Suche
Suche Menü

Irrwege

– Schnellen Schrittes –

Bei der Einfahrt in den Seyđisfjörđur verspürte ich an Deck der MS Norröna ein Kribbeln im Bauch. Ich war voller gespannter Erwartung und zuversichtlich auf das, was uns in den nächsten vier Wochen bevorstehen würde. Doch einmal an Land erwischte mich Island allzu schnell auf dem falschen Fuß. Die verregneten Ostfjorde waren ein erster Schlag ins Gesicht, die oft bis auf Meereshöhe verhangene Südküste mit ihren überlaufenen Attraktionen ein zweiter hinterher. Ich tat mich schwer, eine Bindung zu der Insel aufzubauen. Stattdessen stand ich oft nur da, während Bus um Bus Touri an Touri ausspuckte, die alle die gleichen Gletscherpanoramen, Wasserfälle und Eisblöcke im miesen Sommerwetter knipsten.

Ein paar Bilder machte ich schon, versuchte mancherorts zu „meinen“ Impressionen zu kommen, doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Kein Feuer entfachte in mir, nur selten blühte ich auf. Aber wie auch? Während wir von Highlight zu Highlight tingelten, prasselte meist der Regen aufs Autodach und löschte jede Regung im Keim. Es fiel uns schwer, eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wir blieben auf Distanz, dabei kannten wir es doch von früheren Reisen nur zu gut, auch bei schlechtem Wetter unterwegs zu sein.

Erst in Arnarstapi auf der Halbinsel Snæfellsnes erlebten wir einen wunderschönen Abend, als die Sonne langsam hinter dem Snæfellsjökull unterging und wir die Gelegenheit gleich nutzten, draußen vor dem Zelt in der Pfanne auf dem Gaskocher Fladenbrote zu backen. Doch dieser Lichtblick war erneut nur von kurzer Dauer. Schon am Berg Kirkjufell, wo ich in eine glitschige Ecke ganz nah am Wasserfall Kirkjufoss krabbelte, war es einfach nur ein weiterer Versuch, dieser vielgerühmten Insel aus Feuer und Eis ein weiteres fantastisches Landschaftsbild abzutrotzen. Verzweiflung und Resignation fingen langsam an, sich zu paaren.

Als uns dann später in den Westfjorden nicht nur aus unerfindlichen Gründen zum zweiten Mal die Autobatterie verreckte – wir so aber zumindest die herzerwärmende Hilfsbereitschaft der Isländer kennenlernen durften -, sondern auch noch ein Reifen auf einer der Schotterpisten zerfledderte, war es bald um uns geschehen. Ein paar entlegene Ecken, die wir gerne noch aufgesucht hätten, ließen wir danach links liegen. Zu unwohl fühlten wir uns jetzt auf diesen rumpeligen Straßen, zu groß war unsere Sorge, irgendwann einfach irgendwo liegenzubleiben. Also sagten wir diesem abgelegensten und am wenigsten besuchten Landesteil mit einem Blick gen Hornstrandir Lebewohl, und machten uns dann auf zurück zur asphaltierten Ringstraße und in den Norden Islands.

Je länger wir unterwegs waren, desto öfter blieb meine Kamera einfach in der Fototasche. Still schaute ich über das Land, versunken in Gedanken. Zurück in Seyđisfjörđur war ich traurig. Darüber, dass alles so schnell vorbei war. Darüber, zu viel im Auto gesessen und zu wenig gewandert zu sein. Darüber, als Fotograf nicht das erreicht zu haben, was ich mir vorher ausgemalt hatte. Der schale Nachgeschmack, es hätte mehr drin sein können, stieß mir lange auf.

Wieder zu Hause mochte ich meine mitgebrachten Fotos lange nicht ansehen. Dabei waren es doch nur so wenige. Ich schob sie beiseite, stürzte mich in andere Dinge. Fing an, die nächste extremere Tour zu planen, machte jede Woche eine Tageswanderung und trainierte so konsequent wie lange nicht mehr. Erst um den Jahreswechsel herum mistete ich die Island-Bilder aus und machte mich anschließend an die Bearbeitung. Um festzustellen, dass einige doch gar nicht so übel geworden sind und es sogar ins Portfolio schafften.

Nach der Reise, die ich noch immer schwer in Worte fassen kann, verlor ich die Fotografie für einige Zeit etwas aus den Augen. Hatten sich die negativen Erfahrung doch tief eingebrannt. Ein Gefühl, wie versagt zu haben. Gescheitert an den eigenen Erwartungen, Vorstellungen und Zielen. Doch mittlerweile entpuppen sich die Aufnahmen als neue Motivation. Sie machen mir Hoffnung.

> Bildergalerie Island Rundreise 2014

Island – Eine Rundreise

– I Love Iceland –

Juchhe! Am Montag brechen wir auf. Dann beginnt unsere nächste große Familienreise. Nach unserer Zeit auf den Färöer-Inseln im letzten Jahr, geht es nun noch ein Stück weiter. Nach Island. Erneut werden Nina, Selma und ich die MS Norröna besteigen und bei hoffentlich nicht allzu rauer See über den gefürchteten Nordatlantik schippern, bis wir nach 48 Stunden die Insel aus Feuer und Eis erreichen werden. Ganze vier Wochen stehen uns dann zur Verfügung, Island auf der Ringstraße zu umfahren und obendrein auch entlegenere Zipfel zu erkunden.

Ausgehend vom Start- und Zielpunkt Seyđisfjörđur haben wir uns für den Uhrzeigersinn entschieden und werden nach den Ostfjorden zuerst den Süden bereisen. Vorbei an der Gletscherlagune Jökulsárlón mit ihren Eisbrocken am schwarzen Lavastrand, dem Skaftafell-Nationalpark und dem von Basaltsäulen umstandenen Svartifoss, Vík und dem Kap Dyrhólaey, dem Skóga- und Seljalandsfoss, bis hin zum Golden Circle mit Gullfoss, Geysir und Þingvellir und am Ende dem Zwischenziel Reykjavík.

Nach der Hauptstadt lockt die Halbinsel Snæfellsnes mit Arnarstapi und dem Berg Kirkjufell. Vielleicht steigen wir auch wie der Hamburger Mineralogieprofessor Otto Lidenbrock, sein Neffe Axel und ihr isländschen Führer, der Eiderjäger Hans, hinab in den Snæfellsjökull, um zum Mittelpunkt der Erde zu gelangen. Aber wahrscheinlicher lassen wir das Jules Vernesche Abenteuer links liegen, wollen wir doch nicht durch den Stromboli in Italien wieder das Licht der Welt entdecken, sondern lieber weitere isländische Ecken aufspüren.

Wie die Westfjorde – der älteste, abgelegenste und am wenigsten besuchte Landesteil. Neben einem Abstecher zum Vogelfelsen Látrabjarg, möchten wir auch nach Sélardalur, wo der Bildhauer Samuél Jónsson ein besonderes Denkmal geschaffen hat. Lebensgroße Skulpturen aus Betonguss stehen dort nahezu unbeschadet seit Jahrzehnten zwischen immer weiter verfallenden Holzgebäuden. Ein weiterer Ort des Verfalls ist die alte Heringsfabrik am Ortsrand von Djúpavík – mit einem vor sich hinrosten Fischkutter im Fjord.

Danach soll sich der Kreis unserer Rundreise durch den Norden schließen. Vorbei an Akureyri, dem Götterwasserfall Gođafoss und dem Naturparadies rund um den See Mývatn. Dazu Ásbyrgi und der Jökulsárgljúfur-Nationalpark wie auch die Halbinsel Melrakkaslétta, der am dünnsten besiedelte Landstrich an der Küste Islands.

Wie bei all unseren Reisen wollen wir in der ganzen Zeit aber nicht nur mit dem Auto von Ort zu Ort tingeln, sondern auch zu Fuß auf kleineren Wanderungen hautnah die allgegenwärtige Natur aufsuchen. Gletscher, Wasserfälle und Vulkane – was es nicht alles zu entdecken gilt. Islandpferde im Tölt, Papageitaucher in der Luft und vielleicht ein Wal im Meer. Wieder einmal sind wir gespannt darauf, was uns erwarten wird. Und offen für alles, was kommt.

Jetzt müssen wir nur noch all das einpacken, was nötig ist. Und dazu die umfangreiche Fotoausrüstung, ist für mich diese Reise doch ein weiterer Teil meines aktuellen Fotografieprojekts “Mein Norden”. Apropos Fotos: Immer mal wieder werde ich versuchen, schon von unterwegs ein paar Impressionen via Instagram in alle Winkel der Welt zu schicken.

Färöer Rundreise – Die Bilder

– Färöer Rundreise – Die Bilder –

Es war bereits im letzten Jahr – unsere vierwöchige Familienreise auf die Färöer. “The Land of Maybe” erreichten wir im Nebel, wo wir am Olavsfest, dem Nationalfeiertag, vor Regen geschützt Fish’n Chips aßen. Wir fuhren mit dem Auto über Brücken und durch Tunnel zu vielen Inseln, die wie grüne Haifischflossen aus dem Meer emporragen. Wir wanderten zum alten Bischofssitz in Kirkjubøur, nahmen die kleine Fähre hinüber nach Kalsoy und machten einen Spaziergang von Trøllanes zur Landspitze Kallur, von der wir trotz mäßigem Wetter bis zu den Steintrollen Risin und Kellingin blicken konnten. Die Sonne blinzelte hervor, Berge verhüllten sich wieder, es regnete. Wir liefen von Elduvík hinüber nach Oyndarfjørđur und zurück. Dann lockte Gjógv, ein weiteres Dorf, in dem sich die kleinen Häuser dicht aneinander drängen. Allein erklomm ich den Gipfel des Slættaratindur, des höchsten Berges auf den Färöer-Inseln. Weit reichte mein Blick über all die grünen Zacken, Hänge, Täler und all die blauen Fjorde. Auf der Insel Vágar nahmen wir den alten Weg nach Gásadalur und kraxelten über die Berge. Mykines, das Vogelparadies schlechthin, war der schönste Fleck. Wir brachen auf nach Saksun und Tjørnuvík. Und auch noch zur südlichsten Insel. Es war eine Reise, die uns ans Ende der Welt geführt hatte. In eine dramatische Insellandschaft, in der sich die Färinger zwischen Tradition und Moderne bewegen. Vieles blieb uns verborgen und war schwer zu fassen. Es verlor sich im Nebel oder wir konnten oft nur staunen.

„Wind und Wetter sind die bestimmenden Faktoren, nach denen sich alles richtet. Vielleicht fährt morgen die Fähre, vielleicht klappt dann eine weitere Wanderung. Vielleicht stürmt und regnet es aber auch oder es ist bis auf Meereshöhe nebelverhangen. Kanska …“

Nach dieser außergewöhnlichen Reise dauerte es eine lange Zeit, bis ich alle Bilder fertig bearbeitet hatte. Aber jetzt gibt es sie endlich seit ein paar Tagen zu sehen – die komplette Serie von den Schafsinseln. Auf Flickr. Schaut mal rein!

Fotografisches:
Die Rundreise über die Färöer habe ich mit der Fujifilm X-E1 fotografiert. Alle Impressionen sind das Resultat eines RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film. Für den Analoglook sorgte bei dieser Serie der Fuji 160C.

> Bildergalerie Färöer Rundreise 2013

Rund um Ennepetal – Die Bilder

– Rund um Ennepetal – Die Bilder –

Kaum einen Weg kenne ich so gut wie den Rundweg um Ennepetal. Und auch wenn ich ihn schon so häufig gelaufen bin, lockt mich diese 54 km lange Strecke doch immer wieder einmal. Zuletzt Mitte Mai gemeinsam mit Joël Wagner – zwei Tage lang wollten wir nah unserer Heimat ein kleines „Microadventure“ erleben. Hatte ich die Runde in der Vergangenheit oft in schnellem Tempo an einem Stück absolviert, sollte es dieses Mal weniger sportlich, dafür fotografischer zugehen. Joël hatte seine Leica M mit drei Festbrennweiten dabei. Ich Fujifilms X-T1 und das 23er, 56er und 10-24er.

Wir versuchten, Details am Wegesrand einzufangen. Dinge aufzuspüren, an denen ich früher oft einfach vorbei marschiert war. Oft waren wir so vertieft und krochen mit den Kameras im Anschlag gar bis in stacheligen Ilex hinein, dass darüber die Zeit wie im Flug verging und wir länger als gedacht durch Wald und Flur, an Talsperren vorbei und über manchen Berg zogen. Der Wappenweg ist ohnehin nicht zu unterschätzen – 1800 Höhenmeter wollen hinauf und wieder hinunter bewältigt werden. Aber das schreckte uns nicht. Wir stießen auf einsame Pferde und neugierige Kühe, liefen durch ein Spalier aus Ginsterbüschen und übernachteten im Zelt an einem idyllischen Bach.

An beiden Tagen waren wir jeweils zehn Stunden mit geschulterten Rucksäcken auf den Beinen und mussten schließlich mit jedem weiteren Schritt feststellen, wie sehr unsere Füße ermüdeten und der Griff zur Kamera nachließ. Die Wanderung über Stock und Stein forderte ihren Tribut, den wir aber gerne bereit waren zu zahlen, auch wenn zum Ende hin ein baldiges Ankommen fast wichtiger schien als ein weiteres Foto.

Zurück in Schwelm, dem Start- und Zielpunkt unseres kleinen Abenteuers, waren wir gleichauf zufrieden und erschöpft. Wir waren nah der eigenen Haustüre dem Alltag entflohen und eingetaucht in die Natur. Wir waren auf Entdeckungsreise gegangen. Das sollten wir öfters machen!

Nach der Wanderung hatte ich alle Bilder recht fix fertig bearbeitet und die komplette Serie unserer Zweitagestour ist bereits seit einiger Zeit zu sehen. Auf Flickr. Viel Freude damit!

Fotografisches:
Die Runde um Ennepetal habe ich mit der Fujifilm X-T1 fotografiert. Alle Aufnahmen sind das Ergebnis eines RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film. Für den Analoglook sorgte bei dieser Serie der Kodak Portra 160.

> Bildergalerie Rund um Ennepetal

Rondane Wintertour – Die Bilder

– Rondane Wintertour – Die Bilder –

Unsere Wintertour durch Rondane versprühte einen Hauch von Sommer. Kein Wunder, dass Simon Michalowicz, der im letzten Jahr ganz allein Norge på langs gelaufen war, bei seiner ersten Skitour dann auch voller Elan ans Werk ging. Das Wetter zeigte sich ihm, seiner Freundin Anna und mir bei unserem diesjährigen kleinen Schneeabenteuer von seiner besten Seite. Kein Sturm, kein White-Out, keine bitteren Minusgrade. All das blieb aus. Dafür so oft Sonne pur. Wir hatten uns den ältesten Nationalpark Norwegens ausgeguckt und wollten es ohnehin ganz ruhig angehen lassen. Von Hjerkinn einmal durch die Bergwelt bis nach Venabu. Und nun konnten wir gar an vielen Tagen draußen vor dem Zelt sitzen und in morgendlicher Wärme frühstücken. Herrlich. So vergingen die Stunden, die Tage, die wir gemächlich bestritten. Pausenzeiten dehnten sich und wir entflohen jeglicher Hektik. Kaum einmal saß uns schlechtes Wetter im Nacken und trieb zur Eile. Im Gegenteil: Wenn wir abends in die Schlafsäcke krochen, war uns meist schon klar, dass uns am nächsten Tag die Sonne wieder begrüßen würde.

Von Hjerkinn, dem Startpunkt unserer Tour, zogen wir über die Berge zur Grimsdalshytta und ins Grimsdalen, wo wir unter klarem Sternenhimmel biwakierten. Die schroffen Nordwände des Dreigestirns Høgronden, Midtronden und Digerronden waren uns danach einen Ausflug mit leichtem Gepäck wert. Unter dem Rondslottet, den Anna erklomm, blieben wir nachfolgend längere Zeit, um die Gegend zu erkunden. Und auf dem zugefrorenen Rondvatnet lief uns der Schweiß in Strömen Gesicht und Rücken herunter, bevor wir im Vulufjellet der weißen Weite langsam Adieu sagten und schließlich auf der Troll-Løypa unser Ziel Venabu erreichten.

Ab und an kam mir zwar der Gedanke, in diesen Tagen keinem realen skandinavischen Winter ausgesetzt zu sein – der doch meist Entbehrungen verlangt, Anstrengung fordert und ein Zähneklappern ob der Kälte mit sich bringt -, doch diese Überlegungen wischte ich weg und es war vielleicht gerade deshalb eine so vergnügliche Zeit. Norwegisches Friluftsliv in reinster Form. Für Simon gar eine Traumtour, der mögliche Beginn einer schneereichen „zweiten Karriere“ nach seinem strammen Marsch vom Kap Lindesnes im Süden bis ans Nordkap im vorigen Frühjahr, Sommer und Herbst …

Fotografiert mit der Fujifilm X-T1, dem XF14mmF2.8 R, dem XF23mmF1.4 R und dem XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS.

> Bildergalerie Rondane Wintertour 2014

Seite 5« Erste...56...1015...Letzte »