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Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Während meines Projekts Mein Norden kamen von Reise zu Reise viele verschiedene Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die zusammen einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild). Meistens griff ich zu einem Zoom oder zu Kombinationen aus Zooms, die ich ab und an noch mit einer einzelnen Festbrennweite ergänzte. Aber es gab auch Wandertouren, zu denen ich ausschließlich Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

Nach Abschluss aller Unternehmungen war es interessant zu sehen, welche Brennweiten und Objektivkombinationen am häufigsten zum Einsatz kamen. Die extremen Bereiche – Ultraweitwinkel und stärkeres Tele – habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich zwischen ca. 16/18 und 55 mm ab. Daher ist eigentlich das lichtstarke XF16-55mmF2.8 R LM WR Zoom eine gute Wahl, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einem Objektiv abdeckt, und das ich auf zwei Reisen mit dabei hatte. Aber ich mag das dicke Ding nicht so sehr und fotografiere ohnehin lieber mit FBs.

Die recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich allerdings auch im Bildstil wieder. Dieser wird also nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung sowie den Moment und die Bearbeitung, sondern darüber hinaus in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive können den persönlichen Stil demnach noch weiter befeuern und den Wiedererkennungswert steigern.

Bei einem zukünftigen Fotoprojekt möchte ich mir diese „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, maximal vier Objektiven. Nur welche Linsen soll ich letztendlich nehmen?

Rückblicke und Erfahrungen

18, 35 und 60 Millimeter
Als ich 2012 zu Fuß und allein in Schweden und Norwegen durch Europas letzte Wildnis lief, hatte ich in den Regionen Sarek und Padjelanta nur das XF18mmF2 R, das XF35mmF1.4 R und das XF60mmF2.4 R Macro dabei – weitere Objektive gab es zu der Zeit für das X System ohnehin noch nicht. Das 35er war mir auf der Tour die liebste und meistgenutzte Linse. Diese Normalbrennweite – entsprechend ca. 50 mm an Kleinbild – passte gut zu den Motiven. Mit dem 18er hingegen wurde ich von Anfang an nie richtig warm, was sowohl am Bildwinkel als auch an der optischen Leistung lag, die mich nicht so richtig überzeugte. Das 60er war dafür ein schönes kürzeres Tele, aber langsam vom Autofokus her.

Als Fujifilm daraufhin die ersten Zooms herausbrachte, legte ich die Festbrennweiten vorerst auf Seite, und das XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS wurde für lange Zeit mein Brot- und Butter-Objektiv. Auf Outdoortouren ist ein Zoom einfach praktisch – lästige Objektivwechsel im Schneesturm oder unter anderen garstigen Bedingungen entfallen, und die wichtigsten Brennweiten sitzen immer an der Kamera. Die 18er-Festbrennweite und das 60er-Macro kamen seitdem nicht mehr zum Einsatz.

Doch irgendwann wurden mir die Zooms zu bunt. In der Zwischenzeit hatte ich auf einigen Reisen zusätzlich zum Standardzoom vereinzelt auch das XF10-24mmF4 R OIS und das XF55-200mmF3.5-4.8 R LM OIS eingesetzt, die das Fujinon-Sortiment mittlerweile erweiterten. Mir war das aber ein Zuviel an Möglichkeiten geworden, und ich wagte es ein zweites Mal, nur mit Festbrennweiten loszuziehen.

– Im Gleichgewicht – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1100 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Hunau-Turm – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1800 Sek, f 2.8, ISO 200 –

14, 23 und 56 Millimeter
Im Spätherbst 2014 streifte ich in Finnland durch den Urho-Kekkonen-Nationalpark und nahm nur das XF14mmF2.8 R, das XF23mmF1.4 R und das XF56mmF1.2 R mit. Und das war gut so. Müsste ich die Inselfrage beantworten, wäre sicherlich das 23er das Objektiv, das ich auswählen würde, wenn ich mich nur für eine einzige Brennweite entscheiden dürfte. Im Unterschied zum 35er ist es für mich universeller einsetzbar und entspricht in der Landschaftsfotografie eher dem, was ich sehe, wohingegen das Normalobjektiv in meinen Augen eine Szenerie bereits minimal telehaft verdichtet.

Das 14er, das ich auch zuvor schon mehrfach als Ergänzung zum Standard- und zum Telezoom dabei hatte, überzeugte mich aber nicht so recht. Wie schon beim 18er lag es auch hier an der Brennweite und der optischen Leistung. Die Bildqualität fand ich schlechter als beim 10-24er bei gleicher Brennweite. Und überhaupt, der Bildwinkel. Der große deutsche Naturfotograf Fritz Pölking sagte einst, ein Objektiv dieser Brennweite sei schnell „geschwätzig“, weil es einfach zu viel aufs Bild bringt, oft Unwichtiges. Ein „viel hilft viel“ ist hier häufig wenig zielführend auf dem Weg zu einem guten Bild. Daher habe ich das 14er, wie auch das 10-24er im extremen Brennweitenbereich, nur selten benutzt.

Die 56er-„Porträt-Linse“, wie das 23er extrem lichtstark, war und ist allerdings ein feines Teil. Diesen leichten Telebereich setze ich gerne ein, um beispielsweise Details aus einer Landschaft herauszuarbeiten.

Weil Zooms jedoch, ich sagte es bereits, auf Wanderungen und Skitouren oftmals ihre Vorzüge haben, probierte ich auf zwei folgenden Reisen das lichtstarke 16-55er aus, um zu sehen, ob diese „Eierlegende Wollmichsau“ für mich der Heilige Gral sein könnte. Was aber, wie eingangs schon erwähnt, nicht der Fall war. Zwar passt der Brennweitenbereich ziemlich perfekt, auch die Lichtstärke ist meistens ausreichend, aber der Funke sprang nie über. Ich sehnte mich bald erneut nach Festbrennweiten und unternahm einen dritten Versuch.

– Pusteblume – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/500 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Bokehlicious – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/125 Sek, f 2.8, ISO 1000 –

16, 23 und 56 Millimeter
Für meine Wanderungen durch das Johan Dahl Land, Qajuuttap Nunaa und das Mellemlandet auf Grönland im letzten Jahr packte ich dieses Mal neben dem XF23mmF1.4 R und dem XF56mmF1.2 R noch das XF16mmF1.4 R WR ein. 23er und 56er hatten sich ja bereits bewährt und waren auch auf dieser Reise verlässliche Begleiter. Und im ebenso lichtstarken 16er fand ich eine Ergänzung, die mir ideal erscheint, fängt das Objektiv doch diesen Tick weniger ein, den das 14er meist zu viel rumlabert.

Mit diesem Setup hatte ich mein Wunsch-Trio an Festbrennweiten gefunden. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Linsen von nun an loszuziehen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Eine schöne Abrundung des „Dreigestirns“ ist als viertes Objektiv das XF35mmF2 R WR, das ich dem alten und lichtstärkeren 35er mittlerweile vorziehe. Das neue ist kompakter, leichter, schneller, wettergeschützt und sieht vor allem an der Fujifilm X-Pro2 viel schöner aus ;-) Abgesehen von ein paar Schwächen im Nahbereich und bei Offenblende hat es mich als Allrounder im klassischen Normalbereich, der für mich eher eine Art Option zwischen leichtem Weitwinkel und leichtem Tele darstellt, im vergangenen Herbst auf Texel bereits sehr überzeugt.

Eine Verlockung – die Fujicrons

23, 35 und 50 Millimeter
Ach ja, alles wäre so einfach, wenn es nicht doch noch eine Alternative gäbe. Seit einiger Zeit gibt es neben dem kleinen 35er zwei weitere Objektive mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Auch das XF23mmF2 R WR und das XF50mmF2 R WR sind vor allem im Gegensatz zu den lichtstarken 23er- und 56er-Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Mmh, für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese Festbrennweiten äußerst reizvoll. Bei verschiedenen kürzeren Ausflügen habe ich sie bereits verwendet, um zu sehen, ob deren optische Leistung ausreichend ist. Für den „Hausgebrauch“ ist sie das allemal, aber wäre sie auch gut genug, um ein großes Projekt damit zu fotografieren, worüber nachher erneut ein Fotobuch erscheinen soll? Nun, ich denke schon. Und daher werde ich bei einigen der nächsten großen Touren wahrscheinlich die schnuckeligen „Fujicrons“ – ergänzt allein mit dem lichtstarken 16er – in die Welt hinausführen und mit diesen Linsen alle Erlebnisse einfangen.

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Folgeartikel

> Konzentration auf das Wesentliche
> Ein Fujifilm-Festbrennweiten-Update

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