hatte. Dieses Stück Technik im Retrolook erschien mir so verlockend wie kein anderer Fotoapparat. Dabei war mein Wunsch, von nun an mit diesem System loszuziehen, am Anfang in erster Linie aus der frustrierenden und ermüdenden Schlepperei des schweren DSLR-Geraffels geboren. Ich wollte eine Alternative mit gleich hoher Bildqualität, aber weniger Speck auf den Rippen.

Die X-Pro1 übertraf dann alle meine Erwartungen: Sie machte nicht nur hervorragende Bilder, sondern einfach auch unglaublich viel Freude! Es war bis dahin die schönste Kamera, die ich je hatte. Ein Werkzeug mit Ecken und Kanten, aber genauso geradlinig auf dem Weg zum entscheidenden Moment.

Über die Jahre nutzte ich aber auch weitere Kameramodelle aus dem Fujifilm-Sortiment. Aus der kompakteren X-E-Serie, die ich allerdings als nicht so ergonomisch empfand wie ihre große Schwester, die X-Pro, oder die ausgewogene X-T1, mit der ich die meisten Reisen meines Projekts Mein Norden bestritten habe. Doch schließlich ist es die X-Pro2, die alle Welten für mich vereint. Die Veränderungen und Optimierungen bieten im Grunde all das, was ich mir bei Fujifilm als wichtigste Verbesserungen gegenüber ihrer Vorgängerin gewünscht hatte.

Als dann auch die X-T1 eine Nachfolgerin bekam, wurde mir immer wieder die Frage gestellt, ob man jetzt zur X-Pro2 oder doch lieber zur X-T2 greifen solle? Meine Antwort: Es kommt darauf an. Darauf, welches der beiden Topmodelle einem besser in der Hand liegt, welche Features einem besonders wichtig sind. Darauf, wie und was man fotografiert.

Unterm Strich mag ich die X-Pro2 einfach am liebsten: Nicht zuletzt hat auch sie diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.

Im Buch FUJIFILM X-PHOTOGRAPHERS – Vom Fotografieren mit dem Fujifilm X-System berichte ich auch ausführlich über meinen Liebling. Und nachdem ich eine Zeit lang mit einer X-Pro2 und einer X-T2 als Backup losgezogen bin, habe ich mich mittlerweile vom T-Modell getrennt und eine zweite X-Pro2 angeschafft, um von nun an parallel und einheitlich mit zwei X-Pro-Kameras unterwegs zu sein.

Objektive – Die Qual der Wahl

Kamen während meines Fotoprojekts Mein Norden von Reise zu Reise noch viele verschiedene Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild), möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt eine „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Denn die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich auch im Bildstil wieder. Dieser wird nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Die Frage, welche Festbrennweiten ich nehmen soll, hatte ich ja bereits gestellt. Und auch eine Antwort gefunden in dem lichtstarken Trio aus 16er, 23er und 56er. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Fujinon-Linsen loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Aber da gibt es ja noch die Alternative aus den drei kleinen Objektiven mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Das XF23mmF2 R WR, XF35mmF2 R WR und XF50mmF2 R WR sind im Gegensatz zu den lichtstarken Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll.

Bei einem Versuch, den Vestkyststien in Dänemark zu laufen, hatte ich kürzlich nur diese drei Objektive dabei. Als weiteren Test, ob deren optische Leistung ausreichend ist, um ein großes Projekt damit zu fotografieren. Aber zu vielen Bildern kam ich leider nicht, denn ein strammer Ostwind ließ die ohnehin niedrigen Temperaturen in gefühlt frostige Minusgrade purzeln und wir suchten schnell wieder das Weite, obwohl wir doch eigentlich für alles gerüstet waren – nur nicht für sibirische Kälte …

– Strandläuferin – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1250 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– In der Heide – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1600 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Zwischen Agger und dem Lodbjerg Fyr – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1250 Sek, f 5.6, ISO 200 –

Ein Rückblick

Auf Island im letzten Sommer und in Norwegen im vorigen Februar war ich noch mit dem bewährten Dreigestirn aus XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R unterwegs. Ob Unterwegs am Langisjór zwischen grünen Hügeln und schwarzer Wüste oder bei der Nordische Momente – Lofoten Masterclass waren die Objektive wieder einmal verlässliche Begleiter mit bestechender Leistung.

Wenn sie nur nicht so schwer wären und es diese leichteren Alternativen gäbe …

– Rain Man – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/125 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Himmeltindan – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/1600 Sek, f 4, ISO 200 –

Ein Ausblick

Die Anschaffung einer zweiten X-Pro2 hatte auch den Grund, von nun an beide Kameras mit angesetztem Objektiv griffbereit in der Fototasche zu haben. Bislang habe ich immer nur einen Fotoapparat genutzt und das andere Gehäuse gut verpackt als Sicherung im Rucksack mit mir rumgeschleppt. Die Ersatzkamera konnte dann durchaus ein anderes Modell sein, aber bei einem Paralleleinsatz ist es erheblich sinnvoller, wenn es sich um identische Bodies handelt. Denn der Griff zu dieser oder jenen Kamera ist ja quasi nur ein Objektivwechsel, der ansonsten umständlich vorgenommen werden müsste, was auf meinen Unternehmungen vor allem bei widrigem Wetter sehr lästig sein kann.

In Dänemark hatte ich eine X-Pro2 mit dem kleinen 23er bestückt, die andere mit dem leichten 50er. Das 35er steckte zusätzlich noch in der Fototasche. So war der wichtigste Brennweitenwechsel zwischen Weitwinkel und leichtem Tele schnell durchgeführt, eben allein dadurch, die jeweils andere X-Pro2 in die Hand zu nehmen. Das 35er kam auf dieser Reise übrigens gar nicht zum Einsatz.

Im Mai breche ich nun nach Schottland auf, wo ich den Cape Wrath Trail laufen möchte, eine 370 km lange Wanderstrecke. Dorthin werde ich eine Kombination aus dem „Top-Trio“ und den „Fujicrons“ mitnehmen. Das kleine 23er an der einen X-Pro2 und das leichte 50er an der anderen hat sich auf dem Vestkyststien als sehr praktisch erwiesen. Handlich und immer griffbereit. Und zu diesen schnuckeligen Linsen dann noch das lichtstarke 16er. Mehr braucht es sicherlich nicht, um alle Erlebnisse einzufangen.

Die X-Pro2 mit wenigen Festbrennweiten ist für mich die Konzentration auf das Wesentliche. Und zudem ausreichend, eine Reise nach meinen Wünschen zu dokumentieren, denn weniger ist auch hier meist mehr.

Konzentriert Ihr euch auch auf wenig Fotoausrüstung oder nehmt Ihr immer „alles“ mit? Berichtet gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Während meines Projekts Mein Norden kamen von Reise zu Reise viele verschiedene Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild). Meistens griff ich zu einem Zoom oder zu Kombinationen aus Zooms, die ich ab und an noch mit einer einzelnen Festbrennweite ergänzte. Aber es gab auch Wandertouren, zu denen ich ausschließlich Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

Nach Abschluss aller Unternehmungen war es interessant zu sehen, welche Brennweiten und Objektivkombinationen am häufigsten zum Einsatz kamen. Die extremen Bereiche – Ultraweitwinkel und stärkeres Tele – habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich zwischen ca. 16/18 und 55 mm ab. Daher ist eigentlich das lichtstarke XF16-55mmF2.8 R LM WR Zoom eine gute Wahl, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einem Objektiv abdeckt, und das ich auf zwei Reisen mit dabei hatte. Aber ich mag das dicke Ding nicht so sehr und fotografiere ohnehin lieber mit FBs.

Die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich allerdings auch im Bildstil wieder. Dieser wird also nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Bei einem zukünftigen Fotoprojekt möchte ich mir diese „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Nur welche Linsen soll ich letztendlich nehmen?

Rückblicke und Erfahrungen

18, 35 und 60 Millimeter
Als ich 2012 zu Fuß und allein in Schweden und Norwegen durch Europas letzte Wildnis lief, hatte ich in den Regionen Sarek und Padjelanta nur das XF18mmF2 R, das XF35mmF1.4 R und das XF60mmF2.4 R Macro dabei – weitere Objektive gab es zu der Zeit für das X System ohnehin noch nicht. Das 35er war mir auf der Tour die liebste und meistgenutzte Linse. Diese Normalbrennweite – entsprechend ca. 50 mm an Kleinbild – passte gut zu den Motiven. Mit dem 18er hingegen wurde ich von Anfang an nie richtig warm, was sowohl am Bildwinkel als auch an der optischen Leistung lag, die mich nicht so richtig überzeugte. Das 60er war dafür ein schönes kürzeres Tele, aber langsam vom Autofokus her.

Als Fujifilm daraufhin die ersten Zooms herausbrachte, legte ich die Festbrennweiten vorerst auf Seite, und das XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS wurde für lange Zeit mein Brot- und Butter-Objektiv. Auf Outdoortouren ist ein Zoom einfach praktisch – lästige Objektivwechsel im Schneesturm oder unter anderen garstigen Bedingungen entfallen, und die wichtigsten Brennweiten sitzen immer an der Kamera. Die 18er-Festbrennweite und das 60er-Macro kamen seitdem nicht mehr zum Einsatz.

Doch irgendwann wurden mir die Zooms zu bunt. In der Zwischenzeit hatte ich auf einigen Reisen zusätzlich zum Standardzoom vereinzelt auch das XF10-24mmF4 R OIS und das XF55-200mmF3.5-4.8 R LM OIS eingesetzt, die das Fujinon-Sortiment mittlerweile erweiterten. Mir war das aber ein Zuviel an Möglichkeiten geworden, und ich wagte es ein zweites Mal, nur mit Festbrennweiten loszuziehen.

– Im Gleichgewicht – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1100 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Hunau-Turm – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1800 Sek, f 2.8, ISO 200 –

14, 23 und 56 Millimeter
Im Spätherbst 2014 streifte ich in Finnland durch den Urho-Kekkonen-Nationalpark und nahm nur das XF14mmF2.8 R, das XF23mmF1.4 R und das XF56mmF1.2 R mit. Und das war gut so. Müsste ich die Inselfrage beantworten, wäre sicherlich das 23er das Objektiv, das ich auswählen würde, wenn ich mich nur für eine einzige Brennweite entscheiden dürfte. Im Unterschied zum 35er ist es für mich universeller einsetzbar und entspricht in der Landschaftsfotografie eher dem, was ich sehe, wohingegen das Normalobjektiv in meinen Augen eine Szenerie bereits minimal telehaft verdichtet.

Das 14er, das ich auch zuvor schon mehrfach als Ergänzung zum Standard- und zum Telezoom dabei hatte, überzeugte mich aber nicht so recht. Wie schon beim 18er lag es auch hier an der Brennweite und der optischen Leistung. Die Bildqualität fand ich schlechter als beim 10-24er bei gleicher Brennweite. Und überhaupt, der Bildwinkel. Der große deutsche Naturfotograf Fritz Pölking sagte einst, ein Objektiv dieser Brennweite sei schnell „geschwätzig“, weil es einfach zu viel aufs Bild bringt, oft Unwichtiges. Ein „viel hilft viel“ ist hier häufig wenig zielführend auf dem Weg zu einem guten Bild. Daher habe ich das 14er, wie auch das 10-24er im extremen Brennweitenbereich, nur selten benutzt.

Die 56er-„Porträt-Linse“, wie das 23er extrem lichtstark, war und ist allerdings ein feines Teil. Diesen leichten Telebereich setze ich gerne ein, um beispielsweise Details aus einer Landschaft herauszuarbeiten.

Weil Zooms jedoch, ich sagte es bereits, auf Wanderungen und Skitouren oftmals ihre Vorzüge haben, probierte ich auf zwei folgenden Reisen das lichtstarke 16-55er aus, um zu sehen, ob diese „Eierlegende Wollmichsau“ für mich der Heilige Gral sein könnte. Was aber, wie eingangs schon erwähnt, nicht der Fall war. Zwar passt der Brennweitenbereich ziemlich perfekt, auch die Lichtstärke ist meistens ausreichend, aber der Funke sprang nie über. Ich sehnte mich bald erneut nach Festbrennweiten und unternahm einen dritten Versuch.

– Pusteblume – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/500 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Bokehlicious – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/125 Sek, f 2.8, ISO 1000 –

16, 23 und 56 Millimeter
Für meine Wanderungen durch das Johan Dahl Land, Qajuuttap Nunaa und das Mellemlandet auf Grönland im letzten Jahr packte ich dieses Mal neben dem XF23mmF1.4 R und dem XF56mmF1.2 R noch das XF16mmF1.4 R WR ein. 23er und 56er hatten sich ja bereits bewährt und waren auch auf dieser Reise verlässliche Begleiter. Und im ebenso lichtstarken 16er fand ich eine Ergänzung, die mir ideal erscheint, fängt das Objektiv doch diesen Tick weniger ein, den das 14er meist zu viel rumlabert.

Mit diesem Setup hatte ich mein Wunsch-Trio an Festbrennweiten gefunden. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Linsen von nun an loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Eine schöne Abrundung des „Dreigestirns“ ist als viertes Objektiv das XF35mmF2 R WR, das ich dem alten und lichtstärkeren 35er mittlerweile vorziehe. Das neue ist kompakter, leichter, schneller, wettergeschützt und sieht vor allem an der Fujifilm X-Pro2 viel schöner aus ;-) Abgesehen von ein paar Schwächen im Nahbereich und bei Offenblende hat es mich als Allrounder im klassischen Normalbereich, der für mich eher eine Art Option zwischen leichtem Weitwinkel und leichtem Tele darstellt, im vergangenen Herbst auf Texel bereits sehr überzeugt.

Eine Verlockung – die Fujicrons

23, 35 und 50 Millimeter
Ach ja, alles wäre so einfach, wenn es nicht doch noch eine Alternative gäbe. Seit einiger Zeit gibt es neben dem kleinen 35er zwei weitere Objektive mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Auch das XF23mmF2 R WR und das XF50mmF2 R WR sind vor allem im Gegensatz zu den lichtstarken 23er- und 56er-Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Mmh, für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll. Bei verschiedenen kürzeren Ausflügen habe ich sie bereits verwendet, um zu sehen, ob deren optische Leistung ausreichend ist. Für den „Hausgebrauch“ ist sie das allemal, aber wäre sie auch gut genug, um ein großes Projekt damit zu fotografieren, worüber nachher erneut ein Fotobuch erscheinen soll? Nun, ich denke schon. Und daher werde ich bei einigen der nächsten großen Touren wahrscheinlich die schnuckeligen „Fujicrons“ – ergänzt allein mit dem lichtstarken 16er – in die Welt hinausführen und mit diesen Linsen alle Erlebnisse einfangen.

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Folgeartikel

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