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Der Jostedalsbreen, die Spalten und die Umkehr 23. April 2010

Veröffentlicht von Martin Hülle in : Reisen , trackback
"Småttene, Jostedalsbreen, Norwegen"
- “Småttene, Jostedalsbreen, Norwegen” -

Seit Mittwoch Abend bin ich aus Norwegen zurück, wo ich gemeinsam mit Christian Müller eine Überquerung des Jostedalsbreen unternehmen wollte (siehe auch Blog-Eintrag vom 08. April 2010). Schon der Anfang der Tour gestaltete sich schwierig – nur noch wenig Schnee lag in Pollfoss, unserem Ausgangspunkt. Wir mussten die komplette Ausrüstung – die Ski und das Essen für 10 Tage, einen Pulka-Schlitten, ein Seil und vieles mehr – erst einmal in mehreren Portagen bis nach Framrusteseter schleppen. Ab da lag eine geschlossene Schneedecke und wir erreichten von nun an auf Ski und mit der Pulka im Schlepp am Raudberget vorbei und über den zugefrorenen Raudalsvatnet den Fuß der Gletscherausläufer, von dem es 700 steile Höhenmeter hinauf bis an den Rand des weitläufigen Eisplateaus ging.

Zügig liefen wir von dort über den Sikilbreen und den Sygneskardbreen am Klubben vorbei bis nach Høgda, am Rande der Schlüsselstelle unserer geplanten Route gelegen – oberhalb des Lodalsbreen und gegenüber des Småttene Eisfalls, über den der Aufstieg auf das eigentliche Plateau des Jostedalsbreen führen sollte. Doch hier kam alles anders als gedacht und erwartet. Bei schönstem Wetter – Sonnenschein und angenehmen Temperaturen – standen wir auf dem steilen Gletscherhang Lodalsbrekka, der hinab zum Lodalsbreen führt. Und mussten schnell einsehen, dass der Weiterweg für uns zu riskant sein würde. Der Gletscherhang war durchzogen mit Spalten, die “normalerweise” zu dieser Jahreszeit mit Schnee bedeckt sein müssten und ein recht problemloses Weiterkommen an dieser Stelle ermöglichen sollten. Doch der schneearme Winter in Norwegen machte uns nun einen Strich durch die Rechnung. Der Blick hinüber zum Småttene war noch ernüchternder. Der Eisfall, der im Sommer als nahezu unpassierbar gilt, zeigte sich auch jetzt in weiten Teilen zerrissen und zerfurcht. Ohne die tragende Schneeauflage, die einen Aufstiegsweg zum Jostedalsbreen bilden sollte.

Eine Umkehr an dieser Stelle war unumgänglich. Einen alternativen Übergang zum Jostedalsbreen gibt es hier nicht. Zwar hatten wir ein Seil und Ausrüstung zur Sicherung dabei, doch nur zu zweit erschien uns der Weg mit all dem schweren Gepäck als zu gefährlich. Eventuell in einer Dreier-Seilschaft, nur mit Rucksäcken und ohne Pulka, so hätte man es wagen können auch bei diesen Bedingungen … Aber für uns Zwei war hier Schluss. Zähneknirschend drehten wir um. Und als sich auch ein Abstieg über den nahen Erdalsbreen hinab ins Erdalen vom Gipfel der Stornosa aus betrachtet als wenig gangbar erwies, blieb nur ein langer Rückweg nach Pollfoss.

Zu allem Überfluss änderte sich das Wetter. Aus Gut wurde Schlecht und in der Nähe der Leirvasshøi mussten wir drei Tage im Zelt in einem Schneesturm am Rande der Gletscher ausharren, bis wir wieder hinab steigen konnten aus den Regionen des ewigen Eises, zum Raudalsvatnet und zurück nach Pollfoss …

Bilder der Skitour wird es bald hier und auf meiner Website zu sehen geben. Und im StadtLandFlucht-Magazin wird eine ausführliche Geschichte der missglückten Jostedalsbreen-Überquerung folgen.

> Tourenbuch

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