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Langzeitbelichtungen – Ja oder Nein?

– Bøsdalafossur – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 27 Sek, f 8, ISO 200 –

Ich war noch nie ein Stativfreund. Die meisten meiner Bilder fotografiere ich aus der Hand. Zwar habe ich fast immer ein Dreibein mit dabei, aber ich nutze es nur für sporadische Selbstportraits und meine seltenen Langzeitbelichtungen. Überhaupt, warum finden so viele Fotointeressierte Gefallen an Fotos aufgenommen mit langen Belichtungszeiten? Irgendwie bin ich selber kein großer Freund davon. Vielleicht, weil diese Art der Fotografie nicht allzu sehr zu meinem Stil der Landschaftsreportage passt? So haben es auch nur zwei Langzeitbelichtungen in mein erstes Fotobuch Mein Norden geschafft – der Wasserfall Fossá auf den Färöer-Inseln und der Fluss Skógá auf Island. Nach Meinung meines Kurators während des damaligen Entstehungsprozesses des Bildbands fügten sich diese beiden Aufnahmen durchaus gut ins Gesamtbild ein, weil der Gesamtcharakater erhalten blieb und beide Fotos nicht zu sehr davon abwichen. Aber es waren Ausnahmen, weswegen ich Stativ und Filter weiterhin meist links liegen lasse.

Trotzdem komme ich nicht umhin, mich immer mal wieder mit Langzeitbelichtungen zu beschäftigen. Denn vor allem auf den Fotoreisen, die ich zusammen mit Michael Schaake veranstalte, ist der Einsatz von Graufiltern und die Fotografie vom Stativ ein großes Thema. So auch bei der letztjährigen Nordische Momente – Färöer Masterclass, bei der auch ich dann ab und an mal wieder mein Rollei-Stativ aufgebaut, einen Filter aufs Objektiv geschraubt und Fotos mit samtigen Wasser- und Wolkenverläufen gemacht habe. Nachträglich mag ich zwar das Bild des Bøsdalafossur sehr, aber das Foto aus Saksun und jenes vom vielfotografierten Múlafossur in Gásadalur sprechen mich selber kaum an. Deshalb hat es nur die erste Aufnahme in eine Bildauswahl der Färöer-Reise geschafft. Weil es in meinen Augen auch hier so ist, dass der ins Meer stürzende Wasserfall gut zum Rest der Serie passt, die beiden anderen Langzeitbelichtungen vom Gesamteindruck aber etwas abweichen. Gefällt mir z. B. am Foto des Bøsdalafossur der triste Himmel und die recht monochrome Farbgebung des Bildes, sind mir hingegen bei der in Saksun gemachten Aufnahme die ziehenden Wolken nicht ganz geheuer ;-) Das erste Bild vermittelt mir trotz des weichen Wassers noch einen recht realen Eindruck, das zweite Foto driftet mir allerdings schon zu sehr in „künstlerische Manipulation“ ab.

Da meine Art der Fotografie darauf basiert, eher spontane Momente im Hier und Jetzt einzufangen, werden Langzeitbelichtungen wohl immer Ausnahmen bleiben, egal wie beliebt sie auch sein mögen. Sie passen einfach nur sehr selten zu meinem Bildstil und oftmals scheint mir der erzielte Effekt über dem Motiv und dem eigentlichen Bildinhalt zu stehen. Daher werden es in mein nächstes Fotobuch sicherlich wiederum nur ganz wenige Fotos schaffen, die aufgenommem vom Stativ und mit langen Belichtungszeiten entstanden sind …

Zum Einsatz kam bei allen Aufnahmen ein B+W 110 ND 3,0 1000x Graufilter

– Saksun – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 10 Sek, f 11, ISO 200 –
– Múlafossur – X-Pro2, XF16mmF1.4 R WR, 14 Sek, f 8, ISO 200 –

Und wie steht Ihr zu Langzeitbelichtungen? Eure Meinung gerne in den Kommentaren!

Rund um Hattingen – dank Leukoplast schnurstracks ins Ziel

– Geschafft –

Um 14:15 Uhr machte ich die nächste Pause. Fünf Minuten früher als geplant. Doch die Bank am Wegesrand kam in diesem Moment gerade recht. Meine Füße zwickten mehr und mehr und riefen immer lauter danach, beachtet zu werden. Über sieben Stunden war ich zu dem Zeitpunkt bereits unterwegs, nachdem ich am letzten Freitag früh am Morgen auf dem Hackenberg in der Nähe von Herzkamp meinen Marsch über den Hattinger Rundweg angetreten hatte.

Um mit meinen Kräften hauszuhalten, wollte ich einem strikten Rhythmus folgen: 80 Minuten Gehen, dann 10 Minuten Pause. So hielt ich es auch mehr oder weniger durch und kam in meinen Augen gut voran. Startschuss um 07:00 Uhr. 08:20 Uhr die erste planmäßige Rast im Deilbachtal unweit von Schmahl am Schmalen. Von dort hinauf auf den Höhenweg, wo mir ein Mann mit Hund begegnete. Mein zügiger Schritt wurde bemerkt und ich gefragt, wie viele Kilometer es heute wohl werden sollen. Ich erwiderte, dass wohl einige zusammenkommen würden und verschwieg die anvisierten 62 km, da ich weder für verrückt erklärt werden wollte noch auf ungläubige Blicke aus war. Ich wollte einfach schnellstens weiter, um spätestens nach drei Stunden das Felderbachtal zu erreichen, was mir auch gerade eben so gelang. Gegen Zehn wurde es da langsam richtig warm.

Über den nächsten Höhenrücken war ich von dort rasch im Wodantal und weiter hinauf und hinab an der Nierenhofer Straße und am Isenberg, hinter dem die dritte Pause folgte und ich nicht nur einen weiteren Riegel verspeiste und einige Schluck Wasser trank, sondern auch Sonnencreme auftrug, denn schließlich war für die Mittagsstunden vor erhöhter UV-Strahlung gewarnt worden. Alles lief bis dahin wie geschmiert und ich gelangte an Niederbonsfeld und Niederwenigern vorbei zur Ruhr. Ein Schwimmer mühte sich gegen den Strom und Gänse führten ihre Jungen aus. Ich folgte ein Stück dem Fluss und wechselte an der nächsten Brücke die Uferseite.

Hinter einem Spielplatz setzte die Wegmarkierung kurz aus und ich verschwendete ein paar Momente darauf, tunlichst nicht von der Route abzukommen und das nächste Wanderzeichen zu suchen. Kurz darauf war es dann ein Kletterfelsen im Wald, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Zu gerne hätte ich kurz Hand an den Stein gelegt, doch ich musste ja weiter, hatte ich doch ein zeitliches Ziel im Kopf. Also marschierte ich in einem fort, bis ich zur nächsten Ruhrbrücke kam und wieder auf die südliche Seite des Gewässers zurückkehrte.

Nach sieben Laufstunden wollte ich die Burg Blankenstein erreicht haben, doch während sich das Folgestück über den Leinpfad entlang der Ruhr etwas zäh gestaltete, schwand meine Zuversicht zusehends. Und zu allem Übel endete an einem kleinen Campingplatz hinter der L705 der Weg. Wo es offensichtlich hätte weitergehen müssen, war die Strecke gesperrt. Ich lief hin und her und suchte nach einer neuen Ausschilderung, doch ich fand keine. Also kramte ich mein Mobiltelefon hervor und schaute auf die Onlinekarte des Rundwegs. Mmh, was tun? Mir blieb nichts anderes übrig, als ein paar hundert Meter den Gleisen der stillgelegten Ruhrtalbahn zu folgen, unter der es später ohnehin hindurch gegangen wäre. Also stolperte ich über die Bohlen, kletterte etwas genervt wieder hinab auf den rechten Weg und verspürte nun immer stärker werdend dieses Zwicken unter den Fußballen, das nie etwas Gutes verheißt.

Um Viertel nach Zwei daher der nächste Stopp, der nun nicht nur dem Essen und Trinken galt, sondern vor allem auch meiner Füße. Zwar hatte ich mittlerweile einen großen Teil von Rund um Hattingen geschafft, aber viele Stunden würden noch vor mir liegen. Wieder kramte ich die Onlinekarte hervor und zoomte hinein und wieder hinaus, versuchte die verbleibende Distanz und Laufzeit zu überschlagen. Würde ich meinem bisherigen Tempo treu bleiben, liefe es bestimmt auf eine Gesamtzeit von zwölf Stunden hinaus. Zu langsam, ich wollte schneller sein. Also musste ich nicht nur einen Gang höher schalten, sondern am besten auch meinen liebgewonnenen Pausenrhythmus aufgeben. Aber bevor ich durchstartete und zum langen Endspurt blies, klebte ich meine Füße einfach großzügig mit Leukoplast ab, in der Hoffnung, es würde die Reibung minimieren und mir das schnelle Gehen wieder angenehmer machen. Und siehe da, es klappte!

Vorbei an den Gemäuern der im 13. Jahrhundert durch den Grafen Adolf I. von der Mark erbauten Burg Blankenstein, stürmte ich mit frischem Elan hinein in den Nachmittag. Es purzelten die Kilometer, obwohl es nach dem Flackstück entlang der Ruhr nun erneut ständig Auf und Ab ging, schließlich sind insgesamt über 2.000 Höhenmeter zu bewältigen. Aber mit einem zunehmenden Tunnelblick verschwomm alles links und rechts und mich schreckte nichts mehr. Bald war ich an der Bredenscheider Straße und durch Felder und über Wiesen am Hotel Zum Hackstück. Immer wieder schielte ich auf die Uhr. Nun könnte es doch noch eine gute Zeit werden.

Als ich das Naturschutzgebiet Wald am oberen Paasbach erreichte, war ich mir siegessicher. Die Füße würden halten und vielleicht käme ich sogar nah an meine frühere Bestzeit von 10 Stunden und 35 Minuten auf dieser Strecke heran. In einer letzten kurzen Pause drückte ich mir ein Energie-Gel in den Mund und kippte etwas Wasser hinterher. Jetzt nicht mehr lange ruhen, umso schwerer kommt man danach wieder in die Gänge. Weiter, immer weiter war die Devise. Über die Nockenbergstraße und runter ins Tal zur Fahrentrappe. Schließlich der letzte Anstieg, der sich in Bögen durch den Wald am Steinert zog. Dann die finalen Meter, noch ein kurzes Steilstück. Ich pumpte und pustete. Und war zurück am Startpunkt.

18:10 Uhr. 11 Stunden und 10 Minuten. Juchhu, das war gut! Unterwegs hatte ich eine Weile gar nicht mehr daran geglaubt, eine so gute Zeit erreichen zu können. Und hätte ich nicht an einer weiteren markierungslosen Stelle unterwegs noch Sekunden verloren oder beim Versuch, ein Selbstportrait in einem Spiegel am Wegesrand zu machen – das natürlich auch in zig Versuchen nichts wurde – Minuten verstreichen lassen, hätte sich der Kreis sicherlich in unter elf Stunden geschlossen.

Zum guten Schlus machte ich dann im Ziel noch ein Bild von mir. Geschafft und erschöpft. Dann schlurfte ich ausgelaugt zurück Richtung Herzkamp. Langsam wich das Adrenalin aus meinem Körper und die Füße fingen wieder an zu Schmerzen. Aber was soll’s? Das ist ein Teil des Spiels. Einkalkulierte Schinderei, die einhergeht mit dem Gefühl von Lebendigkeit. Nach dem Wappenweg rund um Ennepetal war es die zweite lange Runde in diesem Jahr. Und die nächste, den Röntgenweg rund um Remscheid, habe ich auch schon im Kopf. Ich kann es einfach nicht lassen …

#StayAtHome – oder laufe 54 Kilometer

– Wappenweg rund um Ennepetal –

#WirBleibenZuhause ist das Motto dieser Tage. Doch in den vergangenen drei Wochen, die seit geraumer Zeit geprägt sind von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten, waren wir mehr denn je in der Natur unterwegs. Meine Tochter, 4. Klasse, hatte „schulfrei“ und meine Frau, Lehrerin, war auch daheim. Gut, beide mussten jeden Tag Hausaufgaben erledigen und waren damit immer ein paar Stunden beschäftigt. Aber an den Nachmittagen und Wochenenden zog es uns fast täglich raus in den Wald, wo wir kleinere und größere Runden abspulten, die Ankunft des Frühlings genossen und so das Allerbeste aus der Situation machten. Und jetzt in den Osterferien, in denen alle Schulverpflichtungen wegfallen, kann das nur noch besser werden.

Nachdem mich im Februar eine Grippe mit Fieber lange geärgert hatte und ich deswegen auch eine Skitour in Schweden sausen lassen musste, waren die nun so vielen Stunden an der frischen Luft ideal, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen. Neben unseren gemächlicheren Familienwanderungen streute ich darüber hinaus noch ein paar schnelle Solo-Ausflüge ein und war bald wieder fit und bereit für ein großes Ding – wie zuletzt im Dezember, als ich den Langenberger Rundweg gelaufen war.

Am vorigen Freitag nahm ich mir dafür mal wieder den Wappenweg rund um Ennepetal zur Brust. Meine Lieblingsstrecke, die ich bereits zwölfmal an nur einem Tag absolviert habe und über die auch hier im Blog schon so manche Zeile zu lesen ist, weswegen ich jetzt nicht in aller Kleinigkeit über Stock und Stein berichten möchte. Die Essenz des Tages soll reichen …

Wie eh und je startete ich früh am Morgen am Schloss Martfeld in Schwelm. Ich wollte es ruhig angehen lassen mit vielen Pausen und strebte dieses Mal keine besonders gute Laufzeit an. Doch schnell spürte ich ein gutes Gefühl in den Beinen, der Ehrgeiz erwachte zum Leben und bald brachte ich manche Bergabpassage gar in einem leichten Trab hinter mich. Denn so konnte ich immer wieder „verlorene“ Zeit aufholen, da ich an den häufigen Pausen – etwa einmal pro Stunde – trotzdem weiterhin festhielt. Ich kam in einen Flow, passierte Milspe, huschte an der Hasper Talsperre vorbei und wanderte durchs Tal der Ennepe. Alles schien an diesem Tag perfekt zu sein auf diesem 54 km langen Streifzug. Bis ich zur Heilenbecker Talsperre kam. Hier war der Weg verlegt, da die Passage durch Ebinghausen gesperrt ist.

Kurzerhand folgte ich der neuen Beschilderung, nur um wenig später festzustellen, dass hinter der Häuseransammlung Schiffahrt weitere Markierungen ausblieben oder nicht zu finden waren. Spontan nahm ich den logischsten Weg, bis ich zu einer Wegekreuzung kam und dumm dastand. Wo sollte es weitergehen? Mittlerweile war ich bereits über sieben Stunden unterwegs und wohl schon etwas mitgenommen – auf die Idee, mein Mobiltelefon herauszukramen und nach einer Onlinekarte des Wappenweges zu suchen, kam ich nicht. Eine normale Karte hatte ich nicht dabei und so bog ich in den Waldweg ein, der mir der richtige erschien. Doch er entpuppte sich als die falsche Wahl und bescherte mir einen ordentlichen Umweg samt blöder Latscherei entlang einer Bundesstraße, bis ich bei Schlagbaum wieder auf den richtigen Wappenweg stieß. Fortlaufend überschlug ich die ganze Misere und kam zu dem Schluss, dass ich die Runde, die mancherorts gar mit 56 Kilometern angegeben ist – die alten Schilder am Wegesrand scheinen nicht mehr zu stimmen –, so wahrscheinlich auf mindestens 58 km erweitert hatte. Mist.

Immer wieder blickte ich auf die Uhr. Ich wahr weiterhin angestachelt und wollte entgegen meiner morgendlichen Idee einer „lockeren“ Wanderung nun doch eine schnelle Zeit hinlegen. Zehn Stunden sind für mich auf dieser Strecke der Maßstab. Alles darunter ist gut, alles darüber schlecht. Und das basierend auf den einst nur 54 Kilometern … Ich machte noch eine Pause am Spreeler Bach, bevor ich zum Endspurt blies. Strammen Schrittes marschierte ich durch Wuppertal-Beyenburg, wo die Füße immer stärker anfingen zu zwiscken. Ein letzter langer Aufstieg Richtung Königsfeld, dann das Finalstück zurück nach Schwelm. Am Ende joggte ich nochmal. So gut es ging, versuchte ich alles zu geben. Als ich zurück war am Schloss Martfeld und sich der Kreis geschlossen hatte, waren 9 Stunden und 55 Minuten vergangen. Puh, trotz Wegeverlegung und nochmals selbstverschuldeter zusätzlicher Streckenverlängerung gerade noch eine „akzeptable“ Zeit ;-)

Aber ich wusste sofort: Irgendwann werde ich nochmal ran müssen, um dann mit weniger Pausen und auf dem richtigen Weg eine neue persönliche Bestzeit zu versuchen. Die liegt auf der alten 54 km messenden Strecke bei nur 7 Stunden und 55 Minuten – doch ich denke, dass da noch was gehen könnte …

Lest Euch derweil durch einige meiner weiteren bisherigen Erlebnisse auf dem Rundweg um Ennepetal oder werft einen Blick in ein Fotoalbum eines Microadventures auf dieser immer wieder schönen Wanderroute!

PS:
Es sind verrückte Zeiten. In all der bisherigen Corona-Krise fiel uns auf, dass es so viele Menschen hinaus in die Natur zieht wie nie zuvor. Selbst in der Woche sind momentan mehr Leute im Wald unterwegs als zu normalen Zeiten am Wochenende. Hatte ich bei meiner langen Tagestour zumeist einigermaße Ruhe – es war trüb und nicht allzu warm –, ist bei dem jetzt oft schönstem Wetter vielfach die Hölle los. Insgeheim hoffen wir daher schon wieder auf die Nach-Corona-Zeit, wenn die meisten bestimmt wieder lieber in Geschäfte und Cafés strömen werden und es im Wald erneut so einsam sein wird wie zuvor.

Ein Fujifilm-Festbrennweiten-Update

– Store Mjølkedalsvatnet – X-Pro2, XF23mmF1.4 R, 1/210 Sek, f 11, ISO 200 –

Besonders auf Reisen ist es verlockend, nur mit einer kleinen Fotoausrüstung loszuziehen, um unbeschwert unterwegs zu sein. Schon seit ein paar Jahren habe ich mir daher die Not zur Tugend gemacht und fröne einem „Weniger ist mehr“.

Doch bevor ich seinerzeit mein Equipment abgespeckt habe, hatte ich mir nicht nur die Frage gestellt, welche Festbrennweiten von Fujifilm ich nehmen soll, sondern auch einige Gedanken zur Konzentration auf das Wesentliche gemacht. Nun möchte ich meine einstigen Überlegungen nochmals zusammenfassen und meine bisher gewonnenen Erfahrungen schildern.

Mein erster Bildband Mein Norden ist im Juni 2017 erschienen. Eine Liebeserklärung an raue Landschaften, karge Regionen und eine intensive Art des Unterwegsseins. Elf Reisen habe ich dafür in den Norden unternommen. Vier Jahre, in denen ich zu allen Jahreszeiten zu immer neuen Abenteuern aufgebrochen bin. Allein, mit Freunden und mit der Familie. Wanderungen und Skitouren, dokumentiert in Bildern und Texten, die Erlebnisse und Emotionen transportieren. Immer mit dabei: Meine Kamera und diverse Objektive, die viele verschiedene Brennweitenbereiche am APS-C X System von Fujifilm abdeckten – von 10 bis 200 Millimetern. Im Laufe der Zeit habe ich vieles ausprobiert, mal nur ein 18-55-mm-Zoom plus eventuell einer einzelnen Festbrennweite oder auch Kombinationen mehrerer Zooms. Doch während dieser Reisen in nordische Länder merkte ich schnell, dass trotz des breit aufgestellten Equipments die Resultate nicht automatisch besser wurden. Aber es gab auch Unternehmungen, auf die ich ausschließlich ein paar Festbrennweiten mitgenommen habe – und das waren die fotografisch intensivsten Streifzüge.

– Trælanípa – X-Pro2, XF56mmF1.2 R, 1/10500 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Ling Hut – X-Pro2, XF23mmF2 R WR, 1/280 Sek, f 8, ISO 200 –

Eine Analyse der Bilder

Nach Abschluss dieser Fototouren zu Fuß und auf Skiern machte ich entlang meiner Bilder eine Analyse. Es war interessant zu sehen, welche Brennweiten am häufigsten zum Einsatz kamen: Die extremen Bereiche, also Ultraweitwinkel und stärkeres Tele, habe ich in der ganzen Zeit nur sehr selten eingesetzt. Das meiste spielte sich bei mir zwischen 16/18 und 55 Millimetern ab. Daher könnte man meinen, ich müsste mit einem guten Zoom als alleiniges Objektiv bestens zurechtkommen – etwa mit dem Fujifilm XF16-55mmF2.8 R LM WR, weil es den für mich wichtigsten Bereich in einer Optik vereint. Allerdings mag ich dieses dicke Ding nicht und ich habe ja zudem festgestellt, dass ich ohnehin mit Festbrennweiten viel lieber und bewusster fotografiere.

Den eigenen Bildstil fördern

Sich auf wenige Brennweiten zu beschränken, schlägt sich zudem im Bildstil nieder. Dieser wird nämlich nicht nur geprägt durch Aspekte wie Motivwahl, Ausschnitt, Lichtsetzung, den Auslösemoment und die Bildbearbeitung, sondern darüber hinaus auch in großem Maße durch die eingesetzten Objektive. Eine bewusste Beschränkung und die dadurch häufigere und immer wiederkehrende Nutzung bestimmter Brennweiten führt auch dazu, dass sich der persönliche Stil stärker ausprägt, was den Wiedererkennungswert steigert.

Eine Handvoll Objektive

Diese „Verdichtung“ möchte ich mir bei meinem aktuellen Fotoprojekt zunutze machen und über die ganze Projektdauer nur mit wenigen Festbrennweiten fotografieren – genauer: mit drei, ab und an vielleicht sogar nur zwei Objektiven. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, nur eine Festbrennweite mitzunehmen – ein Mindestmaß gestalterischer Abwechslung ist mir in jedem Fall wichtig. Doch welche Objektive kommen dafür infrage? Die Antwort darauf hatte ich recht schnell gefunden: ein Trio aus den 16-, 23- und 50- bzw. 56-mm-Optiken für das Fujifilm X System – umgerechnet ins Kleinbildformat also Objektive mit 24, 35 und 75 bzw. 85 mm. Vieles sprach dafür, primär mit diesen Linsen loszuziehen und so meinen „reportageartigen“ Stil der Landschaftsfotografie weiter voranzutreiben und herauszuarbeiten. Denn ein Ziel meiner Fotografie ist es, meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in Bildern darzustellen und einzufangen. Der menschliche Blick entspricht ja in etwa dem Bildwinkel eines 50- oder 35-mm-Kleinbildobjektivs. Diesen Seheindruck möchte ich nur moderat erweitern und insofern mit allen verwendeten Brennweiten möglichst nahe an einer „natürlichen“ Darstellung bleiben. Also steckte ich den zu verwendenden Brennweitenbereich nach unten mit einem etwas stärkeren Weitwinkel und nach oben einem leichten Tele ab. Den geschwätzigen Aufnahmewinkel eines Ultraweitwinkels finde ich für meine Zwecke ebenso übertrieben und nicht „normal“ wie die sehr starke Verdichtung eines Superteles.

– Cerro Chalten („Der Rauchende“) – X-Pro2, XF50mmF2 R WR, 1/1700 Sek, f 5.6, ISO 200 –
– Sommerbrücke – X-Pro2, XF16mmF2.8 R WR, 1/3200 Sek, f 2.8, ISO 200 –

Erfahrungen aus bisherigen Reisen

Inzwischen habe ich schon mehrere auf diesen Ansatz gestützte Reisen unternommen. So kamen beispielsweise bei einer Fotoreise auf die Färöer-Inseln überwiegend die bewährten und lichtstarken 16er-, 23er- und 56er-Glasklötze mit Anfangsblenden von F1.4 bzw. F1.2 zum Einsatz. Auf dem Cape Wrath Trail in Schottland oder in den Bergen Patagoniens dagegen die kleineren und leichteren F2er-Alternativen, die in Anlehnung an die Summicron-Reihe von Leica als „Fujicrons“ die Runde machen. Da es bei meinen Unternehmungen auf jedes Gramm Gewicht ankommt, sind diese Objektive natürlich sehr reizvoll. Und während mehrerer Wanderungen durch norwegische Nationalparks machte ich mir eine Kombinationen aus beiden Objektivreihen zunutze.

Nach den vielen gewonnenen Erfahrungen steht für mich allerdings außer Frage: Alle Technik wirkt nur unterstützend auf dem Weg, die eigene Kreativität voranzutreiben. Daher ist es im Grunde egal, welche Objektive man einsetzt. Ob die schweren, lichtstarken und optisch feinsten Festbrennweiten oder die leichten, kleinen und etwas weniger scharfzeichnenden Modelle. Die Kompromisse, die man eingeht, haben letzten Endes keinen entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche Qualität der Fotos. Für mich bedeutet das, bei meiner Lieblingsbrennweite, dem 23er-Weitwinkel, bevorzugt zur lichtstarken F1.4er-Version zu greifen, da dieses Objektiv gegenüber der F2er-Variante einfach die „schönere“ Bildcharakteristik liefert. Bei den anderen Brennweiten, bei denen die Leistungsunterschiede ähnlich sind, entscheide ich je nach Reise und Unternehmung, wo die jeweiligen Prioritäten liegen – ob bei minimalem Gewicht oder maximaler Bildqualität.

Die Ausrüstung auf wenige Festbrennweiten zu reduzieren, dient vor allem der Konzentration auf das Wesentliche – sprich, die wenigen Objektive zu finden, die den Kern des eigenen Stils ideal befeuern, unterstützen und sichtbar machen. Eine begrenzte Auswahl an Brennweiten engt keineswegs meine Möglichkeiten ein, sondern fördert die Konzentration auf die Motive und reicht aus, um eine Reise zu dokumentieren.

Denn wie sagte schon der großartige Anton Corbijn: „Instead of having four lenses, use one or two … limit yourself and make that work, and you become far more inventive.”

Welche Festbrennweiten sind denn Eure Favoriten? Oder greift Ihr nur zu Zooms? Das Für und Wider gerne in den Kommentaren!

Vorabartikel

> Welche Festbrennweiten von Fujifilm soll ich nehmen?
> Konzentration auf das Wesentliche

Anhang – meine aktuellen Fujifilm-Festbrennweiten

  • XF16mmF1.4 R WR
  • XF23mmF1.4 R
  • XF56mmF1.2 R
  • XF16mmF2.8 R WR
  • XF23mmF2 R WR
  • XF35mmF2 R WR
  • XF50mmF2 R WR
  • XF27mmF2.8

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

– Unstad –

Tja, vollmundig hatte ich noch im Dezember verkündet, es wäre mal wieder an der Zeit, mit Ski und Pulka-Schlitten durch die weiße Weite nordischer Einsamkeit zu ziehen. Und wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, hätte ich mich auch Anfang dieser Woche aufgemacht, um weit nördlich des Polarkreises von Abisko über Ritsem bis nach Kvikkjokk durch das schwedische Fjäll zu laufen. Zuerst ein Stück auf dem Kungsleden, dann etwas abseits des bekannten Königspfades und schließlich als I-Tüpfelchen einmal quer durch den Sarek. Allein hinein in „Europas letzte Wildnis“. Doch daraus wurde nix …

Vor drei Wochen nahm mich eine Grippe in ihren Würgegriff und fesselte mich über Tage mit Fieber ans Bett. Gut, da war es noch lange hin bis zur Abreise nach Lappland, nur lag die diesjährige Nordische Momente – Lofoten Masterclass noch dazwischen. Gerade rechtzeitig kam ich soweit wieder auf die Beine, mich dorthin auf den Weg zu machen. Doch während der vier Flüge, die es brauchte, um das Insel-Archipel in Nord-Norwegen zu erreichen, kam das Fieber zurück und mein Kopf schmerzte höllisch. Vor Ort berappelte ich mich zum Glück zwar rasch und konnte gemeinsam mit Michael Schaake unsere Fotogruppe begleiten, aber meiner weiteren Genesung war die Zeit nicht förderlich. Dabei war ich froh, dass es nicht allzu kalt war, denn selbst bei nur leichten Minusgraden kroch mir die Kälte rasch in die Glieder. Überhaupt spielte das Wetter nicht immer mit und oftmals trieb ein stürmischer Wind kräftigen Regen über die Inseln. Nichtsdestotrotz erlebten wir erneut eine wunderschöne Woche und versuchten allerorts, das Beste aus jeder Situation herauszuholen. Meine eigenen fotografischen Ambitionen waren dieses Mal allerdings nicht sehr ausgeprägt – umso mehr freute ich mich dafür für die Teilnehmer, wenn das Licht einmal gut, die Szenerien stimmungsvoll und ein jeder zu tollen Bildern kam.

Wieder daheim merkte ich bald, dass die Fotoreise tatsächlich nicht dazu beigetragen hatte, mich in Topform zu bringen. Ich war längst noch nicht wieder fit und bereit für eine anspruchsvolle Solotour. Nachdem mir meine HNO-Ärztin zudem zu einem absoluten Sportverzicht riet, machte ich Nägel mit Köpfen und cancelte schweren Herzens das Kungsleden- und Sarek-Abenteuer wenige Tage vor dem Start. Angeschlagen und allein durch die Bergwelt zu ziehen, bei Wind und Wetter Kilometer um Kilometer zu marschieren und jede Nacht im kalten Zelt zu schlafen, erschien mir weder verlockend noch ratsam.

Nun gut, Shit happens. Zähneknirschend bringen mich derweil Spaziergänge, Klettern und Bouldern langsam wieder in Form. Und ich sortiere Reiseideen. Die Skitour ist zwar aufgehoben, aber dafür rücken nun andere Ziele in den Vordergrund. Die Zeit wird zeigen, wie die nächsten Schritte aussehen werden – noch möchte ich dazu den Mund nicht zu voll nehmen …

Die Lofoten-Impressionen sind fotografiert mit der FUJIFILM X-Pro2 und dem XF23mmF1.4 R sowie dem XF56mmF1.2 R

– Å –
– Haukland –