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#StayAtHome – oder laufe 54 Kilometer

– Wappenweg rund um Ennepetal –

#WirBleibenZuhause ist das Motto dieser Tage. Doch in den vergangenen drei Wochen, die seit geraumer Zeit geprägt sind von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten, waren wir mehr denn je in der Natur unterwegs. Meine Tochter, 4. Klasse, hatte „schulfrei“ und meine Frau, Lehrerin, war auch daheim. Gut, beide mussten jeden Tag Hausaufgaben erledigen und waren damit immer ein paar Stunden beschäftigt. Aber an den Nachmittagen und Wochenenden zog es uns fast täglich raus in den Wald, wo wir kleinere und größere Runden abspulten, die Ankunft des Frühlings genossen und so das Allerbeste aus der Situation machten. Und jetzt in den Osterferien, in denen alle Schulverpflichtungen wegfallen, kann das nur noch besser werden.

Nachdem mich im Februar eine Grippe mit Fieber lange geärgert hatte und ich deswegen auch eine Skitour in Schweden sausen lassen musste, waren die nun so vielen Stunden an der frischen Luft ideal, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen. Neben unseren gemächlicheren Familienwanderungen streute ich darüber hinaus noch ein paar schnelle Solo-Ausflüge ein und war bald wieder fit und bereit für ein großes Ding – wie zuletzt im Dezember, als ich den Langenberger Rundweg gelaufen war.

Am vorigen Freitag nahm ich mir dafür mal wieder den Wappenweg rund um Ennepetal zur Brust. Meine Lieblingsstrecke, die ich bereits zwölfmal an nur einem Tag absolviert habe und über die auch hier im Blog schon so manche Zeile zu lesen ist, weswegen ich jetzt nicht in aller Kleinigkeit über Stock und Stein berichten möchte. Die Essenz des Tages soll reichen …

Wie eh und je startete ich früh am Morgen am Schloss Martfeld in Schwelm. Ich wollte es ruhig angehen lassen mit vielen Pausen und strebte dieses Mal keine besonders gute Laufzeit an. Doch schnell spürte ich ein gutes Gefühl in den Beinen, der Ehrgeiz erwachte zum Leben und bald brachte ich manche Bergabpassage gar in einem leichten Trab hinter mich. Denn so konnte ich immer wieder „verlorene“ Zeit aufholen, da ich an den häufigen Pausen – etwa einmal pro Stunde – trotzdem weiterhin festhielt. Ich kam in einen Flow, passierte Milspe, huschte an der Hasper Talsperre vorbei und wanderte durchs Tal der Ennepe. Alles schien an diesem Tag perfekt zu sein auf diesem 54 km langen Streifzug. Bis ich zur Heilenbecker Talsperre kam. Hier war der Weg verlegt, da die Passage durch Ebinghausen gesperrt ist.

Kurzerhand folgte ich der neuen Beschilderung, nur um wenig später festzustellen, dass hinter der Häuseransammlung Schiffahrt weitere Markierungen ausblieben oder nicht zu finden waren. Spontan nahm ich den logischsten Weg, bis ich zu einer Wegekreuzung kam und dumm dastand. Wo sollte es weitergehen? Mittlerweile war ich bereits über sieben Stunden unterwegs und wohl schon etwas mitgenommen – auf die Idee, mein Mobiltelefon herauszukramen und nach einer Onlinekarte des Wappenweges zu suchen, kam ich nicht. Eine normale Karte hatte ich nicht dabei und so bog ich in den Waldweg ein, der mir der richtige erschien. Doch er entpuppte sich als die falsche Wahl und bescherte mir einen ordentlichen Umweg samt blöder Latscherei entlang einer Bundesstraße, bis ich bei Schlagbaum wieder auf den richtigen Wappenweg stieß. Fortlaufend überschlug ich die ganze Misere und kam zu dem Schluss, dass ich die Runde, die mancherorts gar mit 56 Kilometern angegeben ist – die alten Schilder am Wegesrand scheinen nicht mehr zu stimmen –, so wahrscheinlich auf mindestens 58 km erweitert hatte. Mist.

Immer wieder blickte ich auf die Uhr. Ich wahr weiterhin angestachelt und wollte entgegen meiner morgendlichen Idee einer „lockeren“ Wanderung nun doch eine schnelle Zeit hinlegen. Zehn Stunden sind für mich auf dieser Strecke der Maßstab. Alles darunter ist gut, alles darüber schlecht. Und das basierend auf den einst nur 54 Kilometern … Ich machte noch eine Pause am Spreeler Bach, bevor ich zum Endspurt blies. Strammen Schrittes marschierte ich durch Wuppertal-Beyenburg, wo die Füße immer stärker anfingen zu zwiscken. Ein letzter langer Aufstieg Richtung Königsfeld, dann das Finalstück zurück nach Schwelm. Am Ende joggte ich nochmal. So gut es ging, versuchte ich alles zu geben. Als ich zurück war am Schloss Martfeld und sich der Kreis geschlossen hatte, waren 9 Stunden und 55 Minuten vergangen. Puh, trotz Wegeverlegung und nochmals selbstverschuldeter zusätzlicher Streckenverlängerung gerade noch eine „akzeptable“ Zeit ;-)

Aber ich wusste sofort: Irgendwann werde ich nochmal ran müssen, um dann mit weniger Pausen und auf dem richtigen Weg eine neue persönliche Bestzeit zu versuchen. Die liegt auf der alten 54 km messenden Strecke bei nur 7 Stunden und 55 Minuten – doch ich denke, dass da noch was gehen könnte …

Lest Euch derweil durch einige meiner weiteren bisherigen Erlebnisse auf dem Rundweg um Ennepetal oder werft einen Blick in ein Fotoalbum eines Microadventures auf dieser immer wieder schönen Wanderroute!

PS:
Es sind verrückte Zeiten. In all der bisherigen Corona-Krise fiel uns auf, dass es so viele Menschen hinaus in die Natur zieht wie nie zuvor. Selbst in der Woche sind momentan mehr Leute im Wald unterwegs als zu normalen Zeiten am Wochenende. Hatte ich bei meiner langen Tagestour zumeist einigermaße Ruhe – es war trüb und nicht allzu warm –, ist bei dem jetzt oft schönstem Wetter vielfach die Hölle los. Insgeheim hoffen wir daher schon wieder auf die Nach-Corona-Zeit, wenn die meisten bestimmt wieder lieber in Geschäfte und Cafés strömen werden und es im Wald erneut so einsam sein wird wie zuvor.

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