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Flotter Dreier auf den Schafsinseln

– Hungry –

Yippie! Morgen geht es los. Ganz früh werden wir aufbrechen. Zu dritt zu unserer dritten großen Familienreise. Nina, Selma und ich. Waren wir vor zwei Jahren fünf Wochen in Norwegen unterwegs und im letzten Jahr vier Wochen in Schweden und Norwegen, steht uns jetzt ein noch spannenderes Abenteuer bevor. Uns locken die Färöer, die Schafsinseln. Bei weitem übersteigt die Anzahl der wollenen Tiere dort die beschauliche Menge menschlicher Einwohner. Mehr als das interessiert uns allerdings die raue Natur, die spektakulär aus dem Meer aufragenden Eilande mit ihren steilen Klippen, in denen Vögel hausen wie der putzige Papageitaucher. Aber wenn wir nur schon dort wären …

Uns erwartet eine 30-stündige Fährfahrt über den Nordatlantik, der nicht gerade für seine spiegelnde Glätte bekannt ist. Schon allein bei der Vorstellung all der Wellenberge, die es sicherlich zu passieren gilt, dreht sich mir der Magen um. Ob die Vorbestellung einiger Mahlzeiten da überhaupt Sinn gemacht hat, wird sich zeigen. Doch wenn wir einmal dort sind, uns der Nationalfeiertag begrüßt, kann es nur noch fantastisch werden. Oder neblig. Die dicke Suppe fällt angeblich schneller über einen her, als einem lieb sein kann. Dafür ist es dort nicht so heiß wie hier. Wenn es zweistellig wird, sind die Temperaturen schon gut.

4,5 Wochen werden wir unterwegs sein. Auf den Färöern möchten wir so viele Inseln wie möglich erkunden. Mit dem Auto, aber vor allem auch zu Fuß. Selma läuft schon viel selbst. Und wenn nicht, kommt sie wie eh und je in die Kindertrage. Einige Ziele haben wir uns bereits rausgesucht – auf Streymoy, Vágar, Eysturoy und den Inseln im Nordosten. Und natürlich Mykines, diesem Vorposten im äußersten Westen, dem wir mit Boot oder Helikopter auch gerne einen Besuch abstatten würden. Ach ja, die Inseln im Süden, wie Suđuroy, sollen auch ganz schön sein … Langweilig wird uns sicherlich nicht. Und sollte das Wetter mal richtig schlecht werden, verkriechen wir uns einfach im Zelt – darin sind wir geübt.

Die letzten Tage waren schon stressig. Die kommenden Stunden sind es noch. So viel ist immer zu regeln und zu erledigen vor einer langen Reise. Und zu packen. Von der Windel über den Gas-Kocher bis zur kompletten Fotoausrüstung. Zwar ist es unser Urlaub, aber für mich auch ein weiterer Teil meines aktuellen Fotografieprojekts „Mein Norden“. Also nehmen wir all das mit, was nötig ist. Und ein bisschen mehr.

Wir sind gespannt, was uns erwarten wird. Und sind offen für alles, was kommt.

Island Winter-Durchquerung – Die Bilder

– Island Winter-Durchquerung – Die Bilder  –

Bereits im April hatte ich sofort nach unserer Rückkehr von Island davon erzählt, wie es uns gelang, eine offene Rechnung zu begleichen. Am Ende der abenteuerlichen Tour über die Insel aus Feuer und Eis konnten wir ausrufen: Mission Accomplished! Ich berichtete von dem Nordlicht in Reykjavík, unserem Ausgangspunkt, der Öxnadalsheiđi und dem Kaldbaksdalur, und davon, dass uns der isländische Wettergott – entgegen all unserer Furcht vor den Naturgewalten – wohlgesinnt war. Der Sprengisandur inmitten des Hochlandes und den fantastischen Ausblicken auf Hofs- und Tungnafellsjökull. Davon, als sich der Panzer des Vatnajökull vor uns ausbreitete und wir in der Gegend des Vonarskarđ, des Passes der Hoffnung, über den Köldukvíslarjökull auf diese ausgedehnte Fläche ewigen Eises steigen konnten. Schließlich von seinem südöstlichen Ende, dem Skálafellsjökull, über den wir wieder hinabglitten in tiefere Lagen, der Küste und dem Meer entgegen. Doch die Ringstraße erreichten wir erst durch einen kasteienden Akt – auf zunehmend schneeloser Piste buckelten wir all unser Gepäck die letzten Kilometer vom Eisrand bis zum Zielstrich.

„Stürme blieben aus. Kein White-Out verhüllte die Landschaft. Die Minusgrade waren mäßig. Oft schien die Sonne vom stahlblauen Himmel. Und es regnete nie. Es wurde fast eine reine Genusstour, wenn nicht ein paar Nickligkeiten doch auf unserem Weg gelegen hätten und der Unternehmung die nötige Würze verliehen.“

Nach der großartigen Reise dauerte es eine ganze Weile, bis ich alle Bilder fertig bearbeitet hatte. Aber jetzt gibt es sie endlich zu sehen – die komplette Serie der Winter-Durchquerung Islands. Auf Flickr. Viel Freude damit!

Fotografisches:
Die Expedition durch das Hochland und über den Vatnajökull habe ich mit der Fujifilm X-Pro1 fotografiert. Alle Aufnahmen sind das Ergebnis eines RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film. Für den Analoglook sorgte bei dieser Serie der Fuji Superia 100.

> Bildergalerie Island Winter-Durchquerung 2013

Skye Trail – Die Bilder

– Eine Wanderung über den Skye Trail in Schottland – Die Bilder –

Darüber, dass es auf meiner Wanderung über den Skye Trail Katzen und Hunde regnete, hatte ich bereits im Mai berichtet. Ich erzählte von meinem Weg über die Insel – von Broadford im Süden bis rauf nach Rubha Hunish, der Nordspitze. Von immer wiederkehrenden Regengüssen, stürmischen Winden und schmatzend feuchtem Boden. Aber auch von den Ruinen von Boreraig und Suishnish, Torrin und Elgol, dem Cliffpath, den Gipfeln des Sgurr na Stri und des Ben Tianavaig, von den Cuillins und dem vielbesuchten Ausflugsziel, dem Loch Coruisk. Zudem Sligachan und The Braes, einem auf und ab über Berge, dem Old Man Of Storr und seinem Nachbar, dem Needle Rock. Schließlich der Trotternish Ridge, dem offenen Meer, Staffin, Quiraing und The Lookout am Ende. Ich war angekommen dort oben.

„Verdreckt und oft patschnass. Aber was soll’s? Ab und an hatte auf meiner Wanderung dann doch die Sonne die Wolkendecke für Momente durchbrochen, munterte mich immer wieder auf und bot fast das, was ich mir zuvor erträumt hatte …“

Nach der Reise dauerte es eine Weile, bis ich alle Bilder fertig bearbeitet hatte. Aber jetzt gibt es sie zu sehen – die komplette Serie meiner Tour auf der schottischen Isle of Skye. Auf Flickr. Schaut mal rein!

Fotografisches:
Die Wanderung über den Skye Trail habe ich mit der Fujifilm X-Pro1 und der X100S fotografiert. Alle Fotos sind das Resultat eines RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film. Für den Analoglook sorgte bei dieser Serie der Fuji Superia 400 -.

Zu zweien der Bilder hatte ich kürzlich bereits die Entstehungsgeschichten und Hintergründe erläutert. Die alte Brücke von Sligachan und The Old Man Of Storr.

> Bildergalerie Skye Trail 2013

The Old Man Of Storr

– The Old Man Of Storr –

Nachdem ich der alten Brücke von Sligachan den Rücken gekehrt hatte, lief ich über den Skye Trail weiter nach Portree. Das nächste fotografische Highlight sollte der Old Man Of Storr sein, diese weithin sichtbare Felsnadel, rund 50 Meter hoch und durch Erdrutsche entstanden. Wieder so ein „Hotspot“ – von Touristen heimgesucht wie kaum ein anderer Fleck auf der Isle of Skye und der Halbinsel Trotternish. Und auch so ein Postkartenmotiv, das an jeder Ecke auftaucht. Egal ob Buchshop, Outdoorladen oder Tankstelle. Der Blick über den Alten Mann und den danebenliegenden Needle Rock, mit den Storr Lochs im Hintergrund, ist ein Klassiker. Dieses Bild hatte ich ebenfalls im Kopf und auf meiner Liste der Must-Haves. Obwohl man es unweigerlich allerorts sieht, wollte ich es trotzdem im Kasten haben. Vielleicht auch gerade deshalb – denn ohne geht Skye einfach nicht. Und da der Old Man Of Storr sowieso direkt an der Wanderstrecke liegt, sollte auch kein großer Aufwand nötig sein …

Also machte ich mich von Portree über die Küstenvariante des Trails auf zu den Felsen. Vom Parkplatz an der Staffin-Road geht es schließlich das letzte Stück durch den mittlerweile abgeholzten „Storr-Wald“ auf gut ausgebautem Pfad  hinauf in die zerklüftete Bergwelt. Neben den vielen Tagesausflüglern, die teils in Schlappen den matschigen, steinigen Weg in Angriff nahmen, schleppte ich als einziger einen großen vollbepackten Rucksack. Ich wollte direkt am Ort des Geschehens zelten. Während des Aufstiegs goss es mal wieder in Strömen. Langsam stieg ich daher empor, um unter der Regenjacke nicht zu sehr zu schwitzen. Angekommen in der bizarren Felsenlandschaft machte ich mich gleich auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Bäche fand ich keine, nur einen kleinen See, der mir Trinkwasser spenden musste. Allerdings ist die Gegend fast ausnahmslos buckelig. Und an den wenigen, einigermaßen flachen Stellen, triefte der Boden vor Nässe. Ich lief hin und her, prüfte und verwarf. Dann erst fand ich doch noch eine gute Ecke. Gerade groß genug für mein winziges Zelt. Nicht absolut eben, aber dafür schön trocken und durch einen dicken Felsbrocken vor Wind geschützt. Direkt darüber ragte der Old Man Of Storr in den Himmel. Würde er umkippen, sähe es nicht gut für mich aus. Was soll’s? Ich dachte mir, der steht schon so lange so da, da wird er auch noch etwas länger so stehenbleiben. Der Regen hörte wieder auf, Wolken zogen durch, verhüllten die Berge. Am Abend drehte ich dann noch eine kleine Runde, machte erste Bilder und genoss den friedlichen Ort, nachdem gegen 20 Uhr endlich Ruhe einkehrte und ich allein zurückblieb, alle anderen wieder abstiegen zu ihren Autos. Ich blickte hinaus aufs Meer, lauschte der Stille, blökenden Schafen und Vogelgezwitscher.

Ich hoffte auf Morgensonne. Doch die kam nicht. Dafür früh die ersten Leute aus dem Tal herauf. Ich wartete ab, frühstückte erstmal. Was tun? Der Weiterweg über die Trotternish Ridge schien wenig sinnvoll. Zu mies das Wetter, oder? Um 11 Uhr fiel eine Entscheidung – für ein paar Stunden ging von da an die Welt unter. Es fing an zu regnen und zu stürmen. Unaufhörlich. Ich saß fest. Mein Zelt wurde durchgerüttelt und es prasselte darauf ein. Langsam vergingen die Stunden – mit Musik, Tee, Keksen. Erst als sich am späten Nachmittag das Wetter beruhigte, machte ich mich fertig und auf den Weg. Holte neues Wasser am See und drehte wieder eine Runde um die Felsen. Ich stieg rauf zum Fuß des Alten Mannes, ließ eine Graupelschauer über mich ergehen und lief noch weiter hoch zu einem kleinen Aussichtshügel, von dem man diesen Blick hat über den Old Man Of Storr und den Needle Rock. Sogar die Sonne lugte am Abend noch hervor, nur kommt sie da aus der falschen Richtung. Der frühe Vogel fängt den Wurm, ist das Gebot des Ortes, um die gewünschten Aufnahmen zu bekommen. Nicht das letzte Licht – dennoch konnte ich mich kaum losreißen. Ich sog alles in mich auf. Es wurde spät. Und kalt. Mit klammen Händen und steifen Fingern drückte ich trotzallem immer wieder auf den Auslöser. Nutzte jede Gelegenheit, die sich mir bot.

Tja, so ging ein Tag dahin, ohne dass ich auf dem Skye Trail vorangekommen wäre. Noch an dieser Stelle die gewünschten Bilder hätte machen können. Nun blieb mir als letzte Chance der folgende Morgen – danach würde es heißen: Weiterziehen! Ob mit oder ohne Traumbild in der Tasche …

In der Nacht stürmte es. Und schneite. In der Früh war es etwas Weiß ums Zelt. Aber als die Sonne immer mal wieder zum Vorschein kam, wollte ich nichts verpassen. Rein in die Klamotten und geschwind los mit den Kameras. Rauf zu den guten Stellen, mit Blick über die Felsen und hinaus über den Loch Leathan und den Sound Of Raasay. Graupel- und Schneeschauern zogen mal wieder über mich hinweg. Dazu ein Wind, der es mir erschwerte, stillzustehen und die Kamera ruhig zu halten. Abwechselnd machte ich Fotos mal mit der Fujifilm X-Pro1 und dann der X100S. In der großen Hoffnung, dass irgendetwas Gutes dabei sein würde. Ich wechselte nochmal den Standort, wollte nichts ungenutzt lassen. Wartete. Auf gutes Licht. Diesen Strahl Sonne, der die vor mir liegende Landschaft genau im richtigen Winkel beleuchtet. Aber so richtig kam er nicht – irgendwas lag immer recht trostlos im Schatten. Als ich sah, wie die ersten Ausflügler wieder heraufkamen zum Old Man Of Storr und diesen bald umlagerten, machte ich mich auf den Rückweg zum Zelt. Ich hatte alles versucht, hatte viel Zeit an diesem faszinierenden Ort verbracht. Und was ich nun im Kasten hatte, war Ausdruck des Augenblicks. Wie er war. Mit Wolken, weniger Licht, mehr Schatten und auch etwas Schnee. Nicht ganz das, was in den Läden verkauft wird. Diese fast schon überhöhte Schönheit, die man nur mit äußerst viel Glück zu Gesicht bekommt. Oder enormer Geduld. Beides hatte ich nur in Maßen. Mir blieb allein die Möglichkeit, mit den Bildern meiner Momente zu gehen.

Zurück am Zelt kam der Regen wieder. Ich packte alles zusammen und verließ den Ort. Auch an diesem Tag nicht über die Trotternish Ridge – dafür blieb das Wetter weiterhin zu schlecht. Stattdessen lief ich im Sauseschritt hinab zum Parkplatz und von dort der Straße entlang weiter nordwärts, um später wieder auf den Skye Trail zu schwenken. Vieles lag noch vor mir. Weitere spannende Fotomotive, auf die ich mich ebenso freute. Wie Quiraing. Oder Hunish, die Nordspitze der Insel. Vielleicht nicht so spektakulär wie der Alte Mann und sein Nachbar, der Needle Rock. Aber trotzdem lohnend, sich auch noch dorthin aufzumachen.

Die kalten Fakten:
Fujifilm X100S, ISO 800, 1/1500s, Blende 8, Adobe Photoshop CS6 (ACR), VSCO Film 02

> Bildergalerie Skye Trail 2013

Die alte Brücke von Sligachan

– Die alte Brücke von Sligachan –

Dieses Bild hatte ich im Kopf. Tagelang. Dabei war die Hoffnung nicht sonderlich groß, es auch so fotografieren zu können. Auf dem Skye Trail regnete es Katzen und Hunde und selbst dann, wenn mir die Nässe erspart blieb, war die Landschaft überwiegend in fahles Licht getaucht. Langweilig und ziemlich unfotogen. So auch, als ich die Cuillins passierte, die schroffsten aller schottischen Berge. In Elgol, wo sich als erstes hinüber über das Wasser des Loch Scavaig dieser Blick auf die markanten Gipfel auftun sollte, der in meiner mitgeführten Beschreibung des Weges vollmundig als „the finest coastel view in the British Isles“ angekündigt wurde, legte sich ein dicker, undurchdringlicher Wolkenteppich über die Zacken und hinab bis aufs Meer. Als sich dieser wieder lüftete, konnte ich zwar bei Sonnenschein den Gipfel des Sgurr na Stri erklimmen und das komplette Rund der Black und Red Cuillins überblicken, was schön anzusehen war, aber doch nur mäßig abzulichten. Zu öde der Himmel, fad die Felsen und dunkel die Lochs zu Füßen.

Tags drauf trudelte ich in Sligachan ein, dieser mickrigen Häuseransammlung an der Straßenkreuzung zwischen Portree, Dunvegan und Broadford. Mal wieder fing es an zu regnen und zu stürmen. Ich verzog mich ins Zelt, andere Wanderer ins Hotel, das den Ort dominiert. Aus der Zeit, in der die Unterkunft erbaut wurde, es soll um 1830 gewesen sein, stammt sicherlich auch die alte Brücke, welche mir so einprägsam im Gedächtnis haftete, hatte ich doch vor meiner Reise schon so viele Aufnahmen dieser Szenerie gesehen. Das steinerne Bauwerk, wie es den River Sligachan überspannt, und dahinter die formvollendeten Berge Sgurr nan Gillean und Am Basteir. Ein Postkartenmotiv wie es klassischer nicht sein könnte. Gut, diese Tourispots, an denen gerne mal auf dem Boden aufgemalte Füße zeigen, wo man am besten zur Kamera greift, sind eigentlich nicht mein Ding. Aber in dieses Bild setzte ich dennoch eine letzte Hoffnung, waren mir zuvor doch wenige Cuillin-Bilder mit Erkenungswert geglückt. Zudem wollte ich diese Berge nicht mit Belanglosem verlassen und hier bot sich die letzte Chance. Daher schritt ich schon im regnerrischen und windigen Moment meiner Ankunft Ort und Stelle ab, auf der Suche nach dem besten Blickwinkel für eine mögliche Aufnahme am nächsten Tag. Ich fand ihn auf der neuen Brücke, über die heutzutage die Hauptstraße A863 führt und die nur einen Steinwurf entfernt neben ihrem alten Pendant den Verkehr über den Fluss führt. Aber erstmal hieß es abwarten, eine Nacht schlafen, hoffen auf den nächsten Tag, einen guten Morgen mit brauchbarem Wetter und schöner Aussicht.

Und was soll ich sagen? Als ich früh um 6:30 Uhr aus dem Zelt blickte, stand bereits die Sonne am Himmel. Weggefegt die Tristesse des Vorabends. Aber noch standen einige Berge im Weg und der River Sligachan lag noch im Schatten. Ich konnte zuerst noch in Ruhe frühstücken und lief dann gegen Acht zur neuen Brücke. Gerade rechtzeitig als die die ersten Strahlen über die Berge kamen, zwischen den Wolken hindurchbrachen und das Motiv in warmes Licht tauchten. Mein Stativ baute ich mit einem Bein hinter der Leitplanke und dem Rest auf dem schmalen Gehweg auf. Zum Glück war zu dieser Zeit noch wenig Verkehr – sowohl auf der Straße als auch auf der alten Brücke, die an sich zu den meisten Tageszeiten kaum ohne Menschen daherkommt. In der folgenden knappen Stunde machte ich zahlreiche Fotos, immer fix in den Momenten, wo die Wolken für kurze Zeit der Sonne Platz machten und das Licht wohlwollend auf Brücke, Fluss und Berge fiel.

Dabei wunderte ich mich über die recht kurzen Verschlusszeiten von nur wenigen Sekunden, selbst bei Blende 16. Mmh, hatte ich doch meinen stärksten Graufilter vors Objektiv geschraubt, um das Wasser schön samtig abzubilden. Eigentlich hätte da die Belichtungszeit viel länger ausfallen müssen, aber irgendwie kam ich nicht darauf, warum es dieses Mal nicht so war, wie es hätte sein sollen. Vielleicht wurde ich in meiner Konzentration zu sehr davon abgelenkt, dass mir die frische Morgenluft in die Glieder fuhr. Ich fröstelte. Hätte ich mal besser ne dickere Jacke angezogen … Zu allem Überfluss verspürte ich auch einen zunehmenden Drang, Pinkeln zu müssen. Tja, dem konnte ich hier auf der Brücke, auf der langsam der Verkehr immer mehr wurde, keinen freien Lauf lassen. Mir blieb nichts anderes übrig, als dem Druck zu widerstehen und auch die Kälte nicht zu sehr an mich rankommen zu lassen. Leichter gesagt als getan.

Nach einer Weile hatte ich für meinen Geschmack genügend Langzeitbelichtungen im Kasten. Nicht nur die kurzen Sonnenmomente gab es abzupassen, nun auch die Phasen, wo mal keine LKWs über die Brücke rollten und diese in Schwingungen versetzte. Als das Unterfangen immer schwieriger zu realisieren war, packte ich meine sieben Sachen wieder zusammen und lief zurück zum Zelt.

Aufgewärmt und erleichtert fiel es mir kurz darauf wie Schuppen von den Augen, warum die Belichtungszeit nicht so lang war, wie sie hätte sein müssen. Ich hatte die Fujifilm X-Pro1 auf AUTO-ISO stehen lassen und da wählte sie natürlich den höchst möglichen ISO-Wert, in diesem Falle 800 … Grrr, wenn man nicht alle Sinne beisammen hat! Natürlich hätte ich zuvor fix auf ISO 200 stellen müssen … Nunja, jetzt war es zu spät. Die Sonne nahm fortan einen ungünstigen Verlauf und auch die Touris nahmen die alte Brücke von Sligachan wieder in ihren Besitz. Die morgendliche Ruhe vor dem Sturm war vorbei. Auf dem Kamera-Monitor konnte ich zum Glück erkennen, dass es keinen großen Unterschied zu machen schien, ob ich nun ein Bild mit gut Dreien oder nur einer Sekunde gemacht hatte. Daher hoffte ich, dass auch ein vieles Mehr nicht zu besseren Ergebnissen geführt hätte.

Etwas später am Tag zog ich wieder los. Weiter über den Skye Trail gen Norden. Auf zu weiteren Fotozielen wie dem Old Man Of Storr. Aber das ist eine neue Geschichte …

Die kalten Fakten:
Fujifilm X-Pro1, Fujinon XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS, B+W 110 ND 3,0 1000x Graufilter, ISO 800, 3,1s, Blende 16, -0,7 LW, Adobe Photoshop CS6 (ACR), VSCO Film 02

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