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#StayAtHome – oder laufe 54 Kilometer

– Wappenweg rund um Ennepetal –

#WirBleibenZuhause ist das Motto dieser Tage. Doch in den vergangenen drei Wochen, die seit geraumer Zeit geprägt sind von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten, waren wir mehr denn je in der Natur unterwegs. Meine Tochter, 4. Klasse, hatte „schulfrei“ und meine Frau, Lehrerin, war auch daheim. Gut, beide mussten jeden Tag Hausaufgaben erledigen und waren damit immer ein paar Stunden beschäftigt. Aber an den Nachmittagen und Wochenenden zog es uns fast täglich raus in den Wald, wo wir kleinere und größere Runden abspulten, die Ankunft des Frühlings genossen und so das Allerbeste aus der Situation machten. Und jetzt in den Osterferien, in denen alle Schulverpflichtungen wegfallen, kann das nur noch besser werden.

Nachdem mich im Februar eine Grippe mit Fieber lange geärgert hatte und ich deswegen auch eine Skitour in Schweden sausen lassen musste, waren die nun so vielen Stunden an der frischen Luft ideal, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen. Neben unseren gemächlicheren Familienwanderungen streute ich darüber hinaus noch ein paar schnelle Solo-Ausflüge ein und war bald wieder fit und bereit für ein großes Ding – wie zuletzt im Dezember, als ich den Langenberger Rundweg gelaufen war.

Am vorigen Freitag nahm ich mir dafür mal wieder den Wappenweg rund um Ennepetal zur Brust. Meine Lieblingsstrecke, die ich bereits zwölfmal an nur einem Tag absolviert habe und über die auch hier im Blog schon so manche Zeile zu lesen ist, weswegen ich jetzt nicht in aller Kleinigkeit über Stock und Stein berichten möchte. Die Essenz des Tages soll reichen …

Wie eh und je startete ich früh am Morgen am Schloss Martfeld in Schwelm. Ich wollte es ruhig angehen lassen mit vielen Pausen und strebte dieses Mal keine besonders gute Laufzeit an. Doch schnell spürte ich ein gutes Gefühl in den Beinen, der Ehrgeiz erwachte zum Leben und bald brachte ich manche Bergabpassage gar in einem leichten Trab hinter mich. Denn so konnte ich immer wieder „verlorene“ Zeit aufholen, da ich an den häufigen Pausen – etwa einmal pro Stunde – trotzdem weiterhin festhielt. Ich kam in einen Flow, passierte Milspe, huschte an der Hasper Talsperre vorbei und wanderte durchs Tal der Ennepe. Alles schien an diesem Tag perfekt zu sein auf diesem 54 km langen Streifzug. Bis ich zur Heilenbecker Talsperre kam. Hier war der Weg verlegt, da die Passage durch Ebinghausen gesperrt ist.

Kurzerhand folgte ich der neuen Beschilderung, nur um wenig später festzustellen, dass hinter der Häuseransammlung Schiffahrt weitere Markierungen ausblieben oder nicht zu finden waren. Spontan nahm ich den logischsten Weg, bis ich zu einer Wegekreuzung kam und dumm dastand. Wo sollte es weitergehen? Mittlerweile war ich bereits über sieben Stunden unterwegs und wohl schon etwas mitgenommen – auf die Idee, mein Mobiltelefon herauszukramen und nach einer Onlinekarte des Wappenweges zu suchen, kam ich nicht. Eine normale Karte hatte ich nicht dabei und so bog ich in den Waldweg ein, der mir der richtige erschien. Doch er entpuppte sich als die falsche Wahl und bescherte mir einen ordentlichen Umweg samt blöder Latscherei entlang einer Bundesstraße, bis ich bei Schlagbaum wieder auf den richtigen Wappenweg stieß. Fortlaufend überschlug ich die ganze Misere und kam zu dem Schluss, dass ich die Runde, die mancherorts gar mit 56 Kilometern angegeben ist – die alten Schilder am Wegesrand scheinen nicht mehr zu stimmen –, so wahrscheinlich auf mindestens 58 km erweitert hatte. Mist.

Immer wieder blickte ich auf die Uhr. Ich wahr weiterhin angestachelt und wollte entgegen meiner morgendlichen Idee einer „lockeren“ Wanderung nun doch eine schnelle Zeit hinlegen. Zehn Stunden sind für mich auf dieser Strecke der Maßstab. Alles darunter ist gut, alles darüber schlecht. Und das basierend auf den einst nur 54 Kilometern … Ich machte noch eine Pause am Spreeler Bach, bevor ich zum Endspurt blies. Strammen Schrittes marschierte ich durch Wuppertal-Beyenburg, wo die Füße immer stärker anfingen zu zwiscken. Ein letzter langer Aufstieg Richtung Königsfeld, dann das Finalstück zurück nach Schwelm. Am Ende joggte ich nochmal. So gut es ging, versuchte ich alles zu geben. Als ich zurück war am Schloss Martfeld und sich der Kreis geschlossen hatte, waren 9 Stunden und 55 Minuten vergangen. Puh, trotz Wegeverlegung und nochmals selbstverschuldeter zusätzlicher Streckenverlängerung gerade noch eine „akzeptable“ Zeit ;-)

Aber ich wusste sofort: Irgendwann werde ich nochmal ran müssen, um dann mit weniger Pausen und auf dem richtigen Weg eine neue persönliche Bestzeit zu versuchen. Die liegt auf der alten 54 km messenden Strecke bei nur 7 Stunden und 55 Minuten – doch ich denke, dass da noch was gehen könnte …

Lest Euch derweil durch einige meiner weiteren bisherigen Erlebnisse auf dem Rundweg um Ennepetal oder werft einen Blick in ein Fotoalbum eines Microadventures auf dieser immer wieder schönen Wanderroute!

PS:
Es sind verrückte Zeiten. In all der bisherigen Corona-Krise fiel uns auf, dass es so viele Menschen hinaus in die Natur zieht wie nie zuvor. Selbst in der Woche sind momentan mehr Leute im Wald unterwegs als zu normalen Zeiten am Wochenende. Hatte ich bei meiner langen Tagestour zumeist einigermaße Ruhe – es war trüb und nicht allzu warm –, ist bei dem jetzt oft schönstem Wetter vielfach die Hölle los. Insgeheim hoffen wir daher schon wieder auf die Nach-Corona-Zeit, wenn die meisten bestimmt wieder lieber in Geschäfte und Cafés strömen werden und es im Wald erneut so einsam sein wird wie zuvor.

Ein Fujifilm-Festbrennweiten-Update

– Store Mjølkedalsvatnet – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/210 Sek, f 11, ISO 200 –

Besonders auf Reisen ist es verlockend, nur mit einer kleinen Fotoausrüstung loszuziehen, um unbeschwert unterwegs zu sein. Schon seit ein paar Jahren habe ich mir daher die Not zur Tugend gemacht und fröne einem „Weniger ist mehr“.

Doch bevor ich seinerzeit mein Equipment abgespeckt habe, hatte ich mir nicht nur die Frage gestellt, welche Festbrennweiten von Fujifilm ich nehmen soll, sondern auch einige Gedanken zur Konzentration auf das Wesentliche gemacht. Nun möchte ich meine einstigen Überlegungen nochmals zusammenfassen und meine bisher gewonnenen Erfahrungen schildern.

Mein erster Bildband Mein Norden ist im Juni 2017 erschienen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins. Elf Reisen habe ich dafür in den Norden unternommen. Vier Jahre, in denen ich zu allen Jahreszeiten zu immer neuen Abenteuern aufgebrochen bin. Allein, mit Freunden und mit der Familie. Wanderungen und Skitouren, dokumentiert in Bildern und Texten, die Erlebnisse und Emotionen transportieren. Immer mit dabei: Meine Kamera und diverse Objektive, die viele verschiedene Brennweitenbereiche am APS-C X System von Fujifilm abdeckten – von 10 bis 200 Millimetern. Im Laufe der Zeit habe ich vieles ausprobiert, mal nur ein 18-55-mm-Zoom plus eventuell einer einzelnen Festbrennweite oder auch Kombinationen mehrerer Zooms. Doch während dieser Reisen in nordische Länder merkte ich schnell, dass trotz des breit aufgestellten Equipments die Resultate nicht automatisch besser wurden. Aber es gab auch Unternehmungen, auf die ich ausschließlich ein paar Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

– Trælanípa – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/10500 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Ling Hut – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/280 Sek, f 8, ISO 200 –

Eine Analyse der Bilder

Nach Abschluss dieser Fototouren zu Fuß und auf Skiern machte ich entlang meiner Bilder eine Analyse. Es war interessant zu sehen, welche Brennweiten am häufigsten zum Einsatz kamen: Die extremen Bereiche, also Ultraweitwinkel und stärkeres Tele, habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich bei mir zwischen 16/18 und 55 Millimetern ab. Daher könnte man meinen, ich müsste mit einem guten Zoom als alleiniges Objektiv bestens zurechtkommen – etwa mit dem Fujifilm XF16-55mmF2.8 R LM WR, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einer Optik vereint. Allerdings mag ich dieses dicke Ding nicht und ich habe ja zudem festgestellt, dass ich ohnehin mit Festbrennweiten viel lieber und bewusster fotografiere.

Den eigenen Bildstil fördern

Sich auf wenige Brennweiten zu beschränken, schlägt sich zudem im Bildstil nieder. Dieser wird nämlich nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung, den Auslösemoment und die Bildbearbeitung, sondern darüber hinaus auch in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und die dadurch häufigere und immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten führt auch dazu, dass sich der persönliche Stil stärker ausprägt, was den Wiedererkennungswert steigert.

Eine Handvoll Objektive

Diese „Verdichtung“ möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt zunutze machen und über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, ab und an vielleicht sogar nur zwei Objektiven. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, nur eine Festbrennweite mitzunehmen – ein Mindestmaß gestalterischer Abwechslung ist mir in jedem Fall wichtig. Doch welche Objektive kommen dafür infrage? Die Antwort darauf hatte ich recht schnell gefunden: ein Trio aus den 16-, 23- und 50- bzw. 56-mm-Optiken für das Fujifilm X System – umgerechnet ins Kleinbildformat also Objektive mit 24, 35 und 75 bzw. 85 mm. Vieles sprach dafür, primär mit diesen Linsen loszuziehen und so meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten. Denn ein Ziel meiner Fotografie ist es, meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in Bildern darzustellen und einzufangen. Der menschliche Blick entspricht ja in etwa dem Bildwinkel eines 50- oder 35-mm-Kleinbildobjektivs. Diesen Seheindruck möchte ich nur moderat erweitern und insofern mit allen verwendeten Brennweiten möglichst nahe an einer „natürlichen“ Darstellung bleiben. Also steckte ich den zu verwendenden Brennweitenbereich nach unten mit einem etwas stärkeren Weitwinkel und nach oben einem leichten Tele ab. Den geschwätzigen Aufnahmewinkel eines Ultraweitwinkels finde ich für meine Zwecke ebenso übertrieben und nicht „normal“ wie die sehr starke Verdichtung eines Superteles.

– Cerro Chalten („Der Rauchende“) – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1700 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Sommerbrücke – X-Pro2, XF16mmF2.8 R WR, 1/3200 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Erfahrungen aus bisherigen Reisen

Inzwischen habe ich schon mehrere auf diesen Ansatz gestützte Reisen unternommen. So kamen beispielsweise bei einer Fotoreise auf die Färöer-Inseln überwiegend die bewährten und lichtstarken 16er-, 23er- und 56er-Glasklötze mit Anfangsblenden von F1.4 bzw. F1.2 zum Einsatz. Auf dem Cape Wrath Trail in Schottland oder in den Bergen Patagoniens dagegen die kleineren und leichteren F2er-Alternativen, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Da es bei meinen Unternehmungen auf jedes Gramm Gewicht ankommt, sind diese Objektive natürlich sehr reizvoll. Und während mehrerer Wanderungen durch norwegische Nationalparks machte ich mir eine Kombinationen aus beiden Objektivreihen zunutze.

Nach den vielen gewonnenen Erfahrungen steht für mich allerdings außer Frage: Alle Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben. Daher ist es im Grunde egal, welche Objektive man einsetzt. Ob die schweren, lichtstarken und optisch feinsten Festbrennweiten oder die leichten, kleinen und etwas weniger scharfzeichnenden Modelle. Die Kompromisse, die man eingeht, haben letzten Endes keinen entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche Qualität der Fotos. Für mich bedeutet das, bei meiner Lieblingsbrennweite, dem 23er-Weitwinkel, bevorzugt zur lichtstarken F1.4er-Version zu greifen, da dieses Objektiv gegenüber der F2er-Variante einfach die „schönere“ Bildcharakteristik liefert. Bei den anderen Brennweiten, bei denen die Leistungsunterschiede ähnlich sind, entscheide ich je nach Reise und Unternehmung, wo die jeweiligen Prioritäten liegen – ob bei minimalem Gewicht oder maximaler Bildqualität.

Die Ausrüstung auf wenige Festbrennweiten zu reduzieren, dient vor allem der Konzentration auf das Wesentliche – sprich, die wenigen Objektive zu finden, die den Kern des eigenen Stils ideal befeuern, unterstützen und sichtbar machen. Eine begrenzte Auswahl an Brennweiten engt keineswegs meine Möglichkeiten ein, sondern fördert die Konzentration auf die Motive und reicht aus, um eine Reise zu dokumentieren.

Denn wie sagte schon der großartige Anton Corbijn: „Instead of having four lenses, use one or two … limit yourself and make that work, and you become far more inventive.”

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Oder greift Ihr nur zu Zooms? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?
> Konzentration auf das Wesentliche

Anhang – meine aktuellen Fujifilm-Festbrennweiten

  • XF16mmF1.4 R WR
  • XF23mmF1.4 R
  • XF56mmF1.2 R
  • XF16mmF2.8 R WR
  • XF23mmF2 R WR
  • XF35mmF2 R WR
  • XF50mmF2 R WR
  • XF27mmF2.8

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

– Unstad –

Tja, vollmundig hatte ich noch im Dezember verkündet, es wäre mal wieder an der Zeit, mit Ski und Pulka-Schlitten durch die weiße Weite nordischer Einsamkeit zu ziehen. Und wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, hätte ich mich auch Anfang dieser Woche aufgemacht, um weit nördlich des Polarkreises von Abisko über Ritsem bis nach Kvikkjokk durch das schwedische Fjäll zu laufen. Zuerst ein Stück auf dem Kungsleden, dann etwas abseits des bekannten Königspfades und schließlich als I-Tüpfelchen einmal quer durch den Sarek. Allein hinein in „Europas letzte Wildnis“. Doch daraus wurde nix …

Vor drei Wochen nahm mich eine Grippe in ihren Würgegriff und fesselte mich über Tage mit Fieber ans Bett. Gut, da war es noch lange hin bis zur Abreise nach Lappland, nur lag die diesjährige Nordische Momente – Lofoten Masterclass noch dazwischen. Gerade rechtzeitig kam ich soweit wieder auf die Beine, mich dorthin auf den Weg zu machen. Doch während der vier Flüge, die es brauchte, um das Insel-Archipel in Nord-Norwegen zu erreichen, kam das Fieber zurück und mein Kopf schmerzte höllisch. Vor Ort berappelte ich mich zum Glück zwar rasch und konnte gemeinsam mit Michael Schaake unsere Fotogruppe begleiten, aber meiner weiteren Genesung war die Zeit nicht förderlich. Dabei war ich froh, dass es nicht allzu kalt war, denn selbst bei nur leichten Minusgraden kroch mir die Kälte rasch in die Glieder. Überhaupt spielte das Wetter nicht immer mit und oftmals trieb ein stürmischer Wind kräftigen Regen über die Inseln. Nichtsdestotrotz erlebten wir erneut eine wunderschöne Woche und versuchten allerorts, das Beste aus jeder Situation herauszuholen. Meine eigenen fotografischen Ambitionen waren dieses Mal allerdings nicht sehr ausgeprägt – umso mehr freute ich mich dafür für die Teilnehmer, wenn das Licht einmal gut, die Szenerien stimmungsvoll und ein jeder zu tollen Bildern kam.

Wieder daheim merkte ich bald, dass die Fotoreise tatsächlich nicht dazu beigetragen hatte, mich in Topform zu bringen. Ich war längst noch nicht wieder fit und bereit für eine anspruchsvolle Solotour. Nachdem mir meine HNO-Ärztin zudem zu einem absoluten Sportverzicht riet, machte ich Nägel mit Köpfen und cancelte schweren Herzens das Kungsleden- und Sarek-Abenteuer wenige Tage vor dem Start. Angeschlagen und allein durch die Bergwelt zu ziehen, bei Wind und Wetter Kilometer um Kilometer zu marschieren und jede Nacht im kalten Zelt zu schlafen, erschien mir weder verlockend noch ratsam.

Nun gut, Shit happens. Zähneknirschend bringen mich derweil Spaziergänge, Klettern und Bouldern langsam wieder in Form. Und ich sortiere Reiseideen. Die Skitour ist zwar aufgehoben, aber dafür rücken nun andere Ziele in den Vordergrund. Die Zeit wird zeigen, wie die nächsten Schritte aussehen werden – noch möchte ich dazu den Mund nicht zu voll nehmen …

Die Lofoten-Impressionen sind fotografiert mit der FUJIFILM X-Pro2 und dem XF23mmF1.4 R sowie dem XF56mmF1.2 R

– Å –
– Haukland –

Der dritte Frühling

– Spreehler Mühle –

Eine graue Wolkendecke liegt über der Landschaft. Die Temperatur nur wenige Grad über Null. Von Wuppertal-Beyenburg laufe ich durch den Wald zur Spreehler Mühle. Zwischen Bäumen versteckt sich dort ein kleiner Steinbuch. Zu Füßen der felsigen Wände schlüpfe ich in meinen Gurt, befestige daran das Klettersteigset und setze den Helm auf. Andächtig schaue ich empor, verfolge mit meinen Augen den Verlauf der Route. Dann steige ich ein, hänge die Karabiner ins Drahtseil. Abschüssige Bänder, senkrechte Aufschwünge. Schritt, Griff. Seitwärts, aufwärts. Höher und höher. Bis ich oben bin. Zurück hinab folge ich einem schmalen Pfad. Und kraxel dann erneut durch die Wand. Wieder und wieder.

“There are only three sports: bullfighting, motor racing, and mountaineering; all the rest are merely games.” – (Ernest Hemingway)

Meine Kletterkarriere begann vor über 30 Jahren. Mit einem Schulkameraden stöberte ich mickrige Felsen an Spielplätzen auf, wir querten Bruchsteinmauern und mühten uns an Brückenpfeilern ab. Doch ich sah mich sofort zu Höherem berufen, verschlang Alpinliteratur und träumte von harten Winterbegehungen in den Alpen. Aber zuerst machte ich einen Kurs beim DAV. Lernte den Ith und die Eifel kennen, den Halbmastwurf und den Achterknoten. Die Felsen am nahen Isenberg wurden ein beliebtes Ziel. Das alte Blubberdach (6+) einer meiner schwersten Vorstiege. Es verstrichen die Jahre, während derer ich im Schulunterricht unter dem Tisch Klettermagazine las und in Freistunden zu den Wuppertaler Klettertürmen fuhr – bizarren Gebilden aus der Frühzeit künstlicher Kletteranlagen – und Ausdauer trainierte. Auch ins Boulder-Mekka Fontainebleau verschlug es mich. Und schließlich mit einem Freund gar tatsächlich ins sommerliche Hochgebirge, zur Fahrradlkante am Oberreintalturm im Wetterstein. Nur verstiegen wir uns frühzeitig in diesem Klassiker, kehrten bald um und seilten wieder ab. Ein Alpinist wurde nicht aus mir. Auch kein sonderlich guter Kletterer. Mein Verhältnis zur Senkrechten gestaltete sich zunehmend zu einer On-Off-Beziehung.

Nach einer kurzen Zeit der Abstinenz kam Ende der Neunzigerjahre allerdings das Feuer zurück. Hallenklettern war mittlerweile längst en vogue und so tummelte auch ich mich nun vermehrt an Plastikgriffen und schaffte es mit Ach und Krach irgendwie bis in den siebten Grad. Aber das war nur eine Spielwiese. Mit dem Jahrtausendwechsel drängte sich nach dem Fels das Eis in meine Träume. Gefrorene Wasserfälle wurden Ziel meiner Begierde, die ich in den Allgäuer Alpen und in Schweden zu stillen versuchte. Ich liebte es, die Hauen meiner Black Prophet Eisgeräte ins Eis zu schlagen, auf den Frontzacken der Steigeisen zu stehen und Eisschrauben zu setzen. Schnell stieg ich einfache Sachen vor und hatte mit schwedischen Freunden riesigen Spaß – trotz eisig kalter Hände und abenteuerlicher Abseilaktionen an selbstgedrehten Eissanduhren. Aber dann kam mir die Horizontale einmal mehr dazwischen und ich tauschte immer häufiger die Kletterausrüstung gegen eine Skitourenausrüstung. Zwar wurde ich jetzt rasch gut darin, mit langen Latten an den Füßen weite Strecken zurückzulegen, aber einher ebbte mein Drang wieder ab, hoch hinaus zu wollen.

Es folgte eine lange Phase, in denen ich der Kletterei nur äußerst sporadisch nachging. Mehr als ein Jahrzehnt stand sie hinter anderen Outdooraktivitäten an. Bis mich im letzten Jahr ein unstillbarer Bewegungsdrang überkam und erste Ausflüge in die Spreehler Mühle nur ein weiterer Neuanfang als Bergsportler waren. Angestachelt durch meine beiden Neffen und meine Nichte, die allesamt mit dem Bouldern begonnen hatten, wollte ich mir als alter Onkel darüber hinaus keine Blöße geben und ihnen zeigen, wie der Kletterhase läuft. Nach einem gemeinsamen Ausflug in die Wuppertaler Boulderhalle Bahnhof Blo hatte ich zwar prompt ordentlichen Muskelkater in den Unterarmen, war aber ebenfalls sofort wieder angefixt. Das war vor gut zwei Monaten und seitdem stecke ich erneut im Sog dieser Sucht namens Klettern. Ob Wupperwände oder das Dortmunder Bergwerk – so oft es geht möchte ich mich dieser Tage in die engen Kletterschuhe zwängen und mich an Routen und Bouldern probieren. Ich will es noch einmal wissen, in welche Schwierigkeitsgrade ich vordringen kann. Ob 3, 4, 5-, 5, 5+, 6-, 6 – all das klappte schon in kurzer Zeit und lässt mich weiter Blut lecken. Okay, bisher fast alles nur im Toprope, aber ich bin ja auch zum dritten Mal ein Kletteranfänger …

Dass zudem meine Frau und Tochter mit an einem Strang ziehen und sie aktuell ihren ersten Kletterfrühling erleben, während ich dessen Nummer Drei genieße, macht das Spiel mit der Schwerkraft momentan umso schöner!

Auf Speed

– Schnellen Schrittes –

Vorgestern bin ich mal wieder den Langenberger Rundweg gelaufen, den ich zuletzt Ende Oktober vorigen Jahres in Angriff genommen hatte.

Mal wieder startete ich daheim und wanderte zuerst ins Deilbachtal, wo ich auf die eigentliche 34 km langen Runde stieß. Ich marschierte weiter ins Felderbachtal und hinüber nach Velbert-Nierenhof. Es folgten Huisgen und das Asbachtal. Die Temperaturen waren fast frühlingshaft, während derer ich durch Wälder und über Felder schritt. Pfade, Feldwege, auch mal ein Stück Asphalt. Ein auf und ab, ein weiter, immer weiter. Ein Golfplatz zur linken, später Windrath, Nordrath. Wieder im Deilbachtal schloss sich der Kreis und ich musste von dort nur noch zurück nach Hause flitzen.

Nur vier Pausen machte ich unterwegs – zwischen Morgengrauen und  Dunkelheit. Doch nie läuft alles ganz ohne Beschwerden ab – mal wieder zwickte es an mehreren Stellen. Am linken Fuß drückte nicht nur die Schnürung des Schuhs, sondern noch immer reagierte die Stelle unter der Ferse sensibel auf eine stundenlange Belastung, an der ich mir während einer Wanderung über den Ennepetaler Wappenweg vor mittlerweile 13 Monaten eine üble Blutblase zugezogen hatte. Aber egal, dieses Mal war es nur ein leichtes Zwicken, was mich nicht davon abhielt, die Tour von Anfang bis Ende schnellen Schrittes durchzuziehen.

Hatte ich für den Rundweg um Langenberg beim letzten Mal noch knappe 10,5 h benötigt, war ich nun bereits nach nur 9 Stunden und 20 Minuten wieder zu Hause.

„A strong will grows from suffering and being rewarded for it.“

Mark F. Twight hat einfach recht – alles Durchhalten hatte sich mal wieder gelohnt und ausgezahlt in einer neuen Bestzeit auf dieser Runde. Überhaupt bin ich auf allen Trainingsunternehmungen, die ich in den zurückliegenden Wochen und Monaten unternommen habe, immer deutlich zügiger unterwegs als in früheren Tagen. Ich frage mich, worin dieser Geschwindigkeitsschub begründet liegt. Etwa in den „Neujahrsvorsätzen“, die ich bereits seit Ende der Sommerferien versuche umzusetzen? Eine gesündere Ernährung mit weniger Zucker und weniger fettigem Zeug. Das brachte zwar umgehend einen Gewichtsverlust von 2, 3 Kilo mit sich, aber auch eine Beruhigung meines Verdauungstraktes und ein insgesamt besseres Körpergefühl. Oder trägt einfach das seit geraumer Zeit recht konsequent durchgeführte Coretraining dazu bei, dass ich meine Füße flinker bewegen kann? Egal, der Fitnesszuwachs macht auf jeden Fall Lust, noch so manche Herausforderung anzunehmen!

Mal sehen, was das nächste Jahr so bringt – weitere lange Tageswanderungen habe ich bereits auf dem Schirm.