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Hardangervidda – Das Tagebuch einer Wintertour

– Der Hardangerjøkulen –

Vom 26. Februar bis zum 09. März war ich in Norwegen auf der Hardangervidda unterwegs. Von Haukeliseter im Süden bis nach Finse im Norden. Das Wetter zeigte sich von allen Seiten, während ich ganz allein meinen Pulka-Schlitten durch die weiße Weite und das Auf und Ab der Berge zog. Etwa 150 Kilometer lang war meine Route über die größte Hochebene Nordeuropas.

Das Tagebuch der Wintertour

Freitag, 26. Februar – Um kurz nach 10 breche ich auf in Haukeliseter. Laufe erst ein Stück über den Ståvatn, bevor ich die Straße E134 quere und rauf in die Berge steige. Es ist steil und warm. Hinauf gen Vesle Nup kommt mir eine Dreiergruppe entgegen. Ihre Abfahrtsspur ist mir zum Aufstieg zu steil – ich mache weitere Bögen und schwitze dennoch bei leichten Plusgraden am ganzen Körper. Wolken verschlingen zunehmend die Gipfel, während ich auf der anderen Seite hinab ins Bordalen ziehe. Bei zunehmend schlechter Sicht ist die Steilheit des Geländes kaum mehr einzuschätzen. Als es wieder bergauf geht, finden die Ski im lockeren Schnee an einem steilen Hang keinen Halt mehr – der Pulka-Schlitten zerrt mich zurück. Schritt für Schritt wühle ich mich hinauf. Am Årmotvatni ist nach 7 Stunden Schluss. Ich bin platt.

Samstag, 27. Februar – Durch das Tal der Bora ziehe ich weiter meine Spuren durch tiefen Schnee. Etwas Wind kühlt. Die Sicht ist mäßig – ältere Ski-Spuren anderer Wanderer verliere ich immer wieder in der Konturlosigkeit der Schneelandschaft. Ich begegne zwei Norwegerinnen und einem einzelnen Norweger. Ansonsten bin ich allein. Auch am Hellevatnet, über den der Wind mit steigender Kraft aufkommenden Schneefall treibt. Oberhalb des Sees schlage ich mein Zelt auf und verkrieche mich rasch darin. Als ich im Dunkeln nochmals heraustrete, steht der fast volle Mond am Himmel. Umrahmt von Wolkenschlieren.

Sonntag, 28. Februar – Am Morgen Windstille. Doch weiterhin hängt eine dünne Wolkenschicht über der Landschaft, in der die Sonne nur einmal kurz hervorblinzelt. Ich folge dem Store Urevatnet, mit den drei kleinen Bergen nordwestlich des Svervenuten als Landmarke. Der Schnee ist hier etwas fester und ich komme besser voran. Ins nächste Tal taste ich mich hinab – die Steilheit wird mal wieder von flachem Licht geschluckt und ist erneut kaum zu erkennen. Unten angekommen, sehe ich entfernt drei Elche.

Montag, 01. März – Als ich mich aus dem Schlafsack schäle, herrschen -18,1 Grad im Zelt. Dafür ist der Himmel blau – Freudentanz. Rasch wird es in der Sonne warm und ich überquere den Gunleiksbuvatnet im Kvennedalen im Unterhemd. Kurz darauf geht es 200 Höhenmeter steil bergan. In weiten Serpentinen steige ich hinauf zu den Seen östlich des Kringlesjånuten. Der Schnee ist wieder einmal tief und das Vorankommen mühsam. Erst die zerklüftete Seen- und Flusspassage hinab zum Skardvatnet bringt Abwechslung in einige Kilometer Monotonie.

Dienstag, 02. März – Noch kälter als am Tag zuvor ist es am Morgen im Zelt. Doch früh erwärmen die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages meine Unterkunft. Der schroffere Westteil der Hardangervidda liegt nun für ein paar Tage hinter mir. Vor mir breitet sich der weitläufigere Ostteil aus, durch den ich in Richtung Lågaros weiterziehe. Erst spät entdecke ich die Hütten, an denen ich auf Norweger stoße, die mit Skidoos von Mårbu kommend einen Winterwanderweg markiert haben. Auf meiner weiteren Route fehlen die Wegweiser jedoch noch. Bei guter Sicht kein Problem –  auch ohne die in den Schnee gesteckten Bäumchen finde ich meinen Weg. Als ich Skjerhøl erreiche, steht die Sonne tief. Ich genieße das Licht bei zunehmender Kälte.

– Licht und Schatten auf der Hardangervidda –

Mittwoch, 03. März – Es dauert ein wenig, bis die Sonne den Morgennebel durchdringt und auflöst. Mit ihr kommt erneut die Wärme, die meinen Motor auf Touren bringt und mich am Melrakknutan entlang zum Geitvatnet stürmen lässt. Noch ist der Schnee fest, doch das ändert sich ab den Mittagsstunden und der weitere Weg durch das Geitvassdalen wird zunehmend anstrengender. Hinter den Ausläufern des Tjuvhyttnutan biege ich in nordwestlicher Richtung gen Rauhelleren ab und stecke in leicht ansteigendem Gelände nahezu fest. Im „Valley Of Deep White Shit“ – schnell ist ein Name für diese Passage gefunden. Doch auf die Peitsche folgt zur Abwechslung bald ein Zuckerbrot: Ich stoße auf den frisch markierten Winterweg, der von Mårbu nach Rauhelleren führt. Über die feste Skidoospur gelange ich schnell zu der Hütte, die zu meiner Überraschung nicht verschlossen ist. Wobei, offiziell wird die DNT-Hütte Rauhelleren erst in zwei Tagen eröffnet – Hüttenwirtin Mona Lægreid ist gerade noch dabei alles für die anstehende Wintersaison vorzubereiten. Eingeheizt ist schon und ich darf eine Nacht bleiben – eine willkommene Abwechslung zu den eisigen Zeltnächten. Spät geht an diesem Abend die Sonne hinter dem markanten Gipfel des Hårteigen unter, der weit entfernt hinter dem Langesjøen aufragt.

Donnerstag, 04. März – Ungern verlasse ich den heimeligen Aufenthaltsraum der Rauhelleren-Hütte, in dem ein knisterndes Kaminfeuer wohlige Wärme ausstrahlte. Doch ein neuer Sonnentag erleichtert den Aufbruch. Ich fühle mich frisch und laufe geschwind in drei Stunden bis Stigstuv, wo die Eingangstüre jedoch noch mit Holzbrettern verrammelt ist. Weiter ziehe ich durch das Stigstudalen, bis ich oberhalb der Bjoreidalshytta mal wieder mein Zelt aufschlage. Am Abend fällt die Temperatur rasch – schon bevor ich mich in den Schlafsack verkrieche, zeigt das Thermometer unter minus 20 Grad an. Frostig!

Freitag, 05. März – Am Morgen Ernüchterung: Wind, Schneefall und kaum Sicht. Nach dem Frühstück bleibe ich im Zelt liegen und warte ab – vielleicht bessert sich das Wetter im Laufe des Tages. Langsam wird es immer wärmer und das Zelt zur Tropfsteinhöhle. Die in der Nacht am Innenzelt gefrorene Atemluft taut auf und fällt in dicken Tropfen auf mich herab. Wind und Schneefall lassen allerdings erst spät nach – ein Aufbruch am heutigen Tag lohnt nicht mehr. Lieber gönne ich mir einige Ruhe und erfahre mal wieder, wie schnell ein ganzer Tag mit Nichtstun vergeht. Am Abend überspannt ein Sternenhimmel meinen Lagerplatz. So ungemein funkelnd, wie es nur der klare Nordlandhimmel ans Firmament zaubern kann.

Samstag, 06. März – Das schlechtes Wetter noch schlechter werden kann, sehe ich heute. Oder besser gesagt, ich sehe so gut wie nichts. Die Wolken liegen so dicht auf der Landschaft, dass sich der Übergang zwischen Himmel und Erde aufzulösen scheint und alles zu einem einzigen konturlosen Raum verschmilzt. White-Out erster Güte. Trotzdem laufe ich einige Kilometer weiter, hangel mich von Wegmarkierung zu Wegmarkierung – der ich jetzt folgen kann -, bis ich auf die Straße stoße, die von Haugastøl nach Eidfjord über die Hardangervidda führt. Die Dyranut Fjellstova ist noch verschlossen und ich warte im Windschatten des großen Gebäudes ab. Immer wieder kommen Räumfahrzeuge vorbei, um die Straße freizuhalten. Das nützt mir wenig – ich möchte bessere Sicht haben für den Weiterweg zur Kjeldebu. Doch sie kommt nicht. Also bleibe ich. Im Zelt neben der Dyranut Turisthytta. Die Straße nur einen Schneeballwurf entfernt.

Sonntag, 07. März – Noch immer mieses Wetter. Warm und feucht. Kein Schnee – eher Regen. Trotzdem ziehe ich weiter. Noch länger warten hat keinen Sinn. Bis ich schnellen Schrittes am Dyranutane und dem Søre Gjerenuten vorbei bin, hat die nasse Luft von außen und triefender Schweiß von innen meine Kleidung durchfeuchtet. Doch bevor es steiler in Richtung Kjeldebu hinab geht, hebt sich die Wolkendecke. Die Sicht wird besser, der Niederschlag ebbt ab. Als ich die Hütten erreiche, zeigen sich gar Flecken blauen Himmels. Ich genieße den Weg entlang des Langavatnet bis zum Finnsbergvatnet, auch wenn mir das stete auf und ab der markierten Route weiterhin den Schweiß in die Klamotten treibt, die am Abend eine gehörige Portion Feuchtigkeit inne haben. Egal, der Schlafsack lockt als Trockenraum. Spät kommt noch die Sonne. Und stärkerer Wind, der mich nach einem anstrengen Lauftag fix ins Zelt treibt.

– Ich liebe Norwegen …  –

Montag, 08. März – Eine windige Nacht und ein windiger Tag. Sonne am Morgen, später feuchter Schnee und dunkle Bewölkung. Über den Midnutvatnet laufe ich dem Hardangerjøkulen entgegen, unterhalb des Søre Kongsnuten vorbei und weiter zum Finsevatnet. Ich erreiche den See, auf dessen anderer Seite die Bahnlinie Oslo-Bergen verläuft. Böen wirbeln Schnee auf – wenig einladend erscheint mir die Winterwelt für ein letztes Zeltlager. Spontan laufe ich hinüber zur Finsehytta, der Unterkunft des DNT. Nach 11 Tagen empfängt mich dort ein Matratzenlager, in dem ein grünes Notausgangsschild in der Nacht den Raum erhellt – dafür ist es Windstill, kein Hauch rüttelt am Zelt, der Schlaf gut nach der Zeit in wilder Einsamkeit.

Dienstag, 09. März – Bis ich mit dem Nachtzug zurück nach Oslo fahre, ist noch Zeit. Nach einem üppigen Frühstück starte ich mit zwei weiteren Deutschländern, die in den letzten Tagen von Ustaoset hierher gewandert sind, zu einer Tagestour gen Hardangerjøkulen. An der Appelsinhytta machen wir eine erste Rast. Ein paar Flocken wirbeln umher, dann klart es wieder auf. Wir laufen hinüber zum Blåisen und stehen ganz dicht vor der zerfurchen Gletscherwelt. Näher am Søre Kongsnuten ist der Eisausläufer fest verschneit und wir steigen über ihn dem Plateau des Hardangerjøkulen ein Stück entgegen. Nicht weit, aber genug, um einen Eindruck des weitläufigen Gletschers zu gewinnen. Staunen ob der geschwungenen Sanftheit bis zum Horizont, inmitten derer entfernt ein Gipfel hervorragt. Über den Nordre Kongsnuten gelangen wir steil hinab wieder zurück zur Appelsinhytta und nach Finse. Ein schöner Tag am Ende einer Wintertour. Als Sonne und Tageslicht verschwunden sind und erneut Wind und Schneefall Platz gemacht haben, sitze ich in der Sauna des Hotels Finse 1222. Beklemmende Hitze treibt den Schweiß hervor – im Kopf noch immer die Gedanken an den Blick zum weißen Horizont.

> Bildergalerie Hardangervidda Wintertouren

Zurück aus Norwegen – ein erster Eindruck

– Im eisigen White-Out –

Seit gestern Abend bin ich aus Norwegen zurück, wo mir in 11 Tagen eine Überquerung der Hardangervidda, der größten Hochebene Nordeuropas, gelang. Ein bis dahin durchgängig kalter Winter, mit ständigen Minusgraden über mehr als drei Monate, führte dazu, dass sich der Schnee im Laufe der Zeit nicht so gut verdichtet hatte, wie es meist üblich ist. Daher war die weiße Pracht oft tief und nahezu grundlos – das Laufen mit Ski und Pulka-Schlitten häufig sehr anstrengend. „A good exercise“, bekam ich bei meinem Start in Haukeliseter noch aufmunternd hinterher gerufen …

So war es dann auch. Aber nicht nur ein gutes Training, sondern auch mal wieder ein tolles Wintererlebnis. Dabei zeigte sich das Wetter von allen Seiten: zuerst wolkig, warm und mit Schneefällen; dann sonnig, sternenklar und eisig kalt; zuletzt sichtlos, windig und schweißtreibend. Ich fand meinen Weg nach Finse, fast so, wie ich ihn mir vorher auf der Karte ausgeguckt hatte. Nur mit leichten Änderungen – dem Wetter, den Bedingungen und spontanen Eingebungen geschuldet.

Die Route:
Haukeliseter Fjellstue – Hellevatnet – Kvennedalen – Skardvatnet – Lågaros – Geitvassdalen – Rauhelleren – Stigstuv – Dyranut – Kjeldebu – Finnsbergvatnet – Finse

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Rund um Langenberg – Das Logbuch einer Tageswanderung


– Langenberger Rundweg –

Als ich gestern früh am Morgen vor die Haustüre trat, merkte ich sofort, dass es kein sehr kalter Tag werden würde. Tauwetter lag in der Luft. Mein Ziel war der Rundwanderweg um Langenberg – ganze 31 km lang. Doch ersteinmal musste ich ins Deilbachtal kommen – von meinem Zuhause die nächstgelegene Stelle, wo der Wanderweg vorbei führt. Natürlich auch zu Fuß … So ergab sich mit Hin- und Rückweg eine Gesamtstrecke von über 40 Kilometern.

Das Logbuch der Tageswanderung

07:12 – Die Haustüre fällt ins Schloss und ich mache mich auf den Weg. Schon nach 15 Minuten ist mir viel zu warm – im Nordpark lege ich den Windschutz ab und laufe nur mit der Fleecejacke weiter.

08:51 – Ich erreiche Schmahl am Schmalen im Deilbachtal und stoße auf den Langenberger Rundweg. Mittlerweile ist es hell und es fängt an zu schneien.

09:17 – Erste Pause in einer Schutzhütte am Höhenweg. Ich esse ein Schinkenbrot, eine Banane, trinke ein paar Schlucke des noch heißen Pfefferminztees und vertilge auch noch einen Kinderriegel. Der Schneefall hat schon wieder aufgehört.

09:43 – An einem Baum am Wegesrand hängt ein Schild mit Angaben zum Langenberger Rundweg. Demnach befinde ich mich am Standort „Sender“ und die Streckenlänge wird hier mit nur 28 km angegeben.

10:04 – Im Felderbachtal ist die Wegführung unklar. Wegzeichen weisen in verschiedene Richtungen. Entscheide mich für den Weg, den ich von früher schon kenne.

10:45 – Ich laufe in Velbert-Nierenhof ein und überquere drei Straßen und die Gleise an der Bahnstrecke Wuppertal-Essen. Die Sonne versucht durch die Wolkendecke zu brechen.

11:32 – Zweite Pause in einem Wald bei Huisgen. Sitze auf einer umgestürzten Birke und esse ein Salamibrot, Hobbits Kekse, trinke mehr Pfefferminztee und schließe erneut mit einem Kinderriegel ab.

12:06 – Es ist stark bewölkt, auf kahlen Flächen trifft mich kalter Wind und es beginnt wieder zu schneien.

12:13 – Gedankenverloren verpasse ich eine Wegabzweigung, bemerke es aber rasch. In leichtem Trab jogge ich die paar Meter zurück und steige hinauf zum Standortübungsplatz. Mittlerweile dichtes Schneetreiben.

12:48 – Nassgeschwitzt komme ich zur Hofschaft Rottberg und zur Rottberger Straße. Der Aufstieg vom Asbach war schweißtreibend.

13:48 – Dritte Pause in einer Schutzhütte auf dem Golfplatz hinter Knollenberg. Wieder finden ein Schinkenbrot, Hobbits Kekse, viel Pfefferminztee und ein Kinderriegel den Weg in meinen Magen.

14:48 – Über eine Weide komme ich zur Hofschaft Krüdenscheid. Einige Gänse laufen dort durch Schneereste – die Pferde verstecken sich in Ställen.

15:33 – Kurz vor Windrath bekomme ich Schluckauf. Er begleitet mich ein Stück des Weges und lässt mich dann wieder allein.

16:23 – Zurück bei Schmahl am Schmalen – Der Langenberger Rundweg ist beendet. Jetzt nur noch zurück nach Hause.

16:32 – Vierte Pause auf einer Bank am Weg. Ich kippe den Rest des Pfefferminztees hinunter und verschlinge eine Packung Mini-Kaminwurzen. Dann gibt es noch das letzte Salamibrot, weitere Hobbits Kekse, Früchtetee aus der zweiten Thermoskanne und den obligatorischen Kinderriegel.

17:32 – Mal wieder setzt heftiger Schneefall ein. Dicke Flocken paaren sich mit der anbrechenden Dunkelheit und lassen die Lichter am Stadtrand erblassen.

18:14 – Ich bin zurück!

Nach 11 Stunden war die Tageswanderung Geschichte. Neben der Streckenlänge haben vor allem die zusätzlichen 1.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg ganz schön viele Kräfte verschlissen. Einige Energie versackte dabei spurlos im nassen Schnee. Doch die Zeit zwischen Haustüre und Haustüre war schön. Ausgefüllt von Morgengrauen bis Abenddämmerung.

> Bildergalerie Dies und Das

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