Suche
Suche Menü

Neu: Färöer Masterclass

– Nordische Momente – Färöer Masterclass –

Nach der Nordische Momente – Lofoten Masterclass, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal erfolgreich stattgefunden hat und deren zweite Ausgabe im kommenden März auch bereits ausgebucht ist, habe ich gemeinsam mit Michael Schaake mittlerweile eine weitere Fotoreise ausgearbeitet, die uns im Oktober/November auf die Färöer-Inseln im Nordatlantik führen soll. Auch bei der Nordische Momente – Färöer Masterclass möchten wir in einer kleinen Gruppe die imposante Gegend intensiv erleben, fotografieren und darüber hinaus unser Wissen in Praxis und Theorie an alle Mitreisenden weitergeben.

„Die unbändige Natur der Färöer ist außergewöhnlich und lädt dazu ein, mit der Kamera erkundet zu werden. Allgegenwärtig ist die dramatische Insellandschaft, in der sich die Färinger zwischen Tradition und Moderne bewegen. Der Tourismus steckt auf dem kleinen Archipel noch in den Kinderschuhen und es ist möglich, die märchenhafte Szenerie in aller Ruhe zu erkunden und zu genießen. Besonders faszinierend ist es vor allem im Herbst, wenn die extrem schnellen Wetterwechsel, bei denen die Sonne immer wieder die wilden Wolkenformationen durchbricht, für unglaubliche Lichtstimmungen sorgen.“

8-Tage Masterclass in einer kleinen Gruppe von maximal 6 Teilnehmern auf den Färöer-Inseln im Nordatlantik

Reisezeit: 26. Oktober bis 02. November 2019 | Teilnehmerzahl: 4-6 Personen | Preis: 2.475 Euro

!!! Zeitig buchen und Frühbucherrabatt sichern !!!

Highlights

  • Entdecke die spektakuläre Landschaft der Färöer gemeinsam mit Sony Ambassador Michael Schaake und Fujifilm X-Fotograf Martin Hülle
  • Lerne intensiv Techniken und Strategien der Landschafts-, Natur- und Reisefotografie
  • Erlebe und fotografiere die bezaubernde Inselwelt mit ihren rasanten Wetterwechseln und Lichtstimmungen

> Weitere Reisedetails und Buchung

Nordische Momente – Norwegen

– Am Strand von Uttakleiv –

Verstreut stehen wir am Strand von Uttakleiv. Die Brandung bricht zwischen den Felsen und das salzige Wasser umspült unsere Füße. Jeder sucht Schutz auf einem größeren Stein und baut dort sein Stativ auf. Das Licht ist fahl – nur ein schwacher Schein der tiefstehenden Sonne fällt auf die imposante Felswand auf der anderen Seite der weitläufigen Bucht. Wir machen einige Langzeitbelichtungen – das Wasser samtig weich, die Wolken in verwischtem Zug.

In den Stunden zuvor liefen wir von der Vikbukta hierher. Jetzt thront über uns der Gipfel des Mannen. Der schmale Wanderweg zu seinen Füßen ist von einer dicken Eisschicht überzogen.

Fast alle Teilnehmer der Fotoreise tragen zum ersten Mal Spikes an ihren Schuhen. Gemeinsam mit meinem Freund und Fotografenkollegen Michael Schaake genieße ich es, die Gruppe in Gefilde zu führen, die nicht alltäglich sind und andere Blickwinkel als üblich bieten. Auf der Suche nach Lichtstimmungen zieht es uns bei der Lofoten Masterclass daher immer wieder an Stellen, wo wir mutterseelenallein die Natur einfangen können.

Richtig zauberhaft wird es am letzten Abend. Als sich zaghaft ein Nordlicht zeigt, fahren wir noch einmal in der Dunkelheit zu einem nahe gelegenen Strand. Einmal angekommen am Wasser, explodiert plötzlich der Himmel und der grüne Schleier wabert entlang der Bergkämme, zieht in wilden Spiralen hinaus übers Meer und vollführt dort ein Tänzchen mit dem Mond. Mit offenen Mündern genießen wir das großartige Schauspiel und vergessen für Momente gar die Fotografie.

– Haukland –
– Himmeltindan –
– Das kleine Bootshaus am Selfjorden –
– Am Strand von Unstad –

> Norwegen 2018 – Weitere Bilder

SPOT Gen3 Messenger – Ein Erfahrungsbericht

– SPOT Gen3 Messenger in Grönland –

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir Mitte der Neunzigerjahre bei einer Solotour durch den einsamen Sarek-Nationalpark im hohen Norden Schwedens ein Ermüdungsbruch im rechten Fuß urplötzlich das Leben schwer machte. Ein Kontakt zur Außenwelt war nicht möglich, Hilfe weit weg, also lief ich – so gut es eben ging – mit schmerzverzerrtem Gesicht noch 50 Kilometer bis zum Zielort. Und selbst dann dauerte es noch ein paar Tage, bis ich eine ganze Woche nachdem es Knack gemacht hatte, zu Hause beim Arzt aufschlug und einen Gips verpasst bekam. Natürlich wurde ich zuvor gefragt, warum ich mit dem lädierten Knochen denn nicht schon früher gekommen wäre. Nun ja …

Es war eine Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab. Aber selbst auf späteren „Handy-Unternehmungen“ waren diese auf abgeschiedenen Touren in die Wildnis kaum ein adequates Kommunikationsmittel, um im Fall der Fälle Hilfe herbeizuholen, denn oftmals herrscht dort einfach kein Empfang. 2005 war ich dann zum ersten Mal mit einem Satellitentelefon unterwegs, als ich im Winter versuchte, Island allein zu durchqueren und im Sommer solo über den Vatnajökull, Europas größten Gletscher, lief. Jetzt konnte ich zwar von jedem Punkt aus telefonieren, aber eine Rettung einzuleiten, wäre auch damit unter Umständen schwierig gewesen, hätte ich meine Position doch noch per Anruf oder Textnachricht durchgeben müssen. Wer weiß, ob das immer möglich gewesen wäre?

„Meine Wahl fiel dabei schließlich auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.“

In den folgenden Jahren – bei der Grönland Transversale 2006 und der Expedition EISWÜSTE 2008 – hatten wir neben einem Satfon auch noch einen sogenannten PLB (Personal Locator Beacon) im Gepäck. Diese ursprünglich aus der Seefahrt stammenden Notfallsender funktionieren auf der Basis von Notfallfunkfrequenzen aus der Luftfahrt und man kann damit auf Knopfdruck ganz einfach seinen Standort übermitteln und einen Hilferuf entsenden. Nicht mehr und nicht weniger.

Bevor ich vor zwei Jahren erneut nach Grönland aufbrach, um eine Solowanderung durch das Johan Dahl Land zu unternehmen, machte ich mir Gedanken, welches Gerät ich zur Sicherheit nun am besten mitnehmen sollte. Meine Wahl fiel dabei auf den SPOT Gen3 Messenger, der über das Globalstar Satellitennetz kommuniziert, welches eine nahezu weltweite Abdeckung gewährleistet.

– SPOT Gen3 Notfallsender in Grönland –

Was bietet der SPOT-Notfallsender?

Zuerst muss der Sender unter findmespot.com registriert werden, danach kann man einen umfangreichen Service nutzen. Dabei gehen die Möglichkeiten des SPOT weit über die simple Notruf-Funktion eines PLBs hinaus, mit denen sich „nur“ eine sofortige Rettung in die Wege leiten lässt.

Mit dem handygroßen und 114 Gramm leichten SPOT-Sender kann im Ernstfall und einer lebensbedrohlichen Situation über eine gesicherte SOS-Taste natürlich ebenfalls ein Notruf abgesetzt werden. Im 5-Minuten-Rhythmus wird daraufhin fortlaufend die aktuelle GPS-Position versendet. SOS-Nachricht und Koordinaten werden von der internationalen GEOS-Notrufzentrale empfangen, die rund um die Uhr weltweit lokale Rettungskräfte alarmiert. Gleichzeitig wird ein GEOS-Mitarbeiter vorab hinterlegte Notrufkontakte über den Stand der Rettung informieren. Diese Kontaktpersonen können den Rettungskräften bei eventuellen Rückfragen zur Verfügung stehen. Auch lassen sich Vorerkrankungen oder der Bedarf an bestimmten Medikamenten bei der Einrichtung des Gerätes in einem Webformular eingeben. Wie die einzelnen Schritte der Rettungskette genau ablaufen, wird hier erklärt.

Neben der SOS-Funktion besteht weiterhin die Option, bei einem nicht-lebensbedrohlichen Notfall eine „Hilfe-Nachricht“ an Freunde, Familie oder andere zu schicken. Quasi eine abgeschwächte Form, die zeigt, dass Unterstützung von außen hilfreich wäre, es aber nicht um Leben und Tod geht. Hier können bis zu 10 Kontakte hinterlegt werden, die durch eine vorgefertigte Nachricht inklusive der momentanen GPS-Koordinaten informiert werden.

„Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht.“

Zudem bietet der SPOT die Möglichkeit – und hier unterscheidet er sich signifikant von einem PLB –, wann immer man möchte und ohne „Notfallgrund“ die aktuelle Position zu übermitteln. Der Sender verfügt dazu über eine OK-Taste. Wird diese gedrückt, schickt das Gerät eine vorab eingerichtete und formulierte Nachricht zusammen mit den GPS-Koordinaten per E-Mail und/oder SMS an eine vorher definierte Personengruppe (auch hier sind bis zu 10 Kontakte möglich). So kann man die Lieben daheim jederzeit wissen lassen, dass es einem gut geht. In Grönland habe ich jeden Abend nach dem Zeltaufbau eine solche „OK-Nachricht“ verschickt – so konnten alle danach ruhig schlafen und auch mein Ansprechpartner vor Ort wusste immer, wo ich mich gerade befand (diese Nachricht kann am Gerät selbst nicht verändert werden und wird ebenfalls über das Webformular vor Tourantritt eingegeben, was wie alle Einstellungen leicht und schnell von der Hand geht). Auch ist es möglich, die Koordinaten samt Textmessage auf Twitter und Facebook sowie einer Webseite zu veröffentlichen. Das ist ganz praktisch, um ein breites Publikum mit auf die eigene Reise zu nehmen und ihnen zu zeigen, wo man gerade so steckt. Allerdings sind ein paar meiner Statusmeldungen auf Twitter und Facebook nicht angezeigt worden … Neben dieser klassischen OK-Meldung lässt sich weiterhin noch eine „Individuelle Nachricht“ auf Knopfdruck verschicken, wodurch etwas Spielraum in der – vorformulierten – Kommunikation besteht .

Schließlich verfügt der Sender über eine Trackingfunktion. Beim SPOT Gen3 können verschiedene Trackingintervalle ausgewählt werden, die je nach Reisegeschwindigkeit – wie Wanderung oder Radtour – sinnvoll sind (2 ½-, 5-, 10-, 30- und 60-minütige Intervalle stehen zur Verfügung). Sobald diese Funktion aktiviert ist, übermittelt der SPOT ganz automatisch die aktuelle Position. Der Reiseverlauf kann so nahezu in Echtzeit über Google Maps verfolgt werden. Auch kann mit einem SPOT-Konto eine öffentlich zugängliche SPOT Shared Page angelegt werden, auf der die GPS-Standorte veröffentlicht werden können. Dieses Tracking war mir allerdings zuviel des Guten und erschien mir bei meiner Wanderung durch das Johan Dahl Land nicht nötig. Also habe ich darauf verzichtet und das Gerät nicht im Dauerbetrieb laufen lassen.

Alle diese vielfältigen Funktionen und Services lassen sich bequem und individuell online über das praktische Webformular ändern und anpassen. Man kann darüber hinaus je nach Tour unterschiedliche Profile anlegen – so werden immer die passenden Leute benachrichtigt.

Zu beachten gibt es beim SPOT Gen3 Messenger eigentlich nur zwei Dinge: Zum einen wird das Gerät mit herkömmlichen AAA 1.5V Lithium-Batterien oder Akkus betrieben. Hier gilt es darauf zu achten, diese vor jeder Tour zu ersetzen oder zumindest zu überprüfen und auch Ersatz mitzunehmen. In einem Notfall die Batterien wechseln zu müssen, sollte auf gar keinen Fall passieren! Die Nutzung der Trackingfunktion und hier besonders die kürzeren Intervalle reduzieren die mögliche Laufzeit des Geräts deutlich. Wer aber nur jeden Tag einmal seine Koordinaten samt OK-Nachricht übermittelt – wie ich es getan habe –, bei dem reicht ein Satz Batterien für eine lange Zeit. Zum anderen funktioniert der SPOT über Satelliten. Diese decken allerdings nicht alle Gebiete auf der Erde zu einhundert Prozent ab. Am Nord- und Südpol, in Zentralafrika oder Feuerland kann es mau aussehen. Wer in „exotische“ Regionen vordringt, sollte sich deshalb vorher die Abdeckungsgebiete genauer ansehen. Auch sollte bei der Nutzung eine möglichst „freie Sicht“ zum Himmel gewährleistet sein – ist diese nicht gegeben, kann es passieren, dass der SPOT eine Position und und im schlimmsten Fall einen Notruf nicht übermitteln kann.

Mein Fazit

Es war ein beruhigendes Gefühl, den kleinen SPOT dabei zu haben. Er hat seine Sache bestens erledigt und jeden Tag war es der Familie und Freunden aufs Neue klar, dass es mir gut geht. Allein das ist schon viel wert – der Ernstfall muss ja gar nicht eintreten. Daher kann ich allen, die in wilde Einsamkeit aufbrechen wo Hilfe fern ist, nur dazu raten, in einen Notfallsender wie den SPOT zu investieren. Und wem eine dauerhafte Anschaffung zu kostspielig ist, sollte auf jeden Fall über ein Mietgerät nachdenken!

Einzig muss man sich bewusst sein, dass diese vermeintliche Nabelschnur nur in eine Richtung funktioniert. Es besteht keinerlei Möglichkeit, über den SPOT von daheim per E-Mail oder SMS kontaktiert zu werden. Aber das muss ja auch nicht sein – denn wer will schon draußen in der Natur gestört werden?

Werbehinweis: Das Gerät wurde mir kostenlos von WeSPOT für den Zeitraum der Grönland-Reise zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird davon nicht beeinflusst.

Nordische Momente – Island

– Rain Man –

Unseren ursprünglichen Plan mussten wir frühzeitig aufgeben. Ausgehend vom Zeltplatz Hólaskjól war eine sehr herausfordernde Trekkingtour zu Ausläufern des Vatnajökull und über diverse Gletscher bis zur Lagune Grænalón, und von dort über schroffe Berge bis nach Skaftafell, das eigentliche Ziel. Doch nachdem sich bei meinem Wanderpartner Michael Schaake ein Nerv im Hüftbereich verklemmt hatte, waren lange und schwierige Passagen abrupt in weite Ferne gerückt und nicht mehr zu verantworten.

Daher kam alles anders: Nachdem wir am ersten Tag noch planmäßig entlang der Schlucht Eldgjá bis zur Hütte Skælingar gelaufen waren, ging bereits am folgenden Tag fast nichts mehr. Mit starken Schmerzen und Taubheitsgefühlen in einem Bein zogen wir in gedrosseltem Tempo weiter bis zum wundervollen See Langisjór, einer Perle im Hochland. Hier unternahmen wir Tagesausflüge mit leichtem Gepäck und dachten darüber nach, umzukehren, denn eine Besserung trat nicht mehr ein. Doch nachdem wir den alles überragenden Gipfel des Sveinstindur in stimmungsvollem Abendlicht erklommen hatten und auf die eindrucksvolle Seen- und Berglandschaft hinabblickten, entschlossen wir uns dazu, trotz aller Umstände zumindest den Langisjór zu umrunden. So machten wir das Beste aus der Situation, genossen weitere fünf Tage die Zeit in aller Einsamkeit und nahmen auch das wechselhafte Wetter hin, welches oft regnerisch und stürmisch über uns hinwegfegte.

Über schmale Pfade erliefen wir uns mühsam die Schönheit Islands – ein ganz besonderes Abenteuer zwischen grünen Hügeln und schwarzer Wüste.

– Sveinstindur, Langisjór und Fögrufjöll –
– Karges Land –
– Langisjór –
– Nasse Füße am Útfall –

> Island 2017 – Weitere Bilder

Fragmente aus der Zeit des Aufbruchs

Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.

Das Nordlandfieber und der Arktis-Bazillus sind alte Bekannte, die ich sicherlich nie mehr loswerde. Es begann im August 1991, als ich erstmals in Schweden unterwegs war, und sich die nordische Einsamkeit sogleich tief in mir einbrannte. Seitdem bin ich immer wieder zurückgekehrt in die hohen Breiten, wanderte den 800 km langen Nordkalottleden komplett an einem Stück oder unternahm zweimal eine Überquerung des grönländischen Inlandeises von Ost nach West – Meilensteine in meinem Leben als „Polarabenteurer“.

Bis mich im Frühjahr 2012 zwei Krampfanfälle aus heiterem Himmel zu Boden rissen, die Diagnose Epilepsie gestellt wurde und mein Wandererleben aus den Fugen geriet. In den Tagen im Krankenhaus und den Wochen danach, die es brauchte, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen, ließ ich mich allerdings nicht unterkriegen und fasste den Entschluss zu dem Projekt Mein Norden. Erneut wollte ich alles noch einmal träumen und aufbrechen zu den wundervollen Orten, die mir von früher so viel bedeuteten – aber gleichzeitig auch Neuland aufspüren, in dem ich zuvor noch nie war, jedoch schon immer einmal hinwollte.

Elf Reisen tüftelte ich aus, die mich über eine Spanne von vier Jahren hinein ins Abenteuer führten. Ich brach allein dorthin auf, wo meine Passion ihren Anfang genommen hatte, zog mit Freunden durch die dunkle Polarnacht und über eisige Gletscher, oder ging mit meiner Frau und unserer kleinen Tochter auf Wandertour. In all der Zeit trat die Epilepsie völlig in den Hintergrund. Und ich blieb zum Glück anfallsfrei.

Fragmente aus der Zeit des Aufbruchs.

Schweden: Plötzlich bin ich oben, stehe an der Abbruchkante und unter mir geht es 700 Meter senkrecht hinab. Der Blick auf das Delta des Ráhpaädno verschlägt mir den Atem. Tief unten schlängeln sich die verästelten Arme des mächtigen Flusses durch einen grünblauen Teppich aus Seen, Sümpfen und Wäldern. Eingekeilt zwischen den Felsabbrüchen des Skierffe und des gegenüberliegenden Tjahkelij münden die pulsierenden Adern des mit Gletschersedimenten durchsetzten Wassers in den Laitaure.

Island: Wir sind erleichtert, als sich der Panzer des Vatnajökull vor uns ausbreitet und wir unweit des Vonarskarđ, des Passes der Hoffnung, über den Köldukvíslarjökull auf die ausgedehnte Fläche ewigen Eises steigen können. Von hier an laufen wir ohne sonderliche Hürden über den größten Gletscher Europas. Vorbei an der Grímsvötn-Caldera und bis zu seinem südöstlichen Ende, dem Skálafellsjökull, über den wir wieder hinabgleiten in tiefere Lagen, der Küste und dem Meer entgegen.

Schottland: Mit einem mulmigen Gefühl komme ich auf der Isle of Skye an – ich befürchte eine Wasserschlacht. Eine steife Brise tut ihr übriges dazu und treibt das Nass klatschend über die Insel der Inneren Hebriden. Aber was soll’s? So, als könne mich nichts erschüttern, kaufe ich mir erst einmal eine wetterfeste Karte des Weges, bevor ich in Broadford starte, und trotze in der folgenden Zeit stoisch den immer wiederkehrenden Regengüssen, stürmischen Winden und schmatzend feuchten Böden.

Färöer-Inseln: Wie eine Haifischflosse ragt die schroffe unbewohnte Insel aus den Fluten des Fjords Sørvágsfjørđur empor. Sie ist der größte Holm des Archipels und ihr Name Tindhólmur geht auf die zackenförmigen Gipfel Ytsti, Arni, Lítli, Breiđi und Bogdi zurück. Bizarr recken sie diese in den dunkel bewölkten Himmel und sorgen für die dramatische Form.

Schweden: Schnee bläst uns ins Gesicht. Fest verzurren wir die Kapuzen bei minus 14 Grad  und machen uns auf den Weg, den Tjäktjapasset zu überschreiten hinüber ins Tjäktjavagge. Das Weiß wirbelt über die Bergkämme, über denen sich ein fahler blauer Himmel wölbt. Die Sonne, die sich Mitte Dezember in der dunklen Polarnacht hinter dem Horizont verbirgt und nie zum Vorschein kommt, zaubert nur einen blassen Schein auf die wenigen Wolkenfetzen.

Island: Auf der Halbinsel Snæfellsnes biegen ab ins Lavafeld Neshraun und nehmen die holprige Piste zur Landspitze Öndverđarnes in Angriff. In wildem Zickzack fahren wir zwischen den erstarrten Lavagebilden hindurch bis hin zu einer Weggabelung. Rechts ab gelangen wir zu einem im Reiseführer ausgewiesenen Leuchtturm. Doch der entpuppt sich als wenig fotogenes kleines Häuschen. Also zurück. Von dort, wo sich der Weg gabelt, haben wir in die andere Richtung noch einen weiteren Leuchtturm erspäht. Einmal in der Nähe, kurven wir auch da näher ran – nur, um keine Gelegenheit auf ein lohnendes Fotomotiv einfach links liegen zu lassen. Und siehe da! Reizend steht der Leuchtturm Svörtuloft auf einer Anhöhe über dem Saxhólsbjarg.

Finnland: Die baumlosen, gerundeten Bergkuppen thronen düster über dem endlos scheinenden Wäldermeer, in dem sich dichtes Nadelgehölz mit lichten Baumbeständen aus Kiefern und Birken abwechselt. Während der Tage, in denen ich in diese urwüchsige Welt vordringe, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Voller Freude sauge ich alle Eindrücke auf, die sich entlang verwunschener Pfade nach jeder Biegung offenbaren.

Svalbard: Der Schnee ist tief. Die Last der Schlitten schwer. Doch die Szenerie ringsum entschädigt für alle Anstrengung – das arktische Ambiente hat mich längst in seinen Bann gezogen. Über den Elfenbeinbreen erklimmen wir das Nordmannsfonna. Dort hält uns schlechtes Wetter am Berg Dolken gefangen. Stürmische Böen treiben Schnee über die weitläufige Gletscherlandschaft. Die Sicht schrumpft auf ein Minimum. Wir sitzen fest.

Norwegen: In Jotunheimen unternehmen wir eine Tagestour auf das Bitihorn und genießen die Aussicht über die Weite der Valdresflya auf der einen und die majestätischen Berggiganten der „Heimat der Riesen“ auf der anderen Seite. Beim Abstieg rutscht Selma auf dem Hosenboden die zahlreichen Schneefelder hinab und jauchzt: „Das ist klasse!“ Als Familie die Wildnis zu entdecken, ist das pure Glück!

Norwegen: Die Wolken lösen sich von Tag zu Tag mehr und mehr auf. Strahlend steht die Sonne am blauen Himmel und sendet zum Jahresausklang noch einmal sommerliche Wärme. Wir ergreifen die Chance und gelangen von der Appelsinhytta hinauf auf den Hardangerjøkulen, den sechstgrößten Gletscher des Landes, um diesen nicht nur zu umrunden, sondern auch zu überqueren. Dass uns dieses Schmankerl aufgetischt und dargereicht wird, ist kaum zu glauben. Wir erleben fantastische Stunden auf dem eisigen Plateau und folgen in den nächsten Tagen weiteren kaum begangenen Pfaden.

Grönland: Einen Tag verbringe ich am Hullet, diesem kaum in Worte zu packenden Chaos aus Eisbergen, einer Szenerie, so spektakulär und eindrücklich, wie ich es anderswo noch nie gesehen habe. Umgeben von Ausläufern des Inlandeises zieht mich dieser Ort so sehr in seinen Bann, dass ich mich nur schwer davon lossagen kann. Mystisch ist die Stimmung. Haushoch die auf Grund liegenden Eisgebilde.

Im Juni 2017 erschien das Fotobuch Mein Norden mit Bildern und Texten aller Reisen:

Limitiert auf 333 Exemplare, nummeriert und handsigniert
Format: 30×22 Zentimeter, Hardcover, 176 Seiten

Weitere Buchdetails und Bestellung im Shop.