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Auf Speed

– Schnellen Schrittes –

Vorgestern bin ich mal wieder den Langenberger Rundweg gelaufen, den ich zuletzt Ende Oktober vorigen Jahres in Angriff genommen hatte.

Mal wieder startete ich daheim und wanderte zuerst ins Deilbachtal, wo ich auf die eigentliche über 3o km langen Runde stieß. Ich marschierte weiter ins Felderbachtal und hinüber nach Velbert-Nierenhof. Es folgten Huisgen und das Asbachtal. Die Temperaturen waren fast frühlingshaft, während derer ich durch Wälder und über Felder schritt. Pfade, Feldwege, auch mal ein Stück Asphalt. Ein auf und ab, ein weiter, immer weiter. Ein Golfplatz zur linken, später Windrath, Nordrath. Wieder im Deilbachtal schloss sich der Kreis und ich musste von dort nur noch zurück nach Hause flitzen.

Nur vier Pausen machte ich unterwegs – zwischen Morgengrauen und  Dunkelheit. Doch nie läuft alles ganz ohne Beschwerden ab – mal wieder zwickte es an mehreren Stellen. Am linken Fuß drückte nicht nur die Schnürung des Schuhs, sondern noch immer reagierte die Stelle unter der Ferse sensibel auf eine stundenlange Belastung, an der ich mir während einer Wanderung über den Ennepetaler Wappenweg vor mittlerweile 13 Monaten eine üble Blutblase zugezogen hatte. Aber egal, dieses Mal war es nur ein leichtes Zwicken, was mich nicht davon abhielt, die Tour von Anfang bis Ende schnellen Schrittes durchzuziehen.

Hatte ich für den Rundweg um Langenberg beim letzten Mal noch knappe 10,5 h benötigt, war ich nun bereits nach nur 9 Stunden und 20 Minuten wieder zu Hause.

„A strong will grows from suffering and being rewarded for it.“

Mark F. Twight hat einfach recht – alles Durchhalten hatte sich mal wieder gelohnt und ausgezahlt in einer neuen Bestzeit auf dieser Runde. Überhaupt bin ich auf allen Trainingsunternehmungen, die ich in den zurückliegenden Wochen und Monaten unternommen habe, immer deutlich zügiger unterwegs als in früheren Tagen. Ich frage mich, worin dieser Geschwindigkeitsschub begründet liegt. Etwa in den „Neujahrsvorsätzen“, die ich bereits seit Ende der Sommerferien versuche umzusetzen? Eine gesündere Ernährung mit weniger Zucker und weniger fettigem Zeug. Das brachte zwar umgehend einen Gewichtsverlust von 2, 3 Kilo mit sich, aber auch eine Beruhigung meines Verdauungstraktes und ein insgesamt besseres Körpergefühl. Oder trägt einfach das seit geraumer Zeit recht konsequent durchgeführte Coretraining dazu bei, dass ich meine Füße flinker bewegen kann? Egal, der Fitnesszuwachs macht auf jeden Fall Lust, noch so manche Herausforderung anzunehmen!

Mal sehen, was das nächste Jahr so bringt – weitere lange Tageswanderungen habe ich bereits auf dem Schirm.

Fotourlaub und Bewegungsdrang

– Allgäuer Alpen –

Es ist mal wieder an der Zeit etwas zu bloggen. Über die Lustlosigkeit zu fotografieren und die Lust sich zu bewegen. Aber der Reihe nach …

Diesen Sommer erlebte ich auf einem Familientrip nach Norwegen eine wunderbare Zeit, wo wir uns abseits aller Touristenströme in die wilde Natur schlugen:

„Morgennebel lag über der Landschaft. Nichts war zu sehen, kein Mucks zu hören. Wir saßen auf einem Stein, schlürften Kaffee und wagten es kaum zu reden. Die Ruhe des Augenblicks war betörend.

Nur ganz langsam schaffte es die Sonne, zu den Bergen und Seen vorzudringen und die Weite in goldenes Licht zu tauchen. Nahe der Krækkjahytta hatten wir unser Zelt für drei Nächte am Drageidfjorden aufgebaut. Von hier schlenderten wir entlang des Wassers, ließen die Seele baumeln und genossen unser Dasein auf der Hardangervidda.

Dabei versuchte ich, die Stille, die überall so gegenwärtig war, mit meiner Kamera einzufangen. Bereits in Jotunheimen, wo wir von Eidsbugarden ein paar Kilometer zum Store Mjølkedalsvatnet gelaufen waren, konnte ich ein Sinnbild der herrschenden Ruhe einfangen. Jeden Tag aufs Neue breitete sich dort der See, über dem die schroffen Berge des „Heims der Riesen“ thronten, spiegelglatt vor uns aus.

Ich legte mich zwischen Wollgras auf den Boden oder kauerte in einem Fluss hinter Steinen, um ganz nah hineinzugelangen in die Natur und sie unmittelbar einzubeziehen in die Bildkompositionen.

Ähnlich erging es uns auch in Skarvheimen, wo wir einen Temperatursturz mit Regen wegstecken mussten, der am Geiteryggvatnet nach einer Umrundung des Sees über uns hereinbrach und uns in die gemütliche Geiterygghytta zu Waffeln mit saurer Sahne und Marmelade trieb.

Wir dachten an all die Tage, in denen wir einfach da waren, an Ort und Stelle, und die uns immer wieder mit dem Gefühl von Freiheit und großer Zufriedenheit beschenkten.“

Wieder zu Hause von dieser Entspannungskur war ich voller Elan. Ich legte mir einen Plan zurecht und unternahm fortan regelmäßig kleinere und größere Tageswanderungen mit steigender Dauer und Intensität. Nicht, dass ich nicht schön früher viel draußen vor der Haustüre unterwegs gewesen wäre, aber jetzt machte mir das Outdoorleben fast noch mehr Freude als je zuvor. Ich konnte kaum genug bekommen, erledigte Schreibtischarbeiten mit einer gehörigen Portion Widerwillen und sehnte mich nach jedem neuen Ausflug in die Natur.

Fotourlaub in den Allgäuer Alpen

Umso willkommener die Herbstferien mit einer Reise in die Allgäuer Alpen. In Kornau am Rande von Oberstdorf hatten wir eine Ferienwohnung gemietet, von der wir jeden Tag aufbrachen in die Bergwelt. Das Wetter war herrlich und bescherte uns fast immerzu warme Temperaturen und Sonnenschein. Unterwegs zwischen Gipfeln und Graten wollte ich natürlich auch Fotos machen. Die Ausrüstung hatte ich abgespeckt – eine Fujifilm X-Pro2 samt 27er Pancake –, damit sie mir nicht im Wege war und ich sie immer griffbereit dabeihaben konnte. Also hängte ich mir die Kamera am ersten Morgen pflichtbewusst um den Hals, an dem wir mit der Gondel zur Bergstation des Nebelhorns fuhren und von dort den Rest zu Fuß über den Südgrat zum Gipfel stiegen. Doch schon hier merkte ich, wie meine fotografischen Ambitionen schwanden und ich die Berge lieber nur mit meinen Sinnen aufsaugen wollte anstatt sie laufend auch noch abzulichten. Immerhin knipste ich noch ein Bild eines stillstehenden Sesselliftes.

An den folgenden Tagen packte ich den Fotoapparat zwar noch jeden Morgen in den Rucksack, holte ihn aber unterwegs gar nicht mehr hervor. Ob der Weg hinauf zum Söllereck und von dort dem grasigen Grat folgend über den Schlappoldkopf und das Fellhorn bis zur Kanzelwand, die Tour am Heuberg entlang und vorbei an der unteren und oberen Walmendinger Alpe auf das Walmendinger Horn oder der Aufstieg auf das Hahnenköpfle mit einem kurzen Abstecher durch die Steilpassage am Hohen Ifen – alles brannte sich nur in meinem Kopf ein, wurde von mir aber nicht auf einen Chip gebannt.

Als ich dann zu einem wunderbar abenteuerlichen Soloausflug von Oberstdorf durch den Faltenbachtobel hinauf aufs Rubihorn aufbrach, nahm ich die Kamera gar nicht mehr mit. Ich wollte diesen Tag einfach nur ganz für mich haben. Und so stieg ich zuerst in weniger als zwei Stunden die über 1.000 Höhenmeter vom Talgrund zum Gipfel des Rubihorn empor, von wo aus ich den langen Kamm hinüber zum Nebelhorn in Angriff nahm. Auf diesem wohl einsamsten Aufstieg hinauf auf den so viel besuchten Aussichtsgipfel sind ein paar kleinere Kletterstellen und exponierte Passagen zu bewältigen, die meine ganze Aufmerksamkeit erforderten. Den höchsten Punkt des felsigen Gaisalphorns erreichte ich mithilfe eines herabhängenden Drahtseiles und einer über einem Abgrund emporstrebenden Leiter. Die Überschreitung des anschließenden Geißfußes war etwas einfacher und brachte kurzzeitige Erholung, bevor am Geißfußsattel der Grat über den Gundkopf auf das Nebelhorn begann. Gelegentlich wurde hier nach Handarbeit verlangt, doch faszinierende Tiefblicke auf die beiden Gaisalpseen entschädigten für alle heiklen Stellen. Ich saugte jeden Schritt, jeden Griff auf und war fast schon traurig, nach wenig mehr als vier Stunden gesamter Aufstiegszeit am Gipfel des Nebelhorns zwischen unzähligen Ausflüglern anzukommen.

Zum Abschluss unserer Herbstferienwoche besuchten wir noch einmal das Walmendinger Horn und liefen von dort zur Ochsenhofer Scharte und wanderten bei ausnahmsweise wolkig-nebligem Wetter über die Kühgund Alpe zur Fiderepasshütte und vorbei an der Inneren Kuhgeren Alpe retour zur Bergstation Kanzelwand.

Die Fotografie in dieser Zeit einmal links liegen zu lassen, war eine Wohltat. Denn kurz nach unserer Rückkehr aus den Bergen hieß es für mich, eine nächste Fotoreise zu leiten, bei der tagein tagaus das Bildermachen wieder absolute Priorität haben würde. Aber auch während der Zeit auf den Färöer-Inseln, in denen wir viele kleinere Ausflüge in Dörfer, an Steilklippen und zu Wasserfällen unternahmen, hätte ich gerne den einen oder anderen Gipfel erklommen, so ungestillt war nach wie vor mein Drang, mich auszutoben.

Flach dahin und hoch hinaus

Zurück von den Schafsinseln nahm ich daher schnell wieder Fahrt auf, drehte Runden durch die heimischen Wälder und fing auch mit Kletterei nach langer Zeit mal wieder etwas ernsthafter an, bis mich eine fiebrige Erkältung kurzerhand ausbremste. Einige Tage musste ich zähneknirschend die Füße stillhalten, erst dann konnte ich weiter meinem Bewegungsdrang frönen und selbst daheim durch Klettersteige kraxeln.

Aber wie macht Ihr das? Habt Ihr die Kamera immer dabei oder macht Ihr auch mal Fotourlaub?

Die Mär von Freud und Leid

– Rund um Ennepetal –

Es war ein Kraftakt. In 11 Stunden und 10 Minuten bin ich gestern den 54 km langen Wappenweg rund um Ennepetal gewandert. Ich kenne die Strecke wie meine Westentasche, und es sollten nach der Tagestour über den Langenberger Rundweg weitere harte Trainingskilometer auf dem Weg nach Patagonien werden.

Um 07:45 Uhr machte ich mich in Schwelm am Schloss Martfeld auf den Weg, gelangte rasch zum Bahnhof Ennepetal und erklomm den Buchenberg. Allerdings bemerkte ich schon in diesem frühen Stadium eine Reiberei unter der linken Ferse. Genau an der Stelle, wo ich mir im Oktober beim Rothaarsteig-Marathon – als Nordic Walker auf der Halbmarathon-Strecke – auch eine Blase eingefangen hatte. Nach anderthalb Stunden machte ich daher bereits die erste Pause. Ich stopfte eine Banane, ein paar Snack-Möhren, zwei Knäckebrote und ein Balisto in mich hinein und spülte alles mit zwei Bechern Tee hinunter. Dann widmete ich mich meinem Fuß und klebte die betroffene Stelle mit Tape ab, um die Reibung zu minimieren.

Frisch versorgt kam ich daraufhin ganz gut weiter. Ich durchschritt das Haspertal und tauchte ein ins Waldgebiet Ikshardt. Dort ersparte ich mir, den längsten Anstieg der ganzen Runde an einem Stück zu erklimmen und machte auf halbem Weg die nächste Rast. Wieder vertilgte ich einige Leckereien, was mich aber nur kurz davon ablenkte, das in der Zwischenzeit doch stärker gewordene Zwicken unter dem lädierten Fuß wahrzunehmen. Gut, noch war es eine erträgliche Randnotiz, aber auf dem folgenden Abschitt vorbei an der Hasper Talsperre und hinüber ins Tal der Ennepe – wo irgendwo gerade mal die Hälfte des Weges hinter mir lag – wurde die Blase, zu der sich das Zwacken mittlerweile ausgewchsen hatte, zum bestimmenden Faktor. Hinter Peddenöde und kurz vor Brauck musste ich handeln. Ich wechselte das Tape und fügte noch ein Blasenpflaster hinzu, das Druck von der Stelle nehmen sollte. Nur alles Wohlwollen kam leider zu spät. Von hier an wurde die verbleibende Strecke zu einer harten Auseinandersetzung zwischen Körper und Geist.

Abzubrechen, stand nicht zur Diskussion. Mein Wille durchzuhalten, war stärker. Ich dachte an Mark F. Twight und die Worte in seinem Buch Extreme Alpinism. „A strong will grows from suffering and being rewarded for it.“ Die Mär von Freud und Leid, das so dicht beieinander liegt, beschäftige für den Rest des Tages zunehmend meine Sinne …

„Does a strong will come from years of multihour training runs or do those runs result from a dominating will?“

Weiter, immer weiter trieb ich mich im Schatten des Westenberg voran bis zur Heilenbecker Talsperre. Nochmals ließ ich mich auf eine Bank plumpsen, verdrückte Speiß und Trank. Ich beobachtete ein paar Spaziergänger, die gemütlich ihre Runden drehten. Mit steifen Gliedern rappelte ich mich wieder auf und stöhnte auf den nächsten Metern vor mich hin. Sich nach etwas Ruhe wieder an die Schmerzen zu gewöhnen, dauert immer eine Weile.

Als ich am Brebach entlang lief, setzte die Dämmerung ein. Ich war der Kühle auf den Höhenzügen entkommen und genoss im windgeschützten Tal für Momente das Draußensein in der Natur. Doch es blieb bei einem letzten Aufbäumen, bevor sich meine Schritte immer mehr verlangsamten. Am Beyenburger Stausee wurde es finster. Von hier hätte ich einen Bus nach Hause nehmen können. Aber nein, ich wollte es mal wieder schaffen. Unter dem Bilstein hielt ich ein letztes Mal an – ein letztes Mal Kraft tanken für den Schlussakt. Nur die Schwelmer Höhe galt es noch zu überwinden. In völliger Dunkelheit spendete meine Stirnlampe ein spärliches Licht. Sie erhellte vor mir gerade so viel wie nötig. Der nächste Schritt, der nächste Meter. Das war alles, was noch zählte.

Meine Beine waren verkrampft. Ich kämpfte mich die verbliebenen Steigungen hinauf nach Königsfeld und schließlich am Rande des Martfelfer Wald hinab ins Ziel. Aber noch war ich nicht zu Hause. Ohne anzuhalten und den Erfolg zu genießen, quälte ich mich zum Schwelmer Bahnhof, erwischte zum Glück rasch einen Zug zurück nach Wuppertal, nahm dort noch einen Bus, um ja so wenige weitere Meter wie möglich laufen zu müssen. Daheim im Treppenhaus ließ ich mich auf die Stufen fallen. Zog die Schuhe aus und blieb erstmal sitzen. Ich war platt. Und gezeichnet. Später entfernte ich Tape und Pflaster von Fuß und Blase und stach das blutige Biest auf. Ich humpelte durch die Wohnung. Geist und Körper waren leer.

SPOT Gen3 Messenger – Ein Erfahrungsbericht

– SPOT Gen3 Messenger in Grönland –

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir Mitte der Neunzigerjahre bei einer Solotour durch den einsamen Sarek-Nationalpark im hohen Norden Schwedens ein Ermüdungsbruch im rechten Fuß urplötzlich das Leben schwer machte. Ein Kontakt zur Außenwelt war nicht möglich, Hilfe weit weg, also lief ich – so gut es eben ging – mit schmerzverzerrtem Gesicht noch 50 Kilometer bis zum Zielort. Und selbst dann dauerte es noch ein paar Tage, bis ich eine ganze Woche nachdem es Knack gemacht hatte, zu Hause beim Arzt aufschlug und einen Gips verpasst bekam. Natürlich wurde ich zuvor gefragt, warum ich mit dem lädierten Knochen denn nicht schon früher gekommen wäre. Nun ja …

Es war eine Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab. Aber selbst auf späteren „Handy-Unternehmungen“ waren diese auf abgeschiedenen Touren in die Wildnis kaum ein adequates Kommunikationsmittel, um im Fall der Fälle Hilfe herbeizuholen, denn oftmals herrscht dort einfach kein Empfang. 2005 war ich dann zum ersten Mal mit einem Satellitentelefon unterwegs, als ich im Winter versuchte, Island allein zu durchqueren und im Sommer solo über den Vatnajökull, Europas größten Gletscher, lief. Jetzt konnte ich zwar von jedem Punkt aus telefonieren, aber eine Rettung einzuleiten, wäre auch damit unter Umständen schwierig gewesen, hätte ich meine Position doch noch per Anruf oder Textnachricht durchgeben müssen. Wer weiß, ob das immer möglich gewesen wäre?

„Meine Wahl fiel dabei schließlich auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.“

In den folgenden Jahren – bei der Grönland Transversale 2006 und der Expedition EISWÜSTE 2008 – hatten wir neben einem Satfon auch noch einen sogenannten PLB (Personal Locator Beacon) im Gepäck. Diese ursprünglich aus der Seefahrt stammenden Notfallsender funktionieren auf der Basis von Notfallfunkfrequenzen aus der Luftfahrt und man kann damit auf Knopfdruck ganz einfach seinen Standort übermitteln und einen Hilferuf entsenden. Nicht mehr und nicht weniger.

Bevor ich vor zwei Jahren erneut nach Grönland aufbrach, um eine Solowanderung durch das Johan Dahl Land zu unternehmen, machte ich mir Gedanken, welches Gerät ich zur Sicherheit nun am besten mitnehmen sollte. Meine Wahl fiel dabei auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.

– SPOT Gen3 Notfallsender in Grönland –

Was bietet der SPOT-Notfallsender?

Zuerst muss der Sender unter findmespot.com registriert werden, danach kann man einen umfangreichen Service nutzen. Dabei gehen die Möglichkeiten des SPOT weit über die simple Notruf-Funktion eines PLBs hinaus, mit denen sich „nur“ eine sofortige Rettung in die Wege leiten lässt.

Mit dem handygroßen und 114 Gramm leichten SPOT-Sender kann im Ernstfall und einer lebensbedrohlichen Situation über eine gesicherte SOS-Taste natürlich ebenfalls ein Notruf abgesetzt werden. Im 5-Minuten-Rhythmus wird daraufhin fortlaufend die aktuelle GPS-Position versendet. SOS-Nachricht und Koordinaten werden von der internationalen GEOS-Notrufzentrale empfangen, die rund um die Uhr weltweit lokale Rettungskräfte alarmiert. Gleichzeitig wird ein GEOS-Mitarbeiter vorab hinterlegte Notrufkontakte über den Stand der Rettung informieren. Diese Kontaktpersonen können den Rettungskräften bei eventuellen Rückfragen zur Verfügung stehen. Auch lassen sich Vorerkrankungen oder der Bedarf an bestimmten Medikamenten bei der Einrichtung des Gerätes in einem Webformular eingeben. Wie die einzelnen Schritte der Rettungskette genau ablaufen, wird hier erklärt.

Neben der SOS-Funktion besteht weiterhin die Option, bei einem nicht-lebensbedrohlichen Notfall eine „Hilfe-Nachricht“ an Freunde, Familie oder andere zu schicken. Quasi eine abgeschwächte Form, die zeigt, dass Unterstützung von außen hilfreich wäre, es aber nicht um Leben und Tod geht. Hier können bis zu 10 Kontakte hinterlegt werden, die durch eine vorgefertigte Nachricht inklusive der momentanen GPS-Koordinaten informiert werden.

„Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht.“

Zudem bietet der SPOT die Möglichkeit – und hier unterscheidet er sich signifikant von einem PLB –, wann immer man möchte und ohne „Notfallgrund“ die aktuelle Position zu übermitteln. Der Sender verfügt dazu über eine OK-Taste. Wird diese gedrückt, schickt das Gerät eine vorab eingerichtete und formulierte Nachricht zusammen mit den GPS-Koordinaten per E-Mail und/oder SMS an eine vorher definierte Personengruppe (auch hier sind bis zu 10 Kontakte möglich). So kann man die Lieben daheim jederzeit wissen lassen, dass es einem gut geht. In Grönland habe ich jeden Abend nach dem Zeltaufbau eine solche „OK-Nachricht“ verschickt – so konnten alle danach ruhig schlafen und auch mein Ansprechpartner vor Ort wusste immer, wo ich mich gerade befand (diese Nachricht kann am Gerät selbst nicht verändert werden und wird ebenfalls über das Webformular vor Tourantritt eingegeben, was wie alle Einstellungen leicht und schnell von der Hand geht). Auch ist es möglich, die Koordinaten samt Textmessage auf Twitter und Facebook sowie einer Webseite zu veröffentlichen. Das ist ganz praktisch, um ein breites Publikum mit auf die eigene Reise zu nehmen und ihnen zu zeigen, wo man gerade so steckt. Allerdings sind ein paar meiner Statusmeldungen auf Twitter und Facebook nicht angezeigt worden … Neben dieser klassischen OK-Meldung lässt sich weiterhin noch eine „Individuelle Nachricht“ auf Knopfdruck verschicken, wodurch etwas Spielraum in der – vorformulierten – Kommunikation besteht .

Schließlich verfügt der Sender über eine Trackingfunktion. Beim SPOT Gen3 können verschiedene Trackingintervalle ausgewählt werden, die je nach Reisegeschwindigkeit – wie Wanderung oder Radtour – sinnvoll sind (2 ½-, 5-, 10-, 30- und 60-minütige Intervalle stehen zur Verfügung). Sobald diese Funktion aktiviert ist, übermittelt der SPOT ganz automatisch die aktuelle Position. Der Reiseverlauf kann so nahezu in Echtzeit über Google Maps verfolgt werden. Auch kann mit einem SPOT-Konto eine öffentlich zugängliche SPOT Shared Page angelegt werden, auf der die GPS-Standorte veröffentlicht werden können. Dieses Tracking war mir allerdings zuviel des Guten und erschien mir bei meiner Wanderung durch das Johan Dahl Land nicht nötig. Also habe ich darauf verzichtet und das Gerät nicht im Dauerbetrieb laufen lassen.

Alle diese vielfältigen Funktionen und Services lassen sich bequem und individuell online über das praktische Webformular ändern und anpassen. Man kann darüber hinaus je nach Tour unterschiedliche Profile anlegen – so werden immer die passenden Leute benachrichtigt.

Zu beachten gibt es beim SPOT Gen3 Messenger eigentlich nur zwei Dinge: Zum einen wird das Gerät mit herkömmlichen AAA 1.5V Lithium-Batterien oder Akkus betrieben. Hier gilt es darauf zu achten, diese vor jeder Tour zu ersetzen oder zumindest zu überprüfen und auch Ersatz mitzunehmen. In einem Notfall die Batterien wechseln zu müssen, sollte auf gar keinen Fall passieren! Die Nutzung der Trackingfunktion und hier besonders die kürzeren Intervalle reduzieren die mögliche Laufzeit des Geräts deutlich. Wer aber nur jeden Tag einmal seine Koordinaten samt OK-Nachricht übermittelt – wie ich es getan habe –, bei dem reicht ein Satz Batterien für eine lange Zeit. Zum anderen funktioniert der SPOT über Satelliten. Diese decken allerdings nicht alle Gebiete auf der Erde zu einhundert Prozent ab. Am Nord- und Südpol, in Zentralafrika oder Feuerland kann es mau aussehen. Wer in „exotische“ Regionen vordringt, sollte sich deshalb vorher die Abdeckungsgebiete genauer ansehen. Auch sollte bei der Nutzung eine möglichst „freie Sicht“ zum Himmel gewährleistet sein – ist diese nicht gegeben, kann es passieren, dass der SPOT eine Position und und im schlimmsten Fall einen Notruf nicht übermitteln kann.

Mein Fazit

Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht. Allein das ist schon viel wert – der Ernstfall muss ja gar nicht eintreten. Daher kann ich allen, die in wilde Einsamkeit aufbrechen wo Hilfe fern ist, nur dazu raten, in einen Notfallsender wie den SPOT zu investieren. Und wem eine dauerhafte Anschaffung zu kostspielig ist, sollte auf jeden Fall über ein Mietgerät nachdenken!

Einzig muss man sich bewusst sein, dass diese vermeintliche Nabelschnur nur in eine Richtung funktioniert. Es besteht keinerlei Möglichkeit, über den SPOT von daheim per E-Mail oder SMS kontaktiert zu werden. Aber das muss ja auch nicht sein – denn wer will schon draußen in der Natur gestört werden?

Werbehinweis: Das Gerät wurde mir kostenlos von WeSPOT für den Zeitraum der Grönland-Reise zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird davon nicht beeinflusst.

Zwischen Morgengrauen und Abenddämmerung

– Am Langenberger Rundweg –

Um mich ideal auf Patagonien vorzubereiten, wo im kommenden Februar eine herausfordernde Trekkingtour auf mich wartet, werde ich über den Winter auch einige ausgedehnte Tageswanderungen ins Training einstreuen. Gute Erinnerungen habe ich da an den Langenberger Rundweg, den ich gestern mal wieder in Angriff genommen habe …

Erneut lief ich zu Hause los, durchquerte zuerst den Nordpark, passierte dann die Hatzfelder Wassertürme, gelangte schließlich ins Deilbachtal und stieß bei Schmahl am Schmalen auf den ca. 32 km langen Rundweg. Oberhalb auf der Höhe machte ich die erste Rast. Am linken Fuß spürte ich bereits die Blasen und Druckstellen, die ich mir vor gut einer Woche beim Rothaarsteig-Marathon – als Nordic Walker auf der Halbmarathon-Strecke – eingefangen hatte. Die Schuhe neu geschnürt verdrängte ich das Zwicken jedoch und marschierte einfach weiter ins Felderbachtal und hinüber nach Velbert-Nierenhof. Von dort ging es steil bergauf nach Huisgen. Über die kahlen Flächen fegte ein kalter Wind, aber zum Glück blieb es bei etwa 5 Grad trocken. Ich kam bei dem tristen Wetter zügig voran und legte erst in einem Waldstück oberhalb des Asbachtals die zweite Pause ein.

Es folgte ein längeres Asphaltstück. Dann wieder Pfade und Feldwege. Am Golfplatz hinter Knollenberg änderte sich die frühere Wegführung. Da der Durchgang durch den Hof Krüdenscheid vom Besitzer gesperrt worden ist, wurde eine mehrkilometrige Umleitung eingerichtet. Neuland auf der bekannten Runde. Nach der dritten Rast nahm ich in der Nähe von Kuhlendahl prompt eine falsche Abzweigung und legte einen 10-minütigen Umweg ein, bis ich wieder auf dem richtigen Weg zurück war. Um Zeit gut zu machen, joggte ich locker ein paar Meter.

Mittlerweile hatte ich auf Durchhalten geschaltet. Alles flog an mir vorbei. Windrath, Nordrath. Dann war ich zurück im Deilbachtal. Noch eine vierte Pause, bevor die Dämmerung hereinbrach. Rasch wurde es immer dunkler. Die letzte Waldpassage brachte ich gerade noch im spärlichen Restlicht hinter mich, ohne die Stirnlampe bemühen zu müssen. Die finalen Kilometer trottete ich über Straßen und durch Kleingärtenanlagen.

Nach knappen 10 Stunden und 30 Minuten klingelte ich daheim an der Haustüre. Die Glieder steif, die Füße schmerzend. Die lange Strecke mit ihren zusätzlichen 1.000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg hatte mal wieder ihren Tribut gefordert. Doch trotz aller Schinderei liebe ich diese ausgefüllte Zeit zwischen Morgengrauen und Abenddämmerung.

Die nächsten Wanderschritte habe ich auch schon ins Auge gefasst. Ende November lege ich noch eine Schüppe drauf und ein weiteres Mal soll dann der Wappenweg rund um Ennepetal dran glauben.