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Durch den Schnee

– Rund um Gennebreck –

3,5 Stunden bin ich heute auf dem Rundweg um Gennebreck durch tiefen Schnee gestapft und durch eine Winterwunderwelt gewandert. Bei Temperaturen um die Null Grad wurde mir dabei aber gar nicht kalt – im Gegenteil: Ich musste die Handschuhe ausziehen, mich der Windjacke entledigen und die Belüftungsreißverschlüsse an meiner Hose öffnen. Und trotzdem fing ich noch an zu schwitzen.

Ich lief von Zuhause erstmal zum Hilgenpütt, wo ich auf die knapp 10 Kilometer lange Runde stieß. Anstrengend war vor allem die Überquerung des Hackenberges – dort gab es keinerlei Spuren, und es führte kein Weg daran vorbei, mir selbst einen Pfad durch die weiße Pracht zu bahnen. An manchen Stellen waren Bäume unter der schweren Schneelast zusammengebrochen. Äste hingen mit dicken weißen Troddeln tief herab.

Von mir aus kann es gerne weiter schneien, damit noch mehr Schnee auf den Höhenzügen um Wuppertal hinzukommt und man selbst hier bald mal wieder Skilaufen kann.

Rund um Schwelm – Eine erste Winterwanderung

– Rund um Schwelm –

Seit die ersten Schneeflocken gefallen sind, lockte mich das Winterwetter. Gestern habe ich schließlich die erste Wanderung des neuen Winters unternommen. Der Rundweg um Schwelm war dafür genau richtig: Mit seinen knapp 22 Kilometern Länge ist er für eine kleine Tagestour bestens geeignet. Mit der S-Bahn fuhr ich bis Schwelm-West, wo die Runde direkt am Bahnhof vorbeiläuft, die ich dann im Uhrzeigersinn gewandert bin.

Über Heide, den Lindenberg und durch den Schiefelbusch zum Schloss Martfeld. Von dort durch den Martfelder Wald, am kleinen Friedhof am Kühlchen vorbei bis zur Hofschaft Dürholt. Weiter durch Feld und Wald zur Beyenburger Straße und hinab zum Bach Fastenbecke. Dem Wasserlauf entlang, bevor es über den Ehrenberg zum Waldgebiet Oehde und dem Bach Wolfbecke ging, dem ich von seiner Quelle ein Stück folgte, um zu guter Letzt über den Steinhauser Berg zurück nach Schwelm und dem Ausganspunkt zu gelangen.

Es war schön, durch den Schnee zu laufen und die Kälte zu spüren, die auf den windigen Höhen ganz schön garstig war. Trotzdem machte ich zwei „gemütliche“ Pausen, trank wärmenden Pfefferminztee aus der Thermoskanne und war nach 4,5 Stunden zurück am Bahnhof Schwelm-West. Dort fuhr mir die S-Bahn vor der Nase weg, und ich musste 40 Minuten auf die nächste warten. Hätte ich den Fahrplan im Kopf gehabt, wäre ich auf dem gefrorenen Grund wohl etwas schneller gelaufen.

Selma, der Kreißsaal und 49 Zentimeter

– Selma, Tag 1 –

Es geschah am vergangenen Montag. Den 28. Juni 2010. Nach 40 Wochen und 5 Tagen gemütlicher Entwicklungszeit erblickte Selma in der Wuppertaler Landesfrauenklinik um 23:50 Uhr das Licht des Kreißsaal 6. Nun, wie aus dem Ei gepellt, war sie nicht. Eher so, wie bestimmt alle aussehen, die aufbrechen in ihr Leben. Erschöpft von der Geburt und voller Erwartung. Ein Moment für die Ewigkeit.

– Selma, Tag 1 –

Die Waage schlug bei 3090 Gramm aus und es wurde eine Größe von 52 Zentimetern gemessen. Genug für den Anfang. So ging es auf Zimmer 202. Mit Übelkeit – wohl zuviel Fruchtwasser geschluckt. Als später der Hunger kam, kamen auch die Schreie. Kaum zu glauben, wie viel Kraft in einem so kleinen Wesen steckt.

– Selma, Tag 2 –

Apropos klein: Als wir heute zur U2, der zweiten Untersuchung, beim Kinderarzt waren, wurde bei Selma nur noch eine Größe von 49 cm bestimmt. Mmh … Naja, in den ersten Tagen kommt wohl alles nicht so genau … Schließlich dreht sich das Leben im Moment nur um drei Dinge: Schlafen, Essen und Windeln füllen.

Na dann mal los!

Rund um Ennepetal – 54 Kilometer in 12 Stunden

– Durst –

Es war warm. Ein Sommertag im Frühling. Genau richtig, um eine lange Tageswanderung zu unternehmen … Oder etwa nicht? Früh brach ich gestern Morgen auf und fuhr mit der S-Bahn nach Schwelm. Mein Ziel für den Tag war mal wieder der Rundweg um Ennepetal, den ich zuvor schon 9x an einem Stück gelaufen bin. Über die Jahre ist der Weg zu meiner Hausstrecke geworden. Ich habe alle Passagen gut im Kopf, kenne die Auf- und Abstiege wie meine Westentasche. Doch weil der Weg so schön ist, in seinem Verlauf selten Straßen und Häuser tangiert, vielmehr die meiste Zeit durch Wälder, über Felder und an Talsperren entlang führt, laufe ich ihn immer wieder gerne. Dabei ist die Strecke anspruchsvoll. Zu den 54 Kilometern Länge gesellen sich noch 1800 Höhenmeter hinzu, die hinauf und wieder hinunter bewältigt werden wollen. Vor einigen Jahren wollte ich es mal wissen – sehen, was geht. Da bin ich den Rundweg nicht nur zügig abgewandert, sondern an manchen Stellen gar gelaufen. 7 Stunden und 55 Minuten betrug die Zeit nach dem Kraftakt. Diesmal wollte ich es gemütlicher angehen und die Runde möglichst locker hinter mich bringen. Die Zeit sollte nicht im Vordergrund stehen, nur ein langer Tag in der Natur. Ich rechnete mit 12 Stunden.

Um 7:55 Uhr startete ich am Schloss Martfeld in Schwelm. Über die Höhen zog am Morgen noch ein frisches Lüftchen, das mich leichten Schrittes zum Bahnhof Ennepetal führte und dahinter in die Wälder eintauchen ließ. Doch im Laufe des Vormittages wurde es schnell wärmer. Bald stand die Luft zwischen den Bäumen, die Sonne heizte mir auf staubigen Feldwegen ein und der Schweiß rann munter an mir hinab. Ich hatte 3 Liter Wasser im Rucksack und in jeder Pause die Angst, ich würde zu große Schlucke nehmen und das kostbare Gut zu früh komplett in mich hineinkippen. An der Hasper Talsperre war daher die Versuchung groß, aus einem Hahn am Wegesrand zu trinken, der munter vor sich hin plätscherte. Doch die Warnung „Kein Trinkwasser“ ließ mich im letzten Moment doch noch davon Abstand nehmen und mit zunehmend verstärkt am Gaumen klebender Zunge weiterziehen.

– Rast –

Irgendwo im Dunstkreis der Breckerfelder Straße, die ich oberhalb der Talsperre überquerte, lag wohl die Hälfte des Weges hinter mir. Mittlerweile zwickte es am rechten Fuß – eine Blase an der Ferse war im Anmarsch, die mir als neugewonnener Kompagnon auf dieser Wanderrunde noch einige Freude bereiten sollte. Noch trübte sich meine von der sommerlichen Wärme aufgeheizte Stimmung aber nicht allzu sehr und ich lief über Peddenöde, Burg und an Filde vorbei weiter zur Heilenbecker Talsperre. Darüber vergingen die Stunden, doch weitere Kilometer blieben. Langsam wurde es doch noch zu einer zähen Angelegenheit und der Glaube an eine lockere Runde schwand mehr und mehr. Entlang der Spreeler Mühle stieg ich ab zur Wupper und zum Beyenburger Stausee. Viele Kanuten tummelten sich auf dem Wasser, doch ich hatte kaum mehr einen Blick für sie. Nur noch das Ziel vor Augen, nahm ich die letzte Hürde in Angriff. Die Schwelmer Höhe galt es noch zu überwinden, bevor ich um 19:52 Uhr wieder am Schloss Martfeld eintrudelte.

Knapp 12 Stunden hatte ich gebraucht, so wie am Morgen anvisiert, doch es kostete mich mehr Anstrengung, als erwartet. Muss an dem warmen Wetter gelegen haben, für das es wohl eine große Freude war, mich auszulaugen. Und weil eine kleine Blase kaum der Erzählung wert ist, entstand am Ende des Tages noch eine zweite unter dem linken Ballen. So nahmen beide Füße etwas mit nach Hause, worauf ich selber gut hätte verzichten können.

Hardangervidda – Das Tagebuch einer Wintertour

– Im eisigen White-Out –

In 11 Tagen gelang mir eine Überquerung der Hardangervidda – der größten Hochebene Nordeuropas. Von Haukeliseter im Süden bis nach Finse im Norden. Dabei zeigte sich das Wetter von allen Seiten, während ich ganz allein meinen Pulka-Schlitten 150 Kilometer durch die weiße Weite zog. „A good exercise“, bekam ich bei meinem Start in Haukeliseter aufmunternd hinterher gerufen, war der Schnee in diesem Winter doch oft tief und das Laufen häufig sehr anstrengend …

Das Tagebuch der Wintertour

Freitag, 26. Februar – Um kurz nach 10 breche ich auf in Haukeliseter. Laufe erst ein flaches Stück über den Ståvatn, bevor ich die Straße E134 quere und rauf in die Berge steige. Es ist steil und warm. Gen Vesle Nup kommt mir eine Dreiergruppe entgegen. Ihre Abfahrtsspur ist mir zum Aufstieg zu steil – ich mache weite Bögen und schwitze dennoch bei leichten Plusgraden am ganzen Körper. Wolken verschlingen zunehmend die Gipfel, als ich auf der anderen Seite hinab ins Bordalen ziehe. Bei zunehmend schlechter Sicht ist die Steilheit des Geländes kaum mehr einzuschätzen. Als es wieder bergauf geht, finden die Ski an einem steilen Hang im lockeren Schnee keinen Halt mehr – der Pulka-Schlitten zerrt mich zurück. Schritt für Schritt wühle ich mich mit allerletzter Kraft weiter. Am Årmotvatni ist nach 7 Stunden Schluss. Ich bin platt.

Samstag, 27. Februar – Durch das Tal der Bora ziehe ich meine Spuren durch tiefen Schnee. Die Sicht ist mäßig – ringsum nur eine konturlose Schneelandschaft. Ich begegne zwei Norwegerinnen und einem einzelnen Norweger. Ansonsten bin ich allein. Auch am Hellevatnet, über den der Wind mit steigender Kraft aufkommenden Schneefall treibt. Oberhalb des Sees schlage ich mein Zelt auf und verkrieche mich rasch darin. Als ich im Dunkeln nochmals heraustrete, steht umrahmt von Wolkenschlieren der fast volle Mond am Himmel.

Sonntag, 28. Februar – Am Morgen Windstille. Hartnäckig hält sich eine dünne Wolkenschicht, durch die die Sonne nur einmal kurz hervorblinzelt. Ich folge dem Store Urevatnet, mit den drei kleinen Bergen nordwestlich des Svervenuten als Landmarke. Der Schnee ist hier etwas fester und ich komme besser voran. Ins nächste Tal taste ich mich hinab – die Steilheit wird mal wieder von flachem Licht geschluckt und ist erneut kaum auszumachen. Unten angekommen, sehe ich entfernt drei Elche.

Montag, 01. März – Als ich mich aus dem Schlafsack schäle, herrschen minus 18,1 Grad im Zelt. Dafür ist der Himmel blau – Freudentanz. Rasch wird es in der Sonne warm und ich überquere den Gunleiksbuvatnet im Kvennedalen im Unterhemd. Kurz danach geht es 200 Höhenmeter steil bergan. In weiten Serpentinen steige ich hinauf zu den Seen östlich des Kringlesjånuten. Der Schnee ist wieder einmal tief und das Vorankommen mühsam. Erst die zerklüftete Seen- und Flusspassage hinab zum Skardvatnet bringt Abwechslung in einige Kilometer Monotonie.

Dienstag, 02. März – Noch kälter als am Tag zuvor ist es am Morgen im Zelt. Doch früh erwärmen die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages meine Unterkunft. Der schroffere Westteil der Hardangervidda liegt nun für ein paar Tage hinter mir. Vor mir breitet sich der weitläufigere Ostteil aus, durch den ich in Richtung Lågaros weiterziehe. Erst spät entdecke ich die Hütten, an denen ich auf ein paar Norweger stoße, die mit Skidoos von Mårbu kommend einen Winterwanderweg markiert haben. Auf meiner weiteren Route fehlen die Wegweiser jedoch immer noch. Bei guter Sicht kein Problem –  auch ohne die in den Schnee gesteckten Bäumchen finde ich meinen Weg. Als ich Skjerhøl erreiche, steht die Sonne tief. Ich genieße das warme Licht bei zunehmender Kälte.

– Licht und Schatten auf der Hardangervidda –

Mittwoch, 03. März – Es dauert ein wenig, bis die Sonne den Morgennebel durchdringt und auflöst. Doch dann kommt erneut die Wärme, die meinen Motor auf Touren bringt und mich am Melrakknutan entlang zum Geitvatnet stürmen lässt. Noch ist der Schnee fest, aber das ändert sich ab den Mittagsstunden und der weitere Weg durch das Geitvassdalen wird zunehmend anstrengender. Hinter den Ausläufern des Tjuvhyttnutan biege ich in nordwestlicher Richtung gen Rauhelleren ab und stecke in leicht ansteigendem Gelände nahezu fest. Schnell ist ein Name für diese Passage gefunden und ich taufe sie „Valley Of Deep White Shit“. Zur Abwechslung folgt auf die Peitsche allerdings bald ein Zuckerbrot: ich stoße auf den frisch markierten Winterweg, der von Mårbu nach Rauhelleren führt. Über die feste Skidoospur gelange ich schnell zu der Hütte, die zu meiner Überraschung nicht verschlossen ist. Wobei, offiziell wird die DNT-Hütte Rauhelleren erst in zwei Tagen eröffnet – Hüttenwirtin Mona Lægreid ist gerade noch dabei, alles für die anstehende Wintersaison vorzubereiten. Eingeheizt hat sie jedoch bereits und ich darf eine Nacht bleiben – eine willkommene Abwechslung zu den eisigen Zeltnächten. Spät geht an diesem Abend die Sonne hinter dem markanten Gipfel des Hårteigen unter, der weit entfernt hinter dem Langesjøen aufragt.

Donnerstag, 04. März – Ungern verlasse ich den heimeligen Aufenthaltsraum der Rauhelleren-Hütte, in dem ein knisterndes Kaminfeuer wohlige Wärme ausstrahlte. Doch ein neuer Sonnentag erleichtert den Aufbruch. Ich fühle mich frisch und laufe geschwind in drei Stunden bis Stigstuv, wo die Eingangstüre jedoch noch mit Holzbrettern verrammelt ist. Weiter ziehe ich durch das Stigstudalen, bis ich oberhalb der Bjoreidalshytta mal wieder mein Zelt aufschlage. Am Abend fällt die Temperatur rasch – schon bevor ich mich in den Schlafsack verkrieche, zeigt das Thermometer unter minus 20 Grad an. Frostig!

Freitag, 05. März – Am Morgen Ernüchterung: Wind, Schneefall und kaum Sicht. Nach dem Frühstück bleibe ich im Zelt liegen und warte ab – vielleicht bessert sich das Wetter im Laufe des Tages. Langsam wird es immer wärmer und das Zelt zur Tropfsteinhöhle. Die in der Nacht am Innenzelt gefrorene Atemluft taut auf und fällt in dicken Tropfen auf mich herab. Wind und Schneefall lassen allerdings erst spät nach – ein Aufbruch am heutigen Tag lohnt nicht mehr. Lieber gönne ich mir einige Ruhe und erfahre mal wieder, wie schnell ein ganzer Tag mit Nichtstun vergeht. Am Abend überspannt ein Sternenhimmel meinen Lagerplatz. So ungemein funkelnd, wie es nur der klare Nordlandhimmel ans Firmament zaubern kann.

Samstag, 06. März – Das schlechtes Wetter noch schlechter werden kann, sehe ich heute. Oder besser gesagt: ich sehe so gut wie nichts. Die Wolken liegen so dicht auf der Landschaft, dass sich der Übergang zwischen Himmel und Erde aufzulösen scheint und alles zu einem einzigen Raum ohne jegliche Kontur verschmilzt. Ein White-Out erster Güte. Trotzdem laufe ich einige Kilometer weiter, hangel mich von Wegmarkierung zu Wegmarkierung – der ich jetzt auch hier folgen kann -, bis ich auf die Straße stoße, die von Haugastøl nach Eidfjord über die Hardangervidda führt. Die Dyranut Fjellstova ist noch verschlossen und ich warte im Windschatten des großen Gebäudes ab. Immer wieder kommen Räumfahrzeuge vorbei, um die Straße freizuhalten. Das nützt mir nur wenig – ich brauche bessere Sicht für den Weiterweg zur Kjeldebu. Doch daraus wird nichts. Also bleibe ich vorerst im Zelt neben der Dyranut Turisthytta. Die Straße nur einen Schneeballwurf entfernt.

Sonntag, 07. März – Noch immer mieses Wetter. Warm und feucht. Kein Schnee, eher Regen. Trotzdem ziehe ich weiter. Noch länger warten, hat keinen Sinn. Bis ich schnellen Schrittes am Dyranutane und dem Søre Gjerenuten vorbei bin, hat die nasse Luft von außen und triefender Schweiß von innen meine Kleidung durchfeuchtet. Doch bevor es steiler in Richtung Kjeldebu hinab geht, hebt sich die Wolkendecke. Die Sicht wird besser, der Niederschlag ebbt ab. Als ich die Hütten erreiche, zeigen sich gar Flecken blauen Himmels. Ich genieße den Weg entlang des Langavatnet bis zum Finnsbergvatnet, auch wenn mir das hügelige Terrain weiterhin den Schweiß in die Klamotten treibt, die am Abend eine gehörige Portion Feuchtigkeit innehaben. Egal, der Schlafsack lockt als Trockenraum. Spät kommt noch die Sonne. Und stärkerer Wind, der mich nach einem anstrengen Lauftag fix ins Zelt treibt.

– Der Hardangerjøkulen –

Montag, 08. März – Eine windige Nacht und ein windiger Tag. Sonne am Morgen, später feuchter Schnee und dunkle Bewölkung. Über den Midnutvatnet laufe ich dem Hardangerjøkulen entgegen, unterhalb des Søre Kongsnuten vorbei und weiter zum Finsevatnet. Ich erreiche den See, auf dessen anderer Seite die Bahnlinie Oslo-Bergen verläuft. Böen wirbeln Schnee auf – wenig einladend erscheint mir die Winterwelt für ein letztes Zeltlager. Spontan laufe ich hinüber zur Finsehytta, der Unterkunft des DNT. Nach 11 Tagen empfängt mich dort ein Matratzenlager, in dem ein leuchtendes Notausgangsschild in der Nacht den Raum erhellt. Dafür ist es Windstill und kein noch so geringer Hauch rüttelt am Zelt. Nach der Zeit in wilder Einsamkeit ist der Schlaf ruhig und erholsam.

Dienstag, 09. März – Bis ich mit dem Nachtzug zurück nach Oslo fahre, ist noch Zeit. Daher starte ich nach einem üppigen Frühstück mit zwei Deutschen, die in den letzten Tagen von Ustaoset hierher gewandert sind, zu einer Tagestour gen Hardangerjøkulen. An der Appelsinhytta machen wir eine erste Rast. Ein paar Flocken wirbeln umher, dann klart es wieder auf. Wir laufen hinüber zum Blåisen und stehen ganz dicht vor der zerfurchen Gletscherwelt. Näher am Søre Kongsnuten ist der Eisausläufer fest verschneit und wir steigen über ihn dem Plateau des Hardangerjøkulen ein Stück entgegen. Nicht weit, aber genug, um einen Eindruck des weitläufigen Gletschers zu gewinnen. Staunen ob der geschwungenen Sanftheit bis zum Horizont. Über den Nordre Kongsnuten gelangen wir steil hinab wieder zurück zur Appelsinhytta und retour nach Finse. Als Sonne und Tageslicht verschwunden sind und erneut Wind und Schneefall Platz gemacht haben, sitze ich in der Sauna des Hotels Finse 1222. Trotz beklemmender Hitze ist die weiße Weite in meinen Gedanken noch immer allgegenwärtig.

Die Route:
Haukeliseter Fjellstue – Hellevatnet – Kvennedalen – Skardvatnet – Lågaros – Geitvassdalen – Rauhelleren – Stigstuv – Dyranut – Kjeldebu – Finnsbergvatnet – Finse

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