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Neu angerichtet – Mein Portfolio

– Möhreneintopf –

Es hatte es mal wieder bitter nötig – mein Portfolio. In allen Kategorien habe ich es aktualisiert, entschlackt und neu sortiert. Mindestens einmal im Jahr, besser zweimal, sollte diese Bildzusammenstellung – egal ob im Web, als Buch oder Ausdrucke in einer Mappe – durchgegangen und überarbeitet werden. Wer will schon altes Zeug zeigen, dass nicht der aktuellen Arbeit entspricht? Daher ist es sinnvoll, regelmäßig etwas Mühe in sein Portfolio zu stecken, und so war es für mich kürzlich an der Zeit, erneut zu Werke zu gehen und der Bildauswahl einige Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Zusammenstellung (m)eines Profils und Portfolios

Am Anfang steht immer die Frage, was man zeigen (verkaufen) möchte. Wobei sich das im Grunde recht schnell beantworten lässt: Ein Landschaftsfotograf zeigt eine Auswahl seiner besten Landschaftsfotos, ein Hochzeitsfotograf die Highlights einiger Hochzeiten und wer sich auf Porträts spezialisiert hat, wird hier die ausdrucksstärksten Bilder auswälen. Allerdings wird jemand, der das Fotografieren von Kindern und Familien anbietet, nicht nebenbei auch noch Aktfotos in seinem Portfolio zeigen. Wobei, so was soll’s tatsächlich geben … Heißt: Das was man zeigt, muss zueinander passen. In einem Bereich sollte die spätere Bildzusamenstellung ohnehin stimmig sein. Aber auch wer mehrere Genre der Fotografie bedient, tut gut darin, darauf zu achten, dass sich die Themen im besten Fall ergänzen und nicht konträr sind. So sind z. B. Reportage oder auch Editorial teils krasse Gegenteile von Werbung. Beides zu zeigen, widerspricht sich und hindert einen daran, sich mit einem klaren Profil zu präsentieren.

Nun gut, mein Portfolio ist thematisch etwas aufgefächert. Es besteht aus den Bereichen Outdoor & Expeditionen, Natur & Landschaft sowie Reise & Reportage. Hatte ich diese „Zweierblöcke“ vor Urzeiten einmal gemeinsam gezeigt, präsentiere ich sie längst geteilt. Zur besseren Übersicht und klareren Struktur. Dabei muss ich gestehen, dass die Rubrik Reportage tatsächlich schnell als „Deckmäntelchen für planloses, technisch unambitioniertes Rumgeknipse bei einem Ereignis“ dient, wie einst Martina Mettner in ihrem Buch Erfolg als Fotograf schrieb.

Die Vorauswahl

In seinem Buch Photography Q&A empfiehlt Zack Arias zur Portfolio-Erstellung alle Bilder durchzugehen, die man bisher in seinem Fotografenleben gemacht hat. Am besten die unbearbeiteten RAWs, weil einem die vor Jahren bearbeiteten Fotos heute in ihrem Look vielleicht gar nicht mehr gefallen und allein deshalb aussortiert werden, obwohl sie eine zweite Chance verdient hätten. Auch reift man mit den Jahren nicht nur als Fotograf, sondern auch als „Bild-Redakteur“ und sieht ältere Aufnahmen nach langer Zeit oft mit anderen Augen.

Okay, ganz so tief bin ich nicht in mein Archiv hinabgestiegen. Ich habe mich aktuell auf die Zeit rund um mein im letzten Jahr abgeschlossenes Fotoprojekt Mein Norden beschränkt. So habe ich dann alle meine Fotos nochmals durchgesehen, die ich in der Phase gemacht habe, was auch so eine ausreichende Anzahl war, die zudem ausreichend aktuell ist und auch komplett meinem aktuellen Bildstil entspricht. Dabei habe ich es mir jedoch noch etwas weiter „vereinfacht“ und Zack Arias Rat missachtet. Denn ich habe mir nur die bearbeiteten Bilder vorgeknöpft und fast auch nur die, die ich bereits auf Flickr in größerer und nicht so stringenter Auswahl zeige. Während des Auswahlprozesses habe ich so gleichzeitig meine Alben auf Flickr weiter ausmisten können, da ich über Fotos gestolpert bin, die ich selbst dort heute nicht mehr zeigen möchte. Parallel zu dieser Aufräumarbeit sind alle Bilder, die mir aus den letzten Jahren gefielen, in Ordner gewandert, die ich nach den Portfolio-Rubriken benannt hatte. Dieser Akt ist zeitraubend, aber am Ende hatte ich so eine Vorauswahl für jede Kategorie getroffen, die ich nun in einem Bildverwaltungsprogramm weiter durchsehen konnte.

Steht diese erste Auswahl, tut etwas Abstand zu den eigenen Fotos gut. Und es kann passieren, dass man alle seine Fotos jetzt beschissen findet. Die Bilder, die man in seinem Portfolio gerne zeigen möchte, sind alle nicht dabei. Weil sie alle noch darauf warten, fotografiert zu werden. Hier heißt es, den Dämon zu bezwingen – es gilt mit dem zu arbeiten, was man aktuell zu bieten hat. Alles andere ist Zukunftsmusik und sollte einen nicht abhalten, überhaupt loszulegen und ein Portfolio zu erstellen!

Die Präsentation der 25

Die 25 ist eine magische Zahl. Ein Portfolio (bzw. eine jede Rubrik) sollte nicht aus mehr als 25, maximal 30 Fotos bestehen. Schließlich gilt es, nur die wirklich besten Aufnahmen zu zeigen. Und was repräsentativ ist, sollte man selbst (vor)entscheiden und nicht dem Betrachter überlassen. Im Zweifel ist auch hier – wie so oft – weniger immer mehr.

Manche Bilder sind wie die eigenen Kinder. Die Beziehung zu ihnen ist höchst emotional. Man kann sich nicht im entferntesten vorstellen, sich jemals von ihnen zu trennen. Und doch muss es sein. Allein ist das allerdings kaum zu schaffen. Es braucht Hilfe. Einen zweiten, ungetrübten Blick. So wird leichter klar, welche Fotos ins Portfolio gehören und welche geopfert werden müssen.

Auch kann es sein, dass manche Bilder es nicht ins Portfolio schaffen, weil sie einfach „unangenehm“ herausstechen aus dem Rest und sich nicht einfügen in die finale Auswahl der Aufnahmen, mit der man sein Schaffen darstellen möchte. Sich auf diese geringe Zahl der etwa 25 runter zu kasteien, kann ein schwerer und zermürbender Prozess sein.

Eins nach dem anderen

Wenn die finale Auswahl steht, ist die Arbeit aber noch immer nicht getan. Egal ob für eine Präsentation im Web oder ein gedrucktes Portfolio – es muss eine Reihenfolge gefunden werden, die deutlich über eine „Chronologie der Ereignisse“ hinausgeht. Ein Portfolio braucht einen starken Anfang, der den Betrachter hineinzieht in die Bildstrecke und Lust macht, sich die Fotos anzusehen. Dann heißt es, einen Flow zu schaffen, der ohne zu viele Ecken und Kanten garantiert, durch die Bilder schauen zu können bis hin zu einem verheißungsvollen Ausklang. Oft drängen sich Aufmacher und Schlussbild schnell auf. Der Mittelteil hingegen bedarf häufig eines hin und her, bis die Abfolge reibungslos zusammengestellt ist. Zwischendurch Abstand gewinnen, mal eine Nacht drüber schlafen, tut auch hier wieder gut, um den Blick aufs eigene Werk fokussieren zu können.

Am Ende des ganzen Prozesses, wenn schließlich alles so gut wie fix und fertig ist, wird einem allerdings recht schonungslos vorgeführt, wo die Löcher in der eigenen Arbeit sind, wo das Portfolio mit besserem Material aufgewertet werden muss. Spätestens hier könnte man an einen Punkt gelangen und meinen, besser noch zu warten und das Portfolio erst dann zu zeigen, wenn diese fehlenden Fotos fotografiert sind. Aber das bringt nichts. Irgendwann muss Schluss sein mit dem immer fortlaufenden Arrangieren der Bilder, weil man sich nicht festlegen kann. Es kommt der Punkt, da sollte man über seinen eigenen Schatten springen und das Portfolio veröffentlichen. Es hinausschicken in die Welt, damit es zeigt, was man kann und wer man ist. Und natürlich ist klar, dass man die Aufnahmen, von denen man meint, dass sie noch fehlen, so schnell wie möglich macht und später ins Portfolio integriert und damit schlechtere ersetzt.

In Zack Arias Worten:

„It’s never going to be perfect. It’s never going to be finished. It’s never going to be ready. If you wait until you are ready you’ll never accomplish a thing.“

Buchempfehlungen:

  • Zack Arias, Photography Q&A
  • Martina Mettner, Erfolg als Fotograf

> Mein Portfolio

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