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Die Fujifilm X-Pro2 – Erste Eindrücke

Jetzt ist sie also Wirklichkeit – die Fujifilm X-Pro2. Lang ersehnt und lang erwartet wurde sie heute offiziell von Fujifilm vorgestellt. Seit Wochen brodelte es bereits in der Gerüchteküche, in der laufend frische Rumors aufgetischt wurden. Alle möglichen Details sickerten schon im Vorfeld durch und es wurde wie eh und je über deren Wahrheitsgehalt wild diskutiert. Mit Interesse schaute auch ich immer wieder hin. Es war lustig zu verfolgen, wie hier ein Produkt „auseinandergenommen“ wurde, das noch gar nicht real war. Mitmischen konnte ich so richtig nicht. Dabei wusste ich, was kommt. Aber ich war zum Schweigen verdonnert.

Bereits im November 2014 war ich nach London zu einem Treffen einiger deutscher und englischer X-Fotografen eingeladen worden, bei dem wir mit Produktentwicklern aus dem Hause Fujifilm über die Nachfolger der X-Pro1 und X-T1 und unsere Wünsche an diese nächste Kamerageneration sprachen. Zugleich wurde uns dort präsentiert, wohin die Reise gehen würde. Aber es gab noch offene Punkte. Möglichkeiten, in diese oder jene Richtung zu entwickeln und da war es Fujifilm wichtig, Einschätzungen und Meinungen von der Praxisfront einzuholen. Das Meeting war erhellend, weil ich so erfuhr, dass nicht alles immer gleichzeitig geht und vielleicht das eine auf der Strecke bleiben muss, um das andere möglich zu machen. Die Diskussionen waren durchaus kontrovers, aber unterm Strich hatten wir Fotografen doch recht ähnliche Vorstellungen, wie wir die Nachfolgemodelle gerne sehen würden.

Umso gespannter war ich im letzten November, als ich von Fujifilm ein „fertiges“ Vorserienmodell der X-Pro2 in die Hände gedrückt bekam. Ich wollte doch zu gerne wissen, was aus den ganzen damaligen Ideen letztendlich geworden ist und wie dieses und jenes Feature am Ende umgesetzt wurde. Und ob die Kamera schließlich meinen Wünschen entspricht, denn es ist ja durchaus so, dass der eine mit etwas zurechtkommt oder benötigt, was den anderen stört oder völlig schnuppe ist. Gleichwohl war ich stolz zu einer ausgewählten Schar weltweiter Fotografen zu gehören, die dieses neue Fujifilm-Flagschiff bereits vor der Präsentation im Rahmen des fünfjährigen Jubiläums des X Systems nutzen durften.

– Farn – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/480 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Vorbemerkung
Wie gesagt handelt es sich bei meiner X-Pro2 um ein Vorserienmodell, bei der die Firmware noch nicht final ist. Als ich die Kamera bekam, hatte sie noch zahlreiche Bugs. Durch ein „Firmware-Update“ wurden diese in der Zwischenzeit minimiert, aber es ist noch immer nicht die endgültige Version. Daher haben auch die JPGs offiziell noch keine finale Qualität, weswegen ich zur Bildqualität zum aktuellen Zeitpunkt auch noch nichts sagen werde. Die RAW-Dateien hätte ich mit dem RAW FILE CONVERTER EX von SILKYPIX hingegen schon bearbeiten können, aber ich mag das Programm nicht und warte daher ab, bis auch Adobe Camera RAW die X-Pro2 unterstützt und ich die Bilder meinem gewohnten Workflow entsprechend bearbeiten kann. Bislang habe ich deshalb nur den kamerainternen RAW-Konverter benutzt – alle auch hier zu sehenden Fotos sind JPGs OOC.

Auch hatte ich noch nicht die Möglichkeit, die X-Pro2 mit auf eine Reise, Wanderung oder Skitour zu nehmen und unter den Bedingungen zu testen, wo ich das X System hauptsächlich einsetze. Das wird dann im März/April in Grönland mit einem Serienmodell geschehen (es wurde stattdessen erst eine Reise im September …). Mein erster Eindruck ist daher wirklich nur ein vorläufiger, den ich fortlaufend erweitern und überarbeiten werde.

Dabei will ich die Kamera jetzt auch nicht von A-Z erklären – dies ist kein technischer Kameratest, sondern eine persönliche Einschätzung, wie ich die Kamera bislang empfunden habe, vor allem im Vergleich zur X-Pro1 und X-T1.

– Selma – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/125 Sek, f 2, ISO 1250 –

Gehäuse, Haptik, Tasten, Räder, usw.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich den Messsucher-Look der X-Pro-Reihe dem DSLR-Design der X-T1 vorziehe. Ich schaue mit dem rechten Auge durch den Sucher, kann die linke Kameraseite dabei bequem aber stabil an der Nase anlegen und muss mich nicht komplett hinter ein Gehäuse klemmen. Daher war ich auch sehr scharf auf einen Nachfolger der X-Pro1. Nur aufgrund der überlegenen Features der X-T1 war ich seit deren Erscheinen bevorzugt damit unterwegs. Für mich ein Kompromiss, zumal ich ein Gehäuse ohnehin lieber etwas größer als kleiner mag, was zudem für die X-Pro spricht (Batterie- und Hochformatgriff an der X-T1 hin oder her …).

Gehäuse
Das Gehäuse der X-Pro2 ist einen Tick größer und auch schwerer als das der X-Pro1. Durch das höhere Gewicht wirkt die Zweier solider und nicht so „luftig“ wie die Einser. Zudem ist die Kamera wie die X-T1 abgedichtet, was mir und meiner Fotografie bei oft miserablem Wetter sehr entgegenkommt. Der Griffwulst vorne und die Daumenablage hinten sind etwas ausgeprägter als bei der X-Pro1, wodurch die X-Pro2 selbst ohne Zusätze besser in der Hand liegt als ihre Vorgängerin. Am grundsätzlichen Design hat Fujifilm nicht viel geändert, was ich sehr begrüße. Viele Fragen sich zwar, warum die Kamera so groß ist, hat sie doch nur einen APS-C Sensor inne. Denen kann ich nur entgegnen, dass sie dadurch handlicher ist. Die deutlich kleinere X-E-Serie empfand ich beispielsweise lange nicht so ergonomisch.

Monitor und Tasten
Der Monitor ist auf die linke Seite gerückt. Alle Tasten sind jetzt ausschließlich oberhalb und überwiegend rechts davon angeordnet, wodurch sich die Kamera sehr bequem allein mit der rechten Hand bedienen lässt, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen. Zum Glück ist Fujifilm bei der X-Pro2 kein solcher Fauxpas passiert wie einst bei der ersten X-T1-Generation mit ihrem fummeligen Steuerkreuz. Alle Tasten sind hier griffig und mit deutlichem Klick, die besten aller X-Modelle bislang. Sechs der Tasten sind darüber hinaus als Fn-Tasten nutzbar (die vier des Steuerkreuzes, eine auf der Oberseite und eine auf der Vorderseite, die integriert ist in den „Sucherhebel“).

Der Joystick
Wichtigste Neuerung ist allerdings der Fokushebel! Solch einen Steuerknüppel hatte ich mir schon lange gewünscht, mit dem per Daumen rasch und bequem das AF-Messfeld ohne weiteren vorherigen Tastendruck kreuz und quer verschoben werden kann. Und auch durch ein aufgenommes Bild oder durchs Menü lässt sich damit geschwind hin und her wandern.

Zweites Einstellrad und Plus-Minus-Korrektur
Eine weitere Änderung gegenüber der X-Pro1, aber schon von der X-T1 bekannt, ist das zusätzliche Einstellrad auf der Vorderseite. Eine seiner Funktionen habe ich in Ermangelung einer Bedienungsanleitung allerdings eher zufällg gefunden: Wie die vorigen X Kameras hat die X-Pro2 nun auch ein von -3 bis +3 reichendes Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Und für alle, denen diese Werte nicht ausreichen, hat das Rad neu zusätzlich die Position C. Ist diese eingestellt, funktioniert die Plus-Minus-Korrektur über das vordere Einstellrad von -5 bis +5. Ein Druck aufs Rad genügt und es ist aktiviert. Mit einem weiteren Druck kann man eine vorgenomme Korrektur fixieren.

Zwei Kartenslots
Wie bei der X-T1 ist das Speicherkartenfach nun separat vom Batteriefach auf der rechten Seite angebracht. Und wie die Türe zu den HDMI-, USB- und Mic/Remote-Anschlüssen auf der linken Seite, ist der Verschluss zu den Speicherkarten deutlich solider konstruiert als bei der X-T1. Auch hier scheint Fujifilm dazugelernt zu haben und manche Krankheit früherer Modelle gar nicht mehr aufkommen zu lassen.

Und ja, es gibt endlich zwei Kartenslots, die ich mir wie den Fokushebel sehr gewünscht habe. Allein dadurch ist die X-Pro2 für meine langen Wildnisaufenthalte ohne zwischenzeitliche Backup-Möglichkeit von nun an sicherlich erste Wahl. Direkt in der Kamera ein Backup der Fotos erstellen zu können, ist der denkbar einfachste Weg der Datensicherung. Klar, wer im Studio fotografiert und seine Bilder direkt in einen Rechner schießt, braucht das nicht. Für mich ist das aber ein Riesenschritt nach vorne, der mir unterwegs mehr Schlaf garantieren wird. Dabei ist allerdings nur ein Kartenslot UHS-II kompatibel, der andere nur UHS-I – für zwei schnelle war sicherlich kein Platz, was ich verschmerzen kann. Die Kartenfächer lassen sich zudem unterschiedlich konfigurieren – Sequenziell, Sicherung oder RAW/JPG.

ISO-Verstellung
Die ISO-Verstellung ist neuerdings ins Zeitenrad auf der Oberseite integriert. Ganz wie in alten analogen Zeiten und wie ich es von meiner Nikon FM2 kenne. Hier sehe ich aber durchaus Potenzial für kontroverse Meinungen. Sicherlich ist die Lösung all jenen geschuldet, die zwingend nach einem extra ISO-Rad gerufen haben. Die Fotografen, die oft die ISO-Zahl verstellen, hätte eine ISO-Taste in Verbindung mit einem der Einstellräder sicherlich besser geschmeckt. Bislang komme ich mit der „neuen“ Lösung aber ganz gut zurecht, da ich primär AUTO-ISO benutze und das Rad weitestgehend in der A-Stellung belasse und nur in Ausnahmefällen einen bestimmten ISO-Wert direkt einstelle. Positiv in diesem Zusammenhang sind die nun drei programmierbaren AUTO-ISO-Einstellungen, die sich bequem und fix über eine Fn-Taste auswählen lassen. Der ISO-Bereich geht übrigens regulär von 200 bis 12.800 plus erweiterbar auf ISO 100, 25.600 und 51.200 (in Drittelstufen).

Verschluss
Die Verschlusszeiten reichen jetzt mechanisch bis zur 1/8000 Sek und elektronisch bis zu 1/32.000 Sek (kürzeste Blitzsynchronzeit ist 1/250 Sek, zudem wird HSS mit bis zu 1/8000 Sek unterstützt). Der Verschluss hat eine sehr geringe Vibration und ist für 150.000 Auslösungen ausgelegt. Der Auslöser verfügt wie bei der X-Pro1 weiterhin über ein Drahtauslösergewinde!

Akku
Der Akku ist identisch mit denen voriger X Kameras. Kontinuität finde ich hier positiv, auch wenn ich mir mehr Leistung durchaus gewünscht habe. Aber das hätte aktuell einen größeren Akku erfordert, der dann keinen Platz für einen zweiten Kartenslot gelassen hätte. Durch drei Optionen beim POWER MANAGEMENT ist es aber dennoch möglich, die Anzahl möglicher Auslösungen zu erhöhen, da die Effizienz der Kamera gesteigert wurde. So lässt sich die Wiederholungsrate des EVF von 85 FPS auf 54 FPS absenken, wodurch Energie gespart wird (Einstellung STANDARD anstelle HOCHLEISTUNG). Und wer den OVF nutzt, kann durch die ECO-Stellung noch länger fotografieren. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die Kamera zusätzlich um eine Energiesparfunktion erweitert worden!). Daneben ist die Akkustandsanzeige nun auf 1% genau. Und wo wir schon auf der Kameraunterseite sind: Das Stativgewinde befindet sich bei der X-Pro2 in der Objektivachse!

„Kritikpunkt“: Der Monitor ist nicht als Klappdisplay verbaut. Viele hatten sich das gewünscht (bzw. als erstes No-Go bezeichnet) und ich hatte es an der X-T1 auch schätzen gelernt. Ob für den Verzicht allein der Retro-Faktor ausschlaggebend war oder ein Klappdisplay die Kamera z. B. deutlich dicker gemacht hätte, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es kein Gerät geben, das alle Wünsche zu 100% befriedigt.

– Regentropfen – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/250 Sek, f 4, ISO 640 –

Der Hybrid-Sucher

Wie bereits  die X-Pro1 und X100-Serie verfügt die X-Pro2 über einen Hybrid-Sucher bestehend aus einem optischen (OVF) und elektronischen (EVF) Sucher. Je nach Bedarf und Vorliebe kann zwischen beiden Optionen gewechselt werden. Das geht wie eh und je ganz leicht mit einem Finger der rechten Hand über einen Hebel auf der Vorderseite. Und wie schon bei der X100T hat die neue X-Pro nun auch den ERF (elektronischer Messsucher) an Bord. Dieser funktioniert wie der optische Sucher, aber zusätzlich mit einer Live-View-Vorschau, bei der ein Komplettbild zur Kontrolle der Belichtung, Farben und des Bildausschnitts, oder eine in zwei Stufen vergrößerbare Ansicht der aktuellen Fokusposition an der unteren rechten Ecke des Suchers eingeblendet wird (mit den Optionen DIGITALES SCHNITTBILD und FOCUS PEAKING).

Das „Alleinstellungsmerkmal“ Hybrid-Sucher ist für mich aber kein Grund, die X-Pro-Serie den anderen Kameras vorzuziehen. Schon bei der X-Pro1 habe ich frühzeitig fast ausschließlich den EVF benutzt und den OVF als nettes zusätzliches „nice to have“ angesehen. Daher habe ich mich nie sonderlich mit dem optischen Sucher beschäftigt und das in der jetzigen Probezeit der X-Pro2 auch nur rudimentär getan. Im Vergleich zur X-Pro1 scheinen die zur Bildfeldbegrenzung eingeblendeten Leuchtrahmen das Endergebnis „genauer“ darzustellen (92% gegenüber 90%) und bei manueller Fokussierung wandert der Leuchtrahmen zum Parallaxenausgleich mit (wie es bei AF-Nutzung nach Antippen des Auslösers geschieht und der Leuchtrahmen an die korrekte Position springt). Schön ist zudem, dass bei der Verschiebung des Fokusmessfeldes im AF-Betrieb auch im OVF der Bereich mit Phasendetektion erkennbar und gelb eingerahmt ist. Auch ist der OVF nun für Brennweiten von 18mm bis zu satten 140mm ausgelegt. Hinweis: Mehr zum Leuchtrahmen, Bildbereich und der Parallaxe hatte ich bereits in meinem Erfahrungsbericht zur X-Pro1 geschrieben.

Der EVF ist im Vergleich zur X-T1 natürlich nicht so groß, die dafür aber auch einen Sucherbuckel benötigt, hat aber identische Auflösungswerte. Im Gegensatz zum aktuellen T-Modell punktet der elektronische Sucher der X-Pro2 allerdings mit einer wesentlich höheren Wiederholungsrate (bei der Einstellung HOCHLEISTUNG unter POWER MANAGEMENT) und er wirkt auf mich in dunkler Szenerie deutlicher rauschärmer.

Letztendlich kann ich wie zur X-Pro1 nur sagen, dass es eine wunderbare Sache ist, beide Sucherarten nutzen zu können und die Welt auf optischem oder elektronischem Wege zu betrachten. Aber das ist noch nicht alles: Es gibt jetzt auch eine integrierte Dioptrienkorrektur!

– Gegenlicht – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/500 Sek, f 4, ISO 250 –

Der Autofokus

In der X-Pro2 werkelt ein gegenüber der X-T1 weiterentwickeltes Hybrid-AF-System aus einer Kombination aus Kontrast-Autofokus und Phasendetektions-AF. Bekannt sind die AF-Modi Einzelpunkt, Zone und Weit/Verfolgung, die sich in ihrer grundlegenden Funktion nicht vom T-Modell unterscheiden. Neu sind allerdings zwei Punkte: zum einen ist der Sensorbereich mit Phasendetektions-Pixeln deutlich vergrößert worden, was einen genaueren und schnelleren Autofokus bei schwacher Beleuchtung und schwachem Kontrast über einen größeren Bildbereich ermöglicht (wichtig auch für die „Tracking-Funktion“, bei der die Schärfe prädiktiv nachgeführt wird, die auch von einer um 100% schnelleren Auslesung des Sensors profitiert), zum anderen ist die Anzahl der Fokusmessfelder von 77 auf satte 273 erhöht worden (im Menü kann zwischen 77 Punkten (7×11) und 273 Punkten (13×21) ausgewählt werden). Wichtig: Die 273 Messfelder stehen nur bei Einzelpunkt-AF zur Verfügung, bei Zone und Weit/Verfolgung jedoch nur die 77 Messfelder. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 beträgt die Anzahl der Fokusmessfelder – wie bei der X-T2 – 91 bzw. 325, entsprechend nun 7×13 bzw. 13×25!).

Inwieweit die AF-Geschwindigkeit im Gegensatz zur X-T1 im praktischen Einsatz gesteigert werden konnte, habe ich bei meinen bisherigen Einsätzen noch nicht hinreichend feststellen können, da mir dafür bislang die „Actionmotive“ fehlten. Auf dem Papier hat die X-Pro2 jedenfalls die schnellste Performance aller bisherigen X-Serie-Kameras, denn auch der Kontrast-AF arbeitet nun doppelt so fix. Die wichtigste Verbesserung ist in diesem Zusammenhang in meinen Augen aber ohnehin der Fokushebel, der allein für einen ordentlichen Boost im ganzen AF-Prozedere führt. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die AF-Performance auf das Niveau der X-T2 angehoben!).

Und auch für die Freunde der Gesichtserkennung gibt es eine Neuerung: Zusätzlich ist eine Augenerkennung implementiert, bei der auch gezielt eine Priorität für das linke oder rechte Auge vorgewählt werden kann.

– Ilex – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/3000 Sek, f 2.8, ISO 1600 –

Filmsimulationen und RAW

Bei dem London-Meeting meinte ich einst etwas scherzhaft auf die Frage, welche zusätzlichen Filmsimulationen wir uns wünschen würden, man solle den Kodak Tri-X nehmen. Gut, das geht in einem Fotoapparat von Fujifilm natürlich nicht. Schließlich ist der ACROS hinzugekommen, auch ein schwarzweißer Klassiker (basierend auf dem analogen Neopan ACROS), der alle bisherigen S/W-Modi deutlich überflügeln soll (manche meinen gar, die X-Pro2 käme damit nah an Leicas Monochrom heran). Neben einer sehr guten Durchzeichnung der Schatten und Lichter ist es eine weitere Besonderheit dieser Filmsimulation, dass hier Filmkorn passend zum verwendeten ISO-Wert zugefügt wird (je höher die ISO-Zahl, desto stärker das Korn). Ohnehin ist der Körnungseffekt neu, der in zwei Stufen (SCHWACH und STARK) auch allen anderen in der X-Pro2 vorhandenen „Filmen“ beigefügt werden kann. Diese Körnung verleiht vielen Aufnahmen häufig den extra Kick analogen Charme. Daneben sind die Einstellungen für TON LICHTER, SCHATTIER. TON, FARBE, SCHÄRFE und RAUSCHREDUKTION nun differenzierter (zwischen -2 und +4 für Lichter und Tiefen und -4 und +4 für Farbe, Schärfe und Rauschreduktion), was dem internen RAW-Konverter ebenfalls zugute kommt, wo zudem der Bereich der PUSH/PULL-Verarbeitung nach unten auf -2 erweitert wurde. Wenn das alles primär die JPG-Fotografen interessiert, gibt es aber auch für die RAW-Freunde Neuigkeiten: Neben unkomprimierten RAW-Dateien steht nun alternativ eine absolut verlustfreie Kompression zur Verfügung, die gerade bei den größer gewordenen Bilddateien Sinn macht. Und das mit 14 Bit!

– Seilrutsche – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/100 Sek, f 8, ISO 200 –

Der Sensor und die Bildqualität

Der neue X-Trans CMOS III Sensor von Sony hat nach wie vor APS-C-Größe und vereint darauf 24,3 Megapixel. Die auf 6000×4000 Pixel angestiegene Auflösung heiße ich gerne willkommen, da sie mir mehr Spielraum für große Ausdrucke bietet. Dazu wirkt sich der ebenso neue X Prozessor Pro nicht nur auf jegliche Geschwindigkeit aus – die Kamera läuft in allen Belangen flüssig und reaktionsschnell -, sondern auch auf die Bildqualität, Rauschfreiheit und den Dynamikumfang.

Wie gesagt lasse ich Beurteilungen der Bildqualität für den Moment noch links liegen, da ich bisher nicht mit einem Serienmodell mit finaler Firmware fotografiert habe. Wer will, kann sich aber gerne die hier eingestreuten Bilder näher zu Gemüte führen und mit einem Klick aufs Bild auf Flickr größer ansehen. Was mir jedoch sofort sehr positiv auffiel, war die fantastische Qualität bei hohen ISO-Werten, wo Fujifilm trotz gestiegener Megapixel nochmals eine Schüppe draufgelegt hat!

„Kritikpunkt“: Ach ja, der Sensor ist nicht stabilisiert. Es gibt also kein IBIS (In Body Image Stabilization). Für viele neben dem fehlenden Klappdisplay ein absolutes No-Go (ein weiteres folgt gleich noch), für das es, wie sollte es bei Fujifilm anders sein, sicherlich einen guten Grund gibt. Zum einen ist der OIS in den Objektiven laut Fujifilm leistungsstärker. Zum anderen gibt es bei den X-Trans-Sensoren angeblich Probleme mit der Stabilisierung in der Kamera, wie ich hörte. Genaues weiß ich hier aber nicht. Nur so viel, dass dies kein Grund für mich ist, die X-Pro2 als unbenutzbar einzustufen, wie ich es hier und da schon aufschnappte.

„Kritikpunkt“: Oh, direkt noch einer … Ja, die Kamera kann auch kein 4K. Nur FULL-HD mit bis zu 60P. Wieder so ein No-Go. Mir ist das (noch) wurscht. Wenn ich etwas filme, reicht mir das, was ich von Fujifilm da gerade bekomme. Und der Grund, warum 4K nicht drin ist, soll der sein, dass die Knipskiste dann zu stark erhitzen würde. Um das zu vermeiden, hätte der zweite Kartenslot rausfliegen müssen. Oder so ähnlich. Es geht halt nicht alles gleichzeitig parallel nach vorne, wie uns auch in London erklärt wurde. Nur Schritt für Schritt. So muss man sich auch beim elektronischen Sucher dazwischen entscheiden, entweder die Auflösung hochzuschrauben oder die Wiederholungsrate anzuheben. Beides gleichzeitig auf ein ganz hohes Niveau zu hieven, klappt nicht. Und überhaupt: Die X-Pro2 ist in erster Linie eine Fotokamera und keine Videokamera (was bei einer Knipse im Rangefinder-Style auch naheliegt …).

(PS: Von einer X-T2 erwarte ich mir dann natürlich wieder ein Klappdisplay. Auch 4K. Aber vielleicht fehlt dort dann weiterhin das zweite Kartenfach. Und ob die IBIS hat, sei auch dahingestellt.)

Dafür gibt es jetzt schon mal PIXEL-MAPPING in der X-Pro2. Wer also mal tote Pixel im Bild findet, kann sich derer leicht entledigen.

Die Menüstruktur

Auch die Menüstruktur und die Sucheranzeigen sind überarbeitet worden. Vor allem das Menü ist nach meinem Geschmack nun klarer strukturiert, um schneller ans Ziel zu kommen. Es ist jetzt nicht mehr nur nach AUFNAHME-MENÜ und HAUPTMENÜ unterteilt, sondern nach den Punkten BILDQUALITÄT, AF/MF, AUFNAHME, BLITZ, FILM und EINRICHTUNG gegliedert. Hinzu kommt noch MY-Menü für eine persönliche Konfiguration. Ich fand mich schnell zurecht.

Rentier, Foto: Martin Hülle
– Rentier – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/45 Sek, f 2, ISO 3200 –

Schlussbemerkung

So, das soll es erstmal gewesen sein. Wie oben geschrieben, werde ich meine Eindrücke fortlaufend ergänzen, sobald ich neue Erkenntnisse gewinne. Vielleicht habe ich auch den einen oder anderen Punkt vergessen. Zu vielfältig sind die Neuerungen und Verbesserungen der X-Pro2. Auch hier werde ich fehlendes nachtragen, wenn es auffällt.

Für ein Fazit ist es noch viel zu früh. Dafür habe ich die Kamera noch nicht in meinem „gewohnten Umfeld“, also unterwegs in wilder Einsamkeit, nutzen können. Doch vieles spricht dafür, dass mich die X-Pro2 bald in Grönland, bei meiner letzten Reise meines Fotoprojekts „Mein Norden“ mehr als zufriedenstellen wird. Schließlich bietet sie im Grunde all das, was ich mir bei Fujifilm als wichtigste Verbesserungen gewünscht habe: Ein nahezu unverändertes Gehäuse gegenüber der X-Pro1, allerdings wie die X-T1 jetzt auch wetterfest und kälteresistent, dazu zwei Kartenslots, den AF-Joystick, etwas mehr Auflösung, einen weiter verbesserten Autofokus, gesteigerte Geschwindigkeit und viele viele weitere Kleinigkeiten, die das Fotografieren angenehmer machen.

Und nicht zuletzt hat auch die X-Pro2 diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

Tipp: Für noch mehr Hintergrundinformationen und weitere Details zu technischen Feinheiten wie dem Dynamikumfang, ISOlosen Sensor und vielem mehr empfehle ich den First Look von Rico Pfirstinger.

Ein kleiner Ausblick auf ein großes Abenteuer

– Ausguck –

Eigentlich war sie bereits für den vergangenen September geplant: Die letzte Reise meines Fotografieprojekts Mein Norden. Allein wollte ich im grönländischen Johan Dahl Land die Abschlusstour unternehmen. Die Flüge waren gebucht, der Rucksack so gut wie gepackt. Doch dann kam kurzfristig alles anders, als die Fluglinie alle verbleibenden Flüge für den Rest des Jahres absagte und ich vorerst zu Hause bleiben und das Projektende nach hinten schieben musste. Was im Herbst 2012 mit einer Solotour im Norden Schwedens seinen Anfang nahm, werde ich nun erst im kommenden März/April im Süden Grönlands endlich zu Ende bringen. Die Planungen für den dann hoffentlich wirklich finalen Ausflug in den Norden laufen auf Hochtouren …

„Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.“

Wer nach all der Zeit nicht wer weiß, was überhaupt der Auslöser für dieses Projekt war, warum ich immer wieder in den Norden aufbreche und welche große Bedeutung diese Reisen für mich haben, der sollte sich nochmalds meinen Beitrag „We have to dream it all up again“ durchlesen. Da steht alles drin. Die Sache mit der Epilepsie. Das ganze Wieso und Warum.

In den vergangenen Jahren war ich bereits in den Ländern Skandinaviens unterwegs. Auch in Schottland und Island. Dazu auf den Färöer-Inseln und Svalbard. Jetzt fehlt nur noch Grönland. Dann ist alles rund und ich kann das nächste große Abenteuer in Angriff nehmen!

Mein Norden – Der Bildband

Die elf Reisen in den Norden waren nur ein erster Teil des ganzen Projekts. Voller Lichtblicke, fantastischer Momente und tiefer Emotionen. Erlebt und eingefangen in den Regionen, die mir so sehr am Herzen liegen. Aber es war auch eine anstrengende Zeit. Mit Rückschlägen und der ab und an aufkommenden Frage, ob ich es schaffe, das ganze durchzuziehen. Doch jetzt, recht kurz vor dem abschließenden Trip, bin ich schon etwas stolz, es soweit geschafft zu haben. Über einen so langen Zeitraum habe ich mich noch nie so intensiv mit einem Thema beschäftigt. Ständig drehten sich meine Gedanken um dieses Fotoprojekt. Wie alles zusammenpasst. Wie ein Schuh daraus wird. Eine runde Geschichte, die auch andere mitnehmen und entführen soll in meine nordische Welt.

Nach der letzten Reise beginnt der zweite Teil des Projekts. Und das wird sicherlich ein noch größeres Abenteuer. Das Unterwegssein kenne ich seit langer Zeit, doch einen Bildband habe ich bislang noch nicht veröffentlicht. Aber ja, genau, einen Bildband soll es geben. Mein Erstlingswerk. Ohne Verlagsschnickschnack, sondern ganz in eigener Verantwortung. Damit das Buch auch so wird, wie ich es mir vorstelle und wie es das Projekt am besten darstellt und auf den Punkt bringt. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen, ob sich dann alles so realisieren lässt, wie ich mir das gerade bereits vorstelle. Denn im Grunde stecke ich schon mittendrin in der Buchproduktion. Gut, die Bilder sind noch nicht ausgewählt oder Texte geschrieben. Auch am Layout feile ich noch. Aber das angestrebte Format ist beschlossene Sache, der voraussichtliche Umfang steht fest, dazu das Papier, welches ein haptischer Leckerbissen sein soll …

Wie es weitergeht

Mehr Details zu diesem „Hardcover-Coffee-Table-Traum“ werde ich hier im Januar verraten, wenn ich mit der Druckerei noch ein paar offene Fragen geklärt habe. Danach wird frühzeitig die Möglichkeit bestehen, den Bildband über meinen Shop bereits vorab zu bestellen. Denn es wird ihn nur in einer limitierten Auflage geben! So könnt Ihr euch rechtzeitig ein Exemplar sichern – und es zudem etwas günstiger bekommen, als es ab Zeitpunkt des Drucks kosten wird – und mir gleichzeitig etwas unter die Arme greifen. Aber dazu in Kürze mehr.

Wer immer auf dem Laufenden sein möchte, wie es um den Fortgang des Projektes und die Buchproduktion steht, sollte mir auf Facebook folgen, wo ich alles zum Thema aktuell in die Welt posaune …

Soweit dieser kleine Ausblick auf das große Abenteuer. Nach den Reisen ist vor dem Bildband ;-)

Oh Mann, ist das aufregend!

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UPDATE 1: Aus der Wintertour in Grönland wurde auch nichts – Schneemangel vor Ort vereitelte das Unternehmen. Daher breche ich nun erst im September 2016 ins Johan Dahl Land auf und beende mein Fotoprojekt dort doch mit einer herbstlichen Solotour. Toitoitoi! Allerdings verschiebt sich dadurch der Veröffentlichungstermin des Bildbandes auf März 2017.

UPDATE 2: Ich habe fertig (Teil 1)

UPDATE 3: Ich habe fertig (Teil 2)

Wandern in Norwegen – 10 Fragen und Antworten

– Am Bitihorn –

Anfang Juli hatten wir uns in den Norden aufgemacht. Neue Wege in Norwegen waren unser Ziel. Auf vier Regionen wollten wir uns konzentrieren und diese intensiv erleben. Bei Wanderungen in die Wildnis mit Rucksack, Zelt und allem drum und dran. Aber hat alles so geklappt, wie wir uns das zu Hause ausgemalt hatten?

10 Fragen sollen Auskunft geben – selbst gestellt und selbst beantwortet …

„Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen, ob unsere Pläne aufgehen und wir in diesem Jahr als Familie so viel Wandern werden wie noch nie zuvor. Es ist ein neues Abenteuer für uns. Wildes Zelten. Tagein tagaus marschieren. Unzählige Pausen. Bäche queren. Auf Felsen klettern. Rührei zum Frühstück braten und Trek’n Eat aus Beuteln futtern. Über schmale Pfade laufen und auch mal querfeldein. Eintauchen in die wilde weite freie Welt. Abseits von Straßen und Campingplätzen. Der Natur noch näher sein als während unserer Familienreisen in den letzten Jahren. Unsere neuen Wege in Norwegen.“

1. Die Femundsmarka sollte Euer erstes Ziel sein. Wie ist die Generalprobe gelaufen?

Tja, da mussten wir direkt Lehrgeld zahlen. Dabei ging es erstmal gut los. Bei bestem Wetter mit der Fähre Fæmund II von Elgå nach Røa. Doch schon am ersten Wandertag plagten uns die Mücken. Selma hatte es besonders schlimm erwischt und sie kratzte sich die Stiche wund. Und wir hatten das Gel gegen Juckreiz im Auto gelassen … Da waren wir froh, als wir aus dem Wald in höhere Lagen kamen, wo ein steter Wind blies, der die Mücken vertrieb.

Über die steinigen Wege war es zudem anstrengend zu laufen und wir mussten den optimistischen Gedanken, ca. sechs Kilomteter pro Tag zu schaffen, schnell begraben. Mehr als drei, vier Kilometer waren nicht drin. Als wir dann oberhalb der Baumgrenze auch noch zwei Tage bei Regen und stürmischen Wind im Zelt festsaßen, war klar, dass wir unser Ziel, Svukuriset, nicht erreichen würden. Daher mussten wir unseren Plan umstellen und haben nach Haugen Gård abgekürzt.

2. Puh, zwei Tage ununterbrochen in einem kleinen Zelt. Was habt Ihr in der Zeit gemacht?

Viel gespielt. Wir hatten „Mensch ärgere Dich nicht“, „Farm Yatzy“ und „Elfer raus!“ dabei. Dazu immer ein paar kleine „Pixi-Bücher“. In einer Regenpause bin ich mit Selma mal schnell um den kleinen See gelaufen, an dem wir das Zelt aufgeschlagen hatten. Später habe ich noch ein Rentiergeweih gefunden, das wir dann wie ein Mobilee im Zelt aufgehangen haben.

– Mit Socken an den Händen –

3. Als nächstes lockte Euch das Dovrefjell. Habt Ihr die Snøhetta denn bestiegen und auch Moschusochsen gesehen?

Die Moschusochsen haben wir aus dem Bus gesehen, mit dem wir von Hjerkinn zur Hütte Snøheim gefahren sind. Selma meinte, die würde sie bereits aus dem Fernsehen kennen, von Jakari, und war nicht soo interessiert. Naja, das sind zwar Büffel in der Sendung, aber was soll man da schon sagen?

Auf die Snøhetta kraxelte Selma dafür mit vollem Elan hinauf. Im felsigen Gelände suchte sie sich immer den schwersten Weg und wir kamen kaum hinterher. Bis ihr dann auf halber Strecke die Puste ausging. Nina und Selma sind dann wieder abgestiegen und ich bin noch fix den Rest zum Gipfel allein hochgeflitzt.

4. Im Frühjahr war noch sehr viel Schnee in den norwegischen Bergen gefallen. Wie kamt Ihr mit den Bedingungen zurecht?

Oh ja, so viel Schnee habe ich im Sommer in Skandianvien noch nie erlebt. Beim Aufstieg zum Istjørni mussten wir durch einige Schneefelder stapfen und der See selbst war auch noch größtenteils zugefroren. Aber wir fanden dort zwischen viel Geröll einen Platz für unser Basislager zu Füßen der Snøhetta. Das karge Ambiente hatte auch seinen Reiz, nur war hier von Sommer nicht viel zu spüren. Da das Wetter im Dovrefjell sehr mäßig war, sich tiefhängende Wolken und Regenschauern die Klinke in die Hand gaben, sind wir nicht allzu lang geblieben.

– Unter Wolken –

5. In Jotunheimen mit seinen zahlreichen 2000-Meter-Gipfeln sah es dann bestimmt nicht viel besser aus, oder?

Da war tatsächlich noch mehr Winter als Sommer. Aber zuerst haben wir eine Tagestour auf das Bitihorn unternommen. Und dort ist Selma fast alles allein hinaufgestiegen – nur ein kurzes Stück musste ich sie tragen. Die Aussicht über die Valdresflya auf der einen und die majestätischen Berggiganten auf der anderen Seite interessierte sie dann natürlich wenig. Dafür war der Abstieg umso toller: Auf dem Hosenboden ist sie die Schneefelder hinabgerutscht und jauchzte dabei „Das ist klasse!“.

– Rutschpartie –

6. Übere mehrere Tage seid Ihr in Jotunheimen also nicht unterwegs gewesen?

Doch, allerdings nicht auf der Ostseite, sondern im Westen. Von der Sognefjellshytta sind wir zum Fuß des Fannaråken gelaufen. Mehr über Schneefelder als Wanderpfade. Auf dem einzig flachen Fleck dort haben wir für ein paar Nächte das Zelt aufgestellt und die Gegend erkundet. Zum Fannaråkbreen sind wir hochgelaufen und haben beobachtet, wie sich eine Gruppe über den Gletscher zur Hütte am Gipfel des Berges aufmachte. Das war für uns natürlich nicht drin und ich bin mit Selma stattdessen auf die vielen großen Felsblöcke geklettert, die alle rund um unser Zelt lagen. Das hat uns beiden viel Spaß gemacht.

7. Habt Ihr eigentlich immer gezeltet oder auch mal in einer Hütte übernachtet?

Bei den Wanderungen haben wir immer das Zelt benutzt – egal wie das Wetter war. Oft war es allerdings gar nicht einfach, geeignete Plätze zu finden. Viele gute Stellen waren wohl vom Schnee bedeckt und wir mussten häufig lange nach brauchbaren Flecken suchen.

Und auch nur, weil die mickrige Zeltwiese auf dem Campingplatz bei Florø ziemlich unter Wasser stand und uns zu matschig war, haben wir dort einmal eine winzige Hütte für eine Nacht gemietet.

– T –

8. Die Gletschergebiete Fjordnorwegens sollten nach den waldigen Regionen und dem kahlen Fjell das Ende Eurer Reise markieren. Seid Ihr dort bis zum Gletscherrand des Ålfotbreen aufgestiegen?

Nein, den Ålfotbreen haben wir recht spontan gegen die Region Stølsheimen eingetauscht. Und das war ein Glücksgriff. Zwar ist das Gelände dort sehr anspruchsvoll mit vielem Auf und Ab, pfadlosen Abschnitten, rauem Gelände mit Bachquerungen und Felspassagen, aber dafür trafen wir keine andere Menschenseele und konnten so richtig eintauchen in die wilde weite freie Welt, wie wir uns das daheim ausgemalt hatten. Es war die beste Tour der ganzen Reise.

9. Ist denn Selma alles ohne zu Murren mitgelaufen?

Naja, immer natürlich nicht. Als die zerstochenen Beine so juckten, es kalt und nass war, oder nach einigen Stunden Lauferei die Müdigkeit kam, dann mussten wir natürlich unser Motivationsgeschick auspacken oder versuchen, mit Kinderriegeln die Laune hochzuhalten. Aber das ist ja normal. Von Schneefeldern konnte Selma hingegen nicht genug bekommen – da wäre sie am liebsten über jedes drübergelaufen. Und auch ihren kleinen Rucksack mit Kuscheltier und Trinkflasche hat sie meistens selbst getragen (Nina und ich hatten für uns Drei schließlich genug zu schleppen …).

– Am Bukkedalsvatnet –

10. Welche Tipps habt Ihr für andere Eltern und deren Wanderambitionen mit kleinen Kindern?

Habt den Mut, aufzubrechen. Seid flexibel in der Zeiteinteilung und Routenwahl. Nehmt gute Ausrüstung für alle möglichen Situationen und Wetterbedingungen mit. Und denkt dran: Vieles, was Ihr vielleicht als schlimm oder unangenehm betrachtet, empfindet ein Kind ganz anders. Selma machte sich nie einen Kopf über einen erneuten Regentag oder mal wieder recht niedrige Temperaturen …

Es gibt kaum etwas Schöneres, als gemeinsam die Wildnis zu entdecken!

> Bildergalerie Norwegen Wanderungen 2015

Neue Wege in Norwegen

– Freude im Gesicht –

Tadaa! Morgen geht es mal wieder los. Zuerst nach Kiel, wo uns Freunde noch eine Nacht beherbergen werden, bevor wir am Donnerstag die Fähre nach Oslo nehmen, um nach einer hoffentlich ruhigen Seefahrt in Norwegen anzulegen. 31 Tage haben wir dann vor Ort Zeit, das Nordland auf unserer diesjährigen großen Familienreise zu erkunden. Doch anders als bei unserer letztjährigen Rundreise um Island, wo wir doch sehr viel Zeit nur im Auto gesessen haben und von Highlight zu Highlight getingelt sind, wollen wir uns in diesem Jahr auf vier Regionen konzentrieren, die wir dafür umso intensiver erleben möchten.

Nach einem Stopp bei Bergans of Norway in Hokksund – einem meiner Ausrüstungspartner – ist die Femundsmarka unser erstes Ziel. Von Elgå aus ist die alte Fähre Fæmund II ein schöner Einstieg, um nach Røa zu schippern und von dort in ein paar Tagen zurückzuwandern bis zur Hütte Svukuriset. Das wird die Generalprobe dafür sein, wie wir uns erstmalig auf einer längeren Wanderung schlagen werden. Bisher haben wir immer nur Tagestouren unternommen und sind noch nie mit Rucksack, Zelt und allem drum und dran für mehrere Tage am Stück in die Wildnis aufgebrochen. Natürlich sind da keine großen Etappen drin. Selma ist gerade erst Fünf geworden, aber sie läuft schon ordentlich. Wir planen mit einem Schnitt von um die sechs Kilomteter pro Tag. Aber die wird Selma wahrscheinlich quirliger absolvieren als Nina und ich, da wir beide doch allen notwendigen Kram und die ganze Verpflegung für uns Drei und für die Zeit draußen schleppen müssen.

Als nächstes lockt das Dovrefjell, dem wir mit dem Bus von Hjerkinn nach Snøheim zu Leibe rücken wollen. So kann man ohne viel Lauferei fix ins Herz des Nationalparks vordringen, wo wir uns den Istjørni als Ambiente für einen idyllischen Zeltplatz für ein paar Nächte ausgeguckt haben. Der kleine See liegt direkt zu Füßen des Berges Snøhetta, der lange Zeit als der höchste Norwegens galt. Vielleicht schaffen wir es bis hinauf auf den Gipfel. Oder wir streifen auch nur kreuz und quer umher und stoßen mit etwas Glück auf ein paar Moschusochsen, die vor 70 Jahren aus Grönland eingeführt worden sind und sich innerhalb des Parks frei bewegen.

Das Heim der Riesen wird die dritte Anlaufstelle sein, in der wir ebenfalls einige Tage umherstreifen möchten. Jotunheimen mit seinen zahlreichen 2000-Meter-Gipfeln und die sich daran anschließende Valdresflya. Die Unendlichkeit des Himmels über der Gesteinswüste auf der einen und die majestätischen Berggiganten auf der anderen Seite sind ein Gegensatz, den wir uns nicht entgehen lassen wollen. Am Bergsee Bygdin und rund ums Bitihorn finden wir sicherlich schöne Plätze inmitten beider Welten.

Und nach einem Kurzstopp auf der Westseite Jotunheimens – unterhalb des Fannaråken und des schroffen, hochalpinen Hurrungane-Massivs -, reizt uns zum Ende der Reise nah an der Küste ein letztes Ziel. Am Ålfotbreen habe ich eine Wanderung aufgetan, die uns rauf bis nah an den Gletscherrand und in eine nochmals andere Landschaft führen könnte. So wollen wir uns einmal von Ost nach West durch Norwegen hangeln. Von waldigen Regionen nah zur schwedischen Grenze, über das kahle Fjell bis zu Gletschergebieten Fjordnorwegens.

Schließlich werden wir dem Ruf Bergens nach einem ganzen Monat vor Ort nachgeben müssen. Von dort werden wir die Fähre heimwärts nehmen nach Hirtshals in Dänemark. Zuletzt nochmals ein Stopp in Kiel, wo sich der Kreis schließen wird.

Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen, ob unsere Pläne aufgehen und wir in diesem Jahr als Familie so viel Wandern werden wie noch nie zuvor. Es ist ein neues Abenteuer für uns. Wildes Zelten. Tagein tagaus marschieren. Unzählige Pausen. Bäche queren. Auf Felsen klettern. Rührei zum Frühstück braten und Trek’n Eat aus Beuteln futtern. Über schmale Pfade laufen und auch mal querfeldein. Eintauchen in die wilde weite freie Welt. Abseits von Straßen und Campingplätzen. Der Natur noch näher sein als während unserer Familienreisen in den letzten Jahren. Unsere neuen Wege in Norwegen.

Jetzt müssen wir nur noch alles einpacken, was wie immer eine ganze Menge ist. Darunter auch die Fotoausrüstung, die ich versuche kompakt zu halten, um bei den Wandertouren so flexibel wie möglich zu sein. Dabei hoffe ich wie immer auf interessante Motive und Lichtstimmungen, ist diese Reise für mich doch auch ein weiterer Teil meines aktuellen Fotografieprojekts “Mein Norden”. Apropos Fotos: Immer mal wieder werde ich erneut versuchen, schon von unterwegs ein paar Eindrücke via Instagram in alle Ecken der Welt zu schicken.

Aber Schluss jetzt. Auf, auf, denn wir können es kaum noch erwarten!

Spitzbergen Wintertour – Die Bilder

– Spitzbergen Wintertour – Die Bilder –

Es war Ende März, als wir nach Svalbard flogen, um ein Abenteuer auf Spitzbergen zu erleben. In Longyearbyen empfing uns ein strammer Wind und wir stemmten uns dem heranpeitschenden Schneefall entgegen, bevor wir aufbrachen in die Berg- und Gletscherwelt. Wir liefen weit hinein ins Adventdalen, am Janssonhaugen und der Innerhytta vorbei, bis zum Fuße des Drønbreen. Hinauf ging es von dort über den Gletscher bis zu einem Pass. Der Schnee war tief. Die Last der Schlitten schwer. Doch die Szenerie ringsum entschädigte für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hatte mich längst in seinen Bann gezogen. Wir marschierten weiter durch das Lundströmdalen, den Såtebreen empor und folgtem dem Sveigbreen in einem Bogen ins Agardhdalen. Dann ging es über den Elfenbeinbreen auf das Nordmannsfonna. Schlechtes Wetter hielt uns am Berg Dolken gefangen. Wind trieb Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft und die Sicht schrumpfte auf ein Minimum. Wir saßen fest. Und da war er dann. Dieser Schmerz. Er kam aus dem Nichts. Und blieb. Wohl ein eingeklemmter Nerv!? Vom Nacken zogen die Schmerzen über die Schulter bis in den linken Oberarm. Aber noch hatte ich Hoffnung. Also hielten wir erstmal an unserem Plan fest, packten zusammen und wandernten weiter. So schafften wir es bis ins Sabine Land. Doch dann kam der Tag, an dem wir unterhalb des schroffen Moskushornet über den Klauvbreen stiegen. Der Nerv im Arm schrie immer lauter auf und ich krümmte mich immer mehr. Uns weiter von der Zivilisation zu entfernen war sinnlos. Auf kürzestem Weg zurückzukehren nach Longyearbyen die letzte Herausforderung. In zwei langen Tagen liefen wir über den Rabotbreen hinab ins faszinierend weite Sassendalen und durchs Eskerdalen und Adventdalen retour zum Ausgangspunkt. Das klappte überraschend gut und im Stillen fragte ich mich, ob ich zu früh klein beigegeben hatte. Doch es war die richtige Entscheidung.

„Ich war glücklich, endlich einmal so hoch im Norden gewesen zu sein und arktische Luft geschnuppert zu haben. Aber gleichwohl zerknirscht, weil ich wusste, dass es zu wenig war.“

Nach dieser abenteuerlichen Skitour dauerte es eine ganze Weile, bis ich alle Bilder fertig bearbeitet hatte. Aber jetzt gibt es sie endlich seit kurzem zu sehen – die komplette Serie aus dem Svalbard-Archipel. Auf Flickr. Schaut mal rein!

Fotografisches:
Die Wintertour auf Spitzbergen habe ich mit der Fujifilm X-T1 fotografiert. Alle Fotos sind das Resultat eines RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film. Für den Analoglook sorgte bei dieser Serie der Agfa Scala 200 -.

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