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Schlechtes Wetter? Kein Problem!

– Fjærlandsfjord –

Im Frühsommer des letzten Jahres haben wir eine Familienreise durch Norwegen unternommen. Weltuntergangsstimmung, Dauerregen und Tristesse waren unsere ständigen Begleiter. Dennoch war es ein Erlebnis, fünf Wochen in dem Land der Fjorde, Gletscher und Wasserfälle unterwegs zu sein. Hier ist die Geschichte.

Norwegen empfängt uns in Nationaltracht, mit bunten Umzügen und einem rot-weiß-blauen Fahnenmeer. Es ist der 17. Mai: Nationalfeiertag! Aber trotz Sonnenschein und angenehmen Frühlingstemperaturen zieht das Spektakel an uns vorüber, ohne dass ich die Kamera zücke. Von der Fährfahrt nach Kristiansand ist mir speiübel – erst nach ein paar Stunden an Land geht es wieder besser.

Wir stehen am Anfang einer Reise, die uns durch den Süden des Landes führen soll. Entlang der Küste, vorbei an Fjorden und hinein in die Gletscherwelt. Dabei sind wir besonders gespannt, ob unsere Tochter Selma alles problemlos mitmachen wird. Sie ist noch nicht einmal ein Jahr alt. Wie wird es sein, jeden Tag an einem anderen Ort im Zelt zu übernachten und immer weiterzuziehen?

Bereits die ersten Tage sind eine harte Probe. Vorbei am Kap Lindesnes, der südlichen Spitze des norwegischen Festlandes, gelangen wir bei dunklem Regenwetter nach Flekkefjord. Die Natur ist wild und bedrückend. In die engen, dicht bewaldeten Täler fällt zwischen kahlen Bergrücken kaum Licht. Umso mehr genießen wir anderntags eine kleine Wanderung zum Eigerøy Fyr bei Egersund. Weit schweift dort unser Blick vom Leuchtturm über das Meer.

– Regenwetter –
– Hellern –

Auf dem Weg zum Lysefjord durchqueren wir die Region Jæren. 600 Grabhügel zeugen vom ältesten Siedlungsgebiet des Landes. Uns lockt jedoch der Preikestolen, eine gut 600 Meter hohe scharfkantige Felskanzel, welche atemberaubend über dem Fjordufer aufragt. Zahllose Wanderer nehmen den steinigen Pfad hinauf auf den „Predigtstuhl“ Jahr für Jahr in Angriff, um einen kühnen Blick hinab zu wagen. Auch wir reihen uns ein – Nina trägt Selma in der Kindertrage auf dem Rücken und ich schleppe die Fotoausrüstung und unsere Verpflegung für den Tag. Dabei lässt der Lysefjord bei der trüben Wetterlage jeglichen Liebreiz vermissen. Eintönig und dunkel liegt der schmale Meeresarm tief unter uns. Ich bin enttäuscht und grummelig. Doch als wir schon wieder dabei sind abzusteigen, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie jemand an der Felskante ausgelassen in die Luft springt. Schnell greife ich nach der Kamera und mache ein paar Fotos. Ein Bild ist okay – die Wanderung hat sich doch noch gelohnt!

– Schafe und der Preikestolen –

Nach zwei Lichtblicken in Stavanger und dem beschaulichen Skudeneshavn – in Form eines liebevoll eingerichteten Cafés und eines sonnigen Bummels durch das mit blitzweißen Fassaden beeindruckende Fischerdorf – erwischt es uns am Hardangerfjord mit aller Macht: Es schüttet wie aus Kübeln. Tagelang. Nach einer unruhigen Nacht auf einer mit Pfützen übersäten Campingplatzwiese beziehen wir eine winzige Hütte direkt am Ufer des Fjords. Wolkenschwaden hüllen die Berge ein, Wind kräuselt das Wasser. Sobald ich in freier Wildbahn ein Foto machen will, sammeln sich ruckzuck unzählige Regentropfen auf der Linse. Eigentlich wollte ich viele Langzeitbelichtungen von Wasserfällen und der Meeresküste machen, doch das Wetter zwingt mich dazu, solche Ambitionen zu begraben und einfach zu nehmen, was kommt.

– Skudeneshavn und der Tvindefossen –

Und es kommt noch viel. Auch wenn unsere Hoffnung, dass es in fünf Wochen doch irgendwann mal besser werden müsste, immer wieder enttäuscht wird, sehen und erleben wir das Land in seiner ganzen Vielfalt – Superlative eingeschlossen. Unsere weitere Route gen Norden säumen die blau schimmernden Zungen des größten europäischen Festlandsgletschers Jostedalsbreen oder auch die höchste Seeklippe Skandinaviens, Hornelen. Mit der Zeit arrangieren wir uns auch mit dem Regen. Etwas Niesel nehmen wir kaum mehr wahr, freuen uns aber natürlich über jeden Sonnenstrahl, der die Norwegerinnen selbst bei mäßigen zehn Grad Plus dazu verführt, nur mit Hotpants bekleidet überraschend viel braune Haut zu zeigen.

– Über dem Lustrafjord –
– Suphellebreen –
– Hornelen –

Die kleine Selma stört das miese Wetter am wenigsten. Nicht nur im Zelt ist sie in ihrem Element und wir immer auf Augenhöhe. Das gefällt ihr. Wir müssen als Klettergerüst herhalten und unsere Frühstücksbrote vor ihr verteidigen. Am nebelverhangenen Vestkapp strahlt sie über beide Ohren, während wir mal wieder ungläubige Blicke ernten, als wir mit ihr bei Schmuddelwetter und einstelligen Temperaturen aus dem Auto steigen und komfortverwöhnten Hüttenurlaubern begegnen.

– Am Vestkapp –

Im Laufe der Zeit bleibt mir als Fotograf nur die Möglichkeit, den Ist-Zustand zu dokumentieren und mich auf die Suche nach ganz anderen als den vorgestellten Motiven zu machen. Mit jedem weiteren trüben Tag, der mir zu Beginn der Reise aufs Gemüt schlug, werde ich gelassener und nehme die Lage als gegeben hin – ob nun an der Schären überspannenden Atlantikstraße, den engen Serpentinen des Trollstigen oder all den vielen weiteren Mosaiksteinen, welche unsere Reise zu einem besonderen Erlebnis machen.

– Ein Stuhl –
– Gipfel der Trollwand –

Ein letztes Mal setzen uns die Wetterkapriolen bei der Rückreise in den Süden zu. Norwegens Hauptverkehrsader, die E6, ist überflutet und gesperrt. Die Nachricht schafft es sogar in deutsche Medien und wir müssen uns einen alternativen Weg über rumpelige Schotterpisten bahnen.

> Bildergalerie der Norwegen Rundreise 2011

Sarek & Padjelanta Durchquerung – Die Bilder

– Sarek & Padjelanta Durchquerung – Die Bilder –

Über einen Monat bin ich schon wieder zurück von der Solo-Durchquerung der Sarek & Padjelanta Region in Schweden und Norwegen. 15 Tage schleppte ich meinen schwer beladenen Rucksack durch die karge Landschaft. Ich traf unzählige Rentiere, arrangierte mich mit Nässe und Kälte und versuchte, jeden Moment zu genießen. Egal ob in Wolken gehüllt oder von wärmenden Strahlen beschienen.

„Aber es war nicht einfach, die Tour anspruchsvoll. Viel schlechtes Wetter, Regen, sumpfiger Grund. Ein erster Wintereinbruch mit Minusgraden. Doch auch Sonne, klarer Himmel. Weite bis zum Horizont.“

Die Wanderung im hohen Norden bot alles, was eine gute Tour ausmacht. Anspruchsvolles Gelände, wechselhaftes Wetter, Unsicherheit, Freude, grandiose Landschaften, miese Stimmungen und ein tiefes Eintauchen in die Zeit vor Ort. Keine Oberflächlichkeit, kein schnelles Abenteuer. Es war eine Unternehmung mit Haut und Haar.

Die Route:
Saltoluokta – Sitojaure – Aktse – Skierffe – Rapadalen – Skárjá – Álggavágge – Alkavare kapell – Tuottarstugorna – Staloluokta – Staddajåkkåstugorna – Sårjåsjávrre – Sulitjelma

Es hat etwas gedauert, aber jetzt gibt es endlich die komplette Bilderserie der Sarek & Padjelanta Durchquerung zu sehen. Auf Flickr. Viel Freude damit …

PS:
Wie die Fotos mit meiner Fujifilm X-Pro1 bei dieser Reise enstanden sind und wie mein Workflow vom Anfang bis zum Ende aussah, hatte ich kürzlich schon hier beschrieben.

> Bildergalerie Sarek & Padjelanta Durchquerung 2012

Mein Fujifilm X-Pro1 Workflow

– Nach Saltoluokta –

In der vorigen Woche hatte ich mir Gedanken über RAW vs. JPG gemacht. Darüber, ob ich nun ein Fotograf oder Knipser bin. Ich erläuterte die Probleme mit JPGs und die Vorteile von RAW. Es ging um Farbkanäle, Bit-Werte und die Gefahr von Artefakten. Schlicht darum, wie das Optimum an Bildqualität zu erreichen ist. Und das zu guter Letzt auch im Hinblick auf meine fotografische Arbeit mit Fujifilms X-Pro1 und den Herausforderungen, die deren X-Trans Sensor an die Bildnachbearbeitung stellt. Zwar sind die Ergebnisse grundsätzlich vorzüglich, vor allem die der Out-of-Cam JPGs, die nachträgliche RAW-Konvertierung ist allerdings nicht ganz einfach. Nach einiger Probiererei habe ich aber mittlerweile einen Weg für mich gefunden, der zwar ein Kompromiss ist, dafür jedoch schnell und leicht zu sehr guten Resultaten führt. Und den Fokus mehr auf die Fotografie „alter Schule“ legt als die nachträgliche Werkelei an Bilddateien!

Nachfolgend mein Fujifilm X-Pro1 Workflow im Detail. Vom Anfang bis zum Ende …

Vor der Aufnahme

Die Grundlage lege ich bereits vor der Aufnahme. So zum Beispiel im Vorfeld einer Reise, vor der ich mir Gedanken dazu mache, wie die Farbgebung, die Sättigung, der Kontrast der Aufnahmen ausfallen soll. Entsprechend wähle ich eine dazu passende Filmsimulation und setze daran noch individuell die Parameter für Farbe, Lichter und Schatten fest. Hier erweist es sich als ausgesprochen nützlich, dass sich diese Einstellungen – sofern nicht nur JPGs gemacht, sondern auch in RAW fotografiert wurde – nachträglich wieder ändern und/oder optimieren lassen. Bei meiner letzten Unternehmung, der Sarek & Padjelanta Durchquerung, hatte ich alle Fotos mit der Filmsimulation ASTIA aufgenommen. Doch nachher gefielen mir die Bilder so nicht – sie waren zu gesättigt, besonders das Himmelsblau. Für die Serie dieser Tour fand ich die PRO Neg.Hi Simulation später stimmiger und habe alle Fotos nachher dahingehend geändert (s.u.).

Die vielen Filmsimulationsmodi in der Kamera sind eine feine Sache und erinnern mich an die alte analoge Zeit, wo der Film einmal eingelegt, das spätere Ergebnis vorgab. So einfach konnte/kann Fotografie sein – die Bildwirkung lässt sich schon vor dem Auslösen sehr gut bestimmen und reduziert auf diesem Weg, die für die Nachbearbeitung – bzw. Anpassung einer individuellen Bildanmutung – benötigte Zeit. Das Fotografieren rückt wieder mehr in den Vordergrund, aber mit der Option – digitales Zeitalter dann doch sei Dank -, hinterher doch alles noch korrigieren und über den Haufen werfen zu können.

Während der Aufnahme

Die Aufnahme von Bildern im RAW- oder JPG-Format unterscheidet sich. Und zwar grundlegend. Bei RAW-Fotos gilt die ETTR-Regel – Expose To The Right. Also eine Belichtung nach rechts. Gemeint ist damit das Histogramm, das die hellen Bildbereiche auf der rechten Seite darstellt und die dunklen auf seiner linken. Und da in den hellen Bereichen mehr Bildinformationen stecken als in den dunklen, ist es im Sinne der Bildqualität besser, ein zu helles Bild später wieder abzudunkeln als ein unterbelichtetes Foto aufzuhellen. Auch lassen sich bei einem RAW-Bild aus überbelichteten Partien oft noch Details wiederherstellen – ein völliges Ausbrennen der Lichter sollte natürlich grundsätzlich vermieden werden (sofern nicht explizit gewollt oder in Kauf genommen). Bei einem JPG sieht es allerdings anders aus. Hier müssen die hellen Stellen stärker berücksichtigt werden, da in deutlich überbelichteten Bereichen im Foto Bildinformationen schneller unwiederbringlich verloren gehen. Von gänzlich ausgefressenen Lichtern ganz zu schweigen, die meistens nicht wieder zum Leben zu erwecken sind, was bei manchen RAW-Bildern teilweise dann doch noch gelingt. Also: RAW-Fotos lieber reichlicher belichten, JPGs lieber etwas knapper.

Wenn man wie ich – und was jedem zu raten ist – parallel RAW und JPG fotografiert, ist es die Frage, welche Richtung man einschlägt. Ob hin zu einer optimalen RAW-Grundlage oder einem JPG ohne Macken. Die RAW-Nutzung führt einen schnell dazu, mich eingeschlossen, fahrlässig während des Fotografierens zu sein, frei nach dem Motto, später alles wieder ausbessern zu können. Falsche Belichtung, falscher Weißabgleich, falscher was weiß ich nicht alles. Ich versuche daher, ähnlich wie zu analogen Zeiten, die korrekte Belichtung und Einstellung möglichst schon bei der Aufnahme zu gewährleisten. Und einen Spagat zwischen den Anforderungen von RAW und JPG zu schaffen.

Import, Auswahl und Müllentsorgung

Ich lösche viel. Wenn ich ein Bild gemacht habe, kontrolliere ich es auf dem Kamera-Monitor oder im elektronischen Sucher. Ist es falsch belichtet, schief oder sonstwas, fliegt es sofort in den Papierkorb und ich mache die Aufnahme erneut. Diese Prozedur halte ich solange durch, bis ich zufrieden bin. So vermeide ich, dass sich auf der Speicherkarte Mist ansammelt, den ich sowieso nicht mehr sehen will. Ich hasse das. Bei statischen Motiven ist das natürlich einfacher – die laufen nicht weg und können immer wieder neu abgelichtet werden. Bei Actionbildern klappt das nicht immer ganz so konsequent. Aber auch da lösche ich, nachdem die Bildermacherei für den Moment zu Ende ist, schon in der Kamera das meiste, was mir auf den ersten Blick nicht zusagt.

Wenn die Reise dann einmal vorbei ist und ich wieder zu Hause vor dem Computer sitze, importiere ich erstmal nur die JPGs. Diese schaue ich dann am Bildschirm, wo eine richtige Qualitätsbeurteilung erst möglich ist, eins nach dem anderen durch und habe dazu parallel die X-Pro1 in Händen, jeweils mit Anzeige des selben Bildes, die ich gleichsam weiterklicke. Ist ein Foto unscharf, es sagt mir nichts oder ist aus welchen Gründen auch immer misslungen, wandert es sofort am Computer in den Papierkorb und ich lösche es auch direkt in der Kamera. Diesen Bilderdurchgang mache ich insgesamt dreimal. Dann ist zumindest der gröbste Unfug ausgemistet.

Sowohl im Computer als auch in der Kamera sind jetzt nur noch die Bilder, die ich auch behalten möchte. Anschließend sehe ich nach, ob meine gewählte Grundeinstellung gepasst hat, oder ich das eine oder andere Bild grundlegend nachbessern muss. Hier ist dann der Moment für die kamerainterne RAW-Konvertierung gekommen … Im schlimmsten Fall – wie bei den Sarek & Padjelanta Fotos – stimmen alle nicht.

RAW-Konvertierung

Wie schon in meinem vorigen Artikel beschrieben, ist die Konvertierung der X-Pro1 RAW-Dateien via einer externen Software noch nicht der letzte Schrei. Lightroom und Adobe Camera RAW machen nach wie vor Probleme und zaubern je nachdem einen „Aquarelleffekt“ hervor. (UPDATE: Dieses Problem gehört mittlerweile der Vergangenheit an) Besser ist da der Raw File Converter von Silkypix, welcher der Kamera beiliegt, oder der von der Bedienung völlig grässliche Raw Photo Processor (RPP). Ich habe mit beiden Programmen kurz gespielt und schnell wieder das Weite gesucht. Es macht Mühe, damit ein Ergebnis zu erzielen, welches den direkt aus der X-Pro1 kommenden JPGs ebenbürtig ist. Diese sind so hervorragend in Farbe, Kontrast und ihrer ganzen Anmutung, dass ich sie am liebsten sofort verwenden würde, ohne sie umständlich aus den RAW-Dateien “nachstellen” zu müssen. Dazu habe ich keine Lust. Lieber gehe ich hier den schon eingangs erwähnten Kompromiss ein und erspare mir die umständliche RAW-Konvertierung am Computer.

Sollten die aufgenommen JPGs Mängel aufweisen in Form einer völlig daneben liegenden Belichtung, missratenem Weißabgleich, nicht passender oder gewollter Filmsimulation, ausgefressener Lichter oder total zugelaufener Schatten, nehme ich mir die dazu entsprechenden und noch in der Kamera befindlichen RAW-Dateien nochmals zur Brust und konvertiere sie kameraintern mit optimierten Einstellungen zu neuen JPGs (was zügiger von der Hand geht, als mancher denken mag). Diese Möglichkeit ist großartig, lässt sich so doch jedes RAW-Bild selbst ohne externes Programm vielfältig nachbessern. Weißabgleich, Sättigung, Belichtungskorrektur, Filmsimulation, Dynamikerweiterung, Lichter, Schatten – all das kann nachträglich verändert und zu unendlich vielen neuen JPG-Varianten abgespeichert werden.

Im Falle der Sarek & Padjelanta Bilder habe ich, wie schon erwähnt, die Filmsimulation bei allen Fotos von ASTIA in PRO Neg.Hi geändert, ab und zu die Belichtung korrigiert und die Werte für Lichter und Schatten nachgebessert. So kam ich zu JPGs, die dann bereits sehr nah dran waren an dem, was ich als Endresultat haben wollte.

WICHTIG: Man muss auf jeden Fall parallel JPG und RAW fotografieren. Wer nur JPGs macht, dem entgeht die Möglichkeit der RAW-Konvertierung in der Kamera, die doch so nützlich ist.

Erneuter Import und Umwandlung in TIFF-Dateien

Nachdem ich die Fotos dann in der Kamera vorerst „fertig“ nachbearbeitet habe, importiere ich sowohl die RAW-Dateien als auch die neuen JPGs in den Computer (die alten JPGs werden dort gelöscht). Auch wenn ich jetzt nicht mehr mit den RAW-Bildern arbeite, archiviere ich diese natürlich! Denn es ist auch später noch möglich, sie via Speicherkarte zurück in die Kamera zu befördern und da erneut zu neuen JPGs zu bearbeiten. Ganz zu schweigen von der Option, sie irgendwann dann doch einmal mit einem guten RAW-Konverter am Computer umwandeln zu können.

Das finale Finetuning mache ich also mit den JPGs. Um aber den Qualitätsverlust zu vermeiden, der JPGs nach einer Bearbeitung und erneutem, verlustbehafteten Speichern anhängt (wie auch zuletzt beschrieben), konvertiere ich die JPGs erst einmal direkt nach dem Import in unkomprimierte 8 Bit TIFF-Dateien. Dadurch wächst zwar die Dateigröße um ein vielfaches an, aber jetzt kann ich die Fotos beliebig oft bearbeiten und neu abspeichern, ohne eine Minderung der Qualität hinnehmen zu müssen. Was mit TIFFs geht, mit JPGs aber eben nicht.

Bildbearbeitung am Computer

Auch wenn die ehemaligen JPGs – und jetzt TIFFs – schon sehr nah am Endresultat sind, bleibt eine letzte Feintüftelei unumgänglich. Dazu gehören schon mal all die „Aus“-Aktionen. Ausrichten, Ausschnitt verbessern, Ausflecken falls Dreck auf dem Sensor war. Auch sind mir die Bilder der X-Pro1 meist etwas zu kühl, weswegen ich fast immer die Wärme etwas anhebe. Dazu eine Optimierung der Tonwerte und falls nötig eine kleine Rettung der Lichter- und Schatten-Partien. Bei den hellen Bereichen achte ich, bis auf wenige Ausnahmen, penibel darauf, dass sie nicht ausbrennen. Zugelaufene Schatten finde ich hingegen nicht so dramatisch, da sie einem Bild oft Tiefe verleihen.

Aber das war’s dann eigentlich auch schon mit der finalen Bildbearbeitung …

Im Gegensatz zu einem reinen RAW-Workflow am Computer habe ich eine Qualitätsminderung nur bei der Konvertierung in der Kamera von RAW zu JPG. Aber diese ist meines Erachtens vernachlässigbar. Allerdings muss ich so mit 8 Bit Dateien zurechtkommen und kann nicht den Weg vom RAW-Bild über 16 Bit Tiffs gehen. Das ist eigentlich der größte Kompromiss, da mir so nur die 256 Farbinformationen pro Farbkanal zur Verfügung stehen und nicht tausende wie bei einer höheren Bit-Rate. Da sich meine Nachbearbeitung der 8 Bit Tiffs (JPGs) aber in Grenzen hält, komme ich so dennoch zu keinen sichtbaren Qualitätsverlusten. Eventuell wäre das anders, wenn ich nachträglich wirklich tiefgreifende Veränderungen an den Farben und Tonwerten vornehmen würde.

Schließlich speichere ich die bearbeiteten TIFF-Dateien mit verlustfreier LZW-Komprimierung ab, wodurch sich die Datenmenge je nach Bild erheblich reduziert. Bei der Frickelei an den Bildern gehe ich aktuell mit Nikons Capture NX2 und Adobe Photoshop zu Werke – weil ich es so gewohnt bin.

Sicherung und Formatierung der Speicherkarten

Auf dem Computer habe ich dann die Original-RAWs, die Original JPGs (evtl. in der neuen Ausführung) und die final bearbeiteten TIFFs. Dazu aus den TIFFs gewonnene JPGs in geringerer Qualität für Redaktionen oder dergleichen zur ersten Bildansicht. Eine ganz schöne Datenmenge und mein System entspricht da sicherlich nicht dem der Allgemeinheit. Aber auch zu Nikon-Zeiten hatte ich alle Bilder als RAW, TIFF und JPG vorliegen. Die Bilder für die Darstellung auf meiner Website, hier im Blog oder auf Flickr erstelle ich aus den TIFFs.

Diese Dateien sichere ich zudem alle auf zwei weiteren, externen Festplatten. Und erst wenn das geschehen ist und ich sozusagen eine Bilderserie endgültig abgeschlossen habe, formatiere ich die Speicherkarten und entledige mich dort dieser Fotos. Fertig!

Soweit mein aktueller Fujifilm X-Pro1 Workflow. Wie alles unterliegt er einem Wandel, aber momentan komme ich so am besten klar. Und komme auf einem Weg, der hier sicherlich umständlicher klingt als er ist, zu Ergebnissen, wie ich sie mir vorstelle.

Wie macht Ihr das mit Euren Fujifilm-Kameras? RAW oder JPG? Konvertierung in der Kamera oder am Computer?

PS:
Sollte etwas unverständlich sein, bitte in den Kommentaren nachfragen, damit ich dort für Klarheit sorgen und es im Artikel nachbessern kann.

RAW vs. JPG oder Fotograf vs. Knipser

– Einblick –

Früher war alles einfacher. Damals in der analogen Zeit. Ich fotografierte mit Diafilm und notfalls machte ich mehrere Aufnahmen mit leicht unterschiedlichen Einstellungen – eine Belichtungsreihe, um sicherzugehen, dass am Ende auch was Brauchbares dabei herauskommt. Aber das war’s dann auch. Mit dem Druck auf den Auslöser war die Sache für mich erledigt. Die Filmentwicklung übernahm ein Labor, ich musste danach nur noch den Müll aussortieren und wegschmeißen und die guten Fotos archivieren. Für eine Veröffentlichung schickte ich die Dias dann, so wie sie waren, an Magazine – mehr gab es nicht zu tun.

Mit meinem – relativ späten – Umstieg zur Digitalfotografie Anfang 2006 änderte sich das schlagartig. Unmittelbar sah ich mich mit einer Grundsatzfrage konfrontiert: RAW oder JPG? Das war ja schlimmer als die Entscheidung zwischen Dia- oder Negativfilm. Zu Beginn hatte ich von dem ganzen Kram keine Ahnung und auf meiner ersten „digitalen“ Reise, einer Skitour auf der Hardangervidda in Norwegen, machte ich JPGs. Um danach sogleich festzustellen, dass das nicht der optimale Weg war. In Schnee und Eis liegt zum Beispiel der Automatische Weißabgleich oftmals daneben, nur lässt sich dieser bei den JPGs nachträglich nicht mehr verändern, da er schon in der Kamera festgelegt wurde. Farbstiche zu korrigieren wird dann schwieriger. Also RAW. Aus gutem Grund blieb ich dann in all den folgenden Jahren dabei und machte alle Fotos fortan in diesem Aufnahmeformat.

Sowieso, ein Fotograf fotografiert erstmal „rohes“ Zeug, JPGs sind doch nur etwas für Knipser! Wobei, als ich 2007 den Wanderlauf Fjällräven Classic begleitete und in Bildern dokumentierte, war auch ein Fotograf für den stern dabei. Und der machte nur JPGs. Mmh, schien die Sache wohl doch nicht so in Stein gemeißelt zu sein … Egal, ich blieb bei RAW, denn schließlich hatte das einen Sinn, der über die Problematik der Winterfotografie hinausging.

Das Problem mit den JPGs

Nun, es sind gleich mehrere Probleme. Nicht nur die bereits erwähnte Unmöglichkeit, nachträglich einen falsch gewählten Weißabgleich oder eine misslunge Belichtung elegant korrigieren zu können (was bei RAW-Bildern machbar ist). Zudem stehen pro RGB-Kanal – also für Rot, Grün und Blau – jeweils nur 256 Farbinformationen zur Verfügung (entsprechend 8 Bit an Helligkeitsabstufungen). Will man später größere Farbänderungen oder Tonwertkorrekturen vornehmen, führt das leicht zu Bildfehlern, weil dafür einfach nicht ausreichend Infomaterial in der Datei vorhanden ist.

Da­r­ü­ber hi­n­aus werden die Bildinformationen einer JPG-Datei komprimiert und – was das größte Ärgernis ist – zudem verlustbehaftet gespeichert. Je nachdem wie stark diese Komprimierung ausfällt, gehen bei einer Speicherung mehr oder weniger Bilddetails unwiederbringlich verloren. Zwar werden die Dateien dadurch schön klein und nehmen auf Festplatten oder sonstwo wenig Platz ein, nur macht es das JPG-Format für die Bildbearbeitung nahezu unbrauchbar. Denn diese Komprimierung tritt nach jeder Bearbeitung und neuerlicher Abspeicherung des Bildes wiederholt ein. Bedeutet: Das Foto wird umso mehr zerstört, je öfter es erneut gespeichert wird! Sollte dieser Weg doch einmal unumgänglich sein, hält sich der Qualitätsverlust im Rahmen, wenn das Bild nur ein einziges Mal – und natürlich in höchster Qualität – abgespeichert wird (während des Speichervorgangs wird im Bildbearbeitungsprogramm nach der gewünschten Qualitätsstufe gefragt).

Die Vorteile von RAW

RAW-Dateien werden in der Regel – entgegen der JPGs – in der Kamera nicht komprimiert und mit 12 oder gar 14 Bit Farbtiefe ausgegeben. Das entspricht mindestens 4096 Farbtoninformationen pro Farbkanal. Entgegen der 256 bei einem JPG doch eine ganze Menge mehr. Und dieses Mehr ist besonders dann nützlich, wenn Bilder nachträglich stark verändert werden, wozu auch das Aufhellen zu dunkler Bildbereiche gehört. Farbabstufungen werden dadurch gestaucht oder gedehnt. Das kann zu hässlichen Fehlkontur-Effekten führen, die sich besonders in Bildbereichen mit feinen Farbabstufungen bemerkbar machen – z.B. im blauen Himmel. Da in einer RAW-Datei erheblich mehr Farbtöne zur Verfügung stehen, sind eben stärkere Veränderungen möglich und die von den JPGs bekannten Probleme treten erst viel später oder im besten Fall auch gar nicht auf. Wer also das Optimum an Bildqualität anstrebt und für den eine nachträgliche Bildbearbeitung zwingend dazu gehört, sollte das RAW-Format nutzen. Die Fotos können dann nach der Bearbeitung verlustfrei als TIFFs abgespeichert werden (aus denen sich wiederum „kleine“ JPGs erstellen lassen, falls sie für die Darstellung im Web oder sonstige Zwecke benötigt werden).

Aber warum zerbreche ich mir darüber jetzt den Kopf?

Ich war doch glücklich. Während meiner Nikon-Zeit fotografierte ich, bis auf den Anfang, ausschließlich im RAW-Format. Alle Bilder unterzog ich anschließend einer Nachbearbeitung, speicherte sie dann als TIFFs ab, machte davon JPG-Kopien und war für alles gerüstet. Doch dann bin ich zu Fujifilm und der X-Pro1 gewechselt und stehe vor zwei Herausforderungen. Natürlich kann ich auch mit dieser Kamera RAW-Dateien aufnehmen. Nur sind die Dateien, die der vorzügliche X-Trans Sensor auswirft, nun ja, etwas schwierig in der Handhabung. So sind Adobe Camera RAW und Lightroom noch nicht in der Lage, die RAWs des neuartigen Sensors gänzlich fehlerfrei zu bearbeiten. (UPDATE: Dieses Problem gehört mittlerweile der Vergangenheit an) Besser ist da Silkypix, das in einer abgespekten Version auch der Fujifilm-Kamera beiliegt. Nur mag ich das Programm nicht und es macht Mühe, damit ein Ergebnis zu erzielen, welches den direkt aus der X-Pro1 kommenden JPGs ebenbürtig ist. Diese sind so hervorragend in Farbe, Kontrast und ihrer ganzen Anmutung, dass ich sie am liebsten sofort verwenden würde, ohne sie umständlich aus den RAW-Dateien „nachstellen“ zu müssen. Auch die vielen Filmsimulationsmodi in der Kamera sind eine feine Sache und erinnern mich an die alte Dia-Zeit, wo der Film einmal eingelegt, das spätere Ergebnis vorgab. So einfach konnte/kann Fotografie sein …

Aus diesen beiden Gründen – dem für mich noch nicht optimalen RAW-Support der X-Pro1 Bilder, aber den dafür sauguten JPGs direkt aus der Kamera – experimentierte ich mit dem No-Go, der Nutzung der JPGs. Das schien sogar ganz gut zu klappen und ich hielt es eine Weile bei. Doch bei der Bearbeitung der Fotos meiner Sarek & Padjelanta Durchquerung stieß ich – ein wenig muss auch an noch so guten Out-of-Cam JPGs feingetüftelt werden – an die Grenze. Schlimmer, es geht so nicht. Durch die Optimierung der JPGs und das erneute Abspeichern, wiesen einige Bilder am Ende deutlich sichtbar die beschriebenen Farbfehler auf. Wirklich hässliche Artefakte, die sich im Himmel, an Wolken und anderen feinen Farbverläufen zeigten. Zwar kaum zu erkennen bei einem Foto in Web-Auflösung, aber bei 100%-Darstellung am Monitor unakzeptabel. Daher für mich nicht brauchbar und dieser Weg der Nachbearbeitung so nicht zu gehen.

Was tun? Wie kann ich die bislang suboptimale RAW-Konvertierung umgehen, stattdessen die nützlichen „JPG“-Filmsimulationsmodi der Kamera anwenden und doch die Qualität auch in der Nachbearbeitung hochhalten?

Bis es einen RAW-Konveter meines Geschmacks für die Fujifilm X-Trans Bilder gibt, habe ich einen Kompromiss gefunden. In einem weiteren Beitrag habe ich meinen aktuellen Fujifilm X-Pro1 Workflow mittlerweile dargestellt.

Gerade sitze ich zwischen den Stühlen. Bin Fotograf und doch auch Knipser.

Wie ist es mit Euch? RAW oder JPG? Und warum?

„We have to dream it all up again“

Es war der 30. Dezember 1989, als Bono, unzufrieden mit der Stagnation von U2, während der Lovetown Tour in Dublin diese legendären Worte sprach:

„We’ve had a lot of fun, just getting to know the kinda music that we didn’t know so much about. I was explaining to people the other night, but I might have gotten it a bit wrong, that this is just the end of something for U2, and that’s why we’re playing these concerts. We’re throwing a party for ourselves and for you. It’s no big deal, we have to go away and just dream it all up again.“

Niemand wusste, was das zu bedeuten hatte. Viele Fans fürchteten, soeben die letzten Klänge der Band gehört zu haben … Dabei waren U2 „nur“ auf dem Weg, sich nach dem riesigen Erfolg von „The Joshua Tree“ und des umstrittenen Nachfolgealbums „Rattle and Hum“ neu zu erfinden. Als U2 dann 1991 der Musikwelt „Achtung Baby“ schenkten, war diese darauf jedoch nicht vorbereitet und wurde mit industriellen, düsteren und schwermütigen Klängen überrollt. Mit dem, was die Band in den 80ern ausgezeichnet und in den Rock-Olymp gehoben hatte, hatte das nichts mehr zu tun. Die vier Iren, zuvor noch als griesgrämige Gebetsbrüder verspottet, präsentierten sich der Welt nun schrill, bunt, in Frauenkleidern und mit Sonnenbrillen über das ganze Gesicht. In dem Moment ahnte kaum jemand, dass ein Meisterwerk geboren war.

Alles zurück auf Anfang also! Das liegt nun bereits über 20 Jahre zurück und auch meine beiden Krampfanfälle, die mich Anfang Mai von den Beinen holten, sind schon eine Weile her. Im Krankenhaus und der Zeit danach stellte ich die Frage nach dem Sinn. Für irgendwas musste es gut sein … Mit angeknabberter Psyche lag ich körperlich geschwächt am Boden. Zwischen einem Gefangensein im Hier und Jetzt, dem Gefühl von Stillstand und Niederlage. Und der Option auf einen Neuanfang, der oft einer Krise innewohnt. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der in einem Moment alles verloren und im anderen alles möglich erschien. Es galt diese Möglichkeiten zu finden und nicht im Unmöglichen zu erstarren.

Mit der Diagnose Epilepsie in der Tasche erinnerte ich mich an Bono’s Worte. Und während ich die ersten neuen Schritte tat, reiften die Pläne und Ideen für einen Neuanfang. Mehr und mehr kristallisierte sich heraus, wozu dieser Zwangsstopp aufgrund der Krankheit gut sein könnte. Der steinige Weg besserte sich Schritt für Schritt und das Licht am Ende des Tunnels wurde heller und heller. Aber ich wollte nicht einfach mein altes Leben zurück, alles nur so haben, wie es vorher war. Nein, ich wollte diese Zeit des Innehaltens nutzen, mich neu zu fokussieren. Gar Veränderungen ins Auge fassen. Dinge über Bord werfen, Geliebtes neu entdecken.

Im Kopf entstand ein Gerüst für ein Langzeitprojekt raus aus der Krisenzeit. Zunehmend sah ich die Krankheit nur als einen Teil, der zwar vorerst immer noch da ist, der aber nicht bestimmt. Auch wenn sich Chaos und Ungewissheit nur schwer abschütteln ließen. Wie die Frage, ob es trotz der Krankheit möglich wäre, neue Wege zu gehen und weiterzukommen. Oder ob gerade dieses “kranksein”, diese Phase, manches erst ermöglichen würde?

Manchmal war es einfach zum Kotzen

Es war ein Auf und Ab. Zuerst machten sich Schwindel und Müdigkeit breit, hervorgerufen durch die Tabletten. Als die Nebenwirkungen nachließen, kam der Durchfall. Zwei Wochen lang. Doch dann, nach der Scheißerei, schien es endlich aufwärts zu gehen. Bis mir mein geschwächtes Immunsystem noch eine Gürtelrose bescherte. Ein weiteres Hindernis, das es zu überwinden galt. Über zwei Monate diese ständigen Angriffe auf Körper und Psyche. Kaum die Möglichkeit einer “Auszeit”. Immer wieder was Neues. Ein Schritt vor und zwei zurück. Manchmal war es einfach zum Kotzen.

Wir wollten nur noch weg. Nach Schweden und Norwegen – auf unser imaginäres Sofa. Nach all meinen gesundheitlichen Querelen endlich die richtige Erholung finden, Abstand gewinnen, den Stress abschütteln. Und Kraft tanken für den Neuanfang, die Akkus wieder aufladen. Nach letzten Nickligkeiten waren wir dann auch endlich fort. Vier Wochen lang. Zurück aus dem Norden – von Meeresküsten, Waldpfaden und Berggipfeln – brachten wir die ersehnte Erholung mit. So, wie wir es uns gewünscht hatten. Charging Complete sozusagen.

Selma sprach in diesem Urlaub ihren ersten korrekten Satz: “Ich möchte raus!” Drei Worte, die für mich zu einer Art Mantra wurden. Auch ich wollte raus. Wieder raus. Zu den Orten im Norden, an denen meine Passion für diese Landschaften seinen Anfang nahm, die mir im Laufe meines Reiselebens wichtig waren. Aber auch zu neuen Orten, dorthin, wo ich noch nicht war.

Während unserers Unterwegsseins reifte der Plan, das Konzept für das neue und große Projekt weiter. Für das, was ich nach unserer Familienreise beginnen wollte. Nach den Wirren und dem Krankheitsscheiß. Entwickelt aus und durch die Krise. Und mit dem Zurück auf Los stecke ich jetzt schon mitten drin, habe mit der Sarek & Padjelanta Durchquerung den ersten Schritt getan. Diese Tour markiert, nach der schweren Zeit des zurückliegenden Sommers, den Beginn des Neuanfangs. Sie ist die erste Reise der Idee, die mir im Kopf sitzt, seitdem es mich im wahrsten Sinne umgeworfen hatte. Jetzt will ich das beginnen, und fortführen, was all dem dann vielleicht doch einen Sinn verleiht. Das, wozu es gut war.

Eine Liebeserklärung

Mein Norden. Ich will zurückkehren zu meinen Anfängen. Aber gleichermaßen auch aufbrechen zu neuen Abenteuern. Mit kindlicher Entdeckerfreude und voller Emotionen. Das Projekt soll eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins sein. Auch, weil sich wie bei U2 eine Stagnation bei mir eingeschlichen hatte, nach erfolgreichen Expeditionen und all den Reisen seit Beginn der 90er Jahre. Großes Neues wollte in der letzten Zeit nie so recht klappen. Viel verpuffte, wurde zu Nichts. Schließlich die Epilepsie, letztendlich für mich die Besinnung. Der Auslöser, alles nochmal neu zu träumen. Wie es Bono mit seinem „We have to dream it all up again“ ausdrückte.

Über zehn Reisen in den Norden sollen es werden. Nach Schweden, Norwegen und Finnland, nach Schottland und Island, auf die Färöer-Inseln, nach Svalbard und nach Grönland. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen.

Die Solo-Durchquerung der Sarek & Padjelanta Region bot bereits alles, was eine gute Tour ausmacht. Anspruchsvolles Gelände, wechselhaftes Wetter, Unsicherheit, Freude, grandiose Landschaften, miese Stimmungen und ein tiefes Eintauchen in die Zeit vor Ort. Keine Oberflächlichkeit, kein schnelles Abenteuer. Es war eine Unternehmung mit Haut und Haar. Jeder Moment kostbar – egal ob vor Kälte zitternd oder in die Sonne blinzelnd.

Doch ohne das „Herausgerissensein“ in diesem Sommer hätte ich nicht zu diesem Schritt gefunden. Zum gleichsamen zurück in alte Gefilde und voran in neue Gebiete. Es ist auch ein bisschen wie Memory. Eine Karte liegt schon aufgedeckt vor mir, jetzt gilt es die passende dazu zu finden. Von so vielen früheren Reisen kenne ich den Norden und will ihn trotzdem nochmals ganz neu entdecken. Der Weg zurück auf Los, dieser Umweg ans Ziel, soll mich am Ende weiterbringen als vieles zuvor.

Aber nicht nur die Reisen an sich sind von Bedeutung. Die Wiederkehr zu Orten, die mir etwas bedeuten. Der Aufbruch zu Plätzen, von denen ich schon immer geträumt habe. Die Dokumentation ist ebenso wichtig. Und auch hier durchlebe ich den Wunsch, zurück zum Anfang zu wollen. Meine früheren Bilder sind Schall und Rauch. Ich begebe mich jetzt zudem auf die Suche nach neuen Sichtweisen, neuen Bildstilen, anderen Farben und Kontrasten. Das Alte zählt nicht mehr. Es braucht Neues. Um zu den jetzigen Reisen und den damit verbundenen Emotionen zu passen.

Daher ist das gesamte Projekt nicht nur ein Neuanfang im eigentlichen Sinn, sondern zugleich auch eine Weiterentwicklung, an dessen Ende „Veränderung“ auch in den Bildern der Unternehmungen erkennbar sein soll. Ich bin gespannt – und nach wie vor fast so aufgeregt wie vor meiner ersten Reise.

Mein Norden – Eine Liebeserklärung. Kommt mit und begleitet mich.

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