Suche
Suche Menü

Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?

Bei meinem letzten Fotoprojekt Mein Norden kamen von Reise zu Reise unterschiedlichste Objektive aus dem X System von Fujifilm zum Einsatz, die insgesamt einen Brennweitenbereich von 10 bis 200 Millimeter abdeckten (entsprechend 15 bis 300 mm an Kleinbild). Meistens griff ich zu einem Zoom oder Kombinationen aus Zooms, die ich ab und an noch mit einer einzelnen Festbrennweite ergänzte. Aber dann gab es auch Wandertouren, auf die ich ausschließlich Festbrennweiten mitgenommen habe – und das sind in meiner Erinnerung die fotografisch intensivsten Reisen.

Nach Abschluss des Fotoprojekts war es interessant zu sehen, welche Brennweiten und Objektivkombinationen am häufigsten zum Einsatz kamen. Die extremen Bereiche (Ultraweitwinkel und stärkeres Tele) habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt – das meiste spielte sich zwischen ca. 16/18 und 55 Millimeter ab. Daher ist an sich das lichtstarke XF16-55mmF2.8 R LM WR Zoom eine gute Wahl, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einem Objektiv abdeckt. Aber ich mag das dicke Ding nicht so sehr und ich fotografiere ohnehin lieber mit FBs.

Diese recht enge Begrenzung bei den verwendeten Brennweiten schlägt sich auch im Bildstil wieder. Dieser wird also nicht nur geprägt durch Aspekte wie die Motivwahl, den Ausschnitt, die Lichtsetzung, den Moment, die Bearbeitung, sondern auch in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine Beschränkung und eine immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten/Objektive kann den persönlichen Stil also noch weiter befeuern und den „Wiedererkennungswert“ steigern.

Für mein nächstes großes Fotoprojekt Zweite Heimat, das erneut mehrere Reisen beinhaltet, möchte ich mir diese „Verdichtung“ zunutze machen und möglichst über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren. Genauer mit drei, maximal vier Objektiven. Nur welche Festbrennweiten soll ich letztendlich nehmen?

Rückblicke und Erfahrungen

18, 35 und 60 Millimeter
Als ich 2012 zu Fuß und allein in Schweden und Norwegen durch Europas letzte Wildnis lief, hatte ich in den Regionen Sarek & Padjelanta nur das XF18mmF2 R, das XF35mmF1.4 R und das XF60mmF2.4 R Macro dabei (weitere Objektive gab es zu der Zeit für das X System ohnehin noch nicht). Das 35er war mir auf der Tour die liebste und meistgenutzte Linse. Die „Normalbrennweite“ – entsprechend ca. 50 mm an KB – passte mir da auch gut zu den Motiven. Mit dem 18er hingegen wurde ich von Anfang an nie richtig warm – was sowohl am Bildwinkel, als auch der optischen leistung lag, die mich nicht überzeugte. Das 60er war dafür ein schönes kürzeres Tele, nur langsam vom AF.

Als Fujifilm daraufhin die ersten Zooms herausbrachte, legte ich die Festbrennweiten erstmal wieder auf Seite und das XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS wurde für lange Zeit mein Brot- und Butter-Objektiv. Auf Outdoortouren ist ein Zoom einfach praktisch – lästige Objektivwechsel im Schneesturm oder unter anderen garstigen Bedingungen entfallen und die wichtigsten Brennweiten sitzen immer an der Kamera. Die 18er Festbrennweite kam seitdem nicht mehr zum Einsatz, auch nicht das 60er Macro.

Doch irgendwann wurden mir die Zooms zu bunt. In der Zwischenzeit hatte ich auf einigen Reisen zusätzlich zum Standardzoom ab und an auch das XF10-24mmF4 R OIS und das XF55-200mmF3.5-4.8 R LM OIS eingesetzt, die das Fujinon-Sortiment mittlerweile erweiterten. Mir war das aber ein zuviel an Möglichkeiten geworden und ich wagte es ein zweites Mal, nur mit Festbrennweiten loszuziehen.

– Im Gleichgewicht – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1100 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Hunau-Turm – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/1800 Sek, f 2.8, ISO 200 –

14, 23 und 56 Millimeter
Im Spätherbst 2014 streifte ich in Finnland durch den Urho-Kekkonen-Nationalpark und nahm nur das XF14mmF2.8 R, das XF23mmF1.4 R und das XF56mmF1.2 R mit. Und das war gut so. Müsste ich die Inselfrage beantworten, wäre sicherlich das 23er das Objektiv, welches ich auswählen würde, könnte ich mich nur für eine Brennweite entscheiden. Entgegen eines 35ers ist es für mich universeller einsetzbar und es entspricht in der Landschaftsfotografie eher dem, was ich sehe, wohingegen das Normalobjektiv in meinen Augen eine Szenerie bereits minimal telehaft verdichtet.

Das 14er, das ich auch zuvor schon mehrfach als Ergänzung zu Zooms dabei hatte, überzeugte mich aber erneut nicht so recht. Wie schon beim 18er lag es auch hier an der Brennweite und der optischen Leistung. Die Bildqualität fand ich schlechter als beim 10-24er bei gleicher Brennweite. Und überhaupt, der Bildwinkel. Der große deutsche Naturfotograf Fritz Pölking sagte einst, ein Objektiv dieser Brennweite sei schnell geschwätzig, weil es einfach zu viel aufs Bild bringt, oft unwichtiges. Ein „viel hilft viel“, ist hier häufig wenig zielführend auf dem Weg zu einem guten Bild. Daher habe ich das 14er, wie auch das 10-24er im extremen Bereich, nur recht wenig benutzt.

Die 56er „Porträt-Linse“, wie das 23er extrem lichtstark, war und ist allerdings ein feines Teil. Spätestens hiermit verschwand das 60er Macro bei mir völlig in der Versenkung, diesen leichten Telebereich setzte ich aber weiterhin gerne ein, um beispielsweise Details aus einer Landschaft herauszuarbeiten.

Weil Zooms jedoch, ich sagte es bereits, auf Wanderungen und Skitouren oftmals ihre Vorzüge haben, probierte ich auf folgenden Reisen das lichtstarke 16-55er aus, um zu sehen, ob diese „eierlegende Wollmichsau“ für mich der heilige Gral sein könnte. Was aber, wie eingangs schon erwähnt, nicht der Fall war. Zwar passt der Brennweitenbereich ziemlich perfekt, auch die Lichtstärke ist meistens ausreichend, aber der Funke sprang nie über. Ich sehnte mich bald erneut nach Festbrennweiten und machte einen dritten Versuch.

– Pusteblume – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/500 Sek, f 2.8, ISO 200 –
– Bokehlicious – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/125 Sek, f 2.8, ISO 1000 –

16, 23 und 56 Millimeter
Für meine Wanderungen durch das Johan Dahl Land, Qajuuttap Nunaa und das Mellemlandet in Grönland im letzten Jahr, packte ich dieses Mal neben dem XF23mmF1.4 R und dem XF56mmF1.2 R noch das XF16mmF1.4 R WR ein. 23er und 56er hatten sich ja bereits bewährt und waren auch auf dieser Reise verlässliche Begleiter. Und im ebenso lichtstarken 16er fand ich eine Ergänzung, die mir ideal erscheint, fängt das Objektiv doch diesen Tick weniger ein, den das 14er meist zuviel rumlabert.

Mit diesem Setup hatte ich mein Wunsch-Trio an Festbrennweiten gefunden. Vieles spricht dafür, primär mit diesen Linsen das Fotoprojekt „Zweite Heimat“ umzusetzen und damit meinen „reportageartigen“ Stil der Landschafstfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten.

Eine schöne Abrundung des „Dreigestirns“ könnte als viertes Objektiv das XF35mmF2 R WR sein, das ich dem alten und lichtstärkeren 35er mittlerweile vorziehe. Das neue ist kompakter, leichter, schneller, wettergeschützt und sieht schöner aus ;-) Bis auf ein paar Schwächen im Nahbereich und bei Offenblende hat es mich als Allrounder im klassischen Normalbereich, der für mich eher eine Art Option zwischen leichtem Weitwinkel und leichtem Tele darstellt, im vergangenen Herbst auf Texel bereits sehr überzeugt.

Eine Verlockung – die Fujicrons

23, 35 und 50 Millimeter
Ach ja, alles wäre so einfach, wenn es nicht doch noch Alternativen gäbe. Seit einiger Zeit gibt es neben dem kleinen 35er zwei weitere Objektive mit F2er-Anfangsblendenöffnung, die in Anlehung an die Summicron-Reihe von Leica als Fujicrons die Runde machen. Auch das XF23mmF2 R WR und das XF50mmF2 R WR sind vor allem im Gegensatz zu den lichtstarken 23er- und 56er-Glasklötzen extrem klein, leicht, mit sauschnellem Autofokus gesegnet und darüber hinaus gegen Schmutz und Feuchtigkeit abgedichtet. Mmh, für mich und meine Unternehmungen, bei denen jedes Gramm im Gepäck schwer ins Gewicht fällt, sind diese schnuckeligen Festbrennweiten äußerst reizvoll. Daher teste ich diese gerade, um zu sehen, ob deren optische Leistung ausreichend ist. Für den „Hausgebrauch“ ist sie das allemal, aber wäre sie auch gut genug, um ein großes Fotoprojekt damit zu fotografieren, worüber nachher auch wieder ein Bildband erscheinen soll?

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Was nun, Martin? Die Fujifilm X-Pro2 oder die Fujifilm X-T2?

Soll ich jetzt die Fujifilm X-Pro2 nehmen oder doch lieber zur X-T2 greifen? Diese Frage bekam ich in letzter Zeit immer wieder gestellt. Meine Antwort: Es kommt drauf an. Darauf, welches der beiden Topmodelle einem besser in der Hand liegt, welche Features einem besonders wichtig sind. Darauf, was man braucht, wie und was man fotografiert. Die beiden Kameras haben ihre Gemeinsamkeiten, aber auch ihre Unterschiede. Eine Gegenüberstellung.

Rückblick: Es war die X-Pro1, die mich einst ganz ins Fujifilm X System eintauchen ließ. Besonders das Design im Messsucherstil begeisterte mich und ich verliebte mich in diesen Fotoapparat auf den ersten Blick. Doch als dann die X-T2 auf den Markt kam, zog ich fortan mit ihr los, obwohl ich an deren DSLR-Look weniger Freude hatte. Da sie technisch dem Pro-Modell allerdings einige Schritte voraus war, wurde sie mein neues Arbeitstier. Ganz anders hingegen die aktuelle Situation: Die X-Pro2 und die X-T2 sind von ihren inneren Werten weitestgehend gleichauf, wenn auch ein paar funktionelle Unterschiede dennoch in den Gehäusen stecken. Diese will ich nachfolgend ein wenig erläutern – zumindest jene, die für mich relevant sind -, könnten sie doch für andere den Ausschlag hin zu dem einen oder anderen Modell geben. Einen ausführlichen Erfahrungsbericht zur Fujifilm X-Pro2 hatte ich übrigens hier bereits veröffentlicht.

Die Sache mit den Äpfeln und den Birnen

Auch wenn beide Kameras leckere Früchtchen sind, springt der größte Unterschied nach wie vor sofort ins Auge. Beide Modelle bleiben dem Design ihrer Vorgängerinnen treu. Und hier spalten sich die Nutzer sicherlich schon rasch in zwei Lager auf. Ich bin nach wie vor ein Anhänger des Messsucherstils der X-Pro2 und nehme sie lieber ans Auge als die DSLRartige X-T2. Da ich mit dem rechten Auge durch den Sucher schaue, kann ich mich schön an die X-Pro2 schmiegen und muss mich nicht hinter die Kamera quetschen, wie es bei der X-T2 der Fall ist. Für alle, die Menschen fotografieren, ergibt sich so auch ein klarer Pluspunkt für das Pro-Modell: Man verschwindet nicht hinter dem kleinen schwarzen Kasten, sondern das eigene Gesicht bleibt in größten Teilen sichtbar. Eine Kommunikation mit der Person vor der Linse ist einfacher möglich. Aber selbst bei meinen überwiegend leblosen Motiven habe ich mit der X-Pro2 das Gefühl, allein durch diese Kamerahaltung näher dran zu sein und drin zu stecken in der Szenerie.

– Der Sprung – X-Pro2, XF35mmF2 R WR, 1/420 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Zwischen Gräsern – X-Pro2, XF35mmF2 R WR, 1/5000 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Aber nun zu den inneren Werten …

Hybrid-Sucher contra Kinoleinwand
Das wahrscheinlich wichtigste Alleinstellungsmerkmal der X-Pro2 (neben den Modellen der X-100-Serie) ist ihr Hybrid-Sucher. Und hier ist es der optische Sucher (OVF), der etwas möglich macht, was mit dem elektronischen Sucher (EVF) nicht geht. Die zur Bildfeldbegrenzung eingeblendeten Leuchtrahmen lassen einen Raum um das eigentliche Bild offen und zeigen, was sich außerhalb dessen abspielt, was schließlich auf den Chip gebannt wird. Vor allem für Street- und Reportagefotografen kann das sehr nützlich sein. Ist jemand kurz davor störend ins Bild zu laufen? Oder warte ich am besten gerade diesen einen kurzen Moment noch ab?

Für mich ist der OVF aber kein Grund, die X-Pro2 deswegen der X-T2 vorzuziehen. Schon bei der X-Pro1 hatte ich frühzeitig fast ausschließlich den EVF benutzt und den OVF nur als nettes zusätzliches „nice to have“ angesehen.

Wie schon die X-T1 punktet die X-T2 mit ihrem riesigen EVF, bei dem ich teils Mühe habe, den kompletten Überblick zu wahren … Ist die Auflösung mit ca. 2,36 Millionen Bildpunkten bei den elektronischen Suchern der X-Pro2 und X-T2 identisch, erreicht der EVF des T-Modells eine höhere Wiederholungsrate von bis zu 100 Bildern pro Sekunde (im Boost-Modus) gegenüber den maximal 85 FPS des Pro-Modells, was ein „flüssigeres Bild“ und somit eine noch bessere Motivverfolgung ermöglicht.

Autofokus
Seit Firmware-Version 2.00 ist die AF-Performance der X-Pro2 auf dem gleichen Niveau wie die der etwas neueren X-T2 und auch die Anzahl der Fokusmessfelder ist seitdem identisch. Und seit Firmware-Version 3.00 sind auch die fünf benutzerdefinierten Einstellungen des AF-C nicht mehr allein der X-T2 vorbehalten. Nur die Custom-Option mit ganz individuellen Möglichkeiten den AF-C zu konfigurieren, bleibt der X-T2 vorbehalten. Die anfangs deutlichen Vorteile der X-T2 gegenüber der X-Pro2 in diesem AF-Modus sind mittlerweile also eher marginal.

Serienbildrate
Bei der X-Pro2 ist die Serienbildrate im Modus CL auf 3 und im Modus CH auf 8 Bilder pro Sekunde festgelegt. Die X-T2 bietet hier mehr Optionen: Im Modus CL kann zwischen 3, 4 oder 5 FPS ausgewählt werden. Und im Modus CH zwischen 8, 11 und 14. Dabei sind die maximalen 14 Bilder pro Sekunde ausschließlich mit dem elektronischen Verschluss möglich (Boost-Modus und Handgriff sind dafür allerdings nicht erforderlich). Bei der Nutzung des mechanischen Verschlusses sind für die 11 FPS der Handgriff nötig (im Boost-Modus), oder auch diese Geschwindigkeit bleibt dem elektronischen Verschluss vorbehalten. 3, 4, 5 oder 8 Bilder pro Sekunde lassen sich mit allen Verschlusstypen realisieren und benötigen weder den Handgriff noch den Boost-Modus. Unterm Strich ist die X-T2 hier flexibler einzusetzen als die X-Pro2, was neben dem leichten Plus beim AF-C vor allem den Action-Fotografen zugute kommt.

Klappdisplay
Der Monitor ist bei der X-Pro2 bekanntlich nicht als Klappdisplay verbaut. Die X-T2 hat ein solches, wie schon ihre Vorgängerin, spendiert bekommen und es lässt sich sogar noch vielfältiger verstellen. Ich mag den Purismus der einen genauso wie die Universalität der anderen Kamera. Die fehlende Klappmöglichkeit wird beim Monitor der X-Pro2 immerhin durch eine etwas höhere Auflösung wettgemacht.

4K Video
Die X-Pro2 ist in erster Linie eine Fotokamera und keine Videokamera (was bei einer Knipse im Rangefinder-Style auch naheliegt …). Die X-T2 hingegen bietet 4K Video und manche andere Verbesserung, welche Videografen sich sehnlichst gewünscht haben. Wer viel filmt, ist mit dem T-Modell daher auf jeden Fall besser bedient. Ich filme bisher so gut wie nie – und kenne mich in dem Segment auch nicht gut aus. Für Details verweise ich deswegen in diesem Punkt auf andere Berichte (dazu am Ende mehr).

Speicherkartenfächer
Sowohl die X-Pro2 als auch die X-T2 verfügen über zwei Kartenslots. Beim Pro-Modell ist allerdings nur ein Kartenslot UHS-II kompatibel, der andere nur UHS-I. Das T-Modell hat zwei der schnellen Kartenfächer spendiert bekommen.

Dies und Das
An die X-T2 lässt sich ein Handgriff schrauben, der zwei weitere Akkus aufnimmt und wodurch sich neben erweiterten Boost-Vorteilen ausdauernder fotografieren lässt (eine entspanntere Haltung der Kamera mit schwereren und größeren Objektiven geht sicherlich einher). Auch gibt es ein paar zusätzliche direkte Einstellräder gegenüber der X-Pro2, bei der z. B. die Drive-Modi oder die Belichtungsmessmethoden per Tastendruck angewählt werden müssen. Dafür finde ich einige der Tasten am Pro-Modell, wie das Steuerkreuz, griffiger weil größer als am T-Modell. Auch die Position des Fokushebels finde ich persönlich angenehmer und etwas besser zu erreichen.

– Landgang – X-T2, XF27mmF2.8, 1/125 Sek, f 5.6, ISO 1000 –
– Unter Blättern – X-Pro2, XF35mmF2 R WR, 1/250 Sek, f 4, ISO 400 –

Fazit

Außer dem Hybrid-Sucher scheint die X-Pro2 auf dem Papier keinerlei „Vorteile“ gegenüber der Fujifilm X-T2 zu haben. Dennoch mag ich sie deutlich lieber. Wie ich bereits schrieb: „Nicht zuletzt hat auch die X-Pro2 diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.“

Die Fujifilm X-Pro2 verkörpert die klassische Reportage. Die Fujifilm X-T2 hingegen steht für modernes Multimedia. Gut, dass ich beide habe :-)

Für tief greifendere Informationen zu den Kameras möchte ich nochmals auf meinen Erfahrungsbericht zur X-Pro2 verweisen und auf die beiden Artikel von Rico Pfirstinger: First Look: Fujifilm X-Pro2 und First Look Review: Fujifilm X-T2.

Welches Modell ist denn Euer Favorit? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

PS: Die Beitragsbilder entstanden in einem kurzen Herbsturlaub auf Texel, wo ich beide Kameras dabei hatte. Weitere Bilder der Reise gibt es hier zu sehen.

Die Fujifilm X-Pro2 – Erste Eindrücke

Jetzt ist sie also Wirklichkeit – die Fujifilm X-Pro2. Lang ersehnt und lang erwartet wurde sie heute offiziell von Fujifilm vorgestellt. Seit Wochen brodelte es bereits in der Gerüchteküche, in der laufend frische Rumors aufgetischt wurden. Alle möglichen Details sickerten schon im Vorfeld durch und es wurde wie eh und je über deren Wahrheitsgehalt wild diskutiert. Mit Interesse schaute auch ich immer wieder hin. Es war lustig zu verfolgen, wie hier ein Produkt „auseinandergenommen“ wurde, das noch gar nicht real war. Mitmischen konnte ich so richtig nicht. Dabei wusste ich, was kommt. Aber ich war zum Schweigen verdonnert.

Bereits im November 2014 war ich nach London zu einem Treffen einiger deutscher und englischer X-Fotografen eingeladen worden, bei dem wir mit Produktentwicklern aus dem Hause Fujifilm über die Nachfolger der X-Pro1 und X-T1 und unsere Wünsche an diese nächste Kamerageneration sprachen. Zugleich wurde uns dort präsentiert, wohin die Reise gehen würde. Aber es gab noch offene Punkte. Möglichkeiten, in diese oder jene Richtung zu entwickeln und da war es Fujifilm wichtig, Einschätzungen und Meinungen von der Praxisfront einzuholen. Das Meeting war erhellend, weil ich so erfuhr, dass nicht alles immer gleichzeitig geht und vielleicht das eine auf der Strecke bleiben muss, um das andere möglich zu machen. Die Diskussionen waren durchaus kontrovers, aber unterm Strich hatten wir Fotografen doch recht ähnliche Vorstellungen, wie wir die Nachfolgemodelle gerne sehen würden.

Umso gespannter war ich im letzten November, als ich von Fujifilm ein „fertiges“ Vorserienmodell der X-Pro2 in die Hände gedrückt bekam. Ich wollte doch zu gerne wissen, was aus den ganzen damaligen Ideen letztendlich geworden ist und wie dieses und jenes Feature am Ende umgesetzt wurde. Und ob die Kamera schließlich meinen Wünschen entspricht, denn es ist ja durchaus so, dass der eine mit etwas zurechtkommt oder benötigt, was den anderen stört oder völlig schnuppe ist. Gleichwohl war ich stolz zu einer ausgewählten Schar weltweiter Fotografen zu gehören, die dieses neue Fujifilm-Flagschiff bereits vor der Präsentation im Rahmen des fünfjährigen Jubiläums des X Systems nutzen durften.

– Farn – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/480 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Vorbemerkung
Wie gesagt handelt es sich bei meiner X-Pro2 um ein Vorserienmodell, bei der die Firmware noch nicht final ist. Als ich die Kamera bekam, hatte sie noch zahlreiche Bugs. Durch ein „Firmware-Update“ wurden diese in der Zwischenzeit minimiert, aber es ist noch immer nicht die endgültige Version. Daher haben auch die JPGs offiziell noch keine finale Qualität, weswegen ich zur Bildqualität zum aktuellen Zeitpunkt auch noch nichts sagen werde. Die RAW-Dateien hätte ich mit dem RAW FILE CONVERTER EX von SILKYPIX hingegen schon bearbeiten können, aber ich mag das Programm nicht und warte daher ab, bis auch Adobe Camera RAW die X-Pro2 unterstützt und ich die Bilder meinem gewohnten Workflow entsprechend bearbeiten kann. Bislang habe ich deshalb nur den kamerainternen RAW-Konverter benutzt alle auch hier zu sehenden Fotos sind JPGs OOC.

Auch hatte ich noch nicht die Möglichkeit, die X-Pro2 mit auf eine Reise, Wanderung oder Skitour zu nehmen und unter den Bedingungen zu testen, wo ich das X System hauptsächlich einsetze. Das wird dann im März/April in Grönland mit einem Serienmodell geschehen (es wurde stattdessen erst eine Reise im September …). Mein erster Eindruck ist daher wirklich nur ein vorläufiger, den ich fortlaufend erweitern und überarbeiten werde.

Dabei will ich die Kamera jetzt auch nicht von A-Z erklären – dies ist kein technischer Kameratest, sondern eine persönliche Einschätzung, wie ich die Kamera bislang empfunden habe, vor allem im Vergleich zur X-Pro1 und X-T1.

– Selma – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/125 Sek, f 2, ISO 1250 –

Gehäuse, Haptik, Tasten, Räder, usw.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich den Messsucher-Look der X-Pro-Reihe dem DSLR-Design der X-T1 vorziehe. Ich schaue mit dem rechten Auge durch den Sucher, kann die linke Kameraseite dabei bequem aber stabil an der Nase anlegen und muss mich nicht komplett hinter ein Gehäuse klemmen. Daher war ich auch sehr scharf auf einen Nachfolger der X-Pro1. Nur aufgrund der überlegenen Features der X-T1 war ich seit deren Erscheinen bevorzugt damit unterwegs. Für mich ein Kompromiss, zumal ich ein Gehäuse ohnehin lieber etwas größer als kleiner mag, was zudem für die X-Pro spricht (Batterie- und Hochformatgriff an der X-T1 hin oder her …).

Gehäuse
Das Gehäuse der X-Pro2 ist einen Tick größer und auch schwerer als das der X-Pro1. Durch das höhere Gewicht wirkt die Zweier solider und nicht so „luftig“ wie die Einser. Zudem ist die Kamera wie die X-T1 abgedichtet, was mir und meiner Fotografie bei oft miserablem Wetter sehr entgegenkommt. Der Griffwulst vorne und die Daumenablage hinten sind etwas ausgeprägter als bei der X-Pro1, wodurch die X-Pro2 selbst ohne Zusätze besser in der Hand liegt als ihre Vorgängerin. Am grundsätzlichen Design hat Fujifilm nicht viel geändert, was ich sehr begrüße. Viele Fragen sich zwar, warum die Kamera so groß ist, hat sie doch nur einen APS-C Sensor inne. Denen kann ich nur entgegnen, dass sie dadurch handlicher ist. Die deutlich kleinere X-E-Serie empfand ich beispielsweise lange nicht so ergonomisch.

Monitor und Tasten
Der Monitor ist auf die linke Seite gerückt. Alle Tasten sind jetzt ausschließlich oberhalb und überwiegend rechts davon angeordnet, wodurch sich die Kamera sehr bequem allein mit der rechten Hand bedienen lässt, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen. Zum Glück ist Fujifilm bei der X-Pro2 kein solcher Fauxpas passiert wie einst bei der ersten X-T1-Generation mit ihrem fummeligen Steuerkreuz. Alle Tasten sind hier griffig und mit deutlichem Klick, die besten aller X-Modelle bislang. Sechs der Tasten sind darüber hinaus als Fn-Tasten nutzbar (die vier des Steuerkreuzes, eine auf der Oberseite und eine auf der Vorderseite, die integriert ist in den „Sucherhebel“).

Der Joystick
Wichtigste Neuerung ist allerdings der Fokushebel! Solch einen Steuerknüppel hatte ich mir schon lange gewünscht, mit dem per Daumen rasch und bequem das AF-Messfeld ohne weiteren vorherigen Tastendruck kreuz und quer verschoben werden kann. Und auch durch ein aufgenommes Bild oder durchs Menü lässt sich damit geschwind hin und her wandern.

Zweites Einstellrad und Plus-Minus-Korrektur
Eine weitere Änderung gegenüber der X-Pro1, aber schon von der X-T1 bekannt, ist das zusätzliche Einstellrad auf der Vorderseite. Eine seiner Funktionen habe ich in Ermangelung einer Bedienungsanleitung allerdings eher zufällg gefunden: Wie die vorigen X Kameras hat die X-Pro2 nun auch ein von -3 bis +3 reichendes Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Und für alle, denen diese Werte nicht ausreichen, hat das Rad neu zusätzlich die Position C. Ist diese eingestellt, funktioniert die Plus-Minus-Korrektur über das vordere Einstellrad von -5 bis +5. Ein Druck aufs Rad genügt und es ist aktiviert. Mit einem weiteren Druck kann man eine vorgenomme Korrektur fixieren.

Zwei Kartenslots
Wie bei der X-T1 ist das Speicherkartenfach nun separat vom Batteriefach auf der rechten Seite angebracht. Und wie die Türe zu den HDMI-, USB- und Mic/Remote-Anschlüssen auf der linken Seite, ist der Verschluss zu den Speicherkarten deutlich solider konstruiert als bei der X-T1. Auch hier scheint Fujifilm dazugelernt zu haben und manche Krankheit früherer Modelle gar nicht mehr aufkommen zu lassen.

Und ja, es gibt endlich zwei Kartenslots, die ich mir wie den Fokushebel sehr gewünscht habe. Allein dadurch ist die X-Pro2 für meine langen Wildnisaufenthalte ohne zwischenzeitliche Backup-Möglichkeit von nun an sicherlich erste Wahl. Direkt in der Kamera ein Backup der Fotos erstellen zu können, ist der denkbar einfachste Weg der Datensicherung. Klar, wer im Studio fotografiert und seine Bilder direkt in einen Rechner schießt, braucht das nicht. Für mich ist das aber ein Riesenschritt nach vorne, der mir unterwegs mehr Schlaf garantieren wird. Dabei ist allerdings nur ein Kartenslot UHS-II kompatibel, der andere nur UHS-I – für zwei schnelle war sicherlich kein Platz, was ich verschmerzen kann. Die Kartenfächer lassen sich zudem unterschiedlich konfigurieren – Sequenziell, Sicherung oder RAW/JPG.

ISO-Verstellung
Die ISO-Verstellung ist neuerdings ins Zeitenrad auf der Oberseite integriert. Ganz wie in alten analogen Zeiten und wie ich es von meiner Nikon FM2 kenne. Hier sehe ich aber durchaus Potenzial für kontroverse Meinungen. Sicherlich ist die Lösung all jenen geschuldet, die zwingend nach einem extra ISO-Rad gerufen haben. Die Fotografen, die oft die ISO-Zahl verstellen, hätte eine ISO-Taste in Verbindung mit einem der Einstellräder sicherlich besser geschmeckt. Bislang komme ich mit der „neuen“ Lösung aber ganz gut zurecht, da ich primär AUTO-ISO benutze und das Rad weitestgehend in der A-Stellung belasse und nur in Ausnahmefällen einen bestimmten ISO-Wert direkt einstelle. Positiv in diesem Zusammenhang sind die nun drei programmierbaren AUTO-ISO-Einstellungen, die sich bequem und fix über eine Fn-Taste auswählen lassen. Der ISO-Bereich geht übrigens regulär von 200 bis 12.800 plus erweiterbar auf ISO 100, 25.600 und 51.200 (in Drittelstufen).

Verschluss
Die Verschlusszeiten reichen jetzt mechanisch bis zur 1/8000 Sek und elektronisch bis zu 1/32.000 Sek (kürzeste Blitzsynchronzeit ist 1/250 Sek, zudem wird HSS mit bis zu 1/8000 Sek unterstützt). Der Verschluss hat eine sehr geringe Vibration und ist für 150.000 Auslösungen ausgelegt. Der Auslöser verfügt wie bei der X-Pro1 weiterhin über ein Drahtauslösergewinde!

Akku
Der Akku ist identisch mit denen voriger X Kameras. Kontinuität finde ich hier positiv, auch wenn ich mir mehr Leistung durchaus gewünscht habe. Aber das hätte aktuell einen größeren Akku erfordert, der dann keinen Platz für einen zweiten Kartenslot gelassen hätte. Durch drei Optionen beim POWER MANAGEMENT ist es aber dennoch möglich, die Anzahl möglicher Auslösungen zu erhöhen, da die Effizienz der Kamera gesteigert wurde. So lässt sich die Wiederholungsrate des EVF von 85 FPS auf 54 FPS absenken, wodurch Energie gespart wird (Einstellung STANDARD anstelle HOCHLEISTUNG). Und wer den OVF nutzt, kann durch die ECO-Stellung noch länger fotografieren. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die Kamera zusätzlich um eine Energiesparfunktion erweitert worden!). Daneben ist die Akkustandsanzeige nun auf 1% genau. Und wo wir schon auf der Kameraunterseite sind: Das Stativgewinde befindet sich bei der X-Pro2 in der Objektivachse!

„Kritikpunkt“: Der Monitor ist nicht als Klappdisplay verbaut. Viele hatten sich das gewünscht (bzw. als erstes No-Go bezeichnet) und ich hatte es an der X-T1 auch schätzen gelernt. Ob für den Verzicht allein der Retro-Faktor ausschlaggebend war oder ein Klappdisplay die Kamera z. B. deutlich dicker gemacht hätte, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es kein Gerät geben, das alle Wünsche zu 100% befriedigt.

– Regentropfen – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/250 Sek, f 4, ISO 640 –

Der Hybrid-Sucher

Wie bereits  die X-Pro1 und X100-Serie verfügt die X-Pro2 über einen Hybrid-Sucher bestehend aus einem optischen (OVF) und elektronischen (EVF) Sucher. Je nach Bedarf und Vorliebe kann zwischen beiden Optionen gewechselt werden. Das geht wie eh und je ganz leicht mit einem Finger der rechten Hand über einen Hebel auf der Vorderseite. Und wie schon bei der X100T hat die neue X-Pro nun auch den ERF (elektronischer Messsucher) an Bord. Dieser funktioniert wie der optische Sucher, aber zusätzlich mit einer Live-View-Vorschau, bei der ein Komplettbild zur Kontrolle der Belichtung, Farben und des Bildausschnitts, oder eine in zwei Stufen vergrößerbare Ansicht der aktuellen Fokusposition an der unteren rechten Ecke des Suchers eingeblendet wird (mit den Optionen DIGITALES SCHNITTBILD und FOCUS PEAKING).

Das „Alleinstellungsmerkmal“ Hybrid-Sucher ist für mich aber kein Grund, die X-Pro-Serie den anderen Kameras vorzuziehen. Schon bei der X-Pro1 habe ich frühzeitig fast ausschließlich den EVF benutzt und den OVF als nettes zusätzliches „nice to have“ angesehen. Daher habe ich mich nie sonderlich mit dem optischen Sucher beschäftigt und das in der jetzigen Probezeit der X-Pro2 auch nur rudimentär getan. Im Vergleich zur X-Pro1 scheinen die zur Bildfeldbegrenzung eingeblendeten Leuchtrahmen das Endergebnis „genauer“ darzustellen (92% gegenüber 90%) und bei manueller Fokussierung wandert der Leuchtrahmen zum Parallaxenausgleich mit (wie es bei AF-Nutzung nach Antippen des Auslösers geschieht und der Leuchtrahmen an die korrekte Position springt). Schön ist zudem, dass bei der Verschiebung des Fokusmessfeldes im AF-Betrieb auch im OVF der Bereich mit Phasendetektion erkennbar und gelb eingerahmt ist. Auch ist der OVF nun für Brennweiten von 18mm bis zu satten 140mm ausgelegt. Hinweis: Mehr zum Leuchtrahmen, Bildbereich und der Parallaxe hatte ich bereits in meinem Erfahrungsbericht zur X-Pro1 geschrieben.

Der EVF ist im Vergleich zur X-T1 natürlich nicht so groß, die dafür aber auch einen Sucherbuckel benötigt, hat aber identische Auflösungswerte. Im Gegensatz zum aktuellen T-Modell punktet der elektronische Sucher der X-Pro2 allerdings mit einer wesentlich höheren Wiederholungsrate (bei der Einstellung HOCHLEISTUNG unter POWER MANAGEMENT) und er wirkt auf mich in dunkler Szenerie deutlicher rauschärmer.

Letztendlich kann ich wie zur X-Pro1 nur sagen, dass es eine wunderbare Sache ist, beide Sucherarten nutzen zu können und die Welt auf optischem oder elektronischem Wege zu betrachten. Aber das ist noch nicht alles: Es gibt jetzt auch eine integrierte Dioptrienkorrektur!

– Gegenlicht – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/500 Sek, f 4, ISO 250 –

Der Autofokus

In der X-Pro2 werkelt ein gegenüber der X-T1 weiterentwickeltes Hybrid-AF-System aus einer Kombination aus Kontrast-Autofokus und Phasendetektions-AF. Bekannt sind die AF-Modi Einzelpunkt, Zone und Weit/Verfolgung, die sich in ihrer grundlegenden Funktion nicht vom T-Modell unterscheiden. Neu sind allerdings zwei Punkte: zum einen ist der Sensorbereich mit Phasendetektions-Pixeln deutlich vergrößert worden, was einen genaueren und schnelleren Autofokus bei schwacher Beleuchtung und schwachem Kontrast über einen größeren Bildbereich ermöglicht (wichtig auch für die „Tracking-Funktion“, bei der die Schärfe prädiktiv nachgeführt wird, die auch von einer um 100% schnelleren Auslesung des Sensors profitiert), zum anderen ist die Anzahl der Fokusmessfelder von 77 auf satte 273 erhöht worden (im Menü kann zwischen 77 Punkten (7×11) und 273 Punkten (13×21) ausgewählt werden). Wichtig: Die 273 Messfelder stehen nur bei Einzelpunkt-AF zur Verfügung, bei Zone und Weit/Verfolgung jedoch nur die 77 Messfelder. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 beträgt die Anzahl der Fokusmessfelder – wie bei der X-T2 – 91 bzw. 325, entsprechend nun 7×13 bzw. 13×25!).

Inwieweit die AF-Geschwindigkeit im Gegensatz zur X-T1 im praktischen Einsatz gesteigert werden konnte, habe ich bei meinen bisherigen Einsätzen noch nicht hinreichend feststellen können, da mir dafür bislang die „Actionmotive“ fehlten. Auf dem Papier hat die X-Pro2 jedenfalls die schnellste Performance aller bisherigen X-Serie-Kameras, denn auch der Kontrast-AF arbeitet nun doppelt so fix. Die wichtigste Verbesserung ist in diesem Zusammenhang in meinen Augen aber ohnehin der Fokushebel, der allein für einen ordentlichen Boost im ganzen AF-Prozedere führt. (UPDATE: Seit Firmware-Version 2.00 ist die AF-Performance auf das Niveau der X-T2 angehoben!).

Und auch für die Freunde der Gesichtserkennung gibt es eine Neuerung: Zusätzlich ist eine Augenerkennung implementiert, bei der auch gezielt eine Priorität für das linke oder rechte Auge vorgewählt werden kann.

– Ilex – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/3000 Sek, f 2.8, ISO 1600 –

Filmsimulationen und RAW

Bei dem London-Meeting meinte ich einst etwas scherzhaft auf die Frage, welche zusätzlichen Filmsimulationen wir uns wünschen würden, man solle den Kodak Tri-X nehmen. Gut, das geht in einem Fotoapparat von Fujifilm natürlich nicht. Schließlich ist der ACROS hinzugekommen, auch ein schwarzweißer Klassiker (basierend auf dem analogen Neopan ACROS), der alle bisherigen S/W-Modi deutlich überflügeln soll (manche meinen gar, die X-Pro2 käme damit nah an Leicas Monochrom heran). Neben einer sehr guten Durchzeichnung der Schatten und Lichter ist es eine weitere Besonderheit dieser Filmsimulation, dass hier Filmkorn passend zum verwendeten ISO-Wert zugefügt wird (je höher die ISO-Zahl, desto stärker das Korn). Ohnehin ist der Körnungseffekt neu, der in zwei Stufen (SCHWACH und STARK) auch allen anderen in der X-Pro2 vorhandenen „Filmen“ beigefügt werden kann. Diese Körnung verleiht vielen Aufnahmen häufig den extra Kick  analogen Charme. Daneben sind die Einstellungen für TON LICHTER, SCHATTIER. TON, FARBE, SCHÄRFE und RAUSCHREDUKTION nun differenzierter (zwischen -2 und +4 für Lichter und Tiefen und -4 und +4 für Farbe, Schärfe und Rauschreduktion), was dem internen RAW-Konverter ebenfalls zugute kommt, wo zudem der Bereich der PUSH/PULL-Verarbeitung nach unten auf -2 erweitert wurde. Wenn das alles primär die JPG-Fotografen interessiert, gibt es aber auch für die RAW-Freunde Neuigkeiten: Neben unkomprimierten RAW-Dateien steht nun alternativ eine absolut verlustfreie Kompression zur Verfügung, die gerade bei den größer gewordenen Bilddateien Sinn macht. Und das mit 14 Bit!

– Seilrutsche – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 1/100 Sek, f 8, ISO 200 –

Der Sensor und die Bildqualität

Der neue X-Trans CMOS III Sensor von Sony hat nach wie vor APS-C-Größe und vereint darauf 24,3 Megapixel. Die auf 6000×4000 Pixel angestiegene Auflösung heiße ich gerne willkommen, da sie mir mehr Spielraum für große Ausdrucke bietet. Dazu wirkt sich der ebenso neue X Prozessor Pro nicht nur auf jegliche Geschwindigkeit aus – die Kamera läuft in allen Belangen flüssig und reaktionsschnell -, sondern auch auf die Bildqualität, Rauschfreiheit und den Dynamikumfang.

Wie gesagt lasse ich Beurteilungen der Bildqualität für den Moment noch links liegen, da ich bisher nicht mit einem Serienmodell mit finaler Firmware fotografiert habe. Wer will, kann sich aber gerne die hier eingestreuten Bilder näher zu Gemüte führen und mit einem Klick aufs Bild auf Flickr größer ansehen. Was mir jedoch sofort sehr positiv auffiel, war die fantastische Qualität bei hohen ISO-Werten, wo Fujifilm trotz gestiegener Megapixel nochmals eine Schüppe draufgelegt hat!

„Kritikpunkt“: Ach ja, der Sensor ist nicht stabilisiert. Es gibt also kein IBIS (In Body Image Stabilization). Für viele neben dem fehlenden Klappdisplay ein absolutes No-Go (ein weiteres folgt gleich noch), für das es, wie sollte es bei Fujifilm anders sein, sicherlich einen guten Grund gibt. Zum einen ist der OIS in den Objektiven laut Fujifilm leistungsstärker. Zum anderen gibt es bei den X-Trans-Sensoren angeblich Probleme mit der Stabilisierung in der Kamera, wie ich hörte. Genaues weiß ich hier aber nicht. Nur so viel, dass dies kein Grund für mich ist, die X-Pro2 als unbenutzbar einzustufen, wie ich es hier und da schon aufschnappte.

„Kritikpunkt“: Oh, direkt noch einer … Ja, die Kamera kann auch kein 4K. Nur FULL-HD mit bis zu 60P. Wieder so ein No-Go. Mir ist das (noch) wurscht. Wenn ich etwas filme, reicht mir das, was ich von Fujifilm da gerade bekomme. Und der Grund, warum 4K nicht drin ist, soll der sein, dass die Knipskiste dann zu stark erhitzen würde. Um das zu vermeiden, hätte der zweite Kartenslot rausfliegen müssen. Oder so ähnlich. Es geht halt nicht alles gleichzeitig parallel nach vorne, wie uns auch in London erklärt wurde. Nur Schritt für Schritt. So muss man sich auch beim elektronischen Sucher dazwischen entscheiden, entweder die Auflösung hochzuschrauben oder die Wiederholungsrate anzuheben. Beides gleichzeitig auf ein ganz hohes Niveau zu hieven, klappt nicht. Und überhaupt: Die X-Pro2 ist in erster Linie eine Fotokamera und keine Videokamera (was bei einer Knipse im Rangefinder-Style auch naheliegt …).

(PS: Von einer X-T2 erwarte ich mir dann natürlich wieder ein Klappdisplay. Auch 4K. Aber vielleicht fehlt dort dann weiterhin das zweite Kartenfach. Und ob die IBIS hat, sei auch dahingestellt.)

Dafür gibt es jetzt schon mal PIXEL-MAPPING in der X-Pro2. Wer also mal tote Pixel im Bild findet, kann sich derer leicht entledigen.

Die Menüstruktur

Auch die Menüstruktur und die Sucheranzeigen sind überarbeitet worden. Vor allem das Menü ist nach meinem Geschmack nun klarer strukturiert, um schneller ans Ziel zu kommen. Es ist jetzt nicht mehr nur nach AUFNAHME-MENÜ und HAUPTMENÜ unterteilt, sondern nach den Punkten BILDQUALITÄT, AF/MF, AUFNAHME, BLITZ, FILM und EINRICHTUNG gegliedert. Hinzu kommt noch MY-Menü für eine persönliche Konfiguration. Ich fand mich schnell zurecht.

Rentier, Foto: Martin Hülle
– Rentier – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/45 Sek, f 2, ISO 3200 –

Schlussbemerkung

So, das soll es erstmal gewesen sein. Wie oben geschrieben, werde ich meine Eindrücke fortlaufend ergänzen, sobald ich neue Erkenntnisse gewinne. Vielleicht habe ich auch den einen oder anderen Punkt vergessen. Zu vielfältig sind die Neuerungen und Verbesserungen der X-Pro2. Auch hier werde ich fehlendes nachtragen, wenn es auffällt.

Für ein Fazit ist es noch viel zu früh. Dafür habe ich die Kamera noch nicht in meinem „gewohnten Umfeld“, also unterwegs in wilder Einsamkeit, nutzen können. Doch vieles spricht dafür, dass mich die X-Pro2 bald in Grönland, bei meiner letzten Reise meines Fotoprojekts „Mein Norden“ mehr als zufriedenstellen wird. Schließlich bietet sie im Grunde all das, was ich mir bei Fujifilm als wichtigste Verbesserungen gewünscht habe: Ein nahezu unverändertes Gehäuse gegenüber der X-Pro1, allerdings wie die X-T1 jetzt auch wetterfest und kälteresistent, dazu zwei Kartenslots, den AF-Joystick, etwas mehr Auflösung, einen weiter verbesserten Autofokus, gesteigerte Geschwindigkeit und viele viele weitere Kleinigkeiten, die das Fotografieren angenehmer machen.

Und nicht zuletzt hat auch die X-Pro2 diese Seele inne, die mich einst zu ihrer Vorgängerin greifen ließ, um meiner Fotografie einen weiteren Schub zu verleihen. Die Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben.

Fragen, Anregungen und Diskussionen gerne in den Kommentaren!

Tipp: Für noch mehr Hintergrundinformationen und weitere Details zu technischen Feinheiten wie dem Dynamikumfang, ISOlosen Sensor und vielem mehr empfehle ich den First Look von Rico Pfirstinger.

Spitzbergen Wintertour – Die Bilder

– Spitzbergen Wintertour – Die Bilder –

Es war Ende März, als wir nach Svalbard flogen, um ein Abenteuer auf Spitzbergen zu erleben. In Longyearbyen empfing uns ein strammer Wind und wir stemmten uns dem heranpeitschenden Schneefall entgegen, bevor wir aufbrachen in die Berg- und Gletscherwelt. Wir liefen weit hinein ins Adventdalen, am Janssonhaugen und der Innerhytta vorbei, bis zum Fuße des Drønbreen. Hinauf ging es von dort über den Gletscher bis zu einem Pass. Der Schnee war tief. Die Last der Schlitten schwer. Doch die Szenerie ringsum entschädigte für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hatte mich längst in seinen Bann gezogen. Wir marschierten weiter durch das Lundströmdalen, den Såtebreen empor und folgtem dem Sveigbreen in einem Bogen ins Agardhdalen. Dann ging es über den Elfenbeinbreen auf das Nordmannsfonna. Schlechtes Wetter hielt uns am Berg Dolken gefangen. Wind trieb Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft und die Sicht schrumpfte auf ein Minimum. Wir saßen fest. Und da war er dann. Dieser Schmerz. Er kam aus dem Nichts. Und blieb. Wohl ein eingeklemmter Nerv!? Vom Nacken zogen die Schmerzen über die Schulter bis in den linken Oberarm. Aber noch hatte ich Hoffnung. Also hielten wir erstmal an unserem Plan fest, packten zusammen und wandernten weiter. So schafften wir es bis ins Sabine Land. Doch dann kam der Tag, an dem wir unterhalb des schroffen Moskushornet über den Klauvbreen stiegen. Der Nerv im Arm schrie immer lauter auf und ich krümmte mich immer mehr. Uns weiter von der Zivilisation zu entfernen war sinnlos. Auf kürzestem Weg zurückzukehren nach Longyearbyen die letzte Herausforderung. In zwei langen Tagen liefen wir über den Rabotbreen hinab ins faszinierend weite Sassendalen und durchs Eskerdalen und Adventdalen retour zum Ausgangspunkt. Das klappte überraschend gut und im Stillen fragte ich mich, ob ich zu früh klein beigegeben hatte. Doch es war die richtige Entscheidung.

„Ich war glücklich, endlich einmal so hoch im Norden gewesen zu sein und arktische Luft geschnuppert zu haben. Aber gleichwohl zerknirscht, weil ich wusste, dass es zu wenig war.“

Nach dieser abenteuerlichen Skitour dauerte es eine ganze Weile, bis ich alle Bilder fertig bearbeitet hatte. Aber jetzt gibt es sie endlich seit kurzem zu sehen – die komplette Serie aus dem Svalbard-Archipel. Auf Flickr. Schaut mal rein!

Fotografisches:
Die Wintertour auf Spitzbergen habe ich mit der Fujifilm X-T1 fotografiert. Alle Fotos sind das Resultat eines RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film. Für den Analoglook sorgte bei dieser Serie der Agfa Scala 200 -.

> Bildergalerie Spitzbergen Wintertour 2015

Saariselkä Wanderung – Die Bilder

– Saariselkä Wanderung – Die Bilder –

Im letzten Herbst verschlug es mich in die nordfinnische Provinz Lappland. An der Grenze zu Russland erstreckt sich die Saariselkä-Wildnis – eingebettet in den Urho-Kekkonen-Nationalpark. Mächtige Fjells, riesige Sümpfe und märchenhafte Waldgebiete zeichnen die Region aus. Als ich Ende September in Kiilopää aufbrach, war die Zeit der Ruska, die im Herbst im finnischen Norden einsetzende Verfärbung von Bäumen und Sträuchern, schon fast vorbei. Gerne hätte ich diesen Höhepunkt des Jahres, wenn nach der Zeit der hellen Sommernächte und vor Einbruch der Polarnacht die Farben der Natur explodieren, in vollen Zügen erlebt. Doch ich kam nicht früher los und musste mich nun hier und da mit ein paar letzten goldgelben Birkenblättern oder in tiefem Rot erstrahlenden Beerensträuchern begnügen, die sich versteckt noch zeigten. Spät im Jahr war das meiste schon kahl und zu allem Überfluss deckte ein erster Wintereinbruch im Nu ein weißes Mäntelchen über die Landschaft und ließ mich in den ersten Tagen teils knöcheltief durch Schnee stapfen.

Vorbei an Suomunruoktu, Salonlampi und Tuiskukuru kam ich zum Luirojärvi. Es wurde wieder wärmer und das Weiß tropfte bald nass von den Bäumen. Den baumlosen Gipfel des Sokosti, des höchsten Berges in Ostfinnland, erklomm ich in dichten Wolken über Geröllhalden, nur um hoch oben ohne jegliche Aussicht eine kurze Rast einzulegen, um sogleich wieder fix hinunterzulaufen zur Rajankämppä-Autiotupa. Dafür kam ich anderntags auf dem Weg nach Hammaskuru aus dem Staunen nicht mehr raus – der Pfad schlängelte sich durch den Wald und nach jeder Biegung offenbarten sich neue Eindrücke, die ich mit kindlicher Neugier aufsog.

In sternenklaren Nächten gefroren die Pfützen, aber ich zog dennoch häufiger das Zelt einer Hütte vor und kuschelte mich einfach tief in meinen Schlafsack. Durch die steinige Teufelsschlucht Pirunportti stieg ich auch noch hinauf auf den Ukselmapää, den zweithöchsten Punkt im Nationalpark. Von dort war die Aussicht in alle Himmelsrichtungen zwar fantastisch, nur trieb mir ein eisiger Wind Tränen in die Augen und mich rasch wieder hinab in tiefere Lagen und in die wunderschöne Paradiesschlucht Paratiisikuru. Bei Sonnenschein machten ein paar versprengte herbstlich-feurige Überbleibsel dem Ort alle Ehre.

Via Sarvioja gelangte ich zurück ins Tal des Suomujoki, dem ich an der Porttikoski-Hütte und zahlreichen Feuerstellen entlang flussaufwärts bis Kotaköngäs folgte. Nur was auf der Karte wie ein Katzensprung aussah, entpuppte sich als zäher Abschnitt durch teils sumpfiges Gelände, Unterholz und einige Blockfelder. Entschädigt wurde ich am Abend durch einen Fuchs, der in der Dunkelheit am Zelt auftauchte. Im Schein der Stirnlampe blickten wir uns lange in die Augen, bevor er wieder Reißaus nahm.

Langsam sagte ich der idyllischen Gegend schließlich Lebewohl, machte noch am See Rautulampi Station und genoss den Sonnenuntergang hinter dem Bergzug Raututunturit, bevor ich die letzten Kilometer bis Saariselkä lief, einer im späten Herbst wie ausgestorben wirkenden Ortschaft. Mir war die Stille dieser Jahreszeit recht, in der ich nur wenige wortkarge Finnen traf. Denn dafür konnte ich ganz in Ruhe in diese abgeschiedene Welt aus Bäumen, Flüssen und kahlen Kuppen eintauchen …

Nach dieser abwechslungsreichen Reise dauerte es eine lange Zeit, bis ich alle Bilder fertig bearbeitet hatte. Aber jetzt gibt es sie endlich seit kurzem zu sehen – die komplette Serie aus dem Urho-Kekkonen-Nationalpark. Auf Flickr. Viel Freude damit!

Fotografisches:
Die Wanderung durch die Saariselkä-Wildnis habe ich mit der Fujifilm X-T1 fotografiert. Alle Eindrücke sind das Ergebnis eines RAW-Workflows basierend auf Adobe Camera RAW und VSCO Film. Für den Analoglook sorgte bei dieser Serie der Fuji 800Z -.

> Bildergalerie Saariselkä Wanderung 2014

Seite 112...5...Letzte »