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#WasWarWann – Folge 5

– Silvesterlauf –

Vor einer Woche, am letzten Tag des alten Jahres, trat ich beim 15. Remscheider Silvesterlauf an. Nachdem ich im November beim Waldlauf „Rund um den Freudenberg“ des Leichtathletik-Club Wuppertal teilgenommen hatte, wollte ich mich zum Jahresabschluss auf einer landschaftlich schönen, aber auch anspruchsvollen 14 Kilometer langen Wendepunktstrecke austoben.

Rechtzeitig war ich im Stadion Reinshagen, nutzte die Möglichkeit der Nachmeldung und warf noch einen Blick auf den Streckenaushang. Ich kenne das Gelände rund um die Müngstener Brücke nur von einigen Wanderungen, hatte aber ansonsten keine Ahnung, was mich genau erwarten würde. Nur soviel, dass es zuerst ordenlich hinabgehen würde, dann coupiert hin und her, bevor schließlich der „Berg des Leidens“ zurück gen Ziel wieder erklommen werden müsste.

Mein Training für den Lauf war ordentlich. Zumindest hatte ich zwei längere Läufe über 75- und 90-Minuten unternommen und auch zweimal etwas Intervalltraining mit schnellen Kilometern in die Vorbereitung eingestreut. Daher war ich einigermaßen zuversichtlich. Etwa 20 Minuten vor dem Start fing ich an, mich warmzulaufen. In leichtem Niesel lief ich ein paar Mal um den Sportplatz und dehnte nachher noch ein wenig meine Beine. Wird schon werden, dachte ich mir.

Um 13:30 Uhr wurde es ernst und die Meute preschte los. Allen voran der Vorjahressieger, der wie ein Sprinter davonjagte. Nach einer Stadionrunde ging es hinaus in den Wald und auf zum Glück gut befestigten Wegen hinunter in tiefere Lagen. Meine Befürchtung, es könnte aufgrund der feuchten Witterung sehr rutschig sein, trat nicht ein. Das Geläuf war überwiegend fest und es ging flott zur Sache. Nachdem über 100 Höhenmeter verloren waren, führte der Kurs auf einem Höhenweg oberhalb der Wupper in stetem Auf und Ab bis zum Wendepunkt nach 7 Kilometern. Bis dahin lief eigentlich alles nach Plan, nur kam mir die Spitze des Feldes bereits sehr früh wieder entgegen – es waren wirklich schnelle Läuferinnen und Läufer unterwegs und der Anteil „vereinsloser Jogger“, wie ich einer bin, eher gering.

Meine Stoppuhr zeigte irgendwas über 32 Minuten an, als ich den Rückweg in Angriff nahm. Sehr gut – mein selbstgestecktes Ziel, unter einer Stunde und zehn Minuten zu bleiben, sollte möglich sein. Aber bald machten sich die Oberschenkel bemerkbar, was ich so nicht eingeplant hatte. Meine Muskulatur war die rasanten Schritte bergab zu Beginn des Laufs wohl nicht gewöhnt. Nun galt es, durchzuhalten, und so ökonomisch wie möglich weiterzulaufen. Eine wage Mischung aus gewolltem Tempo und gewünschter Lockerheit.

Als ich in den Schlussanstieg einbog, hatte sich das Feld bereits weit auseinandergezogen. Einen nahen Mitläufer konnte ich noch abschütteln, aber dann war ich allein mit mir, meinen müden Beinen und meinem hohen Puls. Der Schweiß floss in Strömen, und ich kämpfte mich durch das zähe Finale. Wieder im Stadion, wo zu guter Letzt noch dreihundert lange Meter auf der Bahn zu laufen waren, war ich mir jedoch sicher, meine „Wunschzeit“ tatsächlich zu unterbieten. Und voi­là, nach 1:08:45 passierte ich den Zielstrich und konnte mit brennenden und schmerzenden Oberschenkeln austrudeln lassen – satte 21 Minuten nach dem Sieger …

Ungelenk nahm ich dankend heißen Tee entgegen. Ich versuchte, in Bewegung zu bleiben. Die Treppe zur Umkleide hinabzusteigen, fiel mir schwer. Ich zwang mich dazu, etwas auszulaufen. Sonst würden die Beine noch völlig dicht machen.

Puh, auf dem Weg ins südliche patagonische Inlandeis war der Silvesterlauf ein Kraftakt. Eine fordernde Strecke bei usseligem Wetter. Herrlich. Und die neuen Laufziele fürs neue Jahr sind auch schon gesteckt. Ein Halbmarathon sollte fällig sein.

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Mein Norden – Preissenkung

Woohoo! Mittlerweile sind 300 Exemplare der auf 333 Stück limitierten Edition meines Fotobuchs Mein Norden verkauft. VIELEN DANK! Die restlichen 33 Bücher gibt es von nun an mit 20% Rabatt!

„Elf Reisen in den Norden. Vier Jahre Aufbruch. Zu allen Jahreszeiten hinein ins Abenteuer. Allein, mit Freunden und der Familie. Wanderungen und Skitouren dokumentiert in Bildern und Texten, die Emotionen transportieren und von Erlebnissen erzählen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.“

Über die Hintergründe meines Fotografieprojekts Mein Norden hatte ich hier schon berichtet. Und auf dieser Seite findet Ihr eine Auflistung aller zugehörigen Reisen. An dieser Stelle reichen daher die simplen Fakten zu diesem „Coffee-Table-Book“, wie Ihr sie auch im Shop findet.

Mein Norden – Der Bildband

Ausstattung
Format: 30×22 cm Querformat
Umfang: 176 Seiten
Abbildungen: 82 Farb- und 13 S/W-Fotos
Verarbeitung: Hardcover, Fadenheftung, Offsetdruck
Papier: LuxoArt Samt, 170 g/m², mit mattem Dispersionslack

Auflage
333 Exemplare, limitiert

Editionen
Standard Edition:
Buch #34 bis #333, nummeriert und handsigniert

Special Edition:
Buch #1 bis #33 mit beigelegtem Fine-Art-Print (ein Motiv aus dem Bildband), beides nummeriert und handsigniert
Print gedruckt auf Hahnemühle FineArt Pearl, Blattformat 29,5×21 cm, Bildformat 25,5×17 cm

Verkaufspreise
Standard Edition: 55 Euro 44 Euro
Special Edition: 99 Euro
(jeweils zzgl. Porto und Verpackung)

Die Special Edition ist schon lange ausverkauft, aber die Standard Edition ist weiterhin erhältlich und kann hier bestellt werden.

„Ich bin sehr beeindruckt über Deine Bilder und man spürt, wie sehr Du dich mit dieser Landschaft des Nordens verbunden fühlst. Du hättest es nicht besser zur Geltung bringen können. Grandios!“ – Francine U.

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#WasWarWann – Folge 4

– Rund um Ennepetal –

Es war ein Kraftakt. In 11 Stunden und 10 Minuten bin ich gestern den 54 km langen Wappenweg rund um Ennepetal gewandert. Ich kenne die Strecke wie meine Westentasche, und es sollten nach der Tagestour über den Langenberger Rundweg weitere harte Trainingskilometer auf dem Weg nach Patagonien werden.

Um 07:45 Uhr machte ich mich in Schwelm am Schloss Martfeld auf den Weg, gelangte rasch zum Bahnhof Ennepetal und erklomm den Buchenberg. Allerdings bemerkte ich schon in diesem frühen Stadium eine Reiberei unter der linken Ferse. Genau an der Stelle, wo ich mir im Oktober beim Rothaarsteig-Marathon auch eine Blase eingefangen hatte. Nach anderthalb Stunden machte ich daher bereits die erste Pause. Ich stopfte eine Banane, ein paar Snack-Möhren, zwei Knäckebrote und ein Balisto in mich hinein und spülte alles mit zwei Bechern Tee hinunter. Dann widmete ich mich meinem Fuß und klebte die betroffene Stelle mit Tape ab, um die Reibung zu minimieren.

Frisch versorgt kam ich daraufhin ganz gut weiter. Ich durchschritt das Haspertal und tauchte ein ins Waldgebiet Ikshardt. Dort ersparte ich mir, den längsten Anstieg der ganzen Runde an einem Stück zu erklimmen und machte auf halbem Weg die nächste Rast. Wieder vertilgte ich einige Leckereien, was mich aber nur kurz davon ablenkte, das in der Zwischenzeit doch stärker gewordene Zwicken unter dem lädierten Fuß wahrzunehmen. Gut, noch war es eine erträgliche Randnotiz, aber auf dem folgenden Abschitt vorbei an der Hasper Talsperre und hinüber ins Tal der Ennepe – wo irgendwo gerade mal die Hälfte des Weges hinter mir lag – wurde die Blase, zu der sich das Zwacken mittlerweile ausgewchsen hatte, zum bestimmenden Faktor. Hinter Peddenöde und kurz vor Brauck musste ich handeln. Ich wechselte das Tape und fügte noch ein Blasenpflaster hinzu, das Druck von der Stelle nehmen sollte. Nur alles Wohlwollen kam leider zu spät. Von hier an wurde die verbleibende Strecke zu einer harten Auseinandersetzung zwischen Körper und Geist.

Abzubrechen, stand nicht zur Diskussion. Mein Wille durchzuhalten, war stärker. Ich dachte an Mark F. Twight und die Worte in seinem Buch Extreme Alpinism. „A strong will grows from suffering and being rewarded for it.“ Die Mär von Freud und Leid, das so dicht beieinander liegt, beschäftige für den Rest des Tages zunehmend meine Sinne …

„Does a strong will come from years of multihour training runs or do those runs result from a dominating will?“

Weiter immer weiter trieb ich mich im Schatten des Westenberg voran bis zur Heilenbecker Talsperre. Nochmals ließ ich mich auf eine Bank plumpsen, verdrückte Speiß und Trank. Ich beobachtete ein paar Spaziergänger, die gemütlich ihre Runden drehten. Mit steifen Gliedern rappelte ich mich wieder auf und stöhnte auf den nächsten Metern vor mich hin. Sich nach etwas Ruhe wieder an die Schmerzen zu gewöhnen, dauert immer eine Weile.

Als ich am Brebach entlang lief, setzte die Dämmerung ein. Ich war der Kühle auf den Höhenzügen entkommen und genoss im windgeschützten Tal für Momente das Draußensein in der Natur. Doch es blieb bei einem letzten Aufbäumen, bevor sich meine Schritte immer mehr verlangsamten. Am Beyenburger Stausee wurde es finster. Von hier hätte ich einen Bus nach Hause nehmen können. Aber nein, ich wollte es mal wieder schaffen. Unter dem Bilstein hielt ich ein letztes Mal an – ein letztes Mal Kraft tanken für den Schlussakt. Nur die Schwelmer Höhe galt es noch zu überwinden. In völliger Dunkelheit spendete meine Stirnlampe ein spärliches Licht. Sie erhellte vor mir gerade so viel wie nötig. Der nächste Schritt, der nächste Meter. Das war alles, was noch zählte.

Meine Beine waren verkrampft. Ich kämpfte mich die verbliebenen Steigungen hinauf nach Königsfeld und schließlich am Rande des Martfelfer Wald hinab ins Ziel. Aber noch war ich nicht zu Hause. Ohne anzuhalten und den Erfolg zu genießen qäulte ich mich zum Schwelmer Bahnhof, erwischte zum Glück rasch einen Zug zurück nach Wuppertal, nahm dort noch einen Bus, um ja so wenige weitere Meter wie möglich laufen zu müssen. Daheim im Treppenhaus ließ ich mich auf die Stufen fallen. Zog die Schuhe aus und blieb erstmal sitzen. Ich war platt. Und gezeichnet. Später entfernte ich Tape und Pflaster von Fuß und Blase und stach das blutige Biest auf. Ich humpelte durch die Wohnung. Geist und Körper waren leer.

Eigentlich hatte ich auf dem Weg ins südliche patagonische Inlandeis und zur ersten Tour meines #WorldWideWilderness-Projekts vor, im Dezember die nächsten Wanderschritte zu unternehmen. Vielleicht lasse ich diese allerdings ausfallen, absolviere vorerst nur kürzere Trainingseinheiten und gönne meinem Fuß die wohl nötige Erholung …

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#WasWarWann – Folge 3

– Rund um den Freudenberg –

Nachdem ich im Oktober beim FALKE Rothaarsteig-Marathon den Halbmarathon als Nordic Walker bestritten hatte, war ich angefixt vom sportlichen Wettstreit und fasste als nächstes Zwischenziel auf dem Weg ins südliche patagonische Inlandeis den Waldlauf „Rund um den Freudenberg“ des Leichtathletik-Club Wuppertal ins Auge. Am vorigen Samstag war es dann soweit und es galt, die 9.810 Meter lange Strecke in Angriff zu nehmen. Der Lauf war als Kurs über fünf Runden angelagt, und außer je einer halben Stadionrunde auf der Sportanlage Freudenberg bestand das Geläuf nur aus Waldwegen mit leichtem Auf und Ab und ein paar engen Kurven. Nicht unbedingt das, was man als schnelle Strecke bezeichnen würde.

Mein Training für die Rennerei war in den vorigen Wochen zudem überschaubar, ist es doch eh noch nicht so lange her, dass ich mit der Lauferei überhaupt ernsthaft wieder angefangen habe. Als längste Einheit sprangen deshalb nur einmal 60 Minuten dabei heraus. Und was schnelles habe ich nie trainiert. Einzig auf dem Sportplatz Oberbergische Straße war ich auf der Bahn mal 1.000 Meter geflitzt, um zu sehen, was geht – knapp unter vier Minuten hatte ich da überraschend nur gebraucht. Trotzdem war ich skeptisch und mein Ziel für den Waldlauf verhalten – 50 Minuten wollte ich aber immerhin unterbieten.

Bevor schließlich um 14:40 Uhr der Startschuss fiel, machte ich mich bei sonnigem aber kühlem Wetter ordentlich warm. Und dann ging es gleich rasant los. Als der Tross zum ersten Mal in den Wald einbog und der Weg schmal wurde, war Vorsicht geboten, um nicht über andere Läuferbeine oder unter Laub versteckte Wurzeln zu stolpern. Es war eine unruhige Runde mit vielen Positionswechseln, doch die Zeit passte. Ich war schnell unterwegs, fast zu schnell. In den nächsten Runden hatte sich das Feld sortiert und ich ein für mich gutes Tempo gefunden. Meine Zielzeit schien relativ locker erreichbar zu sein. Doch spätestens in der vierten Runde merkte ich aufkommende Verhärtungen in den Waden. Daher ließ ich es lieber bleiben, am Ende nochmals auf Teufel komm raus auf die Tube zu drücken und die Möglichkeiten auszureizen, sondern lief lieber kontrolliert ins Ziel. Zu meiner Freude sprang auch so eine  Zeit von 0:46:55 dabei heraus – damit hatte ich vorher gar nicht gerechnet.

Die ungewohnte Belastung war aber nicht spurlos an mir vorübergegangen – nicht nur die Waden waren zu, auch der Rest der Beine muckte auf. Macht aber nix – auf dem Lauf lässt sich aufbauen … Zwar liegen meine früheren „Fabelzeiten“ noch in weiter Ferne – meine persönliche Bestzeit über 10 km beträgt 0:38:33 -, aber mit weiterem guten Lauftraining ist da noch Luft nach oben. Ein nächstes Ziel habe ich mir auch schon ausgeguckt: Den Remscheider Silvesterlauf als Jahresabschluss – 14 Kilometer auf einer landschaftlich schönen, aber auch anspruchsvollen Wendepunktstrecke!

PS:
Zur Erinnerung: In dieser #WasWarWann-Rubrik erzähle ich in lockerer Folge darüber, was rund um mein „#WWW“-Projekt passiert. Und um was es sich dabei handelt, hatte ich kürzlich verkündet.

„Bereits während all den Augenblicken in nordischer Natur und den vielen Wanderungen und Skitouren für mein Foto- und Reiseprojekt Mein Norden erwuchs in mir der Wunsch, danach über meinen eigenen Tellerrand zu schauen und mich aufzumachen in die weite Welt, in Länder und Regionen, die ich noch nie bereist habe, aber von denen ich schon seit ewigen Zeiten träume. Ich erdachte das Projekt #WorldWideWilderness, das sieben Reisen beinhaltet – eine pro Kontinent. Der rote Faden ist das Eis – schmelzende Gletscher, zu bewahrende Natur.“

Folgt mir auf dem Weg in die eisige Wildnis!

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#WorldWideWilderness

– 7 Reisen in die eisige Wildnis –

Alles begann vor über 25 Jahren, im August 1991. Ich war gerade mal 17 Jahre alt und wanderte auf dem Kungsleden, Schwedens berühmten „Königspfad“, von Abisko nach Kvikkjokk. Die nordische Einsamkeit brannte sich tief in mir ein. Manchmal fiel es mir schwer, das Alleinsein zu ertragen. Aber ich war gleichsam fasziniert von der Landschaft und der Freiheit, über Berge und durch Täler zu schreiten. Es war der Beginn einer Leidenschaft, die bis heute ungebrochen ist und über die Jahre sogar immer stärker wurde.

Gegen Ende der Wanderung kam ich am Ostrand des Sarek-Nationalparks vorbei. Für mich schon damals ein Traumland, berüchtigt als weglose Herausforderung und nichts für ein Greenhorn wie mich. Noch nicht. Zwei Jahre später wagte ich mich erstmalig ein Stück hinein in diese weltenferne Wildnis. Mit einem Rucksack voller Respekt und jugendlichem Entdeckergeist, schaffte ich es von Kvikkjokk durch den südlichen Teil des Parks bis zur Kapelle von Alkavare. Dann machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Die Furcht vor stürmischen Regengüssen, die sich mal wieder zwischen den schroffen Bergen im Sarek entluden, trieb mich in die etwas lieblichere Region Padjelanta und auf gut beschaffenen Pfaden zurück nach Kvikkjokk.

Immerhin: Die anfangs oft bedrückende Einsamkeit machte mir mittlerweile nichts mehr aus, und so langsam gehörte ich zu jenen Menschen, denen zwei Wanderer in einem Tal bereits einer zu viel sind … In den folgenden Jahren legte ich noch unzählige Kilometer in diesem Gebiet zurück, das mir mehr als alle anderen am Herzen liegt, bin ich in ihm doch am stärksten gereift und erwachsen geworden.

In dieser zurückliegenden Zeit erlebte ich noch viele weitere Abenteuer, die weit über den Dunstkreis des Kungsleden und Sareks im Fjäll Schwedisch-Lapplands hinausgingen. Ich machte viele eindrückliche Erfahrungen und erlebte zahlreiche prägende Momente, die mich immer wieder anstachelten, erneut aufzubrechen. Es gipfelte schließlich in meinem Projekt Mein Norden, für das ich von 2012 bis 2016 elf weitere Reisen in den Norden unternahm. Der darüber entstandene gleichnamige Bildband wurde zu einer Liebeserklärung an die rauen Landschaften, kargen Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins.

7 Kontinente. 7 Treks. 7 Reisen in die eisige Wildnis.

Doch bereits während all den Augenblicken in nordischer Natur und den vielen Wanderungen und Skitouren für mein Foto- und Reiseprojekt Mein Norden erwuchs in mir der Wunsch, danach über meinen eigenen Tellerrand zu schauen und mich aufzumachen in die weite Welt, in Länder und Regionen, die ich noch nie bereist habe, aber von denen ich schon seit ewigen Zeiten träume. Ich erdachte das Projekt #WorldWideWilderness, das sieben Reisen beinhaltet – eine pro Kontinent. Der rote Faden ist das Eis – schmelzende Gletscher, zu bewahrende Natur. Denn zum Eis habe ich ja seit eh und je eine sehr enge Beziehung – habe ich doch in früheren Tagen zweimal das grönländische Inlandeis überquert und immer wieder weitere lange Gletschertouren unternommen … Daher steht dieses Projekt auch unter dem Motto „Protect what you love“.

Einmal mehr geht es mir darum, mich hinein ins Abenteuer zu stürzen. Neuland zu erkunden, meinen Horizont zu erweitern und darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, das zu schützen, was einem am Herzen liegt.

Los geht es im kommenden Februar. Weit in den Süden werde ich zum Projektstart reisen. Nach Patagonien. Zu den Gipfeln von Cerro Torre und Fitz Roy, die ich gemeinsam mit Christian Müller über das Campo de Hielo Sur umrunden möchte. Eine Traumtour, die bereits sehr lange in mir schlummert und die nun endlich wahr werden soll. Aber sie ist nur der Anfang – der Beginn einer Reise rund um den Globus.

Noch gleicht alles eher eine Skizze – es gilt, ihr Leben einzuhauchen und Träume wahr werden zu lassen.

Die einzelnen Reisen

Süd-Amerika:
Land/Region: Argentinien und Chile, Patagonien
Tour: Umrundung von Cerro Torre und Fitz Roy über das Campo de Hielo Sur
Charakter: schwere, alpine Trekkingtour mit Gletscherbegehungen

Nord-Amerika:
Land/Region: Kanada (Nunavut), Baffin Island
Tour: im Auyuittuq National Park von Fjord zu Fjord über den Akshayuk Pass mit Abstechern zu Ausläufern des Penny Icecap
Charakter: mittelschwere Trekkingtour

Ozeanien:
Land/Region: Neuseeland
Tour: Durchquerung der Gletscherplateauregionen Garden Of Eden und Garden Of Allah
Charakter: schwere, alpine Trekkingtour mit Gletscherbegehungen

Europa:
Land/Region: Svalbard, Spitzbergen
Tour: durch die Gletscherwelt zum Newtontoppen (1.713 m) und retour
Charakter: mittelschwere Trekking-/Skitour mit Expeditionscharakter

Afrika:
Land/Region: Uganda
Tour: Erkundung des Ruwenzori Gebirges und Besteigung der Margherita Spitze (5.109 m) am Mount Stanley
Charakter: Trekkingreise und Bergbesteigung

Asien:
Land/Region: Mongolei, Altai-Gebirge
Tour: Wanderung ins Bergmassiv Tawan Bogd und zum Potanin-Gletscher samt Besteigung des Malchin Peak (4.051 m)
Charakter: anspruchsvolle Trekkingtour und Bergbesteigung

Antarktis:
Land/Region: Antarktis, Königin-Maud-Land
Tour: von der russischen Station Nowolasarewskaja in der Schirmacher-Oase zur Jøkulkyrkja (3.148 m) im Fimbulheimen und retour
Charakter: extreme Ski-Expedition

Als Zeitplan sind die kommenden drei Jahre vorgesehen …

Über all das, was rund um das Projekt #WorldWideWilderness passiert, erzähle ich in lockerer Folge in der neuen Rubrik #WasWarWann. Folgt mir auf dem Weg in die eisige Wildnis!