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#WasWarWann – Folge 1

– Rund um Schwelm –

Ein Satz mit x, das war wohl nix … Ursprünglich wäre ich Anfang September nach Grönland geflogen und hätte meine Füße auf die Disko-Insel gesetzt. Dort und am Ilulissat-Eisfjord hatte ich zwei Wanderungen geplant. Doch zwei Tage vor dem Aufbruch in die Arktis plagte mich plötzlich ein Drehschwindel samt Übelkeit. Zahlreiche Untersuchungen bei meiner HNO-Ärztin ergaben, dass wohl der Nacken Ursache des Problems sei. Prompt traten später auch die Schmerzen auf, die ich vor Jahren schon einmal hatte und die man niemandem wünscht. Sie zogen von den Halswirbeln über die Schulter bis runter in einen Arm. Ein HWS-Problem wurde diagnostiziert und eine Physiotherapie verschrieben. Juchhe! Damit war an Lauferei mit schweren Gepäck und in wegloser Wildnis nicht zu denken. Die Reise nach Grönland fiel ins Wasser …

Aber es galt, schnell wieder fit zu werden und Geschwindigkeit aufzunehmen, denn kurzerhand meldete ich mich für den FALKE Rothaarsteig-Marathon am 20. Oktober auf der Halbmarathon-Distanz und in der Disziplin Nordic-Walking an. Na denn … Zum Glück schlug die Therapie rasch an und mein HWS-Problem wurde gelindert und die Schmerzen nahmen ab. Bald konnte ich erste kürzere Trainingsläufe absolvieren und dazu Core- und Krafttraining durchführen. Im Grunde kamen die regelmäßigen Physio-Termine und der Beginn eines straffen Trainings zur Kräftigung vor allem auch meiner Nacken- und Rückenmuskulatur gerade recht. Getreu dem Motto, stärker aus der Misere zu kommen, als ich hineingestolpert war, machte ich mich auf, die nächsten Ziele in Angriff zu nehmen. Am Horizont lauerten bereits die nächsten Abenteuer und mein „#WWW“-Projekt!

Nun, das Geheimnis, um was es sich genau bei diesem Projekt handelt, werde ich zu gegebener Zeit lüften. Aber ich nehme es schon mal zum Anlass, diese neue #WasWarWann-Rubrik zu starten, in der ich in lockerer Folge über all das erzählen möchte, was rund um das Projekt passiert.

Und so war es Christian Müller, mit dem ich im kommenden Februar nach Patagonien zu einer recht anspruchsvollen Trekkingtour aufbrechen werde, der mir den Floh mit der Teilnahme am Rothaarsteig-Lauf ins Ohr setzte. Quasi als eine Art Zwischenziel auf dem Weg ins südliche patagonische Inlandeis. Er hatte sich für den Marathon angemeldet, eine Distanz, die für mich aktuell nicht in Frage kam, vor allem nicht als Läufer. Aber die halbe Strecke als Fußgänger mit Stöcken konnte ich mir durchaus vorstellen. Es dauerte nicht lange und auch die ersten etwas längeren Läufe lagen hinter mir, zudem immer wieder Übungen wie auch auf einem Balance Board. Schließlich der vorerst letzte Physio-Termin. So ging es weiter bergauf und ebenso voran.

– „Have a break, have a KitKat.“ –

Ende September schien mein HWS-Problem behoben zu sein und ich fühlte mich zum ersten Mal wieder schmerzfrei. Juchhe! Es war der perfekte Zeitpunkt, denn die photokina stand vor der Tür, auf der es mir mal wieder eine große Freude und Ehre war, auf dem Stand von FUJIFILM zwei Vorträge präsentieren zu dürfen! Sehr sexy fand ich darüber hinaus die neue Mittelformatkamera GFX 50R – doch leider konnte ich sie auf der Messe nur mal kurz befummeln und nicht gleich mit nach Hause nehmen … Ob sie etwas für das nächste Projekt sein könnte?

Doch erst einmal stand die weitere Vorbereitung für den Halbmarathon als Nordic Walker auf dem Programm. Nachdem ich nun schon häufiger gelaufen war, nahm ich mir zweimal den Kleingartenrundweg Wichlinghausen-Nächstebreck zur Brust und bin die etwa 8 km lange Strecke (mit Hin- und Rückweg von meiner Haustüre) schnell gegangen. Brauchte ich dafür im Uhrzeigersinn ca. 61 Minuten, war ich gegen den Uhrzeigersinn ungefähr 62 Minuten unterwegs. Das war beide Male ein akzeptables Tempo. Vielleicht könnte ich im Sauerland meine angestrebten Ziele tatsächlich erreichen? Unter drei Stunden und eine Platzierung in den Top Ten?

Um meine Zuversicht zu untermauern, unternahm ich eine gute Woche vor dem Startschuss im Rothaargebirge als letzten Leistungstest eine Speedbegehung des Schwelmer Rundweg. Und siehe da: nach 2 Stunden und 55 Minuten lagen die knapp 22 km Strecke und über 600 Höhenmeter hinter mir! Zwar hatte ich mir ein paar Blasen an den Füßen eingehandelt, aber diese heilten schnell und somit konnte der große Tag kommen.

– FALKE Rothaarsteig-Marathon –

So fand ich mich vergangenen Samstag im beschaulichen Fleckenberg ein, wo am Sportplatz neben der Schützenhalle Start und Ziel der mittlerweile 15. Auflage des Rothaarsteig-Marathons war. Als sich Christian um 11 Uhr mit einer Horde gleichgesinnter auf die volle Marathon-Distanz machte, hingen die Wolken noch immer tief zwischen den Bergen und die Luft war kühl. Ich hatte noch etwas Zeit – um 12 startete erst noch der große Tross Läuferinnen und Läufer auf die Halbmarathon-Strecke, bevor 15 Minuten später auch die Walker und Nordic Walker von der Leine gelassen wurden. Mittlerweile hatte es aufgeklart und die Sonne war drauf und dran dem Tag das Antlitz eines goldenen Oktobers zu verleihen. Doch rasch hatte ich dafür kein Auge mehr. Gemeinsam mit 111 weiteren Frauen und Männern machte ich mich auf in die Höhenlagen des Rothaargebirges. Steil ging es direkt hinter dem Ortsausgang hinauf gen Jagdhaus, der Atem ging hastig und der Schweiß trat auf die Stirn. Aber es war mein Terrain. Ich konnte mich im vorderen Feld behaupten und Sichtkontakt zur Spitze halten. Erst als die Route auf dem Hauptkamm flacher und nur noch selten bergan ging, zog sich das Feld stärker auseinander und ich verlor den Anschluss zu den schnellsten. Vorbei an der Millionenbank und zum Großen Kopf gab es noch ein paar willkommene kurze Anstiege, doch die späteren Platzierungen waren hier im Grunde schon verteilt. An einer Verpflegungsstelle kleckerte ich noch ein ultraGel über meine Hose und Schuhe – gut, dass ich mich vor dem Start mit mehreren Bananen ausreichend gestärkt hatte. Ich wollte keine Zeit verlieren und nahm auch die gereichten Getränke mehr schlecht als recht im Gehen ein. Aber was soll’s? Schließlich ging es am Abzweig Zinseseck hinab nach Latrop. Blasen und Druckstellen machten sich an den Füßen mal wieder unangenehm bemerkbar, die entlang des Latrop-Bach auf den letzten Kilometern mehr Kopfleistung als Muskelkraft erforderten. Ich gab alles und setzte die Stöcke roboterhaft in stetem Rhythmus. Hier und da vernahm ich letzte Anfeuerungen. Beim Einlauf zum Sportplatzgelände posierte eine Musikergruppe. Noch zwei, drei scharfe Biegungen, dann die finalen Meter und der Zielstrich. Geschafft!

In einer sehr respektablen Zeit von 3:58:21 hatte Christian den Marathon beendet und war noch vor mir im Ziel eingetroffen. Ich schaffte die halbe Distanz in 2:48:14 – Platz 9 im Gesamtklassement und erster in meiner Altersklasse. Sofort schnappte ich mir zwei Becher Cola und gleich danach noch zwei alkoholfreie Radler. Der süße Geschmack passte zu dem Gefühl, meine Ziele erreicht zu haben. Ich blinzelte in die Sonne, die Füße zwickten. Schmerz vergeht, das Erlebnis bleibt …

Beide sind wir guter Dinge – Patagonien kann näherkommen. Und ich habe bereits das nächste Zwischenziel gefunden: Am 17. November lockt der Waldlauf „Rund um den Freudenberg“.

PS:
Als ich vor einigen Wochen mit meinen Nacken- und Rückenschmerzen bei meiner Hausärztin vorstellig wurde, meinte sie, ich solle doch Klettern gehen, denn das wäre das Beste und schließlich wären wir ja alle Affen. In diesem Sinne ist meine aktuelle Leseempfehlung das Buch Push von Tommy Caldwell.

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