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Packliste für meine Herbstwanderung auf dem Kungsleden

– Im Fjäll –

Nachdem ich kürzlich bereits meine Top 10 Trekkingausrüstung 2020 vorgestellt hatte, möchte ich nun so richtig ins Detail gehen und präsentiere die Packliste meiner Herbstwanderung auf dem Kungsleden, auf dem ich von Ende September bis Anfang Oktober zehn Tage von Adolfström bis nach Hemavan unterwegs war. Zu dieser späten Jahreszeit hatten die STF-Hütten entlang des Königspfad bereits geschlossen – nur ein Notraum ist dann noch offen – und kurz bevor der Winter über das Land herfällt, ist ständig mit frostigen Temperaturen, reichlich Niederschlag und starken Winden zu rechnen. Entsprechend war die Ausrüstung zusammengestellt, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Ausreichende Erfahrungen hatte ich in der Vergangenheit auf unzähligen Touren bereits gesammelt, damit ich auch am Ende einer Saison mit dem richtigen Equipment sicher im schwedischen Fjäll unterwegs sein konnte, wenn es kaum mehr Wanderer in die Bergwelt zieht.

Die detaillierte Packliste mit allen Gewichten könnt Ihr mit folgendem Link in einem separaten Browserfenster öffnen und dort bei Bedarf auch herunterladen. Anmerkungen zu den einzelnen Produktgruppen gebe ich weiter unten und berichte darüber, was sich bewährt hat und was nicht. Aber stöbert doch erstmal durch die Liste!

> Packliste Kungsleden-Wanderung Herbst 2020 PDF

Bekleidung

Im Großen und Ganzen war die Auswahl der mitgenommenen Bekleidung perfekt. Da ich riesiges Glück mit dem Wetter hatte, kamen Regenjacke und -hose kein einziges Mal zum Einsatz, weswegen es sich mal wieder als richtig herausgestellt hatte, hier mit leichtem Material unterwegs zu sein (denn häufig trägt man die Regenklamotten ohnehin die meiste Zeit im Rucksack mit sich herum). Viel wichtiger waren mal wieder die Wind- und die Thermojacke von Patagonia, die für mich unverzichtbar sind. Die extra dicken Faserpelz-Socken und auch die dünnen Thinny Gloves – beides fürs Zeltleben bei sehr kalten Temperaturen mit dabei – habe ich hingegen auch gar nicht gebraucht. Aber das konnte ich im Vorfeld ja nicht wissen. Genauso wenig bekamen die wasserdichten Sealskinz-Handschuhe, das Stirnband und das Buff-Tuch Einsatzminuten. Es war aber gut, all das für den Notfall im Gepäck zu wissen (bei einer zu erwartenden „wärmeren“ Tour wäre ich hier aber wohl abgespeckter unterwegs). Die recht schweren Wanderschuhe waren dem zu erwartenden Schnee und viel matschig-nassem Geläuf geschuldet. Da dies auch alles eintrat, war die Entscheidung für die klobigen Stiefel richtig. Vom Laufkomfort hätte ich allerdings lieber erneut zu den La Sportiva TX Guide gegriffen, einem leichten Zustiegsschuh, der mir im Sommer bei Wanderungen in Norwegen so viel Freude bereitet hatte.

Wohnen und Schlafen

Auch die Wahl des Zeltes war mit dem Blick auf mögliche Herbststürme und Schneefälle getroffen. Dass es die meiste Zeit nahezu windstill sein sollte und mich nur einmal erstes Weiß erwischte, war nicht abzusehen. So hätte zwar auch das komfortablere Hilleberg Niak gut funktioniert, doch ich musste im Vorfeld mit den schlimmsten Bedingungen rechnen, weshalb das kleinere, aber mit bestem Wetterschutz gesegnete, Akto die richtige Wahl war.

Im Zelt hatte ich aufgrund der vorherrschenden Bedingungen allerdings sehr oft mit sehr viel Kondensation zu kämpfen. Darunter litt der leichte Schlafsack von Western Mountaineering, dessen Extremelite-Außenmaterial nur begrenzten Nässeschutz bietet. Besser wäre hier sicherlich ein Modell aus der Microfiber Series des amerikanischen Herstellers gewesen. Gut funktioniert hat zu meiner Freude dafür die Kombination der beiden unkaputtbaren Isomatten.

Gepäck

Volumen und Trageeigenschaften des Osprey Xenith waren ideal. Nur das Eigengewicht des Rucksacks ist etwas hoch. Hier suche ich weiterhin nach einer leichteren Alternative mit gleich gutem Komfort bei entsprechend zu tragenden Lasten. Vielleicht könnte ein Aether Pro 70 von Osprey stattdessen mal etwas sein – unter den klassischen UL-Modellen auf dem Markt spricht mich bisher keiner überzeugend an … Ziemlich unnötig war während meiner Wanderung natürlich die Mitnahme des Transportsacks, in den ich bei der An- und Rückreise mit dem Flugzeug meinen Rucksack verstaut hatte. Leider konnte ich den Sack nirgends deponieren und musste ihn mitschleppen. Immerhin hat er mir unterwegs noch einmal gute Dienste geleistet, als ich mit ihm im Zelt ein paar Kuhlen unter den Isomatten auspolstern konnte.

Küche

Zu allerletzt hatte ich noch den Windschutz für den Optimus-Kocher aus der Packliste gestrichen. Gut so, denn ich habe unterwegs sowieso nur windgeschützt in der Apside des Zeltes gekocht. Allerdings wäre ich mit zwei Gaskartuschen ausgekommen. Eine dritte hatte ich aber auch nur im Gepäck, weil ich eine Wärmflasche dabei hatte (dazu weiter unten mehr) und entsprechenden Gasverbrauch einkalkulieren musste. Nur fürs Kochen hätte ich wohl von vornherein nur zwei Kartsuchen eingepackt. Nicht benutzt habe ich zudem mein an sich geliebtes Eldris-Messer von Morakniv. Da Mann aber ein Schneidwerkzeug dabei haben muss, werde ich mich hier nach einem deutlich leichteren umsehen.

Hygiene und Kosmetik

Hier gibt es nicht viel zu meckern. Einzig das Fit-Flip-Handtuch ist zu schwer, weswegen ich stattdessen bei Zeiten zu einem Airlite Towel von Sea to Summit greifen werde, das bei vergleichbarer Größe weniger als die Hälfte wiegt.

Medikamente und Gesundheit

Sachen, die man dabei hat, in der Hoffnung, sie nicht zu brauchen. Da ich mir jedoch schon am ersten Wandertag eine Blase an der Ferse gelaufen hatte, kamen zumindest mehrere Pflaster, ein Compeed-Blasenpflaster und Klebeband zum Einsatz. Aufgrund eines aktuten Darmproblems und einiger Vitaminmängel musste ich einiges an Medikamenten mitschleppen, was normalerweise so nicht der Fall wäre (bis auf die Epilepsie-Pillen, die ich bekanntlich immer nehmen muss). Und da ich bei einigen Touren im Sommer mit argen Rückenschmerzen zu kämpfen hatte, die sich am besten mit Wärme lindern ließen, hatte ich für den Kungsleden extra bereits erwähnte Wärmflasche mitgenommen (plus zusätzliches Gas), was mir sinniger erschien als diverse Einweg-Wärmepflaster. Nur hatte ich auf dieser Tour dann zum Glück keinerlei Probleme mit dem Rücken und schleppte Wärmflasche wie Gas umsonst mit mir rum. Aber da ich in der Woche vor dem Start noch nicht frei von Beschwerden war, war es richtig, hier auf Nummer sicher zu gehen, damit ich nicht im Notfall schmerzgekrümt, allein und ohne Linderungsmöglichkeit in der Einsamkeit stehen würde.

Reparatur und Ersatzteile

Aus diesem kleinen Sortiment, das im Grunde nur das Nötigste beinhaltet, brauchte ich nur etwas Klebeband, um damit die Pflaster am Fuß zu fixieren.

Navigation und Kommunikation

Weil ich sie schon seit Urzeiten habe, nahm ich einfach die beiden alten Fjällkarten mit. Mit einer neueren Karte von Calazo, von denen es eine Ausgabe gibt, die den von mir gelaufenen Abschnitt des Kungsleden komplett auf einem Kartenblatt zeigt, wäre ich zwar leichter unterwegs gewesen, aber ich wollte hier nicht unnötig Geld für den einmaligen Einsatz investieren.

Technik

Die Stirnlampe benötigte ich weniger als gedacht. Daher hätte ich mir zumindest einen Satz AAA-Reservebatterien sparen können.

Sonstiges

Notiz an mich: Auch wenn ich die Packtasche von Lowe Alpine nahezu seit meinen Anfangsoutdoortagen nutze und sie daher internen Kultstatus besitzt, ließe sich hier bestimmt noch Gewicht durch ein leichteres Täschchen reduzieren.

Fotografie

Wie auf diversen vorangegangenen Reisen habe ich mal wieder parallel mit zwei Fujifilm-Kameras fotografiert, für die ich auf dem Kungsleden nur die kleinen und leichten Objektive dabei hatte. Auf ein relativ schweres und stabiles Stativ, welches ich durchaus häufiger mitnehme, habe ich dieses Mal verzichtet, da ich z. B. nicht auf Langzeitbelichtungen aus war. Für sporadische Selbstportraits war ein sehr kompaktes und kaum ins Gewicht fallende Gorillapod vollkommen ausreichend, das ich an Bäumen, Steinen oder dem abgestellten Rucksack befestigen konnte. Was mich aktuell jedoch am meisten stört, ist das hohe Leergewicht der Fototasche mit fast einem Kilo. Bislang habe ich aber keinerlei Tasche gefunden, die von den Trageeigentschaften und den Features für mich so gut funktioniert wie die alten Inverse-Modelle von Lowepro.

Verpflegung

Bei der Verpflegung habe ich im Vergleich zu früheren Touren etwas abgespeckt, um Gewicht zu sparen. Immerhin ist dieser Bereich der, der die größte Last mit sich bringt. Dieses Mal hatte ich im Schnitt ca. 680 Gramm Essen pro Tag dabei. Und damit bin ich sehr gut ausgekommen. Aufgrund der Kürze der Wanderung von nur zehn Tagen und den durchaus moderaten Tagesetappen von maximal 20 Kilometern, wäre ich sicherlich auch mit etwas weniger ausgekommen ohne Hunger zu leiden und hätte bei Nüssen und Schokolade noch ein paar Gramm einsparen können. Für längere und/oder anstrengendere Abenteuer hat sich diese Verpflegungszusammenstellung aber als ausgewogen bewiesen.

Gewichte final

Kommen wir schließlich zu dem, was an Gewichten zusammenkam. Irrelevant ist im Grunde das komplette Gesamtgewicht von über 28 Kilo, ist es ja nicht das, was ich auch tatsächlich geschleppt habe.

Interessant ist hingegen das eigentliche Tragegewicht bestehend aus dem Rucksack und der Fototasche ohne der am Körper getragenen Bekleidung, der Trekkingstöcke und der Armbanduhr. Hier kam ich auf gute 25,5 Kilogramm – allerdings ein grober Wert, hatte ich doch schon vor dem ersten Wandertag ein Abendessen und ein Frühstück verputzt, kam jeden Morgen ein Liter Getränk hinzu und trug ich seltenst nur die minimale und als am Körper getragen ausgewiesene Bekleidung (meist hatte ich zudem noch die Windjacke an, ab und an sogar noch den Fleece-Pullover oder gar noch die lange Unterhose und ein paar Handschuhe). Dieses Gewicht aus Rucksack und Fototasche ist also mit etwas Plus/Minus zu betrachten.

Entsprechend ist auch das Gewicht des Rucksacks allein nicht ganz genau. Die ca. 22,5 Kilo sind aber ein spannender Vergleichswert zu anderen Wanderern, die wohlmöglich nicht zusätzlich auch noch eine recht schwere Fototasche mit sich rumschleppen. Und dieses Gewicht – ohne die bereits erwähntan Variablen – konnte ich vom Start weg durchaus gut tragen. Dafür, dass ich für zehn Tage die komplette Verpflegung und den zur Zubereitung nötigen Brennstoff dabei hatte, finde ich das Gewicht sogar relativ niedrig und ich war hier schon schwerer unterwegs. Das zeigt mir, dass ich vergleichbare Touren mit ähnlicher Ausrüstung auch noch ein paar Tage länger durchführen könnte, ohne dann unter  einem zu schweren Rucksack zu sehr zu leiden. Denn mir schien noch etwas Luft nach oben zu sein – ein paar Kilo mehr Verpflegung im Rucksack müsste ich noch tragen können.

Bleibt zuletzt noch ein Blick auf das Basisgewicht. Also die komplette Ausrüstung ohne der am Körper getragenen Bekleidung, der Trekkingstöcke, der Armbanduhr, der gesamtem Fotoausrüstung und ohne aller Verbrauchsgüter wie Verpflegung, Brennstoff und Medikamente. Trotz einigen „Unsinns“, den ich dabei hatte (wie den Transportsack, die Wärmflasche und die Medikamente), komme ich hier nur auf knappe 13 Kilogramm. Das ist für mich ein guter Ausgangswert, den ich auf zukünftigen Unternehmungen versuchen werde, noch etwas zu drücken. Unter elf Kilo finde ich da als Ziel ganz nett …

Fazit

Nach langer, langer Zeit hatte ich mir mal wieder die Mühe gemacht, eine solch detaillierte Packliste für eine Trekkingtour zu erstellen. Und es hat sich gelohnt. Denn so kamen die versteckten Pfunde zu Tage und ich konnte genau sehen, was ich schon vor dem Start am besten weglasse und wo ich nach der Tour mit Blick auf kommende Wanderungen nochmals Hand anlegen muss. Ich hatte versucht, so leicht es mir möglich ist, unterwegs zu sein, ohne Einbußen in der Sicherheit zu machen. Denn das nordische Wetter kann tückisch sein, besonders im Spätherbst, wenn jederzeit ein noch sommerlicher Luftzug in einen winterlichen Sturm umschlagen kann.

Alles in allem hat sich die mitgenomme Ausrüstung bestens bewährt und sie war auch ein Garant für eine wundervolle Zeit auf einem der abwechslungsreichsten Abschnitte des Königspfads.

Habt Ihr Anmerkungen oder Fragen? Braucht Ihr Hilfe bei der Zusammenstellung einer eigenen Packliste? Meldet Euch gerne in den Kommentaren!

Meine Top 10 Trekkingausrüstung 2020

– Am Kungsleden –

Inspiriert durch die Beiträge von Magnus Lindbom habe ich einmal meine Top 10 Trekkingausrüstung aufgelistet. Durchaus eine Momentaufnahme, die sich aber vor allem auf den bei den letzten Touren gesammelten Erfahrungen so herauskristallisiert hat. Die Rangfolge ist etwas willkürlich und daher keine Wertung – jedes Teil hat seine eigene Wichtigkeit!

1. La Sportiva TX Guide

Meine Entdeckung des Jahres! War ich bisher auf Trekkingtouren mit schwerem Rucksack nahezu ausnahmslos mit klobigen Wanderstiefeln unterwegs, wagte ich es diesen Sommer in Norwegen erstmals mit leichtem Schuhwerk. Doch anstelle von Trailrunnern, die viele als leichte Alternative nutzen, fiel meine Wahl auf den La Sportiva TX Guide, einen Zustiegsschuh, der sehr lauforientiert konzipiert ist und an meinen schmalen Füßen optimal sitzt. Bei Wanderungen durch das Dovrefjell und durch Reinheimen boten die Schuhe selbst mit 25 kg Gepäck auf dem Rücken in jeglichem Gelände immer besten Halt. Egal ob auf Geröll- oder Schneefeldern, Wurzelpfaden oder bei steilen Auf- und Abstiegen.

2. Hilleberg Akto, Niak und Nallo 4 GT

Allein unterwegs nutze ich bereits seit längerer Zeit das Hilleberg Akto. Seine exzellente Mischung aus Robustheit, Wetterschutz und Raumangebot bei gleichzeitig geringem Gewicht und Packmaß machen es sicherlich zu einem DER Einpersonenzelte auf dem Markt. Auch unter schwierigsten Bedingungen ist es schnell und einfach aufzubauen. Von der Geräumigkeit im Innenzelt ist mir zwar das Hilleberg Niak lieber, welches ich 2018 auf dem Cape Wrath Trail in Schottland mit dabei hatte, doch in sehr windigen Gefilden hat es nicht die Stabilität des Akto, das auch starken Stürmen die Stirn bietet, und daher ist das Niak eher ein „Schönwetterzelt“ als eine absolut zuverlässige Behausung für das ganze Jahr. Daneben hat sich auf unseren Familientouren das Hilleberg Nallo 4 GT als perfekter Unterschlupf bewährt!

3. Osprey Xenith 88 und Xenith 75

Wie passende Schuhe ist ein gut sitzender Rucksack Gold wert. Anfang letzten Jahres war ich in Patagonien erstmals mit dem Osprey Xenith 88 unterwegs. In keinster Weise ein Leichtgewicht, aber mit ihm lassen sich auch Lasten jenseits der 20-Kilo-Marke solide und bequem tragen und eine sehr umfangreiche Ausrüstung darin gut und übersichtlich verstauen. Auf dem Kungsleden in Schweden war kürzlich das Volumen des kleineren Osprey Xenith 75 bei einer Wanderung über zehn Tage ausreichend.

Der Rucksack ist übrigens das letzte Ausrüstungsteil, wo ich ultraleicht an erste Stelle setzen würde, daher sind die beiden Xenith-Modelle von Osprey aktuell für mich noch erste Wahl …

4. Patagonia Houdini Air Jacket

Eine leichte und kleinst verpackbare Windjacke ist ein unerlässliches Bekleidungsstück auf jeder Tour. So habe ich z. B. während meiner Zeit auf dem schwedischen Königspfad kein einziges Mal die Regenjacke benötigt, einen Schutz vor auskühlendem Wind jedoch schon. Dann allerdings eine vergleichsweise schlecht atmende Hardshell-Jacke anzuziehen, wäre Blödsinn. Da streife ich mir doch lieber das federleichte Patagonia Houdini Air Jacket über und erfreue mich an einer äußerst komfortablen zweiten Haut mit ausreichend Abschirmung vor den Elementen. Im Gegensatz zum Ur-Houdini hat das Houdini Air Jacket einen verbesserten Schnitt und einen angenehmeren Tragekomfort aufgrund seines Materials mit texturierter Innenseite. Das klassische Houdini bietet hingegen noch etwas mehr Wetterschutz. Hier muss man abwägen. Auf jeden Fall sollte eine Windjacke über eine gut geschnittene Kapuze verfügen! Ich hatte auch bereits Modelle ohne Kapuze – was für ein Quatsch.

5. Patagonia R1 Pullover Hoody

Der Patagonia R1 Pullover Hoody ist eine Ikone unter den Midlayern. Ich mag ihn besonders wegen seiner Vielseitigkeit. Ob als alleinige Isolation im Zelt bei moderaten Bedingungen, an kalten Tagen als zusätzliche Schicht unter der Windjacke oder in frostigen Nächten als Ergänzung im Schlafsack. Die körperbetonte Passform macht alles möglich, der Pullover-Schnitt trägt unter einem Rucksackhüftgurt nicht auf und die Balaklava-Kapuze hält den Kopf zur Not auch ohne Mütze warm.

6. Patagonia DAS Light Hoody

Selbst im Sommer kann es nicht nur im Norden erfrischend kühl werden. Ganz zu schweigen von den anderen Jahreszeiten. Ein Fleece allein reicht da als Isolation nicht aus. Daher gehört für mich eine Thermojacke mit ins Gepäck. Gegenüber einem Modell mit Daunenfüllung bevorzuge ich hier Kunstfasern, denen Nässe weniger ausmachen. Im neuen Patagonia DAS Light Hoody habe ich zudem eine Jacke gefunden, deren synthetische PlumaFill-Fasern daunenähnlich weich und anschmiegsam sind. Und deren beschichtestes Außenmaterial zudem den Wetterschutz weiter steigert. Kondensfeuchtigkeit im Zelt? Etwas Regen im Camp oder in den Pausen? Alles kein Problem. Und das bei einem unglaublich geringen Gewicht. Tipptopp.

7. Western Mountaineering UltraLite

Erholsamer Schlaf ist essenziell. Deshalb ist ein ausreichend isolierender, bequemer und komfortabler Schlafsack sehr wichtig. Beste Erfahrungen habe ich mit den langlebigen Daunenschlafsäcken von Western Mountaineering gemacht, aus deren Sortiment ich aktuell den UltraLite aus der Extremlite Series nutze. Der äußerst leichte und extrem gut komprimierbare Dreijahreszeiten-Schlafsack hat Reserven bis in den Minusbereich. Allerdings bietet das Extremelite-Außenmaterial nur begrenzten Nässeschutz. Als Allroundmodell würde ich daher eher zu einem Schlafsack aus der Microfiber Series raten wie z. B. dem Western Mountaineering Apache MF, von dem ich auch noch ein mittlerweile fast 25 Jahre altes Exemplar besitze.

Ein guter Schlafsack allein reicht aber nicht aus. Eine entsprechende Isomatte gehört dazu. Nachdem ich mit diversen aufblasbaren Luftmatten, die zwar tollen Liegekomfort bieten aber auch sehr anfällig sind, wiederholt Schiffbruch erlitten habe (Therm-a-Rest NeoAir XLite und Exped AirMat HL), bin ich auf der letzten Tour ganz zurück zum reinen Schaumstoff gewechselt. Zuunterst eine einfache Evazote-Matte von Globetrotter (190x58x0,5 cm), die ich auch schon als Backup und Unterlage unter den Luftmatten genutzt hatte, und darüber eine Exped FlexMat Plus, dem momentan dicksten Eierkarton auf dem Markt. Eine durchaus ziemlich sperrige Kombi, die dafür aber nicht nur ebenfalls ausreichend bequem ist, sondern vor allem auch unkaputtbar!

8. Optimus Crux Lite und Vega

Abgesehen von Unternehmungen im Winter schwöre ich auf Gaskocher. Bin ich allein unterwegs, greife ich zum Optimus Crux Lite. Ein minimalistischer Kocher, der zusammen mit einem Optimus Terra Weekend HE Topfset eine leistungsstarke und effiziente Küche darstellt. Bei unseren Familienabenteuern kommt hingegen der Optimus Vega mit. Durch seinen tieferen Schwerpunkt bietet er einen stabileren Stand auch für größere Töpf, seine Flamme lässt sich sehr präzise regulieren und falls es doch mal winterlich werden sollte, kann man den 4-Saison-Modus nutzen und die Gaskartusche auf den Kopf und die integrierten Standfüsse stellen, um das Flüssiggas durch die Schlauch-Leitung zu schicken.

9. Trek’n Eat „Trekking-Mahlzeiten“

Trek’n Eat ist nahrhaft, wiegt nicht viel und ist einfach zuzubereiten. Seit langer, langer Zeit sind deren „Trekking-Mahlzeiten“ mein Hauptgericht eines jeden Wandertages. Und mein aktulles Lieblingsmenü: Chicken Tikka Masala!

10. Black Diamond Trail Pro

Vor allem auf Touren mit schwerem Gepäck sind Trekkingstöcke eine Große Hilfe. Neben einer Entlastung der Gelenke führen sie auch zu mehr Sicherheit in schwierigem Terrain oder bei Flussquerungen. Die Black Diamond Trail Pro sind bewährte Begleiter auf allen Wegen. Die Verstellbarkeit ist durch den FlickLock Pro-Mechanismus leichtgängig aber gleichzeitig festsitzend. Dazu das schnelle Handling der SmashLock-Technologie beim Auseinander- und Zusammenschieben. Der gummierte Griff und die Handschlaufe sind sehr bequeum, die Konstruktion aus Aluminium strapazierfähig. Was will man mehr.

Habt Ihr Anmerkungen oder Fragen? Oder was sind Eure Favoriten? Eure Meinung gerne in den Kommentaren!

Werbehinweis: Ich werde von Hilleberg The Tentmaker und Katadyn (Optimus und Trek’n Eat) materiell unterstützt. Es sei aber erwähnt, dass ich nur solche Produkte empfehle, egal ob selbst gekauft oder nicht, von denen ich wirklich überzeugt bin!

Ein Fujifilm-Festbrennweiten-Update

– Store Mjølkedalsvatnet – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/210 Sek, f 11, ISO 200 –

Besonders auf Reisen ist es verlockend, nur mit einer kleinen Fotoausrüstung loszuziehen, um unbeschwert unterwegs zu sein. Schon seit ein paar Jahren habe ich mir daher die Not zur Tugend gemacht und fröne einem „Weniger ist mehr“.

Doch bevor ich seinerzeit mein Equipment abgespeckt habe, hatte ich mir nicht nur die Frage gestellt, welche Festbrennweiten von Fujifilm ich nehmen soll, sondern auch einige Gedanken zur Konzentration auf das Wesentliche gemacht. Nun möchte ich meine einstigen Überlegungen nochmals zusammenfassen und meine bisher gewonnenen Erfahrungen schildern.

Mein erster Bildband Mein Norden ist im Juni 2017 erschienen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins. Elf Reisen habe ich dafür in den Norden unternommen. Vier Jahre, in denen ich zu allen Jahreszeiten zu immer neuen Abenteuern aufgebrochen bin. Allein, mit Freunden und mit der Familie. Wanderungen und Skitouren, dokumentiert in Bildern und Texten, die Erlebnisse und Emotionen transportieren. Immer mit dabei: Meine Kamera und diverse Objektive, die viele verschiedene Brennweitenbereiche am APS-C X System von Fujifilm abdeckten – von 10 bis 200 Millimetern. Im Laufe der Zeit habe ich vieles ausprobiert, mal nur ein 18-55-mm-Zoom plus eventuell einer einzelnen Festbrennweite oder auch Kombinationen mehrerer Zooms. Doch während dieser Reisen in nordische Länder merkte ich schnell, dass trotz des breit aufgestellten Equipments die Resultate nicht automatisch besser wurden. Aber es gab auch Unternehmungen, auf die ich ausschließlich ein paar Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

– Trælanípa – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/10500 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Ling Hut – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/280 Sek, f 8, ISO 200 –

Eine Analyse der Bilder

Nach Abschluss dieser Fototouren zu Fuß und auf Skiern machte ich entlang meiner Bilder eine Analyse. Es war interessant zu sehen, welche Brennweiten am häufigsten zum Einsatz kamen: Die extremen Bereiche, also Ultraweitwinkel und stärkeres Tele, habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich bei mir zwischen 16/18 und 55 Millimetern ab. Daher könnte man meinen, ich müsste mit einem guten Zoom als alleiniges Objektiv bestens zurechtkommen – etwa mit dem Fujifilm XF16-55mmF2.8 R LM WR, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einer Optik vereint. Allerdings mag ich dieses dicke Ding nicht und ich habe ja zudem festgestellt, dass ich ohnehin mit Festbrennweiten viel lieber und bewusster fotografiere.

Den eigenen Bildstil fördern

Sich auf wenige Brennweiten zu beschränken, schlägt sich zudem im Bildstil nieder. Dieser wird nämlich nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung, den Auslösemoment und die Bildbearbeitung, sondern darüber hinaus auch in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und die dadurch häufigere und immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten führt auch dazu, dass sich der persönliche Stil stärker ausprägt, was den Wiedererkennungswert steigert.

Eine Handvoll Objektive

Diese „Verdichtung“ möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt zunutze machen und über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, ab und an vielleicht sogar nur zwei Objektiven. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, nur eine Festbrennweite mitzunehmen – ein Mindestmaß gestalterischer Abwechslung ist mir in jedem Fall wichtig. Doch welche Objektive kommen dafür infrage? Die Antwort darauf hatte ich recht schnell gefunden: ein Trio aus den 16-, 23- und 50- bzw. 56-mm-Optiken für das Fujifilm X System – umgerechnet ins Kleinbildformat also Objektive mit 24, 35 und 75 bzw. 85 mm. Vieles sprach dafür, primär mit diesen Linsen loszuziehen und so meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten. Denn ein Ziel meiner Fotografie ist es, meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in Bildern darzustellen und einzufangen. Der menschliche Blick entspricht ja in etwa dem Bildwinkel eines 50- oder 35-mm-Kleinbildobjektivs. Diesen Seheindruck möchte ich nur moderat erweitern und insofern mit allen verwendeten Brennweiten möglichst nahe an einer „natürlichen“ Darstellung bleiben. Also steckte ich den zu verwendenden Brennweitenbereich nach unten mit einem etwas stärkeren Weitwinkel und nach oben einem leichten Tele ab. Den geschwätzigen Aufnahmewinkel eines Ultraweitwinkels finde ich für meine Zwecke ebenso übertrieben und nicht „normal“ wie die sehr starke Verdichtung eines Superteles.

– Cerro Chalten („Der Rauchende“) – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1700 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Sommerbrücke – X-Pro2, XF16mmF2.8 R WR, 1/3200 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Erfahrungen aus bisherigen Reisen

Inzwischen habe ich schon mehrere auf diesen Ansatz gestützte Reisen unternommen. So kamen beispielsweise bei einer Fotoreise auf die Färöer-Inseln überwiegend die bewährten und lichtstarken 16er-, 23er- und 56er-Glasklötze mit Anfangsblenden von F1.4 bzw. F1.2 zum Einsatz. Auf dem Cape Wrath Trail in Schottland oder in den Bergen Patagoniens dagegen die kleineren und leichteren F2er-Alternativen, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Da es bei meinen Unternehmungen auf jedes Gramm Gewicht ankommt, sind diese Objektive natürlich sehr reizvoll. Und während mehrerer Wanderungen durch norwegische Nationalparks machte ich mir eine Kombinationen aus beiden Objektivreihen zunutze.

Nach den vielen gewonnenen Erfahrungen steht für mich allerdings außer Frage: Alle Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben. Daher ist es im Grunde egal, welche Objektive man einsetzt. Ob die schweren, lichtstarken und optisch feinsten Festbrennweiten oder die leichten, kleinen und etwas weniger scharfzeichnenden Modelle. Die Kompromisse, die man eingeht, haben letzten Endes keinen entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche Qualität der Fotos. Für mich bedeutet das, bei meiner Lieblingsbrennweite, dem 23er-Weitwinkel, bevorzugt zur lichtstarken F1.4er-Version zu greifen, da dieses Objektiv gegenüber der F2er-Variante einfach die „schönere“ Bildcharakteristik liefert. Bei den anderen Brennweiten, bei denen die Leistungsunterschiede ähnlich sind, entscheide ich je nach Reise und Unternehmung, wo die jeweiligen Prioritäten liegen – ob bei minimalem Gewicht oder maximaler Bildqualität.

Die Ausrüstung auf wenige Festbrennweiten zu reduzieren, dient vor allem der Konzentration auf das Wesentliche – sprich, die wenigen Objektive zu finden, die den Kern des eigenen Stils ideal befeuern, unterstützen und sichtbar machen. Eine begrenzte Auswahl an Brennweiten engt keineswegs meine Möglichkeiten ein, sondern fördert die Konzentration auf die Motive und reicht aus, um eine Reise zu dokumentieren.

Denn wie sagte schon der großartige Anton Corbijn: „Instead of having four lenses, use one or two … limit yourself and make that work, and you become far more inventive.”

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Oder greift Ihr nur zu Zooms? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?
> Konzentration auf das Wesentliche

Anhang – meine aktuellen Fujifilm-Festbrennweiten

  • XF16mmF1.4 R WR
  • XF23mmF1.4 R
  • XF56mmF1.2 R
  • XF16mmF2.8 R WR
  • XF23mmF2 R WR
  • XF35mmF2 R WR
  • XF50mmF2 R WR
  • XF27mmF2.8

Warum die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist

Bei der diesjährigen Ausgabe der Nordische Momente – Lofoten Masterclass hatte ich die Möglichkeit, mit der Fujifilm GFX 50R zu fotografieren und zum ersten Mal einen Ausflug ins Mittelformat zu unternehmen. Dabei erinnere ich mich noch gut daran, wie ich bereits in den Anfangstagen meines fotografischen Werdegangs die Nase an diesem Format platt drückte. Dank eines gut gefüllten Materialschranks meines Vaters hatte ich zwar schon früh Zugriff auf eine Menge Nikon-Ausrüstung, doch über das Kleinbildformat ging es dort nicht hinaus. In der Schule war ich allerdings in der Foto-AG und unser Lehrer besaß eine Hasselblad – einen dieser ikonischen Würfel aus der V-Serie. Doch so sehr ich immer wieder von einer eigenen Hasselblad träumte, blieb ich analog immer nur beim kleineren Format. Daran änderte sich auch in der Digitalzeit nichts, wo ich es ebenfalls nicht über das Vollformat aka Kleinbild hinausschaffte.

Erst als X-Fotograf und aufgrund meiner Zusammenarbeit mit Fujifilm ergab sich die Chance, Mittelformatluft zu schnuppern und zu sehen, ob das, vom dem ich früher so oft geträumt hatte, etwas für mich (und meine aktuelle Arbeitsweise) sein könnte. Bereits im vorigen Jahr hatten wir die GFX 50S mit mehreren Objektiven bei unserer ersten Fotoreise auf die Lofoten mit dabei. Doch damals war sie für die Teilnehmer reserviert, die damit nach Herzenslust fotografieren durften. Mich sprach das recht klobige Gehäuse seinerzeit allerdings gar nicht so an, was sich jedoch beim Schwestermodell 50R sofort änderte, welches Fujifilm auf der letzten photokina präsentierte und das ich dort sofort sehr interessiert befummelte. Schließlich ist die 50R im Rangefinderlook gestaltet (wofür auch das R im Namen steht) und kommt daher meinem Liebling aus dem X System, der X-Pro2, viel näher als die 50S. Voller Spannung machte ich mich daher im letzten März auf in den Norden Norwegens – von Fujifilm für den Fototrip ausgestattet mit der GFX 50R und den beiden Festbrennweiten GF45mmF2.8 R WR und GF63mmF2.8 R WR, den aktuell kleinsten und leichtesten Objektiven aus dem GFX System.

Eine Eingewöhnungsphase hatte ich nicht, war ich doch nur wenige Tage zuvor aus Patagonien zurückgekehrt, wo ich noch mit der X-Pro2 fotografiert hatte. Einmal ausgepackt, konfigurierte ich das Menü der GFX 50R nur fix so, wie auch meine Kameras aus dem X System eingestellt sind (sofern sich das 1:1 übertragen ließ). Dann machte ich mich auf den Weg und sprang ins kalte Wasser. Die ersten Aufnahmen an einem sehr windigen Tag, an dem es kaum möglich war, ruhig zu stehen, wurden auch prompt nix – sie waren verwackelt und unscharf. Ich brauchte doch etwas Zeit, um mich an den „entschleunigten“ Fotografieprozess zu gewöhnen. Ich hatte den Eindruck einer „verzögerten“ Auslösung und musste mich erst herantasten an ein stimmiges Zusammenspiel aus passenden Verschlusszeiten und einem korrekten stillhalten der Kamera, ohne zu früh zu verreißen.

Doch nach diesem Kaltstart wurden wir bald warm miteinander und ich kam mit der 50R nicht nur gut zurecht, es machte vor allem auch sehr viel Freude, mit ihr unterwegs zu sein. Mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten ist die Kamera für ein Mittelformatmodell noch immer recht kompakt. Zudem liegt sie sehr gut in der Hand und besonders der Sucher ist fantastisch. Von der bestechenden Bildqualität ganz zu schweigen – die steht natürlich außer Frage!

So zog ich mit unserer Fotogruppe bei Wind und Wetter über die Inselgruppe der Lofoten, trotzte eisigen Minusgraden und heftigen Schneestürmen. Ich machte Aufnahmen vom Meer, Fischköpfen und einem am Straßenrand abgestellten Tresor. Und fragte mich dabei immer wieder, ob die GFX 50R, deren Leistungsfähigkeit unbestreitbar ist, für mich und meine Fotografie ein nächster Schritt, eine erstrebenswerte Weiterentwicklung sein könnte.

Doch wieder daheim, und nach der Bearbeitung der mitgebrachten Bilder, konnte ich die Kamera ohne Wehmut wieder abgeben. Klar, im ersten Moment, in dem ich mir wieder „APS-C-Bilder“ ansah, dachte ich mir, diese unglaubliche Auflösung des Mittelformats müsse ich nun unbedingt dauerhaft haben, zeichnet das „mickrige“ Format des X Systems doch so viel weniger Details auf. Aber wie sieht das ganze mit etwas Abstand aus? Mit einem Blick auf alle für mich relevanten Aspekte? Und da kam ich zu dem Schluss, dass die Fujifilm GFX 50R für mich (aktuell) des Guten zu viel ist …

– In Henningsvær – GFX 50R, GF45mmF2.8 R WR, 1/550 Sek, f 4, ISO 100 –
– Am Strand von Flakstad – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 8, ISO 250 –

Dreimal Contra

Das Gewicht und die Größe
Bekanntlich bin ich meist zu Fuß unterwegs und schleppe auf vielen meiner Touren nicht nur den Fotokrämpel, sondern auch alle für das Überleben in der Wildnis notwendige Ausrüstung mit mir rum. Auch deshalb fröhne ich dem Motto der Konzentration auf das Wesentliche. Und selbst wenn ich momentan immer nur mit wenigen Festbrennweiten losziehe, so benötige ich dennoch ein Mindestmaß an Vielfalt – beim X System bewege ich mich da zwischen 16 und 50/56 Millimetern. Zwar erwähnte ich weiter oben bereits, dass die GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten (entsprechend einem 23er und 35er im X System bzw. 35 und 50 mm beim Kleinbildformat) noch recht kompakt ist, aber dieses minimale Setup bringt bereits 1.670 Gramm auf die Waage, hingegen die X-Pro2 sogar mit den drei lichtstarken und verhältnismäßig schweren XF16mmF1.4 R WR, XF23mmF1.4 R und XF56mmF1.2 R nur 1.575 Gramm.

Darüber hinaus fehlt im GFX System ein äquivalent zu der von mir im X System geliebten 16-mm-Brennweite (24 Millimeter an Kleinbild). Für das Mittelformat gibt es jenseits des 45ers nur das GF23mmF4 R LM WR (entsprechend 18 mm an KB), das mir nicht nur zu weitwinklig ist, sondern das auch groß und schwer daherkommt. Daneben ist das GF110mmF2 R LM WR zwar eine dem XF56er vergleichbare Brennweite (beide ca. 85 mm KB), aber mit 2,5-fachem Gewicht.

Nicht zu unterschätzen auch der Volumenanstieg der Ausrüstung. Die 50R mit den zwei kleinen FBs nahm in der Fototasche etwa so viel Raum ein wie zwei X-Pro2 mit drei Objektiven. Meine Vorgehensweise, alles, was ich brauche, in einer Tasche griffbereit zu tragen, würde mit dem GFX-Modell nur zusammen mit der rudimentärsten Objektivbestückung funktionieren. Von einer zusätzlichen Backup-Kamera ganz zu schweigen …

Unterm Strich wäre für meine Art der Fotografie das Mittelformat aufgrund des Gewichts und der Größe nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn ich mich bei den Objektiven noch weiter reduzieren könnte, als ich es beim X System ohnehin schon tue. Also auf maximal zwei Festbrennweiten.

Der Preis
Ich sag ja immer: „Die Fotoausrüstung muss bezahlbar sein.“ Und wenn man die Fotografie beruflich betreibt, meine ich damit natürlich auch das Verhältnis zu dem, was man mit seiner Tätigkeit verdient. Durchaus renommierte Magazine zahlen teilweise nur lächerliche 50 Euro pro Seite. Und selbst wenn man darin eine tolle 14-seitige Reportage hat, kann sich jeder ausrechnen, was das für ein mickriges Honorar ergibt.

Allein die bereits genannte Kombi aus der GFX 50R mit den beiden 45- und 63-mm-Festbrennweiten schlägt schon mal mit ca. 7.900 Euro zu Buche (Listenpreis). Die X-Pro2 mit den drei 16-, 23- und 56-mm-Objektiven kostet dafür nur ca. 4.550 Euro (da könnte man sogar eine zweite Backup-Kamera hinzunehmen und läge weiterhin deutlich unter den Kosten für das größere Format). Greift man beim X System gar zu den „Fujicrons“, geht es noch günstiger (und nochmals leichter und kleiner) – dafür müsste man für die schon erwähnten GF23- und GF110-mm-Linsen weitere fast 5.800 Euro zahlen.

Und auch hier ist eine Backup-Kamera (zweites GFX-Modell) oder ein Backup-System (zumindest eine Kamera aus dem X System mit einem Objektiv) noch nicht eingerechnet …

Für mich heißt das, dass eine Anschaffung des GFX Systems finanziell im Grunde nicht zu rechtfertigen wäre, muss ich doch schließlich zuallererst die Reisekosten stemmen, um dann überhaupt erstmal fotografiach aktiv werden zu können.

Die Bildqualität
Ja, die ist fantastisch! Selbst weit hineingezoomt in ein Bild sind so viele Details zu erkennen – einfach toll. Aber brauche ich das wirklich? Momentan nicht. Auch bei meinem aktuellen Projekt – bei dem es mir wie bereits bei Mein Norden nicht um absolute Perfektion geht, sondern darum, Erlebnisse und Emotionen sichtbar zu machen – gleicht mein Stil eher „rotziger Reportage“ anstatt „stylischen Beautyfotos“. Die Bilder aus der GFX 50R waren mir schon fast zu gut, schlägt mein Herz doch viel mehr für schmuddelige Analogaufnahmen als das überreine Digitalzeugs …

Für Magazinveröffentlichungen und Buchpublikationen ist ein kleineres Format sowieso ausreichend. Nur im Hinblick auf wirklich große Prints hat das größere Ausgangsformat natürlich Vorteile.

– Ramberg – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/500 Sek, f 5.6, ISO 250 –
– Brandung – GFX 50R, GF63mmF2.8 R WR, 1/250 Sek, f 5.6, ISO 640 –

Fazit

Eins vorweg: Ich prangerte ein wenig den Preis des GFX Systems an – das gilt jedoch nur aus meinem Blickwinkel. Wer Mittelformat braucht, ist hier bestens aufgehoben und findet in dem System (wie auch im neuen Topmodell GFX 100) eine Ausrüstung mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis!

Für meine Zwecke ist die wunderschöne GFX 50R aktuell aber überdimensioniert. Das gilt für das Projekt, an dem ich gerade noch arbeite, und sicherlich auch für das folgende, das mir bereits im Kopf umherschwirrt und bei dem ich mit dem kompakteren und leichteren X System weiterhin besser bedient sein werde. Aber man soll bekanntlich niemals nie sagen – und wer weiß, vielleicht ist ein GFX-Modell mit ein oder zwei Festbrennweiten irgendwann genau das, was ich brauche …

Bleibt Ihr auch noch beim X System oder seid Ihr schon zum GFX System gewechselt? Berichtet gerne in den Kommentaren!

> Bildergalerie Norwegen, 2019, Nordische Momente – Lofoten Masterclass

SPOT Gen3 Messenger – Ein Erfahrungsbericht

– SPOT Gen3 Messenger in Grönland –

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir Mitte der Neunzigerjahre bei einer Solotour durch den einsamen Sarek-Nationalpark im hohen Norden Schwedens ein Ermüdungsbruch im rechten Fuß urplötzlich das Leben schwer machte. Ein Kontakt zur Außenwelt war nicht möglich, Hilfe weit weg, also lief ich – so gut es eben ging – mit schmerzverzerrtem Gesicht noch 50 Kilometer bis zum Zielort. Und selbst dann dauerte es noch ein paar Tage, bis ich eine ganze Woche nachdem es Knack gemacht hatte, zu Hause beim Arzt aufschlug und einen Gips verpasst bekam. Natürlich wurde ich zuvor gefragt, warum ich mit dem lädierten Knochen denn nicht schon früher gekommen wäre. Nun ja …

Es war eine Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab. Aber selbst auf späteren „Handy-Unternehmungen“ waren diese auf abgeschiedenen Touren in die Wildnis kaum ein adequates Kommunikationsmittel, um im Fall der Fälle Hilfe herbeizuholen, denn oftmals herrscht dort einfach kein Empfang. 2005 war ich dann zum ersten Mal mit einem Satellitentelefon unterwegs, als ich im Winter versuchte, Island allein zu durchqueren und im Sommer solo über den Vatnajökull, Europas größten Gletscher, lief. Jetzt konnte ich zwar von jedem Punkt aus telefonieren, aber eine Rettung einzuleiten, wäre auch damit unter Umständen schwierig gewesen, hätte ich meine Position doch noch per Anruf oder Textnachricht durchgeben müssen. Wer weiß, ob das immer möglich gewesen wäre?

„Meine Wahl fiel dabei schließlich auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.“

In den folgenden Jahren – bei der Grönland Transversale 2006 und der Expedition EISWÜSTE 2008 – hatten wir neben einem Satfon auch noch einen sogenannten PLB (Personal Locator Beacon) im Gepäck. Diese ursprünglich aus der Seefahrt stammenden Notfallsender funktionieren auf der Basis von Notfallfunkfrequenzen aus der Luftfahrt und man kann damit auf Knopfdruck ganz einfach seinen Standort übermitteln und einen Hilferuf entsenden. Nicht mehr und nicht weniger.

Bevor ich vor zwei Jahren erneut nach Grönland aufbrach, um eine Solowanderung durch das Johan Dahl Land zu unternehmen, machte ich mir Gedanken, welches Gerät ich zur Sicherheit nun am besten mitnehmen sollte. Meine Wahl fiel dabei auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.

– SPOT Gen3 Notfallsender in Grönland –

Was bietet der SPOT-Notfallsender?

Zuerst muss der Sender unter findmespot.com registriert werden, danach kann man einen umfangreichen Service nutzen. Dabei gehen die Möglichkeiten des SPOT weit über die simple Notruf-Funktion eines PLBs hinaus, mit denen sich „nur“ eine sofortige Rettung in die Wege leiten lässt.

Mit dem handygroßen und 114 Gramm leichten SPOT-Sender kann im Ernstfall und einer lebensbedrohlichen Situation über eine gesicherte SOS-Taste natürlich ebenfalls ein Notruf abgesetzt werden. Im 5-Minuten-Rhythmus wird daraufhin fortlaufend die aktuelle GPS-Position versendet. SOS-Nachricht und Koordinaten werden von der internationalen GEOS-Notrufzentrale empfangen, die rund um die Uhr weltweit lokale Rettungskräfte alarmiert. Gleichzeitig wird ein GEOS-Mitarbeiter vorab hinterlegte Notrufkontakte über den Stand der Rettung informieren. Diese Kontaktpersonen können den Rettungskräften bei eventuellen Rückfragen zur Verfügung stehen. Auch lassen sich Vorerkrankungen oder der Bedarf an bestimmten Medikamenten bei der Einrichtung des Gerätes in einem Webformular eingeben. Wie die einzelnen Schritte der Rettungskette genau ablaufen, wird hier erklärt.

Neben der SOS-Funktion besteht weiterhin die Option, bei einem nicht-lebensbedrohlichen Notfall eine „Hilfe-Nachricht“ an Freunde, Familie oder andere zu schicken. Quasi eine abgeschwächte Form, die zeigt, dass Unterstützung von außen hilfreich wäre, es aber nicht um Leben und Tod geht. Hier können bis zu 10 Kontakte hinterlegt werden, die durch eine vorgefertigte Nachricht inklusive der momentanen GPS-Koordinaten informiert werden.

„Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht.“

Zudem bietet der SPOT die Möglichkeit – und hier unterscheidet er sich signifikant von einem PLB –, wann immer man möchte und ohne „Notfallgrund“ die aktuelle Position zu übermitteln. Der Sender verfügt dazu über eine OK-Taste. Wird diese gedrückt, schickt das Gerät eine vorab eingerichtete und formulierte Nachricht zusammen mit den GPS-Koordinaten per E-Mail und/oder SMS an eine vorher definierte Personengruppe (auch hier sind bis zu 10 Kontakte möglich). So kann man die Lieben daheim jederzeit wissen lassen, dass es einem gut geht. In Grönland habe ich jeden Abend nach dem Zeltaufbau eine solche „OK-Nachricht“ verschickt – so konnten alle danach ruhig schlafen und auch mein Ansprechpartner vor Ort wusste immer, wo ich mich gerade befand (diese Nachricht kann am Gerät selbst nicht verändert werden und wird ebenfalls über das Webformular vor Tourantritt eingegeben, was wie alle Einstellungen leicht und schnell von der Hand geht). Auch ist es möglich, die Koordinaten samt Textmessage auf Twitter und Facebook sowie einer Webseite zu veröffentlichen. Das ist ganz praktisch, um ein breites Publikum mit auf die eigene Reise zu nehmen und ihnen zu zeigen, wo man gerade so steckt. Allerdings sind ein paar meiner Statusmeldungen auf Twitter und Facebook nicht angezeigt worden … Neben dieser klassischen OK-Meldung lässt sich weiterhin noch eine „Individuelle Nachricht“ auf Knopfdruck verschicken, wodurch etwas Spielraum in der – vorformulierten – Kommunikation besteht .

Schließlich verfügt der Sender über eine Trackingfunktion. Beim SPOT Gen3 können verschiedene Trackingintervalle ausgewählt werden, die je nach Reisegeschwindigkeit – wie Wanderung oder Radtour – sinnvoll sind (2 ½-, 5-, 10-, 30- und 60-minütige Intervalle stehen zur Verfügung). Sobald diese Funktion aktiviert ist, übermittelt der SPOT ganz automatisch die aktuelle Position. Der Reiseverlauf kann so nahezu in Echtzeit über Google Maps verfolgt werden. Auch kann mit einem SPOT-Konto eine öffentlich zugängliche SPOT Shared Page angelegt werden, auf der die GPS-Standorte veröffentlicht werden können. Dieses Tracking war mir allerdings zuviel des Guten und erschien mir bei meiner Wanderung durch das Johan Dahl Land nicht nötig. Also habe ich darauf verzichtet und das Gerät nicht im Dauerbetrieb laufen lassen.

Alle diese vielfältigen Funktionen und Services lassen sich bequem und individuell online über das praktische Webformular ändern und anpassen. Man kann darüber hinaus je nach Tour unterschiedliche Profile anlegen – so werden immer die passenden Leute benachrichtigt.

Zu beachten gibt es beim SPOT Gen3 Messenger eigentlich nur zwei Dinge: Zum einen wird das Gerät mit herkömmlichen AAA 1.5V Lithium-Batterien oder Akkus betrieben. Hier gilt es darauf zu achten, diese vor jeder Tour zu ersetzen oder zumindest zu überprüfen und auch Ersatz mitzunehmen. In einem Notfall die Batterien wechseln zu müssen, sollte auf gar keinen Fall passieren! Die Nutzung der Trackingfunktion und hier besonders die kürzeren Intervalle reduzieren die mögliche Laufzeit des Geräts deutlich. Wer aber nur jeden Tag einmal seine Koordinaten samt OK-Nachricht übermittelt – wie ich es getan habe –, bei dem reicht ein Satz Batterien für eine lange Zeit. Zum anderen funktioniert der SPOT über Satelliten. Diese decken allerdings nicht alle Gebiete auf der Erde zu einhundert Prozent ab. Am Nord- und Südpol, in Zentralafrika oder Feuerland kann es mau aussehen. Wer in „exotische“ Regionen vordringt, sollte sich deshalb vorher die Abdeckungsgebiete genauer ansehen. Auch sollte bei der Nutzung eine möglichst „freie Sicht“ zum Himmel gewährleistet sein – ist diese nicht gegeben, kann es passieren, dass der SPOT eine Position und und im schlimmsten Fall einen Notruf nicht übermitteln kann.

Mein Fazit

Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht. Allein das ist schon viel wert – der Ernstfall muss ja gar nicht eintreten. Daher kann ich allen, die in wilde Einsamkeit aufbrechen wo Hilfe fern ist, nur dazu raten, in einen Notfallsender wie den SPOT zu investieren. Und wem eine dauerhafte Anschaffung zu kostspielig ist, sollte auf jeden Fall über ein Mietgerät nachdenken!

Einzig muss man sich bewusst sein, dass diese vermeintliche Nabelschnur nur in eine Richtung funktioniert. Es besteht keinerlei Möglichkeit, über den SPOT von daheim per E-Mail oder SMS kontaktiert zu werden. Aber das muss ja auch nicht sein – denn wer will schon draußen in der Natur gestört werden?

Werbehinweis: Das Gerät wurde mir kostenlos von WeSPOT für den Zeitraum der Grönland-Reise zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird davon nicht beeinflusst.