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Die Mär von Freud und Leid

– Rund um Ennepetal –

Es war ein Kraftakt. In 11 Stunden und 10 Minuten bin ich gestern den 54 km langen Wappenweg rund um Ennepetal gewandert. Ich kenne die Strecke wie meine Westentasche, und es sollten nach der Tagestour über den Langenberger Rundweg weitere harte Trainingskilometer auf dem Weg nach Patagonien werden.

Um 07:45 Uhr machte ich mich in Schwelm am Schloss Martfeld auf den Weg, gelangte rasch zum Bahnhof Ennepetal und erklomm den Buchenberg. Allerdings bemerkte ich schon in diesem frühen Stadium eine Reiberei unter der linken Ferse. Genau an der Stelle, wo ich mir im Oktober beim Rothaarsteig-Marathon – als Nordic Walker auf der Halbmarathon-Strecke – auch eine Blase eingefangen hatte. Nach anderthalb Stunden machte ich daher bereits die erste Pause. Ich stopfte eine Banane, ein paar Snack-Möhren, zwei Knäckebrote und ein Balisto in mich hinein und spülte alles mit zwei Bechern Tee hinunter. Dann widmete ich mich meinem Fuß und klebte die betroffene Stelle mit Tape ab, um die Reibung zu minimieren.

Frisch versorgt kam ich daraufhin ganz gut weiter. Ich durchschritt das Haspertal und tauchte ein ins Waldgebiet Ikshardt. Dort ersparte ich mir, den längsten Anstieg der ganzen Runde an einem Stück zu erklimmen und machte auf halbem Weg die nächste Rast. Wieder vertilgte ich einige Leckereien, was mich aber nur kurz davon ablenkte, das in der Zwischenzeit doch stärker gewordene Zwicken unter dem lädierten Fuß wahrzunehmen. Gut, noch war es eine erträgliche Randnotiz, aber auf dem folgenden Abschitt vorbei an der Hasper Talsperre und hinüber ins Tal der Ennepe – wo irgendwo gerade mal die Hälfte des Weges hinter mir lag – wurde die Blase, zu der sich das Zwacken mittlerweile ausgewchsen hatte, zum bestimmenden Faktor. Hinter Peddenöde und kurz vor Brauck musste ich handeln. Ich wechselte das Tape und fügte noch ein Blasenpflaster hinzu, das Druck von der Stelle nehmen sollte. Nur alles Wohlwollen kam leider zu spät. Von hier an wurde die verbleibende Strecke zu einer harten Auseinandersetzung zwischen Körper und Geist.

Abzubrechen, stand nicht zur Diskussion. Mein Wille durchzuhalten, war stärker. Ich dachte an Mark F. Twight und die Worte in seinem Buch Extreme Alpinism. „A strong will grows from suffering and being rewarded for it.“ Die Mär von Freud und Leid, das so dicht beieinander liegt, beschäftige für den Rest des Tages zunehmend meine Sinne …

„Does a strong will come from years of multihour training runs or do those runs result from a dominating will?“

Weiter immer weiter trieb ich mich im Schatten des Westenberg voran bis zur Heilenbecker Talsperre. Nochmals ließ ich mich auf eine Bank plumpsen, verdrückte Speiß und Trank. Ich beobachtete ein paar Spaziergänger, die gemütlich ihre Runden drehten. Mit steifen Gliedern rappelte ich mich wieder auf und stöhnte auf den nächsten Metern vor mich hin. Sich nach etwas Ruhe wieder an die Schmerzen zu gewöhnen, dauert immer eine Weile.

Als ich am Brebach entlang lief, setzte die Dämmerung ein. Ich war der Kühle auf den Höhenzügen entkommen und genoss im windgeschützten Tal für Momente das Draußensein in der Natur. Doch es blieb bei einem letzten Aufbäumen, bevor sich meine Schritte immer mehr verlangsamten. Am Beyenburger Stausee wurde es finster. Von hier hätte ich einen Bus nach Hause nehmen können. Aber nein, ich wollte es mal wieder schaffen. Unter dem Bilstein hielt ich ein letztes Mal an – ein letztes Mal Kraft tanken für den Schlussakt. Nur die Schwelmer Höhe galt es noch zu überwinden. In völliger Dunkelheit spendete meine Stirnlampe ein spärliches Licht. Sie erhellte vor mir gerade so viel wie nötig. Der nächste Schritt, der nächste Meter. Das war alles, was noch zählte.

Meine Beine waren verkrampft. Ich kämpfte mich die verbliebenen Steigungen hinauf nach Königsfeld und schließlich am Rande des Martfelfer Wald hinab ins Ziel. Aber noch war ich nicht zu Hause. Ohne anzuhalten und den Erfolg zu genießen qäulte ich mich zum Schwelmer Bahnhof, erwischte zum Glück rasch einen Zug zurück nach Wuppertal, nahm dort noch einen Bus, um ja so wenige weitere Meter wie möglich laufen zu müssen. Daheim im Treppenhaus ließ ich mich auf die Stufen fallen. Zog die Schuhe aus und blieb erstmal sitzen. Ich war platt. Und gezeichnet. Später entfernte ich Tape und Pflaster von Fuß und Blase und stach das blutige Biest auf. Ich humpelte durch die Wohnung. Geist und Körper waren leer.

SPOT Gen3 Messenger – Ein Erfahrungsbericht

– SPOT Gen3 Messenger in Grönland –

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir Mitte der Neunzigerjahre bei einer Solotour durch den einsamen Sarek-Nationalpark im hohen Norden Schwedens ein Ermüdungsbruch im rechten Fuß urplötzlich das Leben schwer machte. Ein Kontakt zur Außenwelt war nicht möglich, Hilfe weit weg, also lief ich – so gut es eben ging – mit schmerzverzerrtem Gesicht noch 50 Kilometer bis zum Zielort. Und selbst dann dauerte es noch ein paar Tage, bis ich eine ganze Woche nachdem es Knack gemacht hatte, zu Hause beim Arzt aufschlug und einen Gips verpasst bekam. Natürlich wurde ich zuvor gefragt, warum ich mit dem lädierten Knochen denn nicht schon früher gekommen wäre. Nun ja …

Es war eine Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab. Aber selbst auf späteren „Handy-Unternehmungen“ waren diese auf abgeschiedenen Touren in die Wildnis kaum ein adequates Kommunikationsmittel, um im Fall der Fälle Hilfe herbeizuholen, denn oftmals herrscht dort einfach kein Empfang. 2005 war ich dann zum ersten Mal mit einem Satellitentelefon unterwegs, als ich im Winter versuchte, Island allein zu durchqueren und im Sommer solo über den Vatnajökull, Europas größten Gletscher, lief. Jetzt konnte ich zwar von jedem Punkt aus telefonieren, aber eine Rettung einzuleiten, wäre auch damit unter Umständen schwierig gewesen, hätte ich meine Position doch noch per Anruf oder Textnachricht durchgeben müssen. Wer weiß, ob das immer möglich gewesen wäre?

„Meine Wahl fiel dabei schließlich auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.“

In den folgenden Jahren – bei der Grönland Transversale 2006 und der Expedition EISWÜSTE 2008 – hatten wir neben einem Satfon auch noch einen sogenannten PLB (Personal Locator Beacon) im Gepäck. Diese ursprünglich aus der Seefahrt stammenden Notfallsender funktionieren auf der Basis von Notfallfunkfrequenzen aus der Luftfahrt und man kann damit auf Knopfdruck ganz einfach seinen Standort übermitteln und einen Hilferuf entsenden. Nicht mehr und nicht weniger.

Bevor ich vor zwei Jahren erneut nach Grönland aufbrach, um eine Solowanderung durch das Johan Dahl Land zu unternehmen, machte ich mir Gedanken, welches Gerät ich zur Sicherheit nun am besten mitnehmen sollte. Meine Wahl fiel dabei auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.

– SPOT Gen3 Notfallsender in Grönland –

Was bietet der SPOT-Notfallsender?

Zuerst muss der Sender unter findmespot.com registriert werden, danach kann man einen umfangreichen Service nutzen. Dabei gehen die Möglichkeiten des SPOT weit über die simple Notruf-Funktion eines PLBs hinaus, mit denen sich „nur“ eine sofortige Rettung in die Wege leiten lässt.

Mit dem handygroßen und 114 Gramm leichten SPOT-Sender kann im Ernstfall und einer lebensbedrohlichen Situation über eine gesicherte SOS-Taste natürlich ebenfalls ein Notruf abgesetzt werden. Im 5-Minuten-Rhythmus wird daraufhin fortlaufend die aktuelle GPS-Position versendet. SOS-Nachricht und Koordinaten werden von der internationalen GEOS-Notrufzentrale empfangen, die rund um die Uhr weltweit lokale Rettungskräfte alarmiert. Gleichzeitig wird ein GEOS-Mitarbeiter vorab hinterlegte Notrufkontakte über den Stand der Rettung informieren. Diese Kontaktpersonen können den Rettungskräften bei eventuellen Rückfragen zur Verfügung stehen. Auch lassen sich Vorerkrankungen oder der Bedarf an bestimmten Medikamenten bei der Einrichtung des Gerätes in einem Webformular eingeben. Wie die einzelnen Schritte der Rettungskette genau ablaufen, wird hier erklärt.

Neben der SOS-Funktion besteht weiterhin die Option, bei einem nicht-lebensbedrohlichen Notfall eine „Hilfe-Nachricht“ an Freunde, Familie oder andere zu schicken. Quasi eine abgeschwächte Form, die zeigt, dass Unterstützung von außen hilfreich wäre, es aber nicht um Leben und Tod geht. Hier können bis zu 10 Kontakte hinterlegt werden, die durch eine vorgefertigte Nachricht inklusive der momentanen GPS-Koordinaten informiert werden.

„Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht.“

Zudem bietet der SPOT die Möglichkeit – und hier unterscheidet er sich signifikant von einem PLB –, wann immer man möchte und ohne „Notfallgrund“ die aktuelle Position zu übermitteln. Der Sender verfügt dazu über eine OK-Taste. Wird diese gedrückt, schickt das Gerät eine vorab eingerichtete und formulierte Nachricht zusammen mit den GPS-Koordinaten per E-Mail und/oder SMS an eine vorher definierte Personengruppe (auch hier sind bis zu 10 Kontakte möglich). So kann man die Lieben daheim jederzeit wissen lassen, dass es einem gut geht. In Grönland habe ich jeden Abend nach dem Zeltaufbau eine solche „OK-Nachricht“ verschickt – so konnten alle danach ruhig schlafen und auch mein Ansprechpartner vor Ort wusste immer, wo ich mich gerade befand (diese Nachricht kann am Gerät selbst nicht verändert werden und wird ebenfalls über das Webformular vor Tourantritt eingegeben, was wie alle Einstellungen leicht und schnell von der Hand geht). Auch ist es möglich, die Koordinaten samt Textmessage auf Twitter und Facebook sowie einer Webseite zu veröffentlichen. Das ist ganz praktisch, um ein breites Publikum mit auf die eigene Reise zu nehmen und ihnen zu zeigen, wo man gerade so steckt. Allerdings sind ein paar meiner Statusmeldungen auf Twitter und Facebook nicht angezeigt worden … Neben dieser klassischen OK-Meldung lässt sich weiterhin noch eine „Individuelle Nachricht“ auf Knopfdruck verschicken, wodurch etwas Spielraum in der – vorformulierten – Kommunikation besteht .

Schließlich verfügt der Sender über eine Trackingfunktion. Beim SPOT Gen3 können verschiedene Trackingintervalle ausgewählt werden, die je nach Reisegeschwindigkeit – wie Wanderung oder Radtour – sinnvoll sind (2 ½-, 5-, 10-, 30- und 60-minütige Intervalle stehen zur Verfügung). Sobald diese Funktion aktiviert ist, übermittelt der SPOT ganz automatisch die aktuelle Position. Der Reiseverlauf kann so nahezu in Echtzeit über Google Maps verfolgt werden. Auch kann mit einem SPOT-Konto eine öffentlich zugängliche SPOT Shared Page angelegt werden, auf der die GPS-Standorte veröffentlicht werden können. Dieses Tracking war mir allerdings zuviel des Guten und erschien mir bei meiner Wanderung durch das Johan Dahl Land nicht nötig. Also habe ich darauf verzichtet und das Gerät nicht im Dauerbetrieb laufen lassen.

Alle diese vielfältigen Funktionen und Services lassen sich bequem und individuell online über das praktische Webformular ändern und anpassen. Man kann darüber hinaus je nach Tour unterschiedliche Profile anlegen – so werden immer die passenden Leute benachrichtigt.

Zu beachten gibt es beim SPOT Gen3 Messenger eigentlich nur zwei Dinge: Zum einen wird das Gerät mit herkömmlichen AAA 1.5V Lithium-Batterien oder Akkus betrieben. Hier gilt es darauf zu achten, diese vor jeder Tour zu ersetzen oder zumindest zu überprüfen und auch Ersatz mitzunehmen. In einem Notfall die Batterien wechseln zu müssen, sollte auf gar keinen Fall passieren! Die Nutzung der Trackingfunktion und hier besonders die kürzeren Intervalle reduzieren die mögliche Laufzeit des Geräts deutlich. Wer aber nur jeden Tag einmal seine Koordinaten samt OK-Nachricht übermittelt – wie ich es getan habe –, bei dem reicht ein Satz Batterien für eine lange Zeit. Zum anderen funktioniert der SPOT über Satelliten. Diese decken allerdings nicht alle Gebiete auf der Erde zu einhundert Prozent ab. Am Nord- und Südpol, in Zentralafrika oder Feuerland kann es mau aussehen. Wer in „exotische“ Regionen vordringt, sollte sich deshalb vorher die Abdeckungsgebiete genauer ansehen. Auch sollte bei der Nutzung eine möglichst „freie Sicht“ zum Himmel gewährleistet sein – ist diese nicht gegeben, kann es passieren, dass der SPOT eine Position und und im schlimmsten Fall einen Notruf nicht übermitteln kann.

Mein Fazit

Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht. Allein das ist schon viel wert – der Ernstfall muss ja gar nicht eintreten. Daher kann ich allen, die in wilde Einsamkeit aufbrechen wo Hilfe fern ist, nur dazu raten, in einen Notfallsender wie den SPOT zu investieren. Und wem eine dauerhafte Anschaffung zu kostspielig ist, sollte auf jeden Fall über ein Mietgerät nachdenken!

Einzig muss man sich bewusst sein, dass diese vermeintliche Nabelschnur nur in eine Richtung funktioniert. Es besteht keinerlei Möglichkeit, über den SPOT von daheim per E-Mail oder SMS kontaktiert zu werden. Aber das muss ja auch nicht sein – denn wer will schon draußen in der Natur gestört werden?

Werbehinweis: Das Gerät wurde mir kostenlos von WeSPOT für den Zeitraum der Grönland-Reise zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird davon nicht beeinflusst.

Zwischen Morgengrauen und Abenddämmerung

– Am Langenberger Rundweg –

Um mich ideal auf Patagonien vorzubereiten, wo im kommenden Februar eine herausfordernde Trekkingtour auf mich wartet, werde ich über den Winter auch einige ausgedehnte Tageswanderungen ins Training einstreuen. Gute Erinnerungen habe ich da an den Langenberger Rundweg, den ich gestern mal wieder in Angriff genommen habe …

Erneut lief ich zu Hause los, durchquerte zuerst den Nordpark, passierte dann die Hatzfelder Wassertürme, gelangte schließlich ins Deilbachtal und stieß bei Schmahl am Schmalen auf den ca. 32 km langen Rundweg. Oberhalb auf der Höhe machte ich die erste Rast. Am linken Fuß spürte ich bereits die Blasen und Druckstellen, die ich mir vor gut einer Woche beim Rothaarsteig-Marathon – als Nordic Walker auf der Halbmarathon-Strecke – eingefangen hatte. Die Schuhe neu geschnürt verdrängte ich das Zwicken jedoch und marschierte einfach weiter ins Felderbachtal und hinüber nach Velbert-Nierenhof. Von dort ging es steil bergauf nach Huisgen. Über die kahlen Flächen fegte ein kalter Wind, aber zum Glück blieb es bei etwa 5 Grad trocken. Ich kam bei dem tristen Wetter zügig voran und legte erst in einem Waldstück oberhalb des Asbachtals die zweite Pause ein.

Es folgte ein längeres Asphaltstück. Dann wieder Pfade und Feldwege. Am Golfplatz hinter Knollenberg änderte sich die frühere Wegführung. Da der Durchgang durch den Hof Krüdenscheid vom Besitzer gesperrt worden ist, wurde eine mehrkilometrige Umleitung eingerichtet. Neuland auf der bekannten Runde. Nach der dritten Rast nahm ich in der Nähe von Kuhlendahl prompt eine falsche Abzweigung und legte einen 10-minütigen Umweg ein, bis ich wieder auf dem richtigen Weg zurück war. Um Zeit gut zu machen, joggte ich locker ein paar Meter.

Mittlerweile hatte ich auf Durchhalten geschaltet. Alles flog an mir vorbei. Windrath, Nordrath. Dann war ich zurück im Deilbachtal. Noch eine vierte Pause, bevor die Dämmerung hereinbrach. Rasch wurde es immer dunkler. Die letzte Waldpassage brachte ich gerade noch im spärlichen Restlicht hinter mich, ohne die Stirnlampe bemühen zu müssen. Die finalen Kilometer trottete ich über Straßen und durch Kleingärtenanlagen.

Nach knappen 10 Stunden und 30 Minuten klingelte ich daheim an der Haustüre. Die Glieder steif, die Füße schmerzend. Die lange Strecke mit ihren zusätzlichen 1.000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg hatte mal wieder ihren Tribut gefordert. Doch trotz aller Schinderei liebe ich diese ausgefüllte Zeit zwischen Morgengrauen und Abenddämmerung.

Die nächsten Wanderschritte habe ich auch schon ins Auge gefasst. Ende November lege ich noch eine Schüppe drauf und ein weiteres Mal soll dann der Wappenweg rund um Ennepetal dran glauben.

Wandern in Norwegen – 10 Fragen und Antworten

– Am Bitihorn –

Anfang Juli hatten wir uns auf den Weg nach Norwegen gemacht. Vier Regionen waren unser Ziel, die wir intensiv erleben wollten. Auf Wanderungen in die Bergwelt mit Rucksack, Zelt und allem drum und dran. Aber hat auch alles so geklappt, wie wir uns das zu Hause ausgemalt hatten?

„Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen – es ist eine neue Herausforderung für uns. Tagein tagaus auf Tour sein. In der Pfanne Rührei mit Zwiebeln braten und Trek’n Eat aus Beuteln futtern. Über schmale Pfade laufen und über rauschende Bäche springen. Der Natur noch näher kommen als während unserer Familienreisen in den letzten Jahren.“

10 Fragen und Antworten sollen Auskunft geben – selbst gestellt und selbst beantwortet …

1. Die Femundsmarka sollte Euer erstes Ziel sein. Wie ist es dort gelaufen?

Tja, da mussten wir direkt Lehrgeld zahlen. Dabei ging es erstmal gut los. Bei bestem Wetter mit der Fähre Fæmund II von Elgå nach Røa. Doch schon am ersten Wandertag plagten uns die Mücken. Selma hatte es besonders schlimm erwischt und sie kratzte sich die Stiche wund. Und wir hatten das Gel gegen Juckreiz im Auto gelassen … Da waren wir froh, als wir aus dem Wald in höhere Lagen kamen, wo ein steter Wind blies, der die Mücken vertrieb.

Über die steinigen Wege war es zudem anstrengend zu laufen und wir mussten den optimistischen Gedanken, ca. sechs Kilomteter pro Tag zu schaffen, schnell begraben. Mehr als drei, vier Kilometer waren nicht drin. Als wir dann oberhalb der Baumgrenze auch noch zwei Tage bei Regen und stürmischem Wind im Zelt festsaßen, war klar, dass wir unser Ziel, Svukuriset, nicht erreichen würden. Daher mussten wir unseren Plan umstellen und haben nach Haugen Gård abgekürzt.

2. Puh, zwei Tage ununterbrochen in einem kleinen Zelt. Was habt Ihr in der Zeit gemacht?

Viel gespielt. Wir hatten Mensch ärgere Dich nicht, Farm Yatzy und Elfer raus! dabei. Dazu immer ein paar kleine Pixi-Bücher. In einer Regenpause bin ich mit Selma einmal schnell um den kleinen See gelaufen, an dem wir das Zelt aufgeschlagen hatten. Später habe ich noch ein Rentiergeweih gefunden, das wir dann wie ein Mobilee im Zelt aufgehangen haben.

– Mit Socken an den Händen –

3. Als nächstes lockte Euch das Dovrefjell. Habt Ihr dort die Snøhetta bestiegen und auch Moschusochsen gesehen?

Die Moschusochsen haben wir aus dem Bus gesehen, mit dem wir von Hjerkinn zur Hütte Snøheim gefahren sind. Selma meinte, die würde sie bereits aus dem Fernsehen kennen, von Jakari, und war nicht soo interessiert … Naja, das sind zwar Büffel in der Sendung, aber was soll man da schon sagen?

Auf die Snøhetta kraxelte Selma dafür mit vollem Elan hinauf. Im felsigen Gelände suchte sie sich immer den schwersten Weg und wir kamen kaum hinterher. Bis ihr dann auf halber Strecke die Puste ausging. Nina und Selma sind dann wieder abgestiegen und ich bin noch fix allein den Rest zum Gipfel hochgeflitzt.

4. Im Frühjahr war noch sehr viel Schnee in den norwegischen Bergen gefallen. Wie kamt Ihr mit den Bedingungen zurecht?

Oh ja, so viel Schnee habe ich im Sommer in Skandianvien noch nie erlebt. Beim Aufstieg zum Istjørni mussten wir durch einige Schneefelder stapfen und der See selbst war auch noch größtenteils zugefroren. Aber wir fanden dort zwischen viel Geröll einen Platz für unser Basislager zu Füßen der Snøhetta. Das karge Ambiente hatte auch seinen Reiz, nur war hier von Sommer nicht viel zu spüren. Da das Wetter im Dovrefjell sehr mäßig war und sich aus tiefhängenden Wolken immer wieder Regenschauern ergossen, sind wir nicht allzu lang geblieben.

– Unter Wolken –

5. In Jotunheimen mit seinen zahlreichen 2000-Meter-Gipfeln sah es dann bestimmt nicht viel besser aus, oder?

Da war tatsächlich noch mehr Winter als Sommer. Aber zuerst haben wir eine Tagestour auf das Bitihorn unternommen. Und dort ist Selma fast alles allein hinaufgestiegen – nur ein kurzes Stück musste ich sie tragen. Die Aussicht über die Valdresflya auf der einen und die majestätischen Berggiganten auf der anderen Seite interessierte sie dann natürlich wenig. Dafür war der Abstieg umso toller: Auf dem Hosenboden ist sie die Schneefelder hinabgerutscht und jauchzte dabei: „Das ist klasse!“

6. Übere mehrere Tage seid Ihr in Jotunheimen also nicht unterwegs gewesen?

Doch, allerdings nicht auf der Ostseite, sondern im Westteil. Von der Sognefjellshytta sind wir zum Fuß des Fannaråken gelaufen. Mehr über Schneefelder als Wanderpfade. Auf dem dort einzig flachen Fleck haben wir für ein paar Nächte das Zelt aufgestellt und die Gegend erkundet. Zum Fannaråkbreen sind wir hochgestiegen und haben beobachtet, wie sich eine Gruppe über den Gletscher zur Hütte am Gipfel des Berges aufmachte. Das war für uns natürlich nicht drin und ich bin mit Selma stattdessen auf die vielen großen Felsblöcke geklettert, die rund um unser Zelt lagen. Das hat uns beiden viel Spaß gemacht.

– T –

7. Habt Ihr eigentlich immer gezeltet oder auch mal in einer Hütte übernachtet?

Während der Wanderungen haben wir immer das Zelt benutzt – egal wie das Wetter war. Oft war es allerdings gar nicht einfach, geeignete Plätze zu finden. Viele gute Stellen waren noch vom Schnee bedeckt und wir mussten häufig lange nach brauchbaren Flecken suchen.

Nur auf dem Campingplatz bei Florø, wo die mickrige Zeltwiese ziemlich unter Wasser stand und es uns zu matschig war, haben wir einmal eine winzige Hütte für eine Nacht gemietet.

8. Die Gletschergebiete Fjordnorwegens sollten nach den waldigen Regionen und dem kahlen Fjell das Ende Eurer Reise markieren. Ursprünglich wolltet Ihr dort bis zum Gletscherrand des Ålfotbreen aufsteigen – hat das geklappt?

Nein, den Ålfotbreen haben wir recht spontan gegen die Region Stølsheimen eingetauscht. Und das war ein Glücksgriff. Zwar ist das Gelände dort sehr anspruchsvoll mit vielem Auf und Ab, pfadlosen Abschnitten, rauem Gelände mit Bachquerungen und Felspassagen, aber dafür trafen wir keine andere Menschenseele und konnten so richtig eintauchen in die wilde weite Welt, wie wir uns das daheim ausgemalt hatten. Es war die beste Unternehmung der ganzen Reise.

9. Ist denn Selma alles ohne zu Murren mitgelaufen?

Naja, immer natürlich nicht. Als die zerstochenen Beine so juckten, es kalt und nass war, oder nach einigen Stunden Lauferei die Müdigkeit kam, dann mussten wir natürlich unser Motivationsgeschick auspacken oder versuchen, mit Kinderriegeln die Laune hochzuhalten. Aber das ist ja normal. Von Schneefeldern konnte Selma hingegen nicht genug bekommen – da wäre sie am liebsten über jedes drübergelaufen. Und auch ihren kleinen Rucksack mit Kuscheltier und Trinkflasche hat sie meistens selbst getragen – Nina und ich hatten für uns Drei schließlich schon genug zu schleppen.

– Am Bukkedalsvatnet –

10. Welche Tipps habt Ihr für andere Eltern und deren Wanderambitionen mit kleinen Kindern?

Habt den Mut, aufzubrechen. Seid flexibel in der Zeiteinteilung und Routenwahl. Nehmt gute Ausrüstung für alle möglichen Situationen und Wetterbedingungen mit. Und denkt daran: Vieles, was Ihr vielleicht als schlimm oder unangenehm betrachtet, empfindet ein Kind ganz anders. Selma machte sich nie einen Kopf über einen erneuten Regentag oder mal wieder recht niedrige Temperaturen …

Als Familie die Wildnis zu entdecken, ist das Schönste, was wir gemeinsam erleben konnten!

> Bildergalerie Norwegen 2015, Mein Norden // Das ist klasse!

Abenteuer Spitzbergen

– Schneesturm und White-Out –

Nichts ging mehr. Oberhalb des Klauvbreen und hinter dem Moskushornet kauerte ich in unserem Zelt. Die Schmerzen waren kaum zu ertragen. Vom Nacken zogen sie über die Schulter bis in den linken Oberarm. Wohl ein eingeklemmter Nerv!? Ich kannte die Symptome. So etwas hatte ich vor Jahren schon mal. Damals daheim. Aber jetzt, weit weg von allem, abgeschieden auf Spitzbergen, in der Arktis, passte mir das noch weniger in den Kram. Ich war verärgert. Und enttäuscht. Warum ausgerechnet hier? In diesem eisigen Traumland? Ich wollte es nicht wahrhaben, doch der Versuch, mit den Schmerzen weiterzulaufen, in der Hoffnung, sie würden nachlassen, war vergebens. Es nützte nichts. Unsere Skitour über die Hauptinsel Svalbards frühzeitiger zu beenden, war die einzige verbleibende Lösung. An diesem Abend verschlang ich mein Trek’n Eat Gericht – Sahnenudeln mit Hühnchen und Spinat – so schnell es ging. Weil das Löffeln aus der Tüte so schmerzhaft war, ich diese sitzende Essposition so bald wie möglich hinter mich bringen wollte, um wieder zurück in eine zumindest einigermaßen aushaltbare Liegeposition zu fallen. Es war zum Haare raufen.

Der Reihe nach

Eine gute Woche zuvor blickte ich aus dem Fenster einer Scandinavian Airlines-Maschine über eine tiefblaue Wolkendecke. Die untergehende Sonne zauberte einen letzten Strahl hervor, der sich als roter Schimmer über den weichen Teppich legte. Es war kurz vor Mitternacht. Am Horizont zeigten sich einzelne Bergspitzen. Dann setzte das Flugzeug auf der vereisten Piste in Longyearbyen auf. Ein strammer Wind empfing uns auf dem Rollfeld, der auch am nächsten Tag noch wehte, als wir durch den Ort liefen und letzte Besorgungen für unser bevorstehendes Abenteuer machten. Wir kauften Benzin und stemmten uns zwischen den Läden dem heranpeitschenden Schneefall entgegen. Die Begrüßung der Arktis war nicht sonderlich herzlich, aber wir nahmen es ihr nicht übel. Bald sollte sich das Wetter beruhigen und wir hatten bis dahin genügend Zeit, in Ruhe unsere Pulka-Schlitten zu packen und noch etwas abzuwarten, bevor wir aufbrechen würden in die Berg- und Gletscherwelt.

Als wir dann endlich loszogen, marschierten wir weit hinein ins Adventdalen, am Janssonhaugen und der Innerhytta vorbei, bis zum Fuße des Drønbreen. Hinauf ging es von dort über den Gletscher bis zu einem Pass. Der Schnee war tief. Die Last der Schlitten schwer. Ich zählte die Schritte. An den steilsten Stellen schaffte ich gerade mal 20, dann musste ich kurz stehenbleiben und kräftig durchatmen. Doch die Szenerie ringsum entschädigte für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hatte mich längst in seinen Bann gezogen. Am höchsten Punkt bemerkte Johannes, dass er seine Schneeschaufel verloren hatte, die auf seiner Pulka festgezurrt war. Arrgh. Ein kurzer Fluch. Doch was sollten wir machen? Kurzerhand rutschten wir mit den Ski unsere Aufstiegsspur wieder hinab. Weit unten fanden wir die Schüppe wieder. Immerhin waren wir ohne die schweren Pulkas, die wir am Pass zurückgelassen hatten, zügig wieder oben. Und tranken dort einen extra Schluck warmen Tee für die extra Meter. Doch so wurde es spät, bis wir auf der anderen Seite den Bergmesterbreen hinabgelaufen waren und unterhalb des Aasgaárdfjellet unser Lager für die Nacht aufschlugen.

Weiter liefen wir durch das Lundströmdalen bei herrlich blauem Himmel. Den Såtebreen empor wurde es immer kälter und wir hatten am Abend unsere liebe Müh damit, den Stolperdraht rings ums Zelt aufzubauen. Bei minus 20 Grad war die filigrane Arbeit lästig, aber der Alarmzaun ließ uns ruhiger schlafen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, soweit entfernt von der Küste auf einen Eisbär zu treffen, sehr gering war. Dem Sveigbreen folgten wir von hier in einem Bogen ins Agardhdalen. Dann ging es über den Elfenbeinbreen auf das Nordmannsfonna. Selbst bei trüber Witterung genoss ich jeden Schritt in dieser Welt aus Eis.

Ostern im Zelt

Schlechtes Wetter hielt uns am Berg Dolken gefangen. Wind trieb Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft und die Sicht schrumpfte auf ein Minimum. Es war Ostermontag und wir machten es uns mit Süßigkeiten im Zelt bequem. Den ganzen Tag saßen wir fest. Dann noch einen. Schließlich beruhigte sich die Lage, ich schnappte mir eine Schaufel und grub mir ein Loch im Schnee. Ich musste aufs Klo. Und da war er dann. Dieser Schmerz. Er kam aus dem Nichts. Und blieb. Im Schlafsack konnte ich von nun an nicht mehr normal liegen. Nur auf der rechten Seite, den linken Arm über den Kopf gelegt, fand ich noch etwas Ruhe. Ich zählte die Stunden, war froh, wenn ich zumindest für Momente einschlummerte. Aber noch hatte ich Hoffnung. Vielleicht war das Rumlungern im Zelt einfach nicht gut für mich und Bewegung würde die Verspannung wieder lockern und den Druck auf den Nerv lösen? Also hielten wir erstmal an unserem Plan fest, packten zusammen und wanderten weiter.

Und so schafften wir es auch bis ins Sabine Land. Ich war zuversichtlich, der Schmerz meist zu ertragen und mein Durchhaltewillen noch nicht gebrochen. Doch dann kam der Tag, an dem wir unterhalb des schroffen Moskushornet über den Klauvbreen stiegen. Ein kalter Luftstrom zog mir über die Schultern und ich bekam Nackenschmerzen. In Windeseile wurde jeder weitere Schritt zur Tortur. Der eingeklemmte Nerv im Arm schrie immer lauter auf und ich krümmte mich immer mehr. Dass das Wetter in dieser Situation dicht machte, sich die Landschaft in einen White-Out hüllte, kam mir gerade recht. Der weitere Weg war nicht auszumachen, also bauten wir das Zelt auf, um erstmal abzuwarten. Aber der Stillstand machte es nicht besser. Im Gegenteil. Die Stunden im Zelt waren eine einzige Qual. Nahezu alles beschissen. Wir hatten den Endpunkt erreicht.

Uns weiter von der Zivilisation zu entfernen, war sinnlos. Auf kürzestem Weg zurückzukehren nach Longyearbyen, war die letzte Herausforderung. Bis es allerdings aufklarte und wir den Rückmarsch antreten konnten, hingen wir noch einen weiteren Tag bei Schneesturm im Zelt fest. Erst danach liefen wir in zwei langen Tagen über den Rabotbreen hinab ins faszinierend weite Sassendalen und durchs Eskerdalen und Adventdalen retour zum Ausgangspunkt. Das klappte überraschend gut und im Stillen fragte ich mich, ob ich zu früh klein beigegeben hatte. Doch es war die richtige Entscheidung. Besser erhobenen Hauptes aus eigener Kraft zurück als nachher noch per Motorschlitten aus dem Nirgendwo geholt werden zu müssen.

In der letzten Nacht – kurz vor dem Ziel – wehte es nochmal kräftig ums Zelt. Dann hatten wir es geschafft und waren zurück am Adventfjord.

Epilog

In Longyearbyen ging ich ins Krankenhaus. Im Eingangsbereich müssen alle die Schuhe ausziehen und so stiefelte auch ich auf Socken durch das Gebäude. Rolf Mjaaseth, ein Spesialist i generell kirurgi/ortopedi, empfing mich. Wie sich herausstellte, hatte er in jungen Jahren in Lübeck Medizin studiert. Und jetzt verfassten wir gemeinsam ein Schreiben auf Deutsch für meine Versicherung, das zum Inhalt hatte, dass es für mich und meine Genesung wichtig sei, frühestmöglich nach Hause zu reisen. Denn ohne eine vor Ort gestellte Diagnose samt entsprechendem Schriftstück würde die Reiseabbruchversichezung nicht greifen und die Kosten für eine Flugumbuchung nicht übernommen werden.

Tags drauf saßen wir im Flieger – ein paar Tage früher als ursprünglich geplant. Unter uns zog ein letztes Mal die Arktis vorbei – dann war unser Ausflug nach Svalbard Vergangenheit. Ich war glücklich, endlich einmal so hoch im Norden gewesen zu sein und arktische Luft geschnuppert zu haben. Aber gleichwohl zerknirscht, weil ich wusste, dass es zu wenig war.

PS:
Zu Hause stellte mein Orthopäde ein HWS-Syndrom fest. Sechs Termine beim Physiotherapeuten waren notwendig, bis ich wieder fast schmerzfrei war.

> Bildergalerie Svalbard 2015, Mein Norden // I Like to Ski